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RE:Kritodamos 4

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Gr. Astrologe hellenist. Zt.
Band XI,2 (1922) S. 19281930
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4) Kritodemos, griechischer Astrolog der hellenistischen Zeit, unbekannter Herkunft (Κραοόάμους als Genetiv Catal. codd. astrol. II 6, V 1 p. 40. 45 in späten Handschriften). Plinius nennt ihn unter den auctores für Buch Ϊ1 und VII der Naturgeschichte und zitiert ihn VII 193 für das 30 fabelhafte Alter der Keilschrifttafeln neben Be-rossos (vgl. FHG II 510); da Epigenes, gravissimus auctor (s. o. Bd. VI S. 65) eine noch größere Zahl von Jahren nennt (720 000 statt 490 000) und K. hier offenbar dem Berossos beitritt, so mag er zwischen diesem und Epigenes einzu-reihen sein. Daß er sein Buch in eine Vision eingekleidet hat, ähnlich wie um 150 v. Chr. Nechepso-Petosiris (Beitzenstein Poim. 4f.), erlaubt keinen sicheren Schluß auf die Priorität

40 des einen oder anderen. Bei Firmicus Maternus IV proocm. wird K. nach Mercurius, Petosiris, Nechepso, Abraham. Orpheus an letzter Stelle genannt, also offenbar doch noch unter die ältesten Vertreter der Astrologie gerechnet (so setzt ihn auch Bouché-Leclercq Astrol. Gr. an, 529, 2). Auch bei Valens 150, 22 wird er καθηγεμῶν τῶν ἐπιζητονμένωτ genannt, wohl als einer der Begründer der Astrologie in Griechenland. Schon der anonyme Excerptor Catal. VIII 3, 102 hat 50 offenbar nichts mehr über die Zeit des K. gewußt, da er dem Anfang γέγονε δὲ ὁ K. σῦτος nichts weiter hinzuzufügen weiß.

Das Buch des K. hieß *Ορασις (Vett. Valens III 12, p. 150, 11. IX pr. p 329, 18: ἐν τῆ ἐπιγραφομένη αὐτὸν Ὄρασει)", Valens teilt an beiden Stellen den Anfang der Schrift mit, der stark poetisierenden Stil zeigt. Daß es von ihm noch ein Werk, des Titels πίναξ, gegeben habe, wie Ruelle und Heeg Catal. VIII 2, p. 64 zu v. 24 auf Grund 50 von Hephaest. II 10 angenommen haben, scheint wenig glaublich: πίναξ mag die Überschrift eines Kapitels gewesen sein, das in Tabellenform den Gegenstand der ἄχρονοι und ὀλιγοχρόνιοι unter den Neugeborenen behandelte (vgl. z. B. Valens 173, 26 ἐγγυμνασθέντας τῆ π ἴνακκὴ καὶ φυσικὴ τῶν ἀστέρων καὶ ζωδίων θεωρία καὶ τῶν πρὸς τὰ φαινόμενα κανόνων πραγματεία). Valens nennt ihn zwar θειότατος (233, 22) und σοφώτατος [1929] 1929 Kritodamos

