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RE:Kimolos

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Kykladeninsel der Melosgruppe
Band XI,1 (1921) Sp. 435–437
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Ludwig Bürchner: Kimolos. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Band XI,1 (1921), Sp. 435–437, digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/RE:Kimolos

Kimolos (ἡ Κίμωλος), attische Inschriften von 424 v. Chr., Köhler Urkunden und Untersuch. zur Gesch. des Delisch-Attischen Bundes 200. Ps.-Scyl. 48. Ovid. met. VII 463 cretosa rura Cĭmōli. Strab. X 484. Plin. n. h. IV 70. Athen. III 123 d. Dionys. Call. Graec. 138 Cimolia insula. Iul. Obsequ. 40 (100). Steph. Byz. s. Σίδη. Itin. Ant. 529. Eustath. Dionys. per. 530, jetzt noch K., kykladische Insel der Melosgruppe, nach Ps.-Scyl. [436] bei Melos, nach Herakl. crit. 138 bei Siphnos, nach dem Stadiasm. m. m. 484 500 Stadien von Delos, nach Strab. X 484 nahe bei Anaphe, Lagussa und Pholegandros bei Krete, nach Ptol. III 15, 8 M. Κίμωλος var. Κίμωλις nördlich von Krete. An vielen Stellen wird die Κιμωλία γῆ (s. u.) erwähnt, die nach dem Namen der Insel genannt war.

Der Name wurde im Altertum auf Kimolos zurückgeführt (s. d.), richtig methodisch betrachtet scheint der Name ungriechisch zu sein (vgl. Κιμωλία [Κίνωλις] Κίμωλις) wie von so manchen anderen der Umgebung, Fick Vorgriech. Ortsnamen 59. Nach Plin. a. a. O. war ein dichterischer Nebenname der Insel Echinussa. Dietr. v. Schachen (1491) in Röhricht und Meisner Deutsche Pilgerreisen nach dem Heiligen Land 1880, 219. Piacenza (1688) L'Egeo 278. Pitton de Tournefort Relat. d'un Voyage du Levant (1700) I 57. Pasch van Krienen (1771) Breve Descriz. dell' Archipelago ed. Roß 25. Sonnini Voyage en Grèce (1778) II 225. Olivier Voyage dans l'Empire Ottom. (1794) II 201. Fiedler Reise II 344ff. Russegger (1839) Reisen in Europa usw. IV 214. Roß Inselreisen III 22ff. Bursian Geogr. Griechenl. II 502f. F. Lenormant Tombeau Antique de l'Ile de Cimolos, Rev. Arch. N. S. XIV (1866) II 56ff. Ehrenburg Inselgruppe von Milos, Leipz. 1889. Journ. hell. Stud. XVI (1896) 347. A. Miliarákis (1899) Ὑπομνήματα Περιγραφικὰ τῶν Κυκλάδων Νήσων κατὰ μέρος · Κίμωλος 1901.

Geologisches. Petrographisches. Die Oberfläche von weitaus dem größten Teil der Insel, besonders im Westen, besteht aus Tuffen, nur im Osten steht Neogen und im Nordosten eine schmale Bank Andesit an (Philippson Petermanns Mitt., Erg.-Heft CXXXIV Taf. 4 und Text 106f.). Die vulkanischen Kräfte, von denen die Andesite zeugen, bewirken jetzt nur mehr Ausfließen von schwefelhaltigem Wasser, so bei der Βρωμολίμνη = Stinksee in der nordöstlichen Ecke von K. Anzeichen der Senkung der Küsten in historischer Zeit bei der alten Stadt (jetzt Inselchen) Ἅγ. Ἀνδρέας und der alten Nekropole. Nutzbare Mineralien jetzt: Tuffsteine, Eisen, Seifenton. Im Altertum: die Κιμωλία γῆ: Aristoph. ran. 713. Schol. Theophr. lap. 62. Cimolia creta: Plin. n. h. XX 212. XXI 438. XXVI 121. XXVIII 163. XXXV 196ff. Columell. VI 174. Veget. vet. II 29, 2. 32. III 4, 36. Scribon. comp. 245. Cels. II 33. V 1. VI 5. Isid. orig. XVI 1, 6.

Vertikale Gliederung: Paliókastro 397 m, Sklávos 325 m, Prophítis Ilías (Katavóthra) 175 m.

Horizontale Gliederung: Die Insel ist 4½ Seemeilen lang, 3½ Seemeilen breit, die Küste unregelmäßig und meist felsig, Mittelmeerhandbuch IV² 229.

Bewässerung. Das vorhandene Wasser ist Zisternenwasser, Miliarákis 7.

Die alte Stadt lag auf einer jetzt Eiland gewordenen, jetzt Δασκαλειό, d. h. da Scoglio = Klippe genannten Landzunge im Südwesten von K. Das Terrain hat sich seit dem Altertum etwas gesenkt und mehrere Mauern sowie Gräber der gegenüber angelegten Nekropolis (jetzt Ἑλληνικόν) liegen unter Wasser, Miliarákis 15. Die [437] Befestigung auf dem Paliókastroberg hielt Roß (a. a. O. III 23) für mittelalterlich, Miliarákis 16 hält sie für später angelegt, nachdem infolge von Erdbeben und Senkung des Isthmos bei der alten Hauptstadt diese unbewohnbar geworden war. In der Stadt wurden Athena, Artemis und Poseidon besonders verehrt.

Münzen: Bronzen des 3. vorchristl. Jhdts. Head HN² 484. J. Svorónos bei A. Miliarákis Ὑπομνήμ. Περιγρ. Κυκλάδων. Κίμωλος 42ff. Athenakopf, Artemiskopf, Biene, Achtstrahliger Stern, Hermeskopf mit Petasos, Dreizack, Hummer, Adler, Traube, Tritonmuschel, Delphin.

Inschriften: IG XII 3 suppl. 336.

Geschichte. Im letzten Viertel des 5. vorchristl. Jhdts. steuerte K. zum Seebund jährlich 1000 Drachmen. Durch eine Inschrift in Smyrna Βιβλ. κ. Μουσ. Εὐαγγελικῆς Σχολῆς I (1873) nr. 103 = Michel Recueil nr. 14 ist eine Streitigkeit der Kimolier um das Besitzrecht der Inselchen Polyaiga, Hetereia und Libeia mit Melos bekannt aus dem Ausgang des 4. vorchristl. Jhdts. Die Argeier entschieden für K. In der Geschichte treten die Kimolier sonst nicht hervor. Während des Konsulats des Sergius Galba und M. Scaurus nach den Sibyllinen geopfert (Iul. Obsequ. 40). Einen Ruf hatte der Seifenton und die Feigen (ἰσχάδες), Athen. I 30 b. Die Schicksale im Mittelalter (unter den Sanudos) und später s. bei Miliarákis 16ff.