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RE:Ius honorum

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
Wahlqualifikation in Rom zu öffentlichen Ämtern
Band X,1 (1918) S. 12311238
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Ius honorum. Das i. h. ist die rechtlich festgesetzte Wahlqualifikation zu öffentlichen Ämtern (Magistraturen) in Rom im Gegensatz zu der teilweise in der späteren Republik an seine Stelle tretenden, mehr faktisch wirkenden Nobilität, beide übrigens auf der gemeinsamen, allen antiken Verfassungen gemeinsamen Grundlage erwachsen, daß das Bürgerrecht noch nicht die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter mit sich bringe (für die griechischen Politien Aristot. pol. III, 5, 1277 b, 39. VIII 5, 1326 a, 20. 22. B. Keil in Gercke-Nordens Einleitung in die Altertumswiss. III² 348. 366). Hierbei bedeutet honos soviel wie magistratus, erst der Sprachgebrauch der Kaiserzeit (bes. Gai. I, 96 qui honorem aliquem aut magistratum gerunt) scheint unterschieden zu haben (Mommsen St.-R. I³ 8, 5; Ges. Schrift. III 37. Hirschfeld Kl. Schr. 295. Kniep Gai Institutionum commentarius primus 169) und unter honos in den Municipien auch den vom Kaiserduovir bestellten Praefecten zu verstehen, während die Magistrate gewählt werden. i. h. wäre demnach seinem ursprünglichen Sinne nach das Recht gewesen, zu einer Magistratur zu gelangen, doch kommt hier nicht ein subjektiv-öffentliches Recht darauf in Betracht, aus dem dann ein wirksamer Anspruch oder wenigstens eine rechtlich in Betracht kommende Anwartschaft auf Erwerb eines magistratischen Amtes erwachsen müßte, sondern eine bloße Rechtslage zugunsten des römischen Vollbürgers, deren Fehlen negativ wirkt, d. h. ausschließt. Den Juristen ist der Ausdruck i. h., soweit zu sehen, überhaupt fremd, und auch sonst bedient man sich eher einer andren Ausdrucksweise, z. B. in der Rede des Claudius über das i. h. der Gallier (s. u.) CIL XIII 1668, 36.

