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RE:Itonia

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Epiklesis der Athene
Band IX,2 (1916) Sp. 2374–2376
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Ada Adler: Itonia. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Band IX,2 (1916), Sp. 2374–2376, digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/RE:Itonia

Itonia (Ἰτωνία), Epiklesis der Athene. Nebenformen: Ἰτωναία, Steph. Byz. s. Ἴτων; die Form Ἰτωνίς ist poetisch, Apoll. Rhod. I 551. 721 var. lect., mit Schol. Etym. M. 478, 48. Fest. s. Itonida geht wohl auf Scholien zurück. Steph. Byz., Epigramm des Leonidas Anth. Pal. VI 130 und sonst; desgl. Ἰτωνιάς Kallim. hymn. VI 75. Anth. Pal. IX 743. Steph. Byz.; Ἰτώνη in anonymem Dichterzitat Etym. M. 519, 3, und Steph. Byz; Suidas fälschlich: ἡ Ἄρτεμις wie Anecd. var. ed. Studem. 270 (während p. 269. 276. 282 Ἰτωνία richtig unter den Beinamen der Athena steht), vgl. Wentzel Ἐπικλήσεις I 8. Der Name wird richtig von der thessalischen Stadt Ἴτων oder Ἴτωνος abgeleitet, Etym. M. 479, 48. Eusthat Il. 324, 26. Fest. Lactant. in Stat. II 721; vom boiotischen Heros Itonos, Paus. IX 34, 1. Schol. Apoll. Rhod. I 551. 721. Steph. Byz. Dümmler (o. Bd. II S. 1947) leitet ihn von ἰτεῶνες, Weidegebüsch ab, was vielleicht für den Stadtnamen gültig ist.

a) Thessalien ist die Heimstätte der Göttin, Hekataios in Schol. Apoll. Rhod. I 551, vgl. 721. In der phthiotischen Stadt Iton hatte sie einen Tempel, Strab. IX 15, 4 p. 435. Schol. Kallim. VI 75, dies ist wohl der Ausgangspunkt des Kultus. Eine andere thessalische Kultstätte erschließen Höfer in Roschers Myth. Lex. und Busolt Gr. Gesch. I² 243, 2 aus Paus. I 13, 2, der den Tempel zwischen Larisai und Pherai ansetzt und von einer Weihung des Pyrrhos erzählt; die Geschichte ohne Ortsangabe Diodor. XXII 22. Plut. Pyrrh. 26, 8, vgl. Anth. Pal. VI 130. Der Kult dieser Polias (Nilsson Gr. F. 86) hatte sich über Thessalien verbreitet, wo der Monatsnamen Itonios (s. d.) häufig vorkommt (der Namen einer Freigelassenen Ἰτωνία IG IX 2, 568 ist dagegen örtlich aufzufassen, Sittig De Graec. nom. theophoris, Halle 1911). Das Fest I. ist für Krannon überliefert, Polyaen. II 34. Kallim. h. VI 75 bezieht Nilssen Gr. F. 89 auf Dotion. Sicher wurde es auch in Itonos gefeiert, denn hierher werden Theoren aus Kos geschickt, Inschrift bei P. Boesch Θεωρός, Gött. 1908. Die Münzen [2375] des thessalischen Bundes, 196–146 v. Chr., zeigen Athena I. mit erhobener Lanze, Cat. Gr. Coins Brit. Mus. Thessaly S. 1–9 Taf. I, von der Insel Peparethos Head HN new ed. 313. Derselbe Typus findet sich auf einem in der histaiotischen Metropolis gefundenen Goldknopf, Athen. Mitt. XXXVII 102. Sehr ähnlich ist die Athena auf einer Münze von Phthiotis, aus dem J. 300 v. Chr. Coins S. XXIX und 48 Taf. X 17, wo der Kult seine Wurzel hat; vgl. auch S. XXIX und 39 Taf. VIII 9 aus Perrhaibia 5. Jhdt. Andere Bundesmünzen zeigen den behelmten Kopf, S. 4–6, nr. 43. 47–48. 62–67 Taf. I 4–6.

