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RE:Libanos 2

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Gebirge in Mittelsyrien
Band XIII,1 (1926) S. 111
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2) ὁ Λίβανος, Gebirge in Mittelsyrien zwischen Phoinikien und der Hochebene el-Biqä'. Der Name ist möglicherweise vorsemitischen Ursprungs. Vermutlich ist nämlich der L. mit dem Gebirge Niblani der chetitischen Inschriften gemeint (Boghazk. I 1 Obv. 47, Rev. 16. Weidner MDOG nr. 58 [Ang. 1917], 56. Forrer MDOG nr. 61 [Dez. 1921], 31); auch das Zwischenglied zwischen beiden Namensformen, Lablani, kommt mehrfach vor (Bogh. I 4 col. IV 28; V 9 col. IV 11. Jirku OLZ 1923, 4f.; Altorient. Komm, z. A. T. 127). Akkadisch heißt das Gebirge Labnänu. Die Ägypter kennen es als ,Land R'-m-n-n¹ (W. M. Müller Asien und Europa 197; vgl. assyr. ,sad = ,Land* oder »Gebirge* !); daneben kommt bei ihnen die Schreibung R'-b’-r'-ri (= Lablani, Jirku a. O..) vor.

Der L. war wegen seines Reichtums an Zedern und anderen wertvollen Baumarten von altersher das Ziel zahlreicher Expeditionen der Herrscher Ägyptens und des Zweistromlandes. Schon der altbabylonische König Sarrukin von Agade nennt unter den Gebieten des »oberen Landes* (= Westlandes, Syriens) den »Zedernwald* (gietir erin-ne), unter dem wohl der L. im Gegensatz zu dem schon von Gudea (Statue B 5, 28) als »Zederngebirge* (har-sag erin) bezeichneten Ama-a-nüm (Amanos) zu verstehen ist (Poebel Univ, of Pennsylv.» the Univ. Museum, Publ. of the Babyl. Sect, 1914. vol. IV nr. 1, 224). Ob das Land ,Laban (La-ab-a-anki) am Ufer des großen Meeres*, bis zu dem der Assyrerkönig Samsi-Adad (um 1880–1860) vordrang (Keilschrifttexte aus Assur hist. Inhalts Η. 1 nr. 2 col. IV 15. Weidner a. O. 10f.), mit dem L. identisch ist, oder ob nicht vielmehr darunter das Lapana der Tell-Amarna-Briefe zu verstehen ist, ist¹ fraglich. Der Pharao Snofru (4. Dynastie) ließ auf 40 Schiffen Zedernholz nach Ägypten holen, zweifellos aus Byblos (äg. Rpnj), das seit uralter Zeit als Hafen für die Ausfuhr der Zedern des L. nach Ägypten diente (Stein von Palermo, Breasted Anc. Records of Egypt I § 146). Ebenso sandte Sahnre' (5. Dynastie) eine Kriegsflotte nach der phönikischen Küste (Breasted-Ranke Gesch. Ägypt. 120). Thutmosis III. eroberte (um 150") ganz Mittelsyrien und Phoinikien bis nach Simyra und Arwad (Breasted ARE II 472. 483. 507. 548); sein Nachfolger Amenhotep II. schlug 1447 v. Chr. die Fürsten des L. ([r-m]-n-n ergänzt von Erman Ztschr. f. äg. Spr. 1889, 39) bei Semes-Edom (ARE II 783).

Ein großer Teil der Ereignisse, von denen die Korrespondenz von Teil el-Amarna berichtet, spielte sich in den Gegenden am L. ab; das Gebirge selbst wird jedoch darin nirgends erwähnt. Damals begannen die mittelsyrischen Kleinstaaten, [2] gestützt auf das vordringende Chetiterreich, sich von der ägyptischen Herrschaft unabhängig zu machen; aus dieser Zeit stammen Subbiluliumas Berichte über seine Züge bis zum Gebirge Niblani (s. o.J. Seti I. (um 1300) unterwarf noch einmal das Land am L., Tyros, Usu (Palaityros) und vielleicht auch Simyra (ABE III 89. 92. 94); wir besitzen noch eine Darstellung, wie die Fürsten des L. für ihn Zedern fällen, während er die 10 ,Stadt Kana'an' belagert (vgl. Jirku Altor. Komm.

