RE:Kos 1
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Sporadeninsel | |||
| Band XI,2 (1922) S. 1467–1480 | |||
| Bildergalerie im Original | |||
| Register XI,2 | Register kl | ||
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Kos. 1) [...] [1468] [1469] [1470] [1471] [1472] [1473] [1474] [1475] [1476] [1477] [1478] [1479] [1480] 1) Eine der größeren südlichen Sporadeninseln, jetzt ἡ Κώς; in der italienisch-levantinischen Schiffer- und Vulgärsprache auch Stankö, Stankio und Istanköi (da die Türken ein Wort, das mit einer Doppelkonsonanz beginnt, mit einem vokalischen Vorschlag versehen). Dicht südlich an der halikarnasischen Halbinsel. Die nächsten Nachbarinnen sind im Norden Hypserima (jetzt Psérimo oder Käppari und im Süden lall (Γυαλί .glanzendes Inselchen¹; antik Istros), sowie Strongyli (= das rundliche). Andere (dich-terisch-mythographische) Namen sind: Μεροπίς oder Μερόπη (s. d.), Strab. XIV 657; Καρίς (Steph. Byz.), Nymphaea (Plin. n. h. V 134). Außerdem: Κωὰ γῆ oder νῆσος, FHG III 710. Zuweilen Verwechslung mit Κέα (s. Κέως).
Plan des Artikels. I. Nr. 1: Die Insel Kos. 1. Lage. - 2. Größe. - 3. Seegelegenheiten. - 4. Ant. und neuere Literatur. - 5. Inschriften. - 6. Münzen. - 7. Geologisches. Tektonisches. - 8. Bewachsung. - 9. Choro- und Topographisches. - 10. Mythisches. - 11. Siedlungsge-schichte. Die Koër. - 12. Besitz und Erwerb. - II. Nr. 2: Die Stadt Kos seit 366/5 v. Chr. 13. Choro- und Topographisches aus der Stadt und deren nächster Umgebung. - 14. Verfassung der Insel. - 15. Kulte. - 16. Aus der politischen Geschichte.
1. Die Lage ist durch den Gleichlaut des antiken und neuen Namens und durch viele Inschriften sowie Entfernungsangaben bei Schriftstellern festgestellt. Nach Ptolem. geogr. V 2, 19 M. im Myrtoischen Meer. Die Κωά. θάλασσα (Plut. Alk. 27) ist nach K. genannt; s. den Art.
2. Größe. Nach Beloch Bevölk. d. griech.-röm. Welt 225: 286, 1
3. Seegelegenheiten. Mittelmeerhandbuch² 56ff. Karte; Brit. Admiralty Chart nr. 1898 (in den Umrissen Vorlage für die Karten von Boß, Rayet, Dubois, Paton und Hicks, Herzog. Gut die (1:150000) von Paton. Fehler bei der Kirche θ.γιος Γεώργιος Λείζου. Die Orientierungspunkte waren für das Altertum die Vorgebirge: im Nordosten Skandarion (j. Kum (= Sand-)Point, Vorgebirg an der Südküste: Chelone (s. u. § 8), Laketer, jetzt Κάβος Πιπεριά (= Pfefferbaum), [1468] an der südlichen Südwestspitze, Drekanon (jetzt Κάβος Δάφνη) an der nördlichen Südwestspitze.
4. Antike Schriften. Makareus Κωακά FHG IV 442f. Heracl. P. FHG II 161, 184.
Neuere Literatur. Zander Beiträge zur Kunde der Insel Kos, Hamburg 1831. Küster De Co insula, Halis 1833. K. O. Müller De rebns Coorum, Index Schol. Gotting. 1838, Roß Inselreisen II (1843) 81ff. III (184 5) 126ff.; Reisen 10 nach K. usw., Halle 1552, Uff.; Friesplatten vom Asklepiostempel, Arch. Ztg. IV (1846) 28tff. = Arch.Aufs.il (1861) 402ff. Taf. VII. Griechische Baudenkmäler. Brunnenhaus der Burinna und das Heroon des Charmylos auf K. Arch. Ztg. VIII (1850) 241ff. Taf. XXII = Arch. Aufs. II 1861, 389Æ Taf. V. Clarke Travels II i 196ff. n 321ff. Lauvergne Descript. de File de C„ Bull. Seienc. Géogr. XI 133ff. Newton Hist. Discov. Cnid. Halicarn. Brauch. 1862, I 240ff. II 632ff. (Pul-201ani Account of Cos). Ray et in Arch. des Miss. Scient, et Lit. III Ser. III 37ff. St. Pan-telidis Λ Θέσις τοῦ δήμου τῶν Ἀλασάρνων Β Δήμος Ἰππιοτῶν Bull. hell. V (1881) 196ff. Dibbelt Quaestiones Coae mythologae, Gryphiswald. 1891. W. Gurlitt Der 4. Mimiambus des Herodas, Kölsches Asklepieion, Mitt. aus österr. XV (1892) 169ff. Herzog Kolos u. Kos, Herm. XXX (1895) 154; Reisebericht Ath. Mitt. XXIII (1898) 441ff.; Kölsche Forschungen und Funde 30 1899. - Das Heiligtum des Apollon in Hala-sarna S.-Ber. Ak. Berl. 1901, I 470. (Asklepieion) Arch. Anz. 1903, 1ff. 186ff. Aus dem Asklepieion von K. Arch. Belig.-Wiss. X (1907) 201ff. 400ff. Mackenzie Kos Astypalaia, Ann. Brit. School Ath. IV (1897/8) 95ff.
5. Inschriften. K. erwies sich als außerordentlich reich an griechischen Inschriften. Helpmann und Leake Transact. R. S. Lit. 1843. Roß Inscr. Graec. Ined. II nr. 176. Leake 40 Transactions of R. S. of the United Kingd. NS I (1843) 8ff. Sakeilion Πανδώρα 1868, 41ff. 1870, 302ff. Ray et Inscr. de File de Kos, Ann. Assoc. Etudes Greques, Par. 1875. Paton and Hicks Inscr. of Cos. 1891. Collitz und Bechtel Sammi. Griech. Dialektinschr. III 1, nr. 3611–3748. Herzog Kölsche Forschungen und Funde, Arch. Anz. 1901, 135. 1903, 10; S.-Ber. Akad. Berl. 1901, 473L; Herm. XXXVI (1901) 328; KHo II (1902) 316f.6. Münzen. Head-Svorönos Ἰστορία
Νομισμάτων II 174. Head HN² 632. Im-hoof-Blumer Kleinasiatische Münzen 165i. Milne Two Hoards from Cos, Numism. Chron. 1912, 14ff.
