RE:Kallikratidas 1
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |
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| Spartanischer Admiral in der Arginusenschlacht | |
| Band X,2 (1919) Sp. 1641–1642 | |
| Scan: 1641–1642, OCR | |
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Thomas Lenschau: Kallikratidas 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Band X,2 (1919), Sp. 1641–1642, digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/RE:Kallikratidas_1 | |
Kallikratidas. 1) Spartanischer Admiral in der Arginusenschlacht. Um Mittsommer 406 (so nach Beloch, s. d. Art. Nauarch, nach Meyer Gesch. d. Alt. IV 639 und Busolt Gr. Gesch. III 2, 1429 A. schon im Frühjahr) auf Betreiben von Lysandros' Gegenpartei zum Nauarchen gewählt, ging er sofort zum Kriegsschauplatz ab und übernahm nach unfreundlicher Begegnung mit Lysandros von diesem Heer und Flotte in Ephesos. Da ihm keinerlei Geldmittel zur Verfügung standen - Lysandros hatte wohl aus Schikane die Restbestände an Kyros zurückgegeben (Plut. Lys., 6) -, ging er nach Sardes zum Prinzen, der ihn indessen hinzuhalten suchte, worauf K. brüsk die Verhandlungen abbrach und selber von den Bundesgenossen die notwendigen Geldmittel zusammenzubringen suchte, was ihm auch so ziemlich gelang. Der in der Flotte vorhandenen Mißstimmung, die durch Lysandros' Anhänger genährt ward, wußte er durch sein offenes und festes Wesen zu begegnen und brachte mit unermüdlicher Tätigkeit die Flotte bald auf 170 Schiffe. Mit ihr eroberte er Delphinion und Teos (Diod. XIII 76,), wandte sich dann aber nach Lesbos, wo Konon mit 70 Schiffen lag, um zunächst diesen zu überwältigen. Er erstürmte Methymna und schloß Konon, nachdem er ihm und Diomedon eine Niederlage beigebracht hatte, eng im inneren Hafen von Mitylene ein. Auf den Hilferuf ihres Feldherrn rüsteten die Athener eine Flotte von 110 Schiffen aus, die zunächst nach Samos ging und hier durch weiteren Zuzug verstärkt ward, so daß sie insgesamt 150 Schiffe zählte, als sie Ende Juli oder Anfang August nach Norden aufbrach, um Konon zu befreien. Auf die Nachricht davon ließ K. sofort seinen Epistoleus Eteonikos mit 50 Schiffen zur Bewachung Konons zurück; mit den übrigen 120 fuhr er, zum Schlagen entschlossen, der athenischen Flotte entgegen, die bei den Arginusen Lesbos gegenüber an der kleinasiatischen Küste angelangt war. Trotz aller Warnungen vor der zahlenmäßigen Überlegenheit der Athener griff er sofort in zwei getrennten Geschwadern an. allein beim Anprall seines Schiffes gegen ein feindliches fiel er über Bord und ertrank. Das Treffen endete mit einer schweren Niederlage der Spartaner (Xen. hell. I 6, 2–34). - K.s Gestalt scheint bei Freund und Feind einen gleich sympathischen Eindruck hinterlassen zu haben; trotz der Gedrängtheit seiner Darstellung gibt ihm Xenophon zweimal zu kurzen Ansprachen das Wort und erwähnt mehrere charakteristische Aussprüche von ihm (§ 14. § 15. § 32); auch sonst haben sich noch allerlei Äußerungen erhalten, die Plutarch in den apophthegm. Lacon. gesammelt hat (Plut. mor. p. 222; Pelop. c. 2). Er war ein Vertreter der Politik, die die Abhängigkeit. in die sich Lysandros vom Könige begeben [1642] hatte, bitter empfand und womöglich eine Verständigung mit Athen suchte, um dann mit diesem gemeinsam den Krieg gegen Persien zu beginnen. Sein früher Tod verhinderte die Ausführung dieser Pläne.
Hauptquelle ist Xen. hell. I 6, 1–31, eine kurze Darstellung seiner Wirksamkeit, die aber ganz in sich geschlossen und widerspruchslos nur eine nicht ganz einwandfreie Stelle zeigt: in der Antwort des Admirals an Hermon paßt eigentlich nur der zweite Teil auf den Vorschlag des Steuermanns (§ 32). Aber gerade der erste hat den Anlaß zu der Todesprophezeiung gegeben, die sich bei Ephoros zuerst findet und später wohl erst die lakonisierende Ausprägung οὐ παρ' ἕνα εἶναι τὰ Σπάρτας (Plut. Pel. 2; apophthegm. Lacon. 6) gefunden hat. Die genaue Ordre de bataille, die Xenophon aufbewahrt hat, und die Erwähnung der Ritter § 24 deuten vielleicht darauf hin, daß er als Augenzeuge berichtet. Demgegenüber kommt Ephoros' Bericht bei Diod. XIII 70–79 und 97–99 erst in zweiter Linie in Frage. Zwar der Hauptfehler, die Verteilung der Ereignisse auf zwei Jahresbeschreibungen, - das Jahr des Kallias 406/5 steht durch Ar. resp. Ath. 34, 1 fest - wird auf Diodors Rechnung kommen, und von ihm stammen wohl auch die ausführlichen Schlachtbeschreibungen, die dem Typus der diodoreischen Normalschlacht verzweifelt ähnlich sehen. Aber abweichend gibt Ephoros schon die Zusammensetzung der athenischen Flotte an, während die Gesamtzahl stimmt (97, 1–2); abweichend auch die athenische Schlachtordnung, indem hier K. mit Lysias' Schiff zusammenprallt, der doch nach Xenophon auf dem rechten Flügel der Athener focht (99, 3); auch die besondere Erwähnung des Theramenes verdient bemerkt zu werden (98, 3). Das Ende erfolgt bei ihm nicht durch den Sturz ins Meer, sondern im Kampfe Mann gegen Mann auf dem geenterten Admiralschiff (99, 4–5). Auch die Todesprophezeiung beim Opfer ist hinzugefügt, sogar in doppelter Auflage, indem auch Thrasylos sein Teil bekommt (97, 5–7), und endlich geht sicher auf Ephoros die Erwähnung Kymes zurück (99, 6), das er neben Chios statt Phokaia als Hauptzufluchtsort der geschlagenen Lakedaimonier nennt. Daß im ganzen Xenophons' Bericht bei weitem vorzuziehen ist, hat gegen Curtius Gr. Gesch. II⁶ 769 und Herbst Die Schlacht bei den Arginusen, Hamburg 1855 zuletzt nach Grote Gr. Gesch. IV 348 und Breitenbach Rh. Mus. XXVII 508ff endgültig Busolt Gr. Gesch. III 2, 721, 2 erwiesen. Immerhin ist es möglich, daß Ephoros in seiner Jugend von Leuten, die die Schlacht mitgemacht und sich später in Kyme angesiedelt hatten, allerhand Einzelheiten erfahren und in seine Darstellung verwebt hat. Was Plutarch im Leben Lys. 5. 6. erzählt, ist im wesentlichen wohl aus Xenophon und Ephoros zusammengearbeitet.
Neuere Darstellungen E. Meyer G. d. A. IV 638–646. Busolt III 2, 1584–1596. Über die Zeit Ende Juli oder Anfang August Busolt a. a. O. 1590, 2.