zum A. T. a. O. Gressmann-Eanke Altor. Texte und Bilder II 128 Abb. 259). Auch sein Nachfolger Ramses II. drang bis Qades am Orontes (Tell nebi Mand) vor. Aber in den nächsten beiden Jahrhunderten verloren die Ägypter jeden Einfluß auf das L.-Gebiet. Aus der Zeit Ramses’ XII. (12. Jhdt.) stammt der Bericht des ägyptischen Priesters Wenamon über seine Reise nach Byblos, wo er den Stadtfürsten Zakarba'l 20 um Zedernholz zum Bau der heiligen Barke des

Amon bitten sollte (Papyrus Goleniséev, Öreaste d ARE IV 557ff.). Seine Erzählung zeigt, daß selbst Byblos, wo sich der ägyptische Einfluß stets am stärksten geltend gemacht hatte (Ed. Meyer GA I 23 § 357), damals von den Pharaonen völlig unabhängig war. Aber nicht mehr die Chetiter waren es damals, die ihnen in Syrien den Rang streitig machten. Vielmehr begannen um 1100 wiederum die Assyrerkönige bis an das 30 große Westmeer vorzudringen. Auf Tiglatpileser I.

ist wohl die Notiz des zerbrochenen Obelisken von Qujungik zu beziehen, nach der ein ungenannter König am L, Wildochsen erlegte (Keil-inschr. Bibl. [KB] I 125). Über ihn teilt mir Dr. Schwenzner mit: ,Wertvolle, den L. betreffende Angaben enthalten auch einige neue Texte Tiglatpilesers I., die bei den Grabungen der DOG in Assur gefunden wurden und die jetzt von Schroeder im 2. Hefte der ,Keilschrifttexte aus 40 Assur historischen Inhalts⁴ veröffentlicht sind.

In den von Schroeder aus verschiedenen Bruchstücken zusammengesetzten Texten nr. ‘8, 71 u. 63 erzählt Tiglatpileser im Rahmen seiner Feldzugsberichte, wie er auf seinem Zuge nach dem Westen auf ganz besonderen Befehl der großen Götter Anu und Adad nach dem L. gezogen sei, um dort Zedern für ihren Anu-Adad-Tempel schlagen und fortschaffen zu lassen. Tiglatpilesers Neubau dieses Doppeltempels ist uns jetzt ebenso durch 50 Andraes Ausgrabung seiner Fundamente (Andrae Anu-Adadtempel 26f.), wie durch den Baubericht des Königs in seiner Prismainschrift Col. VII 60 (KB I 43) bekannt, und wenn dort auch die Verwendung von L.-Zedern nicht erwähnt wird, so ist doch ihre derartige Bestimmung jetzt durch die weiteren Bauberichte der Schroeder-schen Texte nr. 66 und 67 völlig gesichert, aus denen hervorgeht, daß Tiglatpileser auch für