7. Geologisches. Tektonisches. Goree i x Comptes Rendus hebdomad. des Séances de FAcad. des Sciences LXXVII (1873) 601 (von zwei kleinen Solfataren eine mit 90,2% acid. carb.); Bull. Soc. Géol. de France Ser. III Tom. I 1872/3, 50 365 (Sur la Géolog. des Iles de Nisiros et de Cos [Reste von Mammiferen; fossiles Holz unter den marinen Pliocänschichten]). Plieninger Geolog. Verhältn. der Insel K. und Nachbarinseln, Monatsber. Deutsch. Geol. Ges. 1905, 350ff. Renz Jahrbuch der Geolog. Reichsanstalt 1910, LX 3, 515ff. Philippson Peterm. Mitteil. Erg.-Heft 183, 56ff. Plieninger und S a ppe r ,Kos und Nisyros‘, Peterm. Mitteil. LXVI (1920) 162f. 1943. [1469] 213ff. 255ff. Nach der Carte Géol. Intern. d’Europe 40 E V weist der nordöstliche Teil der Insel (gegenüber Halikarnasös) Miocän auf, der gegenüberliegende südliche Teil Oberkarbon mit einem Fleck Trachyt. Der mittlere Teil mit dem Orome-don (Prion?) 673 m Pliocän mit einem eingesprengten kleinen Fleck Obertrias, das südliche Ende der Insel gegenüber der trachytischen Istros und der vulkanisch tätigen Nisyros im Norden Trachyt mit Obertrias im Süden. Auf Einzelheiten wird zurückzukommen sein z. B. beim Hals des Isthmos im Südwesten, der in sehr alten Zeiten noch von Meer bedeckt war und auf dem sich jetzt Wanderdünen befinden, oder bei den warmen und mineralhaltigen Quellen. Marine Fauna der Tertiärzeit s. Herzog Koïsche Funde 172. Reste von Mammiferen s. o.
8. Bewachsung. Eine gute Schilderung der Insel um 1870 n. Chr. gab Rayet a. a. O. Seitdem hat sich nach Herzog Koïsche Forschungen 154, 1 die Bewachsung durch Kulturpflanzen wieder der im Altertum genähert, da statt der Agrumenbäume, die zu Anfang des 19. Jhdts. auf vielen Inseln des Ägäischen Meeres schwer beschädigt wurden, wieder mehr Ölbäume angepflanzt wurden. Diese und die Weinrebe waren offenbar im Altertum die Leitkulturpflanzen. Die Pinien, die im Altertum auf dem südlichen Gebirgszug gediehen und im Mittelalter großenteils abgeschwendet worden waren, sind jetzt spärlich. Als Fruchtbaum ragte der Quittenbaum hervor (mdinwm). Eine großartige Ausfuhr von Pa-steken und Zuckermelonen besteht jetzt noch.
9. Choro -topographisches. Die Bezirke der kölschen Demen sind auf der Karte 1:150000 (in Paton-Hicks [Inscr. of Cos nach S. LIV]) nach den Inschriften richtig festgelegt. Der kleinste ist der von Hippia (Ἰπποτῶν, d. h. Ἴππιωτων). Der Reihenfolge von Nordosten nach Südwesten nach sind sie: 1. der der Hauptstadt seit 366/5, 2. Phyxa 3. der von Ha-leis, 4. Halasarna, 5. Hippia, 6. Antimachia, 7. Isthmos. (Daphnüs [Steph. Byz.] ist nicht nachgewiesen.)
Das Gebiet der Hauptstadt von 366/5 v. Chr. und auch die Örtlichkeiten in deren Nahe (Askla-pieion, Burinna s. Nr. 2).
Nekropolen: Die Besiedlung κατὰ κώμας und die Verlegung der Hauptstadt beim Synoikis-mos erst im 4. Jhdt. hatten zur Folge, daß Gräber an vielen Orten gefunden werden. Die in der Nähe der Hauptstadt von 366/5 verteilen sich in nordwestlich-südöstlicher Richtung auf 372 km.
Auf dem Katasterstein aus diokletianischer oder noch späterer Zeit (Herzog nr. 14), der in der Hauptstadt von K. aufgestellt war, stehen χωρία verzeichnet, die sich wohl nicht ausschließlich auf die Stadt und deren nächste Umgebung allein, beziehen. Sie sind darum nicht bei Nr. 2 aufgeführt, sondern im folgenden Verzeichnis:
Vorgebirge, Berge, Bäche, Wohnstätten und Wohnbezirke (κώμαι und χωρία [= agri] der diokletianischen Zeit), Heiligtümer, andere Bauwerke, Gewannenamen (Abkürzungen PH = Paton-i ck s Inscr. of Cos; CB = Collitz-Bech-t e 1III 1; Hg = Herzog Koïsche Forschungen und Funde). [1470] A i g e 1 o s? (PH nr. 393, 2. 394, 1), Zusatzname des Damos von Antimachia, immer in der Verbindung ὁ δάμος ὁ Ἄντιμαχιδων καὶ Αἰγηλίων καὶ Ἄρχιζαν. v. Wilamowitz (De Lycophro-nis Alexandra, Greif sw. 1883) zieht hierzu heran: Αἰγιλος, vgl. Theocr. VII 147. Roß hatte Aigilia vermutet. - Ἀκίμου Χωρίον (Eigenn.) s. u. Χωρία. - Alkeïdes (ἔσς Ἄλκηιδας PH nr. 38, 60 [IV. Jhdt.]), eine Kultstätte (?) bei der Haupt-10 stadt K.; von Bechtel Gott. Nachr. 1890, 33 auf Herakles Alkidas bezogen. Dibbelt 35, 4. - Amphiarëis (Ἄμφιαρηις PH 40 a, 7), Ortsname einer Opferstätte. - Anaxilea (παρὰ τὰ Ἀναξίλεα PH 39, 4), Kultstätte der Ἄνακες für die Phyle der Dymanes im Bezirk der Hauptstadt K. -Antimachia (ἌντιμαχΙδαι PH nr. 393« nr. 394 in einer Weihinschrift für Kaiser Tiberius und einer für Aurel. Rufus, [s. o. Αἰγηλος]), Demosname. Herzog S. 165 weist auf das jetzige Dorf θΑντιμαχία hin. Ray et (a. O. 110) suchte Antimechia auf der jetzt στὰ Παλαιά genannten Flur (nicht bei Κάστρο Παλαιὰ Ἀντιμαχία). - Archia-dai (ὕρλwôai) s. o. Αἰγηλος, anscheinend Patrony-mikon. - Asklapieia (Ἀσκλαπιεῖα). Das hoch-berühmte bei der jetzigen Παναγία τῆς Ταρσου westlich von der Hauptstadt K. (s. Nr. 2). - As-klapiosverehrungsstätten (Asklapieien) s. o. Bd. II S. 1672, 18: I. im Demos Haieis (PH nr. 345), II. in Halasarna (ebd. 371), III. auf dem Isthmos 30 (ebd. nr. 401. 402f. 406. 