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RE:Lokris 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
Zwei Landschaften in Mittel-Griechenland
Band XIII,1 (1926) S. 11351288
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Lokris. 1) [...] [1136] [1137] [1138] [1139] [1140] [1141] [1142] [1143] [1144] [1145] [1146] [1147] [1148] [1149] [1150] [1151] [1152] [1153] [1154] [1155] [1156] [1157] [1158] [1159] [1160] [1161] [1162] [1163] [1164] [1165] [1166] [1167] [1168] [1169] [1170] [1171] [1172] [1173] [1174] [1175] [1176] [1177] [1178] [1179] [1180] [1181] [1182] [1183] [1184] [1185] [1186] [1187] [1188] [1189] [1190] [1191] [1192] [1193] [1194] [1195] [1196] [1197] [1198] [1199] [1200] [1201] [1202] [1203] [1204] [1205] [1206] [1207] [1208] [1209] [1210] [1211] [1212] [1213] [1214] [1215] [1216] [1217] [1218] [1219] [1220] [1221] [1222] [1223] [1224] [1225] [1226] [1227] [1228] [1229] [1230] [1231] [1232] [1233] [1234] [1235] [1236] [1237] [1238] [1239] [1240] [1241] [1242] [1243] [1244] [1245] [1246] [1247] [1248] [1249] [1250] [1251] [1252] [1253] [1254] [1255] [1256] [1257] [1258] [1259] [1260] [1261] [1262] [1263] [1264] [1265] [1266] [1267] [1268] [1269] [1270] [1271] [1272] [1273] [1274] [1275] [1276] [1277] [1278] [1279] [1280] [1281] [1282] [1283] [1284] [1285] [1286] [1287] [1288] Lokris. 1) Zwei Landschaften im Mittel-Griechenland, die durch Doris und Phokis in Ostlokris (OL bzw. die Ostlokrer) und Westlokris (WL bzw. die Westlokrer) geteilt wurden. Beide sind ganz enge Küstensäume mit hohen, rauhen Gebirgen, und nur hier und da Flußtälem mit nennenswerten Ebenen, wo Städte gedeihen können.

Inhaltsübersicht. I. Geographie von OL (= Ostlokris); Berge; Flüsse; Inseln; Literatur. 1. Karten. 2. Geographien, Reiseberichte usw. - II. Geographie von WL (= Westlokris); Berge; Flüsse; Insel; Literatur: 1. Karten; 2. Reiseberichte usw. III. Geologie. - IV. Dialekt. - V. Stamm. - VI. Namen. - VII. Verwandtschaften. - VIII. Ausbreitung und Kolonien. - IX. Mythologie. - X. Geschichte. - XL Staat und Kultur. Die Proxenie. Die Am-phiktyonie. Der Aitolische Bund. Stammverfas-sung. Die Könige. Der Adel. Staatsbeamte. Das Volk. Verfassung der nachmakedonischen Zeit. Kalender, Soziale Einrichtungen. Die Rechtsprechung. Das Mutterrecht. Unveräußerlichkeit des Besitztums. Die Sklaverei. Wirtschaft. Handel. Lebensweise. Bevölkerung. Charakteristiken. - XII. Religion. - XIII. Literatur. - XIV. Archäologie. Münzen.

I. Geographie von OL. Diese erstreckt sich von dort, wo der Berg Ptoon östlich von den Katavothren des Kopaissees an den Euböischen Golf angrenzt, nordwestlich bis zu den Thermo-pylen hin, wo Anthele (s. o. Suppl.-Bd. III S. 119) mit dem pylaischen Demeterheiligtum wohl lo-krisch gewesen ist, und die Grenze Malis gegenüber vielleicht an dem Phoinix (s, d.), wo jetzt eine Mühle steht (s. die Karte bei Grundy The Great Persian War, jetzt Kromayer-Veith Schlachtenatlas, Die Thermopylen 480 v. Chr.), war. Landeinwärts ist etwa die Wasserscheide, die von Kallidromon (s. d.) bis an die östliche Grenze des Kopaissees führte und dann zu dem Golfe von Phokai oder vielmehr dem Vorbgebirge nördlich davon (so Kiepert FOA XV, besser wie FOA XIV), jetzt Kap Stavro genannt, die Grenze zwischen OL und Phokis und Boiotien gewesen. Am östlichen Ende kommt erst das Tal (jetzt Kepklari) von Larymna (s. d.), dessen unterer Teil gut bewässert ist durch die [1136] Quellen, die ihr Wasser wohl von den obersten Katavothren des Kopaissees erhalten. Im oberen Tal war die Anchoë (s. d. und o. Suppl.-Bd. III S. 99), dann wo das Tal schmäler wird und die unteren Quellen entspringen (Bazaraki oder Revma), das sog. Ober-Larymna, wohl eine Gründung der römischen Zeit, die wahrscheinlich nicht lange Zeit gedauert hat (vgl. Amer. Journ. Arch. XX 485.). Zwischen dieser Stelle und dem 10 unteren Tal sind Reste wahrscheinlich von alten

Wasserleitungen, sowie tief in den Kalkstein eingetriebene Wagengeleise, die auf regen Verkehr zwischen dem Hafen und der Minyerstadt Orcho-menos in der früheren Zeit deuten (a a. O. 375. 415. T. W. Allen The Hom. Cat. of Ships [1921] 52). Am westlichen Ufer der Bucht von Larymna, ein wenig nördlich von dem Ende derselben, stehen die Überreste der alten Stadt, deren Mauer und Hafenbefestigung auf zwei verschie-20 dene Zeiten zurückgehen, nämlich die der Minyer und die der Boioter unter Epameinondas (a.a.O. 375. 515.), und zwischen diesen Zeitpunkten ist die lokriscbe Periode zu setzen, da die Gegend nach dem 4. Jhdt. meistenteils zu Boiotien gerechnet wurde (a. a. O. 525.). Die Bucht hat gute Tiefe und ist ausgezeichnet gegen Stürme gedeckt, so daß Larymna unter die vorzüglichen kleineren Häfen von Griechenland zu rechnen ist. Nördlich von Larymna erstreckt sich das große abgerundete 30 Vorgebirge, dessen ältere Benennung unbekannt ist, das aber jetzt Aëtolimni heißt (über verschiedene Namensformen vgl. a. a. O. 43, 1). Es ist steinig und bewaldet, und scheint auch im Altertum, wie jetzt, nicht bewohnt gewesen zu sein. In der Mitte auf dem höchsten Punkt (350 m) sind die Reste eines mittelalterlichen Wachtpostens (jetz Venetika genannt), Östlich von der jetzigen Stadt Malesina, wo ich keine Überreste einer antiken Siedlung finden konnte. Aëtolimni nährt viele 40 Bienen, deren Stöcke jetzt westlich von der Stadt

Larymna augenfällig sind, und diese Bienen sind es wohl, die der Stadt Bumelitaia ihren eigentümlichen Namen gegeben haben. Im Altertum ist das wenig bewirtschaftbare Land des Vorgebirges wohl von den angrenzenden Städten Larymna, Bumelitaia, Korseia und Halai benutzt worden. Westlich von Larymna, am nördlichen Abhang des Hag, Elias, ist das albanische Hirtendorf Martino, davon ein wenig südwestlich die alte Stadt 50 Bumelitaia (o. Suppl.-Bd. III S. 219f. und Amer.

Journ. Arch. XX 1545.), die im späteren Altertum, namentlich in der CLristenzeit, einige Bedeutung hatte, und wahrscheinlich die früheren Einwohner von Larymna übernahm. Die ärmlichen Dörfer Mazi und Malesina, nordwestlich und nördlich von Martino, scheinen keinen antiken Gründungen zu entsprechen. Dagegen bei Pros-kyna, wo starke Quellen fließen, sind Reste von zwei alten Ansiedlungen zu bestimmen, bei Che-60 liodou und bei Palaiochori, die beide gewiß der

selben Stadt, d. h. Korseia, wohl aber zu verschiedenen Zeiten (da Erdbeben hier Übersiedlungen noch jetzt hervorrufen, wie z. B. seit 1894, die von Malesina und Tragana), gehören (a. a. O. 1655. 349).

Nordwestlich von Aëtolimni erstreckt sich das niedrigere und beinahe rechteckige Vorgebirge von Hag. Joannes Theologos, das mit der Vorspitze [1137] Kap Arkitsa die Bucht von Atalante, den sinus Opuntius der Alten, bildet. Hier auf der inneren Seite stand die kleine Stadt Halai, deren Überreste Miss Walker und Miss Goldman aus-gegraben und beschrieben haben (Amer. Journ. Arch. XIX 418ff.). Da diese sonst nicht in diesem Werke berücksichtigt werden können, darf ich hier ein paar Einzelheiten darüber mitteilen. Die tiefe Bucht wird noch jetzt benutzt von Fischern und Händlern auch aus Kleinasien, wie die ausgezeichneten Fische davon schon im Altertum bekannt sind (Plut. Sulla 26). Eine reiche Nekro-polis, die während der letzten Dezennien öfters geplündert worden ist, liegt nordwestlich von der Stadt. Das älteste Grab stammt aus dem 6. Jhdt., das späteste aus römischer Zeit, aber bis tief in die Byzantinerzeit, wo eine Kirche dort aufgebaut wurde, ist die Stelle bewohnt gewesen. Die Vasen sind den bootischen, wie natürlich, eng verwandt. Feinere Terracotten von der Akropolis stellen Athena dar, und eine kleine marmorne Aphrodite ist auch gefunden. Die ersten Mauern (polygonal) gehören ins 6. Jhdt., die späteren sollen ins 5. oder 4. Jhdt. gehören. Der letztere Zeitpunkt ist wohl anzunehmen, da die Technik und selbst die Steinart genau dieselben sind, die man zu La-rymna findet, das wahrscheinlich unter Epaminon-das befestigt worden ist. Ein dorischer Tempel wurde schon im 6. Jhdt. errichtet. Zu einer späten Zeit, wohl unter der römischen Herrschaft, ist eine Badeanlage im nördlichen Teil der Stadt, zum Teil auch über dem Grundbau der Befestigungen, aufgebaut, was bezeichnend ist für das Sicherheitsgefühl unter der pax Romana. Die ältesten Inschriften (a. a. 0« 438ff. und vgl. Buck Class. Philol. XI 211ff.) sind auch aus dem 6. Jhdt. Eine bezeugt, daß Athena Πολίοχος verehrt wurde. Eine andere um 260–250 v. Chr. zeigt, daß die Stadt zu jener Zeit böotisch war.

Westlich von Proskyna liegt eine dürre Ebene, durchkreuzt von dem Fluß Reveniko, der ohne Zweifel der Platanios (s. d.) ist. An dessen Mündung spricht Girard De Locris Opuntiis 39 (wohl nach der franz. Karte) von einigen unbedeutenden Ruinen, die aber nicht mehr vorhanden zu sein scheinen, vielleicht infolge des Erdbebens von 1894, wobei das Gestade in dieser Gegend bis auf die Skala Atalantes unter den Meerspiegel sank, wenigstens wußten im J. 1914 die Einwohner von Tragana nichts davon. Auch bezeichnet die aus ungefähr derselben Zeit stammende und sehr detallierte britische Karte (s.u.) keine Ruinen an diesem Ort, und es ist nicht ganz sicher, daß es je wirkliche Überreste des Altertums hier gab. Ein wenig westlich von hier trifft die Bucht auf die Berge. Nur eine Straße liegt jetzt zwischen Fels und Meer, was eine Folge des erwähnten Erdbebens ist. Starke Quellen von salzigem Wasser, die Armyra oder Almyra, entspringen in diesem Paß, die von den Einwohnern mit den Kata-vothren des Kopaissees (vielleicht nr. 1 und 2 nach Philippson Ztschr. d. Ges. f. Erdkunde XXIX 47) in Zusammenhang gebracht werden. Hier sahen D o d w e 11 (Tour I 57f.) und Körte (Athen. Mitt. IV 2y, 2) noch die Reste einer großen polygonalen Mauer (zu Dodwells Zeit noch 70 Schritte lang (vgl. auch Gell 229), die den Östlichsten Teil von L. gegen Angriffe von Norden [1138] Lokris (Geographie von Ostiokris) 1138 her schützen sollte, wahrscheinlich aber schon vor dem Vordringen der Lokrer selbst (vgl. Amer. Journ. Arch. XX 46, 1). Diese Mauer ist es wohl, die mit Ä. H. auf der französischen Karte hier gekennzeichnet ist. Sie scheint aber durch das Erdbeben und den darauffolgenden neuen Straßenbau vernichtet worden zu sein. Es kommt dann eine große dreieckige, sehr fruchtbare Ebene mit Kastraki (Opus), Livanataes (Kynos), undAtalante 10 (wohl Naryx) etwa an den Edeen gestellt. In dieser Ebene kannte der homerische Katalog noch das Dorf Kalliaros (s. d.), das schon im Altertum verschwunden ist, so daß es eine müßige Frage ist, es zu lokalisieren (auch Löllings Vermutung, es sei vielleicnt zu Villovo, s. u., ist unwahrscheinlich). Zurzeit befinden sich zwei kleine Ansiedlungen in der Ebene, Kyparissi undMulkia, jede, wie es scheint, ohne Reste aus dem Altertum. Die Akropolis der Hauptstadt Opus (s. d.) 20 ist auf einem abgerundeten Felsen, dessen Höhe ich auf 250 m schätze, jetzt Kastraki genannt. Der starke polygonale Mauerring mit mehreren Türmen und Toren ist gut erhalten. Es ist eine Festung von außerordentlicher Stärke, und selten in einer langen Geschichte ist sie auch nur vom Feinde angegriffen worden. Fast keine Reste von Bauten sind aber auf der Höhe zu finden, und es ist klar, daß die Stadt selbst am Fuß des Hügels gelten haben muß, wovon ein wenig nördlich 30 einige Altertümer zu bemerken sind, namentlich die großen Mauern, wohl eines Tempels, die von der amerikanischen Schule im J. 1912 aufgedeckt worden sind. Hag. Nikolaos, ein wenig westlich von hier, hat ein Paar kleine Säulen und ein korinthisches Kapital die wohl hierher gehören. Vom Fuße der Akropolis nach dem Meere erstreckt sich noch eine Steinmauer, und weiter westlich ein größerer Erddamm, dessen Zweck fraglich ist, da er von der Stadt sehr weit ent-40 fernt ist, und doch nur eine Stadtmauer gewesen zu sein scheint. Auf einem höheren Punkte (Kok-kinovrachos) oberhalb des längst verfallenen Dorfes Gardinitza, steht ein fränkischer Wachtturm, dessen unterer Teil wohl hellenisch sein kann. Ein wenig weiter südwestlich hat das jetzt von den Mönchen geräumte Kloster Anargyri einige hellenische Säulen und Kapitale. Man sprach auch da von einer Ruinenstadt auf den Hügeln unten (nicht Kastraki - Opus), wußte aber nicht ihre 50 genaue Lage. Südlich von hier, dicht vor dem Berg Chlomos (wohl Delos), an einer Stelle jetzt Kastro oder Palaiopyrgo genannt (wahrscheinlich das, was auf der französischen Karte mit Neo Khori bezeichnet ist), sind beträchtliche Reste des Mauerrings einer Festung, vielleicht von den Einwohnern von Kyrtone in Kriegsgefahr benutzt. Kyrtone selbst ist bei Koloka (Vi Stunde weiter südöstlich davon) zu suchen (Amer. Journ. Arch. XX 163ff.), wo Überreste von größeren Bauten 60 sich vorfinden. Kyrtone aber liegt ein wenig auf der kopaischen Seite der (allerdings hier sehr flachen und intensiv bebauten) Wasserscheide, und kann daher vielleicht bootisch gewesen sein.

Auch zu Atalante stand im Altertum eine beträchtliche Stadt, obgleich das von einigen verneint worden ist. Die vielen Inschriften und die architektonischen Fragmente können zwar von Opus hergeschleppt worden sein, aber ein antiker, [1139] in den Stein gehauener Brunnen, Reste von einer Wasserleitung oberhalb von Ano Pella oder Make-donia (einem Vorort), sowie die von der amerikanischen Schule im J. 1912 aufgedeckte antike Stadtmauer nördlich von der jetzigen Stadt, sprechen dafür, daß wir hier eine alte Niederlassung haben, wo gerade am Rand der fruchtbaren Ebene, an der Hauptstraße nach Phokis, bei außerordentlich reichen Quellen im Altertum eine Siedlung nicht ausbleiben konnte. Diese muß Naryx (s. d.) sein, eine altertümliche Stadt, wahrscheinlich viel älter wie Opus, da ihre offene Lage (ohne Akropolis oder sonstige natürliche Stärke) der der mykenischen Städteanlagen viel mehr als der der darauffolgenden Zeit entspricht (vgl. Noack Athen. Mitt. XIX 489). Nach Mitteilung von Herrn Patroklos K a n a k a s, Scholarchos und Antiquar von Atalaute, enthalten die kleinen Dörfer in den Bergen bis auf Knemis (Spartia) gar nichts Altertümliches, außer einigen kyklopischen Mauerresten in dem Revma hinter Skender Aga, und die Einwohner dieser rauhen Gegend sind sicher nie zu irgendwelcher Bedeutung gelangt. Der künstliche Hafen von Atalante (Skala Atalan-tes) ist eine neue Gründung. In der Nähe, 5 m von dem jetzigen Gestade, ist der Grundbau einer byzantinischen Kirche unter dem Wasserspiegel klar zu sehen.

An der nördlichen Ecke der Ebene auf der Küste nordöstlich von Livanataes ist das alte Kynos (s. d.), dessen Überreste, Tempel usw., sich weit ausdehnen. In den Bergen oberhalb von Livanataes, beim verlassenen Kloster Villovo, sind die Ruinen einer kleinen Festung, wovon nichts Näheres bekannt ist (D o d w e 11 Tour II 59. Leake Northern Greece II 175. Lolling Hellen. Landeskunde 132, 1), die aber wahrscheinlich nie eine eigentliche Stadt gewesen ist. Westlich von Arkitsa sind Reste einer alten Besiedlung, aher aus unbekannter, vielleicht nachhellenischer Zeit (auf der französischen Karte mit R. H. gekennzeichnet). 2 Stunden westlich davon, nordöstlich vom Dorfe Melidonion, und 10 Minuten über Hag. Nikolaos (der einige antike Säulenreste besitzt, hier auch R. H, auf der franz. Karte) hinaus, ist eia Felsenhügel, auf dessen Höhe der Mauerring (zum großen Teil Quaaratbau) einer mittelmäßigen Ansiedlung leicht zu verfolgen ist. In der Schlucht unten sind starke Quellen. Dies muß Alope (s. d. und Suppl.-Bd. III S. 83f.) gewesen sein, das die flache Ebene von Kap Longos, jetzt beinahe gänzlich versumpft, bebaute. Auch hier bei einem zweiten Hag. Nikolaos östlich von dem Dorfe Longos setzt die französische Karte R. H., aber ich habe die Stelle nicht aufsuchen können. Es kommt dann die malerische Bucht von Hag. Konstantinos, in dessen Nähe Daphnos gestanden haben muß. Die Ruinen bei Arkaderi sind nur die einer ganz kleinen Festung, die aber bei Somata sind wahrscheinlich die der Akropolis der einstmaligen (zeitweise phokischen) Hafenstadt. Sie stand auf einem felsigen Hügel von etwa 75 m im Durchmesser, und ist befestigt mit quadratbauartigen Mauern und Türmen (soweit ich den Ruinen in dem überaus dicken Busch folgen konnte). Die Kleinheit dieser zwei antiken Festungen zum Schutz des Hafens und das Fehlen von namhaften Überresten jeder Art zeigen, daß [1140] Lokris (Geographie von Ostlokris) 1140 die Stelle rie stark besiedelt wurde und daß man an ernste Feindseligkeiten nicht dachte. Was für Antikes bei Vorlovu (Brit. Admir. Chart) oder Vorlovo die Engländer gesehen haben können, kann ich nicht erraten; ich sah nichts Derartiges und die Stelle wäre gegen Angriff ganz unhaltbar, auch zu weit vom Gestade entfernt, um Daphnos gewesen zu sein. Ebensowenig konnte ich antike Überreste am innersten Punkte der Bucht da fin-10 den, wo die französische Karte sie als reichlich vorhanden darstellt. Über einige Funde aus römischer Zeit bei dem Kloster hier s. Roß Königsreisen II 135. Vischer Epigr. u. Arch. Beitr. nr. 59. Erinn, u. Eindr. 634f. Das Vorgebirge Vromo Limni (mitLeuchtturm) ist die antike Kne-mides (s. d.), und der Bergrücken oberhalb davon der eigentliche Knemis (s. d.). Hier sollten bei Nikoraki einige Überreste der antiken Befestigung sicherhalten haben,ich habe sie aber nichtgesehen. 20 Es folgt dann das größere Tal und die Ebene von Boagrios (s. d.) mit einer Anzahl von Städten, zuerst die uralte Stadt Thronion (s. d.) auf einer bedeutenden Höhe, jetzt Pikraki genannt, deren Lage auch inschriftlich bezeugt ist. Diese hat das untere Tal und den östlichen Teil der Ebene bebaut, Skarpheia (s. d.) dagegen den größeren Teil der Ebene. Da diese Ebene in regelmäßigem Wachsen war, dauerte Jahrhunderte hindurch eine Fehde zwischen diesen Ortschaften, von der 30 die Inschriften, herausgegeben von Pomtow Klio XVI 1601 Kunde geben, die endlich zugunsten der niederliegenden Stadt, wie immer, entschieden wurde. Skarpheia ist wohl zwischen Molo und Andera zu suchen, vielleicht beiTroehala (10 Minuten südlich von Molo). An der Oberfläche sind aber keine Überreste zu sehen. Eine Ortschaft ra «e. wohl Temenos, dem Ares geweiht, lag zwischen Skarpheia und Thronion in der Nähe des Boagrios (Inschrift bei Pomtow 170). Komen, 40 die zum Gebiet der Skarpheier gehörten, sind wohl das sehr früh verschwundene Bessa (s. d.), Augeiai oder Augeia, die noch im 4. Jhdt. existierte, da Philodamos, Dichter des delphischen Paians im J. 335/4. wohl aus ihr stammte (Bull. Hell. XIX 395ff. 403), und vieUeicht die der 'Ἔγγαιοι (auch Ἴδγγαοι und *Ενγαοί auf derselben Inschrift geschrieben), die in einer Inschrift bei Pomtow 176 nr. 137 erwähnt werden. Weiter westlich sind die Festung Nikaia (s. d.), der Lage 50 nach gänzlich unbekannt, nur daß es beim Meer 30 Stadien östlich von den Thennopylen lag, Alponos (oder Alpeno? [-oi] s. d. und o. Suppl.-Bd. III S. 84f.) ohne Zweifel richtig von Grundy angesetzt, wo noch jetzt der alte Hafen durch ansehnliche Tiefe in dem Sumpfe gekennzeichnet ist, und zuletzt, gerade im Paß, Anthele (s. d. und o. Suppl.-Bd. III 8. 119) mit dem Heiligtum der Demeter Pylaia, die von Grundy ungefähr bei den alten türkischen Kasernen lokalisiert ist.Landeinwärts sind Pharygai (s. d.) undTarphe (s. d.), ohne nähere Bestimmung der Lage, zu suchen, das letztere von den Geographen im Altertum mit dem ersteren gleichgestellt, und ein zweites Opus (Mela II 45, vgl, Leake North. Greece II 67f.), das vielleicht zu Pundonitza (Bovdonitza, Mendenitza), in den Bergen oberhalb von Skarpheia (Molo) zu suchen ist, wo beträchtliche Reste einer antiken Stadt und Festung sich vorfinden. [1141] Östlich von den Thermopylen ist noch ein Hügel Argolas (s. d.) dem Namen nach bekannt. Nördlich von Mendenitza unter den Kalyvia sind Überreste eines hellenischen Phrourions (auf den brit. und franz. Karten verzeichnet). Bei Pirza (nicht Mirza, wie auf der sog. Österr. Karte), südöstlich von Rigini bei Hag. Elias, sind Überreste einer wohl spät-antiken Kapelle, sowie weiter östlich im Boagriostal bei Hag. Johannes (hier auch Stücke Mosaikpflaster von einer antiken Villa), und kurz dabei auch bei Anita und Hag. Taxiarches. Dicht oberhalb von den Thermopylen gab es ein Paar antike Festungen, die eine bei Palaiojannis, rechts von dem Pfade zwischen Drakospilia und Kalyvia Drakospilia, das vielleicht Nikaia sein kann (so die brit. und die franz. Karten, nach Leake; Lolling im Baedeker nennt sie aber Kalli-dromos), und ein anderes Phrouron auf der Höhe des Passes (Grundy 303), das wohl Kallidromos oder Kallidromon (s. d.) ist Diese sind aber nicht Städte, sondern Festungen. An den Thermopylen gab es auch einen Stein Melampygos (s. d.), der Κερκώπων ἔδραι hieß. Leake (a. a. O. II 52) und Bursian (Geogr. I 93f.) sahen ihn in dem westlichen Hügel mit den Resten der phokischen Mauer, der aber, nach Grundys Beweisführung, sicher der Κολωνοέ ist (a. a. O. 288ff. Karte 310). Außerdem, nach der Angabe bei Herodot. III 216 und Macan s Bemerkung dazu, wäre dieser Stein vielmehr auf der Anopaia oben zu suchen. An der Grenze von Phokis befand sich auch wohl das Λύκου πεδίον von unbekannter Lage.

Berge. Im äußersten Westen liegt Kallidromon oder Kallidromos (s. d.), der östliche Ausläufer des Oita. jetzt Saromata genannt. Der Teil direkt über dem Passe hieß Phrikion (s. d.), der östlich davon, wohl der Bergzug, welcher Kallidromon mit Knemis verbindet, zuerst Akrourion (s. d.), dann später Galate. östlich vom Boagrios ist die Bergkette, die von Thronion nach Atalante (Naryx) sich erstreckt, im Altertum Knemis (s. d.), genannt. Nach diesem Berge hießen die OL öfters ἜηικνημΙδιοι oder Ὑποκνημίδιοι (s. u.). Eine neue Gruppe, mit merkwürdiger Biegung der Linie nach Osten (vgl. Negris Plissements et dislocations usw. 40), heißt Rhoda oberhalb von Atalante, und Chlomos an der Spitze nördlich von Abai und Hyampolis. Dieser wurde wohl im Altertum Delos genannt (Amer. Journ. Arch. XX 168fL). Am nordöstlichen Rande des Kopaissees heißt dieser Bergzug Hag. Elias, und von hier ab gellt er in den böotischen Ptoon über.

Flüsse. Der Platanios (s. d.) fließt bei Korseia (Proskyna), der Opus(?) wohl in der jetzigen Ebene von Atalante, der Boagrios (s. d.) oder Manes, an seiner Mündung angeblich Lannos (s. d.) genannt, und der Aphamios, ein Flüßchen kurz westlich von dem Boagrios, in der Nähe von Skarpheia (Inschr. bei Pcmtow Klio XVI 171 nr. 131). Es bleibt nur ein einziger Strom von irgendwelcher Größe übrig, der, der zwischen Longos und Hag. Konstantinos mündet und fast so groß wie der Boagrios ist. Sein antiker Name ist aber nicht überliefert. In diesem Lande mit außerordentlich vielen und reichen Quellen ist nur die Aianis (s. d.) zu Opus mit Namen bekannt, die großen heißen Quellen der Thermopylen (s. d.) selbstverständlich ausgenommen. [1142] Inseln. An der Küste liegen jetzt zwei größere Inseln, Atalante (s. d. und Suppl.-Bd. III S. 174) und Gaidaro. Auf der ersten sind die von den Athenern im peloponnesischen Kriege aufgerichteten Befestigungen noch sichtbar, .sum Teil unter dem Wasserspiegel. Gaidaro dagegen ist neuere Schöpfung. Erst auf der Brit, Admir. Chart (von 1890, vielleicht schon 1846/7) als mit dem Lande nur durch eine Strecke Sumpf 10 verbunden dargestellt, während sie auf der franz. Karte (1852), der Karte bei Girard De Locris Opuntiis (1881) und der sog. österr. Karte (1885) als ordentliches Vorgebirge erscheint, ist sie nach der Senkung dieses Teils der Küste während des Erdbebens von 1894 jetzt ein paar hundert Meter vom Gestade entfernt. Falsch ist es aber, wenn man Gaidaro als Insel schon im Altertum darstellen will, wie Grundy auf seiner Karte (s. u.) tut, da Gell 229, freilich ohne den Namen 20 zu geben, spricht von einem hohen Vorgebirge zu dieser Stelle und noch zur Zeit von R u s s (Königsreisen I 97 im J. 1834) und Vischer (Erinn, u. Eindr. 633 im J. 1853) ist es Vorgebirge geblieben. Beide Inseln sind kahl und steinig und sind kaum je bewohnt gewesen, verschafften aber den Seeräubern dieser Gegend im Altertum vorzügliche Häfen.

Literatur. 1. Karten. Grundlegend sind die französische Generalstabskarte, Carte de 30 la Grèce usw., Paris 1852, 1:200 000, und die British Admiralty Chart nr. 1556 Gulf of Volo with Oreos and Talanta Channels, London 1890, .Large corrections July 1908* (Lokris war aber 1846/47 aufgenommen), und nr. 1554 Talanta Channel, London 1857 (eigentlich 1846/7), new éditions 1872, 1912, für Larymna, und endlich die sog. österreichische Militärkarte, d. h. Generalkarte des Königreichs Griechenland im Maße von 1: 300 000 nach Berichtigungsdaten 40 des griechischen Oberstleutenants J. Kokides und revidiert von H. Kiepert, bearbeitet vom militär-geographischen Institut in Wien 1885, die einige Verbesserungen bringt. Ziemlich gut gelungen ist die Karte bei Girard De Locris Opuntiis (1881), zum Teil auf Grund seiner eigenen Beobachtungen. Ausgezeichnet sind die Kiepert sehen Karten FOA XV (1904) und XIV (1906), die letzte nur den Östlichen Teil von OL und eine kurze Strecke von WL enthaltend, bedürfen aber, wic alle anderen hier und da Berichtigung. Im allgemeinen gut gelungen sind auch Re zwei Karten von Grundy Graecia, in Murrays Handy Classical Maps (um 1901). Kaum einen Fortschritt aber bezeichnet die Karte von Griechenland zur Zeit des Pausanias von H. Blümner verfertigt, Bern und Leipzig 1911, 1:500 000. Über geologische Karten s. u. III Geologie Lit. - Sperial-karten für Re Gegend um die Thermopylen sind die bei Grundy The Great Persian War (1901), 60 gut verzeichnet auf Grund seiner eigenen Messungen, bei Janke Die Thermopylen, im Jahresbericht des Vereins für Erdkunde von Metz (1901), die die französische Karte mit einigen Nachtragungen wiedergeben soll, und die bei Kromayer Antike Schlachtfelder H 1907 nr. 5, auf Grundy und die französische Karte basiert, mit eigenen Beobachtungen, vervollständigt in Krohmayer-Veith Schlachtenatlas. Die [1143] 1143 Lokris (Geographie von Wesüokris) älteren Karten kommen nicht mehr in Be-tracht.

2. Geographie, Reiseberichte usw. Wheler Journey into Greece (1682) 463- 465. Raikes in Walpoles Memoirs relating to European and Asiatic Turkey² (1818) 302- 304. Dod well Tour (1819) I 127–154 (WL); II 55–72 (OL). Gell Itinerary (1819) 228- 240 (OL). 290–295 (WL). Männert Geographie (1822) VIII 1140. Kruse Hellas (1827) Ji: 2, 104–176. Cramer Anc. Greece (1828) II 104ff. Leake Northern Greece (1835) II 320. 1710. (OL). 5870. (WL). Fiedler Reise durch Griechenland (1840) I 145–147 (WL). 2060. (OL). Ulrichs Reisen (1840) 150. (WL). 2270. (OL). Wordsworth Greece (1840) 170. (minderwertig). Brandis Mitteil, aus Griechenland (1842) I 760. (WL). 130–142 (OL). Buchon La Grèce continentale (1843) 2560. (WL). 280- 321 (OL). Perdicaris Greece of the Greeks (184'3) I 154–176 (WL). 237–253 (OL). Ross Königsreisen (1848) I 680. (WL). 900. (OL). RhangabéTà W‘«à (1853) I 5780. Bursian Geographie v. Griechenland (1862) I 1430. (WL). 1860. (OL) (ausgezeichnet). Forbiger Handb. der alten Geogr. (1877) III 6090. Girard De Locris Opuntiis (1881). Lolling Hellen. Landeskunde (1889) 132–7. Baedeker Erste Aufl. (1883) 172–174. 181–185 (OL); 21f. 133 (WL). Vierte Aufl. (1909 Engi.) 186–188–200–204 (OL). 218 (WL). A. Philippson Bericht über eine Reise durch Nord- u. Mittel-Griechenland, Ztschr. d. Ges. für Erdkunde zu Berlin XXV (1890) 331- 336. 3980. (WL.); 386 –389 (OL); Der Kopais-See in Griechenland und seine Umgebung XXIX (1894) 80. (ÖL); Reisen und Forschungen in Nord-Griechenland, Schluß, Der ätolische Pindos XXXII (1897) 2700. (WL). Frazer Pausanias (1898) V 1040. 133–134 (OL). 4630. (WL). Mediterranean Pilot IV* (1908) 130–133. Oldfather Amer. Journ. Arch. XX (1916) 320. 1540. 3460. Wertvolle Notizen sind auch zerstreut bei Neumann-Partsch PhysikaU Geographie von Griechenland (1885) und A* Struck Zur Landeskunde Griechenlands (1912) zu finden.

II. Geographie von WL. WL fängt an westlich von Delphoi, wo eine verwickelte Linie vom Meer bis auf die Straße, die von Delphoi nach Amphissa führte, die Grenze war, wie es in der großen Inschrift CIL III 567.[1] III 2,[2] S. 987. Bull. hell. XXVII 1490., jetzt SyU? 826 E. 827 CD genau beschrieben wird. Weschers Erklärungen, Mém. près, par div. Savants VIII 1 (1868) sind in diesem Teil seiner Arbeit fast gänzlich verfehlt, haben doch die Kartographen alle verführt, das Tal zwischen Topolia und Geroleka den Delphiern zuzu schreiben, während es vielmehr lokrisch gewesen ist. Das alles auszuführen, fehlt hier der Raum. Von der oben angeführten Straße aus bildet die Grenze wohl etwa die Wasserscheide des Flusses in der Ebene von Amphissa (wahrscheinlich der Hylaithos), auf den westlichen und südlichen Abhängen des Parnassos bis auf die Höhe von Aselenon (Giona), und dann südlich davon bis etwa auf das Paradeisorrevma von Ska-loula (so Sotiriades Bull. hell. XXXI 278), denn der obere Teil des Baches Belisitsa ist sicher [1144] Lokris (Geographie von Westlokris) 1144 lokrisch gewesen, weil dort die Stadt Physkos (s. d.) bei Malandrinu lag. Da nun schon im 5. Jhdt. die ätolischen Apodoten südlich von dem Mornos (= Daphnos) sich befanden, und Poti-dania, Krokylion und Teichion wohl lange Zeit ätolische Städte waren, ist die Grenze von diesem Punkte ab wohl entlang den Höhen von Trikorpho und Vigla zu ziehen, d. h. die Wasserscheide zwischen dem Daphnos und dem Golfe, bis auf den 10 Daphnos selbst etwa an der Mündung des Mandila-tals nordwestlich von Omer Effendi. Von hier ab bildet die Grenze wohl wieder die Wasserscheide zwischen dem Golfe und dem Euenos, da die Einwohner von Buttos (s. o. Suppl.-Bd. III S. 220), nicht unweit von Skala, nach den Archonten von Naupaktos präskribieren. Sie führt über Rigini (oberhalb von Naupaktos) und trifft das Meer wieder bei Taphiassos (jetzt Klokova), so daß Makynia und Molykreion beide lokrisch sind. 20 Warum Lolling Hellen. Landesk. 137 gegen Homer und andere Quellen auch Chalkis in WL einschließt, weiß ich nicht, da Strab. IX 427 das nicht beweist, und der Euenos als eine natürliche Grenze mit dem Taphiassos nicht zu vergleichen ist. Strabons Angaben über die Grenze zwischen WL und Aitolien sind konfus und haben Verwirrung hervorgebracht. Er hat sie aus verschiedenen Zeitaltern gesammelt, aber nicht verarbeitet. Zum Beispiel will er IV 427 Chalkis in L. ein-30 schließen, dagegen X 447. 451. 465 in Aitolien.

IX 427 und X 460 ist Molykreia ätolisch, X 451 und 460 auch Makynia ätolisch, IX 427 sogar Naupaktos ἔστε δὲ vvv ἌΙτωλων, obwohl VIII 336. X 460 Antirrhion die Grenze bilden soll (vgl. R o 11 s c h Die Westlokrer 19), was nur zwischen 426 und 338 v. Chr. der Fall gewesen ist.

Die östlichste Stadt, am innersten Winkel des sinus Crisaeus, ist Chalaion inschriftl. Chaleion). Ob sie ursprünglich zu Palaia Kteria oderPaleaska 40 Itea, wo die Neugriechen ursprünglich die Skala von Salona setzten und Ulrichs noch Reste eines Hafendamms gesehen haben soll, ich aber nichts sicher Altertümliches fand, oder bei dem jetzigen Itea, wo ich unter dem Wasserspiegel antike Hafenwerke gesehen zu haben glaubte (vgl. N. Siderides bei Negris Athen. Mitt. XXIV 354, der aber von Kirrha, nicht Chailon spricht), ist noch nicht ausgemacht. Der große Wasserbrecher zwischen der Insel Hag. Konstantinos und 50 Hag. Athanasios (oder Staphida), von Negris Athen. Mitt. XXIX 353f. beschrieben, konnte der Stadt an der einen Stelle vielleicht ebensogut als an der anderen dienen. Auf dem Lande sind keine Altertumsüberreste sichtbar. An der nordwestlichen Ecke der fruchtbaren Ebene stand die große Stadt Amphissa (s. d. und o. Suppl.-Bd III S. 92ff.) und in einem Tal nördlich davon, dem von Segditza oder Topolia, ist Myonia (s. o.) zu suchen, obgleich Frazer und noch Grundy, 60 nach Leakes irriger Ansicht, diese Stadt südlich von Amphissa, bei Hag. Euthymia, ansetzten. Hier. am Fuße des Hag. Elias, war in der Tat eine stark befestigte Stadt, deren schöne Mauern zum Teil bis auf 3–4 m Höhe erhalten sind und wohl aus dem 4. Jhdt. stammen. Überreste eines Tempels sind noch sichtbar. Diese Stadt litt schon im Altertum an Wassermangel, wie die große Anzahl von Zisternen, die in den Stein gehauen sind, [1145] beweist, da die einzige Quelle der Gegend, zwar eine reiche, um 3 km nach Norden hin entfernt liegt. Diese Ortschaft ist meistens mit Myonia oder Tritaia identifiziert, kann aber keine von den beiden sein. Vielleicht ist sie die WL Alope, oder auch Phalika (s. d.), die beide in der Nähe von Amphissa und Delphoi waren. Vorübergehend kann die Stelle vielleicht die von Philipp ausgetriebenen Amphissäer beherbergt haben, was die starken Mauern erklären würde. Die Gegend ist für die dauernde Existenz einer größeren Stadt ungünstig. Wie oben angedeutet gehören Alope und Phalika diesem Teil der WL an, sowie Tritaia (s. d.), wohl auf den westlichen Abhängen des Parnassos, die Stieis (s. d.), die Ipneis (s. d.), die Hessioi (s. d.) und die Messapioi (s. d.), von denen keine mehr genau zu lokalisieren ist. [Zwischen Myonia, Amphissa, Chalaion und Delphoi kennen wir jetzt eine Menge unbedeutender Ortsnamen (Syll.³ 610. 826 E. 827 CD), die ich in anderem Zusammenhang zu besprechen beabsichtige.] Südlich von Chalaion lag Oiantheia (s. di) oder Euantheia (s. o. Suppl.-Bd. III S. 444), wohl zu Galaxidi, wo Reste von den Stadtmauern, sowie einige in den Stein gehauene Gräber (wohl my-kenisch) zu sehen sind. Im Altertum war auch die Gegend östlich von dem Hafen bewohnt, vielleicht schon sehr früh. Zu der Zeit, als Krissa und Kirrha blühten, ist Oiantheia wohl der einzige Hafen dieses Teils von WL und daher ein Ort von einiger Bedeutung. Die Ruinen bei Hag. Soteira südlich, wo ein Tempel unter einer byzantinischen Kirche steht (Sathas Chronikon), sowie die Stelle nordwestlich von der Stadt, wo die französische Karte Ruinen angibt, habe ich nicht aufsuchen können. Irgendwo in der Nähe von Oiantheia war die Kome Axia (s. d. und o. Suppl.-Bd. III S. 191).