1 [3] andere (profane?) Bauten L.-Zedern verwenden ließ.* - Asurnäsirpal drang auf seinem Zuge im J. 877 zum »Großen Meere des Landes Amurri* ebenfalls bis an den L. vor und zog dann über den gamanu (Amanos) zurück; offenbar waren die beiden Zederngebirge das Hauptziel seiner Expedition. Unter den Tributgegenständon der phönikischen Städte, die er wahrscheinlich in Simirra (Simyra) empfing, befand sich usu- und urkarinu-Holz (Annal, III 88, KB I 109). Sal-manassar II. ist häufig nach der phönikischen Küste oder gegen Damaskos gezogen (in den J. 854, 849, 846, 842, 839); auch bei allen diesen Unternehmungen gegen die Länder am L. und Amanos war das hauptsächliche Ziel zweifellos die Gewinnung der wertvollen Zedern- u. a. Baumstämme, die in dem holzarmen Assyrien ein unschätzbares Baumaterial bildeten (Ed. Meyer GAU § 346. Winckler Altor. Forsch. II 116). Adadniräri IV. zog 804 nach Ba’li (d. i. Ba'lbek-Heliupolis?), 803 zur Seeküste und 797 nach Mansuate (wohl ein aramäisches *Massüah = Μαασυας αὐλῶν, wie CIS II 38 assyr. Ja an-du-a-te = aram. Haddüah ist); auch seine Nachfolger kämpften wiederholt in Mittelsyrien. Tiglat-pileser IV. eroberte die ,19 Bezirke von Jamat¹, deren erster an den L. grenzte (Annal. 127). Asarhaddon spricht ebenfalls von den Zedern und Zypressen des L. (V 15. VI 2). Ein Vertrag zwischen ihm und Ba* lu von Tyros bezieht sich wahrscheinlich auf den Zedernhandel (Winckler AOFIIlOff.); danach scheinen Unternehmer aus Arpad den Transport der Baumstämme des L. auf lyrischen Schiffen nach den Häfen Nordsyriens überwacht zu haben. Ebenso brachte man nach biblischen Berichten die Zedernstämme auf tyri-schen Flößen an der Küste entlang nach Palästina, und zwar schon unter Hiram (1 Kön. 5, 9), wie noch zu Kyros’ Zeiten (Esra 3, 7). Auch von Senacherib von Assyrien (Jes. 37, 24) und Nebukadnezar II. von Babylonien (Jes. 14, 8. Hab. 2, 17) wird berichtet, daß sie die Bäume des L. fällen ließen. Beachtenswert ist die Inschrift des letzteren im Wädi Brisä, einem Tale an der Nordostseite des L. (hrsg. von Weißbach, Leipz. 1906, 32: neubabyl. Inschr. IX 37); darin beschreibt der König, wie er die ,Berge spalten*, Felsblöcke absprengen und so eine Gleitbahn für die langen Stämme anlegen ließ, genau ebenso, wie es in alter Zeit im Riesengebirge üblich war, das den sog. »Riesen* (Holzrinnen zum Herab-flößen der Baumstämme) seinen Namen verdanken soll. Auch Rohr (vgl. das »wohlriechende Schilfrohr*, μυρεψικὸς κάλαμος, am L. bei Polyb. V 45, 9 und Theophr. hist. pl. IX 7, 1) und wohl auch die zur Herstellung von Schiffstauen wertvollen Binsen (s. u.) wurden nach Babylonien mitgeschleppt. Welchen Wert Nebukadnezar der dortigen Zederngewinnung beimaß, zeigt der Umstand, daß sein Hauptquartier ebenso wie kurz vorher das des Pharaos Necho sich in Ribla (jetzt Rible, Rabli) unweit des Wädi Brisä befand. Eine in dem benachbarten 'Akrüm gefundene Stele stammt ebenso wie eine zweite aus dem südlicheren Qabeljäs wahrscheinlich ebenfalls aus Nebukadnezars Zeit (Ronzevalle Mélang. de la Faculté Orient, de Beyrouth [= MFO] I 236). Oer König nennt den L. das ,helle Waldgebirge [4] (III 23. Grot. III 37 = KB III 2, 14f. 38f.); der Name wurde also wohl damals schon als ,weißes Gebirge' erklärt (Delitzsch Paradies 103). Neben dem Zedernholz lernen wir noch ein anderes wertvolles Erzeugnis des L. durch den letzten Herrscher Babyloniens, Nabünä’id (555–539), kennen. Dr. Schwenzner schreibt mir darüber: ,Die wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung' des L. wird durch einen neubabylonischen Uruktext der 10 Yale University aus dem 6. Jahre Nabonids beleuchtet, der von Dougherty im VI. Bde. der Yale Oriental Séries, Babyl. Tests (Records from Erech, time of Nabonidus) als nr. 168 veröffentlicht wurde. In diesem Texte, einer Abrechnung über gelieferte Metalle und andere technische Materialien, findet sich neben Kupfer und Eisen aus Ionien (mät Ja-a-ma-na) auch Eisen vom L. (sa ‘4i La-ab-na-nu), ganz im Einklang mit den uralten Eisenerzgruben, die heute noch im L. zu 20sehen sind' (vgl. Winckler Alttestam. Unters.

175 und Ritter Erdk. XVII 582). ,An die Tatsache, daß nach den dortigen Preissätzen das L. Eisen um i/3 billiger ist als das ionische Eisen (Wertverhältnis ²/8:l), möchte ich im Hinblick auf das noch recht beschränkte Material keinerlei Vermutungen anknüpfen; es kann aber genügen, daß L.-Eisen bis nach Südbabylonien verfrachtet wurde. (Es ist wohl nicht von der Hand zu weisen, daß der L. Nabonids Besitz war, während 30 dies vielleicht von dem Herkunftsort des ionischen

Eisens nicht galt.)'