408). - Astypalaia (θΑστυπάλαια; Κώς ἡ Ἀστυπάλαια; über den leiegischen (?) Namen Astypalaia s. o. Bd. I S. 2187, 54ff.). Es wird jetzt allgemein angenommen, daß an der Marina des jetzigen Hafens Καμάρα (d. h. antike Baureste) im späteren Demosgebiete von Isthmos, der Hafenplatz des früheren Vororts der Insel Κως ἡ Ἀστυπάλαια, der selbst landeinwärts am Bergzug der Insel (8stün-diger Ritt von der jetzigen Hauptstadt) stand 40 (Herzog Koïsche Forschungen 167. Mackenzie Annual Brit. School 1897/8, 94ff.). Der Schwerpunkt der dorischen Besiedelung ältester Zeit war wohl, schon wegen der Beziehungen zwischen den Mitgliedern der dorischen Hexapolis, auf der Küstenfläche im Nordosten der Insel, wo dann 366/5 v. Chr. die Hauptstadt K. durch μετοικισμός und συνοικισμός entstand. Das An-siedelungssystem der Dorieer war anfänglich das κατὰ κώμας. Belästigungen durch Lyder und 50 Perser hatten wohl die Koer veranlaßt, ihren Vorort auf eine geschützte Höhe im Südwesten zu verlegen, wo sich bei Kamäräs die einzige, freilich nicht besonders gute, natürliche Hafenge-legenheit der Insel befindet (in den Segelanweisungen nicht erwähnt). Niederlassungen gab es natürlich immer noch im fruchtbaren Nordosten, bei dem ältesten griechischen Bauwerk der Bu-rinna und beim Asklapieion (bei der jetzigen Pa-najia tis Tarsü), begründet jedenfalls im 5. Jahr –60 hundert v. Chr. Der Stadt Astypalaia schreibt Herzog (a. a. O. 169) die Inschriften (PH nr. 420 und 231 vor 366 v. Chr.) zu, wie auch die von Ray et (a. a. O. 79), der die Gegend eingehend beschreibt, erwähnten Funde: Mauerreste, die dieser Alkibiades vermutungsweise zuweist, Reste eines kleinen Asklapiostempels, von dem Teile nach dem jetzigen Dorf Kephalos verschleppt sind, Marmorbaustücke bei Kamäres, dem frühe- [1471] reu Hafen von Astypalaia. - Brasilae (τὸ σαμὰ τῶ Βρασίλα Theokr. VII 11, s, o. Bd. III S. 819,18ff. Roscher Myth. Lex. JH 2636, 45ff. gegen Tümpels Rh. Mus. N. F. XLVI [1891] 528ff. Hypothese, daß das ὄαμα Βρασίλα [Βρασῖλας = Steinwerfer] später nach Athen geschafft sei. Gercke Gott Gel. Anz. 1891, 933L). - Char-myleion (Χαρμύλειον), s. o. Bd. III S. 176, 495., ein Heroon im Demos Haieis, Roß Arch. Aufs.
II 392ff. Taf. V. Pallan in Newtons Disco-1( veries II 636 Taf. LXXXII. Nach Herzog (Koïsche Forschung. 165, 1) haftet der jetzige Flurname Χαρμνλί in Pÿli nicht am antiken Charmyleion, das jetzt ganz verbaut ist, sondern an einem Brunnen, 300 m westlich davon. - Chelone (Χελώνη, Paus. I 2, 4). wahrscheinlich nach der horizontalen Erscheinung der Umrisse von der See aus so genannte niedrige Huk, nach dem Mythos von Polybotes (Roscher III 2636), nächst Nisyros, nordöstlich vom 2( Vorgebirg Laketer auf K. Die Sage von Poly-botes (Strab. X 489), der durch ein abgerissenes Inselstück (Nisyros) bedeckt worden sein soll. - Choria (Χωρία hier = Actafeldstücke) werden auf der Katasterinschrift etwa aus der Zeit des Kaisers Diocletianus Hg nr. 14 genannt: Ἀγρίδιον, Μεγάλον Ἀγρου, Ἀκίμου (vom Eigennamen Ἄκιμος), Δεκαστάδιον, Κέλερος vom.Eigennamen Κέλερ), Περίβολος (= Garten?). - Chy-trinos (Χύτρινος, eigentlich = Kochtopf), s. 30 Chy troi o. Bd. III S. 2529, 885. Hg S. 162. Schneider Callim. II 345: rd περὶ τὸν Κωον χντρινον, besser wohl Χντρινον. Es ist darunter ein Erdloch zu verstehen, ähnlich einem Quellschlund, nur daß daraus das Wasser aufquillt. Die Örtlichkeit dieses Chytrinos ist wohl nicht bestimmbar, umso weniger, als sich im Verlauf der Zeit tektonische Veränderungen auf der Insel zugetragen haben. Es kann das das jetzige Κόκκινο Νερό (- Rotwasser) ,Red Water* auf Paton s 40 Karte, etwas über V 2 km südwestlich von der Vürina, gewesen sein. - Damatrion (Δαμάτριον = Demeterheiligtum). Solche Heiligtümer gab es auf der fruchtbaren K. mehrere, z. B. eins (Theocr. VII 1) am Flüßchen Haieis, wo die Tha-lysia gefeiert wurden. Eins ist in der Inschrift PH nr. 39, 5 genannt, τῶν Παμφνλεων ἐν Σιτέα παρὰ τὸ Δαμάτριον, vgl. auch Hg nr. 63 und PH nr. 386, Priesterinnen der Damater im Demos Antimachia wohl für die ganze Insel. - Daphnus 50 (d Δαφνοῦς, Steph. Byz. s. Λάμος) auf K., bisher epigraphisch und topisch nicht nachgewiesen. R. Kiepert FOA VIII setzt mit Vorbehalt das Vorgebirg Daphnus auf K. beim jetzigen Κάβος Λονρος oder 51. Νικόλαος im Nordosten an. Das jetzige Κάβος Δάφνη im Südwesten hat damit nichts zu tun. - Dodekastadion (Δωδεκαστάδιον χωρίον) s. O. Choria. - Dyodekatheon (τὸ Δυωδεκάθεον PH nr. 43 b, 7), eine Kultstätte (Altar?) der 12 Götter vielleicht nahe der Hauptstadt νοηθΟ 366/5 v. Chr. -- Drekanon (τὸ Δρέκανον Strab. XIV 657. Agathem. geog. I 4, jetzt κάβος Δάφνη, s. O. Bd. V S. 1646, 85. Der Name kommt jedenfalls von den sichelförmig gestalteten nach Norden vordringenden Umrissen her. - Embathrikon Chorion (τὸ Κμβαθρικὸν Χωρίον in der Inschr. PH nr. 360 aus christlicher Zeit, gefunden beim jetzigen Pÿli im antiken Demos Haieis). Es ist [1472] darin von einem δεοχότης τὸν Η. X. die Rede. Hier ist wohl Χωρίον als befestigter Platz aufzu* fassen. Ob an der Seeküste? - Halasarna (s. o. Bd. VII S. 2229, 10S. [ἡ Ἀλάσαρνα PH 7 367. Δαμος Ἄλασαρν(ε)ιταν PH 372. 373f. Hg nr. 186. 210. 222ff.]). Über den Apollontempel Herzog S.-Ber. Akad. Berl. 1901, 470. I. Ein Demos, der sich etwa in der Mitte der Südküste der Insel von Südwesten nach Nordosten ausdehnte. Der Name) stammt aus kleinasiatischem Sprachgut. II. Hauptort Halasarna. Eine große Anzahl Damosinschrif-ten ist beim jetzigen Χαρδάμινα (Swoboda Wien. Stud. XI 65ff.) an der Küste an einer kleinen Einbuchtung gefunden worden. 270 m südwestlich davon verzeichnet Patons Karte ,Ruins of Temple⁴. Zu diesem Damos gehörte ein Apollon- und ein Asklepiostempel. Zum Namen vergleiche Halisarna auf dem kleinasiatischen Festland. - Haieis (d °Αλειςθ ὁ Ἀλεντίων Da-> mos, s. o. Bd. VII S. 2229, 18ff.). I. d Ἄλειςθ