(329, 18) und erklärt, daß man ihn auf Grund seiner allseitigen Erfahrungen und als Pfadfinder bewundern und loben müsse, kritisiert ihn aber nach seiner Art wiederholt ziemlich scharf: diese älteren Astrologen haben allgemein einen aufgeputzten und manirierten Stil (κεκαλλωπισμένον καὶ κακόζηλον 150, 7); er nennt zum Belege davon sogleich den K. und verwendet das Wort χεκαλλωπισμένος offenbar auch 238, 23 vor allem gegen ihn, aus dem er das Vorhergehende entnommen hat. Die dem Verständnis sich absichtlich entziehende mystische Dunkelheit (μυστικὴ κακουργίά), von der nach 239, 13 die Pfuscher mit Vorliebe Gebrauch machen, geht nach 150, 22 (μυστικώς καὶ ποικίλως μερίσας) ebenfalls wesentlich gegen ihn; das εὐφαντασίωτον des Anfangs und die τετερατολογημενά der Fortsetzung (150, 12f.) verführen nach Valens oberflächliche und bequeme Anhänger zu leichtfertigen Torheiten, die die ,Wissenschaft⁴ in Verruf bringen. Nach Valens’ Worten hat er die astrologischen Wahrheiten mit einer unendlichen Stoffmasse umhüllt. Dunkelheit und Gesuchtheit des Ausdruckes werden ihm gleich dem ,König⁴ (Nechepso) und Pe-tosiris vorgeworfen (301, 27). Charakteristisch sind die ,schauderhaften Eide*, mit denen er seine Leser bindet (150, 16: geradeso macht es dann Valens selbst VII pr. p. 263, 4 und Firmicus Maternus VII pr.; vgl. o. Bd. VI S. 2373 und was Kroll zu der Valens-Stelle zitiert hat). Diese Eide und andere Wendungen dienen nach Valens (p. 150, 17) dem K. zum ἀπαθανατίζειν seiner Leser: die astrale Mystik des Poseidonios und der Späteren, des Manilius und Firmicus (s. Cumont Mystic. astral, Bull. Acad. Belg. 1909) hat also in K. ebenso wie in Nechepso-Petosiris und Hipparch einen Vorgänger. In der astrologischen Tradition scheint er besonders maßgebend geworden zu sein für die wichtigen Lehren von den Stufenjahren (κλιμακτήρες, vgl. auch Salmasius De annis climact. 447. 461 f. Valens 144, 6; er unterschied danach auch monatliche, tägliche, stündliche Klimaktere). von Lebensdauer und Lebensende (Heph. II 10; vgl. auch Catal. VI p. 15 f. 341v ; 72, 19; VIII 2 p. 64, 24) und von den Bezirken ἰόρια, Valens III 8: die von Kroll bemerkten Berührungen mit dem System der Chaldäer sind nur zufällig, weil er nicht wie diese das System der fünf, sondern der sieben Planeten hat), über βιαιοθάνατοι ein kurzer Abschnitt Catal. II 43; vgl. Val. II c. 41. Die Kapitel des K. über die ἐπιμερισμοί, die der anonyme Excerptor Catal. VIII 3 p. 102 von ihm aufzählt (vgl. auch Valens II 41 fin. = Catal. V 2, 52f. 120f.). sind offenbar, wie dort bemerkt ist, von Valens IV 17–24 ausgeschrieben, vielleicht zumeist wörtlich; auch die hier erscheinenden Termini παράδοσή (vgl. Bouché-Leclercq 493, 41 und ἐπιμερισμός selbst sind besonders in der Lehre von den χρονοκράτορες wichtig. In diesen Abschnitten ist eine besondere Aufmerksamkeit auf μυστικὰ πράγματα zu bemerken, einmal ist auch Mysterienverrat erwähnt. – Das Exzerpt des Anonymus bemerkt am Schluß: καταλήγει Ἠλίω τε καὶ 'Ἀφροδίτη καὶ Σελήνη ; das ist die alte babylonische Trias (vgl. dazu Cumont N. Jahrb. XXVII 3. Boll Abh. Akad. Münch. Phil. KL XXX 1, S. 75, 1). In den Auszügen ist schon etwas von der groben Verbrechen- und [1930]

RE:Kritolaos 1

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Kritolaos

RE:Kritolaos 1

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1930

Elendsphantasie zu finden, die bei Firmicus so aufdringlich wird; auch Tierkämpfe werden erwähnt Catal. V 2 p. 52, 28. 12Î, 31 = Valens 120, 33. 130, 21, was sich freilich nicht notwendig auf Tierhetze im Circus beziehen muß. – Der Hauptbenützer des K. ist für uns Valens; weiter nennt ihn außer Plinius, Firmicus, Hephaistion (s. o.) noch spät, wohl durch Vermittlung des sogleich genannten Valens, Theophilos von Edessa 10 im 8. Jhdt. (Catal. I 130, 20: Eintritt der Sonne in den Widder als Jahresbeginn, was für die Datierung keinen Schluß erlaubt).

[Boll. ]

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