Wurden in altorientalischer Zeit die Zedernbalken vom L. noch hauptsächlich als Baumaterial für Paläste und Tempel ausgeführt, so scheinen sie in hellenistischer und römischer Zeit fast ausschließlich zum Schiffsbau verwendet worden zu sein. Alexander d. Gr. ließ aus dem L. Baumstämme zum Bau von Flößen und Türmen für die Belagerung von Tyros herbeischaffen (Curt. 40 Ruf. IV 2, 18). Als seine Mannschaften beim Fällen der Bäume von Araberstämmen des L. überfallen wurden, zog der König gegen sie und unterwarf sie schnell (Curt. IV 2, 24; nach Arrian. anab. II 20, 4 und Chares bei Plut. Alex. 24 handelt es sich jedoch um einen lOtägigen Zug nach dem Anti-L.). Noch 324 soll Alexander angeordnet haben, daß Bäume des L. zum Bau einer Flotte, mit der er den Westen unterwerfen wollte, nach Thapsakos und von dort nach Babylon 50 gebracht würden (Curt. X 1, 19). Antigonos Monophthalmos ließ 315 v. Chr. auf Rhodos, in Kilikien und in den Werften (ναυπηγεία.) von Tripolis, Byblos und Sidon eine Flotte bauen (Diod. XIX 58, 3); 8000 Holzhauer fällten im L. Zedern, Fichten und Zypressen, und 1000 Stück Zugvieh schafften die Stämme zur Küste hinab. Die Schiffstaue wurden nach Theophrast (IV 8, 4 = Plin. n. h. XIII 73) aus Binsen hergestellt, die rings um eine λίμνη μεγάλη wuchsen; dieser 60 See lag in dem durch den L. und einen kleineren Gebirgszug gebildeten αὐλωνίσκο;, der, wie Theophrast betont, von dem großen αὐλῶν (= Μαααύας αὐλῶν) zwischen L. und Anti L. zu unterscheiden ist (IX 7, 1 = Plin. XII 104. Solin. 52, 52). Es handelt sich also um den See von Jammüne (birket el-Jammüne, birket Limün) in dem Wädi • en-nusür (,Adlertal'), einem Hochtale des L.; dazu passen auch die 150 Stadien (30 km), die der [5] gee vom Meere entfernt war. Vei diese tyW schon frühzeitig durch den Hafenstädten verbunden; Spi Straßen über 'Aqura nach Byblos um

HUWJreservatinschrift

T

KALAI kalmü

LIBANOS

KILOMETER

römischer Zeit hat Alüf nachgewie X 34–37).

In der Zeit um Christi Geburt

Aemilius Secundus (b. den Art. Aem [6] •mutlich war

Straßen mit aren solcher

1 Tripolis aus

o. Bd. I S. 590) auf der bekannten Inschrift über den Census des P. Sulpicius Quirinius in Apa-meia (CIL III 6687),[1] er sei im Auftrage diese« Statthalters adversus Ituraeos in Libano monte

sen (al-Masriq

, berichtet Q. ilius Nr. 143,

gezogen und habe castellum eorum eingenommen. Vielleicht handelt es sich dabei um Arka, das später Caesarea ad Libanum und auf Münzen auch COL, GESA. IÎVR. heißt'(Hill Phoe- [7] nicia LXXIII gegen Regling Ztschr. f. Numism. XXIV 133f., der an Caesarea Paneas dachte). Auch nach Strabon (XVI 755) bewohnten Ituraier und Araber τά doetvà πάπα, und die Ituraei Hy-latae bei Plin. V 81 sind wohl ebenfalls als Bewohner der Wälder des L. anzusehen.