Flüßchen Theocr. VII 1 und Schol. (jetzt Flüßchen von Pyli), an dem die Thalysia zu Ehren der Damater gefeiert wurden, die Theokritos der Idylliker mitfeierte. II. Eine Ortschaft im Damos der Halentier (Vorort), PH 344, 7 Ἄλεις καὶ Πέλη II ἔλη τοὶ γεωργεῦντες. ΡΗ 344, 7 Ἄλεις καὶ Πέλη vielleicht der Vorort des Demos der Halentier. Der Name Pele ist wohl erhalten in den jetzigen Ortschaften Παλαιὸ Πυλί und am Gebirgszug Πυλί, i mehr nördlich auf dem Nordabhang, s. die Karte Patons. III. Der Damos der Halentier lag zwischen dem der Φυξιώται im Norden, dem der Ἰππιώται im Westen und dem der Ἀλέντιοι im Süden. - Herakleion (τὸ Ἠράκλειον PH 39, 3 Opferungsort der Phyle der Hylleer). - Hermu-polis (Steph. Byz.), Stadt auf der Insel K. - Hippia, davon (wenn nicht Hippos s. Festus ed. Th. P. p. 72) der δαμος τῶν Ἴππιοταν (d. h. Ἴππιωταν) PH 361. Der Damos der Hippioten lag zwischen dem der Halentier (nördlich davon) und dem der Antimachiden (südlich davon). Die Lage der Kirche Ἄγιος Γεώργιος τὸν Ἄειζου, die auf allen bisherigen Karten falsch angegeben war (die Luizo oder Glykizo Punta Br. Adm. Ch. 8 km von der richtigen Stelle der Kirche südwestlich), wurde von Herzog richtig gestellt (Kölsche Forschungen 165), östlich vom Kap Mastikäri 1,5 km von der Küste landeinwärts gelegen. Nach der Inschr. Hg 198 wäre dort eine Stätte des Herakultus gewesen. Dort war wohl der antike Vorort. Auf diesen Demos bezieht Herzog a. a. O. die Stelle bei Festus ed. Th. de P. p. 72 Hippocoum vinum ex insuta Coo dictum ab agro generoso, cui nomen est Hippo. - Ἰομίὸν Κήπος Hg 14, 7 = ein Gartenstück des Irmios aus dem Kataster der dio-kletianischen Zeit. - Isthmos (s. o. Bd. IX S. 2265, 52ff.) (d Ἰσύμός PH 401, 7 nr. 418, 1), die schmälste (etwa 2 km) breite Stelle der den Umrissen nach wie ein Delphin gestalteten Insel gehörte mit seinem Asklapiosheiligtum zum Damos der Isthmioten. I. (d Δόμος τὰν Ἴσθμιωταν PH nr. 40 a, 9. 409, 1. 410f. 413f. 416.) Dieser Damos. der zweitgrößte der Insel, war der südlichste. Am Sattel des Isthmos, der den Eindruck macht, als sei er in recht alter Zeit vom Meer bedeckt gewesen, sind Wanderdünen, die im Sommer sich nach Süden, im Winter unter den herrschenden Südwinden nach Norden sich verlegen. [1473] Der Demos wird (Epigr. gr. nr. 200) angeredet: Ἰσθμέ, παλαιγετέος φ(σ)ον juÔW’, ἄφθιτε δήμε. II. Die geringen Reste des Vorortes (Weihung: Ἀοκλαπιω θ Ἴοθμῳ) befinden sich südöstlich vom heutigen Dorf Kephalos nach Herzog Kölsche Forschungen 167, 1, zuerst als Pfarrei 1271 n. Chr. genannt, an der Südostküste der Insel K. über einer kleinen Hafenbucht, Καμάρα, die am Nordrand durch einen Molo geschützt war. - Κέλερος χωρίον (s. o. Χωρία), Grundstück des Celer. - 10 Koriisalos (Κονίσαλος [s. d.] PH 39, 8. 10, s. die Opfervorschrift für Herakles. - Kyparissos (Κυπάρισσος, d PH 43a, 10. 21b, 6, ptolemäische Zeit) scheint der Name eines Flüßchens gewesen zu sein. - Laketer (Λακητήρ = das rauschende Vorgebirg, Herzog IV 24); s. o. § 3, jetzt Κάβος Πιπεριά. Nach einer Inschrift bei C o 11 i t z und Bechtel III 1 nr. 3586 soll dort um 200 v. Chr. eine Seeschlacht zwischen Kalymniern und Hiera -pytniern stattgefunden haben. - Loëtra (Λοετρά 20 Herzog 161, 4), um 1263 n. Chr. Bäder bei Antimachia. - Meropes (Μέροπες Herzog nr. 169, 8 [S. 114] zweifelt, ob an der Inschriftstelle Μερόπων = = Κφων oder μερόπων = Menschen zu schreiben sei). - Ναυτίλεως ὰ σκοπά (Thun-fischwarte) ἐπὶ Ναυτίλεω Ath.Mitt. VI (1881)407. 425, 5, unbekannt wo.-Oromedon (Ὄρομεδων Theocr. VII 46 und Schob), wird auf den Kiepert sehen Karten als Gebirgsname, östlichster Teil des südlichen Gebirgszuges vorn jetzigen Eremiti an, auf- 30 gefaßt. Die Theokritosstelle ist mehrdeutig. Ὀρομέδων kann auch als Name eines mächtigen Mannes (vgl. Oromedon Propert. III 9, 48) aufgefaßt werden. So schon Roß Inselreisen III 130. - Pele (Πελή PH 31, 10. 344, 5. 7) im Damos Haieis. Paton S. 213. 222 bringt die beiden Orte mit der Gegend des Salzsees 'Ἀλυκή in der nördlichen Küstenniederung am Meer (s. Karte) im Damos Haieis und den jetzigen Dörfern Paläo-Pyli und Pyli zusammen, für die im Mittelalter 40 auch die Schreibung Πίλε vorkommt. - εἰς Φρασιδάμω (= zum Gehöft des Phrasidamos, Theocr. VII 131). - Phyxa ([dazu Φνξαί], ol Φνξιώται, Damotikon PH 327. 