Um das Vorgebirge Andromache (oder Andro-maki) herum, nördlich von Vidavi, an einer Marmara genannten Stelle, sind beträchtliche Reste einer stark befestigten Stadt, vielleicht Phaeston (s. d.). Zwischen Galaxidi und Vidavi, in einem schmalen felsigen Tal, wo die französische Karte ,Puits' angibt, setzten Kiepert und Grundy die Stadt Hessos an, mit welchem Recht aber, weiß ich nicht. Die Gegend habe ich selbst nicht aufgesucht und konnte von keinen Altertümern Kunde erhalten.

Zwischen Marmara und Kisseli ist der Unterbau einer antiken Straße auf eine Strecke von ungefähr 20 m sichtbar. Auf der westlichen Seite des Rückens zwischen den beiden Tälern und 10 Minuten nordöstlich von Kato Kisseli ist der großenteils überschüttete Unterbau eines Tempels, der aus polygonischen Steinblöcken gebaut ist. 300 m südlich davon ist wohl eine kleine Festung, und südwestlich von dem Tempel einige Reste von Quadersteinbau. Dieser Ansiedlung einen bestimmten Namen zu geben sind wir noch nicht imstande. Nordwestlich von Kisseli bei Malan-drinu, auf einem Hügel an der östlichen Seite des Tales, lag Physkos (s. d.; Bauer Unters, zur Geogr. u. Gesch. 21Ï. irrt, indem er die Existenz dieser Stadt verneint). Die ist bei Hag. Nikolaos, wovon südlich eine starke Quelle fließt. Weit ausgedehnte Mauern, in den Stein gehauene Gräber und Inschriften bezeugen die Bedeutung dieser [1146] Lokris (Geographie von Westlokris) 1146 einst zu den führenden Städten von WL gehörenden Stadt. An der nordwestlichen Ecke der Akropolis ist ein Vorsprung mit Treppen in den Stein gehauen, vielleicht ein Altar. An der südwestlichen Ecke sind Überreste eines Tempels. Die kleinen Ruinen bei Levka unterhalb von Struza (wohl einer ätolischen Stadt), und die am nördlichen Ufer des Paradeisorrevma westlich von Ska-loula (vgl. Sotiriades Bull. hell. XXXI 278) 10 sind wohl die kleineren Festungen, die die Grenze in diesem Tal zwischen Aitolien und WL überwachten, da dieser Bach das größere Tal ziemlich in der Mitte zerteilt. Zu Kokovista am westlichen Ufer des Revma von Vitrinitsa, westlich von So-tena und südöstlich von Makresi, soll eine antike Besiedlung gewesen sein, die Überreste aber konnte ich von der anderen Seite des Abgrundes nicht klar erkennen, so daß sie wohl nicht hervorragend sein können. Diese nennt Grundy Messapia 20 (s. d.), mit welchem Recht aber weiß ich nicht.

Eine kurze Strecke unten, a*:f einem von Natur befestigten Vorsprung, liegt Palaiokastro, mit kyklopischem Mauerring, der etwa 80 X 60 X 100 m mißt, mit Überresten von Häusern und vielen gehauenen Steinen in der Umgebung. Die Mauern sind wohl ursprünglich mykenisch, und die Stelle ist eine äußere Festung von Tolophon und ein Versammlungs- und Wohnort für Bauern und Hirten (von diesen letzteren noch bis jetzt be-80 nutzt) gewesen. 10 Minuten nördlich von Vitrinitsa in Marathiu ist eine typisch mykenische Festung mit Mauern von derselben Art wie jene zu Gia (Goulas), d. h. mit regelmäßigen Vorsprüngen, nur daß hier der Vorsprung IV 2 m beträgt und die Mauer eine etwa sägenartige Ansicht hat. Dies ist das unzweideutige Zeugnis von der Kultur in diesem Lande zu mykenischer Zeit, wovon Überreste noch zu Galaxidi, Malan-drinu, oberhalb von Marathiu und Östlich von 40 Monastiraki bekannt sind In der hellenistischen

Zeit stand die Hauptstadt der Gegend, Tolophon (s. d.), zwischen Vitrinitsa und der Küste, wo bei Hag. Euangelistria der Unterbau eines größeren Tempels sichtbar ist, und auf einem niedrigen Hügel gerade am Gestade noch ein anderer Tempel stand. Der Turm hier ist aus fränkischer Zeit, meistens aber aus Blöcken von dem Tempel erbaut. Mauern, Scherben, Gräber, Wasserleitung usw. ringsherum bezeugen die Existenz einer 50 wohlhabenden Stadt an dieser Stelle. Das Tal von

Vitrinitsa, gut bewässert von einem Fluß und einer Menge von Quellen, hat im Altertum, als das Strombett ohne Zweifel fest reguliert wurde, eine dichte Bevölkerung gehabt Noch jetzt spricht die lokale Sage von einer Stadt, die einmal 20 Myriaden von Einwohnern hatte! Westlich, auf einem steilen Hügel, stand einst eine Festung; ob die jetzt sichtbaren Reste aber hellenisch sind, ist doch fraglich. Zu Chora, auf der linken Seite des Revmas, Marathiu gegenüber, liegen zerstreut auf dem Boden einige behauene Steine, was sich aber hier einmal befand, ist nicht klar. Auch die Skala Vitrinitsas, jetzt Ératine genannt, wurde schon im Altertum bewohnt. Die Ausgrabung für ein neues Haus, als ich da war, zeigte eine antike Mauer, viele Scherben, zwei Kupfermünzen aus römischer Zeit, eine von Konstantin I., ein paar späte Vasen und ein Bruchstück des [1147] 1147 Lokris (Geographie von Westlokris) Deckels «nes Sarkophags, die ich alle selbst sah. Bei fast jeder neuen Konstruktion soll man auf Altertümer stoßen. Auch an einer nicht mehr genau bestimmbaren Stelle in der Nähe von Penteo-ria sollen vor etwa 15 Jahren antike Gräber einige Becher, Lanzenspitzen und Schwerter geliefert haben.

Westlich von dem Tal des Vitrinitsa, auf der nordwestlichen Ecke der Insel Trizonia, im Altertum wohl Kyra (s. d.), wo die französische Karte hellenische Ruinen konstatiert, konnte ich nur einen mittelalterlichen Turm und einige Mauerreste von unbestimmter, doch wohl alter Zeit finden, da anzunehmen ist, daß die Insel im Altertum einen Flucht- und Schutzort hatte, und keine andere Stelle dafür besser geeignet scheint als diese. Auf dem etwa 215 m hohen Vorsprung, jetzt Glife genannt, direkt gegenüber, stand einst eine größere Stadt, deren Mauerring zum Teil vorzüglich erhalten ist Die Akropolis von 45 x 100 m ist außerordentlich stark befestigt. Reste von größeren Bauten habe ich nicht gesehen, aber ein paar Zisternen und viele Hausmauern sind sichtbar. Dies ist sicher Antikyra (s. d. und o. Suppl.-Bd. III S. 124). In den Bergen oberhalb dieses Teils der Küste scheint nichts Altertümliches erhallen, wie ich nach Besuch von Maraza, Palaiochorion und Sergoulas berichten kann. Es kommt dann die kleine, aber gut bewässerte Ebene von Marathia, an deren westlichem Rande oberhalb einer Mühle einige Mauerreste erhalten sind, die obgleich selbst kaum antik, vielleicht die Stelle einer alten Ansiedlung bezeichnen. Diese Ebene wurde wohl im Altertum von den Antikyranern bebaut. Auch in der nächsten Umgebung von Klima soll nichts Altertümliches «halten sein, nur in den Bergen oberhalb bei Hag. Nikolaos zu Kambos (Kambi) sind beträchtliche Überreste einer antiken Ansiedlung, die Woodhouse Aetolia 354ff. wohl mit Recht Apollonia (s. d. und o. Suppl.-Bd. III S. 133) nennt.

Auf einem Hügel, Palaiorachi, am östlichen Ende des blühenden Tais Magoula, stand einmal eine antike Stadt, wohl Oineon (s. d.). Der Rebenbau auf dem ganzen*Hügel hat fast alles auf der Oberfläche zerstört, und nur an der östlichen Seite sind einige Mauerreste erhalten. Sehr viele Scherben, zum Teil von Pithoi, sind überall zerstreut und für die Zäune in den Weingärten verwendet. Zu Gouva auf der Küste zwischen diesem Ort und Monasteraki wurde vor einigen Jahren ein mykenisches Grab geplündert, das ich aufsuchte, fand aber nichts von Interesse (vgl, Sotiriades Athen. Mitt. XXXI 3941.). Dies gehörte wohl eher zu der Ansiedlung zu Palaiorachi als der anderen weiter unten bei Sule, beweist daher die sehr frühe Zeit, in der die Kultur in diese Landschaft getragen wurde (man vgl. unten die Sage von Hesiods Tod in dieser Gegend). Bei der neueren Siedlung Sole auf einem kahlen felsigen Hügel sind erhalten die Mauer einer Akropolis aus dem 4. Jhdt. oder vielleicht später, die etwa 140x90 m mißt, von der nur der westliche Teil noch ziemlich gut erhalten ist. Dies ist wahrscheinlich Eupalion (s. d. und o. Suppl.-Bd. III S. 455). Der Hafen von Eupalion, Erythrai (s. d.), ist danach bei Kap Kokkino zu Buchen, dessen rötliche Farbe noch jetzt weithin [1148] Lokris (Geographie von Westlokris) 1148 auf jeder Seite sehr bemerkbar ist und auf der Brit. Admiralty Chart (s. u.) besonders hervorgehoben wird. Ein altes Temenos, westlich von dem Kastro zu Sule, bei dem Dorfe Omer Effendi» ausgegraben von Sotiriades (a. a, O. 395Γ.), ist wohl das des Zeus Nemeos, das in den Sagen vom Tode Hesiods eine Rolle spielt. Auf einem der letzten Ausläufer der Berge nördlich von Omer Effendi sind die Ruinen einer kleinen 10Stadt, das Palaiokastro bei Sideralono (Sotiriades Bull. hell. XXXI 291), das sicher Potidania gewesen ist, wohl ursprünglich lokrisch, wie Woodhouse a. a. 0, 356, 1 vermutet, doch schon im 5. Jhdt. ätolisch geworden. [R o 11 s c h Die Westlokrer 22f. z. T. nach Bursian und Soteriades setzt Eupolion nach Palaioraehi, Erythrai nach Sule, und Oineon nach Omer Effendi, was durchaus unwahrscheinlich ist.]

In der Ebene des Daphnos, jetzt Morno (im 20 oberen Teil auch Mega) genannt, habe ich von keinen Altertümern Kunde erhalten können, dagegen bei Longa, nördlich von Skala, oberhalb von Daphni, ist ein Heiligtum des Asklepios, von dem einige Freilassungsurkunden längst bekannt waren, von Nachmanson Athen. Mitt. XXXII 1ff. mit ausführlichem Kommentar herausgegeben. Die Stadt Buttos war dicht in der Nähe, wohl nordöstlich in den Bergen, ihre genaue Lage ist aber noch nicht ermittelt. Auf einem Vor-30 sprung des Rigani und zum Teil an seinem Fuß lag die große Stadt Naupaktos (s. d.), mit einem kleinen, aber sehr wichtigen Hafen. Westlich davon zwischen Velvina und Hag. Georgios ist Molykreion (s. d.), wo die Überreste zu Helleniko wohl der Unterbau eines Tempels und einer Stoa des Poseidon sind. Die niedrige, aber weitausgestreckte Vorspitze Antirrhion (s. d. und o. Suppl.· Bd. 111 S. 125f.) lag in dem Bezirk von Moly-kreion. Sie scheint im Altertum weder bewohnt 40 noch befestigt gewesen zu sein. Nordwestlich von Antirrhion und oberhalb von Mamaku liegt ein Kastro, mit zum Teil gut erhaltenen Mauern, wohl aus dem 5. oder 4. Jhdt. Dies kann nur Makynia (s. d.) sein. Ein wenig westlich von hier erhebt sich Taphiassos, der jetzige KJokova, die westliche Grenze von WL zu Anfang der geschichtlichen Zeit.

Nur dem Namen nach bekannt sind die Städte Ainos, Argyna, und Kaiamisos (s. d.). In der 50 östlichen Hälfte des Landes dagegen sind die Gaue oder Städte Hessioi (oder Hessaioi, der Monacensis vonThuk.), Hyaioi mit Versammlungsort Polis, Ipneis, Messapioi, Olpaioi, Phalika, Stieis (über die zwei letzten vgl. E. Bauer Unters, zur Geogr. u. Gesch. usw. 19f.) zu suchen. Wohl auch imWL sind die sonst unbekannten Περικυμάσιοι und Ἰάοσιοι (wenn diese nicht Familiennamen waren) zu suchen, obgleich sie auch möglich dem OL gehören können, s. Wilhelm Österr. Jahresh. 60 XIV 241. Eine Liste der WL Ortsnamen gibt Rolt sch Die Westlokrer (1914) 14–26.

Berge. Der höchste Berg Griechenlands, aber in der Literatur nur einmal, wie es scheint, erwähnt, ist Aselenon (s. d.), das zweifelsohne Giona (Kiona) ist, denn Korax (s. d.), obgleich öfters mit Giona identifiziert, kann nur der jetzige Vardusia sein, der übrigens zu Aitolien gehört. Bei den Alten ist Aselenon vielleicht als ein Teil [1149] 1149 Lokris (Geographie von Westlokris) des Parnassos aufgefaßt worden, der daher der Zweigipfelige genannt wurde, und es gehören in der Tat wirklich diese zwei Höhen derselben Bergmasse an. Leake Northern Greece II 607 und danach Woodhouse Karte S. 53 und 309, 5, sowie Grundy in seiner Karte, sehen in Rigani oberhalb von Naupaktos einen antiken Namen Origanon, was gewiß möglich ist, aber sehr unsicher, da die Berge Griechenlands sehr selten ihren alten Namen behalten haben. Die Grenze gegen Aitolien bildet der schroffe und imposante Taphiassos (s. d«), jetzt Klokova genannt.

Flüsse. Der Daphnos (s. d.) ist sicher der Mornos, der im oberen Teile Mega genannt wird. Nur die Mündung dieses Stromes liegt in WL. Auch wird ein Hylaithos (s. d.) erwähnt, der eher der Fluß bei Amphissa (jetzt Katsikopniktes, Bursian I 14, 3, Gazopnitki die Karte bei Salvator) als der Revma bei Vitrinitsa ist, obgleich genau genommen die einzige Angabe darüber zu keinem von diesen beiden recht stimmt (v. Wilamowitz zu Seneca Oed. 285 vermutet Hylaethi, was wohl richtig ist, und vielleicht auf den Fluß bei Amphissa gedeutet werden kann). Ein Fluß Ozon (s. d.) wird erwähnt von Schob AP zu Hom. II. II 527. Dies muß das Tori(?) Revma der französischen Karte sein, da die übelriechenden Quellen in dieser Gegend sind.

Insel. Die einzige namhafte Insel, jetzt Trisonia, wurde im Altertum wohl Kura (s. d.) genannt. Die anderen sind ganz kleine Felsen.

Literatur. 1. Karten. Außer den oben unter OL angeführten allgemeinen Karten (die der Brit. Admiralty für WL sind Gulf of Corinth nr. 1600, publ. 1898, new ed. 1912, und Ports Galaxidi and Itea nr. 22f., publ. 1897), sind noch die bei L. S a 1 v a t o r Eine Spazierfahrt im Golfe von Korinth (1876) 1:200 000 (nach den britischen und französischen Karten, aber ,Namen und mancherlei Berichtigungen wurden vom Verfasser selbst eingetragen⁴ S. XV), und die des westlichen Teils des Landes (bis auf Vitrinitsa-Melandrinu) in Woodhouse Aetolia 1897 (vor S. 1 und S. 53 nach der franz. Karte nr. 7) hervorzuheben.

2 Reiseberichte usw. Außer den oben unter OL angeführten Schriften, die zum Teil auch WL behandeln, sind folgende zu erwähnen. S p o n und Wheler Voyage (1679) II 22–42. Hobhouse Journey through Albania (1813) 221 - 241. Chandler Travels in Asia Minor and Greece (1817) II 306ff. Holland Travels in the lonian Islands (1819)1509. Pouqueville Voyage dans la Grèce (1820) III 211ff, (nicht immer zuverlässig). Hughes Travels in Greece (1830) I 397–401. Mure Greece (1842) 1169ff. G. Beck e r De Aetolia adiecta diss. (1857), Programm d. rhein. Ritterakad. zu Bedburg (nicht zugänglich). W. Vischer Erinnerungen und Eindrücke aus Griechenland (1857) 619f. Bazin Mémoire sur i’ Étoile, Archives des Missions scientifiques et littéraires 2®e Serie, Tome I, 249ff. (1864) 302–312. 361–366. Sathas Χρονικὸν ἄνεκδοτον Γαλαξείδον κτλ, (1864 und 1865) passim. [Erzherzog Ludwig Salvator] Eine Spazierfahrt im Golfe von Korinth (1876) 1–74 (sehr gut). Belle Trois-années en Grèce (1881) 190 –196 (unbedeutend). Deschamps La Grèce d’aujourd’hui (1892) 250–269 (1910²). Wood- [1150] house Aetolia (1897) passim (ausgezeichnet). E. Bauer Untersuchungen zur Geogr. und Gesch. der nw, Landschaften Griechenlands usw., Halle 1907. Mediterranean Pilot III 346–351 (1908). Rolt sch Die Westlokrer, Jena 1914.

III. Geologie. Auf die sehr verwickelte Geologie von L. insbesondere WL einzugehen, ist hier nicht am Platze. Die einschlägige Literatur führe ich unten an. Nur ein paar Punkte haben 10 einiges historische Interesse. Der nordwestliche Teil von OL ist sehr reich an Quellen verschiedener Art, die manchmal das Land zu einem Sumpf machen, wie in der Ebene zu Longos. Berühmt im Altertum sind die heißen Quellen der Thermo-pylen (s. d.); andere vermeintliche Heilquellen sind in Loutra (auch Kamena, Vourla und Longaki genannt), und unterhalb von Thronion. Diese heißen und Schwefel-Quellen sind wohl mit denen von Aidepsog in Euböa verwandt.Merkwürdig sind die Erdbeben, und, namentlich in OL, Senkungen der Erde in Zusammenhang damit, da bekanntlich OL und WL in den größten seismischen Zentren liegen, d. h. demeuböischen und korinthischen Golf - insbesondere die krissaische Bucht (Negris Plissements usw, 145f. 198). Um die Thermopylen ist das Gestade wohl sicher erhöht worden; da wo die Küstenlinie um 480 v. Chr. gelegen haben muß, ist sie jetzt nach Grundys Messungen ungefähr 10 m höher als der Meeres-30 spiegel, was unmöglich alles das Werk des Sper-cheios sein kann. Auch liegt das moderne Dorf Molo jetzt sehr weit vom Gestade entfernt, obgleich es dem Namen nach an dem Hafen gelegen haben muß. Dagegen zwischen Opus und Kynos ist das Land in einer beträchtlichen Breite gesunken, und es ist wohl möglich, daß auch die Insel Atalante (s. d. und o. Suppl.-Bd. III S. 174), wie bis in das letzte Jahrhundert Gaidaro, ein Vorgebirge bis auf den Anfang der historischen 40 Zeit gewesen ist, worauf die ziemlich konfusen Angaben über das Erdbeben von 426 zu deuten scheinen-auch jetzt ist die Insel nur durch einen seichten Kanal (nur 5–8 Faden tief) vom Lande getrennt (Med. Pilot IV⁴ 1908, 132). Das würde dann vielleicht die eigentümliche Sage vom Tode des lokrischcn Aias erklären. Die Küste zu Halai scheint nicht verändert zu sein, ebenso die zu Larymna, obgleich das Gegenteil behauptet worden ist (vgl. Amer. Journ. Arch. XX 57f. 346f.).In WL ist ein kleines Sinken im östlichen Teil zu konstatieren, wie es Negris zu Itea und Gala-zidi festgestellt hat (Athen. Mitt. XXIX 353L). Die Gegend von Naupaktos und Antirrhion ist in der neueren Erdgeschichte mehreremals gehoben und gesunken (Negris La regress. quatern. 1912, 8ff.), scheint sich aber in der historischen Zeit nicht bedeutend geändert zu haben.

Die Frequenz von Erdbeben ist sehr merkwürdig, und spiegelt sich wider schon in der Sage 60 vom Untergang des lokrischen Aias durch einen Schlag von Poseidons Dreizack. Unter den schwersten Erdbeben sind die vom J. 426 v. Chr. (Jul. Schmidt Studien über Erdbeben (1879) 139; s, dip Art. Alope und Atalante o. Suppl.-Bd. III S. 83f. 174); 348 und 279 um Delphoi (Schmidt 140); 183 Aitolien (S e h m i dt 141); 106/7 n. Chr., wobei Opus vernichtet wurde (Hertzberg Gesch. II 152, 72); 7. oder 9. Juli [1151] 551 (Schmidt 152f.), wobei Naupaktos und die Städte des Krissaischen Golfes (d. h. Chalaion und Oiantheia), sowie Skarpheia und die ganze Gegend um die Thermopylen (s. den Art. Skarpheia) stark litten; von 996 und 1147 bei Oiantheia (Schmidt 158); 1660 zu Oiantheia (Schmidt 160); 1857 und 1858 zu Naupaktos (Schmidt 178); 26. Dezember 1861 zu Chalaion, Oiantheia, Skala Vitrinitsas (Schmidt 72. 196), und sehr oft während der Zeit (1859- 1878), als J. Schmidt sie persönlich beobachtete, unter denen die von August-Oktober 1870 OL und WL, besonders Atalante, Itea und Amphissa beschädigten (Schmidt 2768.), und die von März 1871 bis Juli 1873 fast unaufhörlichen, die umAmphissa am stärksten waren. Seitdem ist vor allem das furchtbare Erdbeben vom 16. April 1894 hervorzuheben, das das ganze OL verheerte, wobei das Gestade des Opuntischen Golfes in einer beträchtlichen Breite unter den Seespiegel sank. Über diese Erdbeben und namentlich das letzte sind, außer dem oben erwähnten Werk von Jul. Schmidt, die folgenden anzuführen. W. Capelle Erdbeben im Altertum, N. Jahrb. 1908 I 6038. Mitzopoulos Petermanns Mitteil. XL 217–227. Negris Plissements et dislocations (1901) 2000. Papavasiliu C. R. de l’Acad. des Sciences Paris 1894, 112–114. S k u p h o s Ztschr. der Ges. für Erdkunde zu Berlin XXIX 409–474 (das beste). Über die allgemeine Geologie von OL und WL s. außer den oben angeführten A. Bittner Der geologische Bau von Attika, Boiotia, Lokris und Parnassis, Denkschr. Akad. Wien, math.-naturw. Kl. XL (1880) 38., mit geologischen Karten (die für WL auch abgedruckt bei Woodhouse Aetolia 45). Carte géolog. internat, de l'Europe 39 D VI Griechenland, Berlin, D. Reimer. Cordelia La Grèce sous le rapport géol. et minéral. (1878) passim. Fiedler Reise (s. o. unter Geographie). Frech und Renz Kreide und Trias im Kiona und Oita-Gebiet (Mittelgriechenland), S.-Ber. Akad. 1911, 1112–1125. H e g e r Barometrische Höhenmessungen in Nord-Griechenland, Denkschr. Akad. Wien usw. XL (1880 758. Negris Plissements et dislocations de l’écorce terrestre en Grèce (1901) 1538.; Vestiges antiques submergés, Athen. Mitt. XXIX 353f. (vgl. C. R. de l’Acad. des Sciences Paris CXXXIX [1904] 380); Délos et la transgression actuelle des mers (1907) 118.; La régression quaternaire (1912) 88.; Roches cristallo-phylliens et tectonique de la Grèce (1915) passim (sehrreichhaltig). Neumann-Partsch Physikalische Geographie von Griechenland (1885) passim. Neumayr Der geologische Bau des westlichen Griechenlands, Denkschr. Akad. Wien usw. XL (1880) 1028. Philippson (die drei oben unter Geographie von OL angeführten Artikel - sehr wichtig). Renz Zur Geologie Griechenlands (1909) (kurz). Zur Geologie der ostgriechischen Gebirge N. Jahrb. für M.G. u. P. 1914, 228. (reichhaltig, aber mir noch nicht zugänglich). Sauvage Observations sur la géologie d’une partie de la Grece continentale et l'île d’Eubée, Ann. des Mines, Mém. IV« Ser. T. X (1846) 1308. (über Ptoon, Kopaissee, Katavothren usw.; oberflächlich). Jul. Schmidt Studien über Erdbeben (1879) passim. T. Spratt The Quart. [1152] Journ. of the GeoL Soc, of London XIII (1857) I, Proceedings 178–182 (OL).

IV. Dialekt. Unsere Kenntnis des lokri-sehen Dialekts beruht ausschließlich auf Inschriften und zwei Glossen bei Hesychios (von Thumb Gr. Dial. 195 übersehen) ὀπλίας und ἄγχραν, die das stark hervortretende Hirtenleben des Volkes kennzeichnen; das einzige größere Stück von angeblich lokrischer Literatur, περὶ ψύχος κόομω καὶ φύσεος, dem Timaios von L. untergeschoben, ist eine Fälschung der Kaiserzeit (J.R.W. Anton De origine libelli περὶ ψυχας usw. 1891), und die Bruchstücke der Dichter wie Nossis u. a. sind in literarischem Mischdialekte geschrieben. Unter den Inschriften muß man zunächst zwischen den alten, in rein epichorischem Dialekt (aus dem 6. und 5. Jhdt.), und den späteren, in der nordwestgriechischen κοινή geschriebenen unterscheiden. Die Inschriften von OL sind selten und dürftig. Sie 20 sind zusammen bei C o 11 i t z 1488–1511 abgedruckt. Die älteren sind ferner IG IX 1, 291- 295. 303–304, sowie nr. 1 (6. Jhdt.) und nr. 2 (5. Jhdt.) herausgegeben von Miss Goldman Amer. Journ. Arch. XIX 438ff. (vgl. dazu die Bemerkungen von Buck Class. Philol. XI 21 Iß.). Die späteren sind in IG IX 1, 234ff. Tardé und Laurent BuU. hell. XXVI 326Π. Miss Goldman 444ß. Oldfather Amer. Journ. Arch. XX 320fl. Pomtow Klio XVI 160ß. nr. 131- 30 137 (Inschr. von Thronion und Skarpheia aufgestellt zu Delphoi, vom Ende des 2. Jhdts. v. Chr.). Die Inschriften von WL stehen zusammen bei Co Hitz 1474–1484. Davon sind zwei besonders berühmt aus dem 5. Jhdt., beide zu Gala-xidi (Oiantbeia) gefunden, obgleich die kürzere ursprünglich wohl zu Chalaion (Itea) aufbewahrt wurde. Diese sind in IG IX 1, 333 und 334 mit vorzüglichem Kommentar von Dittenberger herausgegeben, wo die ältere Literatur vollständig 40 angeführt wird. Seitdem ist hinzuzufügen v. Scala Staatsverträge des Altert. (1898) nr. 58 (nur der Rechtsvertrag zwischen Oiantheia und Chalaion). Solmsen Inscr. Sei.³ (1910) nr. 37. 38. Buck Greek Dial. (1909) nr. 55. 56 mit Übers, u. Anm. Dittenberger Syll.³ 47 (nur die Epöken-inschrift; vgl. dazu Bannier Berl. Philol. Woch, 1916, 956f.), Anc. Greek Inscr. in the Brit. Mus. IV (1916) nr. 53. 54. Bannier Rh. Mus. LXX 4005. (Bemerkungen zu den beiden Inschriften). 50 Alt ist auch IG XI 1, 335. Die späteren Inschriften sind zu finden IG IX 1, 336ff. Perdrizet Bull. heU. XXIII 344ß. (Amphissa). Cahen Bull. hell. XXII 354fi. (Physkos). Keramo-poullos Ἤῳ. ἀρχ. 1904, 113fl. 1908, 159ß. (Amphissa). Nachmanson Ath. Mitt. XXXII iß. (Buttos). Vollgraff Bull. heU. XXV 2215. (Amphissa). Wilhelm Beitr. zur griech. Inschriftenkunde (1909) 149. 168 (Amphissa). 1285. (Physkos). Die lokrische Mädcheninschrift subβλsubΛ Jahresh. Arch. Inst. XIV (1911) 163–256 (Tolo-phon). (Journ. hell. stud. XVI 310 bei Thumb Griech. Dial. 194 ist wohl Irrtum, da Eiarcho [Abai] zu Phokis gehörte.) Sehr wenige Inschriften sind in Lokroi in Italien gefunden. Ältere sind Collitz 1485–1487. IG XIV630.631. Orsi Notizie 1909, 352 (5. Jhdt.). Boll. d’Arte 1909, 4745. (vgl. Philol. LXXI 329); Saggi di Storia Antica (1910) 167. Notizie 1910, 3225. 1913 [1153] Suppl. 3/4 (vgl. Herm. L 635L); jüngere sind IG XIV 632. Orsi Notizie 1909, 322, Zu bemerken ist, daß die inschriftlichen Zeugnisse aus Ol und Lokroi bis jetzt zu spärlich sind, um Verschiedenheiten zwischen den Dialekten hier und in WL zu konstatieren; nur daß in OL, wahrscheinlich unter böotischem Einfluß, der Spiritus asper sehr früh verschwand (Buck Class. Philol. XI 2115.).

Merkmale des lokrischen Dialekts sind aufgezählt bei Allen De Dialecto Locrensium, Curt. Stud. III (1870), 277ff. Smyth Proc. Am. Philol. Ass. XVII S. XVII 5.; Amer. Joum. Philol. VII 437, der 11 hervorhebt. Thumb Griech. Dial. 1945., der 20 zählt und Buck Greek Dial. 114, wo er 8 Merkmale gemeinsam mit anderen Dialekten und fünf spezifisch lokrisch findet, und Charts I-III, wo er zusammen 16 aufzählt (vgl. seine Bemerkungen Class. Philol. II 2415.). Diese alle auch nur zu erwähnen wäre die Aufgabe eines Dialektforschers. Dem Historiker sind wohl am auffallendsten a statt e vor ρ wie ἄμαραν (aber nicht immer, vgl. μέρος), auch im Phokischen und Elischen (und wohl auch einmal in Achaia, wo Zeus Ἀμάριος geehrt wurde, worüber siehe die bei A. B. Cook Zeus 16f. angeführte Literatur und Beloch Gr. Gesch.* 12, 90); f sehr hervortretend, auch intervokalisch, wie ἐπίροιφος (über I καπιατες vgl. Buck Glotta I 29. Keil Indog.

| Forsch. XXXVI 2405.), dabei auch fort (neben

I Aon) wohl für *o‘on, worüber recht viel ge-

I redet worden ist (für die ältere Literatur s. Alli len a. a. O. 252f.; für die spätere Solmsen

g Kuhns Ztschr. XXXII 275. Wackernagel

Rh. Mus. XLVIII 3015. J. Schmidt KÎhns Ztschr. XXXIII 4555. Buck Greek Dial. 94. Brugmann-Thumb Griech. Gram.⁴ 619L); I στ statt er# wie in ὕελεσται (darüber vgl, B r u g -

! m a n Gr. Gramm.® 106. Buck Class. Phil, II

J| 266. Thumb Indog. Forsch. XXXI 2225. Brug-mann-Thumb⁴ 124Î. 394 und die dort an-- geführte Literatur. Rüsch Gram. d. Delph. * Inschr, 4 Anm. 2. 193f.); außerordentliche Ungleichmäßigkeit bei der Verwendung des Spiritus asper, wie d, ά, τέκναι (= ἤχθ), ὑδρίαν usw., neben φθν, Κάγέν, Ἠοηοντίων einmal neben Ὀπόντιοι usw.; die Frequenz von f, denn keine Inschrift zeigt diesen Buchstaben so oft wie das Epokengesetz; Dat. pl. von Konsonantstämmen in * ·οις, wie μειόνοις, und in ἔσσι, wie χρημάτεοοι; ἔος als Gen. statt ov, der einzige Dialekt, wo solche Formen auch inschriftlich bezeugt sind (vgl. Meister Ber. Akad. Lgipz. 1895, 3145. Buck Class. Philol. II 259); und hôxô als Adverbien (alte Ablative Meister 284f. Brugmann-Thumb⁴ 264); Assimilation von ἐκ zu é wie e(r) tos, t(l) λιμενος; ἄαρεσταιθ ἐλεοάαι

47A 19. Mc Kenzie Class. Quart. XV 187L; δείλομαι = βούλομαι; Flexion von Verben in *εω wie jene in μί, z. B. ἐνκαλείμενος; ξ in Fut. und Aor. von Verben in ω (vgl. γάφιξξιν; Buck CI. Philol. II 25 1f.); ἐν für εἰς usw. Syntaktisch interessant ist κατά mit dem Gen., wo gemein-griechischer Brauch den Akk. setzt, s. D i 11 e n Berger IG IX I, in der Einleitung zu der Epokeninschrift und Wilhelm österr. Jahresh. XIV 206. 243. [1154] Verwandtschaft der Dialekte. Lok-risch ist einer der nordwestgriechischen Dialekte. Ob man Elisch als nächst verwandt betrachtet (mit Hoffmann Griech. Dial. I S. IV. Burs. Jabresber. Suppl.-Bd. CXXIV 59. Buck Class. Philol. II 246; Greek Dial. Chart 1 a), oder Pho-kisch (mit Smyth Amer. Journ. Philol. VII 436ff. Thumb Griech. Dial. 180ff. Hirt Handbuch² 41. Brugmann-Thumb⁴ 20, vgl. 10 M e i 11 e t Aperçu d’une hist. de la langue grecque [1913] 102), hängt davon ab, welchen Wert man jedem einzelnen Beispiel einer Reihe von Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten beimißt, ist auch für den Historiker eine müßige Frage, da die drei ohne Zweifel sehr eng verknüpft sind. Das merkwürdigste und geschichtlich wichtigste Merkmal des Lokrischen ist die Anzahl von Aeolismen. Diese sind aufgezählt und besprochen von Allen 278. Smyth 441ff. Thumb 185. 195. Sie 20 wird erklärt werden als (A) Überbleibsel einer gemeinsamen äolo-dorischen Einheit, so von Ahrens Dial. I 234ff. 238. II 408. Allen 278, der diese Ansicht aber später zuriicknahm (s. Smyth 440, 1). Merzdorf Die sog. äol. Bestandteile des nördlichen Dorismus (1874), von Smyth 426ff, widerlegt (vgl. auch Cauer Woch. kl. Philol. IV 1134). Meillet lllff. will diese Ansicht, wie es scheint, noch aufrechthalten, aber was er in Einzelheiten S. 111 negiert, 30das gibt er prinzipiell S. 113 vollkommen zu. (B) Als unabhängige Entwicklungen. Das triSt vielleicht einige der Eigenschaften der verschiedenen κοιναί, ist aber kaum bei den ältesten Denkmälern vorauszusetzen, und besonders, da diese gemeinsamen Merkmale meistens so eng begrenzt sind, daß man sie sich nur als unter Berührung von anderen Dialekten aufgekommen vorzustellen vermag. Ich kenne keinen, der diese Erklärung für alle die Merkmale vorschlägt. Über Thumbs 40 Versuch, στ für σθ als Analogiebildung zu erklären, s. o. (C) Als Entlehnungen durch Kontakt oder Mischung der Stämme. Diese Ansicht, zuerst von v. Wilamowitz speziell als Erklärung des Thessalischen und Boiotischen vorgeschlagen (Ztschr. f. d. Gymnas. 1884, 113ff.) und jetzt allgemein als richtig anerkannt (auch von Debrunner Neue Jahrb. XXI 440f., der sich sonst ziemlich skeptisch verhält), trifft ebensogut auch auf die Lokrer und Phoker zu (vgl. noch 50v. Wilamowitz Eurip. Herakles² Hf.). Auf diese ist sie von O. Hoffmann De mixtis Graecae ling. Dial. 38f. Cauer Wochenschr. f. kl. Philol. 1888, 737. Solmsen Rh. Mus.LVIII 623. Thumb Griech. Dial. 66. 185. Buck Greek Dial. 3ff. Rüsch Gram. d. ddph. Inschr. 1 usw angewendet. Ich füge noch hinzu, daß diese Theorie mit den Tatsachen der Geschichte und des Mythos, soweit diese gehen (s. u.), im vollen Einklang ist und als bewiesen betrachtet 60 werden darf. - über eine vermeintliche Eigentümlichkeit des Dialekts der epizephyrischen Lokrer im Gebrauch von « s. Gildersleeve zu Pindar Ol. IX 43, Amer. Journ. Philol. XXXVI 231. Shorey ebd. IX 410 Anm.

Außer der vorher angeführten Literatur sind noch anzuführen Ahrens De Graecae Linguae Dialectis I (1839) 234ff. 238. II (1843) 408. Bechtel Nachr. Götting. Akad. 1918 nr. 4, 37 [1155] Lokrische Konj. auf -r« und lokr. τελεος. D a -n i e 1 s s o n Zu griech. Inschr., Eranos III 48ff. L. H a v e t Mots locriens contenant un a pour un r, Mém. de la Soc. de Ling. II 167f. A. W i 1 -heim Jahresh. Areh. Inst. 190. 206f. 212. 243ff.

V. S t a m m. Es ist aus dem Altertum über die Verwandtschaft des lokrischen Stammes nur überliefert, daß sie zu den Äolem gerechnet wurden (Strab. VIII 333 - nach Hellanikos FHG I 48 = Kullmer 645f. hießen die Violai, die 1 zu Phrikion bei den Thermopylen wohnten, Φρίκάνες oder ΦρικανεΙς; vgl. auch Strab. XIII 582, daß die Äoler vor der Auswanderung lange Zeit um L. und Phrikion wohnten), eine Angabe, die, genau genommen, falsch ist, die aber einen gewissen Grund hat, da die Lokrer der geschichtlichen Zeit, wie die Boioter und Thessaler, eine Mischung von Äolern und Nordwestgriechen (bezw. Doriern) sind. Der Dialekt (s. o.) ist nordwestgriechisch mit einer Anzahl Aiolismen, die mytho- logischen und religionsgeschichtlichen Verknüpfungen (s. u.) äolisch oder mindestens vordorisch. Die Adelsherrschaft ist auch fest ausgeprägt und charakteristisch (s. u. Stadt und Kultur), und die Sage von dem verschiedenen Ursprung des Adels und des Volks (diese die Abkömmlinge der von Deukalion und Pyrrha geworfenen Steine, jene die von Göttern und Hero-innen) deutet wohl auf eine Verschiedenheit des Ursprungs zwischen den Klassen. Das ist dann · nur zu erklären als Folge der Eroberung einer äolischen Bevölkerung durch eine nordwestgriechische (bezw. dorische), wobei der nicht auswandernde Teil der Urbevölkerung eine untergeordnete Stellung einnahm, die Führer aber der Eroberer einen fest abgegrenzten Adelsstand (die Hundert Häuser) bildeten. Über die Leleger als vermeintlich vorgriechische Bewohner des Landes s. ii. Geschichte. - Roltseh Die Westlokrer 32 meint, die thessalischen Aioler mit den böoti-schen Hyanten seien in L., Aitolien und Kephal-lenien eingewandert, und daß die Hyaioi in WL einen Rest der Hyanten bilden (nach Brandstätter Gesch. des aitol. Landes usw. 13. 46). Die Belegstelle abertei Strab. X 464 sagt kein Wort von L., und R o 11 s c h scheint auch einige Angaben bei Strab. X 461 ziemlich willkürlich eingeflochten zu haben. Besser ist es daher zurzeit, nicht über eine Einwanderung von Aiolern und Hyanten in WL zu spekulieren.