Unter Kaiser Hadrian, der möglicherweise auf seinen Reisen Byblos besuchte (Weber Untersuch. 239 Anm. 865), wurde eine genaue Abgrenzung der staatlichen und privaten Wald-bestände (wohl der silvae caeduae und pascuae, vgl. Daremberg-Saglio IV 1340) des L. vorgenommen, wie uns noch zahlreiche Felsinschriften auf den Anhöhen östlich und südöstlich von Byblos bis hinauf zum Kamm des L. lehren, deren liegende mit geringen Varianten IMP. HAD. A UG. ARBORUM GENERA IV CETERA PRIVÀ-TA ὨΈΉ oder (auf einer von Jessup gefundenen Inschrift) ausgeschrieben DEFINITIO SIL-VARUM lautet (vgl. CIL III 180).[2] Unter den für die Regierung reservierten vier Baumarten sind vermutlich die Zedern, Zypressen, Fichten (diese waren nach Theophrast in Syrien selten) und Tannen zu verstehen, die nach Theophr. V 7, 1 und Veget. IV 34 für den Schiffsbau vorzüglich geeignet waren (Lammens Tasrîh al-absar fi mä jahtawi Iubnan min al-ätär I 33). Renan wurden etwa 80 solcher Inschriften in der weiteren Umgebung von Byblos, dem Zedernhafen der alten Ägypter, gezeigt und von etwa 20 anderen wurde ihm berichtet (Mission de Phénicie 257–274). Auch weiter südlich in den Vorbergen des Gebel Sannin (östlich von Bairüt) wurden mehrere dieser Inschriften gefunden, so von Guys (Relation d’un séjour de plusieurs années à Beyrouth... II 19) halbwegs zwischen el-MerUg und Zahle, von Mouterde und Bergin bei el-Fuär (Föwär) in derselben Gegend (MFO III 2, 549–551), von Jalabert und Mouterde zwischen Zahle einerseits und es-Swer (Chouaïr) und ’Antnrä im Distrikt el-Matn andererseits (MFO IV 209–215), und von Asad Rustum nahe dem Gipfel des Sannin bei Qana Bakiä, im Wädi Sannin, bei es-Swër und inf Ain el-Qabu unweit von Baskintä (Pal. Expl. Fund. LIV, 1922, 68–71). Wahrscheinlich sind hierher auch die bei Afqä gefundenen Inschriften FINIS IARITH N VII und FINIS IARITH N VI zu rechnen (MFO II 303 nr. 104, 105), wenn sie nicht vielmehr aus der Zeit Diocletians stammen. Nach den Fundorten dieser Inschriften (sie sind bei Renan Mission de Phén. Tab. I, im CIL III 2,[3] tab. I Nebenkärtchen ,Phoenice‘ und auf der hier beigegebenen Kartenskizze durch H gekennzeichnet) können wir uns ungefähr eine Vorstellung von der Ausdehnung der Wälder des L. im 2. Jhdt n. Chr. machen; freilich ist dabei zu berücksichtigen, daß man bisher zweiuilos bei weitem nicht alle derartigen Inschriften, die noch erhalten sind, gefunden hat. Auch die Straßen des Gebirges wurden unter Hadrian vielfach erneuert, um den Transport der Baumstämme nach den Hafenstädten zu erleichtern (MFO III 2, 551).

Obgleich der L. seit den ältesten Zeiten eines der bekanntesten Gebirge der alten Welt war und zwischen vielbesuchten, hochkultivierten Ländern lag, herrschten doch noch in römischer Zeit bei den Geographen ganz unrichtige Vorstei- [8] Iungen über seine Lage und Streichrichtung. Strabon hat die sonderbare Ansicht, der L. und Anti-L. erstreckten sich beide von der Küste ins Binnenland hinein bis gegen Arabien hin; der L. beginne bei Tripolis am θεου πρόσωπον, der Anti-L. bei Sidon (XVI 754f.). Diese Annahme stimmt völlige mit dem Kartenbilde des Ptolemaios überein, bei dem sich der L. nördlich vom Anti-L. ebenso wie dieser von Nord-10 westen nach Südosten erstreckt, so daß Koile-syrien mit Heliupolis, Abila und Damaskos an seiner Südwestseite liegt! Diese Vorstellung hängt aber eng mit der Einteilung Syriens bei Poseidonios zusammen, nach dem ludaea vom Anti-L. bis nach Gaza(Strab. XVI 756, vgl. 749), das apamenische Gebiet aber südlich bis an den Libanos reichte (Ptol. I 2 p. 977 b ed. Müller), und von den Ebenen Makras und Massyas, die zwischen den beiden Gebirgszügen lagen, die erstere 20 an das Meer stieß (Strab. XVI 755). Ähnlich verworrene Anschauungen hat Dionysios Periege-tes (z. Zt. Hadrians), nach dem Koilesyrien zwischen dem Kasios im Westen und dem L. im Osten liegen soll (v. 901: ἐσπερίου Kaotoio καὶ ἤφαυ Λφάνοιο) und der L. sich bis zum Gebiete der Nabatäer erstreckt (v. 954). Richtigere Vorstellungen scheint Plinius (n. h. V 80) zu haben, nach dessen Beschreibung sich der L. an der Küste entlang von Sidon 1500 Stadien weit (in 30 Wahrheit etwa die Hälfte !) bis Zimyra hinzog (V 77). Die Darstellung der Gebirge Mittelsyriens auf der Tabula Peutingeriana ist recht unklar; außerdem sind ihnen keine Namen beigeschrieben.

