Zum Inhalt springen

RE:Hyrodes

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
unkorrigiert
Dieser Text wurde noch nicht Korrektur gelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du bei den Erklärungen über Bearbeitungsstände.
Name zweier Partherkönige
Band IX,1 (1914) S. 536538
Scan: 536538, OCR
Register IX,1 Register hi
Link für WP
* {{RE|IX,1|536|538|Hyrodes|[[REAutor]]|RE:Hyrodes}}

Hyrodes ist die korrektere Namensform für die zumeist ohne weiteres als Orodes bezeichneten beiden Partherkönige (v. Gutschmid Geech. Irans 86 erwähnt jedoch wenigstens diese Form, ebenso z. B. Niese Grundr. d. röm. Gesch.* 235). Denn diese Namensform und nicht Orodes begegnet auf den Beversen von Obolen, die Orodes I. zuzuweisen sind (ὝΡΩΔΟΥ auf Münzen bei Friedländer Ztschr. f. Numismat. VI 8. Imhoof-Blumer Monn. grecques p. 453f. in Verhandl. Koningl. Akad. Amsterdam. XIV. Wroth Catal. of the coins of Parthia p. 96 vgl. p. XXXVI; die bei Gardner Parthian coinage p. 40 sich findende Lesung ὌΡΩΔΟΥ ist fallen zu lassen, s. Friedländer a. a. Ο. Imhoof-Blumera. a. O. p. 454). Außerdem bieten uns auch Münzen, die allerdings nicht Partherkönigen, sondern einem Unterkönige aus der Elymais zuzuweisen und die in die Zeit um Christi Geburt anzusetzen sind (s. die Belege im folg. Art.), gleichfalls die Namensform Hyndes, Schließlich findet sich der Name H. auch gerade in der in Plutarchs Crassus vorliegenden Überlieferung über den Partherfeldzug des Crassus (s. c. 18. 21. 22. 31. 32. 33), die man in letzter Linie doch wohl auf den Bericht eines zeitgenössischen mesopotamischen Griechen zuruckzuführen hat (so möchte ich die Timageneshypothese Reglings De belli Parthici Crassiani fontibus, Berl. 1899, 44ff. modifizieren); wir haben also auch hier die bestmögliche Tradition vor uns. Der uns aus dem Avesta bekannte iranische Name Hyraodha, der als der eigentliche Name der Partherkönige Orodes angenommen wird (so v. Gutschmid a. a. O., vgl. Burnouf Comm. sur le Vaçna 280. Justi in Geiger-Kuhn Grundr. d. iran. Philol. II 498, 4), paßt sich denn auch vorzüglich der Namensform H. an (die Form 40 Hyrodes auch bei Plut Anton. 33. 37. Polyaen. VII 41; vielleicht auch bei Appian. Syr. 51. Boissevain, Ausgabe des Cass. Dio I p. 496 Anm. bietet eine freilich nicht ganz vollständige Zusammenstellung über die Namensform aus der antiken Literatur; es fehlt z. B. auch Joseph. ant lud. XVIII,44). In späteren palmyrenischen Inschriften begegnet uns allerdings ein Name Οὐρώόης, Οὐορώόης) in semitischer Schrift durch Tm wiedergegeben (Vogüé Syrie centrale 22. 25), und dieselbe semitische Schreibung finden wir auch auf den wohl dem 1. Jhdt. n. Chr. angehörenden Münzen eines Herrschers des Elymais (pubL von A Hotte de la Fuye Bev. numism. IV. Ser. VI 105; s. auch Mordtmann Ztschr. f. Numism. III 226f. VII 48f.), von dessen Vorgängern einer mit der griechischen Münzlegende Hyrodes geprägt hat (s. den folg. Art.). Trotzdem scheint es mir nielit gestattet zu sein, wie Drouin Bev. numismat. III. Sör. XIII 375f. es tut, in Vorodes und nicht in Hyrodes diejenige Namensform zu sehen, die dem iranischen Namen am besten entspricht, und daraus Schlüsse auf einen anderen zugrunde liegenden Namen zu ziehen, da mir auch Drouins sprachliehe Erklärung des Namens Vorodes aus dem Iranischen nicht befriedigend erscheint; wir haben hier wohl vielmehr eine durch die semitische Münzaufschrift bedingte ungenaue Übertragung vor uns. Die Behandlung der beiden [537] Partherkönige H. s. unter der nun einmal gebräuchlich gewordenen Namesform Orodes.