VI. Namen. Der Zersplitterung des Stammes und den lockeren und wechselnden staatsrechtlichen Verbindungen entsprechend, sind die Lokrer wie kein anderes griechisches Volk durch eine Menge von Namen gekennzeichnet. Zuerst wollte man sie mit den Lelegern gleichstellen (Hesiod frg. 115 Rzach. Aristot. frg. 560 Rose. Ps.-Skymn. 590f. Strab. VII 321. 322. Dion. Hal. antiq. I 17, 3. Plin. n. h. IV 27. Solin. VII 25 und Mommsen dazu. Steph. Byz. Φυβκος, und auf dasselbe spielt Ovid. met. VII 312 an, indem er einen Narycius Lelex [d. h. aus Naryx, der Heimat des lokrischen Aias] unter den kaly-donischen Jägern aufzahlt), aber der Lelegername, trotz einer Wendung wie θΑριοτοεέλης) τοὺς νῦν Λοκρους Λέλεγας καλεί bei Strab. VII 321, ist nicht als eigentliche Bezeichnung für die Lokrer in der historischen Zeit zu betrachten. Dagegen [1156] Das Wort Ἀοκρός ist dunklen Ursprungs, sicher nur, daß es alter Stammname ist, wovon der Landesname ἡ Ἀοκρίς abgeleitet ist (Dil- [1157] tenberger Heim. XLI 167). Pape-Ben-seiet nehmen einfach die Glosse bei Hesych auf λοκὸς · λοκρὸς · φαλακρός. Wenn man aber die Glossen κόλον und στολοκρός vergleicht, kann man nicht umhin, mit M. Schmidt in χόλος στολοκρὸς · φαλακρός die echte Lesart des Originals zu sehen. Ohne den Sinn des Namens zu erklären, faßt Kannengießer (Klio XI 45) ihn als leiegischen Ursprungs auf und schreibt eine Menge von ähnlich lautenden Namen aus dem Etruskischen (wie λυχρέ [‌Luceres], Locrius, Lucernius, Lucretius [Λοκρήτιος], fundus Locre-sianus in Veleia usw.) dieser ,leiegischen Namensgruppe, zu der die Λοκροί gehören', zu. Weit verbreitet bei den Etruskern ist diese Namensgruppe zwar (vgl. Schulze Gesch. Lat. Eigenn. 182f.), ich sehe aber keinen Zusammenhang zwischen Lokrern und Etruskern, und daß Λοκρός lelegischer Name ist, wäre erst zu erweisen, ehe man darauf weiter baut. Es haben vielmehr mit Recht Fick (Bezz. Beitr. XXVI 250) und Kretschmer (Glotta IV 343) Λοκροί in Zusammenhang mit λεκροί: ὄζοι τῶν ἐλαφείων (κεράτων) Hesych (s. Schmidt z. St.) gebracht, als fast das einzige Wort im Griechischen, woran Λοκροί anklingt. Fick freilich sieht keinen Sinn darin, Kretschmer aber, nach Schulzes Deutung von Δωριῆς als Kurzform für *Δωρίμαχοι, vermutet, daß Λοκροί ähnlich Kurzform für *Λοκρόμαχοι, Bogenkämpfer (d. h. mit Bogen von Hirschhorn wie dem von Pandaros in der Ilias), was sie κατ’ ἐξοχήν beim Antritt in der Geschichte (II. XIII 712) sind. Das ist ansprechend und kann sehr gut wahr sein. Dann wäre auch der rätselhafte Name Ὀζόλης vielleicht in derselben Weise zu erklären, etwa als Bogenkämpfer, da ὄζος wie λοκρός auf den Bogen zurückgeführt werden kann. Danach wäre Ὀξόλης nur ein zweiter charakterisierender Spitzname, der aber, wegen der naheliegenden unschmeichelhaften Deutung von ὄζω, bei dem Stamm selbst (s. u.) nicht verwendet wurde. Der lokrische Aias ist zwar berühmter Speermann (Hom. II. II 530), und auch Patroklos ficht mit dem Speer, diese sind aber Helden eigentlich der vorlokrischen Zeit, d. h. der Äoler (s. u. Geschichte), und das Volk der Lokrer ist und bleibt charakterisiert in der Literatur als Bogenkämpfer. [Anmerkung: Irgendeine Bedeutung von ,Horn‘ scheint in στολοκρός vorzukommen; vgl. Phot.s στόλοκρον (2. Art.): καὶ ἡ ἔεχοθεν τῶν κεράτων ἔκφυσις. Hesych ὀτολοκρατίς · τὸ τῆς Ἰοῦς μέτωπον ζιὰ τάκέρατα: id. κόλον... ταντας (τὰς αἰγας) Ü καὶ στολόκροῦς ἔλεγον (d. h. jene die nur einen Anfang von Hörnern hatten). Lobeck Paralip. 43 und Schmidt zu Hesych s. ὀτολοκρατίς wollten das Wort mit στόλος zusammenbringen.]

Die anderen Namen Ὀπούντιοι, Ἐπικνημίάιοι usw. sind adjektivisch mit Λοκροί zu fassen, kennzeichnen daher nur Teile des Stamme. Es ist viel geschrieben über die Verwendung dieser Namen. Die hauptsächliche Literatur ist Boeckh CIL I S. 855.[3] Leake Northern Greece II 180f. Curtius Arch. Zeit. 1853, 38. Bursian Geogr. I 187. Oikonomides Patto Colon, de’ Locri (1869) 39–51. Vischer Erinn, u. Eindrücke 632 A. Kleine Schriften II 212–228 (gegen Oikonomides). R. Weil Arch. Zeit. [1158] XXXI 140. Dittenberger IG IX 1, 270. Pomtow N. Jahrb. 1897, 798; SjlL’ 597, 1; Klio XVI 165f. Was Χλπαυνχιοί (Owdntot die Epökeninschrift und die Münzen des 4. Jhdts«; Ὀποείοιοι steht nur bei Steph. Byz. s. ÜJiàt; und daraus bei Eust. II. 277, 12) betrifft, so findet sich dieser Name immer bei den filteren Autoren, Herodot, Thukydides, Xenophon und auch bei späteren und auf Inschriften, besonders im poli-10 tischen und staatsrechtlichen Sinn (sehr gut darüber E. Meyer Forsch. I 294f.; weiteres u. Staat und Kultur), während Ἐπικνημίδιοι und Ὑποκνημίδιοι, eigentlich nur geographische Namen, den Stamm im Gegensatz zu den Lokrern des Westens oder Italiens bezeichnen. In dieser Weise sind Ὄπ. und Ὕποκ. auf der Epoken-inschrift verwendet; nur einmal (im letzten Satz) könnte Opuntier vielleicht ebensogut wie Hypo-knemidier stehen, dieser aber deutet wohl darauf 20 hin, daß von einem für das ganze Land gültigen Gesetz die Rede ist (vgl. Vischer Kl. Schr. II 218f.). [v, Wilamowitz dagegen Staat und GeseÙsch. 45 meint, der Gebrauch von ,Opuntie? Z. Hf. könne auf eine vorübergehende Herrschaft der Stadt Opus über das ganze Volk deuten.]

Es kommt dann der Doppelname Ἐπικνημίδωι, die auf Knemis (oder in der Nähe von Knemis) Wohnenden, und Ὑποκνημίδιοι, die unter Knemis Wohnenden. Eine Parallele zu dieser Verschie-30 denheit der Benennung bilden die Διακρείς neben den Ὑπεράκριοι von Attika und mehrere lo-krische Ortsnamen, z. B. Alponos und Oiantheia, die zwei verschiedene Namensformen trugen. Der Name Ἐπικνημίδιοι kommt zuerst angeblich vor bei Hellanikos in Steph. Byz. s. SUbnovoc ... eo« καί. ἄλλη Ἄοκρων τῶν Ἠπικνημιδίων (FHG I 19). Diese Angabe ist beanstandet worden von Vischer (Kl. Schr. II 213), aber da Ὑποκνημίδωι im 5. Jhdt. gebräuchlich war, sehe ich 40 keinen Grund diese Form dem Hellanikos absprechen zu wollen. Inschriftlich erscheint Ἔπικθ in der Form ἜΠΚΝΑ, zuerst auf Münzen der Zeit zwischen 338–300 v. Chr. (Cat. Brit. Mus. VIII PI. II. Imhoof-Blumer Mon. Gr. 148; Gr. Münzen in Karlsruhe 14. Mionnet Descr. II nr. 1. Cat. Photiades Pacha [1900] 351. Head HN® 336), dann aus späterer Zeit bei Macdonald Cat. Hunter Coll. II nr. 14 ὌΠΟνΝΤΙΩΝ ἜΠΙΚΝΑ, wo die Identität der 50 zwei Namen deutlich hervortritt, und endlich aus einer sehr späten Zeit (wenn überhaupt echt) bei Mionnet Suppl. nr. 44 ἜΠ1ΚΝ - ἼΔΙΩΝ (sic). Auf Stein kommt Ἤπικ. zuerst, wie ee scheint, im J. 236 (Syll.³ 482 zu Delphoi) Ἄοκρων Ἐπικναμώίων auf, dann aus dem Ende des 2. Ihdts. (Klio XVI 163 nr. 130 II 9 und 19 4οχρώῖ τῶν Ἐπικναμιδίων). Aue derselben Zeit etwa stammt die Angabe bei Apollodor Bibl. II 156, die früher als erstes Beispiel des Namens 6 0 galt Es folgt zunächst Strabon VII 334. IX 390. ΪΧ 416 θΟποῦς, ἡ τῶν Ἀοκρῶν μητρόπολη τθν Ἐπικνημιδίων. IX 424. 425, Ἄαφνους ... τῆς Φωκίδας πόλις... διαιρούσα τοὺς Ἐπικνημιδίους Ἀοκρούς ... 3 Ἄαφνους ἴφ* ἰκάτερα τὴν Ἀοκρίδα (ὀχίσαι ὤστθε μηδαμου θπτεσθαὶ Ἀλλήλων τοὺς τ’ Ἐπικνημι[δίοῦς καὶ το]ὺς ὈπουντΙοῦς ... οἱ πρὸς Εὐβοιαν Ἀοκροί ... θexolrôrro θ d μλν Ὀπούντιοι ... οἱ δ* ἜπικνημΙδιοι ... χωρίζει [1159] Ô’ αὐτους (die WL) ἀπὸ τῶν Ὀπονντίων καὶ τῶν Ἐπικνημιδίων ὁ τε Παρνασσὸς κτλ. (wo zum ersten Male die Epiknemidier in Gegensatz zu den Opuntiern gesetzt worden sind). IX 426 μετὰ θὲ Δαφνονντά (als phokisch beschrieben) Κυὴ μίδες ... ταῦτα δ' ἤδη τῶν Ἐπικνημιδίων ἔστι Λοκρῶν (vielleicht im Gegensatz zu den Phokern, aber viel mehr im Gegensatz zu den Opuntiern). IX 427 *Αλόπην ... καὶ ἐν τοῖς Ἐπικνημιδίοις ὀνομάζουσι ,.. τοῖς δ* Ἐπικνημιδίοις Αἰνιάνες συνεχείς (beide-; mal im Gegensatz zu den Ozolern). IX 430 von den Myrmidonen παρακειμένους ... τοῖς Ἐπικνημιδίοις Λοκροῖς. Mit der Angabe bei Diod. XVI 38, 2, daß Phayllos (352 v. Chr.) στρατενσας εἰς Λοκροῦς τοὺς ὀνομαζομένους Ἐπικνημιδίους τὰς μὲν ἄλλας πόλεις ἐχειρώοατο πάσας, μίαν δὲ τὴν δνομαζομένην Νάρυκα ... παραλαβῶν ... ἐξέπεσε, weiß man nichts anzufangen, weil Diodor sicher einen Irrtum begangen hat; denn wenn er mit Ἔπικν. auf die OL im allgemeinen deutet, ist seine Aussage falsch, da Opus bekanntlich von den Phokern nie besetzt wurde, wenn er aber Ἔπικν. auf die westlich von Daphnos beschränkt (wie ihn Vischer a. a. O. 222 versteht), dann lag doch Naryx in der nächsten Umgebung von Opus. Plin. n. h. IV 27 Locri deinde Epicnemidii ... per quos amnis Cephisus defertur in mare (d. h. durch die Katavothren und das Revma zu La-rymna). Bei Ptolem. III 14, 9 und 10 sind die Hss. jetzt in Unordnung, Müllers Wiederherstellung ist dagegen sicher. Danach soll es heißen (Λοκρων') Ὀπουντίων · τοῦ (Ὀπουντίου (statt ὈΙταίου)) κόλπου ὁ μυχός. Κῦνος. Λοκρων Ἐπικνημιδίων · Κυὴ μίδες (unter den Opunt. in den Hss.). Βοαγρίου ποταμου ἐκβολαί. Σκάρφεια. Daphnos wird nicht erwähnt, weder· zu L. noch zu Phokis, ist aber als Bestandteil von Phokis im Sinne des Astronomen vorauszusetzen. Daneben zu III 14, 16 schreibt Ptolemaios Thronion den Epiknomidiern zu, 18 Opus den Opuntiern. Bei Paus. XI 1, 2. 13, 4, wo vom westlichen Teil von OL gesprochen wird, zeigen einige Hss. und in der zweiten Stelle noch einige Herausgeber (aber dagegen Frazer I 607 und Hitzig-Blüm-n e r) Ἐπικνημίδιοι tatt des besser überlieferten Ὑποκνημίδιοι, das weiterhin durch den Ausdruck Λοκοους ,.. ὑπὸ τῶ δρεὶ τῆ Κυήμιδι (X 8, 2. 20, 2) verstärkt wird. Diese Interpolation von Ἔπικν, ist gewiß der falschen Lehre von der Verschiedenheit der Ἔπικν. und der Ὕποκν. Lokrer (Etym. M. unten) zu danken. Serv. Aen. III 399 alii Narycios Opuntios, eosdem et Epicnemidios (Thilo, epicnemidas die Hss.) dicunt. Steph. Byz. s. Ἄλπωνος (nach Hellanikos), Νίκαια, Ζωστηρ. vor allem aber Ὀζόλαι ... Ἐπικνημίδιοικαὶ Ὀπούντιοι und Ὀπόεις πόλις Λοκρων τῶν Ἐπικνημιδίων. SchoL AD II. II 527. Eustath. Il. II 276f. (passim). Id. zu Dionys. Perieg. 426, der zuerst richtig alle die OL Ἐπικνημίδιοι nennt und dann ausdrücklich von Strabon bemerkt, τῶν δὲ Ἐπικνημιδίων μέρος ἐκείνος τοὺς Ὀπονντίους φησίν. Endlich Etym. M. 6. Ἐπικνημίδιοι: τῶν Λοκρων οἱ μὲν Ἐπικνημίδιοι οἱ θὲ Ὑποκνημίδιοι ὀνομάζονται, was einen neuen und unglaublichen Gegensatz in den Namen herbeiführt.

Fassen wir das alles zusammen, so erhellt es, daß Epiknemidier bei fast allen Schriftstellern dasselbe wie OL überhaupt bedeutet, während [1160] Strabon IX 424–426 und Ptolemaios zwischen Ὄπουντ. und Ἤπικν. unterscheiden» und nur das Etym. M. zwischen Ἤπικν. und Ὕποκν, (wovon es in der sonstigen Literatur keine Ahnung gibt, und was ohne Zweifel aus dem Kopf eines Grammatikers, der zwischen allem und jedem unterscheiden will, entstammt). Die Angabe bei Ptolemaios geht wohl auf Strabon zurück, und bei ihm ist es zu bemerken, daß er nur in einem einzigen Zu-10 sammenhang (IX 424–426) Ἔπικν. im engeren

Sinne verwendet, sonst aber überall als Bezeichnung von dem ganzen OL. Hier ist die Abweichung von seiner Gewohnheit leicht erklärlich, da er gerade von Daphnus spricht, dem phokischen Hafen, der seinerzeit OL in der Tat in zwei Teile zerschnitt. So lange dies Verhältnis bestand (und Strabon gebraucht ἐκαλοῦντο als von einem in seiner Zeit nicht mehr bestehenden Verhältnis), waren, wenn man die zwei Teile unterscheiden 20 wollte, die Lokrer um Opus vorzüglich die Ὀπούν-

Tiot, jene, die auf oder um Knemis wohnten, die Ἐπικνημίδιοι, obgleich meistens beide Namen dasselbe bedeuteten, gerade wie »Deutscher* und »Amerikaner* einen engeren und einen weiteren Sinn haben. Dies ist besonders klar ausgedrückt in der Steile bei Strabon, wo er bemerkt, daß Daphnus die .Epiknemidier* in Opuntier und Epi-knemidier zerteilt (IX 425, s. o.). Es gab noch eine andere Zeit, worin die Gegend um Thronion 30 von der um Opus gesondert wurde. Ditten-berger zu IG IX 1, 270 bemerkt, daß Opus am Ende des 3. Jhdts. (vielleicht kurz nach 229 v. Chr.) selbständig und in engerem Bündnis mit Boiotien stand, während das übrige Land zu Aitolien gehörte; noch im J. 219/8 und 208 und kurz vor 196 war Opus unter den Makedonern (Pomtow N. Jahrb. 1897, 798: SyU.³ 597 A 1 und s. u. Geschichte). Während dieser vorübergehenden Zweiteilung des Landes müßte man 40 öfters von Epiknemidiern κατ’ ἐξοχήν und Opun-tiern κατ' Ἐξοχήν sprechen, aber sonst entsprechen sich die Namen, solang das Land eine Einheit bildet. - Man hat auch in der Formel Ὄπουντιοι καὶ Λοκροὶ οἱ μετὰ Ὀπουντίων (IG IX 1, 269––276. Syll.³ 597 A und B aus cf. 205–200 v. Chr.) ein weiteres Zeugnis für die Zweiteilung der OL gesehen, so R. Weil Arch. Zeit. XXXI 140L Pomtow N. Jahrb. 1897, 799 und zu Syll.³ 597, während Dittenbergerzu IG IX 1, 270 50 und Swoboda Hermanns Staatsaltertümer⁶ I

3, 441 darin nur den Beweis sehen, daß Opus der Vorort war (s. u. Staat und Kultur).

Der Name Ὕκοκνημιδιοι kommt zuerst vor auf der Epökeninschrift (aus dem 5. Jhdt), als einzige Bezeichnung des Stamms (s. o.), und dann auf mehreren Münzen aus der Zeit 338–300 (Cat. Brit. Mus. Vin pl. II [auch bei M i ὁ ἡ n e t Suppl. III 490, 33, wo Mionnet das Monogramm unrichtig in ὌΠΥ auflöst, bei Rollin zu Paris 60 und in Privatbesitz von W. Vischer, s. seine

Kl. Schr. II 226]. Imhoof-Blumer Zeit. Nurn. VIII 15, 4. Griech. Münzen in Karlsruhe 14. Mc Kenzie Cat. Hunterian Coll. II nr. 12. Head HN³ 336. Gardner Hist. of ancient Coinage 361), d.h. in der Form ὝΓΟΚ oder ὝΓΟ oder das letztere in Monogramm. Auch erscheint er mehreremal in den amphiktyonischen Inschriften gegenüber einmaliger Verwendung der Form [1161] Ἐπικνημώιος in diesen amtlichen Akten (bekanntlich wurden meistens die OL Hieromnemonen Ὄπουντιοι, oder nach anderen Städten, genannt, oder ihre Stellen durch Aitoler eingenommen, oder es wird von Ἀοκρῶν, oder Ἀοκρῶν ἐκατέρων gesprochen). Die Beispiele sind, zwischen 200–150 v. Chr., Colütz 2535. Im J. 130 Bull. hell. XXIV 85. Sylt³ 692, 20. Um 110 Klio XVI 162 nr. 130 A nach Pomtow s Ergänzung (s. S. 172), wonach Ὕποκν. bei den Athenern (da diese In-10 schrift wohl eine Mitteilung von athenischen Schiedsrichtern ist) als gleichbedeutend mit Ἔπικν. vorkäme, wie der Name von den Städten Thronion und Skarpheia in ihrer Streitschrift (nr. 130 B und C) gegeben wurde. Aus römischer Zeit, aber vor Augustus, Wescher Bull. d. Inst. 1865, 18ff. Vischer Kl. Schr. II 216, 255. Im J. 117 n. Chr. Syll.³ 826 C, 24 (und wohl B II 4), die berühmte bilingue Inschrift von Del-phoi. Dagegen tritt Ὕποκν. bei den Schriftstellern 20 zurück. Nur Pausanias wendet sie und nicht Ἔπικν. an (s. o.), und das Etym. M. will zwischen Ὕποκν. und Ἔπικν. unterscheiden (s. o.). Hypoknemidioi ist daher wohl als älterer amtlicher Name zu betrachten, der charakteristischerweise nur bei dem Antiquar Pausanias wiederkehrt, Epiknemidioi, vielleicht infolge der Verwendung bei Hellanikos, aber als der gebräuchlichere. Beide sind aber epichorisch und amtlich.

Über den vermeintlichen Unterschied zwischen 30 Ὕποχν. und Ἔπικν. s. o. unter dem letzteren. P. Gardner History of Ancient Coinage 360 (1918) will ganz verkehrt den Namen Ὕποκν. auf die Gegend um Skarpheia und Thronion einschränken. Ebenso falsch ist die Ansicht von Keramopoullos Ἐφ. ἀρχ. 1908, 186, daß Ἤπικ. und Ὕποκ. nur die Lokrer nördlich (besser gesagt westlich) von Daphnus kennzeichnen, im Gegensatz zu den Ὀπούντιοι

Noch eine andere Benennung ist amtlich. Ein- 40 mal wird von einem κοινὸν [τῶν] Ἀοκρῶν τώ[ν] Ἠοίων gesprochen (Kassanders Ehrentafel, Syll.³ 653, 6, ca. 165 v. Chr.; vgl. Pom t o w Klio XVI 166 Anm.), eine Bezeichnung, die ersichtlich nach der üblichen amtlichen Benennung der WL als Ἐαπέριοι gebildet wurde. Vielleicht auf diese spielt dann der Ausdruck bei Strab. IX 416 für OL an jJ 5* ix τοῦ πρὸς ἔω τελευτώσα. Andere Bezeichnungen sind nur literarische Wendungen, z. B. Ἀοκρῶν, οἱ valovoi πέρην Ἰερῆς ἜνβοΙης 51 Hom. H. II 535 (d, h. Jenseits von* nicht »gegenüber⁴ wie Solmsen Kuhns Ztschr. XXXIV 558, 2 bemerkt, vgl. dagegen Allen The Homer. Cat. of Ships [1921] 54; Paus. X 8, ὁ Ἄοκροι ol πέραν Εὐβοιας ist Reminiszenz daran); Ps.-Skymn. 482 τῶν πρὸς Εὐβοιαν Ἀοκρῶν ἐοτραμμένων (vgl. Diod. XII 42, 4 Ἄοκροι τῶν μὲν πρὸς Εὐβοιαν ἐοτραμμένων ol πλείοῦς; es geht beides auf einen Ausdruck bei einem älteren Schriftsteller); Strab. IX 425 ol πρὸς Evßotav Ἀοκροί) 61 Paus. X 8, 2. X 20, 2 τοῦς ὑπὸ τῷ ὄρει τῆ Κυημῶν, id. X 20, 4 τοὺς ἐπὶ Ἀταλάντη τῆ νήσῳ (für die Bürger von Opus, s. u. Geschichte zum J. 219). Der Vollständigkeit halber sei es bemerkt, daß Livius XXXIII 34, 7 und Curtius IV 13, 29 Locrenses von den OL gebrauchen, obgleich diese Form sonst (und eigentlich besser) von den Einwohnern der italischen Stadt ver- [1162] Lokris (Namen)

wendet wurde. Endlich sei bemerkt, daß nach Hellanikos FHG I 48 (= Ku Ilm er 645f.) die Αἰολεῖς, die um den Berg Phrikon (in L. bei den Thermopylen) wohnten, Φρίκες oder Φρικανεῖς hießen, offenbar ein Gauname wie der oben besprochene Φύσκοι oder Φυοκεῖς; vgl. auch Strab. XIII 582.

Was nun die WL betrifft, so haben wir schon gesehen, daß der Name Physkoi oder Physkeis sich wohl nur auf diese bezog. Weitverbreitet, aber wie es scheint nur bei Ausländern geläufig, war die Benennung Ὀζόλαι neben Ἄοκροι. Diese kommt vor zuerst bei Herodot VIII 32 τοὺς Ὀζόλας Ἄοκρους; dann Thuk. I 5, 3 Ἄοκρους τοὺς Ὀζόλας (ähnlich I 101, 3. III 95, 1. 101, 27; eigentümlich ist nur III 95, S οἱ δὲ Ὀζόλαι οὐτοὶ Ἄοκροι ξύμμαχοι ἤσαν, was, obgleich die Stelle beanstandet worden ist, wohl nur Hyperbaton ist). Antigonos hist. mirab. 1167 (129) Ἄοκρους τοὺς Ὀζόλας (nach Myrsilos von Lesbos). Strab. IX 418 Λοκροί ... οἱ Ὀζόλαι. 450 ἰῶν Ὀζολῶν Ἀοκρῶν. Ptol. III 14, 3. 15 Aoκρῶν Ὀζολῶν. Serv. Aen. III 399 Loen ... Oxolae. Steph. Byz. (Λοκρῶν τῶν Ὀζολῶν oder Ὀζολῶν Ἀοκρῶν siebenmal; ἡ Ὀζολίς als Landesname s. v. Ὀζόλαι). Eustath. zu Dionys. Perieg. 364 παρὰ τοῖς Ὀζόλαις Ἀοκροῖς. Häufiger aber sind Wendungen wie Ἄοκροι οἱ καλούμενοι Ὀζόλαι, die Ὀζόλαι als Spitznamen deutlich kennzeichnen; so Ps.-Skylax 36 Λοκροί ... ἐν οἷς εἰοιν Ὀζόλαι καλούμενοι. Ps.-Skymn. 480Î. Λοκροὶ οὓς Ὀζόλας καλοῦσι. [‌Demosth.] XVIII 156 (Brief des Philipp) ἌοκροΙ οἱ καλούμενοι Ὀζόλαι. Strab. IX 416 καλούνται Ô’ οἱ μὲν ἐσπέριοι Λοκροὶ καὶ Ὀζόλαι. 425 ἰσπέριοι Λοκροί, οἱ θ αὐτοὶ καὶ Ὀζόλαι καλούνται. 427 καὶ Ὄξολας καλεισθαὶ τὸ ἔθνος. Plin. n. h. IV 27 Loeri eog-nominantur Oxolae. Plut. quaest. Gr. XV ol κληύεντες Ὀζόλαι Ἄοκροι. Paus. IV 24, 7 Ἄοκρους τοὺς πρὸς Αἰτωλίθ καλούμενους Ὀζόλας. X 38, 1 Ἀοκρῶν τῶν καλούμενων Ὀζολῶν. Serv. Aen. III 399 hi vero ... Oxolae nuneupantur. Schol. AD H. II 527 ἔτεροι Ἄοκροι ἐπικαλούμενοι Ὀζόλαι. Etym. M. 192, 41 καὶ Ὀζόλαι οἱ Ἄοκροι καλούνται; Eustath. Dionys. Perieg. 426 Λοκροὺς τοὺς Ὀζόλας καλούμενους. - Eigentümliche Wendungen sind Ps.-Skymnos 317 Ἀοκρῶν ... τῶν èv Ὀζόλαις (vgl. Ps.-Skylax 36 Ἀοκροὶ εἰοιν ἔθνος, ἐν οἷς εἰοιν Ὀζόλαι καλούμενοι) als ob I Ὀζόλαι Name einer bestimmten Gegend sei, was zwar möglich ist und vielleicht den ursprünglichen Zustand darstellt (vgl. Ὀζολίς bei oteph. Byz. s. Ὀζόλαι), dann wäre diese Gebend wohl die Östlich von Taphiassos (s. u.); aber in der geschichtlichen Zeit wurden alle WL ohne Unterschied ob von Amphissa oder Naopaktoe Oxoler genannt. - Die Formen Oxolei bei Mart Cçelia VI 651 (der Plin. einfach abschreibt) ma Ww bei Hesychiog sind wohl nur Schreib- oder Ge·) dächtnisfehler.. __

Es fehlt der Name gänzlich auf »M, wie Inschriften jeder Art, kommt aoeftin Oer Mythologie in keiner Fassung vor, WM:··· nicht von den WL selbst verwende ml··· her nur als Spott- und Hohnnamejm

Die verschiedenen Erklärungen θ*θθ‘*****' falle klar. Da die Wendung Δοθ·ίΌζῦαι vorwiegend bei den älteren SebnftateDeni vor- [1163] kommt, die Ἄοκνοι οἱ καλούμενοι Ὀζόλαι u. ä. vorwiegend bei den späteren, so liegt es nahe zu vermuten, daß der Spottname nicht alt sei; er kam dann außer Gebrauch, wohl als das Land und das Volk von den Aitolem verschlungen wurde, und der nächstliegende Unterschied der zwischen Lokrern und Aitolern wurde, nicht der zwischen verschiedenen lokrischen Stämmen des Ostens und Westens.

Über die Deutung des Namens ist vieles schon im Altertum geschrieben worden. Die Erklärungen gehen auf 1. ὄζω, stinken (Lobeck Path. Proll. 130; vgl. Fick Beitr. XXVI 250), verschiedentlich erklärt; 2. ὄζος, Stock, auch verschiedentlich erklärt; 3. ὄζαι, Haut (s. Lobeck und Fick oben). Alle drei sind etymologisch ganz wohl möglich, und eine Entscheidung ist ohne neues Material jetzt kaum mehr möglich. Ich zähle die verschiedenen Versuche jetzt auf: 1. Ὀζόλαι als »Stinkeri wird von den Alten erklärt a) als Ergebnis der Verfaulung des Leichnams des Nessos (Plut. quaest. Graec. 15. Paus. X 38, 2). b) Oder des Nessos und noch anderer Kentauren (Strab. IX 427, der auch von einem besonderen Fluß spricht, Eustath. zu Dionys. Perieg. 426). c) Wegen eines übelriechenden Flusses (Paus. X 38, 2). d) Die erste und die zweite Erklärung sind mit der dritten zusammengeworfen, so daß der Leichnam des Nessos diesen Fluß stinken macht (Myr-silos von Lesbos bei Antigonos mirab. 117 (129), der von dem Berge Τάφιος (= Ταφίασοος) spricht. Schob A D II. II 527, die den Fluß den Ozon [s. d.] nennen). Eine ganz ähnliche Sage will den Geruch des Flusses Anigros in Elis erklären (Paus. V 5, 10). Nun gibt es in der Tat übelriechende Schwefelquellen auf der lokrigehen Seite des Taphiassos, die noch jetzt eine breite Gegend mit ihrem Geruch füllen, wie man es mir zu Mamaku im J. 1914 versicherte. Es sind wohl diese Quellen, die dem Fluß (oder der palus des Servius, s. u.) seinen Geruch gaben, wie Gell Itin. of the Morea 4; Itin. of Greece 292 vermutete. An der Tatsache übelriechender Quellen ist nicht zu rütteln, eine andere Frage ist es freilich, ob diesen der* Name Ὀζόλαι zu danken ist. e) Statt des Leichnams des Nessos wird der des Drachen Pytho von Delphoi vorgeschlagen (Plut. und Serv. Aen. ΠΙ399). Da Πύθων wohl mit πυθεῖν zusammenhängt (Mommsen Delph. 13. Pom-_ o w o. Bd. IV S. 2525), ist diese Abart der Erklärung wohl im Sinne des natürlichen Zusammenhanges zwischen nvsiv und ὄζειν ersonnen worden. f) A putore paludis vidnae (Serv., vgl. o. d). g) Von den stinkenden Häuten und Fellen der Ziegenhirten (Plut. Paus. X 38, 3. Etym. M. 192, 41. Eustath. H. 276, 10). Daß dieses Hirtenleben Ursache der Benennung war, glaubt auch Lolling Hellen. Landesk. 136, macht es aber nicht klar, ob der Name mit ὄζω oder ὄζαι (u. nr. 3) zusammenzubringen sei. h) Seu quod uxores eorum Veneris ira viris suis fuerint foeditate taetri odoris invisae (Serv.). i) Im günstigen Sinne, vom süßen Geruch der Blumen (Archytas von Amphissa bei Plut. a. a. O.), speziell von dem Asphodel (Paus. X 38, 3). Dod well Tour I 131 beschreibt eine Euphorbia characias, mit weißen Blumen, die in der Nähe von Oiantheia im Frühling in .großer Menge vorkommt und die ganze [1164] Gegend mit sauerem Duft füllt Nach dieser

Blume soll die Stadt Oiantheia ihren jetzigen Namen (Galaxidi) erhalten haben, und Do d w e 11 vermutet, daß es gerade diese Blume sei, die dem Lande seinen Geruch auch im Altertum verlieh.

2. Von ὄζος, Stock, Sprößling. a) Zunächst von dem unter König Orestheus von einer Hündin geborenen Weinstock (Paus. X 38, 1; vgl. dazu Weniger 8. Lokros und Höfer s. Ore-10 stheus bei Roscher Myth. Lex.). Bachofen Mutterrecht 322 faßt diese als ,die entschieden richtige* Erklärung auf, verliert sich aber in der wüstesten Phantasie, die zu widerlegen nicht der Mühe wert ist, und wirft die verschiedenen Sagen von dieser Hündin und dem Weinstock und von dem κῦων ξύλινος, dem Hagedorn, durcheinander. Diese besondere Erklärung bei Pausanias ist auch darum zu verwerfen, weil in der ältesten Fassung, d. h. bei Hekataios frg. 341 b (Athen. II 35 b), 20 gar nicht von Lokrem gesprochen wird, da die Sage unter den Aitolern Orestheus, Phytios, Oineus spielt. Die Anwendung auf die Ozoler ist daher ein Kunststück, vielleicht verursacht durch die etwas ähnliche und wohl echtlokrische Sage vom κυων ξύλινος, die aber mit einer anderen Pflanze verbunden und zur Erklärung des Namens Kynos (s. d.) erfunden wurde, b) Macan zu Herodot. VIII 32 vermutet, daß die Ὀζόλαι vielleicht die ,Branch-Lokri‘, d. h. ,from the parent stem in 30 Opus* seien, glaubt aber an Volksetymologien in beiden Arten von antiken Erklärungen. Wenn die WL in der Tat Kolonisten von OL wären, dann ließe sich diese Vermutung vielleicht hören; es gibt aber keinen Beweis dafür, und an sich ist dies Verhältnis kaum denkbar (s. u. Geschichte).

3. Nach δζαί, Haut, Speziell δέρματα τῶν ὀνάγρων Suidas (Lobeck Pathol. Proll. 130. Fick Bezz. Beitr. XXVI 250). Endlich sei hier verwiesen auf die Möglichkeit (o. unter dem Namen 40 Λοκροί besprochen), daß Ὀζόλαι Bogenkämpfer bedeute. Die alten Stammesnamen sind selten zwingend zu deuten. Fest steht nur, daß Ὀζόλαι Spottname war und bald außer Gebrauch kam.

Die antike Benennung der WL war Ἐοπέριοι, dialektisch Ῥεαπάριοι. Sie erscheint zuerst auf der Epökeninschrift (Syll.³ 47, 10) aus dem

5, Jhdt., dann auf verschiedenen Inschriften der Amphiktyonen zu Delphoi, wie 335 v. Chr. (Bull. heU. XXVII 22). 339 (SyU.³ 249 I 71). 335 (Bull. 50 hell. XXIV 130. Syll.³ 251 Η I 22. II 30 S. 445). 322/1 (Syll.³ 251 L 6 nach Pomtow s Ergänzung). 329 (Bull. hell XXIV 474. Syll.³ 241 C, 154). 327 (Bull. hell. XXIV 474. SyU.³ 253 II 18 S. 445). 130 (Bull. heU. XXIV 85. Syll.³ 692 Λοκρῶν τῶν Ἐσοπερίων). Aus römischer, aber voraugusteischer Zeit (Wescher Bull. d. Inst. 1865, 18ff. Vischer Kl. Schr. II 216 Z. 56). 117 n. Chr. (die bilinguische Inschrift CIL III 567[1] in Addit. S. 988, 55f. Syl³ 826 D II 24, θθ 826 F IV 17f. und auch sonst wohl zu ergänzen). Da die WL bekanntlich nie als κοινόν Münze schlugen, kommt dieser Name auf den ohnehin wenigen Münzen der Gegend nicht vor. Unter den Schriftstellern taucht dieser Name zuerst auf bei dem Oxyrh. Hist. 13, 2 (col. XIV) Λοκρῶν τῶν *Εοπερίων καλουμένων, der sich ohnehin als vorzüglich orientiert in lokrischen Verhältnissen erweist. Er erscheint dann bei Strab. IX 416. [1165] 425. 426. 427 als üblicher amtlicher Name der WL, und weiter bei Aelian. var. hist. III 1 (Eustath. zu Dionys. perieg. 426 und zu Hom. Il. II 276 passim schreibt Strabon ab). Variante dieser Benennung sind Diod. XIV 34, 2 h τοῖς προσεσπερίοις Λοκροῖς. Strab. IX 416 Λοκρις ... ἡ μὲν ἐκ τὸν Ἠσπερῖου μέρους. Andere Wendungen sind Strab. VI 258 Λοκρῶν ... τῶν èv τῷ Κριοαίῳ κόλπῳ. Paus. IV 24, 7 Λοκρους τοὺς πρὸς Αἰτωλία χαρούμενους Ὀζόλας. Vereinzelt und dazu sehr ungenau für WL allein ist Paus. VI 19, ὁ Λοχρῶν τῶν πρὸς τθ Φωκίδι.

Es sei endlich bemerkt, daß meistens nur ΛοκροΙ verwendet wird von jedem einzelnen Teil des Volkes, auch bei amtlichen Aufzeichnungen wie den Freilassungsurkunden von WL, die im Lande selbst und auch zu Delphoi ziemlich zahlreich sind. - Die von Riese Idealisierung der Naturvölker des Nordens 8 aufgenommene, von Rohde Gr. Roman 111 8 auf Hekataios den Jüngeren zurückgetührte, und von Crusius Roschers Myth. Lex. I 2807 verwertete Angabe, wonach die Hyperboreer in Epizephyrier, Epikne-midier und Ozoler geteilt wurden, d. h. identisch mit den L. seien, ist nur die entstellte Verkürzung einer grammatisch-geographischen Erklärung, wie Hiller N. Jahrb. CXV 256 erwiesen hat.