b) Von großer Bedeutung war ebenfalls der boiotische Kultus, Schol. Apoll. Rhod. I 551, 721. Stat. Theb. II 721. VII 330. Bacchyl. frg. 15 ist, wenn auf Lactant. in Stat. VII 330 Verlaß ist (vgl. Bergk frg. 23), auch auf die boiotische I. zu beziehen. Das Heiligtum lag nahe Koroneia, Strab. IX 2, 28 p. 411. Paus. IX 34, 1 beim jetzigen Dorf Mamura (IG VII 2859ff. Foucart Bull. hell. IX 427ff.). Strabon (ähnlich IX 5, 14 p. 435) erzählt, daß es von den aus Thessalien vertriebenen Boiotern gegründet war, die den vorbeifließenden Fluß nach dem in Itonos Κουάριος genannt hatten, während Alkaios in einer Anrufung der Athene ihn Κωράλιος nennt. Dieser Name wird mit Κούρη in Verbindung gesetzt, Farnell Cults I 265, vgl. Nilsson Gr. F. 91. In demselben Tempel wurde Hades κατά τινα μυστικὴν αἰτίαν verehrt; dies letzte streitet gegen Paus. IX 34, 1: Im Tempel befanden sich Statuen der Athene I. und des Zeus, von Pheidias' Schüler Agorakritos verfertigt. K. O. Müller Kl. Schr. II 192. Welcker Gr. Götterl. I 313 schließen hieraus auf einem chthonischen Zeus, was immerhin möglich ist, und beziehen, von Overbeck Kunstmyth. I 47f. Furtwängler Meisterw. 114, 1 (seine weiteren Kombinationen, auch S. 742, sind völlig unhaltbar) gefolgt, auf diese Statuen eine Gemme, Gori Mus. Flor. II 72, 1 (danach Müller-Wieseler Denkm. II 226). Hier hält Athene, sitzend, behelmt, mit Lanze, eine Opferschale über dem Feuer auf einem Altar; ihr gegenüber sitzt ein Gott von zeusähnlichem Typus, von Kerberos begleitet. Overbeck (s. auch Gesch. d. Plastik I³ 278) erkennt hier nur die Typen der Götter in freier Komposition; dies mag richtig sein, doch ist sonst von chthonischer Bedeutung dieser Göttin nichts zu spüren. Aus der Verbindung mit Iodama (s. d.) kann sie nicht erschlossen werden; diese hatte im Heiligtum einen Altar, wo täglich Feuer angezündet wurde unter Anrufung der Heroine, Paus. IX 34, 1; sicherlich ist sie die ursprüngliche Herrin der Stätte. Athene I. ist die Bundesgöttin der Boioter, von kriegerischem Charakter (Alkaios). In ihrem Heiligtum wurden die Pamboiotia (s. d.) gefeiert, Strab. Paus.; IG VII 2871 zeigt, daß auch Ares hier eine Rolle spielte. Die Priesterin wurde vom Bunde ernannt IG VII 3426. Siegesfeier, Polyaen. VII 43; Siegesbeute wurde von Agesilaos hier geweiht, Plut. Ages. 19. Weihung von Statuen, Liv. XXXVI 20: des Antiochos; IG VII 2711, l. 73, im J. 73 n. Chr. Der Tempel hatte Asylrecht, Plut. Ages. 19; amat. narr. IV 8, s. o. Bd. II S. 1883. Die Münzen von Koroneia zeigen das Haupt der Athena I., Cat. Gr. Coins Brit. [2376] Mus. Central Greece S. 47 nr. 12–13 Taf. VII 10–11, 4. Jhdt.; im 5. Jhdt. ein Gorgoneion nr. 6–11 Taf. VII 6–9. Ob der Schild auf den boiotischen Münzen mit der I. in Zusammenhang steht, ist sehr zweifelhaft (Head Coins S. XXXVI; HN new ed. 343, zum Teil auf einer falschen Interpretation von Paus. I 25, 7 beruhend).

c) In Athen hatte Athena I. einen Tempel mit Schatz CIA I 210, vom J. 429/8; das itonische Tor erwähnt [Platon] Axioch. 364 D. Vgl. Catull. 64, 228. Thessalischen Ursprung vermutet Preller-Robert 214, 3.

d) Athena I. wurde eifrig in Arkesine und Minoa auf Amorgos verehrt, wo die Itonia die Hauptfeier waren, Nilsson Gr. F. 89f. Inschriften aus dem 3/2. Jhdt. IG XII 7; die Göttin wird genannt nr. 33. 34–35 Ἀθηνᾶ allein, diese aus Arkesine; 229, 13. 241, 4 aus Minoa. Delamarre (zu 241) vermutet einen Tempel, der beiden Städten gemeinsam war. Dittenberger (zu Syll.² 642) glaubt, daß der Kult von thessalischen oder boiotischen Einwanderern mitgebracht ward; das erste ist das wahrscheinlichste, weil auf Kos Theoren nach Itonos geschickt wurden, s. o.

[Adler. ]