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RE:Labienus

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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römisches Geschlecht etruskischer Herkunft
Band XII,1 (1924) S. 257258
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Labienus ist ein römischer Geschlechtsname etruskischen Stammes (W. Schulze Zur Gesch. römischer Eigennamen 105) mit derselben Suffixbildung wie Alfenus, Varenus u. a. Die bis in die neueste Zeit hinein fortwirkende Ansicht (z. B. noch bei Ferrero Größe und Niedergang Homs [deutsche Ausg.] I 285, vgl. VI 374 und im Namenverzeichnis von Kromayer-Veith Antike Schlachtfelder III 931L), L. sei ein Kognomen der Attii, ist längst erledigt (vgl. Klebs o. Bd. II S. 2254f. Nr. 22) und ist womöglich nur entstanden durch flüchtige Lektüre von bell. Hisp. 91, 9: ceciderunt.... praeterea Labienus Attius Varus, quibus oeeisis utrisque funus est factum (Bormann bei Wendelmuth T. Labienus 6 Anm.). Die Familie stammte aus Picenum (Cic. Rab. perd. 22), und zwar aus Cingulum, das von T. Labienus auf seine Kosten ausgebaut und zur Stadt erhoben wurde (Caes. bell. civ. I 15, 2); einen angeblichen Ahnherrn L. aus Cingulum hat Sil. It. X 32–35 unter den Opfern der Schlacht bei Cannae verzeichnet (vgl. Mommsen CIL EX p. 541. Hülsen o. Bd. III S. 2561. Auszug aus Taylor Classieal Review XXXV 158 in der Philol. Woehenschr. XLII 355f. bringt nichts Neues). In Wirklichkeit ist die Familie erst hundert Jahre später als eine ritterliche nachweisbar, in der die Praenomina Q. und T. die gebräuchlichsten waren. Bei dem Aufstand des Saturninus im J. 654 = 100 stand von zwei Brüdern der eine, wahrscheinlich T. mit Vornamen, auf der Seite des Senats (Cic. Rab. perd. 22), der andere, Q., auf der des Saturninus, mit dem er den Tod fand (Nr. 4). Ihn zu rächen unternahmen 691 = 63 die zwei Söhne seines Bruders; zwar tritt von ihnen nur T. hervor, der ältere, damals Volkstribun und später Caesars Legat (Nr. 6), aber vielleicht stand ihm ein jüngerer Bruder als Nebenkläger zur Seite, da zweimal von patruus vester (Cic. Rab. perd. 14. 23, auch propinqui vestri, équités'Romani 22) [258] anstatt tuus (so ebd. 18. 20. 21. 22. 23) gesprochen wird. Nachkommen dieser Labieni der ciceronischen Zeit sind Nr. 7. 8 und Freigelassene die wenigen auf Inschriften vorkommenden, bei denen dieselben Praenomina Q. und T. (Ausnahme L. Labienus in Benevent, CIL IX 1854)[1] und griechische Cognomina vorherrschen (in Rom CIL VI 20999-21002,[2] davon zwei Co-lumbarientäfelchen, also etwa augustische Zeit;in Ancona, der Nachbarstadt von Cingulum, IX 5922; in Patavium V 2970; in Delos Bull. hell. XXXVI 45).

  1. Corpus Inscriptionum Latinarum IX, 1854.
  2. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 20999.