Hyrodes I. und II., zwei Könige, welche wohl in der Landschaft Elymais (Susiana) und angrenzenden Teilen der Bereis etwa in den letzten Jahrzehnten vor Christi Geburt und in der ersten Hälfte des 1. Jhdts. n. Chr. regiert haben. Es begegnen uns nämlich unter Kupfermünzen, die in diesen Gegenden gefunden worden sind, auch eine größere Anzahl mit der Münzaufschrift 10 ,König Hyrodes’ (Mordtmann Ztschr. f. Numism. III 2283. VII 40ff. Allotte de la Fuye Rev. numism. IV. Ser. VI 105f. 112). Da sich nun unter diesen Münzen zwei sowohl durch die Münzbilder als auch durch die Münzsprache - griechisch in dem einen, Pehlewi in dem zweiten Falle - verschiedene Klassen ergeben, so sind, wofür sich schon Mordtmann a. a. O. mit Recht ausgesprochen hat, zwei Könige des Namens H. anzunehmen (zu der Namensform s. den vorher- 20 gehenden Art., für die Münzen mit der semitischen Schrift s. außer Mordtmann auch Allotte de la Fuye a. a. O. 105). Ihre Zeit ergibt sich einmal aus der großen Münzreihe, der man sie doch wohl zuteilen darf: diese hebt an mit der elymäischen Dynastie der Kamnaskires, von denen uns ein Mitglied noch aus den 70er Jahren v. Chr. bekannt ist (s. über diese Dynastie außer der Münzpublikation von v. Sall et Ztschr. f. Numism. Vill 205ff. jetzt die zusammenfassende Arbeit 30 von Alotte de la Fuye a. a. O. 92Æ). Ferner ist für die Zeitfestsetzung Tac. ann. VI 44 wichtig, da hier die Elymais zum letztenmal als selbständige Landschaft erwähnt wird, und zwar für das J. 36 n. Chr. (v. Gutschmid Gesch. Irans 158). Es erscheint mir nun unberechtigt, in den beiden Königen H. die beiden Partherkönige Hyrodes (Orodes) I. und II. zu sehen, wofür sich Mordtmann a. a. O. ausgesprochen hat, und was neuerdings wieder Allotte de la Fuye a. a. O. 106 für wahrscheinlich hält. v. Gutschmid a. a. O. 157ff. hat dies schon bestritten (ebenso wie v. Gutschmid entscheidet sich auch Imhoof-Blumer Porträtköpfe auf antik. Münzen hellenistischer und hellenisierter Völker 58) und darauf hingewiesen, daß auf den Münzen nur der einfache Königstitel, nicht der bei den Parther-königen zur Zeit der H. bereits allein übliche des ,βαοιλῖυς βασιλέων¹ begegnet. Ferner spricht auch das Verschwinden jeder griechischen Münzaufschrift und das alleinige Vorkommen von Pehlewilegenden auf den Münzen des zweiten Königs H.[1] gegen dessen Gleichsetzung mit Hyrodes II., da dies den parthischen Münzgebräuchen jener Zeit völlig zuwiderlaufen würde. Schließlich lassen sich die Kamnaskires, die auf Grund der ganzen Münzreihe mit den Königen H. in enge Verbindung zu bringen sind, als parthische Großkönige nicht nachweisen, und tatsächlich hat sich auch die unmittelbare Herrschaft der Arsakiden seit Mithridates L nicht mehr über die Ely-mais und die Ferais erstreckt Da unsere Münzen in der Elymais und in der Landschaft Persis gefunden wurden sind, und da ferner unsere [538] Münzreihe neben einer anderen in der Ferais gefundenen, welche allein Pehlewiaufschrift und einen einheimischen Mtatnras auf weist und einheimische}} Herrscher der Landschaft bezeugt, einherzngehen scheint, so hat v. Gutschmid a. a. O. wohl schon mit Becht den Schluß ausgesprochen, daß die H. außer der Elymais nur Teile der Persis beherrscht haben. Nun weisen uns schon die Namen H., sowie die griechische Münzlegende bei dem einen Herrscher auf Beziehungen zu den Partherkönigen hin, und derselbe Schluß ergibt sich aus der gelegentlichen Anwendung der Seleukidenära auf den Münzfen der Kamnoskires, ihrer Vorgänger. Al-lotte de la Fuye a. a. O. 108f. bringt diese auf Grund ihrer Münzbilder zum Teil sogar in verwandtschaftliche Beziehung zu den Arsakiden. Ob man wirklich in den H. Angehörige einer Seitenlinie des parthischen Königshauses sehen darf, erscheint mir freilich nicht sicher, aber als ganz selbständige Herrscher wird man sie kaum fassen dürfen, sondern als Unterkönige der Parther, und zwar umsomehr, als auch die Münzen der einheimischen Dynastie der Persis, die dem 1. Jhdt v. Chr. angehören, Anzeichen aufweisen, welche eine parthische Oberherrschaft andeuten (s. Mordtmann a. a. O. III 223. IV 152ff. v. Gutschmid a. a. 0. 157. 159. Justi in Geiger-Kuhn Grundr. d. iran. Philol. 487. Wroth Catal. of the coins of Parthia p. LXXXVI).

Auf die Entwicklung des Hellenismus im Osten werfen übrigens die Münzen der beiden H. interessante Streiflichter. Der ältere hat es darnach noch gewagt, den Hellenismus seinen Untertanen gegenüber auf seinen Münzen zu vertreten, der jüngere hat ihn bereits ganz fallen gelassen; seine Dynastie, die doch wohl einen Fremdkörper in ihrem eigenen Beiche darstellte, dürfte dies ihren Untertanen zuliebe getan, welche eben vom Hellenismus nichts wiesen wollten. Auch die H.-Münzen, die so weit ab von den Hauptorten der Kultur gefunden worden sind, sind somit ein charakteristisches Zeichen für die nationale Beak-tion des Orients gegen die hellenistische Kultur (s. hierzu den Art. Herodes Nr. 14 o. Suppl.-Heft II S. 155f.).

Anmerkungen (Wikisource)

[Bearbeiten]
  1. Mordtmanns Lesung und Ergänzung des Reverses seiner Münze nr. 55 (a. a. O. VII 50): ∇ω = (Ὑρ)ώδ(ης) ist unberechtigt.