VII. Verwandtschaften. Dialektisch sind die Einwohner von L. am engsten mit denen von Elis und Phokis (s. o. Dialekt) verwandt, mythologisch und geschichtlich aber mit Phokis ziemlich locker verbunden, da alle Lokrer (sowohl OL wie WL) den Phokern und deren Freunden, wie z. B. Athen, immer feindlich gegenüberstanden, und Freunde ihrer Feinde, wie z. B. der Boiotier und Thessaler, waren. Lokrische und phokische Mythologie haben gar weniges gemeinsam, da der Schedios, der zu Daphnus ein Heroon hatte (Strab. IX 424), kaum ursprünglich ein Lokrer war, wie Gruppe Griech. Mythol. 614 und Beloch Klio XI 440; Gr. Gesch.² 1 1, 247, 3 zu glauben scheinen, und mit keinem anderen Lokrer in Verbindung steht; er wird daher vielmehr von den Phokern in die eroberte Hafenstadt als Schutzheros, wie so mancher andere, eingeführt worden sein. [Daß Schedios in den Gründungs-aagen von Temesa nur aus der Eroberung durch Lokroi (Strab. VI 255) zu erklären sei, wie Beloch Klio 440 behauptet, sehe ich nicht ein, da Epistrophos und Schedios, oder die Mannen von beiden, die Stadt begründet haben sollen, nicht nur Schedios allein. Auch hatte Thoas, der Gründer nach älterer Überlieferung, auch ein Grab in einer lokrischen Stadt, d. h. Amphissa, so daß nichts zu gewinnen wäre, einen ätolisch-lokrischen Heros durch einen phoisch-lokrischen zu ersetzen, und wenn die Lokrer wirklich die Stadt als ihre Gründung behaupten wollten, warum schrieben sie es nicht den Gefährten oder einem beliebigen Sohn des Aias, wie Banauros oder Sagaris, zu, und nicht einem Helden, der nach dem Zeugnis von Homer nichts als Phoker war?] Die ganz schematische Gestalt Phokos selbst ist (nach einer Version der Überlieferung) zwar zum Bruder von Telamon und Peleus gemacht (nach der anderen aus Korinth hergeleitet), wird aber früh von diesen ermordet, was eher auf die eklatante Feind- [1166] schäft der Verehrer von Pdeus-Achilles (Thes-saler) und Telamon-Aias (die Aias-Gestalt ist ursprünglich in Lzu Hause) gegen die Phoker in der geschichtlichen Zeit, als auf frühe Verwandtschaft hindeuten mag. Gruppe Handbuch 895. führt noch einen Zusammenhang zwischen Hesiodosund Apollon Delphinios zu Delphoi auf, worin ich ihm aber nicht folgen kann. Da nun Lokrer und Phoker der geschichtlichen Zeit ohne Zweifel aller· 10 nächstverwandte Stämme der Nordwestgriechen

waren, so führt die Tatsache dieser dauernden und bitteren Zwistigkeit (gerade wie im Peloponnes die zwischen den Dorern von Sparta, Messenien und Argos) auf die Vermutung, daß diese Nordwestgriechen in Kultur, Religion und Sagen weniges gemeinsam hatten, daß daher die sagengeschichtlichen Verbindungen der Lokrer mit anderen Völkerschaften eigentlich der älteren Schicht der Bevölkerung (d. h. den sog. Aiolern), mit der 20 die Neukommenden endlich verschmolzen wurden, angehörten. Auch kehren dieselben seltenen Namen (wie Opus und vielleicht auch Assos oder Hessos) nur vereinzelt bei Phokern und Lokrern wieder. - Bei Eurip. I. A. 2615. erscheint der lokrische Aias als Führer der Phoker so gut wie der Lokrer selbst. Zwar ist vieles hier in Unordnung; das überlieferte Λοκροῖς ist unmöglich (die vorgeschlagenen doxJf, ά?, ἄς, ὧν ändern den allgemeinen Sinn keineswegs), und die führen-$Q den Hss. verzeichnen eine Lücke nach 261 (denen

Weil und Wecklein folgten), was freilich von der zweiten Hand in den beiden Hss. verneint wird; dabei ist auch ein Zeitwort unerläßlich. Ich glaube dennoch, daß dies der allgemeine Sinn der Stelle sei, denn erstens waren die pho-kischen Heeresführer in der Ilias sehr blasse, nur Gelehrten bekannte Gestalten, und zweitens haben die Phoker gerade diese erwähnte Gegend um Thronion eine Zeit vor 490 v. Chr. behalten (s. 40 u. Geschichte), und danach könnte ein Dichter sich berechtigt fühlen, eine der bekanntesten Sagengestalten des Epos hier ein wenig überschwenglich zu verherrlichen. - Die Frage nach dem Ursprung der lokrisch-phokischen Amphik-tionie ist verwickelt. Ich sehe darin ein uraltes lokrisch-thessalisches Fest. das von den Phokern übernommen und zum Teil auch auf Delphoi verpflanzt wurde.

Mit Elis steht die Sache etwas anders. Eine 50 Physkoa (s. d.) war eine der Hauptheroinnen von Elis, und diese ist nicht von dem alten Stadtnamen Physkos (s. d.) zu trennen (0. Mülle i* Rh. Mus. II 1765. Weniger Das Kolleg, der 16 Frauen usw. (1883), Art. in Roschers Myth. Lex.; N. Jahrb. 1907, 111, IIS; Rh. Mus. LXXI 7; Olympische Studien, Archiv für Religionswiss. XX 42. Vürtheim De Aiacis origine usw. 29f. 94f.). Eine Protogoneia (s. d.) ist Tochter von Deukalion und Pyrrha und Stammutter des lokri-60 sehen Adels, eine andere Mutter von König

Aethlioe zu Elis. Eine Kabye - Kambyse (s. d.) erscheint auch in lokrischen und elischen Sagen (aber wohl nicht vor Pindars Zeit). Opus (Stadt und König) und Opuntier gab es auch in Elis (Aristoteles frg. 561. Steph. Byz. usw.), und diese Verwandtschaft mit den lokrischen Opuntiern noch zu einer späteren Zeit efayaveowrtu (Strab. IX 425; vgl. Bachofen Mutterrecht 310f. Lüb- [1167] bert De Pindari stud. Hes. et Hom. 1881/2, 4). Dieser Name Opus oder Opeis erscheint als Stadt unter den OL, Vorgebirge an der Grenze zwischen Phokis und WL, und wieder als Stadtname in Achaia und Elis, und mil ihm ist die Namens-iorm Ἠπειοί sehr wahrscheinlich zu verbinden (Pindar Ol. IX 58 ἀπὸ γθς Ἠπειὸν Ὀπόεντος, Ο. Müller a. a. O. 176, 13. II. XIII 686 stehen die Ἐπειοί zwischen Phthier und Lokrer; Epeios selbst stammt von Parnassos. Vgl. Pauli Altital. Forsch. III 230. Gruppe Griech. Mythol. usw. 144. Thompson Stud. in the Od. 65, 3). Was hinter der rätselhaften Angabe steht, ein ΠέλοψὌπουντιος sei unter den von Oinomaos getöteten Freiern der Hippodameia gewesen (Schot Pind. Ol. I 127 b), ist unsicher, da dieser auch aus Opus in Elis hervorgegangen sein kann, wohl aber schwerlich alles das, was Gruppe a. a. O. 144. 145, 9 und Vürtheim De Aiacis origine 98 daraus gewinnen möchten. Sonstige Verknüpfungen zwischen Altelis, Thessalien und den Minyern sind bekannt (v. Wilamowitz Isyll. lOlff. Swoboda o. Bd. V S. 2377ff. Gruppe a. a. O. Thompson 78f.), und nicht ohne ein gewisses Recht läßt Dares sogar den Telamonier Aias die Eieier gegen Troia führen (schlecht erklärt durch Verbindungen mit Megara von Oelschläger De Ajace [1833] 6). Endlich mit den Pisaten, die als ξένοι nach Opus übergesiedelt sein sollten, will Pindar (Ol. IX 67f.) auf noch weitere Verknüpfungen hindeuten. Die sprachliche Verwandtschaft ist schon oben (Dialekt) besprochen.

Mit Thessalien (ich meine damit das ganze nordöstliche Griechenland jenseits der Thermo-pylen) ist L. zum Teil sprachlich (s. o, Dialekt), enger aber mythologisch verknüpft. Dies geschieht durch Medon (s. d«) den Lokrer, der in der Rias über die Mannen von Protesilaos und Philo-ktet gebietet (vgl. Philol. LXVII 412ff.; für Grupp es Versuch, ihn auch anderswie mit Thessalien zu verknüpfen s. Griech. Mythol. 419, 29), mehr aber durch Menoitios (s. d.) den Opun-tier, der in der Ilias bei Peleus lebt (nach Hesiod. frg. 85 Rzach ist er auch sein Bruder) und seinen Sohn Patroklos, der aus Opus als Knabe fliehen mußte und der teuerste Freund des Achill wurde. [Bei Pindar Ol. IX 69ß. dagegen ist Menoitios selbst ein ἔποικος zu Opus, d. h. er soll wohl aus Thessalien stammen.] Daneben tritt die Sagengestalt des Aias, da die Aiantes der Sage ursprünglich gewiß nur eine Gestalt gewesen sind. Ein Aianteion kommt in Magnesien, der Küste von Achaia Phthiotis gegenüber, vor, und der große (oder südliche) Aias ist Aiakidc und ursprünglich in L. und Südthessalien zu Hause (Gruppe Griech. Mythol, 112f. Rein De Aiaco [1903] 12ß.; nach altthessalischer Sage ist seine Gemahlin Lysidike Nachkommin des Lapi-thos. Steph. Byz. Φιλαίδαι. Tzetz. Chil. III 261. Töpffer Att. Gen. 276). Nach einer Version hatte der lokrische Aias zur Mutter Alkimache Tochter des Aiakos, Schwester von Telamon und Peleus (Sch. Twl. II. XIII 694. XV 33 macht sie zur Tochter von Phylakos, ebenfalls aus Thessalien), und in einer jetzt verschollenen Sage muß er einmal mit Achill in guter Freundschaft gelebt haben, da er mit ihm auf der Insel Leuke wohnte [1168] (Paus. III 19, 13. Konon 18; vgl. Höfer 32. 107. Gruppe a. a. O. 113). Thetis ist es ebenfalls, die Aias auf oder neben Delos begräbt (Kal-limachos 13 d. Lykophron 4000.). Auch ist Aktor, der ebenfalls in diesen Sagenkreis gehört, Opun-tier sogut wie Thessaler (Rein 21f.). Pyrrha, die Gattin des Deukalion, ist zu Kynos begraben (Strab. IX 425), aber ein Distrikt Pyrrhaia (s. d.) in Thessalien soll nach ihr benannt sein (Pape-lOBenseler Πύρρα nr. 1), Vorgebirge, Stadt und Insel in Thessalien tragen auch den Namen Pyrrha, ja sogar ganz Thessalien soll einmal nach ihr Πύρραια geheißen haben (Schol. Apoll. Rhod. III 1090 und Rhianos daselbst). Skarphe (Eponyme der gleichnamigen Stadt in OL) ist Mutter des Aison (Schol. D II. II 532) oder Gemahlin Aisons und Mutter des Iason (Tzetz. zu Lyk. 872). Diese Verbindungen nun sind sehr alt, gehören also zu der äolischen Urbevölkerung von L., die 20 von Norden nach Süden, dem Östlichen Gestade Griechenlands entlang, sich ausbreitete. - Auch sei bemerkt, daß einige seltene Namen, wie Al-ponos und Alope (s o. Suppl.-Bd. III), den Thessaliern und Lokrern gemeinsam sind. Auf den Norden deutet ebenfalls die an sich zwar wenig zuverlässige Angabe bei Ps.-Kallisth. (Hs. C) 1 27, daß Oileus einmal König von Makedonien war, - Über einige weit hergeholte und höchst unsichere Argumente dafür, daß die Lokrer aus 30 Südthessalien und namentlich aus der Gegend von Boibe stammten, s. Unger Philol. Suppl.· Bd. II 6780. 683f.

Auch in Boiotien sind die Lokrer mehrfach verknüpft. L. und Boiotien waren Teile desselben (wenn auch wohl mythischen) Lelegerreichs (Arist. frg. 560). Ein Lokros (Nr. 2) hilft beim Bau der Mauer Thebens; ein anderer (Nr. 3) ist mit der hypoplakischen Thebe (der Name ursprünglich aus Boiotien über Lesbos eingeführt) verbunden. 40 Unter den Ἴποικοι der Stadt Opus sind ebenfalls Thebaner gewesen (Pind. Ol. IX 67f.). Auch sind Lokrer zusammen mit Boiotern (Thespier und Kad-meier) unter Herakles nach Sardinien übergesiedelt (Schol. und Eustath. zu Dionys. Perieg. 458 = Timaios). Sagen von Aias wurden zu Hyle am Kopaissee, wo er seinen berühmten Schild von Tychios erhalten haben soll (Hom. Il. VII 220), erzählt. Artemis Eukleia (s. d.), besonders in Opus zu Hause, wurde auf jeder Agora in L. und 50 Boiotien verehrt (Plut. Arist. 20), tritt dagegen sehr zurück in anderen Orten, wie etwa Athen und Korinth. Der seltene Stadtname Skarphe oder Skarpheia (s. d.) kommt nur in Boiotien (Strab. 1X408) und in OL vor. Arabos, Ahnherr der auf beiden Seiten des Euripos seßhaften Araber, ist Sohn der Thronie, Eponyme von Thronion (s. o. Bd. II S. 365). In der geschichtlichen Zeit sind Lokrer und Boiotier mehrfach zusammengebracht (s. u. Lokrer Nr. 2), und dabei bemerkt der 60 OxyrhynchoB-Historiker XIV 40 von den WL (es ist ebenso wahr für die OL) Ôiaxeixtat δὲ πρὸς αὐτούς (die Boiotier) ἄει Φιλίως. Gemeinsame uräolische Verwandtschaft mit einer gemeinsamen Feindschaft gegen die Phoker und deren Freunde in der geschichtlichen Zeit läßt das alles leicht erklären. - Die Angabe des Schol. zu Dem. XI 4, Nikaia sei eine (πόλις) ἄποικοςνοη Theben, ist ganz falsch und setzt einen verdorbenen Text [1169] 1169 Lokris (Ausbreitung u. Kolonien) voraus. Seltsamerweise hat das Glotz Bull. hell. XXXIII 526f. nicht bemerkt; s. auch u. Geschichte über Nikaia zur Zeit Philipps.

Über die Verbindungen mit Alt-Aitolien, s. u. Mythologie. Mit der Angabe, daß ἔποικοι der Stadt Opus auch von Argos und Arkadien kamen, will Pindar Ol. IX 67f. auf irgendwelche Verknüpfungen dieser Länder mit OL deuten. Über Argos s. u. L o k r o s Nr. 2. Ich füge noch hinzu, daß ein Knabe ὑήοτωρ Αἰαντος, d- i· ,Sohn des lokrischen Aias', zusammen mit Agamemnon gemordet wurde, als dieser nach Argos zurückkehrte (Robert Jahrb. Arch. Inst. XXXIV 73), was auf eine sonst verschollene Sage deutet. Über Arkadien verweise ich hier der Kürze halber auf die geistreichen Kombinationen bei Vürtheim De Aiacis origine usw. 96δ.

VIII. Ausbreitung und Kolonien. Die oben bemerkte Verwandtschaft zwischen L. und Elis deutet auf eine gewisse Bevölkerungsbewegung des äolischen Stammes vom östlichen Mittelgriechenland in einer südwestlichen Richtung, die Ausbreitung des Aias-Namens und -Kultes dagegen auf eine von Norden nach Süden. Zuerst und hauptsächlich in OL (und dabei auch Südthessalien) zu Hause tritt Aias zunächst zu Hyle am Kopaissee auf (Hom. Il. VII 220), dann in Megara (gewiß über Onchestos), von daher kommt er nach Salamis, von wo er wieder nach Aigina gelangt und endlich, im 6. Jhdt., nach Athen. Im folgenden betrachte ich ein Zeugnis für irgendeinen Zusammenhang mit Aias als Beweis einer Ausbreitung von lokrischer Kultur oder Bevölkerung, ob direkt oder indirekt. Zuerst auf den Inseln. Auf vorgeschichtliche Auswanderung deutet die Angabe, wonach Euboia Tochter des Larymnos, Eponymen von Larymna sei (Pro-mathidas bei Athen. VI 296 b), und Arabos, Ahnherr der Araber auf beiden Seiten des Euripos, Sohn der Thronie, Eponyme von Thronion (Hes. frg. 23 Rz. Stesich. 64 B; vgl. o. Bd. II S. 365f.). Daß die Einwohner von Euboia und der Inseln zum Teil aus Mittelgriechenland stammten, geht ferner hervor aus der Überlieferung, wonach Ion selbst Lokrer war (s. o. Bd. IX S. 1862, Lobeck bei Lentz Herodian II 947, 9 will die Stelle bei Hekataios verbessern, und ebenso Weniger bei Roscher s. Physkos. Vgl. aber dagegen noch Thompson Stud. in the Odyssey 65, 3. Pfister Klio XV 196f.). Fest steht es, daß Keos von WL, insbesondere Naupaktos aus gestiftet wurde (Herakl. Pont. FHG II 214. IG XII 5, 526. 527. 532. Syll? 522. Schneidewin Simonides Cei Rei. νῖδ. Boeck h Kl. Schr. VII 340ff. Pridik De Cei Ins. Rebus 21δ. Storck Die ält. Sagen d. Insel Keos [1912] 16f. Bürch-n e r o. Bd. XI S. 188. B. Schmid t N. Jahrb. XI 621f. Pfeiffer Gestirne u. Wetter [1914] 18). Wie der Kultus des Aias nach Mykonos eingeführt wurde ([‌Arist] Pepl. 16. Hyg. fab. 116; wahrscheinlich schon Eurip. Tr. 89) ist nicht überliefert ist aber wohl Teil einer ziemlich verworrenen Überlieferung, die Aias den Lokrer auf den gyräischen Klippen zwischen Mykonos und Tenos umkommen läßt (Eurip. Tr. 898. v. W i 1 a m o -w i t z Hom. Unt. 177 usw.), seinen Leichnam aber entweder zu Mykonos, auf (oder in der Nähe von) Delos (Kallim. 13d in Sch. II. XIII 66 [1170] Lokris (Ausbreitung u. Kolonien) 1170 Lykophron. 401, wohl auf Rheneia, dem profanen Vorhof von Delos; Mutter desAias ist auch Rhene nach Hyg. fab. 97) oder Tremon (zwischen Delos und Mykonos, Tzetzes zu Lykophr. a. a. O. Eustath. zu Dionys. Perieg. 525) begraben werden läßt. Aianteion (Plin. n. h. IV 74) ist eine sonst unbekannte, zu Plinius’ Zeit nicht mehr bewohnte Insel des nördlichen Ägäischen Meeres. Girard Rev. des Études gr. XVIII 70 will die samo-10 thrakische Rhene mit der Mutter von Oileus oder Medon zusammenwerfen, das auf lokrischen Einfluß auf dieser Insel deuten würde, was aber angesichts der entgegengesetzten Überlieferung kaum berechtigt erscheint. Astypalaia (Kolonie von Me-gara) hat wohl einen Kultus gehabt, denn sie soll, nach der Angabe bei Strab. XIII 601, Rhoiteion mit Grab und Heiligtum des Aias begründet haben, und dasselbe gilt auch für Rhodos, da Aianteion, das eigentlich nur das Gestade mit dem 20 Grab des Aias (Philostr. Her. 668) am Fuß des Vorgebirges Rhoiteion (Strab. XIII 595. Schol. Ptol. V 2, 3. Serv. Aen. VI 505) war, vielleicht seine Gründung war (Plin. n. h. V 125. Ed. Meyer Gesch. II § 798). Der Kultus in Astypalaia stammte wohl aus der Mutterstadt Megara, der aber zu Rhodos ist nicht so klar. P. Friedländer Herakles (Philol. Unt. XIV) 20, 1 deutet an, daß die Rhodier den Kultus als schon bestehend vorfanden, was wohl wahr ist, wenn die SO Nachricht geschichtlichen Wert hat, wenn sie aber, wie öfters, nur gelehrte Kombination aus Ähnlichkeiten zweier Einrichtungen darstellt, denke man vielleicht an die enge Verbindung mit Lesbos (Gruppe 300). Auf Lesbos selbst war ein Lokros (s. d. Nr. 3), Enkel des Makareus (wohl Makar), Sohn des Megaklite (wohl Megaklo), wonach zu urteilen Lokrer einen bedeutenden Teil der Ansiedler gebildet haben müssen. Die Eponyme von Amphissa in WL ist Enkelin von Aiolos, Tochter 40 von Makar, Oikist und König von Lesbos (Paus.

X 38, 4; vgl. Schirmer und Tümpel bei Roscher II 2289f.). Trambelos, Bruder des Tela-moniersAias, ist auch hier zu Hause (Parthen. 26). Ein κηπίον θτρμοπυλιτῶν zu Lesbos ist erwähnt IG XII 2, 78 b, 8, eine Briseis (vgl. Brisa, Briseia usw. zu Lesbos) zu Oiantheia in WL (IG IX 1, 341; möglich, daß sie Sklavin war, aber nicht wahrscheinlich. Der Sagenkompler vom rlQoç in Lesbos und OL und den 7p«s von Oita wird ein-50 gehend von Tümpel (Philol. XLIX 734fl.) erörtert. Endlich sei auf lokrischen Anteil bei der äolischen Auswanderung hingewiesen, da Lesbos wohl Mittelpunkt dieser Bewegung war. Die Lokrer wurden zu den Aiolern gerechnet (Strab. VHI333), und es ist klar, daß diese Wanderung, die vom malisch-euböischen Golfe ausging (von Aulis viel-l«cht als Hauptort), nicht ohne starken Anteil von Lokrern, denen mehr als die Hälfte dieser Küsten gehörte, geschehen konnte. Ebenfalls 60 deutet das Sprichwort τὸ Μηλιακον πῖοῖον (Aristot. frg. 554; füge noch dazu Suidas ΜηΧιακάν πΧ.) auch auf die Lokrer, von denen vor allen anderen Griechen γυναικοκρατῦσθαι gesagt werden konnte (s. u. Mutterrecht). Zwar wollte Grote und andere diese Angabe auf die dorische Wanderung nach Korinth und Argos beziehen, was aber kaum zu gestehen ist (s. u. Geschichte, Dorische Wanderung). Auch in den fernen Nor- [1171] 1171 Lokris (Ausbreitung u. Kolonien) den sind Lokrer eingedrungen, wo Aias, Sohn des Oileus, auf der Insel Leuke wohnen soll (Paus. III 19, 3. Konon 18) und ein Schatz von lokrisehen Münzen zu Olbia gefunden worden ist (Minus Scythians and Greäs 470).

Auf dem Festland ist der Kultus von Aias zu Byzantion und dem benachbarten Aianteion bezeugt (s. o. Bd. III S. 739 Nr. 39. Hesych. Miles. FHG IV 149, 16. Dionys. Byz. 34, 28). Die Verehrung auf der Insel Leuke im Euxinos wurde oben besprochen. In der Troas sind Aianteion und Rhoiteion (s. o.) als lokrische Kolonien zu betrachten, sowie Ilion selbst (Gruppe Griech. Mythol. 90 nennt es ,die große opuntische Kolonie*; vgl. Brückner bei Dörpfeld Troia und Ilion 571 f. und u. Mythologie und Geschichte), und wahrscheinlich noch dazu Assos. Der lokrische Aias, Hom. Il. XIV 442ff., schlägt den Satnios (d. h. den Mann von dem Satnioeis), und Assos ist reine Ackerbaukolonie, die das Tal dieses Flusses ausbeutete (v. Wilamowitz S.-Ber. Akad. Berl. 1906, 77, 2), während dieser Name, den die Athener auf den Tributlisten Ἠσσός oder Εὐοός schrieben, sonst nur im WL (und Phokis, s. Wilhelm Jahresh. Arch. Inst. XIV 242) vorkommt, die Stadt, die Steph. Byz. Ἠασός, deren Einwohner aber Thuk. III 101, 2 Ἠπίους (var. Ἤσσαλου?) nennt. Auf die Angabe dagegen bei Myrsilos FHG IV 413, Assos sei Kolonie von Methymna gewesen, ist aus verschiedenen Gründen nichts zu geben. Auch daneben am adramyttischen Meerbusen ist die hypoplakische Thebe wohl mit L. verbunden, da ihre Eponyme Schwester eines gewissen Lokros (nr. 3) zu Lesbos ist. Vielleicht von der Troas aus strömte der Einfluß, der den Sagaris (der mit dem kleinasiatischen" Strom San-garios in irgendeinem Zusammenhang steht) zum Sohn des lokrisehen Aias machte (Solin. II 10. Vgl. Anton. Lib. 8, 7). Auch in Galatien bestand eine Ortschaft Aianta (o. Suppl.-Bd. I S. 34), und ein bekannter Häretiker des 5. Jhdts. aus Galatien trägt den Namen Aiax (Hydat. Chron. II 32, 232). In der Aiolis Lesbos gegenüber war Kanai (s. d., Stiehl Philol. VIII. 68 macht es irrtümlich zu einer lesbischen Stadt) eine lokrische Gründung, vor allem aber die Hauptstadt Kyme (Strab. XIII 582. 621, wohl aus Hellanikos bei Steph. Byz. 8. Φρίκην. FHG I 48, vgl. K u 11 m e r N. Jahrb. Suppl.-Bd. XVII 645. Steph. Byz. O. Müller Dorier I 39f. Bergk Gr. Lit. I 922. Ramsay Joum. hell, stud, II 276f. Peppmüller Neue Jahrb. CLI 435. Brückner in Troia und Ilion 572. Gruppe Griech. Mythol. 295. Vürt-h e i m De Aiacis origine usw. 120. T. W. A11 e n The Homer. Cat. of Ships [1921] 47), obgleich mehrere Stämme hier zusammenströmten (Ps.-Herodot vita Hom. 1), und der Name selbst auf Euboia zu deuten scheint (doch ist Κύμη auch bei den Lokrern vorgekommen, vgl. die Περίχυμάβίοι und dazu A. Wilhelm), während nur der Beiname Φρικωνίς sicher auf Lokris zurückzuführen ist. Kymes Pflanzstadt Larissa, auch Φρικωνίς benannt, ist ebenfalls lokrisehen Ursprungs (Strab. XIII 621. Steph. Byz. s. Φρίκιον. Schol. Townl. II. XVII 301 = Demetr. von Skepsis frg. 38 Gaede, der aus Ephoros schöpfte, Tümpel Philol XLIX 709, 8, und dieser wohl aus Hellanikos, s. o.). Weiter ist zu bemerken, daß [1172] Lokris (Ausbreitung u. Kolonien) 1172 Aias der Telamonier den Hippothoos aus Larisa schlägt (II. XVII 288ff. vgl. II 8405.), gewiß ein Klang aus den Kriegen der Wanderzeit. In Aiolis und Ionien ferner wird Teukros, Ahnherr der kleinasiatischen Teukrer, zum Halbbruder desTela-moniers Aias gemacht, Trambelos (s. d.) sein Bruder, und Hesione, d. h. ,die Asiatin⁴ (vgl. Hesych. Ἠβιονεῖζ ’ al τὴν Ἀνίαν οἰκοῦντες Ἔλληνες. Gruppe Griech. Myth. 90. Ed. Meyer Gesch. 10 d. Alt.³ I 739), seine Mutter, also sind die Aiantes wie keine anderen Helden des troianisehen Sagenkreises mit den Einwohnern von Kleinasien genealogisch verbunden. Auch zu Milet und Tralles kommen die Namen Aias und Aiantides mehrfach vor (Gruppe 276). Die ersten Griechen, die Abdera besetzten, waren Lokrer (s. o. Suppl.· Bd. III S. 13L), und Gruppe a. a. O. 227 will auch Lemnos in den lokrischen Kreis einbeziehen. Im fernen Osten zu Olba in Kilikien nannten sich 20 die Priester abwechselnd Aias und Teukros (Strab.

XIV 672; auch auf Münzen bestätigt, s. o. Suppl.-Bd. I S. 34, 335. Cook Zeus I 3041). Vürt-heim De Aiacis origine 545.; Teukros und die Teukrer (1913) 22ff. glaubt, daß Leleger, mit Lo-krern und Teukrern eng verknüpft, Aias dort eingeführt hatten; Ed. Meyer Gesch. d. Alts I 739 verhält sich diesen Tatsachen gegenüber ziemlich skeptisch. Aiasverehrer, soviel scheint doch klar, haben den Namen mitgebracht, wahr-30 scheinlieh über Cypern, und wohl von der Insel Salamis her. Über Aias zu Olba und die Theorie des Priesterkönigs vgl. noch Frazer Adonis, Attis, Osiris (1906) 615.

Im Westen treten die lokrer zuerst auf Kerkyra auf, wo Lokros (s. d. Nr. 4) Sohn des Phaiax und Bruder des Alkinoos ist und συγγένεια zwischen den Phaiaken und den Lokrern von Italien bestand (Konon 3. Vgl. Heyne Opusc. II 49. Welcker Kl. Schr. II 45. Bachofen Mutter-40 recht 311, zum Teil phantastisch). Obgleich man gerade dieser Form der Sage über die Gründung von Lokroi nicht trauen kann, ist das kein Grund, warum man eine nahe Verwandtschaft zwischen Kerkyra und den Lokrern kurzweg verneinen soll, da dies ohnehin höchst wahrscheinlich wäre wegen der lokrischen Ansiedlungen in Italien Kerkyra direkt gegenüber, sowie wegen der engen Verwandtschaft zwischen Lokroi und Syrakus (s. u.), weil diese letztere eigentlich mehr eine Kolonie 50 von Kerkyra als von Korinth war (vgl. noch über Kerkyra als lokrische Kolonie R o 11 s c h Die Westlokrer 35f.). Auf Grund des ,phokisch-lokri-schen Dialektes⁴ und der Sage von Deukalion und Pyrrha will Gruppe Griech. Mythol. 350f. Lokrer auch in Epeiros und zu Dodona wiederfinden. Besseres, aber kaum genügendes Zeugnis wäre der Fluß Aias (s. Thes. Ling. Lat.), von den Griechen meistens Aoos (aber von Strab. VI 271. VII 316 nach Hekataios Ataç) genannt (für die-60 sen Namen im Norden vgl. noch die Quelle Ala, die in den Axios mündete, Strab. VII frg. 21), oder das Vorhandensein einer Stadt Ilion (s. o. Bd. IX S. 1065 Nr. 7), deren Name griechisch, vor allem lokrisch gewesen ist. Der Aiaskultus dagegen wird bezeugt für Apollonia und wahrscheinlich auch Epidauros (Val. Max. I 5 ext. 2), wie es klar ist für jeden, der die Geschichte von Aias zu Lokroi kennt. In Italien erscheinen die Lokrer [1173] zuerst bei den Sallentinern (s. d.). Hier sind Aulon (Varro bei Probus Verg. Bue. VI 31 = Hagen III 2, 336f. Hygin. frg. 13 bei Serv. Aen. III 553) und Castra (od. Castrum) Minervae (o. SuppL-Bd. III S. 237) und Hyria (üria; Varro a. a. O.; eine Urea ist Mutter des Oileus nach Hygin fab. 161) lokrische Gründungen; ein Teil des Landes wurde Locria (s. d.) genannt; die Sailentiner waren eng mit den Lokrem verknüpft (Fest. 329 a, 32 M.), unter denen diese siedelten (Vergil. III 399. Varro a. a. O.). Messapioi als Völkername kommt auch in WL vor (ähnliche Namensformen auch sonst in Mittelgriechenland verzeichnet von Beloch Griech. Gesch.’ I 2, 59) und das messapische Alphabet ist lokrischen Ursprungs (Pauli Altital. Forsch. III 162ff. E. Meyer Gesch. II 336 A), Im allgemeinen über diese Verbindung zwischen L. und Messapien verweise ich hier der Kürze halber auf Crusius Rh. Mus. XLVII 62f. v. Wilamowitz Herakles² I lOf. Pais Storia della Sicilia usw. I 353ff. 550ff. Gruppe Griech. Mythol. 369 usw. Nissen Ital. Landeskunde I 540ff. II 884). Es kann auch sehr gut sein, daß die vorlakonischen Ansiedler von Taras aus Mittelgriechenland stammten, speziell WL und dem kris-saischen Golfe, wie E. Pais I Messapi. Studi storici I (Pisa 1892) 15 vorgeschlagen haben soll; vgl. noch B u s o 11 Griech. Gesch.³ I 408, 1. Metapont wollen Gruppe (68f. 363, 9, wo Metapont fälschlich für Sybaris gedruckt ist) und V ü r t h e i m (De Aiacis origine usw. 69f.) unter lokrischen Einfluß setzen, die Beweisführung ist aber verwickelt und nicht ganz durchschlagend; doch vgl. Busolt 411, 1. [Ob die Tatsache, daß Metapontum der alte Name für Vibo gewesen sein soll (Corn. Bocchus frg. 3 bei Solin. II 11), etwas beweist, ist nicht auszumachen.] Weiter westlich scheint der Name Sybaris irgendwie mit L. verbunden, da es der Name eines Ungeheuers an der Grenze zwischen Phokis und WL war (Nikander bei Anton. Lib. 8), und die Stadt soll eine Gründung entweder der Lokrer von Krisa sein (sic, Nikander; in der Vorlage stand wohl ,aus dem krissaischen Golf', vgl. Ζοκρώχ ... τῶν er τῶ Κριααίω κολπω Strab. VI 258), oder von Sagaris, Sohn des lokrischen Aias (Solin. II 10; Verbindung auch durch die Sühnezeremonie des brennenden Schiffes bei Gruppe 363. 370). Auch soll Kroton, wenigstens der Name, in diesen Kreis eingezogen werden (Gruppe 96. 363. 369, 4), was wegen der bekannten Feindschaft in der geschichtlichen Zeit nicht gerade überzeugend ist. Kaulonia (s. d.) und Skylletion (Strab. VI 261) werden nur kürzere Zeit von Dionysios I. unter Lokroi untergeordnet, sind daher kew· falls lokrische Gründungen, wie bisweilen behauptet wird. Die größte Kolonie ist Lokroi (s. d.), von wo aus wahrscheinlich die Lokrer sich noch weiter nach Westen ausbreiteten, zunächst in den anerkannt lokrischen Gründungen Hipponion (s. d. und o. Suppl.-Bd. ΠΙS. 1155) und Medma oder Mesma (s. d.), Metauron oder Matauros (s. d.), aber auch sonstwo; Temesa (s. d.) haben Lokrer entweder begründet oder wenigstens eine Zeit-lang (und das ziemlich früh) beherrscht. Auch zu Rhegion scheint Aias (angeblich der Telamo-nier, in Wirklichkeit aber vielmehr der Lokrer) [1174] Lokris (Ausbreitung u. Kolonien) 1174 einen Kultus genossen zu haben (Ptol. Chennos V 7 Chatzis). Die Banaurides-Inseln (s. o. Suppl.-Bd. III 8. 196), wohl in der Nähe von Hipponion, sind nach einem Sohn des lokrischen Aias genannt. Wenn Gruppe recht hat mit seiner Erklärung der Sage von den die Schiffe verbrennenden Troerinnen als Sühnezeremonie im Kultus des lokrischen Aias (Griech. Mythol. 370. 812, 6; vgl. 140f. 219, 5), so darf man vielleicht auch 10 Siris, Eryx, Pisa und Rom (daneben noch wohl auch Daunia nach Ps.-Aris. mirab. ausc. 109) in den Kreis der lokrischen Einflüsse hineinziehen, es bleibt aber das alles meines Erachtens doch sehr unsicher. Mit Syrakus dagegen sind die Beziehungen zahlreich. Dies ist eine korinthisch-kerkyräische Kolonie, während WL lange Zeit in korinthischer Machtsphäre lag und Lokroi selbst meistens korinthische Münzen benützte. Dieselbe Geschichte von einer Sklavenherrschaft wird von 20 den beiden Städten erzählt (zu Syrakus die Καλ· λικύριοι Suid. Phot. usw.). Beide Städte sind mit Kerkyra durch ihre Gründungssagen verbunden (Strab. VI 269 für Syrakus. Konon 3 für Lokroi), während die Syrakusaner eine Zeit zu Zephyrion weilten (Strab. VI 269f.), sowie in der Stadt Lokroi zusammen mit den Lokrern wohnten (Strab. VI 259; korrupt, aber soviel ist sicher). Ob buchstäblich wahr oder nicht, zeigt diese Überlieferung wenigstens die Ansicht, daß vom An-30 fang an die beiden Städte zusammengehörten.

Hiero hat Lokroi gegen Anaxilaos von Rhegion geschützt (Schol. Pind. Pyth. II 34, wohl Timaios; vgl. Pind. Pyth. II 35); Thrasybulos zog sich nach Lokroi im J. 466/5 zurück (Diod. XI 68, 4. Aristot. Pol. VIII 8, 9. 9, 23); Lokroi stand auf Seite der Syrakusaner im ersten Krieg mit Athen 472ff. (Thuk. III 86, 2. Diod. XII 54); es focht zu Messana gegen die Athener 425 (Thuk. IV 1; auch ist Messana schon früh, und wohl von Syra-40 kus, zur lokrischen Kolonie gemacht, wie auch

später im J. 396 von Dionysios I. nach Diod. XIV 78, 5); Doris (s. o. Suppl.-Bd. III S. 412), die zweite Frau Dionysios' I., stammte aus Lokroi; die T/okrer standen in ihren Kriegen öfters auf der Seite von Dionysios I. und II. (s. u. Lokroi) usw. Noch im kannibalischen Krieg kamen syraku-sanische Ersatztruppen von Syrakus zu Hannibal über Lokroi (Liv. XXIV 23, 8), und lokrische Verbannte behaupteten sich in Syrakus (ebd. XXIX 6, 50 8). Auch mit der Urgeschichte Sardiniens sind die Lokrer verflochten (Solin IV 2), insbesondere unter der Leitung von Herakles und zusammen mit Theepiern, Kadmeiern und Aitolern (Schol. und Eustath. zu Dionys. Perieg. 458, wohl Timaios. Möllenhoff D. Altertumsk.³ I 456L Wahrscheinlich spielt auf dieselbe Sage auch Lykophron 1083ff. an nach Holzingers Erklärung; vgl. dagegen Ciaceri z. St.). ἼΛ glaube, auch in Korsika Spuren der Lokrer wiederΑθ finden zu können. Auf der westlichen Küste.der

Insel werden von Ptol. III 2, 8 die Vorgebirge Rhion (vgl. Rhion und Antirrhion bei Naupaktos) und Rhoition (nur spätere Verschreibung von Ῥοίτειον, wie uns Zonaras Ἴλχ* 1619 lehrt; vgl. Rhoiteion in der Troas mit dem bekannten Grab des Aias), sowie der Fluß Lokras (s. d.) erwähnt. Ferner stand dicht bei der Mündung des lokras die Stadt Aiacium (s. Thes. Ling. Lat) mindestens [1175] seit dem 6. Jhdt. n. Chr., die in Betracht dieser anderen wohl lokrischen Namen wahrscheinlich eine latinisierte Form etwa für ἈΙάντειον ist. Die Zeit nun dieses vermeintlichen Vordringens der Lokrer ist wohl die des Dionysios I., der einen Zug gegen Korsika im J. 384 machte (E. Meyer Gesch. V 164f.), dem, wie Meyer vermutet, der Portus Syracusanus seinen Namen verdankt. Die Lokrer waren sehr eng mit Dionysios in seinen Kriegen verbunden und er hat ihnen Messana, 1 Kaulonia und Skylletion über- und Hipponion wiedergegeben (s. Lokroi), so daß seit dem Zusammenbruch der etruskischen Seemacht es zu der Politik des Dionysios paßte, neue Kolonien zu gründen, sowie bei seiner Unternehmung die Lokrer ganz außerordentlich zu bevorzugen. - Auch in Afrika sollen die Lokrer einige Kolonien begründet haben, sowenig sie auch diese auf längere Zeit behaupten konnten. Die Überlieferung darüber ist wenigstens so alt wie Verg. Aen. ‘ XI 265 Libyeone habitantes litore Loeras, stammt aber wahrscheinlich aus den Nostoi (Stiehl Philol. VIII 67f. nach Heyne). Über die Tatsache, daß die Siedlung circa Syrtes sei, war man einig (Serv. Aen. XI 265), nicht aber, ob die Östliche oder die westliche Syrtis gemeint war, und es kann sein, daß Versuche an mehreren Orten gemacht wurden. Für die östliche Syrtis, d. h. unter den Nasamonen oder in der Pentapolis, treten Tacitus (frg. 8 bei Serv. Aen. XI 265), ί Servius selbst und wohl die meisten der sonst namenlosen Erklärer ein (Serv. ebd. und III 399), wobei die rätselhaften und vielleicht korrupt überlieferten Namen Tinneia, Uzalis (Nachklang an ,Ὀζόλαι'ῖ doch sollen diese Lokrer von Naryx in OL stammen), Aucela vorkommen. ”[Roltsch Die Westlokrer 34 meint, der Name Οὐζάλαι eines libyschen Stammes habe an die Ozoler erinnert. Doch sind diese Ὀνζάλαι ein binnenländischer Stamm am Rande der libyschen Wüste (Ptolem.-IV 3, 6), wozu noch kommt, daß diese Form des Namens auf Konjektur fußt, weil die Hss. meistens Οὐζαραί, Οὐζαρά oder Ähnliches enthalten.] Hier mag vielleicht die Tatsache mitgespielt haben, daß kurz nach 404 v. Chr. einige Messenier von Naupaktos aus, wo sie ein halbes Jhdt. gelebt hatten und daher zur Not als Lokrer betrachtet werden konnten, nach Euesperides in der Pentapolis berufen wurden (Paus. IV 26, 2) oder nach Kyrene gingen (Diod. XIV 34). Auf die westliche Syrtis dagegen deutet die Nachricht von der Besiedelung der Insel Cercina (Serv. XI 265; o. Suppl.-Bd, III S. 241), wozu die Lage einer wenig bekannten Stadt Lokroi (s. d. N. 2) sehr gut paßt. [Vielleicht steckt auch in der Glosse der Flor. Hs. des Etym. Genuinum (bei Miller Mélanges 226) Ὀποῦς* πόλις Λιβύης ein Stück guter Überlieferung d. h. es mag sein, daß sie eine Verkürzung eines Scholions zu Apoll. Rhod. IV 1780 sei, die von dem Wiederkehren dieses Namens auch in Libyen sprach.] - Endlich ist zu bemerken, daß das Vorkommen des Namens Locria (s. d.) in Ägypten auf die berühmte Arsinoë Philadelphos zurückzuführen ist, die irgendeines Grundes wegen Locris (s. d.) hieß.