328). I. Damosname. Der Damos lag zwischen dem nordöstlichsten und dem der Halentier. In ihm liegen die zwei höchsten Berge der Insel, der im Mittelalter Δίκαιον genannte 1178 m hoch (die Vermutung Rayet s a. a. O. 41 = ,Διχνιόν (wohl richtiger Δίχνειον [Bondelmonti ed. Legrand 62, 11]) Διχεῖὺθ βουνό¹ von δίχα halte ich für verfehlt) und der Προφήτης Ἤλιου 1139 m hoch. II. Ein Vorort im Altertum ist wegen der Zerstreuung der Funde nicht zu bestimmen. Möglicherweise war der Name Φνξαί, s. u. Pyxai, Jetzt ist die Hauptgemeinde dort die von Asphendiu (wahrscheinlich mit σφενδάμνι [= Ahorn] zusammenzubringen), in den Klosterurkunden von Patmos antikisierend als μονή (= Kloster) Σπονδῶν bezeichnet. - Prion (d. h. Πρίων - die Säge; der 60 Name Πριόνι für Felszacken noch heute auf Leros) wird als Berg bei "Min. n. h. V 134 genannt, von Kiepert FOJ VIII im nordöstlich streichenden Höhenzug vom jetzigen Κεφαλος der Isthmiotenhalbinsel angesetzt. Andere vermuten ihn im langen, westostlich streichenden Gebirgszug an der südlichen Küste der Insel mit hohen Gipfeln, s. o. Oromedon, was nur von manchen
PθulyWfeaowvKioli XI [1474] als Bergname angesehen wird,'und diese Annahme hat mehr für sich. Er streicht durch alle alten Damoi der Insel. Mythos, daß die Insel Nisyros von ihm abgerissen worden sei, Plia. n. h. V 134. - Ptelea (Πτελέα)? Theocr. VII 65 wird bei Gelegenheit des Spaziergangs nach Haieis des Πτελεατικὸς οἰνος gedacht, die Scholien lassen unentschieden, wo die Herkunft dieses Weins anzusetzen ist, ob auf K. oder anderswo. Paton S. 213, 1 meint, weil πελέα eine epidaurische (also wahrscheinlich auch eine koïschë; Wortform für πτελέα (= Ulme) sei (C o 11 i t z und Bechtel Dial.-Inschr. nr. 3325, 44), könnte man etwa den Πτελεατικὸς οἰνος der Theokritoss telle mit Πέλη (s. o.) in Verbindung bringen. - Pyxai: statt Πυξας (Theocr. VII 130 ist vielleicht Φυξάς zu lesen oder auszusprechen). - Sitea (Σιτέα PH 30, 4), Örtlichkeit mit einem Damatrion, - Sto-malimne (Στομαλίμνη Strab. XIV 604), eine κώμη etwa 200 Stadien westlich von der Hauptstadt von 366/5 v. Chr.
10. Mythisches. Hiezu Dibbelt Quae-stiones Coae Mythologae Gryphiswaldiae 1891. Gigantenkämpfe, s. den Art. Poly bote s. Der von Winden verschlagene Herakles, von den Einwohnern von K. als Seeräuber angesehen (Hom. Il. XIV 255. Eustath. Hom. 983, 35. Vgl. Apollod. II 7, 1. Pind. Strab. VII 331 frg. 58. CIG nr. 5984 B 31ff.), erobert K., tötet Eurypylos und erzeugt mit dessen Tochter den Thessalos. Mythische Namen der Führer der 30 kölschen Schiffe gegen Troia, Hom. II. II 676f.: Pheidippos und Antiphos, θεοοαλου νῖε δὺω Ἠρακλείδαο ἄνακτος. Außerdem s. die Namen sagenhafter Begründer von Siedelungen und die Art. Merops, Meropes.
11. Siedelungsgeschichte. Auf vor-grieehische (leiegische) Bewohner weisen die Namen: Astypalaia, Halasarna, Sitea. Die Insel ist von Epidau-ros aus besiedelt worden, und zwar von Achäern, die aus Thessalien nach Argolis geflohen waren, und von Doriern, Herod. VII 99, v. Wilamowitz (Isyllos 49ff.) glaubt, daß K. bereits in vordorischer Zeit von Thessalien aus griechische Bevölkerung und Asklepiosdienst erhalten hat (vgl. dazu Herod. II 97). - In der Geschichte erscheinen die Koër als ziemlich einheitliche Bevölkerung. Auffallend ist ihre peinliche Frömmigkeit gegen die Götter, die die Opfer nach dem Kalender, nach Art usw. für jede Gottheit und jeden Heros genau festlegt. Auffällig ist auch die sehr große Zahl der erhaltenen Inschriften. Es ist anzunehmen, daß jetzt während der Besetzung durch die Italiener noch manches ans Licht gekommen ist. Die Koër zeigten auch großen Fleiß in Erwerb und trotz mancher Parteizwistigkeit eine gewisse Stetigkeit und Gesetzlichkeit.
Besonderheiten des Wortschatzes der Koër waren nach Hesychios: ἀγρεταί = 9 Mädchen jährlich zum Athenadienst gewählt, ὄολπαι = kleine Kuchen, βράλαίνα = gierig, ἐπικιχράδας = Beiname des Zeus, ἰα(η)θενεί = er ist in Verlegenheit, Ἴλιον = γυναικαῖον αἰδοῖον und ein Frauen schmuck, κάλαμος = Zimmerdecke, κηκίς = taube Ähre, κίοπρα = wiederkehrender Groll, Κρίοαμις = ein reicher Viehzüchter, μαλακὸν Ἰμάχιον = bequemes Kleid, μέροπες = = ἄνθρωποι, πελείαῦς (mit den Epeiroten gemeinsam) = Greise und Greisinnen, τέγεα = Schnupfen, μυ·
47 [1475] ρίους ἀστραγάλους Χίους v. 1. Κφους βαλειν ἀμήχανον Aristot. cael. II 12, 292 a 29.
12. Besitz und Erwerb, a) Bebauung des fruchtbaren Bodens, Reben- und Ölbaum-pflege. Cato r. r. 112 I. Weinsorten. Plin. n. h. XIV 78. 79. XV 66. XVII 133. XXIII 19. XXVII 44.
b) Berühmte Industriewaren waren: a) die vestes Coae, bereitet aus eingeführten Cocons eines (assyrischen?) Seidenspinners. Die Cocons scheinen nicht in der jetzt üblichen Art abgehaspelt worden zu sein. Pamphile aus K. soll sie zuerst gewebt haben. Arist. hist. an. V 67, 6. Erwähnt Solin. VII 20. Varro frg. 363 Bip. Verwechslung mit Ceos. Cic. ad Att. IX 9. Plin. n. h. XI 76. Nach Plin. n. h. XI 76f. wurde aber eine Bombyxart auf K. selbst gezüchtet, wenigstens in der Zeit des Aristoteles, ß) Salben: amä-râcïnum (Majoransalbe), mëlïnum (Quittenölsalbe; Plin. n. h. XIII. Ath. γ) Gefäße. Plin. n. h. i XXXV 161.
