RE:Kelainai
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |
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| Stadt in Phrygien | |
| Band XI,1 (1921) Sp. 133–134 | |
| Scan: 133–134, OCR | |
| Register XI,1 | Register k |
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Zitierempfehlung Walther Ruge: Kelainai. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Band XI,1 (1921), Sp. 133–134, digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/RE:Kelainai | |
Kelainai (Kelainon[-os ?] Plut. parall. 5; Celaena bei Vib. Sequ. 1503. Glossar. V 564, 53; Celaene bei Mart. Cap. VI 685; Ζεὺς Κελενεύς auf Münzen, vgl. Ramsay Cities and bishoprics of Phrygia I 435), Stadt in Phrygien, Theopomp. bei Strab. XIII 629. Schol. Lucan. Phars. III 205 setzt sie nach Lydien. Wegen der häufigen Erdbeben brachte man die Namen der Stadt mit Kelainos, einem Sohn des Poseidon, zusammen; Strab. XII 579. Dazu würde auch die Pluralform K. passen, Usener Götternamen 232f. Kretschmer Einl. in die Gesch. d. griech. Spr. 418. Zu den Erdbeben vgl. die Sage von Anchuros, Plut. parall. 5. Mich. Apostolius I 58b.
Es gab in K. ein Schloß des Großkönigs, das Xerxes nach seiner Niederlage gebaut haben soll, eine Akropolis (Xen. anab. I 2, 9, vgl. Arrian. anab. I 29, 1), und ein Schloß des jüngeren Kyros mit Wildpark (Xen. anab. I 2, 7). Die Akropolis wird wohl mit dem Κελαινῶν λόφος zusammenhängen, den Strab. XII 577 und Ptolem. V 2, 6 (in Verbindung mit V 4, 3) als Ort der Maiandrosquelle nennen. Nach Herod. VII 26 entsprang der Katarrektes (der sonst Marsyas heißt, Ritter Kleinasien II 423. Hirschfeld Abh. Akad. Berl. 1875, 11, 3) auf der Agora von K., nach Xen. anab. I 2, 8 der Marsyas am Schloß des Großkönigs unter der Burg und floß durch die Stadt (Plin. n. h. XXXI 19. Curtius III 1, 5. 7. Paus. X 30, 9. Luc. Phars. III 205. Max. Tyr. II 8f.), während Strab. XII 577 angibt, daß Apameia an den Quellen des Marsyas lag und von dem Fluß durchströmt wurde; vgl. Ps.-Plut. fluv. et mont. nom. 10, 1. Nach Herod. VII 26 entsprang auch der Maiandros in K., vgl. Liv. XXXVIII 13. Paus. II 5, 3. Niket. Chon. 231 (Bonn.); Xen. anab. I 2, 7 gibt an, daß dieser Fluß vom Schloß des Kyros kam und den Tierpark sowie die Stadt durchfloß. Es wurde aber auch behauptet, daß beide Flüsse aus einem und demselben Teich entsprängen, Strab. XII 577.
K. lag an einer für den Verkehr sehr wichtigen Stelle, daher seine Bedeutung schon in alter Zeit (Liv. a. a. O.: caput quondam Phrygiae), vgl. Haase bei Ersch-Gruber Allgem. Encykl. s. Phrygien 257. Droysen Hellenism. I 228. Es wurde als Repräsentant phrygischer Städte angesehen, Nonn. Dionys. XIII 516; kelainisch ist = phrygisch Stat. Theb. II 666. Claudian. XVIII 278. In den Kämpfen zur Zeit Alexanders und der Diadochen spielte es eine Rolle, Arrian. anab. I 29, 1. Plut. Eumen. 8; Demetr. 6. Diod. XVIII 52. XIX 69. 93. Die Errettung beim Einbruch der Galater am Anfang des 3. Jhdts. v. Chr. schrieben die Bewohner der Hilfe des Marsyas zu, Paus. X 30, 9. Antiochos Soter (281–261) verpflanzte die Bewohner nach der neugegründeten Stadt Apameia (s. o. Bd. I S. 2664, 6), Strab. XII 577, vgl. Liv. a. a. O. Plin. n. h. V 106. 145. Steph. Byz. s. Ἀπάμεια. Damit war es mit der Blüte von K. vorbei. Der Name K. [134] aber verschwand nicht, Ovid. fast. IV 363. Appian. Syr. 36. Liv. XXXVIII 13. Lucan. Phars. III 205. Dio Chrysost. XXXV. Stat. Theb. II 266. IV 186. Paus. X 30, 9. Claudian. XX 257 und Schol. XVIII 278. Max. Tyr. II 8. Vib. Sequ. 150, 3. Nonn. Dion. XIII 516. Niket. Chon. 231 (Bonn.). In K. wurde die Sage vom Wettkampf zwischen Marsyas und Apollon lokalisiert, Herod. VII 26. Xen. anab. I 2, 8. Athen. IV 184a. Aelian. var. hist. XIII 21. Stat. Theb. IV 186. Lucan. Phars. III 205 und Schol. Claudian. XX 257. Anth. Pal. VII 696. IX 340. Ps.-Plut. fluv. et mont. nom. 10, 1. Cramer Asia min. II 1832, 47f. Hogarth Journ. hell. Stud. IX 1888, 343. Ramsay Cities and bishoprics of Phrygia I 414. 431f. Ob auf dem Marmor Parium 19 (CIG 2374 = IG XII 5, 1, 444) ἐν Κελαιναῖς als Ort der Erfindung der Flöte zu ergänzen ist, erscheint unsicher, Jacoby Das Marmor Parium 1904, 48. Auch die Sage von Lityerses gehört nach K., vgl. Roscher Ausführl. Lex. d. griech. u. röm. Myth. II 2065f.
Die genaue Lage von K. läßt sich nicht feststellen; nur soviel ist sicher, daß es nicht auf demselben Platz lag wie Apameia; vgl. Weber Dinair, Célènes, Apamée 1892. Ramsay a. a. O. I 396f. Cousin Kyros le Jeune en Asie Mineure 1905, 232.