IX. Mythologie. Wegen des Verlustes der lokrischen Literatur sieht jetzt ihre Mythologie sehr lückenhaft aus, sie war aber, nach eini- [1176] gen Gestalten zu schließen, einmal völlig entwickelt und recht mannigfaltig. Ich stelle nun die Hauptfiguren zusammen, um ein Gesamtbild daraus zu gewinnen, verweise dabei meistens auf die entsprechenden Artikel bei Roscher und oben in diesem Werke, füge dazu noch hier und da der Bequemlichkeit wegen einige Zitate bei.

A. Mythen von Schöpfung und Sintflut. Die folgenden Gestalten, die in der Schöp-.0 fung oder der Neuschöpfung der Menschen nach der Sintflut hervorragende Rollen spielen, sind entweder ausschließlich oder hauptsächlich in L. zu Hause, oder hier zum Teil wenigstens örtlich fixiert: lapetos (vgl. Etym. Gud. 269 Ἰαπετός, ἡ τῶν ἀτοιχείων χῖνησις), Vater des Prometheus, Epimetheus und Menoitios (alle drei in L. zu Hause), sowie der Protogeneia (Schol. Pind. Ol. IX 64a), Gemahl der Asia (wohl identisch mit Hesione, Gruppe Griech. Myth. 90f. 91, 2. 97, 6), die Î0 auch als Gemahlin des Prometheus wiederkehrt und als Mutter von Aias Sohn des Telamon noch sonst mit L. verknüpft ist; Prometheus, Vater des Deukalion (Hesiod. frg. 21 Rz, Paus. X 4, 1. Vgl. Gruppe a. a. O. 97. 128. 442f.), der zu Opus ein μνήμα hatte (Paus. II 19, 8 und den Art. Religion); Epimetheus, Bruder oder auch Sohn (Schol. Plat. Tim. 22 A) des Prometheus, auch mit Opus selbst gleichgestellt (was zwar falsch ist, aber sein Verhältnis zu den lokrischen JO Sagen hervorhebt, Schol. rec. Pind. Ol. IX 96), mit Pandora Vater von Pyrrha, Deukalions Gemahlin (ApoHod. Bibi. I 46. Schol. Pind. Ol. IX 68 a. 79c. 80. 81); Pandora selbst, Gattin des Epimetheus, Mutter der Pyrrha (Apollod. und Schol. Pind. a. a. O.), oder von allen Menschen im allgemeinen (Etym. Gud. 249, 1 ἡ Πανδώρα Ix πηλου ἐγίνετο, ἤς Πανδώρας xal Ἐπιμηῦέως οἱ ἄνθρωποι; auch 249, 13); Deukalion, der in Opus (Schol. Pind. Ol. IX 62a. 64a), oder viel-40 mehr Kynos (HeUanikos und Apollodoros ebd.

= FHG I 48. 453. Strab. IX 425), wo seine Gemahlin Pyrrha beigesetzt wurde, wohnte und hier die Namensform ΛενχαρΙων gebar, was eine ursprünglich von den thessalischen Sagen verschiedene Überlieferung voraussetzt (Crusius Philol. LIV 396. Reitzenstein Philol. LV 1938. Usener s Kritik Rh. Mus. LVI 4828. überzeugt nicht; vielleicht steht diese Frage in irgendeinem wohl volksetymologischen Zusammenhang mit dem 50 Mythos von den λάες, die iaoi wurden; vgl. Etym.

Gud. 367, 21 λενράν, τδ ὀμαίον xal ἸελιδΙολογημένον · λεῦειν γὰρ τδ λιθάζειν und Ἰεναλέος 367, 23), tritt aber hier, gemäß dem bekannten, bei den Lokrern auf mütterliche Abstammung gelegten Nachdruck, im Vergleiche seiner Rolle anderswo in Griechenland ein wenig hinter seine Frau Pyrrha und die anderen Frauen dieses Sagenkreises zurück; denn das einzige Volk, wo auch die Frau des Helden der Sintflut einen eigenen Namen 60 und eigene Rolle hat, sind die Griechen, und das ist gewiß auf lokrischen Einfluß zurückzuführen; Pyrrha, die in Opus, und vor allem in Kynos, wo ihr Grab gezeigt wurde, lokalisiert wurde, und Mutter von Hellen, Amphiktyon, und Protogeneia war; Protogeneia, meistens als Tochter von Deukalion und Pyrrha aufgefaßt, die aber, wie der redende Name sowie die Abstammung direkt von Prometheus (Schol. Pind. Ol. IX 64c) voraussetzt, [1177] bei den Lokrern zum Teil die Rolle etwa einer Eva spielte; wohl auch Chthonopatra (s. o. Suppl.-Bd. III S. 249), die Erdtochter (Pyrrha, die rote Erde, und Pandora sind wohl Hypostasen von Ge), Gemahlin von Amphiktyon, scheint auch in diesen Zusammenhang zu gehören. An starkem Anteil der OL, vermittelt durch hesiodeische Dichtungen, bei der Ausbildung dieser Sagen, wie sie etwa kanonisiert bei Apoflodoros sich finden, ist daher nicht zu zweifeln. Autochthonen sollen auch 10 die WL gewesen sein (Paus. X 38, 3), hatten daher ihre eigene Schöpfungssage, wonach wahrscheinlich Deukalion vom Parnassos in die WL heruntergestiegen ist. - B. Die Genealogien. Ich führe hier die Namen jener Gestalten auf, die ohne eigene Sagen (oder deren Geschichte verschollen ist) eine Rolle ausschließlich oder hauptsächlich nur in den Stammtafeln spielen. Außer den obengenannten Hauptgestalten, die unter den Ahnherren der meisten Völker Griechen- 20 lands früh oder spät nach der vulgären Überlieferung (wie etwa bei Apollodor verzeichnet) wiederkehren, sind noch zu nennen Aktor, Vater des Menoitios und Iros, Vertreter unter den Lokrern (nach Gruppe und Rein De Aeaeo 21 ur-sprÜDglich in Opus zu Hause) dieses besonders bei den Thessalern weitverbreiteten genealogischen Namens; Aigina, seine Gemahlin; Menoitios, Vater von Patroklos und Myrto, wohl ursprünglich Titan oder Gigant; Iros, Sohn des Aktor zu Opus, und 30 Eurytion, einer der Argonauten, sein Enkel; Myrto, Tochter von Menoitios, Mutter der von Herakles erzeugten Eurykleia; Perseon (sonst unbekannt), Vater der Agrianome (o. Suppl.-Bd. III S. 62), während diese und Laodokos die Ahnherrn eines Adelsgeschlechts in Kynos waren; Hodoi-dokos, vermeintlich Vater von Oileus, dessen Name aber nur verleumderische Verdrehung von Laodokos ist (s.o. Suppl.-Bd. IIIS. 115611.); Laonome (s. d.), Umformung des Namens Agrianome; 40 Chthonopatra, Gemahlin des Amphiktyon, Mutter des Physkos; Kabye - Kambyse (s. d.), Mutter des Opus, ursprünglich elisch, nicht lokriseh; Belos (sonst unbekannt), Vater der Thronie (Epo-nvme von Thronion), Schwiegervater von Hermaon (Hermes, vgl. Philol. LXVII 470), Großvater von Arabos (Eponyme der Araber um den Euripos);

Klymenos, Vater von Axia; Rhodoessa, Mutter des Keos aus Naupaktos; Andraimon (ursprünglich wohl eine Gestalt mit verschiedenen Überlieft*- 50 rungen, lokrischen und ätolischen), Gemahl von Gorge oder Dryops, Vater von Thoas und Oxylos (auch bisweilen Sohu des Oxylos), Pflegevater des Amphissos; Urea (Hyrie?), Mutter des Oileus; die verschiedenen Namen für die Mutter des lokri-schen Aias, d. h. Alkimache, Astyoche, Eriopis oder Eriope, Rhene; die der Mutter des Medon, Alkimache und Rhene; die der Mutter des Patro-klos, Polymeie und Sthenele; endlich Hesione, Mutter des telamonischen Aias (Dares 19. Bias 60 Latina 624. Dracont. Rom. VIII 50f. Vollmer in Festechr. f. Vahlen 48111. und zu der Bias Lat.), deren Name auf L. deutet, während die anderen Namen, Eriboia, Periboia (Phereboia?), Meliboia wohl demSüden gehören. -C. Di e Heraklessag e s. u. Religion. - D. Troianischer Sagenkreis. Hier kommen vor Oileus, Vater des lokrischen Aias, von dem wohl etliche eigene [1178] Sagen erzählt wurden, der aber seine rechte Bedeutung wegen der eklatanten Verwandtschaft seines Namens mit Ilion erhalten hat; sein Sohn Aias (dessen Söhne wiederum, Sagaris und Banau-ros, zu der Kolonisation des Westens gehören; über verschiedene Namen für seine Mutter, s. o. unter B); Telamon, da er wohl ursprünglich Titan war und Atlas glich (s. Joh. Schmidt in dem Art. bei Roscher 230) und wahrscheinlich einmal in L. vorkam (Gruppe Griech. Myth.95.493, 5; auch unter den Ahnherrn des Olympias auf gezählt von Ps. Kall. I 13), dessen Gestalt aber in den auf uns gekommenen Sagen erst im Süden ausgebildet worden ist; Aias, sein Sohn, dessen Mutter Hesione auf L. deutet, wo er selbst ursprünglich zu Hause war, zu einer Zeit, die vor der Wanderung nach Süden und der Ausbildung seiner Sagen in Megara, Salamis, Aigina, und schließlich in Athen, liegt; Medon, Sohn des Oilens (vgl. Philol. LXVII 41 IS.); Patroklos, und dabei eine Reihe von Namen, die vielleicht aus alter Überlieferung stammten, wie Klesonymos (s. o. den Zusatz), Ly-sandros, Aianes oder Aianeus (dieser gewiß epi-chorisch, vgl. die Quelle Aiavls und das Temenos ἈΙάνειον und o. Suppl.-Bd. III S. 63) für den von Patroklos getöteten Knaben, und Amphidamas für seinen Vater (der Name des Schulmeisterst!] Othryoneus aber ist späte und alberne Erfindung); Alkimedes (Quint. Smyrn. VI 556) und Alkimedon (Quint. Smyrn. XI 447), Gesellen des lokrischen Aias, können vielleicht alt se'n, und dann wären sie wohl ursprünglich eine Gestalt. Hierher gehört wahrscheinlich auch Eudoros, der μνημῶν des Patroklos (Timolaos bei Eustath. Hom. 1697, 56. Ptol. Chen. I 15 Chatzis), obgleich Führer der Myrmidonen bei Hom. Il. XVI 179fl., denn einer, der eine so ausführliche Geburtssage besaß, sollte gewiß später irgend etwas verrichten; doch sehen die Geschichten von den μνήμονε; bei Timolaos wie nachgemacht aus. Schedios, obwohl zu Daph-nus begraben, ist eigentlich phokisch (s. o. Verwandtschaften), und Thoas, der ein Grab zu Am-phissa hatte, ist wahrscheinlich aus Aitolien eingewandert (s. u.). - E. Bei der dorischen Wanderung von Naupaktos aus spielen eine gewisse Rolle Andraimon, der durch sein Grab zu Amphissa mit diesem Ort verknüpft ist; Oxylos, der eigentliche Führer, Sohn oder Vater des Andraimon; Hippotes, der den Seher Karnos (Eponyme der Karneien) zu Naupaktos schlug (wohl eine späte Erfindung) und danach an der Kolonisation aus dem malischen Meerbusen, d. h. vor allem L. (s. o. Ausbreitung und Kolonien) teilnahm, ist vielleicht als lokrischer Beitrag zu dieser Geschichte anzusehen, wenigstens mehr als etwa Karnos oder Oxylos. - F. In das Reich der Folklore gehören die Kentauren, Nessos und andere in Taphiassos (s. o. Namen) und Phrikos in den Thermopyle®;

Nessos und Phrikos sind von Herakles erschossen, i wie die anderen umkamen, ist nicht überliefert;

die Kerkopen, auf der lokrischen Seite derThermo-pylen, wo ein Stein Meiampygos oder Κερχεοχων cioai hieß, und deren Mutter, Limne, «n Sümpfen dieser Gegend ihren Namen erhalten hat; vielleicht das Ungeheuer lamia (speaiell oy-baris genannt) bei Krissa an der westlokrisenen Grenze (Anton. Lib. 8); diese Sage ist wahraœeim lieh lokrisch, da sie bis in die Einzelheiten mit [1179] der Euthymosgeschichte in Temesa übereinstimmt, sowie die Erzählung mit der Angabe endet, daß die Lokrer aus dieser Gegend eine Koloüie nach Italien gesandt haben; zu Λύκου πεδίον (s. d.), wieder an der Grenze zwischen L. und Phokis, ist ein Wolf in Stein verwandelt, nachdem er die Herden des Peleus verwüstet hat; zu Temesa, schließlich, begab es sich, daß ein Wolf-Dämon, der Heros genannt, der Mädchen als Tribut auffraß, von Euthymos aus Lokroi bezwungen wurde. Dies ist vielleicht ein altlokrisches Märchen, wie Pais annimmt, die Frage aber, ob Temesa je von den Lokrern erobert wurde, ist noch nicht entschieden (s. o. Suppl.-Bd. III S. 457f.). Hier darf man sich auch an die Geschichten von den Delphinen erinnern, die den Leichnam des Hesiod ans Land bei Molykreion trugen, an den Delphin zu Nau-paktos, der einen toten Knaben an das Gestade legte und dann selbst starb (Theophrastos bei Phn. n. h. IX 27. Geh. VI 8, 2. Vgl. Usenet Sintflutsagen 165); an die Hunde Hesiods, die die Mörder bezeichneten (Plut. Terrestr. 36. Poll. V 42; der Hund spielt eine Rolle auch bei den Sagen von Kynos und von Orestheus); endlich die Tettix in der bekannten Eunomossage (s. d. und Suppl.-Bd. III S. 449). - G. Göttliche Hypostasen oder ursprünglich selbständige Dämonen sind Pandora (Ge); Eukleia (Artemis), die Tochter von Myrto und Herakles; Gorgo (Athena), die Tochter von Andraimon; wahrscheinlich Andraimon selbst (= Ares, s. Usenet Sintflutsagen 103; vgl. Stoff d. griech. Epos 26); wohl auch Oxylos (Sonnengott); vielleicht die Heroine Physkoa (Artemis ὀρθία oder vielleicht Braut des Dionysos, s. Weniger bei Roscher III 2488); Phytios in der Geschichte von Orestheus (hier vielleicht Dionysos, obgleich der Beiname auch auf Zeus und Helios verwendet wurde, oder ursprünglich wohl selbständiger Dämon, Usenet Götternamen 257f.); Ariadne zu Oinoe (wahrscheinlich mit Dionysos verbunden, Gruppe Griech. Mythol. 587f.); wohl Hypostasen der Athena sind Alkimache, Astyoche und vielleicht Eriopis (Gruppe 1199ff.), die alle als Mutter des lokrischen Aias galten. - H. Stamm» oder Ortschaft-Eponymen sind Abdere und Abderos; Aianes; Aitolos (s. u.); Amphiktyon: Amphissa und Amphissos; Arabos; Augeia; Axia; Banauros (die Banaurides sind Inseln an der Küste von Italien); Ion (der ältere, Sohn des Physkos und daher Bruder des Lokros, s. o. Bd. IX S. 1860); Keos; Kynos; Larymna und Larymnos; Limne (Mutter der Kerkopen); Lokros; Opus; Phoinix (vgl. den Bach bei den Thermopylen, Strab. IX 428); Physkos; Skar-pheia; Thronie; Troilos (Eponyme einer χοιράς an der westlokrischen Küste, Plut. Sept. sap. 19). - I. Aitolische Elemente. Die west-lokrische Stammtafel bietet eine eigentümliche Mischung von lokrischen und ätolischen Namen. In die lokrischen Sagen sind folgende wohl ursprünglich atolische Sagengestalten eingedrungen: Aitolos, Sohn des Amphiktyon und Vater des Physkos (Steph. Byz. s. Φυσκοί), auch König zu Opus (Ps.-Skymn. 587, wohl nach Ephoros); Thoas, Sohn von Andraimon und Gorge zu Amphissa; Oineus, Vater von Gorge; Orestheus, Sohn des Deukalion, einet König in Oineon in WL (bei Hekat. frg. 341 spielt die Geschichte noch in Aito- [1180] lien); Oxylos, Vater oder Sohn oder beides des Andraimon, auch Sohn von Ares (= Andraimon) und Protogoneia, der Tochter von Kalydon und Aiolia*- In die ätolische Stammtafel dagegen sind Andraimon von Amphissa und Protogeneia eingedrungen. Über Amphissa kann die Meinung sehr leicht schwanken. Die von ihrem Vater geblendete Tochter desEchetos aus Epeiros, Metope, wird auch Amphissa genannt (Schol. Hom. Öd. 10 XVIII 85), und diese ist kaum von der Stadt zu trennen. Tümpel (o. Bd. I S. 1956) hat vielleicht Recht, wenn er in dieser Benennung einen Versuch der Lokrer sieht, in die ätolischen Sagen einzudringen, oder, wie ich es aussprechen möchte, Versuch der späteren ätolischen Einwohner von Amphissa diese mit ihren vaterländischen Sagen zu verknüpfen. Zwar ist Echetos, von den Späteren in Epeiros oder sogar Sizilien lokalisiert, nirgends mit dem ätolischen Stammbaum verbun-20 den, aber bei Homer ist er auf dem Festlande

Ithaka oder Leukas gegenüber, d. h. Aitolien. Diese Mischung von Genealogien kann sich erklären durch Voraussetzung einer in den ältesten Zeiten weiteren Verbreitung der Aitoler. Bekanntlich wird WL in den homerischen Gedichten nicht erwähnt, und gar selten in anderen Sagen, und das Land konnte ursprünglich ein Teil von Altaitolien gewesen sein (dies scheint die Meinung von Beloch zu sein, der Oxylos einen 30 ,ätolisch-lokrischen Heros¹ nennt), zumal, da dies eine Zeit von breiteren Stammeinheiten war (vgl. E. Meyer Forsch. II 5135.). Man kann aber diese Mischung auch als Folge der frühen Austreibung der althellenischen Bevölkerung von Aitolien (v. Wilamowitz Herakles² 115. Kretschmer Einleitung 255f.), davon ein Teil in WL eingewandert sein sollte, oder als Folge der frühen (Ende des 4. Jhdts.) Einverleibung von WL in Aitolien betrachten. Die zweite Erklärung 40 scheint mir die wahrscheinlichste, aber die dritte kann für einige Namen auch mit im Spiel gewesen sein, doch nicht für alle, denn die Angabe, daßAitolos Vater des Physkos war, geht vielleicht auf Aristoteles zurück (frg. 560), und die, daß Aitolos zu Opus lebte, stammt wahrscheinlich aus Ephoros (s. o.), d. h. beidemal vor der ätolischen Eroberung. Gruppe Griech. Mythol. 345f. denkt an eine ,lokrische Herrschaft⁴ in Aitolien, unter der die berühmtesten Sagen des Landes ge-50 dichtet und zum Teil in die Hias gekommen sind.

Darin kann ich ihm nicht folgen, da unter den mythischen Namen der Stammtafel nur der der Protogeneia auf Opus hindeuten muß, und dieser in die Überlieferung wohl ohne förmliche Herrschaft der Lokrer gelangen konnte. - J. Einer späten Stufe der Mythologie gehört die Sage von Hesiods Tode in WL an (die Überlieferung vollständig bei Friedel Jahrb. f. dass. Philol. Suppl.-Bd. X 2355.), wobei folgende Namen vor-60 kommen, Ktimene (oder Klymene, s. d.) für das verführte Mädchen, Amphiphanes (s. o. Suppl.-Bd. III S. 91f.) und Ganyktor, oder Ktimenos und Antiphos, ihre Brüder; Phegeus oder Ganyktor, ihr Vater; Eurykles, der Priester; Demodes, der wirkliche Verführer (nach einer Abweichung); Troilos, Diener des Hesiod (Eponyme einer χοιράς in der Nähe der Küste). - K. Endlich soll auf den rätselhaften Πέλοψ d Ὀπουντίος, der [1181] Überlieferung, wonach die ersten Einwohner von L, Leleger (s. d. und o. Namen; die Hauptangaben gut von VürtheimDe Aiace 79–82 und Aly Philol. LXIX 440f. zusammengestellt; die ältere Literatur bei Thumser 6. Aufl. Hermanns Lehrb. I 1, 503.) gewesen sind, und der Versuch ist gemacht, das für die Geschichte der Lokrer zu verwerten, besondere von Bachofen (Das Mutterrecht) mit seinen bekannten gynaiko-kratischen Ansichten (vgl. noch Kannengießer Klio XI 45, der sie mit den Etruskern in Zusammenhang bringt, Macau zu Herodot VII 176 S. 263, der die lokrischen Leleger die alte Mauer an den Thermopylen auf bauen läßt). [Ich stelle hier kurz einige der charakteristischen Ansichten zusammen, die das Verhältnis der Lokrer und der Leleger betreffen. V. Hehn Kulturpfl.⁸ (1911) 57 erklärt die Leleger als ,Selecti, Erlesene, in anderer Form Lokrer*. v. W i 1 a m o -! w i t z Eur. Herakles² I 3, 7 findet den Leleger-namen eigentlich in L. zu Hause. Gruppe Griech. Mythol, 97 sieht in dem Namen Λοχροί oder Λέλεγες (die hesiodeische Volksetymologie vorzüglich erörtert von Reitzenstein Philol. LV 193ff.) nur ,die Gesamtbezeichnung der sich auf die Steine des Deukalion zurückführenden Geschlechter*. R i d g e w a y Early Age of Greece 185–191 betrachtet die Lokrer-Leleger als einen Stamm (neben Kariern, Minyern, Ioniern usw.) seiner beliebten Pelasger. C. F. Unger Philol. Suppl.-Bd.II 684ff. läßt die phoinikischen Leleger die pelasgischen (griechischen) Urlokrer zivilisieren (vgl. u.). Oikonomides Λοχρικῆς ἐπιγραφῆς διαφύτισις (1850) 69 erklärt die Leleger für Lokrer mit anderen gemischt (nach Thumser 50, 10). Nach Fick Vorgr. Ortsnamen (und nach ihm V ü r t h e i m und Dussaud Les civ. pré-hell.² 444) wurden die Leleger vom Nordwesten nach Südosten vor den späteren Griechen ausge-trieben. Lolli ng Hellen. Landesk. 136 behauptet, daß die Lokrer »obgleich hellenisiert, doch immer viel von ihrem halbbarbarischen Charakter behielten¹, womit man die Ansicht der Herausgeber des Recueil des Inscr. Jurid. Grecques 111 vergleichen darf, die die Lokrer als »saus doute une population lélège (non hellénique) conquise par les Grecs* betrachten und Reste dieser Leleger in den Perkotharioi und Mysacheis der Epoken-inschrift finden. Mit mehr Recht führt J. Toepf-fer Att. Genealogie 195 die Spuren des Mutterrechts (oder besser Mutterfolge) bei den Lokrern auf die Leleger zurück, vgl, auch o. Bd. IS. 1771]. Auf diese sehr verwickelte Frage einzugdien fehlt der Raum, ich gestehe hier nur meinen Glauben, daß mit den Lelegern wenig, vielleicht auch gar nichts, für unser Verständnis der Geschichte oder Kultur der Lokrer zu gewinnen ist. »Die Leleger waren ein sehr vieldeutiger ethnographischer Begriff, mit dem die Griechen um so lieber in ihrer Urgeschichte operierten, je weniger klare Vorstellungen sie mit. ihm verbanden* sagte G. Meyer Bezz. Beitr. X 151 mit Recht, und später, Über die Karier und Leleger, die viel enger [1182] verknüpft waren als auch die Lokrer und Leleger, bemerkt er sehr gut, ,welches aber auch immer das Verhältnis der Karier und Leleger gewesen sein mag, zu einer Bestimmung des Volkscharakters der ersten ist es unbrauchbar, da wir über denjenigen der letztem nicht genügend aufgeklärt sind¹ (152). Skeptisch äußern sich über die Ergebnisse einer Betrachtung der Leleger Ed. Meyer Gesch. des Altertums II 59f. 246f. 10 3. Aufl. I 2, 765 und Kretschmer Einleitung 376.394 (dagegen geht Pareti Storia di Sparta arcaica I [1920] 13ff. gewiß zu weit, der sie nur in der Troas zur Zeit Homers zulassen will). Die Leleger fasse ich auf als ein den Kariern nächstverwandtes, sicher in Kleinasien, wohl auf einigen Inseln (vgl. die Zusammenstellung bei Gunning De Cearum lab. ant. [1912] 28- 48), und vielleicht (aber dies ist nicht mehr erweisbar) zum Teil auch auf dem Festland von 20 Hellas verbreitetes Volk (da der Name wohl etwa soviel als βάρβαρος bedeutete und öfters gewiß auf nicht Stammverwandte übertragen wurde), das vor dem Eindringen der Hellenen zurückgewichen oder bald aufgesogen worden ist Mit anderen Worten bin ich der Ansicht von B u -soit Griech. Gesch.² I 184f. (auch Beloch Griech. Gesch.² I 1, 75f.), der die antike Theorie als auf Namen begründet, die sowohl in Karien wie in Griechenland sich vorfinden, betrachtet. 30 Solche sind Pedasos, Abai, Larymna (in OL) und Physkos (in WL). Es ist auch sehr beachtenswert, was B u s o 11 und Beloch nicht bemerkt haben, daß die einzigen Verbindungen zwischen Lokrern und Lelegern gerade mit Larymna (vgl. Amer. Journ. Arch. XX 60, 2) und Physkos (Steph. Byz. Φυσκος ὄε ἄφ¹ ου ol Λέλεγες οἱ νῦν Λοκροί) zu tun haben. - Hier gilt der Satz von v. Wila-m o w i t z, wonach die Geschichte ,notgedrungen von dem absehen muß, was abstirbt, ehe sie be-40 ginnt¹ (Eur. Herakles² I 3).

Für uns fängt die Geschichte der Lokrer mit der neolithischen Periode an. In Thessalien, Pho-kis, Boiotien und Makedonien (vgl. Rey und Casson Bull. hell. XL 257ft) dauerte eine neolithische Kultur bis auf das Ende der mykeni-schen Zeit (dritten spätminoischen Periode Hall Anc. Hist. of the near East 61S.), die wahrscheinlich griechisch war und wohl achäisch (im Gegensatz zu der kretischen Kultur) genannt wer-50 den darf (Hall nach Dörpfeld XXX 288ff. W a ce und Thompson Prehist. Thessaly 255f.). Zwar sind keine Überreste dieser Kultur in L. bis jetzt ans Tageslicht gekommen, aber d»8 erklärt sich einfach aus dem Fehlen von ausgedehnten Ausgrabungen, da solche reichlich in Thessalien und dem Spercheiostal vorkommen, sowie bei Orchomenos und Chaironeia in Boiotien, Dhadi und Eleatea (Drachmanni) in Phokis (Wace and Thompson Geogr. Journ. XXXVII 634: Pre-60 hist. Thessaly [1912] llff-, zum Teil nach T s u n-d a s; Sotiriadis Rev. d. Etudes grecq.XXV 253ff.), und diese letzten Ortschaften müssen mit den thessalischen in Verkehr gestanden haben, während die einzige gut benutzbare Straße durch L. führte. Diese in der frühen Zeit ziemlich rückständige Kultur, im Vergleich mit der der Ortschaften, die unter mykenischem Einflüsse standen, kann eigentlich, während Funde beinahe [1183] gänzlich fehlen (man besitzt nur ein paar Stücke, jetzt in Theben, s. Amer. Journ. Arch. XIX 434. Fimmen D. kret.-myk. Kultur 5), keine Geschichte haben. Fast dasselbe gilt von der zweiten Periode, der der mykenischen Kultureinflüsse, wofür schon o. unter Geographie auf Überreste von Siedlungen des mykenischen Zeitalters in WL hingewiesen ist. Das ist ein Teil einer Ausbreitung der kretischen Kultur im korinthischen Meerbusen, die auch bis nach Delphoi reichte, wie die Ausgrabungen da zeigten (Perdrizet Neue Jahrb. 1908, 23f. Fouilles de Delphes IV 1, 1 ff.; vgl. Mary Swind-l e r Cretan Elements in the Cult and Ritual of Apollo 15ff. Hall Aegean Archeology 148, 4. Poulsen Delphi 13ff. Dussaud Les Civ. Préhell.² 185f. [1920]. G. Karo Arch. Jahrb. XXVI 254ff. A. Evans Journ. hell. stud. XXXII 285). (W. Leaf Homer and History 331 läßt auch die Dorier von Doris zu dieser Zeit aus Kreta einwandern, meines Erachtens eine abenteuerliche Hypothese.) Diese Kultur ist bei der Völkerwanderung vernichtet worden, ohne eine einzige Spur, selbst in der Sage, hinter sich zu lassen. [Wenn nicht vielleicht der portus Apollinis Phaeti (Plin. n. h. IV 27 falsch wiedergegeben von Mart. Capell. VI 651) an den kretischen (und zwar aus Phaistos) Ursprung des Apollonkultus der Gegend noch erinnert. Vgl. Bursian Geogr. I 149.] In GL sind einige Mauerreste und eine alte Straße zu Larymna, dem Hafen von Orchomenos, sowie vielleicht eine (jetzt verschollene) Mauer zu Almyro (s. o.) die einzigen Bauten dieses Zeitalters, wovon wir bis jetzt Kunde haben, obgleich das Fehlen einer Siedlung in dem naheliegenden Opus auffallend ist, und es wird sich wohl später eine solche dort finden. Wahrscheinlich saß damals in den lokrisehen und phokisehen Bergen ein zu rauhes Volk, um friedliche Städte am Küstensaum gedeihen zu lassen.-Einige Scherben ausHalai weist Fimmen 5 der kretisch-mykenischen Kultur zu.

Die ersten Einwohner der Landschaft waren wohl Aioler (s. o. Stamm), die von den später eindringenden Nordwestgriechen teils ausgetrieben, teils aber aufgesogen*oder verknechtet (s. u. Staat und Kultur) wurden. Wahrscheinlich gehörten diese Urlokrer jenem Volksstamm an, der sich zuerst Hellenen nannte, d. h. sind ein Teil des Volkes, das um die Thermopylen wohnte, von wo aus der Name durch die pyläische Amphiktyonie sich über das ganze Land verbreitete (vgl. E. Curtius Griech. Gesch. I 96 und nach ihm Unger Philol. Suppl.-Bd. II 678). Daß die Lokrer sehr früh, vielleicht unter den allerersten, sich Hellenen nannten, erhellt aus Hom. II. II 530, wo von dem lokrisehen Aias berichtet wird ἐγχείρ Ô¹ ἐκέκαστο Πανέλληνας καὶ Ἀχαιούς, freilich einem Verse, den Aristarch athetierte, aber nach einer vorgefaßten Meinung und sicher mit Unrecht. Ein Name mit παν- gebildet setzt eine Versammlung von Völkern oder Stämmen voraus wie die zu Antheia, und gerade bei dieser Versammlung ist ein Sieg für einen lokrisehen Helden sehr passend. [[[Ernst Meyer (Botaniker)|E. Meyer]] s Behauptung, daß der Name θΈλληνες offenbar jünger ist als Πανίλληνες (Gesch. d. Alt. II 535), verstehe ich nicht; mir scheint das Gegenteil zuzutreffen.] Kurz nachher wird der Name von der gesamten Bevöl- [1184] kerung Griechenlands verwendet, Hesiod Werke 528 und Katal. frg. 26 Rz.² (18 White). Ferner ist es merkwürdig, daß der Name λλάς von einem Mann verwendet (Antiatt. 97, 4, wie Eurip. Phoen. 1509; vgl. aber Headlam bei Pearson Soph. Frg. ur. 17) in dem Αἰας Λοκρός des Sophokles vorkommt, wahrscheinlich in bezug auf Aias selbst oder seine Heimat. Ferner ist die Stadt Eicon, wo AmyntorOrmenides wohnte (Hom. 10 II. X 266), nur in Boiotien zu suchen, und dieser Amyntor muß derselbe sein wie der Vater des Phoinix (die schauderhafte Verwirrung bei den Homerkritikern des Altertums, s. o. Bd. I S. 2009, stammt von einer vorgefaßten Meinung des Arist-arch über die richtige Verwendung des Namens Ἐλλάς bei ,Homer¹, die vor den künstlichsten Mitteln der Erklärung nicht zurückscheute; kein Sachkundiger dürfte diese noch beachten), und daher muß die Hellas, die Phoinix verließ (IX 447) 20 und durchreiste (v. 478), ein Land zwischen Eleon (bei Tanagra) und Phthia gewesen sein, d. h. ein Teil Boiotiens und vor allem OL (vgl. Allen Class’ Rev. XX 198; Journ. hell. stnd. XXX 296; The Hom. Cat of Sbips [1921] 53. 113; vgl. dagegen Leaf Homer and History 116L, der aber die Sachlage nicht richtig auffaßt). NochCostanzi Riv. di filol. XLII 539 will Hellas nördlich von Phthia suchen, indem er, wie Unger und andere, der Scholiastenweisheit und nicht dem unzwei-30 deutigen Zeugnis des Homer selbst folgt (für Costanzis sonderbare Erklärung der Verbreitung des Hellenennamens wegen des darin empfundenen Gegensatzes zu den Pelasgern, s. 553ff.). Die älteste Überlieferung (Hesiod. Catal. usw., s. o. Bd. VIII S. 171) macht Hellen zum Sohn von Deukalion und Pyrrha, diese fest in OL lokalisiert, jener ebensogut in OL wie in Thessalien zu Hause, und der Hellenenname scheint mit der Sintflutsage verbunden (wenn die Molosser ihr Hellenentum 40 behaupten wollen, nehmen sie Deukalion und Pyrrha in Anspruch, vgl. Köhler Sat. Phil. H. Sauppio usw. 79S.), während diese ebensofest in L. wie in Thessalien wurzelte, wenn auch nicht, wie ich glaube, in L. ursprünglich ist, wo die Be-schaffenheit des Landes die Sage wohl erst hervorgerufen hat (s. u. Religion zu Poseidon). Man bemerke noch endlich, daß der einheimische Name für den Spercheios, noch im J. 1914, als ich da war (vgl. Wace and Thompson Prehist. Thessaly 50 254f. Leaf Homer and History 115), Ἐλλάδα ist, wie zur Zeit Leakes (North. Greece II 8; vgl. noch die französische Karte, usw.), und das, obgleich wohl Übertragung, muß sehr alt sein.

U d g e r (a. a. O. 648Â.) will wissen, daß OL von einem Volk »historisch Pelasger ... mythologisch Phlegyer genannt* bewohnt wurde; daß die Lokrer zu einer Zeit, als sie noch Physkoi genannt wurden, um den See Bolbe in Makedonien, wo es bei den Eordoi eine Stadt Physka gab, 60 wohnten; daß dieser Name Physkos = φυκτός von φεύγω dasselbe Volk kennzeichnete wieAm-phiktyon = ἀμφνκτεύς von ἀναφεύγειν) daß in der Sage, wonach Herakles einen Kentaur Phrikos an den Tbermopylen tötete, die älteste Form der Überlieferung von der Austreibung dieser Physker = Melier und Lokrer zu suchen ist; endlich daß die Leleger Phoiniker waren, die die pelasgischen Griechen in L. und sonstwo unterrichteten. Diese [1185] abenteuerlichen Hypothesen braucht man nicht zu widerlegen; sie schweben sämtlich völlig in der Luft.

Wie in Argos, Phokis und Achaia scheinen die nordwestgriechischen Eroberer den Namen der früheren Einwohner des Landes beibehalten zu haben. Ein Volk, das sich Λοκροί nannte, ist daher schon vor dieser Wanderung in WL wohnhaft, d. h. im homerischen Zeitalter, oder richtiger gesagt, in dem Zeitalter, das die homerischen Rhapsoden darstellen wollten. Die Frage, ob Homer die WL gekannt hat, obgleich Öfters und schon im Altertum besprochen, ist mit Fick Hom. Ilias 48 und anderen entschieden mit einem Ja zu beantworten, da der Ausdruck πέρην Ἰερῆς Ἐνβοίης II. II 535 nur zur geographischen Bestimmung dient, und nicht einen herabsetzenden Sinn enthält, wie Allen Class. Rev. XX 194; The Homeric Catal. of Ships 54 in die Worte hereinlesen will. Vielleicht erklärt sich das fast gänzliche Fehlen von Städtenamen auf dem korinthischen Meerbusen bei Homer aus der Tatsache heraus, daß die Einwohner dieses meistens sehr schmalen Küstensaums wie wenige andere Völker Griechenlands der Verwüstung durch Seeräuber ausgesetzt sind und die Seeräuberei hier seit den Wanderungen im 2. vorchristlichen Jahrtausend bis auf das 5. Jhdt. ziemlich allgemein Sitte geblieben ist, worauf wohl hauptsächlich die bekannte lokrische Sitte des Waffentragens, die bis auf die Zeit des Thukydides dauerte, zurückzuführen ist (s. u. Staat und Kultur).