II. 13: ἡ Κως, Hauptstadt der gleichnamigen Insel, gegründet 366/5 v. Chr. nach Dîod. XV 75 und Strab. XIV 657 durch μετοικισμός und συνοικισμός in der Nähe des Vorgebirgs Skandarion (oder Σκανόαρία Strab. XIV 657) infolge einer στάσις (Verfassungsänderung) an einer Stelle, an der wohl schon bei den ersten Einwanderungen griechischer Leute sich Griechen seßhaft gemacht hatten. Hie und da Beiname Μεροπίς (Strab. XV 3 686 = 704). Der frühere Vorort Astypalaia (auch dieses Κώς Μεροπίς [Thuc. VIII 41 dazu Schol.]) lag südwestlich an der Südwestküste beim Isth-mos, war nicht umwallt und außerdem durch das Erdbeben von 412/1 zerstört (Thuc. VIII 41), s. I. An der Stelle dieser neu gegründeten (wie Rhodos früher) Stadt, die mit prächtiger Stadtmauer umgeben wurde (Diod.), liegt jetzt noch der Hauptort der Insel (jetzt Chora oder von dem Kastell der Johanniter Kastro bei den 4' Eingebornen genannt), an einer jetzt versandeten Reede, die zum Hafen für kleine Schiffe umgestaltet wurde (Diod.) und durch eine Kette (daher λιμὴν κλειστός) gesichert werden konnte (Ps.-Scyl. 99). Im Mittelalter Ναοαντζιά (- Orangenort).
Choro- und Topographisches aus der Stadt und deren nächster Umgebung. Infolge ihrer verhältnismäßig späten Gründung war sie sehr planmäßig angelegt und galt im 5( Altertum als eine zwar kleine, aber von der See aus schöne Stadt (Strab.). Ansicht der jetzigen Stadt von der See Mittelmeerhandbuch V² 5. Das Areal der Stadt K. eine Art Normalinaß für Flächen, Strab. XV 686 (= 701) und Plin. n. h. VI 59 bemerken, daß von den 5000 Städten zwischen dem indischen Hydaspes und Hypanis keine damals kleiner gewesen sei als Kos Meropis. Bei mehreren flüchtigen Besuchen in verschiedenen Jahren, aber zur nämlichen Jahreszeit (von Ka- 60 lymnos und Syme aus) bemerkte ich jedesmal mannigfache Veränderungen im jetzigen Stadtbild. Einen rechten Überblick über das von einer antiken jetzt zerstörten Stadtmauer umschlossene Areal der ehemals antiken Stadt zu gewinnen war wegen der Bäume und der wenigen Reste der Stadtmauer sehr schwer, da mir der Zutritt zu der in der Lagune vor dem Hafen gelegenen ehe- [1476] maligen jetzt trümmerhaften Ritterburg versagt war, von der aus der Überblick wohl etwas leichter gewesen wäre. Nach mehrmaligen Schätzungen beurteilt, mag das Areal der antiken Stadt um das Hafenbecken etwa ein qkma betragen haben (Skizze bei Dubois a. O.). Während der italienischen Besetzung in den letzten Jahren ist wahrscheinlich ein Stadtplan angefertigt worden, der die antiquarische Arbeit erleichtert.Die antike ἀγορά vermutet Herzog (Kölsche Forschungen 155) beim jetzigen Markt. Ein πρυτανεῖον wird PH 13, 35 erwähnt.
In der Nähe des Hafens lag ein ΓυμνάσῖΌνsubτ }}Herzog 156 und 156, 1.
Ein (kleines) ὑέατρον aus hellenistischer Zeit wird in Inschriften PH 10 a 25, 13. 16 bezeugt. Dazu die Bemerkung aus Antigon. Caryst. bei Herzog 156f. über den Baustoff. S. u. Κόκκινο νερό.
>0 Architrav einer ἐξέδρα, des C. Stertinius Xenophon, Herzog 157, 1.
Die berühmte Platane bei den Quellen auf einem Hügel südwestlich von der Stadt, von der die Eingebornen jedem Besucher erzählen, Hippo-krates habe oft darunter verweilt, ist natürlich nur ein Schößling einer antiken (die Lebensdauer einer Platane nach griechischen Botanikern etwa 400 Jahre). Die Platane über dem Standbild des Philetas (Paton-Hicks XLVIII) viel-0 leicht erwähnt bei Meleagros (Anth. Pal. VII 196 u. a.).
Leben und Treiben. Ein anschauliches Bild von der Betriebsamkeit, der Frömmigkeit und Festesfreudigkeit der körperlich bevorzugten (Athen. 115b. Paton-Hicks XI 1) Bevölkerung der Stadt und deren nächster Umgebung gibt die Inschrift Athen. Mitt. XVI (1891) 406ff. und Kommentar dazu 420ff.
Bemerkenswertes der Umgebung der 0 Stadt. Das Ἀσκλαπιεῖον (ἐν τῶ Προαστίω Strab.
XIV 657. Aristid. XXXVIII 15 K.). Hierzu Herzog, der die Lage 1901 bestimmte (Athen. Mitt. XXIII 442ff.; Arch. Anz. 1901. 131ff. 1903, 10. 186ff. 1905, 1ff.; Klio 1902, 316; S.-Ber. Akad. Berl. 1901, 473; Archiv f. Religionswiss. X [1907] 190ff. 401ff. Plan nach den Grabungen 1902- 1904 Taf. I). Gurlitt Der 4. Mimiambos des Herodas, Österr. Mitt. XV (1892) 169ff. Die 1901 von Herzog festgestellte Stätte der großartigen) Anlage des Asklapieions im Bezirk einer Vorstadt der Hauptstadt von 366/5 v. Chr. (bei der Kirche der Παναγία τῆς Ταρσου) 2 b km südwestlich von der Stadt baut sich auf drei Terrassen auf, deren Zugänge drei mächtige Freitreppen bilden. Auf der obersten stand ein marmorner dorischer Peripteros, auf der mittleren Terrasse befand sich ein großer Altar und eine Exedra mit je einem Tempel rechts und links davon, auf der untersten umgrenzten eine Säulenhalle und Wohngebäude einen geräumigen Platz, auf den zahlreiche kunstvoll gefaßte Quellen mit kalkhaltigem, aber auch schwefel- und eisenhaltigem Wasser. Dort war der Platz für die Heilkuren. Die Einwirkungen von Erdbeben haben Neubauten veranlaßt. Der Zeitraum, aus dem der ganze Bau stammt, wird auf 366 bis 155 v. Chr. angenommen. Das Erdbeben 554 n. Chr. und die Alluvionen haben die schließliche Verwüstung der ehemals so prächti- [1477] itt t Λθ8
gen Anlage vollendet. Über die τρώγλη τὸν δράχοντος in der Cella, die drei Kultstatuen, die des AsklapioB, derHygieia und der Epiona, Herzog (Arch. f. Bel. X 207). - Täfelchen mit Kuren Strab. VIII 875. Ob dae berühmte Bildwerk der bekleideten Aphrodite (Overbeck Antike Schrift-nnellen 236 nr. 1227. 240 nr. 29; Kopf nachgebildet auf einer antiken Münze (?) Head HN² 6) im Asklapieion aufgestellt war oder in der Stadt selbst, ist zweifelhaft. Über Aphrodite Anady-10 omene des Apelles s. o. Bd. I S. 2020, 4Æ und S. 2689, 63ff. Stieropfer derselben o. Bd. I S. 2691, 2ff.