Wie bei den meisten Gebirgen Syriens ist auch bei dem L. der semitische Höhenkult nachweisbar (vgl. Etym. M. s. v. - Etym. Gud. 369, 43f.: 4. '... δοκονσί... ἀνιὸν οἱ θΙουδαίοι ὄλον εἶναι πυεύμα καὶ θεόν · ἀνωφερῆς γὰρ ἐστιν · οὐεν καὶ αὐτὸν σέβονται, wo natürlich Ἰουδαίοι. fälschlich für Kanaanäer, Phoiniker steht, vgl. Baudissin Stud z. semit. Rel.-Gesch. II 236). Der Ba*al Lebänön wird schon in einer phönikischen Inschrift auf Gefäßscherben aus der Zeit Hirams (II.?) genannt, die auf dem Gipfel des Berges Myti Sinoas bei Amathüs auf Kyproa gefunden wurden (CIS I 5. Cooke Handbook 52 nr. 11). Die Göttin ,Tanit des L? auf einer karthagischen Inschrift (Lidzbarski Ephem. I 17ff. 30 1f,; Altseinit. Texte H. I 53 zu nr. 69, 1) 50 heißt vielleicht nicht nach dem syrischen, sondern nach einem gleichnamigen afrikanischen Gebirge. Damaskios berichtet von einem gewissen Asklepiades, er habe bei Heliupolis den L. bestiegen und oben viele βαίτυλοι oder βαιτύλια gesehen, die er als redende feurige Kugeln beschrieb (§ 94, p. 129 Westerm.; Suid. I 1049, lOff, s. βρύει, II 130, 14f. 8. κατὰ σπουδήν). Eine alte euhemeristische Sage leitete den Namen des L. ebenso wie die anderer syrischer Berge von dem 60 eines Riesen ab, der ihn einst bewohnt habe (Herenn. Philo frg. 2, 7; FHG III 566a). Am Abhange des L. lag das berühmte Heiligtum der Aphrodite von Aphaka (Lukian. de dea Syr. 8f. Roscher II 2020f. s. Λιβανῖτις); dort soll an bestimmten Tagen eine Feuerkugel wie ein Komet vom Gipfel des Gebirges herabgestürzt und in den Adonisfluß gefallen sein (Sozom. hist. eccl. II 5, 5; vgl. Zosim. I 58). Dieser Aphroditekult scheint [9] nach der Zerstörung des Tempels von Aphaka durch Constantin in und bei Heliupolis insgeheim weiter gepflegt worden zu sein; noch unter Anastasios L (um 500 n. Chr.) kennt Christodoros von Koptos (Suid. s. θίριστόδωρος) in der Stadt Νάκλη (j. Nahle) bei Heliupolis τὰ καλούμενα Ἄφακα. womit wohl ein Fest der Aphrodite von Aphaka gemeint ist. Überhaupt war der L. und die schwer zugängliche Biqä* im ausgehenden Altertum eine Zufluchtsstätte des verfolgten Heidentums (vgl. den 10 Art. Heliupolis SuppL-Bd. IV S. 715ff.), das die Bekenner des neuen Glaubens dort mit größtem Eifer, aber geringem Erfolge bekämpften. Ob die Scharen von Mönchen, die Ioannes Chrysostomos (epist. 221. Theodoret. hist. eccl. V 29) zur Ausrottung des Götzendienstes nach Phoini-kien sandte, ihre Tätigkeit in abgelegenen Dörfern des L. (so Winnefeld in: Baalbek 11, 1923, 150) oder in Heliupolis entfaltet haben (wie ich Suppl.-Bd. IV S. 720 vermutete), ist fraglich. 2( Der kyrrhestische Mönch und spätere Bischof von Karrhai Abraames bekehrte um 400 eine κώμη μεγίστη im L. und blieb dort drei Jahre als Priester (Theodoret, hist. rel. 17 bei Migne G. LXXXII 1420. Synaxar. Cpolitan. in Act. Sanct. Novemb., Propyl. 466, 7). Schon Thalelaios, ein Märtyrer in Anazarbos unter Numerianus (284), stammte angeblich aus dem L. (Synax. Cpol. 697, 4); vielleicht ist damit die spätere Provinz Li-banesia gemeint. Denn im späteren Altertum 3( gebrauchte man den Namen L. häufig als Umschreibung für den dieser Prozinz (s. d. Art. A ißaνησιά); so meint Prokop (anecd. 12, 6) mit dem Dionysios ὃς ἐν Αἰβάνω ὤκει, den Iustinian später beerbte, wahrscheinlich den δοὺξ Φοινίκης [seil. Λιβανησίας, denn die Duces limitis Orientalis waren oft zugleich Praesides der Phoen. Lib.J bei Malalas (435, 6 Bonn). Im L. lag wohl das von Prokop (de aedif. V 9, 24) in Phoinike genannte μοναστήριον τοῦ ἄγιον Φωκὰ ἐν δρεί (vgl. über 4 die Verehrung des hl. Phokas in Syrien: Ztschr. f. Semitist. I 22 nr. 23; 182).