Wie schon oben ausgeführt, haben diese ersten Lokrer zum Teil nach dem Süden (Megara, Salamis, Aigina, Kees), zum größten Teil aber, und wahrscheinlich zuletzt unter dem Druck der eindringenden Nordwestgriechen, nach dem Nordosten (Troas, Lesbos, Aiolis) sich verbreitet. Es fragt sich nun, ob die Zersplitterung in OL und WL ein Ergebnis der letzten Wanderung sei. Das ist seit Niebuhr Lectures on ancient Ethnography I 123 öfters behauptet (vgl. die Zusammenstellung Amer. Journ. Arch. XX 47f., wozu noch B u s o 11 Griech. Gesch.² I 242 und Lolling Hellen. Landeskunde 136 zuzufügen sind), ist aber, wie ich glaube, nicht wahrscheinlich. Erstens, weil es gemeinsame Sagen von Phokis und Lokris nicht mehr gibt (s. o. Verwandtschaften), wie man es sonst voraussetzen würde; zweitens, weil die Gegend um Larymna noch zur Zeit des homerischen Kataloges nicht lokrisch gewesen ist, sondern orchomenisch, und die Mauer am Engpaß bei Opus wohl gegen das Aufdringen der Lokrer von den Minyern aufgerichtet wurde (vgl. Amer. Journ. Arch. XX 43ff.); drittens, weil Alponoi (Alponos) dicht bei den Thermopylen einst μητρόπολις Λοκρῶν (Steph. Byz.) gewesen ist, was auf eine Ausbreitung der Lokrer in der geschichtlichen Zeit nach dem Südosten deutet (vgl. a. a. O. 47f.), womit die in der ältesten Zeit hervorragende Stellung von Thronion im Vergleich mit Opus im besten Einklang steht; viertens, weil die ältere Benennung Physkoi oder Physkeis für die WL voraussetzt, daß diese später wenig bedeutsame Stadt Physkos einst die Metropolis von WL war, woraus notwendig folgt, daß diese von Norden her durch die Berge in das Küstenland vorgedrungen sind; fünftens, weil die Lage der Lokrer von Amphissa und Chaleion vielmehr die einer erobernden als [1186] einer zurückgedrängten Volkschaft darstellt [s. o. Geographie; nur nach der Vernichtung von Krisa kurz vor 582 v. Chr. konnten die Lokrer von Amphissa bis auf die kirrhaisehe Ebene an dem Pleistos und das Meer vordringen (Aisch. III 1133.), und gewiß zu jener Zeit, als neben Krisa kleinere Städte wie Kraugallion und Melainai bestanden (Pomtow Klio XV 371f.), können die Lokrer sicher weder am Gestade noch in der 10 unteren Ebene sich behauptet haben, und nur bescheiden und mit Mühe im oberen Tal zu Amphissa]; endlich, weil die Sage von dem verschiedenen Ursprung des Adels und des Volkes und das Adelsregiment entschieden den Eindruck machen, als ob eine kleine Schar Eroberer (daher wohl am Ende der großen Bewegung, als die besseren Teile des Landes schon besetzt waren) ihre Herrschaft über eine Masse von bekriegten Untertanen zu erhalten bemüht war. Dagegen dürfen 20 die Angaben, wonach Phokis die Gegend um die Thermopylen in einem frühen Zeitalter beherrschte, nur als Reflex der tatsächlichen Zustände im 6. Jhdt. angesehen werden, ähnlich wie die Sage vom Krieg um Daphnus zur Zeit Ornytions (s. u.). Ich glaube also, daß die OL und die WL nicht durch die Wanderung anderer Stämme auseinandergerissen wurden. Vielmehr haben die Lokrer im Laufe der Wanderung am Pindos entlang am Bergmassiv des Oita sich geteilt, einige drangen 30 direkt nach dem korinthischen Golfe durch das Tal des oberen Daphnos, die anderen gingen weiter nach Osten und besiedelten das Gestade des malischen und euböischen Golfes. Die Zertrennung des Stammes ist daher wie die der Dorier, der halben Stämme Manasse, der Ostgoten und Westgoten, der Sachsen usw. aufzufassen. [Dies scheint auch die Auffassung von Ed. Meyer Gesch. d. Alt. II 264 zu sein, der aber von den WL sagt, sie seien ,in den westlichen Gebirgen 40 sitzen geblieben*, als ob sie von Anfang an dahin gehörten, die OL aber nach Osten verschoben. Ich weiß nicht, warum man die Einwanderung der OL später als die der WL ansetzen soll; einfacher wäre es, nur eine Wanderung anzunehmen.] Vor und während dieser Einwanderung, und wahrscheinlich durch diese verursacht, hat sich dann wohl die Kolonisation nach Norden und Osten vollzogen, d. h. nach Thrakien, Lesbos, der Aiolis und der Troas. In diesem letzten linde 50 und speziell in der Stadt Hion gleich nach ihrer Zerstörung rind die Lokrer die ersten und die bedeutendsten Ansiedler. Das erhellt aus folgenden Beweisen, die hier des Raumes wegen (ich hoffe sie bald anderswo auseinanderzusetzen) nur kurz zu formulieren sind: Erstens, da die Aias-gestalt (ursprünglich lokrisch) wie keine andere mit der Troas und dem ältesten Teile der Sage von Ilion (ich meine den Schlachten am Schiffslager) verknüpft ist, sowie der Vater des lokri-60 sehen Aias seinen Namen (‘Ἄευς, Othvs, ἼΜς alle Formen gut beglaubigt) trägt, der mit dem der Stadt Bios zweifellos eins ist; zweitens, da die Lokrer das einzige Volk sind, von deren Beteiligung an dem Kriege (Hom. II. XIII 712ff.) noch eine Kunde in dem ausgebildeten Epos sich erhalten hat; drittens, da die jährliche Sendung der lokrischen Mädchen, eine heilige Handlung, die auch von Seiten der Archäologie (Brückner

88 [1187] bei Dörpfeld Troia und Ilion) für die allererste Periode nach der Eroberung festgestellt worden ist, die Lokrer außerordentlich fest mit Ilion verbindet, und die Voraussetzung dieses Gebrauches, d. h. ein Frevel gegen eine Gottheit zu Ilion (später mit Athen gleichgestellt) nach der Eroberung, schon in der Ilias und in der Odyssee zu bemerken ist.

Weitverbreitet ist die Sage, wonach die Hera-kliden bei ihrem Zug gegen die Peloponnes Schiffe 1 zu Naupaktos entweder selbst bauten, oder die Lokrer diese für sie vorbereiteten, um die Meerenge zu überschreiten, und daß die Stadt nach diesem Ereignis ihren Namen erhalten haben soll (Ephoros frg. 14. Apollod. Bibl. I 173f. Strab. IX 426f.; daraus Steph. Byz. s. Ναύπακτος und Eustath. Il. 276, 20f. Paus. X 38, 10. Etym. M. s. Ναύπακτος = Zonaras 1386. Daß die Hera-kliden zu Rhion mit Hilfe der Lokrer die Meerenge überschritten, sagt auch Polyb. XII 12 a. ί Sein Bericht aber hat keinen rechten Sinn, wenn man die Dorier diese Schiffe dort bauen läßt, setzt daher die Version des Einfalls voraus, der Ephoros folgte). Nun, daß hier eine wirkliche Überlieferung aus der Zeit der Wanderung sich erhalten hat, wird man kaum behaupten, obgleich das lange Zeit geglaubt worden ist und noch v. W i –1 a m o w i t z Eur. Her.² I 267 aus der vermeintlichen Tatsache, daß νηες und nicht etwa ἀχεδίαι gebaut wurden (doch verwendete man im Kultus- ί gebrauch wahrscheinlich zu Naupaktos ein μίμημα τῶν ὄχεδιθν [nicht νεῶν], ak ἔπλενοαν οἱ Ἤρακλειδαι τὸν μεταξυ τῶν Ψιων τόπον Bekker Anecd. I 305, 31, s. u. Religion, στεμματιαιονθ auf weiteres schließt, eine Ansicht, die die Richtigkeit gerade dieser Etymologie sowie ihrer geschichtlichen Erklärung voraussetzt. Vielmehr ist der Name Naupaktos, ob von wirklichen (sonst aber nicht erwähnten) Schiffswerften (E. Meyer Gesch. d. Alt. II 250) wie den im 18. und 19. Jhdt. berühmten von Galaiidi (Oiantheia; vgl. Lolling Hellen. Landesk. 137) abgeleitet, oder ein Name von sakraler Bedeutung (Gruppe Griech. Mythol. 445, 17 nach Bekker An. [oben] und Hesych. στεμ(μῖατιαῖον), nicht nach einem bestimmten geschichtlichen Ereignis gegeben, am wenigstens nach einem so dunklen wie etwa die dorische Wanderung. Daß aber die Dorier zum Teil oder ausschließlich über Naupaktos und Rhion in die Peloponnes eingewandert sind, ist dennoch gewiß wahr (wie auch neulich und nach verschiedenen Anschauungsweisen von Hall Anc. Hist. of the Near East 78. Beloch Griech. Gesch.² I 1, 89f. Pareti Storia di Sparta arcaica I 75f. behauptet worden ist). Zwar betrachtet E. Meyer die Erfindung als sehr unpassend, da ,Naupaktos für den Weg von Doris nach der Peloponnes weit abseits liegt¹, B u s o 11 (Gr. Gesch.² I 206) hat aber Recht, wenn er bemerkt, daß dies die natürliche Straße von Erineon nach der Peloponnes war, da der Kithairon und die Geraneia dem Vorgehen auf diesem Wege fast unübersteigbare Hindernisse bereiten würden. F. Cauer Parteien und Pol. in Megara und Athen (1890) 43f meint, daß die Wanderung über den Isthmos geschah, aber dann müßte Boiotien völlig dorisiert worden sein, wie Beloch’ I 1, 89 hervorhebt (vgl. noch dazu Neumann Hist. [1188] Ztschr. XC 21f. Pareti Storia di Sparta ar-caica (1920) I 76), An eine Wanderung zur See aus dem malischen Meerbusen, wie nach Grote² I 555 noch Halm I 170. Busolt³ I 206. Neumann 22 glauben, ist kaum zu denken, und dies soll auch nur die Angriffe auf Korinth und Argos, nicht den Hauptstoß in die Peloponnes erklären. Dagegen ist die Meerenge bei Nau-paktos das eigentliche Tor zur Peloponnes; sie ist 0 die einzig denkbare Straße für die ätolischen Eroberer von Elis, und auch die ganze Bewegung entfaltet sich von Nordwesten nach Südosten. Wahrscheinlich haben die ersten Einwanderer die Meerenge mittels Flößen überfahren, Achaia und Elis sofort besetzt und sich nach Osten ausge-breitet. Andere dagegen haben wohl Schiffe gebaut, mit denen sie die Inseln und vielleicht auch Korinth und Argos zur See angriffen (so v, W i -lamowitz a. a. O. Geffcken Neue Jahrb.

Î0CXLVII 184ff.; auch Pareti 80ff., der an mehrere Wellen von Einwanderern denkt). Was die Lokrer eigentlich angeht, so sind die Altaitoler (s. o. Mythologie) wohl vor diesen andringenden Stämmen nach Amphissa und wohl auch anderswohin ausgewichen, die Lokrer selbst, d. h. die nordwestgriechischen Lokrer, sind dann am Ende der ganzen Bewegung in das von den vorangehenden Völkern verlassene Land aus den hinteren Bergtälern eingezogen.

jO In diese Jahrhunderte der Völkerwanderungen und Kolonisationen gehört wohl die Blütezeit der Sagenpoesie der Lokrer, d. h. die Lieder von den Schlachten im nordwestlichen Kleinasien, besonders vor Ilion, die die ersten Keime der homerischen Dichtungen bildeten, sowie die Lieder von anderen Dingen, unter denen wohl die berühmtesten, die die Schöpfung der Menschen und die Sintflut behandelten, die bei den Lokrern augenscheinlich zusammengeworfen sind. Lange Zeit 40 bat diese Heldendichtung gedauert, bis sie zuletzt in die Kataloge und ähnliche Gedichte der hesio-deischen Schule und in die epische Lyrik des Stesichoros ausartete, da die weitverbreitete Sage von Hes:odos Tod bei den Lokrern, seine Vaterschaft des Stesichoros, und Gedichte wie die Νανπάκτια ἔπη auf starke Beteiligung der Lokrer an dieser Entwicklung deuten, wie die bekannten lokrischen Dichter der Zeit kurz nach Hesiod und die Pflege von Musik und Poesie in Lokris und 50 Lokroi (s. u. Literatur) lehren. Dieses Aufblühen findet Gruppe Griech. Mythol. 97f. ,unerklärlich ohne eine entsprechende politische Macht⁴. Aus der aristotelischen Angabe von den Lelegern und ihrer einstmaligen Verbreitung in Mittelgriechenland schließt er dann, daß ,die später dreifach geteilten Lokrer, die Phoker, Dorier und Malier auch politisch geeinigt⁴ waren, und unter der Oberherrschaft von Opus standen. Diese kurze Machtentfaltung scheint er ins 8.-7.Jhdt. zu setzen, da er die Aussendung der Kolonie nach Süditalien in dieser Zeit ansetzt, und Phei-don von Argos die Überlegenheit von Opus brechen läßt. Eine solche lokrische Herrschaft in Mittelgriechenland scheint mir aber ungenügend erwiesen und an sich recht zweifelhaft, da das Vorkommen von ein paar Namen, Sagen oder Kulten in verschiedenen Teilen Griechenlands nicht notwendig eine politische Machtentfaltung voraus- [1189] setzt. Nachbarn tauschen allerlei miteinander aus, und Auswanderer tragen vieles mit sich, wo von Eroberung keine Rede ist, und auch bei einer Eroberung wird das herrschende Volk öfters ebensoviel von dem Untertanen empfangen und bisweilen noch mehr (vgl. Römer und Griechen), als es auf diese tiberträgt. Wohl auch auf diese Zeit zurück geht die Verbreitung der pyläischen Am-phiktyonie, die am Anfang des 6. Jhdt. zum Teil (aber nie gänzlich) nach Delphoi versetzt wurde. Die Anfänge dieser Amphiktyonie gehören wohl der Zeit an, die vor dem Einfall der Nordwestgriechen liegt, als achäische (äolische) Hellenen um die Thermopylen wohnten. Zu ihrer späteren Berühmtheit ist sie also kaum vor dem 9. oder 8. Jhdt. gelangt, sie muß daher mit der Kulturentfaltung von OL eng Zusammenhängen und dadurch stark beeinflußt gewesen sein.

Etwas später als die Ausbreitung nach Osten ist die nach Westen, d. h. nach Kerkyra, Italien, und vielleicht auch Afrika. Gewiß ist die Begründung von Lokroi (um 680–670) später anzusetzen als die Ausbreitung nach Messapia und Kerkyra, so daß diese ins 8. Jhdt. oder auch schon früher fällt. Mit etwa diesem Zeitpunkte, dem 7. Jhdt., ist die große Zeit der Lokrer vorbei; jetzt machen die OL ihre letzte Eroberung, die von Larymna (vgl. Amer. Journ. Arch. XX 43f.), am Anfang des nächsten Jahrhunderts besetzen die WL das Gebiet der durch die Amphiktyonen ausgerotteten Krissäer. Tiefliegende Ursachen führten unver-weigerlich ihren Niedergang herbei. Im Westen lagen die zwei Bevölkerungsmittelpunkte, Am· phissa und Naupaktos, an den äußersten Rändern des Landes, so weit wie möglich voneinander entfernt, der Zwischenraum mit rauhen Bergketten gefüllt, während die alte Hauptstadt in der Mitte des Landes, Physkos, weit von der See lag und dabei wohl frühzeitig den größten Teil ihres ohnehin nicht sehr ausgedehnten Tals an die vordringenden Aitoler verloren hat. Unter dem Druck dieser halbbarbarischen Bergvölker müssen die Einwohner des engen Küstensaums viel gelitten haben (Fälle wie der Raubzug des Demosthenes und der Lokrer im J. 426 v. Chr., der bald mit Zuschuß wiederbezahlt wurde, als Vergeltung für zahllose Plünderungen und Gewalttaten, sind wohl sehr oft vorgekommen) und sind endlich von diesen vollständig aufgesogen worden. Außerdem mußte Korinth mit der Entwicklung ihres Handels im Westen, der schon im 8. Jhdt. hervorragend war, die Seewege sichern, besonders die Meerenge bei Naupaktos, wo dann die Korinther wohl sehr früh sich in Chalkis und Molykreion (s. d.) verschanzten. Auch Makynia und Naupaktos können zwar zu dieser Zeit korinthisch gewesen sein, wie öfters behauptet (z. B. von Curtius Herm. X 237f.; daß sie aber eine Handelsniederlassung oder Gründung der Korinther war, wie Bursian I 145f. Forbiger III 611. Lolling 137 vermuten, ist aus mehreren Gründen unmöglich), daa ist aber nicht überliefert und an sich wenig wahrscheinlich, da ein oder zwei Stützpunkte für die Kriegsflotte schon genügten, um die Meerenge völlig zu sichern, und noch andere zu halten uncT verteidigen hatte eigentlich keinen Zweck. Ohne Zweifel ist der westliche Teil des Landes wahrscheinlich schon im 8. Jhdt. in [1190] die Machtsphäre der Korinther eingetreten und blieb seitdem fortwährend unter dem Einfluß anderer Stämme, Korinthern, Athenern, Aitolern (bekanntlich z. B. schlugen die WL keine eigene Münzen vor dem 2. vorchr. Jhdt., und dann nur in Amphissa und Oiantheia). Nur geht Lolling (a. a. O. 136) etwas zu weit, wenn er behauptet, daß die WL ,schon frühzeitig namentlich vor den Korinthern in ihre Bergtäler zurückwichen*, da lONaupaktos, als die Athener sich seiner um 456

v. Chr. bemächtigten, in den Händen der Ozoler war (Thuk. I 103. Paus. IV 24, 7). Fast ebenso schlimm war die Lage der OL. Auf einem engen Küstenraum wohnend, an der größten Verkehrsstraße Griechenlands und an einem strategischen Punkt von allererster Wichtigkeit, hätte ein volkreicher Staat außerordentlich gedeihen können, und auch ein kleiner Volksstamm in friedlichen Zeiten, wie es tatsächlich mit den Lokrern bis 20 auf das 6. Jhdt. der Fall gewesen zu sein scheint.

Als dann die lange Reihe von großen Kriegen anbrach, stand das kleine Volk zwischen Amboß und Hammer, sein Land wurde oftmals verwüstet bei den Krisen der Thessaler, Phoker, Perserr Athener, Philipp, Gallier, Aitoler, Makedonerr Römer, Antiochos, Achaier usw. Unter den anderen Staaten Griechenlands hatte nur Megara eine so verhängnisvolle Lage gehabt, und auch Megara wurde weder so oft noch so sehr heimgesucht. 30 Ferner hat das Adelsregiment verhindert, daß das

Volk an dem Aufblühen der demokratischen Staaten während des 5. und 4. Jhdts. teilnehmen konnte. Die Einführung der Demokratie rief einen Aufschwung in Bevölkerung, Reichtum und Kultur hervor, welcher die Verhältnisse anderer Völker weit überflügelte, und ein aristokratisch gesinnter Staat wie Opus wurde in einen bloß negierenden Widerstand getrieben, der ein Ende jedes Fortschritts herbeiführen mußte, und bald ist das 40 kleine Volk soweit von den größeren Staaten und

Bünden überflügelt worden, daß es eigene Politik nicht mehr treiben konnte, während es sein Schicksal wurde, den Interessen der Mächtigeren immer aufgeopfert zu werden. Mit dem 4. Jhdt. im Westen, dem 3. im Osten, hören die Lokrer auf, eine Volksgeschichte zu haben; es bleibt eigentlich nur übrig die Ereignisse, die in dem Lande geschehen, und das Geschick der einzelnen Städte zu erzählen.Zu welcher Zeit sich die Korinther der Meerenge bei Naupaktos bemächtigten, ist unbekannt, wahrscheinlich aber nicht eher als ihr Handel mit dem Westen bedeutend gewachsen war, d. h. um 700. Stellen wie Molykreion und Chalids können nichts als Versicherungsposten gewesen sein, und daher ist deren Besitznahme wohl ein wenig früher zu datieren als Beloch es tut, der sie am Ende des 7. und Anfang des 6. Jhdts. ansetzt (Griech.

Gesch. I 1, 248; das tut er wohl, um die Be-fcstigung dieser Orte in die Regierung des Periander einzuschließen, obgleich die Besetzung von Lenkas, Ambrakia und Anaktorion wohl auf die Lebenszeit des Kypselos selbst zurückzuführen ist, Strab. X 452 usw,; vgl. Porzio I Cipselidi 311; die Meerenge aber bei Naupaktos ist der Lebensnerv des Handels von Korinth, ihre Befestigung daher die allererste Aufgabe einer zielbewußten äußeren Politik, also wahrscheinlich geraume Zeit [1191] vor Periander anzusetzen). Früh im 7. Jhdt. (680–670) ist die große Kolonie Lokroi (s. d.), wahrscheinlich von Lokrern aus beiden Teilen des Landes, begründet. Es kann sein, daß dies eine direkte Folge des Eingreifens der Korinther in Molykreion usw. war, als die OL ihren Bevölkerungsüberschuß nach WL zu senden gewohnt waren (vgl. die Kolonie nach Naupaktos im

5. Jhdt.) und sich nun in dieser Richtung gehemmt fühlten. Auch deuten die sehr engen Verknüpfungen 10 zwischen Lokroi und den großen korinthischen Kolonien, Kerkyra und Syrakus (vgl. o. Kolonien), wahrscheinlich auf eine gewisse gegenseitige Beteiligung von Korinthern und Lokrern an ihrer Kolonisationstätigkeit, so daß man wohl schließen darf, daß die lokrische Kolonie mit dem guten Willen und wohl auch mit Hilfe der Korinther begründet wurde, und daß daher die WL schon zu dieser Zeit unter korinthischem Einfluß standen, was kaum vor der Besitznahme von Chai- 20 kis und Molykreion geschehen konnte. [Die vermeintliche Geschichte, wonach die Lokrer Verbündete der Spartaner in einem Krieg gegen die Messenier waren (d. h. dem ersten), ist eine kecke Fälschung und Verleumdung, s. Busolt I² 403, 4 und den Art. Lokroi.] Wohl am Anfang des

6. Jhdts. ist ein gewisser Menekrates Proxenos von Kerkyra in der Stadt Oiantheia in WL gewesen, beredtes Zeugnis von dem Verkehr derWL mit dem Westen zu dieser Zeit sowie von der Be- 30 deutung der Stadt Oiantheia, woraus der Oikist von Lokroi (s. d.) gestammt haben soll (IG IX 1, 867).

Das nächste geschichtliche Ereignis ist der erste heilige Krieg, der gegen Krisa, woran die Amphisseer lebhaft teilnehmen mußten, da es in ihrem Interesse war, diese mächtige "Stadt wegzuschaffen, und da die Feindschaft zwischen Lokrer und Phoker immer lebendig war (vgl. Thuk. III 101). Zwar sind in der Überlieferung nur die Thessaler, Sikyonier und Athener (daß diese letzten 4C wirklich etwas erreichten, ist doch sehr zweifelhaft, vgl. De Sanctis Mri>i?’ 263) in Erinnerung geblieben, obgleich gewiß andere Staaten Zuzug leisteten, uqd Amphissa als die einzige größere Stadt in der Umgebung hat wohl eine beträchtliche Anzahl Truppen, gewiß unter der Oberherrschaft von anderen, geliefert, sobald der Krieg in die Belagerung der Festung Krisa überging. Die Lokrer sind nur nebenbei erwähnt in einer geographischen Bestimmung bei Ps.-Hippocr. 5( Epist. XXVJI 6 (bei Pomtow Klio XV 318ff., der die gute Überlieferung in diesem Stück verteidigt), aber da sie erst nach dem Verfall von Krisa die kirrhaische Ebene in Besitz nahmen und nach dem Meer gelangten (vgl. o.), müssen sie starken Anteil an dem Krieg gehabt haben, sonst würden die Amphiktyoner unweigerlich die Ebene und den Küstensaum den viel naher liegenden Del-phiern, in deren Interesse ohnehin der Krieg angeblich geführt wurde, übergeben und diese im 6( Besitz bestätigt haben, was sichtlich auch nach dem Bericht bei Aischines III 1075. nicht der Fall war. Dieser Krieg bezeichnet auch einen Wendepunkt in der Geschichte der OL, denn seit dieser Zeit wurden die großen amphiktyonischen Versammlungen nicht mehr an den Thermopylen unter Obhut der Lokrer, sondern zu Delphoi gehalten, und der Kultus der Demeter zu Anthele, [1192] obgleich von den Pylagoren und Hieromnemonen nie gänzlich aufgegeben, konnte sich nicht mehr mit dem des Apollon messen. Diese Entfernung des Hauptsitzes der Amphiktyonie ist wahrscheinlich gegen den Willen, weil gegen die Interessen der OL geschehen, wohl aber von den Thessalern durchgesetzt, die jetzt nur zu bereit waren, sich in die Verhältnisse Mittelgriechenlands einzu-mischen, wie auch in den Lelantischen Krieg um 570 (über die Zeit vgl. Cos t a nzi Atene e Roma V 769. 785L), Dieser letzte Krieg setzt voraus, daß OL, wenigstens zu dieser Zeit, unter der Leitung von Thessalien stand, erstens, da die thessalische Reiterei den Ausschlag geliefert haben soll, und diese ist wohl zu Lande bis nach Chalkis gekommen (vgl. Beloch² I 339); zweitens schließt die Knechtung von Phokis und das große Unternehmen gegen Boiotien, das zu Kerassos scheiterte, es aus, daß die dazwischen liegenden OL ihre politische Freiheit noch behielten. Gegen diese Herrschaft erhoben sich zuletzt die Phoker (wohl nach der Schlacht zu Kerassos), und es entzündete sich der Krieg oder eine Reihe von Kriegen zwischen Thessalien und Phokis am Ende des 5. Jhdts., worin OL unausbleiblich verwickelt wurde und gewiß schwer gelitten hat Zuerst wurde Phokis untertan, was wohl einen Krieg voraussetzt, da der darauf folgende Aufstand einen πόλεμος Ἄσπονδος hervorrief (Plut. Mui. Virt. 2). Schon die Losreißung von Delphoi von dem pho-kischen Bunde ist eine Gewalttat von Seiten Thessaliens, und die Phoker verzichteten nie prinzipiell auf ihre Rechte über diese Stadt, bis sie diese im 4. Jhdt. wieder herzustellen versuchten. Daß OL jetzt auf Seite der Thessaler stand, erhellt aus dem Angriff dieser διὰ Λοκρῶν und ihrer Niederlage bei Kleonai (jetzt Kalapodi, Amer. Journ. Arch. XIX 334) in der Nähe von Hyampolis, gleich westlich von Opus. Ein zweiter Krieg brach I wohl einige Jahre später aus (vgl. Beloch Griech. Gesch.² I 340, 2), der ebenfalls mit einer Niederlage der Thessaler, diesmal um Parnassos, endete. Dies geschah wohl nur kurze Zeit vor 500 v. Chr., ,nicht viele Jahre* vor dem Zug des Xerxes (Herod. VIII 27). Wahrscheinlich nach der ersten Niederlage fiel OL, mindestens der westliche Teil desselben, unter die Herrschaft der Phoker, da die Befestigungen an den Thermopylen die phokische Mauer genannt wurden (Herod. VII) 176. Macan s Hypothese darüber in seiner Anmerk. zur Stelle, daß die Mauer ursprünglich von den Lelegern-Lokrern gegen die eindringenden Boioter-Phoker gebaut wurde, schwebt völlig in der Luft). Auf diese zeitweilige Herrschaft der Phoker (oder vielleicht die sehr kurze von 353- 346) bezieht sich wohl die Angabe bei Harpo-kration s. v. Πύλαιθ der den Paß hier τὴν εἰσοδον ἀπὸ θετταλίας εἰς τὴν Φωκίδα nennt, sowie die Angabe bei Eurip. I. A. 2615., daß der lokrische) Aias, der hier aus Thronion, in der nächsten Umgebung der Thermopylen, stammen soll, die Phoker ebenso wie die Lokrer befehligte, vielleicht auch die Redeweise bei Paus. II 29, 3, daß zur Zeit des zweiten Phokos (der Sohn von Aiakos) der phokische Name von allen verwendet wurde, die in der Nähe von Orchomenos wohnten, sowie ἐπὶ Σκάρφειαν τὴν Λοχμῶν καθηκουσί, da Skarpheia dicht bei dem Paß liegt, und die gewöhnliche [1193] 1198 Lokris (Geschichte)

Grenze zwischen Phokis und OL viele Kilometer von Skarpheia entfernt war. Weil nun zur Perserzeit die Phoker nicht mehr im Besitz dieser Befestigung waren, haben sie die Thermopylen und den dazu gehörenden Teil von OL wieder verloren. Dies geschah wohl infolge des zweiten Angriffs der Thessaler, als die Phoker sich nur mit Mühe an den Abhängen des Parnassos zu verteidigen vermochten. Damit stimmt wohl auch die Angabe bei Paus. X 1, 11, daß die allerletzte Schlacht περὶ τὴν ἐς Φωκίδα ἐσβολήν geschah. Dies ist wahrscheinlich der Paß bei Opus, als der der Reiterei bequemste, denn wäre diese ἐσβολή die berühmten Thermopylen gewesen, so hätte ein Schriftsteller das kaum verschwiegen. Hierher gehört wahrscheinlich die mythisch ausgeschmückte Sage (Schol. II. II 517. Schol. Eur. Or. 1094. Müller Orchomenos 124. Vischer Kl. Schr. II 228. Beloch Klio XI 440), wonach Ornytos aus Korinth (Vater des Phokos) zusammen mit den Einwohnern der Stadt Hyampolis die Opuntier in einer Schlacht περὶ Λαφνοῦντος überwand. Dies ist wohl in die graue Vorzeit zurückversetzt, nur um einen möglich festen Anspruch auf die Gegend um Daphnus machen zu können, die Sage ist daher wahrscheinlich im 4. Jhdt. entstanden. An der Geschichtlichkeit eines Streits über Daphnus ist aber kaum zu zweifeln. Dies würde sehr gut in die Zeit nach der Schlacht bei Kleonai passen, da die Thessaler, um hierher zu gelangen, nur durch Opus marschiert sein können, und nach der Niederlage mußten die Lokrer von Opus, ohnehin Erbfeinde der Phoker, wohl für ihre Freundschaft mit den Thessalern büßen, d. h. nach einer Schlappe im Feld einen Hafen abtreten, während die Lokrer um die Thermopylen, wie später im dritten Heiligen Krieg, vorübergehend in Phokis einverleibt wurden. Diese Hypothese erklärt es auch gut, warum gerade Hyampolis und Opus in dieser Geschichte hervorgehoben sind. Ob die Phoker Daphnus noch behielten, nachdem sie von den Thermopylen verdrängt wurden, ist nicht überliefert. Während der Zeit aber, die zwischen der Schlacht bei Oinophyta und dem Ende des Peloponnesischen Kriegs liegt, ist die Gegend wahrscheinlich phokisch gewesen. Im J. 395 spricht Xen. hell. III 5, 3 von einer ἀμφίῦβητηαιμοζ χώρα zwischen OL und Phokis, worin die Opuntier die Einwohner ihnen Χρήματα τελεοαὶ (ἐλάσαι Schneider) zwangen. Zwar ist die Angabe des Historikers von Oxyrh. XIII 2f., diese sei vielmehr auf Parnassos gelegen, an sich viel glaubwürdiger (s. o. SuppL-Bd. III S. 93, wozu noch nachzutragen ist, daß Beloch 441 die Sache Xenophons, Walker The Hellen, Oxyrh. 128f., die des Historikers von Oxyrhynchos vertritt), und es wäre gewiß eine Ungereimtheit, wenn die Phoker nach dem Zusammenbruch Athens noch ein Stück Land der OL, Freunde von Sparta, behielten. Kehren wir aber zurück, so sollten die Lokrer (wahrscheinlich sind die beiden gemeint) dem Xenes Land und Wasser geliefert haben (Herod. VII 132). Die Mitwirkung der Lokrer setzt aber Diod. XI 3 (so auch Grundy Great Pers. War 230f.) nach dem Rückmarsch von Tempe, nicht vor, wie die Angabe bei Herodot es voraussetzt. Vielmehr ist sie erst nach der Schlacht an den Thermopylen geschehen, als sie wehrlos [1194] den Persern übergeben wurden, da die Lokrer am Kriege gegen Xerxes zu Lande und auch zur See (sieben Pentekonteren bei Artemision, Herod. Vin 1) teilnahmen (vgl. Beloch Griech. Gesek¹ II 1. 40. Macan zu Herodot. VII 132), und in einem Kriegsrat vor der Schlacht an den Thermopylen zusammen mit den patriotisch gesinnten Phokem und gegen die anderen Griechen darauf drangen (ἐπισπερχεόντων), daß die Verteidigung hier und 10 nicht am Isthmos geschehen sollte (Herod. VII 207), was, wenn sie die Sache der Hellenen verraten wollten, ganz sinnlos wäre. Sie waren πανστρατιά (Herod. VII 203), gewiß aber nur die OL (Diod. XI 4 zählt 1000. Paus. X 20, 2 gibt nicht mehr als 6000 an; vgl. u. Bevölkerung), ausgehoben zur Verteidigung der Thermopylen, und lieferten sieben Pentekontern bei Artemision. Als aber die Perser im Begriff waren, dem Leonidas in den Rücken zu fallen, ließen diese und die 20 meisten anderen Aufgebotenen ihn mit den Thes-

piern und Thebanern im Stich (ich folge dabei der Auseinandersetzung bei Grundy Great Persian War 307ff. und Beloch Griech. Gesch? II 2, lOOff. Dieser will aber Leonidas zu sehr herabsetzen, und Grundys Erklärung des Paniks ist auch etwas wahrscheinlicher). Die Lokrer ist es dabei leichter zu entschuldigen als die anderen, da sie nur kurze Zeit hatten, um ihre Habe vor den anstürmenden Persern in die Städte zu 30 bringen, während für sie wenigstens eine weitere

Verteidigung des Passes ganz aussichtslos war. Sie erniedrigten sich vor Xerxes und wurden von ihm verschont, wahrscheinlich durch Vermittlung der beiden befreundeten Thessaler, die wohl eine Art Oberherrschaft behaupteten, wie unter ähnlichen Zuständen bei den Doriern der Pentapolis (Herod. VIII 31), und selbst bei den Phokern (VIII 29). Bei Xerxes’ Vormarsch spricht Herodot (VIII 31) als ob die Kolonne, die von Trachis in 40 Doris einfiel, die einzige war. Das ist aber unmöglich, und die Hauptmasse der Truppen ist sicher durch OL gegangen, entweder auf dem Wege, der über Thronion und Elateia führt, oder auf dem, der an Opus und Hyampolis vorbeigeht (vgl. Macan zu Herod. VIII 33). Die Lokrer (d. h. die OL) sollen dem König nach Athen gefolgt sein (Herod. VIII 66), und ihre kleine Anzahl von Pentekonteren hat wohl auch an der Schlacht zu Salamis teilgenommen. Sie waren bei 50Plataiai anwesend (Herod. IX 31), doch als iθe-

λοκακέοντες (ib. IX 67) im Gegensatz zu den Thebanern. Die WL haben nie aktiv teilgenommen, auch nicht nach der Schlacht bei den Thermo-pylen, da sie damals, vor allen die Amphisseer, einige der vor den Persern fliehenden Phoker aufnahmen (Herod. VIII 32. 36), was kaum für ihre Erbfeinde die Phoker geschehen wäre, wenn alle Lokrer von Anfang an sich verräterisch verhalten hätten, wie die unglaubwürdige Angabe bei Hero-60dot lautet.

Zu einer Zeit, nicht lange vor 456» als die Athener sich der Stadt bemächtigten, isVeine Kolonie von OL aus nach NaupÄktoejgwiad worden. Darüber ist ein wichtigesAktenatackdie bekannte Epökeninschrift (IG IX 1« 384· Pyl 47), erhalten. Da Naupaktos schon vorter eine hervorragende Stadt gewesen ist, wie me Aiav· πάκτια ἔπη und die vorzügliche I*ge, die sie von [1195] Anfang an zur herrschenden Stadt von zwei größeren Ebenen machen mußte, erweisen, ist sie gewiß wohl nur kurze Zeit vorher dazu erniedrigt worden, eine neue Bevölkerung aus OL und Chalaion (wohl auch anderen Ortschaften von WL) schöpfen zu müssen. Das kann nur ein unglücklicher Krieg mit den Aitolern der angrenzenden Berge gewesen sein, da die Aitoler des Binnenlandes nach dem Besitz dieser die Verkehrsstraße zwischen Ther-mon und der Meerenge beherrschenden Stadt ge-1 trachtet haben müssen (vgl. B u s o 11 Griech. Geseh. III 1, 300). [Es ist auch denkbar, daß Naupaktos von dem Feinde vorübergehend erobert und von den Lokrern zuriickgenommen wurde, da der Ausdruck bei Thuk. I 103 Ἀοκρῶν wv Ὀζολῶν ἐχόντων, wie Curtius Herm. X 239 (nach ihm Classen und Croiset zur Stelle, auch Busolt III 1, 300, 2) bemerkt, den Besitz eines Orts im Krieg oder mit strategischer Absicht bedeute. Das trifft meistens wohl zu (aber* nicht immer, vgl. Steup zur Stelle), und der Ausdruck scheint etwas mehr vorauszusetzen als einfache Besetzung der Stadt oder Verstärkung der Einwohnerschaft einer schon besetzten Ortschaft. Doch geht Marchant zu Xen. hell. IV 6, 14 gar zu weit, indem er meint, daß Naupaktos ,had originally belonged to the Aetolians*; in der älteren Zeit ist sie stets als lokrisch bedacht.] Daß die Gefahr auch noch bestand, erhellt aus der Verordnung der Inschr. Z. 8 für den Fall, daß die ί Kolonisten ausgetrieben würden (was wohl auf äußerliche Gewalt deutet, obwohl Meister Das Kolonialrecht von Naupaktos, S.-Ber. Leipz. Akad. 1895, 238 es als ebensogut auf bürgerliche Zwistigkeiten passend auffaßt). Auch im J. 453 (vgl. E. Meyer Gesch. d. Alt, III 608 A), als sich die Messenier aus Oiniadai in Akarnanien nach Naupaktos zurückziehen mußten, gingen sie durch Aitolien, das ihnen damals freundlich gesinnt war (Paus. IV 5, 10), was Feindseligkeit gegen, die früheren Einwohner der Stadt, die die Messenier ausgetrieben hatten, notwendig voraussetzt. Äußeren Anlaß Zur Aussendung dieser Kolonie findet Curtius Herm. X 237ff. (vgl. Hicks-Hill Greek Hist. Inscr.² 33f.) in einem Bestreben der Korinther, die Stelle gegen einen erwarteten Angriff von Seiten der Athener zu sichern, und erklärt die schwere Strafe der Opuntier nach Oino-phyta als Vergeltung der Athener wegen ihrer Anteile an diesem Unternehmen, was zum Teil unnötig ist, zum Teil auch unwahrscheinlich (vgl. u.). Um die Besitznahme von Naupaktos durch die Athener, wobei wohl die einflußreichsten Lokrer fortgejagt wurden, mit Oinophyta zu verknüpfen, vermutet E. Meyer Gesch. III 597f., daß die Opuntier infolge der Niederlage den Besitz von Naupaktos verloren. Auch das ist wenig wahrscheinlich, erstens da die Ozolier im Besitz der Stadt waren (Thuk. I 103) und zweitens da die Kolonie Mitglied des westlichen Bundes verblieb (Z. 10) und das Bündnis mit Opus als vollkommen gleichberechtigt beschwor (§ A). Die Eroberung von Naupaktos ist vielmehr in den frühen Sommer von 457 anzusetzen, als eine athenische Flotte von 50 Schiffen in den korinthischen Meerbusen segelte, um den Abzug der Spartaner aus Boiotien zur See abzuschneiden (Diod. XI 80). Nach der Schlacht dann, als die Flotte zurück- [1196] kehren mußte, haben die Befehlshaber wohl einen Handstreich gegen Naupaktos versucht, um sich die Grundlage zu künftigen Handlungen in. den Gewässern zu sichern, und das Ereignis, weil kein organischer Teil der großen Kriegsunternehmungen dieses annus mirabilis von Athen, ist unerwähnt geblieben. Endzweck der Eroberung ist zwar, den athenischen Interessen im Westen einen starken Stützpunkt zu verschaffen und dabei auch den .0 Handel von Korinth beliebig absperren zu können, aber der unmittelbare Zweck ist wohl, den athenischen Handel, der das neugewonnene Pagai (um 460, vgl. E. Meyer Gesch. III 590) am korinthischen Meerbusen jetzt als Hafen benutzen konnte, gegen die westlokrische Seeräuberei, die noch lange Zeit nachher fortbestand (s. u. Staat und Kultur), zu schützen. Erfolglos ist die Aussendung der Kolonie geblieben und die lokrische, vor allem die ostlokrische Bevölkerung wurde !0 wohl verjagt, als Tolmides die Messenier im Sommer 455/4 (E. Meyer Gesch. III 602) ansiedelte. In den ersten Jahren der Besetzung (wie etwa vor dem Zug gegen Oiniadai um 453 bei Paus. IV 25, was eigentlich ein Ereignis der Geschichte von Athen und der Messenier, nicht der Lokrer, ist), spricht man nur von Messeniern zu Naupaktos, dagegen zur Zeit des Peloponnesischen Krieges ist das gesamte Volk der WL den Athenern und Messeniern freundlich gesinnt, einige benachbarte JO Orte wie Oineon, Eupalion und Molykreia sogar eng verbunden, so daß die Lokrer offenbar schon längst in die Stadt eingelassen worden sind, und das Siegesdenkmal zu Olympia etwa vom J. 423 (IGA 348. Syll.³ 80, vgl, Thumser in Hermanns Lehrb.⁶ I 1, 221, 7; und wahrscheinlich das auch zu Delphoi, Syll.⁸ 81) von Μεοοάνιοι καὶ Ναυπάκτιοι als gleichberechtigt spricht. Nach Ansiedlung der Messenier ist das ganze Land als athenische Abhängigkeit zu betrachten, den west-40 liehen Teil davon (wohl der Stadt Naupaktos

untertan) sogar als ein Stück des Reiches, zum Teil zwar aus Furcht, aber auch weil die Athener und Messenier doch die gehaßten Aitoler ;m Zaume hielten. Im J. 457, gleich nach der Schlacht bei Oinophyta, zogen die Athener gegen die Opun-tier, besiegten diese im ersten Treffen (Diod. XI 83), und nahmen als Geiseln die hundert reichsten Männer der Stadt (Thuk. I 109; vgl. Aristeides Panath. I 256 Dind.; ähnliche Maßregel zu Ere-50 tria im J. 444. Phot. Ἔρετριακος κατάλογος).