I. Das Ius honorum in Rom.

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Voraussetzung zur Erlangung einer Magistratur ist ursprünglich, d. h. bis zur Eröffnung des Consulartribunats 399 v. Chr. (Neumann in Gercke-Nordens Einleit. in die Altertumswiss. III² 449) oder spätestens des Consulats durch das licinisch-sextische Plebiscit (Gelzer Nobilität 1. 27. 42; über die Glaubwürdigkeit der Überlieferung Binder Plebs 366. 481) für die Plebeier allgemein der Patriziat. Ebenso wurde die Praetor (spätestens 337 v. Chr.), die curulische Aedilität [1232] (304 v. Çhr., s. o. Bd. I S. 450), die Censur (351 v. Chr., s. o. Bd. ἸΩ 8.1902Æ; gefälschte Lex Publilia Philonis, Liv. VIII 42, 14–16. Binder Plebs 485), schließlich der Pontificat und von den Augurenstellen sogar die größere Hälfte durch die Lex Ogulnia (300 v. Chr. Liv. X 6, 6. Cic. de domo 38) den Plebeiern zugänglich. Den Patriziern blieb nur der rex saerorum (s. u. Bd. I A S. 723), die drei großen Flaminate (s. o. Bd. VI S. 2486) des Iuppiter, Mars und Quirinus, die Salierstellen (s. u.), wahrscheinlich der princeps senatus (zur Bedeutung Geizer NobÜitat 39), und endlich das Amt eines inter* rex (s. o.) vorbehalten (Cic. de domo 38. Mommsen Römische Forschungen I 78ff.). Fernerhin entbehrten des i. h. in Rom die Angehörigen der munidpia civium Romanorum sine suf· fragio, die Freigelassenen und ihre Kinder (gesteigerte Ingenuität, s. o. Bd. IX S. 1545), end-20 lieh die Aerarii (s. o. Bd. I S. 674), die durch censorische Rüge aus der Tribus gestoßenen Bürger. Subjektive Grenzen für das i. h. bilden die Gesetze über Altersgrenzen und Intervalle, so das durch die Tradition schon ins Jahr 342 v. Chr. verlegte Plebiscit ne quis eundem magi-stratum intra decem annos caperei, Liv. VII 42, 2. Zonar. VII 25, 9 (gegen die Echtheit Pais Storia di Roma I2³, 277. Binder Plebs 484, dafür Mommsen St.-R I³ 519; Ges. Schrift. JOI 312, 75), fernerhin Spezialgesetze über die bei den Römern trotzdem sehr häufige Iteration (Übersicht über die einzelnen Fälle bei Mommsen St.-R. 13 501, 2. Madvig Verfass. I 342), so die Lex de censura non iteranda 265 v. Chr. (Liv. XXIII 23, 2. Plut. Coriolan. 1, Val. Max. IV 1, 3. CIL I, 1166), ein auf den älteren Cato zurückgeführtes Gesetz, daß niemand zum zweitenmal das Consulat bekleiden dürfe (Fest. s. pavimenta Poenica. Liv. epit. 56. Priscian. Dinstit. 3, 8 p. 601 Putsch, 88 Hertz), und endlich die Lex Villia annalis v. 180 v. Chr. (Liv. XL 44, 1. Ciç. de off. 11, 59; ad famil. X 25, 2; Phil. V 47. Appian. Pun. 12; Hisp. 84. Polyb. VI 19, 4). Diese erhob eine zehnjährige Kriegsdienst- oder richtiger wohl nur Wehrpflicht (Mommsen St -R. I³ 506. Madvig Verfass. I 335. Geizer Nobilität 4, 11) zur Voraussetzung für die Bekleidung einer Magistratur, erforderte ferner das Verstreichen einer zweijährigen Frist 0 zwischen der Bekleidung der patrizischen Ämter mit Ausnahme der Censur (s. o. Bd. IV S. 1114), und setzte schließlich die Rangordnung (certus ordo Cic. de lege agraria 11, 24) sowie das Erfordernis der aetas légitima (zum Begriff Mommsen St.-R. I³ 537. Brassloff Ztschr. d. Sav.-Stift. XXII 1901, 169ff.) fest, die wahrscheinlich für das Tribunat 27, für die Praetur 30 und für das Consulat 33 Jahre betragen hat (anders Madvig Verfass. I 336, der unter Beibehaltung des zweijährigen Intervalles für das 42. Jahr als Mindestalter beim Consulat eintritt unter Bezugnahme auf die Laufbahn Ciceros und dessen Angaben de off. II 59; de lege agraria II 3. Für den früheren Rechtszustand in dieser Frage Cic. Phil. V 47. Liv. XL 44, 1. Tac. ann. XI 22). Ferner ist es wahrscheinlich, daß durch Sulla auch für die Quaestur eine Altersgrenze festgesetzt wurde (Mommsen St-R. I³ 538ff) , außerdem [1233] dem wurde spätestens damals angeordnet, daß sich um curulische Ämter, von der Praetur an* gefangen, nur bewerben dürfe, wer bereits als Quaestorier (s. u.) im Senate saß (Mommsen a. O. 18 896). Die Entscheidung darüber, ob alle diese Erfordernisse erfüllt sind oder nicht, obliegt dem waUeitenden Beamten (Mommsen a. O.13 494. Herzog Staatsverfass. I 662. 673), besonders deutlich Ascon. in Cic. orat. in toga candida p. 69 Stangl, wo der Consul L. Volcacius Tullus Consilium publicum habuit, an rationem CatUinae habere deberet, si peteret consulatum. Außerdem findet Dispensation einzelner Bewerber durch das Gesetz, regelmäßig Plebiscit, statt, so Cic. acad. priora I 1 (Erlaß des Intervalles zwischen Aedilität und Praetur für L. Lucullus). Liv. X 18, 9. XXVII 6, 8 (Erlaß des zehnjährigen Intervalles zwischen der Bekleidung zweier Consulate für Q. Fabius Maximus). Liv. epit. 50. Appian. Hisp. p. 84; Pun. 112 (zweimaliger Erlaß des Mindestalters oder trotz der Überlieferung wohl richtiger der zehnjährigen Dienstpflicht für das Consulat des P. Cornelius Scipio Aemilianus, Madvig Verfass. I 335), doch findet sich auch stillschweigender Erlaß der gesetzlichen Vorbedingungen durch die wählende Volksversammlung, so Liv. epit. 11. XXVII 6, 3 (Wiederwahl des L. Postumius Megellus, anders Lange Böm. Altert. Π³ 641). XXII 35, 7 (abermalige Wahl sämtlicher Praetoren und Consuln mit Ausnahme des einen Consuls). Wegen der Iterationen in unsren Quellen ohne weitere Beifügungen s. o. Lediglich eine revolutionäre Maßregel der letzten Jahrhunderte der Republik- ist es gewesen, wenn Sulla durch die möglicherweise eine Lex data darstellende Lex Cornelia de pro-scriptione (Mommsen St.-R. III 311; Strafr. 1000, 4 und o. Bd. IV 8. 1551) den Söhnen und vielleicht sogar den Enkeln der Proskribierten das i. h. entzog (Vell. Pat. II 28, 4. 43, 4. Liv. epit. 89. Sen. de ira II 34, 3. Plut. Sulla 31; Cic. 12; Caes. 37. Dionys. Hal. VIII 80, 2. Cic. ad Att. II 1, 3; in Pis. 4. Plin. n. h. VII 117. Quinct. XI 1, 85. Cass. Dio XXXVII 25, 3. XLI 18, 2. XLIV 47, 4. XLV 17, 1), was nach mißglückten Versuchen erst Caesar aufhob. Außerdem taucht in unsren Quellen der Ausschluß von weiteren Ämterbewerbungen als Folge strafweisen Ausschlusses aus dem Senat auf, ohne daß die Tragweite dieser Verfügung ganz klar wäre (Mommsen St-R. 998ff.).