Im Mittelalter scheint der Reichtum der Wälder des L. bereits größtenteils erschöpft gewesen zu sein; schon die ägyptischen'Umaijaden bezogen das Holz zum Bau ihrer Schiffe nicht aus Phoinikien, sondern vom Berge Phoinix in Lykien (Theophan. 385, 14. Nikeph. 50, 14 de Boor; arab. Dät al-Sawäri, der ,Ort mit den Masten¹ Waqidl bei Tabari I 2870). Es ist da-* her wohl nur gelehrte Reminiszenz, wenn wir in der ἔκφρασις des Ioannes Phokas (1177 n. Chr.) über das Gebirge lesen (c. 4 bei M i g n e G. CXXXIII 932): ὁ πάγκαλος καὶ ἀξίως περιβόητος ἐν ταῖς Γραφαῖς Α., ζυγὸς πάμμεγας, κορυφόθεν μέχρι προπόδων συρμάδας χιόνος ὡς βοστρύχους περιβαλλόμενος, πενκὴ καὶ κέδρῳ καὶ κυπαρίττω καταδενδρούμένος, καὶ ἄλλων ὀπωροφόρων φυτῶν διαφόρων πλήθεσιν ὠραῖζόμενος. Die Araber schlossen unter dem Begriff Gebel Lubnän (- L.) meist auch die Gebirge nördlich vom Eleutherosflusse bis zum Unterlaufe des Orontes mit ein (Jäqüt IV 364, 10 s. al-lukkäm; 347, 15 s. Iubnan; I 3 41, 19 s. al-’ükkam. Anders Abu’lfidä II 62. 89. 90 had. Reinaud. Lammens Notes sur le Liban II 6). Im J. 677 okkupierten die Mardaïten das Gebiet vom Gebirge el-öalil westlich von Hirns bis zum Schwarzen Gebirge (Amanos), also den [10] nördlichen Teil des damaligen L. im weiteren Sinne (Theophan. 355, 8. 361ff. de Boor = Konst. Porphyr. III 96, 10.103, 4 Bonn, wo für Türa de-galïlâ, öabal al-galïl fälschlich Jerusalem eingesetzt ist. Mich. Syr. II 455 Chabot. Barhebr. chron. syr. 109, 14 ed. Bedjan. Baläduri 159f. Über die Mardaïten und öarägima vgl. Sachau S.-Ber. Akad. Berl. 1892, 323ff.). Ihre Nachfolger wurden im nördlichsten L. und im Bargylus mons die Nuçairier (Lammens BOC 1902, 452–477). deren Namen man von dem der Naxerini bei Plinius (nat. hist. V 81) abzuleiten pflegt (de Co-rancez Itinéraire 46. Dussaud Kev. Arch. 1897 I 347; Hist. et relig. des Nosairis 14. 17, 3. Lidz-barski bei Zimmern ZDMG LXXIV, 1920, 436f. Ed. Meyer Urspr. d. Christent. II 424, 2). Im Anfänge des 12. Jhdts. drang die Sekte der Ismaïlier (aMsmàTlïja), die unter dem Namen der Assassinen (arab. Hasisljün. Assissini bei Bur-