In diesen ,hundert Männern* sind schon längst die Häupter der ,hundert Häuser*, d. h. des lokrischen Adels erkannt (vgl. u. S t a a t und Kultur). Die Anzahl ist doch erstaunlich, w‘e Curtius Herm. X 239 hervorhebt, legt aber beredtes Zeugnis ab für die Bitterkeit, die die Seeräuberei der OL hervorgerufen hat (über diese und andere Indizien der Wut der Athener gegen die lokrischen Seeräuber s. Philol. LXVII 444ff.). - Zwischen der 60 Stadt Opus und dem Meer erstrecken sich lange

Dämme (auf der Karte der brit. Admiralty verzeichnet), die noch sehr leicht zu verfolgen sind. Roß Königsr. I 97 sah in diesen die Reste langer Mauern. Wenn das richtig ist, sind diese wohl sicher von den Athenern, oder auf ihren Antrag, gebaut worden, eben zu dieser Zeit, gerade wie sie das vorübergehend in ihrer Gewalt befindliche Megara verschanzten. [1197] Im J. 448/7 wurden Gesandte von Athen auch zu den Lokrern (gewiß den WL) geschickt, unter anderem mit der Absicht, gemeinsam gegen die Seeräuberei zu wirken; da die Spartaner aber nichts davon wissen wollten, ist das Unternehmen erfolglos geblieben (Plut. Per. 17. E. Meyer Gesch. IV 6f.). Unter den Aufständischen bei Koroneia im J. 447 befanden sich auch Lokrer (Thuk. I 113, 2), gewiß nur aus OL, und bei dem Frieden vom nächsten Jahre hat Athen auf alle 10 seine Errungenschaften der letzten Jahre außer Naupaktos und Aigina verzichten müssen, dabei auch auf die Herrschaft über OL. Am Anfang des Peloponnesischen Kriegs standen die Lokrer auf Seite der Spartaner (Thuk. II 9. Demosth. LIX 101. Diod. XII 42), zu deren Bundesheere sie imstande waren Reiter zu liefern (die kleine Flotte der Perserzeit ist wahrscheinlich von den Athenern vernichtet worden, und nie danach wieder ersetzt). Unter ΛοκροΙ bei Thukydides ist nur an die OL20 zu denken (vgl. Diodor), da die WL neutral oder sogar den Athenern gegenüber freundlich gesinnt waren, obgleich Thuk. II 9, 4 nur die Messeaier von Naupaktos als Verbündete der Athener in dieser Gegend aufzählt, wohl darum, weil sie die einzigen waren, die aktiv am Krieg teilzunehmen bereit standen. Die Ὀξόλαι ὄδτοι Δοκροί, die als Verbündete Athens bei Thuk. III 95, 3. 101, 1 erscheinen, sind das tatsächlich nur vorübergehend, als die Athener und Meesenier gegen ihre 30 Erbfeinde, die Aitoler, Iosschlugen, sonst blieben diese ganz ruhig; man durfte im allgemeinen nicht auf ihre Beihilfe rechnen. Also ist die Angabe bei Diodor, die Amphisseer standen von Anfang an auf Seite der Spartaner, unrichtig, und wohl nur aus ihrem Anteil am Zug von Eurylochos im J. 426 geschlossen (vgl. E. Meyer Gesch. III 545 A), was anders zu erklären ist (s. u.). Hier hat Ephoros den Thukydides zu berichtigen versucht (s. Schwartz o. Bd. IV S. 14), hat aber40 selbst einen Irrtum begangen. Bei Ausbruch des Kriegs, gleichzeitig mit dem ersten Flotteneinfall an die Küste des Peloponnes, rüsteten die Athener 30 Schiffe unter Kleopomp aus, die die lokrische Küste verwüsteten, Thronion eroberten und Geiseln nahmen, die Lokrer bei Alope schlugen, und von denen Thukydides ausdrücklich sagt (II 26, 1), sie seien geschickt περὶ τὴν Λοκρίδα καὶ Εὐβοιας δμὰ φυλακήν, d. h. um Euboia gegen die lokrischen Seeräuber zu schützen (Thuk. II 26, 1f. Diodor. 50 XII 44, 1). Später in demselben Sommer eroberten die Athener die Insel Atalante und verschanzten eie τὸν μὴ λίστας ἐκπλίοντας ἐξ Ὄπουντος καὶ τῆς ἄλλης Λοκρίδος κακουργειν τὴν Εὐβοιαν (Thuk. II 32, 1; vgl. Diod. XII 44, 1). Eine Garnison und einige Schiffe wurden beibehalten, wie aus Thuk. III 89, 3 (vgl. Demetr. von Kallatis bei Strab. I 60f. = FHG IV S. 381. Neumann-Partsch Phys. Geogr. v. Griechenl. 321f.) bekannt ist, denn durch das furchtbare 6( Erdbeben vom J. 426 war das φρουριον geschädigt und ein Schiff der Athener zerschmettert worden (s. o. Suppl.-Bd. III S. 174). [Wahrscheinlich ist Daphnus zu dieser Zeit in den Händen der Phoker, nach Demetrios zu schließen (s. o. Suppl.-Bd. III S. 326). Sie können den Ort nach Oinophyta erhalten haben (Beloch Klio XI 441) oder auch nach den athenischen Erfolgen am Anfang des [1198] Peloponnesischen Krieges.] Offenbar haben die Lokrer nach diesem Unglück der athenischen Garnison ihre Seeräuberei wieder aufgenommen, da die Athener noch einmal eine Flotte von 60 Segeln unter Nikias schicken mußten, um die Küste von L. wieder zu verwüsten (Thuk. III 91, 6. Diod. XII 65, hier im J. 424 gesetzt; das ist die Reihenfolge der Begebnisse bei Thukydides, doch ist es nicht sicher, daß sie gerade so aufeinander folgten; Nikias kann auch sehr wohl vor dem Erdbeben gesegelt sein (s. o. Suppl.-Bd. III S. 84. 326). Die Festung ist wahrscheinlich repariert worden, da auch fünf Jahre später (421), den Bestimmungen des Niklas-Friedens zufolge, Ata-lante von den Athenern übergeben werden sollte (Thuk. V 18, 7). Ob das wirklich geschah, ist nicht überliefert, doch nach dem Schweigen über Feindseligkeiten zwischen Athen und den OL während der letzten Jahre des Krieges - obgleich die Athener zuerst so energisch angriffen -, ist es wahrscheinlich, daß die Insel (wie einige andere Orte) nicht wirklich übergeben wurde, sonst hätte Euboia und die athenische Handelsflotte noch einmal von den Lokrern erheblichen Schaden gelitten. Lokrische Reiterei hall den Boiotern bei Delion im J. 424 (Thuk. IV 96, 8) Auch im J. 418, vor der Schlacht bei Mantineia, sind wohl lokrische Leichtbewaffnete in dem großen Heere des Agis gewesen (wie Bloomfield bei Poppo zu Thuk. V 64, 4, auf Grund der auffallend großen Anzahl der Boiotier, 5000 Hopliten und 5000 leichtbewaffneten, vermutete), konnten aber ein paar Wochen später, als die Schlacht bei Mantineia folgte, sich nicht zur rechten Zeit mit Agis vereinigen (Thuk. V 64, 4). Auch die WL sind in den Krieg verwickelt. Im J. 426 ist Amphissa zu den Spartanern übergetreten Öid τὸ τῶν Φωκέων Ἴχθος δεδιότες (Thuk. III 101, 2), ein Ausdruck, der eine sonst unerwähnte Fehde voraussetzt. Der genaue Sinn des Berichts bei Thukydides ist wegen der Kürze nicht mehr zu ermitteln (verschiedene Ansichten bei den Erklären! z. St. und Vischer Kl. Schr. I 60, 1) und hängt eigentlich davon ab, ob die öffentliche Meinung bei den Phokern damals nach Athen oder nach Sparta neigte, worüber man verschiedener Meinung sein kann und ist. Was die Stadt Amphissa selbst angeht, reicht die Stelle aus, zu erweisen, daß diese nicht an und für sich i die Sache Spartas verfocht, sondern nur durch Haß und Furcht den Phokern gegenüber an dem großen Krieg teilzunehmen angespornt wurde, iso daß ihre Meinung gegen Athen nicht unfreundlich war, was der Plan des Demosthenes (Thuk. III 95), gegen Doris und Phokis durch L. zu rücken, voraussetzt, da es sehr gefährlich wäre, durch einen engen Paß und an einer volkreichen Stadt wie Amphissa vorbeizuziehen, wenn diese feindlich gesinnt war, und der Paß bei) Amphissa war der einzige gangbare Weg, der nach Kytinion führte. Schon im J. 430 wurde Phormion mit 20 Kriegsschiffen zu Naupaktos aufgestellt, um Korinth von seinem Handel nach Westen abzuschneiden (Thuk. II 69), und* im nächsten Jahre erfocht er da zwei glänzende Siege über die Peloponnesier (III 83f. 86ff.). Die Geschichte des Zugs des Demosthenes im J. 426 wird erzählt bei Thuk. III 95ff. (und danach [1199] Diod. XII 60), am ausführlichsten besprochen von Vischer Kleine Schriften I 59ff. Woodhouse Aetolia 340ff. Die Ozoler in der Nähe von Naupaktos erscheinen als athenische Verbündete, die gegen die Aitoler leicht aufzuhetzen waren, leichtbewaffnete (ydoi ἀκοντισταί III 97, 2), wie die Aitoler selbst, und erfahren in deren Kampfesart (μάχης τε ἐμπειρία τῆς ἐκείνων), gewiß durch viele Fehden. Diese Lokrer sollten im Innern des Landes (d. h. wohl zu Physkos) sich versammeln, sind aber nie zum Schlage gekommen, weil Demosthenes zu schnell vordrang, ehe sie bereit sein konnten (es ist zu bemerken, daß Thukydides mit keinem Wort die Lokrer an der Katastrophe mitschuldig macht, wie Woodhause351,1 das zu tun geneigt ist). Noch im Herbst desselben Jahres unternahmen die Spartaner auf Antrieb der Aitoler mit Eury-lochos als Führer einen Rachezug, dessen Geschichte bei Thuk. III lOOff. steht. Als das Heer zu Delphoi versammelt wurde, schickte Eurylochos einen Herold voraus, der über den Durchmarsch verhandeln und zugleich die Lokrer von den Athenern abzufallen überreden sollte. Die Stadt Amphissa, bewogen nur durch ihre Gesinnung den Phokern gegenüber (vgl. oben), und dann eine Reihe von Ortschaften, deren Lage zum Teil noch unbekannt ist (Thukydides zählt die Myoneis, Ip-neis, Messapioi, Tritaieis, Chaleieis, Tolophonioi, Hessioi, Oiantheis, Olpaioi (1. Alpaioi) und Hyaioi auf, von denen die zwei letzten nur Geiseln lieferten), nahmen Teil an dem Feldzug. Die Korne Polis, Versammlungsort der Hyaioi, wurde erobert, dann Oineon und Eupalion, die mit Nau-paktos zusammenhielten (sie waren in seinem Machtbereich). In der Nähe von Naupaktos vereinigten sich dann mit dem Eurylochos die Aitoler, zusammen verwüsteten sie das Land und plünderten den unbefestigten Vorort und Molykreion (das ihr Besitz wohl seitdem geblieben ist, s. S a 1 -vetti Stud. di Stör. Antica II 97) auf der anderen Seite der Stadt. Naupaktos selbst ist in großer Gefahr gewesen, da seine Mauern ausgedehnt waren und di Zahl der Besatzung gering (viele waren bei dem unglücklichen Feldzug um-gekommen), wurde aber von Demosthenes mit Hilfe einer Abteilung von Akarnanen erfolgreich verteidigt. Eurylochos wandte sich danach zu einem Feldzug gegen Amphilochia und Akarnania, wobei er zunächst die Aitoler entließ (III 102, 7) und gewiß auch die Lokrer, da von diesen nachher kein Wort mehr gesagt wird. [Betreffs der Strategie dieser Feldzüge in Nordweslgriechenland, wobei das Glück dieser kleinen Völker rücksichtslos den Interessen der Großstaaten geopfert wurde, s. H. T. Dieckmann Über die Bedeutung des westlichen Kriegsschauplatzes für den archidamischen Krieg. Tarnowitz 1873,21ff.] Nach der furchtbaren Niederlage der Peloponnesier und ihrer Verbündeten nahmen die WL keinen namhaften Anteil mehr an dem Krieg, obwohl diese gewiß unter den σύμμαχοί der Athener bei dem fehlgeschlagenen Angriff auf Siphai unter Demosthenes im J, 424 mit eingegriffen haben, wie R o 11 s c h Die Westlokrer 44 hervorhebt (nach Thuk. IV 77; füge dazu IV 89), da außer den genannten Einwohnern von Naupaktos und den Akarnanen es in dieser Gegend nur die Ozoler als [1200] athenische σύμμαχοι gab. Zwar benutzten die Athener und die Messenier früher wie später Nau-paktos als Ausgangspunkt kriegerischer Unternehmungen, das alles ist aber die Geschichte einer fremden Besatzung im Lande. Zuletzt im J. 423 scheinen die Naupaktier in der Schlacht zu Sphak-teria mit Erfolg gekämpft zu haben. Das Ergebnis davon ist das schöne Paionios-Denkmal zu Olympia und wohl auch ein anderes zu Delphoi 10 (die Literatur zum Streit darüber bei Sylt³ 80.

81. Vgl. noch Roltsch Die Westlokrer 39–41).

Im J. 418 hat ein längerer Krieg zwischen Phokis und L. geendet, worin die Lokrer bei einer Schlacht mehr als 1000 Mann verloren (Dio-dor. XII 80 aus Ephoros; Thuk. V 32, 2 zum Sommer 421 hat nur καὶ Φωκεῖς καὶ ΛοκροΙ ἤρξαντο πολεμάν, was wohl nur ,die Überschrift eines später zu schreibenden Kapitels ist*, wie v. Wilamowitz S.-Ber. Akad. Berl. 1919, 949 20 richtig bemerkt hat). E. Meyer Gesch. IV 479 schlägt vor, dieser Krieg sei um die ἀμφωβητήῦιμος χώρα (Xen. hell. III 5, 3, s. u.) entzündet, was ja einleuchtend ist Er ist dann wahrscheinlich mit den WL, d. h. den Amphisseern, und nicht den Opuntiern ausgefochten worden, erstens weil nur 8 Jahre früher die Amphisseer die Phoker wegen Feindseligkeiten fürchteten und haßten (Thuk. III 101, 2, vgl. oben), während nichts davon bei den OL berichtet ist, zweitens weil 80 diese ἀμφιοβητήοιμος χώρα wahrscheinlich auf dem Parnassos lag (vgl. unten), drittens da die Lokrer (gewiß die OL) als spartanische Verbündete kurz vor der Schlacht bei Mantineia in der Peloponnes waren und zur Zeit der Schlacht sich nochmals auf dem Wege dahin befanden (vgl. oben), was kaum denkbar wäre, wenn sie erst wenige Tage vorher eine fast vernichtende Niederlage erlitten hätten, denn Diodor setzt das Ende dieses Kriegs kurze Zeit vor die Feldzüge in der Pelo-40ponnes. Über die damaligen Feindseligkeiten der Phoker und WL vgl. noch J udeich Rh. Mus. LXVI 97, 2. 106, 1.

Von jetzt ab werden die Lokrer in diesem Kriege nicht mehr erwähnt. Am Ende desselben mußten die Athener Naupaktos verlassen, und die Messenier wurden nach einer kleinen Pause daraus von den Spartanern verjagt, während die Stadt den Lokrern zurückgegeben wurde (Diod. XIV 34; vgl. XV 66, 5. Paus. IV 26, 2. X 38, 10). 50 Die Anklage des Verrates ist dabei gegen Lvkon, einen der Ankläger des Sokrates, von dem Komiker Metagenes (SchoL Plat. apol. 23 E. Kock I 707) erhoben worden; was dahinter steckt, ist nicht mehr auszumachen. Diodor setzt dies Ereignis in das J. 401/0, was aber wohl ein Jahr zu früh ist, da es kaum vor dem Feldzuge gegen Elis geschehen konnte, und das gehört in 399, s. E. Meyer Gesch. V 52 A. Atalante, obgleich bei den Geschichtschreibern nicht erwähnt, ist auch 60 zu derselben Zeit wieder lokrisch geworden. Das nächste Mal werden die Lokrer erwähnt, als wieder in einen Krieg mit Phokis verwickelt, im J. 395, am Anfang des korinthischen Krieges. Die zwei Berichte darüber stimmen darin überein, daß eine ἄμφισβητηαιμος χώρα zwischen L. und Phokis lag, daß die Lokrer. aufgehetzt von den Theba-nern, sich dieser bemächtigten, worauf die Phoker sogleich L. verwüsteten; ob dies aber OL oder [1201] WL gewesen sei, ist strittig. Xen. III 5, 3 nennt sie OL, der Oxyrh. Hist. XIII 2 (zugleich mit einer viel umständlicheren Darstellung) und Paus. III 9, 8ff. nennen sie WL, und das wohl mit Recht, denn dieser Historiker erweist sich als sehr gut unterrichtet über die Vorgänge im nördlichen Griechenland, da die Grenzlinie auf einer Bergkette wie dem Parnassos sehr leicht solche Verwirrungen hervor bringen konnte und tatsächlich hervorgebracht hat, wie die langen Zwistig-1 keiten zwischen Amphissa und Delphoi über ihre Grenze auf dem Parnassos lehren (vgl. zuletzt darüber Pomtow Klio XVI 1391), da die Am-phisseer im J. 426 derartige Feindseligkeiten erwarteten, und auch der Krieg vom J. 418 wohl in dieser Gegend sich abspielte (vgl. oben bei diesem Jahre, sowie für die Zeit kurz vor den Perserkriegen, und oben Suppl.-Bd. III S- 92f.). Als die Spartaner bald in den Krieg eintraten, machten gegen sie die Boioter, Athener, Lokrer u. a. ein 2 Bündnis, und ein Bruchstück des damaligen Vertrags zwischen Athen und den Lokrern (ungewiß ob OL oder WL) ist noch erhalten (IG II 7. II² 15. Vgl. Koehler Herm. V 2f. Hicks Hist Inscr. 85). Bei der Rückkehr des Ismenios von seinem Feldzug gegen Herakleia in Trachis (wohl noch in demselben Jahr), als er in der Nähe von Naryx in OL lagerte und wohl in Phokis einzurücken vorhatte, überfiel ihn das phokische Aufgebot, erlitt aber einen empfindlichen Schlag * (Diod. XIV 82). In der Schlacht von Korinth (oder Nemea) im nächsten Jahre lieferten die Opuntier 50 Reiter, die Ozoler eine Schar leichtbewaffneter (Xen. hell. IV 2, 17), und zu Koroneia, nur kurze Zeit nachher, sind ΛοκροΙ ἀμφότεροι anwesend (Xen. hell. IV 3, 15. Ages. II 6. Plut. ap. Laced. 47). Ein paar Tage nach der Schlacht bei Koroneia wurde der spartanische Polemarch Gylis und noch 17 andere Spartaner von leichtbewaffneten Lokrern, deren Land sie verwüsteten, -getötet (Xen. hell. IV 3, 21 ff.). Hier sind unter ΛοκροΙ wahrscheinlich WL zu verstehen (wie Marchant z. St. bemerkt), da das Heer kurz danach zu Schiffe nach der Peloponnes zurückgezogen ist, Agesilaos eine Zeit zu Delphoi verweilte, sowie die WL als Anstifter des Kriegs einer besonderen Bestrafung von Seiten der Spartaner schuldig waren [Roltsch Die W’estlokrer 47, 3 meint, daß bei Xenophon dieser Zug nach OL unternommen wurde, was wohl ein Versehen ist, da Xenophon nichts von OL sagt.) Die bergige Landschaft paßt auch besser auf WL als auf OL, wo die Hauptstadt Opus am Rande einer größeren Ebene liegt. Im J. 389 führte Agesilaos den verbündeten Achaiem zuliebe einen Feldzug gegen die Akarnanen. Als er nach Hause ging, ließen ihn die Aitoler in Ruhe ihr Land durchziehen, da sie ἤλπιζον Ναύπακτον αὐτοῖς οὐμποάξειν ὤστ’ ἀπολαβείν (Xen. hell. IV 6, 14). Wer die Stadt damals besetzte, ist nicht überliefert, wohl sicher aber die Achaier (das wird verneint von S a 1 v e 11 i Studi Stör. Ant. II 103, sowie von Swoboda Hermanns Lehrb.⁶ I 3, 373, 5 nach Freemann aber ohne ausreichende Gründe; vgl. u. zum J. 347), die einige Jahre später hier und zu Kalydon Varen, während sie schon zu dieser Zeit Kalydon besetzt hielten, dessen Einwohner sie zu Bürgern gemacht hatten, eine Aus- [1202] breitung, die sie kaum gewagt hätten, wenn sie nicht die Meerenge von Naupaktos in ihrer Gewalt hatten. Worauf der aitolische Anspruch fußte, wird verschwiegen, wahrscheinlich ist es aber, daß sie die beinahe wehrlose Stadt, nachdem sie im J. ' 399 den kraftlosen WL zurückgegeben war, bald eroberten (so Unger Philol. XXXIII 43f.), während sie kurz danach (vielleicht schon 394 Oberhummer Akarnanien 119, 6) durch die OAchaier herausgejagt wurden, die auch altaito-lischen Besitz, wie Kalydon, ergriffen; möglich aber auch, daß die Aitoler an eine frühere Okkupation dachten, die vor der Zeit der Epökie (vor 456) lag (vgl. o.). Marchant zu Xen. hell. IV 6, 14 meint, daß Naupaktos ,originally belonged to the Aetolians¹, aber die alten Sagen von der Rückkehr der Herakliden und von Hesiods Tode kennen hier nur Lokrer, sowie alle die Geographen, die die älteren Zustände wiedergeben, Stra-!0 bon, Ptolemaios, Pausanias usw. Nur Tzetzes

Arg. et Alleg. in IX II. 103. 105 (bei Matranga Anecd.) will Naupaktos zu Meleagers Zeit für aitolisch erklären; vielleicht führt er dabei, ohne es selbst zu wissen, eine Behauptung der Aitoler selbst an, die aber nicht richtig ist. Nachdem Frieden des Antalkidas im J. 387 ist L. (WL sowohl als OL) wieder unter die Hegemonie von Sparta gekommen, worin sie den 9. Kreis bildete (zur Heeresfolge im J. 378/7 s. Diod. XV 31, 2). Über) 0 diese Neuordnung als Folge der Wiederherstellung des athenischen Bunds im J.378 s. Roltsch 47. Das Aufgebot des gesamten spartanischen Bundes bei den beiden Angriffen des Agesilaos auf Boiotien im J. 378 und 377 (E. Meyer Gesch. d. Alt. V 379.388) hat wohl die OL und WL einbegriffen (Diod. XV 32, 1 ἔχων πάντας τοὺς ὀτρατιώτας. 34, 1 τῆ αὐτὴ δυνάμει; vgl. R o 11 S C h 48), obwohl sie nicht erwähnt sind. In diesen Zeitraum fällt die wohl kurzlebige Tyrannie des Phriko-40 damos zu Oiantheia, der sich sehr gewalttätig benahm und schließlich von seinen Mitbürgern niedergemacht wurde. Er war wohl wegen Seeräuberei (Oiantheia war seit jeher durch seine tüchtigen Seeleute bekannt) in einen Krieg mit den Akarnanen verwickelt, die seinen Sohn Herakon zu Tode folterten (Polyaen. VIII 46), was eine Bitterkeit, wie sie die Seeräuberei hervorzubringen imstande ist, voraussetzt. Derartiges in diesen Wässern ist ohnehin in der chaotischen Zeit 50 nach dem Verfall Athens zu erwarten. Sein Tod wird kurz vor das vernichtende Erdbeben zu He-like (373) gesetzt. Im allgemeinen vgl. noch Plaß Die Tyrannis² II 71. Oberhummer Akarnanien 127. Pöhlmann Grundr. d. griech. Geschichte⁵ 258.

Nach Leuktra (37Î) wurden die Lokrer durch die Boioter und auch Iason in das Fahrwasser Thebens gelenkt (Diod. XV 57). Gleich nach der Schlacht verwüstete Iason beim Rückmarsch 60 Hyampolis, ἐστράεθνσεν εἰς τὴν Λοκρβά, und dann vernichtete er das trachinische Herakleia (Xen. hell. VI 4, 27. Diod. XV 7, der die Vernichtung von Herakleia irrtümlich ins J. 370 setzt). Nun steht bei Euseb. praeg. evang. VI 7 (260 a) ein Orakel, wonach die Lokrer Wegen ihrer Vernichtung (ἐξεύες nàhv) von Herakleia durch eine von Zeus geschickte Hungersnot litten. Gif-f o r d z. St. bezieht dies auf die Schläge, die Hera- [1203] kleia von den Thessalern, Meliern, Doiopern, Ainia-nern, Oitaiern erlitt (Thuk. III 93. V 91). Das ist sicher falsch, da die Stadt damals nicht zerstört wurde (in einer langen und wechselvollen Geschichte ist sie erst im J. 371 tatsächlich zerstört werden), die OL damals treue Verbündete der Spartaner waren und Thukydides, obgleich er eine Menge von anderen Feinden aufzählt, kein Wort von den Lokrern sagt. Kombiniert man aber die Angaben des Xenophon, Diodor und des Orakels, so ergibt sich, daß Iason die OL für ihre freundliche Stellung den Spartanern gegenüber zu bestrafen bereit war, diese aber sich vor ihm demütigten; sie mußten dann bei demAngriH aufHera-kleia Zuzug leisten, d. h. sie wurden gezwungen, sogleich gegen alte Freunde und Verbündete vorzurücken, was ihre Tat als gottverhaßt (bei der Zerstörung sind die Tempel wohl auch einbegriffen) und verräterisch erscheinen ließ. Uber die Zeit der Hungersnot und des Orakels kann man nur vermuten, sie stammen aus einer Zeit, als Sparta noch ein gewisses Ansehen behauptete, d. h., wohl vor Mantineia (362). Beim ersten Angriff auf die Peloponnes (370/69) sind OL und WL als Verbündete Thebens anwesend (Xen. hell. VI 5, 23. Ages. II 24. Diod. XV 62); die lokrische Reiterei (Xen. hell. VI 5, 30) lieferte wohl nur OL, die WL haben wohl nur Leichtbewaffnete, wie bei Koroneia, gestellt. Auch im J. 368 leisteten wahrscheinlich die Lokrer dem Epameinondas Zuzug (Xen. hell. VII 1, 15 ol Θηβαίοι καὶ οἱ σύμμαχοι) und wieder 367 (Xen. hell. VII 1, 42 στρατεύουσι πάντες ol σύμμαχοί), vgl. Roltsch 48. Im J. 367/6 nahm Epameinondas Naupaktos von den Achaiern und ,befreite' es (Diod. XV 75, 2), d. h. wohl, indem er es den Lokrern zurückgab (nicht den Aitolern, wie Unger Philol. XXXIII 44f. und Hohmann Aitolien (1908) 32 meinte), die aber den Ort wohl bald danach an die Aitoler wieder verloren, da es wahrscheinlich im J. 348 (oder Anfang 347) ihnen gehörte (Ps.-Skylai 12; vgl. Unger 41ff.). In OL hat Epameinondas den ausgezeichneten Hafen von Larymna stark befestigt als Stützpunkt für seine neue Seemacht, die schon im J. 364 ihm erlaubte, aktiv zur See zu erscheinen. Die schöne Befestigung der Stadt gehört daher dieser Zeit an, und damit stimmt die Angabe bei Paus. IX 23, 7, wonach Larymna sich freiwillig an die Boioter übergab, was leicht erklärlich ist, da die Wohlhabenheit der Einwohner dieser kleinen Stadt sofort gewaltig steigen mußte, als die Thebaner hier einen Kriegshafen zu bilden anfingen (vgl. die ausführliche Besprechung der Sache Amer. Journ. Arch. XX 51f.). [Sehr gewagt ist die Ansicht von Babelon Traité z. Partie III 275f., auf Grund der Aufschrift ΛΩ auf einigen böotischen Münzen aus der Zeit nach 456, daß Larymna schon damals böotisch war.] Auch leisteten die Lokrer Zuzug, als Epameinondas die Peloponnes zum letzten Male im J. 362 angriff (Diod. XV 85, 2, merkwürdigerweise nicht von Xenophon erwähnt). Zwar gingen die Phoker diesmal nicht mit (Xen. hell. VII 5, 4), aber diese sind immer unwillige Verbündete, ganz anders wie die Lokrer. Im J. 360 bezahlten die Λοκρο'ὶ Ἐσ.τέριοι als selbständiges Volk dem Gott in Delphoi 750 Drachmen (SyD? 239 E).

Um 356 brach der dritte heilige Krieg aus. [1204] [Bedenken betreffs der Chronologie und noch anderer Angaben bei Diodor sind in den letzten Jahren vorzüglich durch die Studien von Kahrstedt Die Politik des Demosthenes (1910). P o · k o r n y Stud. zur griech. Gesch. im 6. und 5. Jahrz. des 4. Jhdts. v. Chr. (1913). Cloché Étude chronol. sur la troisième guerre sacrée (1915) wach geworden. Diese alle im einzelnen zu besprechen fehlt hier der Raum; ich gebe da-10 her die abweichenden Ansichten meistens parenthetisch an, mit ein paar kurzen Bemerkungen dazu.] Gleich (παραχρημά) nach der Besitznahme von Delphoi durch Philomelos (über das Jahr vgh Pokorny 20ff. Cloché 46ff. für die Lit.) griffen die entrüsteten Lokrer der Umgebung (d. h. die Amphisseer, vgl. Pokorny 10), wohl durch den alten Haß aufgestachelt, die Phoker an, wurden aber in einem Gefecht geschlagen, wobei viele umkamen (Diod. XVI 24; dies ist ins J. 355 zu 20setzen, Pokorny 1f.; 356 wird angenommen von Kahrstedt 38. Cloché 57ff. und anderen vor ihnen). Auch sollen die Lokrer sofort den Krieg gegen Philomelos angekündigt haben, gerade wie die Boioter (Diod. XVI 27, 5). Diese förmliche Kriegserklärung kann sehr wohl einige Zeit später erfolgt sein, da es bei dem Angriff auf Delphoi gewiß auf eine Überrumpelung abgesehen war (gegen Pintschovius Xen. de Vect. V 9 usw. Progr. Hadersleben [1900] 27, der den 30 Angriff einige Monate später ansetzt, vgl. P o -k o r n y 22). Dieser Angriff nun erscheint in offenbar verdoppelter Fassung (die zweite Erzählung setzt ihn noch in das folgende Jahr) bei Diod. XVI 28, wo als Angreifer speziell die Amphisseer genannt werden und die Schlacht auf den Phaidriaden geschieht (zuerst erkannt von Schaefer Demosth.² I 495; weitere Lit. darüber, wobei die ganze Frage der zwei Quellen mit im Spiel ist, bei Pokorny 16ff. Cloché 20ff.). Nach 40 dieser Schlacht dann soll, noch im J. 355 (356

Kahrstedt), Philomelos die Lokrer (d. h. die WL, s. die Lit. darüber bei Pokorny 11; gegen Pintschovius 27, der diesen Rachezug in das nächste Frühjahr versetzt, s. Pokorny 23) und ihr Land verwüstet haben, als Rache für ihren Angriff (dabei weigerten sich zuerst die Lokrer, die Leichname einiger Soldaten wegen gemeinter Tempelräuberei auszuliefern), ohne aber einer einzigen Stadt Herr werden zu können (Diod. XVI 50 25). [C1 o c h é s Ansicht (9ff. 27ff. 59ff.), daß es zwei Angriffe auf die Lokrer im J. 355 nach dem Beschluß der Amphiktyoner gab, und daß beide gegen OL geführt wurden, kann ich aus mehreren Gründen nicht beitreten.] Nach einem mißglückten Angriff im J. 354 nach Diodor, aber wirklich dem einzigen, dem vom J. 355 (356 Kahrstedt), beschwerten sich die Lokrer (d. h. die WL) bei den Thebanern über die Phoker, und in der darauffolgenden amphiktyonischen Versamm-60 Iung an den Thennopylen (im Herbst) beschlossen die Lokrer (OL und WL), Boioter, Thessaler und andere Krieg gegen Phokis (Diod. XVI 28). Wahrscheinlich schon in dieses Jahr und wohl auch vor die amphiktyonische Versammlung ist das Bündnis zwischen Athen und die Lokrer (wohl nur die OL) zu setzen (IG IP 148. Syll.³ 198). Das an sich sehr auffallende Ereignis, wie Koeh-1 e r und andere es nennen, ist wohl so zu erklären, [1205] daß die Athener gleich am Anfang der Besitznahme von Delphoi mit den OL, d. h. eigentlich mit der Stadt Opus, ein Bündnis schlossen (daß es auf ihren eigenen Antrag geschah, ist aus der Form des Vertrags klar, und die Sache wird als überaus eilig betrachtet), um zu verhindern, daß diese an dem schon vorauszusehenden Krieg teil-nahmen, dazu auch wohl, daß die Athener ihre Truppen leicht mit denen der Phoker vereinigen könnten, wenn es zu Schlachten käme. Freilich ist 1 der Einfluß Thebens und der ererbte Haß gegen Phokis zu stark, als daß dieser Versuch der Athener alles, was sie wünschten, erlangen konnte, denn im Herbst sind die OL dem Bund gegen Phokis beigetreten. Aber zum Teil mögen doch die Athener etwas geleistet haben. Merkwürdigerweise nahm die Hauptstadt Opus augenscheinlich keinen Anteil an dem Krieg, wenigstens wird sie dabei niemals erwähnt. Eine gewisse Neutralität oder Lauheit des Sinnes wäre dann auf dieses 2 Bündnis zurückzuführen, während die anderen alten und ehrwürdigen Städte, Amphissa, Thro-nion, Naryx, schwer litten. Ohne Opus direkt zu nennen, aber wahrscheinlich auf es deutend, erzählt Diod. XVI 33, 2, wie Onomarchos mit den delphischen Schätzen διθφθειρὲ δὲ καὶ τῶν πολεμίων πολλούς, οὐς μὲν συμμαχεῖν πείρων, οὐς δὲ τὴν ἠσυχίαν ἔχειν ἄξιων. Ferner wurde dem Phayllos bei seinem Angriff auf Naryx am Anfang mit Verrat geholfen (XVI 38, 3). Die zwei lok- ί rischen Naopoioi vom Frühjahr 353 sind zweifelsohne aus OL, der eine wohl von einer befreundeten Partei zu Thronion oder Skarpheia, da er im Herbst nicht mehr erscheint, der andere von Opus, da er noch im Herbst nach der Eroberung der Gegend um die Thermopylen fungierte (Syll.³ 241A 34. 44. Vgl. Pomtow Klio VI 102. Cloché Bull. hell. XL 90f., die aber die richtige Erklärung betreffs Opus nicht gesehen haben). Vielleicht ist daher in der bekannten Weihung· der silbernen Hydra am Ende des Krieges ein etwas schauspielmäßiger Versuch zu sehen, die Ehre von Opus vor dem Vorwurf zu retten, sie habe durch sein Zurüekhalten profitiert, denn wenn die Stadt die ganze Zeit hindurch aktiv am Krieg gegen Phokis beteiligt war, wie kam es dann, daß so viel phokisches Geld sich gerade da befand? [Die oben angeführte Inschrift reicht auch wohl aus, Schaefers Vermutung (Demosth.⁵ I 489). die Lokrer seien bei dem ersten amphiktyonischen Verdammungsurteil (357/6), das den Krieg hervorrief, mit den Thebanem und Thessalcrn vereint worden, dahin zu modifizieren, daß die Opun-tier dabei wahrscheinlich nicht beteiligt waren.- Das Bündnis ist auch nicht nach dem Umsturz von OL und WL im J. 353 zu setzen, denn damals war die Sache nicht eilig, und die Lokrer existierten kaum mehr als eine selbständige Macht.]

Im J. 354 (356 Kahrstedt 38; auch Schwartz Herm. XLIV 487 identifiziert diesen Zug mit dem von Kap. XXV 2f.; vgl. gegen diese Ansicht Pokorny 19. Cloché dagegen setzt beide Angriffe in das J. 355, S. 59ff.; vgl. oben) zogen die Phoker gegen OL, wo sie zuerst in einer Kavallerieschlacht die Lokrer undBoioter schlugen, und dann die Theäsaler bei dem Hügel Argolas, wurden aber selbst später durch die Boioter (die Lokrer werden nicht erwähnt, sind auch wohl [1206] Lokris (Geschichte) 1206 nicht dabei, da die Schlacht auf dem Parnassos geschah) überwunden (Diod. XVI 30. 31). Es ist von einer Stadt gesprochen (31, 2), der Name aber wird nicht angegeben; sie ist wohl Thronten oder Skarpheia. Möglich ist es freilich, daß die verschiedenen Operationen in Kap. 30 und 31 nicht gleich nacheinander folgten, und nicht alle (die letzte Schlacht wurde zu Neon auf dem Par-napsos gefochten, Paus. X 2, 4) in L. geschahen .0 (Kahrstedt z. B. setzt 30, 4 und wohl auch 31 in das J. 355 = 354), wahrscheinlich aber nicht. Den richtigen Zusammenhang dieser Ereignisse haben Schaefer I 501 und Pint-schovius 18 gesehen; vgl. noch Pokorny 24f. Diese ersten Schlachten begaben sich wohl um die Thermopylen, die zu behaupten für die Phoker sehr wichtig war, obwohl Diodor von keiner bestimmten Gegend spricht. Im J. 353 (354 Kahrstedt 43. Cloché 65f.) hat Ono-!0 marchos Thronion zerstört (diese Stadt wurde aber wieder aufgebaut, da eine Besatzung der Phoker den Ort im J. 346 besetzt hielt, Aisch. II 132, und ein Naopoios aus Thronion erscheint im J. 346 SyU.3 241, 79; vgl. Cloché Bull. heU. XL 81. 90) und die Einwohner verkauft (Mai 353 nach Pomtow Klio VI 102, 1, aber wohl schon früher im Jahr, wie Pokorny 27 vermutet), sowie Amphissa zur Unterwerfung gebracht (Diod. XVI 33, 3) und eine Besatzung dorthin geschickt, 10 wie aus Plut. mul. virt. 13 (ΦωκΙδες, zu lesen ist Λοκρίδες) zu ersehen ist (zur Sache vgl. Rapp Rh. Mus. XXVII 21f. Rohde Psyche 343, 1). Von jetzt ab sind die Phoker im Besitz der Thermopylen, was sehr wichtig war, um ihre Feinde auseinander zu halten und zugleich einen Ausgangspunkt für eine größere Unternehmung gegen Thessalien zu schaffen (vgl. Demophilos FEG II 86 a. Demosth. XIX 94). Hier waren die wichtigsten Posten Alponos, Nikaia und Thronion 40 (über ihre strategische Bedeutung s. Strab. IX 418), und diese besetzten die Phoker mit Garnisonen, da sie diese drei Orte noch im J. 346 behaupteten (Aisch. II 132. 138). Die phokische Herrschaft erstreckte sich damals wohl auf Daph-nus (s. d.), und sicher auf die dazwischen liegende Knemis (Skyl. 61; vgl. Unger Philol. XXXIII 37). Jetzt durften die Phoker gegen Thessalien vorgehen (Kahrstedt 44 setzt das noch ins J. 354 bezw. 353, etwa gleichzeitig mit den An-50 griffen auf Amphissa und Thronion), aber nach dem Zusammenbruch in diesem Lande vermochten sie nur durch energisches Eingreifen ihrer Verbündeten, der Athener, Philipp von Mittelgriechenland abzuhalten, die eine starke Flotte dahin schickten (Diod. XVI 38, 2. Hyp. zu Dem. V. Iustin. VIII 2, 8 usw.). [Daß auch Spartaner und noch andere daran beteiligt waren, wird mehrfach behauptet, die Lit. bei Pokorny 30f.] Kahrstedt 44 setzt das ins J. 346; vgl. dagegen 6QPokorny 32f. Darauf folgt bei Diodor die Geschichte eines Zugs im J. 352 (Anfang des Zugs 353, Einnahme von Naryx 352 nach Kahr-stedt 46; dagegen mit Recht Pokorny 33f. Cloché 102ff.) gegen die ἨπιχνημΙάκ, und nachher gegen die Stadt Naryx, die nach vorübergehender Hilfe der Boioter genommen und vernichtet wurde. [Diese Zerstörung von Naryx ist wohl die Ursache der Unterbrechung bei der Sen- [1207] düng der lokrischen Mädchen nach Dion, die Ti-maios in Zusammenhang mit diesem Krieg bringt, Wilhelm Jahresh. Arch. Inst. XIV 183]. Unter Ἐπικνημίδιαι denkt Diodor offenbar an die Lokrer um die Thermopylen, sein eigener Bericht aber (sowie alle anderen Angaben) zeigt, daß Naryx in der Nähe von Opus undAbai war. Wahrscheinlich dann nur auf den westlichen Teil dieser Landschaft bezieht sich seine Aussage, Phayllos diesmal τὰς μὲν ill«; πόλεις ἐχειρώσατο πάσας, da es sonst nicht berichtet wird, und dabei ist auch ganz unglaublich, daß er sich je Opus bemächtigte. Dieser zweite Zug gegen die Städte um die Thermopylen setzt wohl voraus, daß, nach der Niederlage in Thessalien, als die Phoker den Paß nicht mehr zu halten imstande waren (und gewiß nach dem Abzug der Athener), die Lokrer der Gegend aufgestanden waren und die Besatzungen ausgetrieben hatten. Cloché irrt, wenn er die .conquête totale et définitive* des westlichen Teiles des OL ins J. 352 setzt (Bull. hell. XL 91, 1). Das war Unterdrückung eines Aufstands, da die Eroberung von Thronion und der darauffolgende Einfall in Thessalien die vollständige Unterwerfung der Gegend um die Thermopylen voraussetzen. - Nach den großen Siegen des J. 347, wobei die Phoker Herren von Orchomenos, Koroneia und Korsiai wurden, ist wahrscheinlich Naupaktos von den Achaiern zurückgewonnen worden (Unger 45), denn diese waren sehr eifrige Verbündete der Phoker und behaupteten die Stadt auch nach 346 (was freilich noch nicht aufgeklärt worden ist), bis sie endlich von Philipp im J. 339 den Aitolern übergeben wurde. R o 11 s c h Die Westlokrer (1914) 49 vermutet, die Achaier hätten Naupaktos kurz nach dem Tode des Epameinondas gehalten, übersieht aber das Zeugnis von Ps.-Sky-lax, wonach die Stadt noch 348 aitoliseh war.