Die Zustände unter dem Principat weichen von den republikanischen Ordnungen vielfach ab. Wie bemerkt, hatte schon Sulla die Bewerbung um die curulischen Ämter an die Bekleidung der Quästur, also den Senatssitz geknüpft. Nunmehr wurde durch Tiberius unter Berufung auf Augustus und dessen vor seinem Tode hinterlassenen Wunsch überhaupt die freie Bewerbung um Gemeindeämter beseitigt und an die Voraussetzung eines Sitzes im Senate (s. u.) geknüpft, aus welch letzterem die Magistrate durch kaiserliche Präsentation, Commendation (s. o. Bd, IV S. 722), endlich im Wege senatorischer Wahl als regelmäßiger Besteilungeart (Tac. ann. I 15, 1. Vell. Patere. II 124, 3) hervorgingen, um dann vom Volke, möglicherweise durch Akklamation (Cass. Dio LVIII 20, 3), mit staatsrechtlicher Wirksamkeit, [1234] gewählt zu werden (s. u. I A S. 600). Die Verschiebung ist also zunächst mehr eine faktische als eine rechtliche (anders Mommsen St.-R. III 348); indes gewinnt sie in den fließenden staatsrechtlichen Verhältnissen des 1. Jhdts. der Kaiserzeit bald die Bezeichnung und Inhalt einer rechtlichen Geltung, wie namentlich in der bereits erwähnten Rede des Claudius, zwar nicht in dem wahrscheinlich auf die Protokolle des Senats zurückgehenden Original CIL XIII 1668,[1] wohl aber im Berichte des Tacitus (über das Verhältnis beider Fabia Revue historique de Lyon Vn 1908, 5ff. Andresen J. B. Philol. Verein, Berlin XXXIV 368, auch o. Bd. LII S. 2779) ann. XI 23 von dem i. h., das den primores der Gallier verliehen werden soll, gesprochen wird, obgleich es sich zunächst nur um ihre Aufnahme in den Senat handelt (Tac. ann. XI 25, 1). Jedenfalls bringt indes die immer weitergehende Durch-20 dringung des Senatorenstandes mit Provinzialen auch eine Provinzialisierung der Magistratur mit sich (Stech Senatores Romani qui fuerint inde a Vespasiano usque ad Traiani exitum, X. Beih. zur Klio 150ff. Felicitas Sintenis Die Zusammensetzung des Senats), während der Kreis der republikanischen Nobilität, d. h. der Nachkommen eines republikanischen Consuls geschlossen war (Geizer Hermes L 1915, 406ff.). Als Reform der Kaiserzeit ist ferner hervorzuheben, daß bereits Augustus ein Mindestalter von 25 Jahren für die Magistratur festsetzte (Cass. Dio LII 20, 1. Mommsen Ges. Schrift. I 311; St.-R. I³ 373).