I chardus de monte Sion bei L a u r en t Peregrin. 90; Χασυσχοί bei Ioann. Phok. Migne a. O. 931) bekannt ist, in dieselben Gegenden ein. Im eigentlichen L. fanden ebenfalls im Laufe der Zeit verschiedene Volksstämme und Religionsgemeinschaften ähnlich wie im ausgehenden Altertum die Beste der paganen Bevölkerung eine Zuflachtstätte.

Die Drusen (arab. ad-Durüz) besaßen einst unter dem Emir Fahr ed-din (1595–1634) ein 1 selbständiges Reich im südlichen L., nach 1860 ist aber ein großer Teil von ihnen nach dem öebel Hörän (einige auch nach Qalb Löze bei Härim in Nordsyrien) ausgewandert. Seit dem Ende des 18. Jhdts. wohnen über den ganzen L. zerstreut die si'itischen Metäwile (Sing. Mitwelt). Auch die christlichen Maroniten, deren Patriarch in Qannöbin (xotvoßiov, unterhalb von Bserre) residiert, wohnen hauptsächlich im L., insbesondere in den Bezirken Kesrawän und öübbet-0 Bserre.

Von den einst so berühmten Wäldern des L. sind jetzt nur noch ganz vereinzelte Überreste vorhanden. Am bekanntesten ist die kleine Gruppe alter Zedern bei Bserre im Arz Libnän; auch bei Bärüq südöstlich von Bairüt finden sich einige Exemplare. ,Größere zusammenhängende Forste gibt es heute im L. nirgends mehr. Selbst die relativ noch mächtigsten Bestände im Wädl Brisa bei el-Hörmül, im Distrikte el-Munaitira und an >0 den Westhängen des öebel 'Akkär entsprechen in keiner Weise der Vorstellung, welche wir in Europa an den Begriff eines Waldes zu knüpfen pflegen* (Diener Mitteil. d.k. k. Geogr. Gesellsch. in Wien 1886, 90; vgl. 158f.). Die Distrikte, in denen die Waldreservatinschriften Hadrians gefunden wurden, sind jetzt völlig entwaldet.

Das L.-Gebiet ist seit 1862 ein autonomer Staat, der bis zum Weltkriege unter türkischer Oberhoheit stand; an ihre Stelle trat 1920 die 60 französische.

Aus der reichen neueren Literatur über den L. sei hervorgehoben: Churchill Mount Lebanon. London 1853. Urquhart The L. 1860. Fraas Drei Monate am L., Stuttgart 2 1876. W. M. Thomson The Land and the Book III (London 1886) 1–316. Diener L., Grundlinien der physischen Geogr. u. Geolog, von Mittel-Syrien. Wien 1886. Neuere Werke ferner in Thomsens [11] Palästina-Literatur (besonders II 169. III 208t). Die von Renan (Mission de Phénic. Paris 1864) ungebahnte archäologische Erforschung des L. wird insbesondere von der orientalischen Fakultät der St. Josephs-Universität in Bairat weitergeführt (ihre Publikationen in den MFO 1906ff.). För die kartographische Aufnahme des L. bildete die Grundlage die Carte du Liban... dressée au dépôt de la guerre, étant directeur le général Blondel, 1862 (1:200 000). Ferner erschienen: die Karte Mittelsyriens von 'Abdallah Töhmeh (vgl. über sie R. Kiepert bei M. v. Oppenheim Vom Mittelmeer zum Pers. Golf II 400). Huber Carte de la prov. du L. publ. sous le patr. de la Soc. or. de Munich, Kairo 1905 (4 Bl. in 1:100 000). Karte von Mesopotamien und Syrien, bearb. v. d. kart. Abt. d. Pr. Landesaufnahme 1918, Blatt C (Taräbulus) und D (Damaskus) in 1: 400 000.

  1. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 6687.
  2. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 180.
  3. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 2.