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RE:Is 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Stadt in Babylonien
Band IX,2 (1916) Sp. 2047–2048
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Franz Heinrich Weißbach: Is 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Band IX,2 (1916), Sp. 2047–2048, digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/RE:Is_1

Is. 1) (Ἶς Herodot. I 179, danach Herodian. techn. coll. Lentz I 402, 12. II 925, 5 u. Steph. Byz.). Stadt in Babylonien, 8 Tagereisen oberhalb Babylons, an der Stelle, wo ein gleichnamiger Fluß sich mit dem Euphrat vereinigt. Die Quelle dieses Flusses bringt zugleich Asphalt hervor, der beim Bauen der Mauern in Babylon als Mörtel diente. Die Stadt wurde bereits von dem assyrischen König Tukulti-NIN-IB II. (890–884) auf einem Streifzug im J. 885 berührt; vgl. Scheil-Gautier Annales de T. N, II (Paris 1909) 38ff. Von ihrem assyrischen Namen Id, It wird eine assyrische Bezeichnung des Erdpechs (sonst gewöhnlich kupru genannt) als iddū, ittū (eigentlich ,idisches, itisches‘) abzuleiten sein. Daß Isid. Char. (mans. Parth. 1) mit Ἀείπολις, ἔνθα ἀσφαλτίτιδες πηγαί (16 Schoinen stromabwärts von Izan, s. d.) die gleiche Stadt meint, liegt auf der Hand. Zweifelhaft bleibt dies dagegen bei hebräisch Ahăwāh Ezra 8. 15 (LXX: Εὐί) und 21 (LXX: Ἀουέ). Der talmudische Name ist איהי דקירא (Ehī dakīrā), d. h. Ehī (etwa = hebräisch אי ,Gestade, Ufer‘?) ,des Asphalts‘; vgl. Neubauer Géographie du Talmud 353f., Paris 1868. A. Berliner Jahresber. des Rabbiner-Semin. zu Berlin 1882/3, 62. Traian kam 116 n. Chr. an der Stelle vorüber. Der Epitomator des Cassius Dio nennt die Stadt nicht, sondern sagt nur (LXVIII 27, 1), daß der Kaiser ,daselbst‘ den Asphalt gesehen habe, aus dem die Mauern Babylons gebaut waren. Doch wurde im J. 362 den Truppen Iulians, der denselben Weg zog, etwas weiter stromabwärts das tribunal Traians (Ammian. Marc. XXIV 2, 3), ein βῆμα ὑψηλὸν ἐκ λίθου πεποιημένον (Zosim. III 15, 3), gezeigt. Die Berichte dieser beiden Schriftsteller weichen hier in charakteristischer Weise voneinander ab. Ammian nennt zunächst einen Ort Diacira mit einem hohen Tempel, der die Burg überragte. In der fast menschenleeren Stadt fand Iulians Heer Vorräte von Getreide und Salz. Einige Frauen, die nicht mit den übrigen Einwohnern geflohen waren, wurden umgebracht, die Stadt selbst in Brand gesteckt. Dann ging es an der Bitumen-Quelle vorüber nach Ozogardana, wo das Tribunal Traians gezeigt wurde. Diesen Ort nennt Zosimos Ζαραγαρδία, den ersten Δάκιρα. Die Asphaltquelle verlegt er auf das ,jenseitige Ufer, durch welches das Heer den Marsch nahm‘. Von hier gelangte [2048] es nach Σίθα, dann nach Μηγία und schließlich nach dem schon genannten Zaragardia. Es ist klar, daß sowohl in Diacira, als auch in Δάκιρα der zweite Teil des talmudischen Namens dakirā ,des Asphalts‘ steckt. Das ,jenseitige Ufer‘ bei Zosimos kann sich nicht auf den Euphrat beziehen, da nicht nur Dakira, das Zosimos als πόλιν ἐν δεξιᾷ πλέοντι τὸν Εὐφράτην κειμένην bezeichnet, sondern auch die Asphaltquellen westlich vom Euphrat liegen. Wohl aber mußte das Heer das Tal des

,Flusses‘ Is durchqueren. Von den beiden weiterhin genannten Orten ist Megia völlig unbekannt, während Sitha den Namen It zu enthalten scheint (ΕΙΣ ΣΙΘΑ in ΕΙΣΙΘΑ, εἰς Ἴθα zu verbessern?). Zosimos hätte demnach aus den beiden Namen der Stadt (Ehī dakirā und It) zwei verschiedene Städte gemacht. In diesen Zusammenhang gehört schließlich noch die babylonische Stadt Ἰδικάρα (Ptolem. V19,6), deren Name wohl aus ’I (= Ehī)-dakira umgesetzt ist. Seit der arabischen Zeit heißt die Stadt Hît. Sie liegt auf einem bis zu 100 Fuß ansteigenden Hügel ziemlich nahe dem Westufer des Euphrat. Die Entfernung von Babylon beträgt nicht 8, sondern nur 5 Tagereisen. Der Rauch ihrer sehr ergiebigen Asphaltquellen ist viele Stunden weit sichtbar. Der ,Fluß‘ Is bei Herodot schrumpft auf ein paar dürftige Rinnsale zusammen, die das Wasser der Asphalt- und der Salzquellen dem Euphrat zuführen. Die Quellen selbst liegen westwärts und unweit der Stadt in einer Niederung Wâdi ’l-marǧ (,Wiesental‘). Die Gewinnung und Ausfuhr von Asphalt und Salz, sowie der Bau primitiver Schiffe, die mit Asphalt gedichtet werden, bilden noch heute die Hauptbeschäftigung der Einwohner; vgl. Aboulféda Géogr. trad. p. Reinaud T. II P. 2 pp. 71f., Paris 1883. Ritter Erdkunde X 142f. XI 749ff. Chesney Expedition II 436ff. 636f., London 1850; ders. Narrative 76f. 280f., London 1860. Cernik Petermanns Mitt. Erg.-H. XLIV 23ff., 1875. Ainsworth Narrative I 440ff., Lond. 1888. Peters Nippur I 159ff., New-York 1897. Scheil-Gautier a. a. O. Pl. VIII.