II. Das i. h. in den Gemeinden außerhalb Roms.

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Das i. h. in den Gemeinden latinischen Rechts, den Halbbürgergemeinden, soweit sie eigene Verwaltung besaßen (municipium, s. u.), ferner in den als colonia, municipium im uneigentlichen Sinne oder praefectura bezeichneten Vollbürgergemeinden mit Decurionatsverfassung (s. o. Bd. IV S. 2322) entspricht in wesentlichen Punkten den eben dargelegten römischen Ordnungen der Republik, von denen es sich nur durch die Kodifizierung in der Lex municipii, coloniae, civitatis oder loci unterscheidet. Was also in Rom bloßes staatsrechtliches Herkommen ist, genießt dort den Charakter eines formellen Gesetzes. Doch hatten sich schon in den einheimischen Ordnungen Italiens, die noch vor Eingriffen der römischen Gemeinde 50entstanden sind, Ansätze zu einem dem römischen ähnlichen Ämterrecht gefunden. Wir beobachten namentlich bei den Etruskern einen dem römischen ähnlichen, streng eingehaltenen Cursus honorum, wir begegnen der Annuität der Magistrate, mit welcher andererseits die auch bei den Römern so häufige Iteration vereinbar ist; des näheren führt dieser Cursus honorum steigend vom purne (epröne) zum marunu und schließlich zum xila (Rosenberg Staat der alten Ita-60liker 70. Kornemann Klio XIV 1914, 191). Ebenso ist die Terminologie der Ämter außerhalb Etruriens, sei es auf Grund ursprünglicher, übereinstimmender Bildungen wie bei der oski-schen Censur, sei es auf Grund einer Entlehnung aus dem gemeinen latiniechen Verfassungsrecht wie bei der Adilität und Quästor dieses Volksstammes vielfach die gleiche (Rosenberg a. O. 31), wenn auch der Grundbegriff des Staatsrechtes, [1235] das magistratische Imperium außerhalb Roms, keine plenitudo potestatis, wie bei den Römern darstellt, sondern von vornherein getrennte Zuständigkeitskreise angenommen werden (s. o. Bd. IX S. 1201. Rosenberg a. a. O. 44). Nur vermuten kann man ferner einen gemeinitalischen, auch die Etrusker umfassenden Dreibeamtenstaat mit abgestuftem Imperium, dessen Entstehung bis in die Zeit vor der städtischen Ansiedelung (pagi) zurückginge und der in Rom durch die Zeit der drei Praetoren (zwei Consuln, ein Praetor) dargestellt würde (De Sanctis Storia dei Romani I 405. Lenze Hennes XLIX 1914, 113. Geizer Nobilität 40, 1. Kornemann Klio I 1905, 82. XIV 1914, 193). Ebenso findet sich ferner bei den alten Latinern (prisci Latini) der Dictator mit einjähriger Amtsdauer, anscheinend im etruskischen Einflußgebiet, wo an der Spitze von Staat und Staatenbund seit jeher nur ein Beamter steht; oder aber zwei Praetoren (s. o. Bd. V S. 389. Binder Plebs 253. Rosenberg Staat 76ff. Kornemann Klio XIV 1914, 191. Beloch Der italische Bund 158ff.).