Quellgebäude Βούριννα (var. Βούρῖνα Theocr. VII 6 und Schob, der Name wohl vorgriechisch) (Roß Archäol. Aufs. II 389ff. Taf. V), wohl das älteste erhaltene Bauwerk auf K. Zur Anmerkung Herzogs Kölsche Forschungen 16i*, 1 bemerke ich, daß auf der Brit. Adm. Chart 1898 Kos von Helpman vom Frühjahr 1841 bei 20 einem Weiler in einiger Entfernung von der Bov-ptwa ,Vorina‘ steht, das kaum etwa durch Einfluß von Roß (12.-13. August 1841 in der Quarantäne, Inselr. II 88) auf seinen Freund, den damaligen Commander Graves in dieser Form an die obendrein nicht richtige Stelle bei einer Korrektur, geraten sein kann. Feh glaubte, auf Grund dieser Karte und der Bemerkung Roß (S. 8), ,Quelle, die die Eingeborenen für die Burinna halten*, berechtigt zu sein, das Fortdauern des 30 Namens wenigstens für die nächste Umgebung der Quelle ruhig annehmen zu dürfen, so gut wie von so vielen arideren Namen und Überlieferungen W- Roß Inselreiseu IV). Dieselbe Karte 1898 bietet übrigens 2 Vg km südöstlich von ,Vorina* ,Pigi Hippokratus* (anscheinend Korrektur). Über das Gebäude und die viel späteren Wasserableitungen Roß Inselreisen IV löff.
Das Koxxivdvgpo (= Rotwasser von der Eisenhaltigkeit) 3 km von der Vürina (Roß Insel- 40 reisen III 131) hat Sintermaterialien erzeugt, die beim Bau des kleinen antiken Theaters Verwendung gefunden zu haben scheinen (Herzog Kölsche Forschungen 157 nach Gorceix Apperçu Géol. sur Pile des Cos, Ann. Ecole Norm. Sup. Il® Ser. V [1876] 207: Nicht alle dieser heilsame Mineralstoffe führenden Quellen dieser Gegend waren schon im Altertum vorhanden. Die vielen gewaltsamen Erdbeben machen das ganz unwahrscheinlich; bei dem Kokkinönero aber 50 sind anscheinend antike Abarbeitungen an den Felsen, s. Herzog 162, allerdings vielleicht auch spätere Felsarbeiten.
14. Verfassung: Das mythische Königtum. Persische Oberherrschaft. Tyrann Kadmos. Vorherrschaft der Fürsten von Halikarnasos. Wieder Tyrannis. Unter dem Tyrannen Charia-des wird Hippokrates 466 v. Chr. geboren (s. o. Bd. VIII S. 1801). Während der Mitgliedschaft am attischen Seebund wahrscheinlich Demokratie, 60 nach dem Abfall davon unter dem Druck der Spartiaten Oligarchie, nach der Seeschlacht von Knidos 394 v. Chr. vielleicht wieder Demokratie, Strabon spricht davon, daß einÄjedenfalls während der Zugehörigkeit zur z weift attischen Sym-machie Verfassungsänderung (στάσις) bei dem Sy-noikisrnos 366/5 mitwirkte. 357 v. Chr. Abfall von der zweiten attischen Symmachie. Wieder [1478] Oligarchie. Karische Vorherrschaft. 332 v. Chr. makedonische, dann ägyptische Vorherrschaft. Endlich römische Herrschaft.
Die ersten Urkunden über die Staatseinrichtungen stammen aus dem 3. Jhdt. Die oberste Staatsgewalt nach diesen bei der βονλά mit προ· στάται und dem δαμος, Der ἐπώνυμος ein μόναρχος. Untergeordnet: πωληταί, ταμίαι, στρατηγοί. An dorischen Phylen bestanden Ylld;, Δυμανες und Παμφυλεις; auch φρατρίαι bestanden. Die Neubürger wurden in φυλαί, τριακάδες und πεντηκοστύες gegliedert. Δόμοι der Insel wie die der Ἰσθμιώται, Ἀντιμαχίδαι, Αἰγηλίαι, Ἀρχίδαι u. a. standen zur Hauptstadt etwa wie die attischen δήμοι zu Athen. Chiliastyen (?) (etwa ähnlich wie auf Samos und in Ephesos) 3. Jhdt.. nur PH nr. 37, 6. 17).
15. Götterverehrung auf K. (S. Dibbelt Quaestiones Coac Mythologae, Greifswald 1891 (Abkürzung Di). Die epigraphischen Belege in Collitz-Bechtel Dîalektinschr. IV 576f. PH = Paton und Hicks:
Ἀδράστεια Di 67 ;
Ἀθαναία Ἀλσεία Di 54, Μαχανίς Di 53, Πολιάς ebd, Φατρία Di 55 ;
Ἀλκηῖδας Heiligtum, Collitz nr. 3639; Ἀμφιάρειον, ebd. ;
Ἄνακες (τὰ Ἀναξίλεα), a. a. O. 3638 ;
Ἀπόλλων Δόλιος, Διδνμεύς, Λύκιος, Πύθιος
Di 58ff.;
Ἄρταμις Λοχία Di 66 ;
Ἀσκλαπιός Cous Aesculapio dicata Plin. n. h.
XXIX 4, Tempel in der Vorstadt der Stadt K. Strab. XIV 657; s. § 13; HalasarnaRoß Hellenika I 93. Di 56ff., vgl. auch Ἠπιόνα und Ὑγίεια;
Ἀφροδίτα Heiligtum, Ἀφροδίσιον in Antimachia PH 387, 2, Πάνδημος Di 66f. ;
Δαμάτηρ Tempel (Δαμάτρων PH 39. 5) in Isth-mos Roß Inselreisen IV 23f.; Sitea (Pam-phyleis Phyle), Ἀλωάς (Fest θαλνσιά), Ὄλυμ~ πιά Di 65f. ;
Διονύσιος Θυλλοφόρος, Σκυλλίτας von σκυλλίς = κλήμα Altar auf der Agora der Stadt K., (Di 63). Di 62ff.;
Διοσκόροι Di 65:
Δυώδεκα Θεοί Heiligtum τὸ Δωδεκάθεον Di 68; Ἐκάτα Πόντια, Στρατία in der Hauptstadt;
Ἔρμης Di 65 ;
Ζευς Ἄλσειος, Ἀχαιός, Ἴκεσιος, Μαχανεός. Πά· σιος (= Κτήσιος). Πολιεύς, Σωτήρ, Ὕετιος, Φάτριος Patron der Stadt K. Σεβαστὸς Ζευς Στοάτιος (bei Pele), Apotheose eines Kaisers, (Df 55). Di 51ff ;
‘Ἤλιος Di 68 ;
Ἠπιόνα s. Asklapios, Di 57, und Asklapieion o. § 13;
Ἤρα Ἀργεία, Βασίλεια, Ἠλεία Di 65; zu den ἨοαίαSpielen Sklaven der Zutritt nicht erlaubt, Athen. VI 262c. XIV 639d;
Ἠρακλῆς, Heiligtum Ἠράκλειον in der Stadt K., Di 61f., Tempel in Konisalos PH 39, 8. 10;
ἨρακλήςΔωμεδόντειος ein Familienherakles ebd.; Ἰστία Ταμία Di ‘52 ;
Κοροτρόφος Arch. Relig.-Wiss. X (1907) 25;
Κώς Collitz nr. 3632. Dazu Athen. Mitt. XVI. (1891) 411ff. ; [1479] Μάτηρ θεθν Di 68;
Μουσθν Collitz nr. 3632;
Νέμεσή Collitz nr. 3629;
Νίκα Comptes fendus Acad. Inscr, 1904, 164ff.; Νύμφαι, Di 67, Nymphaia, Beiname der Insel; 'Ὀμόνοια Tempel in der Stadt, Di 67 ;
Ποτειδάν Di 64f. ;
Τέα Collitz nr. 3632. Mackenzie Annual 1897/8, 96;
Ῥόδος Collitz nr. 3632, dazu Athen. Mitt
XVI (1891) 411ff.;
Τύχα Ἀγαθά Di 67 ;
Ὑγίεια s. Asklapios, Di 57, Statue im Askla-pieion der Hauptstadt;
Χαρμύλος Collitz nr. 3710.