Eine wichtige Rolle spielte bei dem derart unter römischem Einfluß entstandenen i. h. der abhängigen Gemeinden von Latinern und römischen Bürgern die Lex Iulia municipalis, deren Entstehung nach der Äußerung Cic. ad fam. VI 18, 1 ins J. 45 v. Chr. zu setzen ist (Mittels Ztschr. d. Sav.-Stift. XXXIII 1912, 178, aus der älteren Literatur Savigny Vermischte Schriften III 279ff. Puchta-Krüger Cursus der Instit. I10 225. Dagegen Pais Rendiconti della R. Accademia dei Lincei XIX, Ser. 5 a nr. 11. Nap Verh. d. K. Akad. Amsterdam XI 1910 nr. 4). Hiebei hat man wohl nicht im Sinne Savignys und Puchtas a. a. O. an eine allgemeine Städteordnung, sondern nur an ein Rahmengesetz zu denken (Kipp Gesch. der Quellen³ 44. v. Mayr Röm. Rechtsgeschichte II 1, 16. Mitteis a. a. O. Neumann in Gercke-Nordeus Einl. in die Altertumswiss. III² 454, s. auch o. Bd. VIII S. 404. Krüger Literatur und Quellen² 80), das durch die besonderen Ordnungen für die einzelnen Städte zu ergänzen war, wie sie durch den deductor colonise (s. o. Bd. IV S. 569) und den constitutor municipii auf Grund der Ermächtigung durch ein die Gründung der Stadt anordnendes oder ihre Beteilung mit dem Stadtrecht verfügendes Volksgesetz, später kaiserliche Bestimmung (Plin. n. h. III 3. 30) verfügt wurden (Lex municipii oder coloniae». Hingegen ist Mommsen Ges. Schriften I 153. 286, 1Ö. Legras La table latine d’Heraclée la prétendue lex Iulia municipalis. Kübler Ztschr. d. Sav.-Stift XXVIII 1907, 409. Hackel Wien. Stud. 1902, 552. Karlowa Röm. Rechtsgesch. I 439 gegen die Existenz einer allgemeinen Städteordnung im römischen Reich, wie sie sich in der genannten Inschrift CIL I 706[2] darstellen würde, aufgetreten. Jedenfalls ist daran festzuhaiton, daß die Gemeindeverfassungen vermöge der salvatorischen Klausel der Constitutio Antoniniana (P. Giss. I 40 Col. I. Mitteis-Wilcken. Chrestomathie II 2 nr. 377, 8): [μ]ένοντος [παντὸς γένους πολιτευμ]άτων auch nach diesem Kaisergesetz aufrecht blieben. Hingegen griffen Volksgesetze nur ganz selten mit allgemeinen Bestimmungen in die Städteord- [1236]

Lücke

CIL I 46, 29 sogar die Iteration überhaupt. Späterhin ist indes der Zwischenraum zwischen zwei Bekleidungen des gleichen Amtes zunächst auf fünt’ Jahre beim Decurionat (Malacca Col. I 53) festgestellt worden, eine Frist, die nachher auf alle Ämter erstreckt wurde Cod. X 41, 2 (Zusammenstellung von Iterationsfallen bei Seeck Gosch, des Unterganges der antiken Welt II 2, 593); seit dem 3. Jhdt. scheint dann die [1237] Iteration ganz aufzuhören Seeck a. a. O. II 1. 187. Handelt es sich hingegen nm die Bekleidung verschiedener Ämter, so ist ein certus ordo einzuhalten, Dig. L 4, 11. 14, 5, der, obgleich ausdrückliche Anordnungen darüber in den Inschriften bisher fehlen (Dernburg Kritische Ztschr. f. ges. Rechtswiss. III 1856, 178. Hirschfeld Gött. Gel. Anz. 1870, 1090), von der Aedilität oder Quaestur zum Duovirat geführt zu haben scheint (CIL III 609.[3] X 127,[4] s. o. Bd. V S. 1807, 10 ferner die Zusammenstellung von Vaglieri bei Ruggiero Diz. I 263. Mommsen Ges. Schriften I 298, 37), und außerdem gilt für die Bekleidung verschiedener Ämter eine dreijährige Zwischenzeit als erforderlich, Cod. X 41, 2. Der Zeit des sinkenden Reiches gehört es an, wenn ähnlich der Bindung des i. h. in Rom an den Senatssitz (s. o.) nur mehr Decurionen im Wege der Nomination Beamte in den Municipien werden (Dig. L 27, 2. 4, 6).