Die Kalender von K. s. PH 327ff., besonders 329 und 330 (Gegenüberstellung der kölschen und der attischen und rhodischen Monate).
16. Aus der Geschichte und Münzprägung. a) VorChr. Vorgriechische Bevölkerung wahrscheinlich Karer. Erste griechische Zuwanderung aus dem südlichen Thessalien (Paton-Hicks 344ff.); mythische Dynastie (Eurypylos und Chal-kon-Chalkodon), Quellhaus Burinna. Mythische Überlieferungen, die sich an die Herakleiden knüpfen [Strab. XII 573. XIV 562]). Historische Überlieferung von der dorischen Kolonisation (Herodot. VII 99) durch Argeier von Epidauros (Urkunde von Epidauros (Blinkenberg Nor disk Tidskrift N. R. X 276. Mitglied der dorischen Pentapolis ' 7. Jhdts. Aiginaiischer Münzfuß (Head HN²632 [Wappen: Taschenkrebs]). - 490 Tyrann Kadmos. Herodas 2, 48 spricht von Geltung von Normen des Charondas auf K. Vorherrschaft karischer Dynasten. Die koïschen Schiffe bei der Flotte der Artemisia von Halikarnasos auf persischer Seite. 5. Jhdt. Münzprägung nach attischem Münzfuß (Head [Wappen: Taschenkrebs]). Beim ersten attischen Seebund, Köhler Urkunden 189, Tributhöhe in der zweiten Periode: 3 Talente4 3360 Drachmen, in der dritten: 5 Talente. - 460 Hippokrates unter dem Tyrannen Habriades geboren, s. o. Bd. VIII S. 1801. K. noch während des dekeleischen Kriegs auf Seite der Athener. Stützpunkt gegen die Peloponnesier auf Rhodos (Meyer Alt. Gesch. IV 470). - 412/1 Erdbeben. - Jan. 411 (Thuc. VIII 41, 2) Asty-palaia von den Spartiaten geplündert. - 406 waren südlich vom Golf von Smyrna nur noch K. und Halikarnasos auf Seite der Athener, Ed. 5( Meyer Griech. Gesch. IV 640. - 394 Schlacht bei Knidos. K. von Konon besetzt, Ed. Meyer IV 860. K. fällt von Sparta ab, Jud eich Kleinas. St. 79. PerservorheTischaft. - 366–300 Rhodischer Münzfuß (Head HN² 633: Herakles mit Löwenfell, Wappen: Taschenkrebs). Blüte von K. - 366/5 Begründung der neuen Hauptstadt K., Diod. XV 76, 2. Strab. XIV 657. - 357 K. kündigt das Verhältnis zu Athen, J u -deich 283ff., schließt ein Bündnis mit Halikar-60 nasos und Byzantion. - 355 schließt Frieden mit Athen, Jud eich 290. - 354 von Mauesol-los vergewaltigt, ebd. 292. Karische Dynasten. - 339 beteiligt sich am Entsatz von Byzantion Su de ich 252). - 332 durch die makedonische otte unter Aniphoteros auf die Bitte der Koör (Arrian. anab. III 2, 6) befreit. - 300–190 Beibehaltung des rhodischen Münzfußes unter [1480] der ptolemäischen Vorherrschaft (Head HN® 688)· Nach paton-Hicke XII Nisyros abhängig von K. - Zwischen 258 und 256 Seeschlacht bei K. Àntigonos Ω. (Gonatas) gegen Ptolemaios oder, im dritten syrischen Krieg (247–248?), o. Bd. I S. 2415, 57. Moschion bei Athen. V 209e gibt als Schauplatz Λεήκολλα von Kypros an; danach entweder Irrtum oder man muß dort statt Κφας Κυπρίας lesen, s. Tarn Joum. hell. stud. XXIX 10 2, 264ff. König Bund der Nesioten. Halle 1910, 86ff, - 200 Seeschlacht zwischen Kalymniern und Hierapytniern (Collitz nr. 3586). - 190 –166 attischer Münzfuß wie in Ephesos. 166 –88 Änderung des Münztypus und der Ausprägung. Überwiegen der Münzen mit Asklepios oder seiner Attribute. - 88–50 Münzen ähnlich den lykischen SymmacbiemÜnzen des Tyrannen Nikias von K. Tyrannenbildnis. Zur römischen Pro-vincia Asia (Chapot Prov. Born. Procons. d’As.Min. 27). - 5 v. Chr. Erdbeben, Hieron. Chron. Euseb. ed. Helm 168, 13: plurima condderunt. - b) Nach Chr. Quasiautonome Bronzemünzen, Augustus läßt das Kunstwerk des Praxiteles nach Rom bringen (Plin. n h. XXXVI 35). - 28 n. Chr. Asylrecht für das Asklepieion Tac. ann. IV 14. - 53 n. Chr. Kaiser Claudius erwirkt im römischen Senat die Abgabenfreiheit (immunitas) für K., ebd. XII 61. - Bei Hierokles 686, 2 zweite Stadt der Ἐπαρχία Νήσων. Als Bis-10 tum (Κως) suffragan dem Metropoliten von Rhodos an dritter Stelle, Not. episc. III 559 u. a. Ein anderes Bistum ,Κώου* in Pamphylien, Not. episc. I 456. Die weiteren Schicksale wie die der anderen Kykladen und der von den Johannitern besetzten und mit festen Kastellen beschützten Inseln. S. auch die oben angeführten Schriften von Boß, im einzelnen die Schriften von Hopi Art. Giustiniani in Ersch-Gruber 303f. Veneto-Byzantin.Analekten 387. 454.
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