Natürlich finden sich in den Municipien auch 20 Abweichungen von den stadtrömischen Ordnungen, namentlich ist einmal Kautionsleistung durch Stipulation >rem pitblicam salvam fore¹ (Malacca Col. II 56. Lex Tarentina Dessau 6086. Bruns Fontes 1⁷ 121. Riccobono Fontes1132. Mommsen Ges. Schriften I 146) vor der Renuntiation (s. u. Bd. I A S. 600) bei sonstiger persönlicher Haftung des Wahlleiters im Wege einer allgemeinen Festsetzung angeordnet (Dig. XV 1, 3. XXVII 8, 1 pr. 17. XLVI 1, 68 pr, L 1, 2, 5. 30 11 pr. 1. 13. 17, 15. 8, 5, 2. 3. Cod. XI 35, 1); diese Kautionsleistung trifft derart nur die Magistraturen, daß selbst ein Finanzbeamter in so eminentem Sinne wie der Curator calendarii zwar der Gemeinde haftet, ihr aber keine Kaution zu stellen braucht, Dig. L 8, 11, 5. 12, 4. Außerdem werden sämtliche Magistrate in den Latinerge-meinden römische Bürger, wobei nur streitig, ob der Erwerb des Bürgerrechts schon mit dem Amtsantritt oder erst mit der Niederlegung des 40 Amtes eintrat (s. o. Bd. V S. 1816. Hirschfeld KL Schriften 298. Mommsen Ges. Schrift. III 32; St.-R. IIP 639. Lex Acilia repetundarum CIL I 198,[5] 85. Gai. I 96. Ascon. in Cic. Pis. p. 12 Stange. Cic. ad Att. V 11, 2. Strab. IV 1, 12 p. 187. Suet. Aug. 47. Plin. n. h. III 18. 20. 23. 24. 30. 133. Tac. ann. XV 32. Lex Salpensana CIL II 1963,[6] Col. I 1–25. Kniep Gai. Institutionum commentarius I 165. CIL II 1610.[7] 1631. 1945. 2096. V 532. Hirschfeld Kl. Schr. 306. 50 CIL VIII 1269.[8] 14 763. 16 914–16 916. 16 919. 18218. Appian. bell. civ. 1126). Endlich gehört in den Kreis des Municipalrechtes die Bestimmung, daß es verboten ist, in zwei Gemeinden zugleich Ämter zu bekleiden, Dig. L 1, 17, 4.

Literatur:

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Mommsen St.-R. I 485ff. II 79. 145. 173. 339. 481. III 348. 466. 584. 800. 864. 896. 1296; Strafr. 998; Römische Forschungen I 75; Ges. Schriften I 308. III 33; Abriß des St-R. 110. Herzog Gesch. u. System d. röm. 60 Staatsverfass. I 983. II 328. 934. 952. Karlowa Röm. Rechtsgesch. I 176. 295. 582. Lange Röm. Altert. I³ 597. Lenel bei Holtzendorff-Kohler Enzyklop. d. Rechtswiss. I² 322. Madvig Verfassung und Verwaltung des röm. Staates I 331. Puchta-Krüger Cursus d. Institut I10 126, 2. 221. Willems Droit public 96ff. Schiller Röm. Staatsaltert.² 134. 140. Beloch Ital. Bund 102. [1238] Dernburg Krit. Ztschr. f. ges. Rechtswiss. III 1856, 74. Hirschfeld Gött. Gel. Anz. 1870. 1090 j Kl. Schriften 294. Liebenam Städtever-walt. 268. 478. 490. Seeck Gesch. d. Untergangs d. antik. Welt II 144. 522. Kübler Ztschr. d. Sav.-Stift. XIII 1892, 156. Jellinek System der Subjekt, öffentl. Rechte² 141. Meynial Studi Fadda II 129.

Anmerkungen (Wikisource)

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  1. Corpus Inscriptionum Latinarum XIII, 1668.
  2. Corpus Inscriptionum Latinarum I, 706.
  3. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 609.
  4. Corpus Inscriptionum Latinarum X, 127.
  5. Corpus Inscriptionum Latinarum I, 198.
  6. Corpus Inscriptionum Latinarum II, 1963.
  7. Corpus Inscriptionum Latinarum II, 1610.
  8. Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 1269.