Endlich im J. 346, als Phalaikos zu Nikaia .weilte*, machte er ein Zugeständnis an Philipp (Diod. XVI 59, 2; daß Philipp damals schon in L. [θκεν εἰς τὴν ΛοκρΙδά] stand, kann sehr gut sein, der Bericht des Diodor darüber ist nicht bestimmt; der Ausdruck διατριβῶν deutet wohl auf Verrat oder wenigstens Nachlässigkeit auf Seiten des Phalaikos). Dabei kamen Nikaia und Thronion (Aisch. II 140) und gewiß auch Alpo-nos in die Hände Philipps. Die Anträge der Athener und dann auch der Spartaner, die darauf zielten, Alponos, Nikaia und Thronion zu besetzen, wurden von den Phokern abgelehnt (Aisch. II 132ff.). Philipp und die Thessaler sind sogleich mit dem thebanischen Heere und den Lokrern in Verbindung getreten (Schob Aisch. II 94), wohl aber nur mit Gesandten der Lokrer, denn an ein lokrisches Heer ist damals kaum zu denken, außer von Opus, das auffallenderweise in diesem Kriege nie erwähnt wird und offenbar aktiv nicht daran teilnahm. Bei der Versammlung der Amphiktyonen im Herbst waren die Lokrer anwesend (Demosth. XIX 62), obgleich die Friedensbestimmungen nur die Phoker und Philipp erwähnten. Sdbstver-ständlich verloren die Phoker ihre Eroberungen in L., wovon Nikaia den Thessalern übergeben wurde (Aisch. III 140. Demosth. Phil. II 22 und Schob dazu, und zwar nach einem amphiktyoni-schen Ausspruch, Philoch. bei Didymos, Berl. Klassikertexte I, XI 37ff., vgb darüber Glotz Bull. hell. [1208] XXXVI 532f.), das sie nur als Stellvertreter Philipps behielten (im J. 340 spricht Demosth. XI 4 so, als ob Philipp selbst die Stelle hielt Nbtauw φρουρὰ κατέχων [vgl. VI 7], und ähnlich Philochoros vom J. 339 ὑπὸ Φιλίππου φρουρουμένην; meistens wird danach angenommen, Philipp habe die Thessaler durch makedonische Truppen ersetzt, wie von Schaefer II 429, 2, der das Ereignis ins J. 342 setzt, Glotz Bull. hell. XXXIII 529. lOXLIV 1531. usw.; das ist aber nicht notwendig, da Thessalien nur ein lenksames Spielzeug in seiner Hand war), und wohl auch Daphnus, das von jetzt ab stets als lokrisch betrachtet wird. [Daß die Thebaner damals einen Anspruch auf Nikaia als eine thebanische Kolonie machten, wie Glotz Bull. hell. XXXIII 528f. XLIV 114, 2 angibt (vgl. Valeton Mnem. XXXVI 109, wohl nach Schaefer II 429), ist unzulässiger Schluß aus einem törichten Scholion zu Demosth. XI 4, das 20 offenbar einen falschen Text voraussetzt.] Die

Lokrer waren ohnehin zu schwach, eine Stelle von solcher Wichtigkeit wie Nikaia zu behaupten, und hatten dabei in diesem letzten Kriege furchtbar gelitten. Dazu waren die Thessaler seit altersher ihre Freunde. Die Ansicht, daß Philipp die Lokrer jetzt von dem bekannten Jungfrauentribut endgültig befreite (Schaefer II 288, 1, nach Schömann aus Timaios frg. 66), ist irrig; der Brauch ist nur zeitweilig unterbrochen worden, 30 und das Aufhören ist wahrscheinlich nur die natürliche Folge der Zerstörung von Naryx während des Kriegs, s. o. zum J. 352. Jetzt weihten die Opuntier dem Apollon eine aus dem Silber des Tempelschatzes angefertigte Hydria, als Zeichen ihrer Frömmigkeit (Plut. Pyth. Or, 15; vgl. Hill Hist. Greek Coinage 90f.), es können aber auch andere Absichten dabei im Spiele gewesen sein (vgl. o.).

Im J. 342, als Philipp im Westen tätig war, 40 hat er den Aitolern, Feinden der Achaier, versprochen, ihnen den Besitz von Naupaktos zu verschaffen (Demosth. Phil. III 34), was wohl in einem förmlichen Vertrage aufgezeichnet wurde, da nach der Besetzung von Elateia im J. 339 Gesandte auch von den Aitolern zusammen mit Thessalern u. a. nach Theben geschickt wurden (Philoch. frg. 135, auch bei Didymos zu Demosth. XI 4, Berl. Klassikertexte I, XI 37ff.; vgl. Beloch Griech. Gesch. II 545). Eine gelegene Zeit 50 ist schnell gekommen, denn schon im Herbst 340 ist der Streit zwischen Athen und Amphissa entbrannt (Beloch II 556, 3. Kromayer Ant Schlachtfelder I 181ff. Kahrstedt 86). Die Lokrer von Amphissa standen damals ganz unter dem Einfluß von Theben (Aisch. III 116 ὑποπεπτωκότες τότε καὶ δεινώς Φεραπεύοντες τοὺς Θηβαίους). Nach dem Zusammenbruch von Phokis sind die Boioter die größte Macht im Mittelgriechenland, und die Lokrer beider Teile des Landes waren ihnen seit altersher gut befreundet. Jetzt hatten die Amphisseer die Absicht, bei der Amphiktyonie gegen Athen eine Klage einzubringen wegen der Weihung einiger Schilde, die eine den Thebanern höchst unangenehme Inschrift trugen (Aisch. III 116). Während die Sache noch diskutiert wurde, ehe eine förmliche Klage gegen Athen eingebracht worden war (darin hat Demosth. XVIII 150 wohl technisch recht, im allgemeinen aber will er eine [1209] falsche Verstellung erwecken; vgl. Schaefer Demosth.² II 535. Beloch Griech. Gesch. II 556, 3; εἰσέφερον δόγμα sagt Aisch. III 116 ganz genau), wurde Aischines von einem ziemlich grob redenden Amphisseer so aufgeregt, daß er in einem heftigen Angriff auf Amphissa Iosschlug, wobei er auf die Tatsache hinwies, daß diese sich des verfluchten Gebiets von Krisa bemächtigt hatten (Aich. III 1133.). Wir haben oben gesehen, daß nach dem ersten heiligen Krieg Amphissa etwa 1 die Stelle von Krisa im unteren Tal und am Meeresstrande eingenommen hat. Während des phokischen Kriegs aber hatten die Tyrannen gewiß diesen sehr wichtigen Hafen besetzt (die Truppen ihrer Verbündeten in Achaia und Lakedaimon sind wohl hier gelandet; das und nicht nur die Rache ist die Ursache des ersten Zugs gegen Amphissa und der späteren Besetzung der Stelle mit Truppen; vgl. Schaefer Demosth.² II 536).

Nach 346 ist das Gebiet wieder in die Hände der 2 Amphisseer gekommen, die es wohl als Vergeltung für ihre Kriegsschäden verlangten, und dabei waren die Delphier wohl zu schwach, den Platz zu halten. Sie haben dann die Felder bebaut. Ziegelhütten und Gehöfte errichtet und den Hafen (Kirrha, nicht Chalaion, da Demosth. XVII 152 von den Κιρραίοις καὶ Λοκροῖς spricht) benutzt und mit Mauern versehen (Aisch. III 113. 119). Der untergeschobene Brief des Philipp bei Demosth. XVIII 157 ist hier außerordentlich albern, indemi behauptet wird, die Lokrer τὴν Ἴεραν χώραν .,. λεηλατούσα was die Sache gerade auf den Kopf stellt Selbstverständlich behaupten die Amphisseer, daß sie nur ihr eigenes Land bebauten (Demosth. XVIII 150). Die Frage war natürlich, gerade was und wie viel unter dem Fluche lag, und es lag im Interesse der Amphisseer, dieses Land so klein wie möglich zu machen. Dagegen meint Aisch. III 108f., das ganze Gebiet von Krisa sei verflucht, was wohl das richtige ist, da-die Anekdote bei Paus. X 37, 6, obgleich was Solon angeht, wohl apokryph, voraussetzt, daß die ganze Strecke zwischen Delphoi und dem Meer unter dem Fluche stand. Daß auch die Amphisseer während der Okkupation sich als besonders habgierig und gewalttätig erwiesen, wie Strabon (χαὶ χείρους ἤσαν περὶ τοὺς ξένους τῶν πάλαι Κρισαιων IX 419) berichtet, ist nur rhetorischer Schwindel (wahrscheinlich aus Theopomp), da selbst Aischines, der alle Gründe hatte, sie so schwarz als möglich zu mahn, kein Wort von Erpressung und Gewalttätigkeit spricht (III 113. 119; vgl. aber 107 über die Kriseer, freilich wohl auch von diesen eine Verleumdung). Am nächsten Morgen verwüsteten die aufgeregten Amphik-tyonen das Gebiet und verschütteten den Hafen (so Aischines, sie haben aber wohl nicht mehr gekonnt, als den Hafendamm ein wenig zu beschädigen); dabei traten ihnen aber die Amphisseer mit Gewalt entgegen, die auch einige Hiero-mnemonen gefangen nahmen, während der andere Pöbel nur mit Mühe entkam (Aisch. III 123. Demosth. XVIII 151). Die entrüsteten Amphik-tyonen beriefen dann eine außerordentTche Versammlung, die an den Thermopylen tagen sollte, und kehrten heim.-* Dies alles ist im Herbst 340 geschehen, nicht 339, wie Schaefer und viele nach ihm angegeben haben (die Lit. über die Frage [1210] Lokris (Geschichte) 1210 bei Kahrstedt Die Politik des Demoethene· 86). Die Absichten, die Arschins» dm* M seinem Handeln hegte, sind verschieden beurteilt worden (meistens mißbilligt, dafür typisch Schaefer II 539f. Goodwin Demosth. De Corona 286f., dagegen neuerdings gelobt, wie etwa von Beloch Griech. Gesch. II 557f. Valeton Mnem. XXXVI 106ff. u. a.), das geht aber die Lokrer kaum an. Ihr Unwille gegen die Athener Ölst leicht zu erklären wegen der Hilfe, die diese den Phokern in dem letzten Krieg geleistet hatten. Daß sie auch von Seiten Philipps so gut wie von den Thebanern bewogen wurden, die Anklage gegen Athen zu erheben (wie Beloch 556. Valeton 108 vermuten), ist sehr wohl möglich.

Kurz nach dem Ausbruch der Störung, als Philipp noch in Skythien war, haben die Theba-ner Nikaia (das Philipp damals mit einer Besatzung von Makedonern hielt, s. o.) erobert und !0 besetzt, um Philipp und die Thessaler bei dem vorauszusehenden Kriege aus Mittelgriechenland fernzuhalten (Philoch. bei Didymos zu Demosth. XI Berl. Klass.-Texte I, XI 375.), wobei sie vor allem im Interesse der ihnen befreundeten Am-phisseer handelten (dies wird gut ausgelegt von Glotz Bull. hell. XLIV 154f.). Das erklärt nun, warum die Besitznahme von Elateia einige Monate später Theben und Athen so gewaltig erschütterte; Philipp ist einfach um die Thermopylen herum in Doris und Phokis eingezogen, woran, wie es scheint, damals niemand gedacht hatte (s. Glotz Bull. hell. XXXIII 5265.; die älteren Auffassungen sind danach zu berichtigen). Später verlangte dann Philipp von den Thebanern, daß sie Nikaia den Lokrern zurückgeben sollten (Philoch.), wodurch er wohl die Gunst dieses Volkes zu erwerben meinte, und dabei wenigstens ihre Neutralität, wenn nicht ihre Hilfe zu gewinnen, da er zu Elateia diese hinter dem Rücken hatte (vgl. Glotz 1θΧΧΧΙΠ 551f., der die vorgeschlagenen Änderungen am Texte des Philochoros zurückweist, und XLIV 157, wo er diesen Antrag als eine Art von Kompromiß mit Theben auffaßt: in der Tat hat dann Opus wohl auf selten Philipps gegen Amphissa und seine alten Freunde, die Thebaner, gestanden; denn ein Naopoios aus Opus wohnte der Versammlung im J. 338 bei (Syll.s 250 I 11), kurze Zeit nach Chaironeia, vgl. Glotz Bull. hell. XL 130, der aber die richtige Erklärung nicht gesehen hat, 50 vgl. 120, 1 und s. u.); die Verhandlung darüber wurde durch das Bündnis mit Athen abgebrochen (über die Frage, ob Nikaia damals von den Thes-salern oder von Philipp besetzt wurde, s. o. unter dem J. 346). Bei der außerordentlichen Versammlung der Amphiktyonen an den Thermopylen (wohl um Jan. 339, vgl. Kromayer Ant. Schlachtf. T 182f. Kahrstedt 86) sind Athen und Theben nicht vertreten (Aisch. III 125–128. Demosth. XVIII 143, der nur *ine erste verfehlte 60 Opposition erwähnt, nicht daß er schließlich den Antrag des Aischines zu vereiteln wußte), diese gewiß, weil sie gegen ihre Freunde nicht auftreten wollten, jene, weil sie, schon damals in Kriege mit Philipp verwickelt, sich vor einem zweiten Krieg mit Theben, und dazu noch einem heiligen Krieg, natürlich scheuten. Unter dem Vorsitz der Thessaler wurde nichtsdestoweniger auf eine Aktion gegen Amphissa entschieden, die [1211] Kottyphos (ein »lenksames Werkzeug make-donischer Politik⁴, Schaefer II 537) zu vollstrecken unternahm (Demosth. XVIII 151). Darnach ist die weitere Entwicklung unsicher. Aischines behauptet (III 129), Kottyphos habeAmphissa eine Geldstrafe auferlegt, die Schuldigen ausgetrieben und einige Verbannte (selbstverständlich nach seiner Redeweise die ἐνοεβεῖς) zurückgeführt, die Amphisseer aber gleich nach seinem Abgang diese Anordnungen umgeworfen; dagegen sagt Demosthenes (XVIII 151) von den Amphiktyonen, öl μὲν οὐκ θλθον, ol δὲ ἐλθόντες ὄνδεν ἐποίονν. Gewiß haben wenige Staaten ihe Kontingente geschickt, einige wollten überhaupt nichts davon wissen, andere dachten an die Kleinheit der Operation, ganz Griechenland gegen eine einzige Stadt (selbst im Herbst 339 ist ein Naopoios aus WL bei der amphiktyonischen Versammlung zu Del-phoi zugegen gewesen), noch andere wohl schickten ihre Gesandten nur um zu beobachten, was daraus werden sollte. Ob Kottyphos vor Amphissa eine Art Komödie gespielt hat, um die Anrufung Philipps zu rechtfertigen, oder vielmehr die Amphisseer durch Philipps schlaue Diplomatie oder Versprechungen von Seite der Thebaner verleitet, ermutigt wurden, das Abkommen mit Kottyphos gleich nach seinem Abzüge aufzuheben, wissen wir nicht (Glotz Bull. hell. XLIV 155 glaubt an die Angabe bei Aischines, es muß aber etwas dahinter gesteckt haben, da eine einzige Stadt nicht ohne weiteres gegen einen ganzen Bund streitet; wenig einleuchtend ist auch Schaefers Ansicht II 543, Aischines habe die Friedensbedingungen fälschlich als durchgesetzt dargestellt), sicher ist nur, daß nichts Ernstliches erreicht und Philipp schließlich mit der Anführung des Kriegs betraut wurde. Darauf, während Athen und Theben sich hinter der Festung Nikaia an den Ther-mopylen sicher fühlten, umzog dieser jenen Paß und nahm eine Stellung auf der Linie Kytinion-Elateia ein (Philoch. frg. 135), wobei er Theben und Athen so gut wie Amphissa bedrohte. [Daß Elateia die Wege nach Amphissa beherrscht, wie Schaefer II 544f. Goodwin 292 behaupten, ist ganz falsch; der Hauptweg dahin führte über Delphoi, nicht durch Doris.] Zunächst erfolgte keine Aktion gegen Amphissa, wie Demosthenes (XVin 152) ganz richtig bemerkt, denn wenn Philipp Emst mit dem Heiligen Krieg hätte machen wollen, so hätte er leicht sofort diese einzige Stadt bestraft und sich in ein paar Tagen zurückgezogen (vgl, noch Kromayer Ant. Schlachtf. I 133 über Philipps Zögern Amphissa anzugreifen). In den nächsten Tagen folgen die Bündnisse, zuerst das zwischen Athen und Theben usw., dann das zwischen Athen und Amphissa, die alle sich von Philipp bedroht fühlten. Das Bündnis mit Amphissa ist zwar nur in der bei Ps.-Plut. Vit. Demosth. 291 (Westerm.) eingelegten Urkunde erwähnt, deren Echtheit von Ladek (Wien. Stud. XIII lOOf.) gegen Grote und andere verteidigt wurde. Man denke über diese Urkunde, was man will, an dem Bündnis selbst ist gar nicht zu zweifeln. Daß Demosthenes (XVIII 237, ebenso Aisch. III 97f.) es zu erwähnen versäumte, beweist nichts; es war die unvermeidliche Folge des Bündnisses mit Theben, dabei auch eine Kleinigkeit, und wohl nicht direkt durch De- [1212] Lokris (Geschichte) 1212 mosthenes herbeigeführt, ferner höchst unglücklich, und Demosthenes läßt manches bei Seite, was nicht besonders glorreich war. Auch als die direkt angegriffene Stadt mußte Amphissa selbstverständlich für ihr eigenes Leben kämpfen. Schließlich wurden die Athener Verbündete von Amphissa, da dies schon von Anfang an in den Krieg verwickelt wurde, viel mehr als die Am-phisseer Verbündete von Athen. Als der Krieg 10 jetzt ausbrach, beschuldigte Aischines den Demosthenes der unklugen Vermietung der Söldner an die Amphisseer (τοὺς μυρίους ξένους ἐκμισθώσας Ἀμφισσεῦσι III 146). Die Stelle scheint allgemein so aufgefaßt zu werden, daß Athen die Söldner erworben hat, Amphissa dagegen die Kosten auf sich nehmen mußte. Das ist aber unmöglich. Wie sollte eine Stadt, die selbst keines-wegs 10 000 Einwohner hatte, ebensoviel Söldner ernähren? Aus dem Zusammenhang geht klar her-20 vor, daß Aischines meint, Demosthenes habe sich von den Amphisseern bestechen lassen, um die Söldner dorthin zu schicken. Eine gefährdete Stadt wie Amphissa sollte wohl πανδημεί dienen, an einen Geldbeitrag ist dabei kaum zu denken. Übrigens sollte Athen nach dem Bündnis mit Theben 2/3 der Kosten des gemeinsamen Kriegs bezahlen (Aisch. III 123. Demosth. XVIII 238). Wie isoliert Amphissa damals war, zeigt die Tatsache, daß noch im Herbst 339 ein Naopoios aus 30 WL (Diokles Ἠσπέριος) der amphiktyonischen

Versammlung beiwohnte (Syll.³ 249 I 70). Zu derselben Zeit ist Tamias ein gewisser Chaireas, ein Μεσσάπιος aus WL (51). Auch gehört wohl sicher einer der zwei lokrischen Hieromnemonen des Frühjahrs 339 (K-6 l-[ θεομάχου Syll.³ 243, 73) WL an. Dagegen scheint mir P 0 m t 0 w s Vorschlag bei Syll. ³ 249 I 38f. die Lücken auszufüllen Λοκρων 54ya(oddou Ὄπ)ο(υ)ν(τΙου, Κλεο· μάχου Ἀμφισσ)έως für die Hieromnemonen im 40 Herbst 339 unwahrscheinlich (vgl. Anm. 15 S.

424, wo er Kleomachos oben als Hieromnemon von Amphissa für das Frühjahr 339 angibt), weil gerade damals Amphissa im Krieg gegen die Am-phiktyoner stand, und obgleich Aischines (oben) von den ausgetriebenen εὐσεβείς zu Amphissa spricht, ist es doch kaum denkbar, daß diese zu Hieromnemonen gemacht wurden; denn wer außer L. hatte das Recht, lokrische Hieromnemonen zu erwählen? Es ist auch zu bemerken, 50 daß die OL ihre Hieromnemonen damals schickten, was die oben angeführte Vermutung, sie seien mit Philipp gut befreundet gewesen, bestätigt. Cloché Bull. hell. XL 120, 1 bemerkt, es gebe keine OL Naopoioi im Herbst 339. Das ist wahr, aber Opus hatte damals einen Hieromnemon (oben) und einen Tamias (Syll.³ 249 I 51), so daß das Fehlen eines Naopoios wohl nur Zufall ist, und der aus dieser Tatsache geschlossene Einfluß Thebens auf OL illusorisch bleibt (wir haben 60 schon oben gesehen, daß OL in diesem Krieg auf Seite Philipps stand). Binnen kurzer Zeit ist ein Heer von 10 000 Söldnern (Aisch. III 146) unter Chares und Proxenos (Polyain. IV 2, 8; Proienos wird προδότης von Deinarch. I 74 genannt; er ist wohl Thebaner gewesen, Schaefer II 557, 4; ob er aber thebanische Truppen, d. h. Söldner mit sich brachte, wie Schaefer II 557 und Goodwin 294 behaupten, ist doch fraglich) zu [1213] Amphissa gesammelt, während die Bürgertruppen meistens vor Elateia lagen. Die Feldherrn besetzten frühzeitig den Paß zwischen Amphissa und Kytinion (die Amphisseer selbst haben das wohl gleich nach der Erscheinung Philipps bei Kytinion getan; Kromayer 134f.; über die militärische Geschichte dieses Passes s. Kromayer 145ff.), ließen sich aber schließlich sehr leicht durch verfälschte Briefe täuschen, wonach Philipp im Begriff war, nach Makedonien zurückzuziehen (auch müssen selbst die Athener und Thebaner dabei getäuscht worden sein, da sie sonst kaum versäumt hätten, das Heer bei Amphissa zu verstärken und Philipp bei seinem Abmarsch anzugreifen, oder wenigstens seine Rückkehr zu verhindern), so daß sie ihren Posten verließen, worauf Philipp durchmarschierte (diese Überlieferung ist gut erklärt und verteidigt von Kromayer 152f.), sie zusammenhieb, Amphissa nahm (Aisch. III 147. Polyain. IV 2, 8. Plut. Demosth. 18. Strab. IX 419, 427) und zerstörte (κατεσπασαν sagt Strab. IX 427, wenn das wörtlich richtig ist, und Beloch II 564A meint, daß Strabon sich geirrt hat; so auch E. Bauer Unters, zur Geogr. u. Gesch. 29; vgl. dagegen Kromayer 154, 2. Amphissa ist rasch wieder aufgebaut worden, da es schon im J. 321 verteidigungsfähig ist. Diod. XVIII 38, 2; ein Naopoios stammt davon im J. 327, Syll. 3 253 II 70 und 329, Sylt³ 241, 144, ein Hieromnemon schon 331/0, Syll.³ 251 Μ¹ 2 252 0 62, und wohl auch ein Naopoios Syll.³ 252 N 35, vgl. Glotz Bull. heU. XL 135, vieüeicht schon im J. 333, s. Pomtow Syll.³ Beilage nach S. 340), und die Einwohner verbannte (wohl nur die schuldigsten; dieser Befehl wird noch im J. 318 aufrechterhalten, Diod. XVIII 56. Niese I 237, 2). Selbstverständlich ist diese Katastrophe nach der Besetzung von Elateia geschehen, da Demosth. III 152. Polyaen. a. a. O. Aisch. 111 146f. sie voraussetzen. Unsinnig ist die Angabe bei Plut. Dem. 18, daß die Reihenfolge die umgekehrte sei, obgleich sie viele verleitet hat. Antipater, der bei Chaironeia zugegen war (Iust. IX 4, 5), war noch nicht zu Philipp gelangt (Polyaen. IV 2, 8), die Operation ist daher ziemlich früh im Sommer anzusetzen, vielleicht schon vor Juni, in welchen Monat Kromayer 186 sie ansetzt. Für WL ist von noch größerer Tragweite die Einnahme von Naupaktos während dieses Kriegs, wobei Philipp den achäischen Hauptmann mitsamt seinen Söldnern hingerichtet haben soll (Theo-pomp. frg. 46, zusammengesetzt und verbessert von Schaefer II 559, 2. Strab. IX 427). Ich glaube aber nicht, daß dieser Zug gegen Naupaktos gleich nach der Schlacht bei Amphissa folgte, wie fast allgemein angenommen (so von S c h a e -fer II 559 und Kromayer I 154. Beloch II 554, 1 setzt die Operation hierher, weil nach Chaironeia aller Widerstand aufgehört haben soll; das wird zwar gesagt, doch war dies eine Kleinigkeit, und Philipps Strenge vielleicht nach Chaironeia als Abschreckungsmittel zu rechtfertigen, vorher keineswegs), denn wenn Philipp so weit nach Westen vorgegangen wäre, so wäre es außerordentlich leicht gewesen, durch eine Stellung auf den Pässen westlich und südlich des Parnaseos ihn von Mittelgriechenland abzuschließen, viel leichter als an den Thermopylen. Auch war Naunaktos [1214] eine starke Festung, die in ihrer wechselvollen Geschichte mehrere Angriffe zurückgewiesen hatte, und nicht etwa von einer Kolonne seines Heeres zu nehmen war, als Philipp bei Amphissa verweilte. Noch andere Gründe gegen die Einnahme vonNaupaktos zu dieser Zeit stehen beiHohman n Aitolien (1908) 32–34 (freilich abgelehnt von Swoboda Hermanns Lehrb.® I 3, 327 und Rolt sch Die Westlokrer 32). Kromayer I 10 154 bei seiner Darstellung spricht von .äußerste Eile‘, aber die ganze Operation, die mindestens eine Woche verlangt, ist in diesem Zusammenhang kaum denkbar. Vor Chaironeia hat dieser gefahrvolle Abstecher keinen rechten Sinn, da es sich dabei um eine Kleinigkeit handelte; nach der Schlacht ist es bei einer Neuordnung der Dinge sehr am Platze.

Sonstige Unternehmen des Krieges sind in Phokis und Boiotien vorgekommen, gehen daher 20 auch die Lokrer nicht direkt an. Nur über eines ist noch eine Bemerkung zu machen. Philipp soll die Verbündeten ihre feste Stellung zu Para-potamioi aufzugeben gezwungen haben durch eine vermeintliche Umgehung der Stelle, wobei er Boiotien zu verwüsten anfing (Polyaen. IV 2, 14), eine Überlieferung, die viel besprochen ist. An einen Versuch mit dem Hauptteil des Heeres in Boiotien über Hyampolis und Orchomenos, oder sogar über Opus, Larymna und Akraiphia vorzudringen, 30 wird niemand, der diese Gegend zu Fuß bereist hat, denken (vgl. auch v. Wilamowitz Herm. XXVI 193 A. und Kromayer I 149f. mit Lit.). Das Unternehmen ist aber nicht schwer mit Kavallerie und Leichtbewaffneten über die Wege südlich vom Parnasses durchzuführen, wie Kromayer I 157 die Sache auffaßt. Nach dieser Darstellung sollen dann die Verbündeten den Paß zu Para-potamioi freiwillig aufgegeben haben, was Polyai-nos widerspricht, der von einem Zwingen (iuStxalαατό) spricht, ist aber doch das Wahrscheinlichste. - Nach der Schlacht bei Chaironeia ist dann nach meiner Ansicht die Einnahme von Naupaktos zu setzen. Strab. IX 427 spricht von einem gerichtlichen Urteil Philipps (προσκρίνοντος). Da die Achaier, die auch zu Chaironeia gegen Philipp fochten, die Stelle behauptet hatten, konnten sie keinen Anspruch auf Naupaktos machen, wohl nur die OL und die Aitoler. Das Urteil ist dann, seinem früheren Versprechen gemäß, zu ihren 50 Gunsten ausgefallen. Die Lokrer waren auch nach Philipps Meinung zu schwach, den Ort gegen die ausgetriebenen Achaier behaupten zu können. Hohmanns Ansicht (Aitolien 32–34), daß die Achaier die Söldner abgcschlachtet haben, ist auch nicht so bei Suidas überliefert, und an sich zweifelhaft (leichter zu erklären wäre es, wenn die Aitoler die Garnison zusammenhieben). Eine Weigerung der Söldner, Philipps Urteil auszuführen, oder wohl eine Meuterei dabei, hat wohl diese 60 Schreckenstat hervorgerufen. - In dem Friedensvertrag vom J. 338/7 erhielten die Lokrer 3 Stimmen im Gemeinrat (Syll.³ 260), dieselbe Anzahl wie Phokis und Zakynthos mitsamt Kephallenia (die anderen Zahlen sind unsicher), was nach dem Verlust von Naupaktos und der Zerstörung oder wenigstens Demütigung von Amphissa eine wohl billige Anzahl ist. Davon kamen wohl zwei Stimmen den OL, eine den WL zu. - Die Bildseite [1215] der einzigen amphiktyonischen Münzen stellt Demeter Pylaia dar, die Kehrseite Apollon und den Omphalos, oder nur den Omphalos. Bourguet L’administr. financière du sanct. pythique 149 setzt die Münzen in das J. 338 und betrachtet wohl mit Recht diese Hervorhebung der Demeter als Zeichen des Vorrangs der mit Philipp eng verbündeten Thessaler (minder wahrscheinlich ist die Ansicht von Head HN² 342. Hill Hist. Greek Coins 89–92. Gardner Hist. of anc. Coinae 363, vgl. dagegen 38, diese gehören dem J. 34u; die politische Bedeutung wäre ja doch immerhin dieselbe). - Ganz unmöglich, scheint es mir, ist die Ansicht von Babelon Traité III 381L, daß Skarpheia und andere Städte von OL auf Seiten Thebens und Athens gegen Philipp im J. 339/8 standen. Seit dem Abzüge der thebanischen Garnison von Nikaia (gewiß gleich nach Philipps Anmarsch in Phokis) ist das ganze Land zu Philipp übergetreten.

Nach 338 haben die Lokrer politische Selbständigkeit fast ganz verloren, und obgleich sie gelegentlich tätig sind, ist ihre Rolle meistens bloß passiv geworden. Es genügt wohl, ihre weitere Geschichte durch eine Reihe von vereinzelten Notizen, und ein paar Besprechungen dazu, chronologisch angeordnet, abzufertigen.

338 verloren die WL ihre Stimme unter den Amphiktyonen nicht, wie früher angenommen (z. B. Bücher De gente Aetolica 9. Bürgel Die pylaisch-delph. Amph. 273), da ihre Hieromne-monen noch einige Zeit erscheinen. Das hat Pomtow Neue Jahrb. CLV 740ff. gut ausgeführt, obgleich einige von seinen Zeitangaben später berichtigt wurden. Für die Liste der Hiero-mnemonen zwischen 339–327 s. Syll.³ S. 444f. Ein Hesperier erscheint wohl jedes Jahr, der erste aus Amphissa Herbst 331, Frühjahr 330.

337 nach der Eroberung von Amphissa wurde das heilige Gebiet von Delphoi neu reguliert, ohne Zweifel zum Nachteil der Amphisseer, da im Schiedsgericht von 119–117 die Delphier sich auf diese Entscheidung berufen, die Amphiseer dagegen auf die des Thessalers Pausanias (s. u. 167 –165), die ihnen Vohl günstiger war (Svll·³ 826 E II 29ff. Pomtow Klio XVI 139ff.). Dies scheint die erste genaue Regulierung des Gebiets durch einen Schiedsspruch gewesen zu sein, nach dem drei andere inschriftlich bekannt sind.

335 soll Alexander auf seinem Marsch gegen Theben einen Tag unter den OL verweilt haben (Ps.-Kallisth. I 45). Die Angabe ist wohl die Verkürzung einer Episode, wobei das Interessante (vielleicht etwa ein Opfer in Opus oder Naryx an den lokrischen Aias, den Vetter des Achill, wie die bekannten Opfer an die bei Ilion bestatteten Helden kurz nachher) verloren gegangen ist.

335/4 dichtete der Skarpheer Philodamos einen Paian auf Dionysos, wobei Delphoi als Symbol der griechischen Einheit hoch gepriesen wird, eine Idee, die den Freunden der Makedoner geläufig und teuer war. Der Dichter und wohl auch seine Gemeinde, sind danach sicher als ganz unter dem Einfluß Makedoniens stehend zu betrachten (vgl. Bourguet Admin. financière 149).

331 focht lokrische Reiterei mit Alexander in der Schlacht zu Arbela (Diod. XVII 57. Curt. Rui. IV 13, 29). [1216] 823 wurden die Lokrer in den lamischen Krieg verwickelt (Hyper, epit. 13. Diod. XVIII 9. 11. Paus. I 25, 4. V 25, 4). Leosthenes nahm die Thermopylen, schlug da Antipatros selbst kurz nachher und belagerte ihn mitsamt seinem Heer in Lamia. Bei der weiteren Entwicklung werden die Lokrer nicht mehr erwähnt. Über den Krieg handelt am ausführlichsten Schaefer Demosth.³ III 861; vgl. noch Beloch Griech. Gesch. III 10 71. Niese Gesch. I 2005. Schaefers Ansicht (366), die Lokrer seien erst nach der Schlacht bei don Thermopylen zu Leosthenes übergetreten (nach Hyper, epit. 13), ist kaum richtig. Die WL ließen sein Heer durch ihr Land vorrücken, haben daher wohl dieselbe Politik wie die Aitoler getrieben, und da Leosthenes die Thermopylen sogleich besetzte, sind die OL wahrscheinlich schon damals freundlich gesinnt Übrigens ist der Satz bei Hypereides eine gewaltige Übertreibung, denn 20 die Aitoler waren von Anfang an tätig. Es ist auch nicht ganz sicher, daß Hypereides die Tatsachen gerade hier chronologisch genau erzählen will, sondern in der rhetorisch effektvollsten Reihenfolge. Auch Beloch 72 und Niese 200 (vgl. aber 202) setzen die Parteinahme der Lokrer vor die Schlacht bei den Thermopylen. - Vielleicht gehört dieser Zeit an die sehr lückenhafte Inschrift IG II 415 (II² 572), worin die Athener das Volk von Opus loben. Koehler hat sie in 30 das J. 197 gesetzt, Wilhelm aber (Gött. Gel. Anz. 1903, 792), wohl mit Recht, in das Ende des 4. Jhdts., und sicher ist sie älter als 267/6 (Kirchner). In diesen Zusammenhang würde sie trefflich passen. Man vergleiche die sehr ähnliche Inschrift, worin die Athener die Stadt Sikyon wegen ihres Anschlusses an den Bund loben (Sylt³ 310).

321 ist Amphissa noch selbständig, da die Aitoler auf ihrem Zuge gegen Antipater die Um-40 gebung verwüsteten und einige Plätze nahmen, die Hauptstadt aber nicht (Diod. ΧΥΙΠ 38, 2. B u -soit Griech. Staats- u. Rechts-Alt, 362, 3. P o m -t o w Neue Jahrb. CLV 748. 786. Niese Gesch. I 232. II 212). Wohl kurz danach verlor Amphissa seine Freiheit, das Jahr ist aber nicht bekannt (schon 322 Kuhn Rb. Mus. XV 22, der aber in seiner Entstehung der Städte lieber 290 wählt; vgl. Bücher De Gente Aetol. 19). Das übrige Land ist wohl schon längst, wahrscheinlich 50 bald nach 338, von den Aitolern eingezogen (vgl. u. zum J. 290). E. Bauer Unters, zur Geogr. und Gesch. der nw. Landsch. Griechenl. (1907) 31f. (nach dem Vorgang von Niese II 212, dem auch Roltsch 54 folgt) will den Anschluß von WL kurz nach 321 ansetzen und deutet dabei auf die aitolische Okkupation der Thermopylen in den J. 317 und 316 (s. u.), die die Einverleibung von WL zwar nicht notwendig voraussetzt, aber doch sehr wahrscheinlich macht. Die ,Städte* 60 aber, von denen Bauer spricht, als von den Aitolern im J. 321 genommen (so auch S a 1 -vetti Studi di Stör. Ant. II 140), sind kaum mehr als die von Amphissa abhängigen Dörfer. Ehe die Aitoler in Südthessalien einzuziehen und bei den Thermopylen zu fechten vermochten, ist WL ohne Zweifel in Abhängigkeit von ihnen geraten. Swoboda Hermanns Lehrb.⁶ I 3, 335 sucht vergeblich diese Gründe zu entkräften. A. J. [1217] Reinach Journ. Int. Arch. Num. XIII 212, 6 meint, die Aitoler haben 321 mit ihrem großen Heer WL erobert, was wohl nur ein wenig zu genau angesetzt worden ist.

317, als die Aitoler die Thermopylen (die seitdem lange Zeit in ihren Händen blieben) besetzten, nahm Kassander Schiffe und Flöße aus OL und Euboia und umzog den Paß (Diod. XIX 35, 2. Niese Gesch. I 251). Als die Aitoler dagegen im J. 316/5 dasselbe zu tun versuchten, drang Kas-sander aennoch durch (Diod. XIX 53. Niesel 256). Die Opuntier sind daher als auf Seite Makedoniens befindlich zu rechnen (Beloch Griech. Gesch. III 110, 1), und wohl auch die im engeren Sinne Epiknemidier genannten, obgleich diese ihre Selbständigkeit, während eine ätoüsche Besatzung die Thermopylen besetzt hielt, lange behaupteten, während Phokis und OL schon damals ätolisch waren. Für das ganze Lard ist das falsch, und auch für die Epiknemidier wenig wahrscheinlich, da Kassander die ätolische Besatzung 316/5 vertrieb, und 315 hat er keine Schwierigkeiten dabei gehabt (Diod. XIX 63), während er 314 auch in Aitolien selbst einfiel (Diod. XIX 66. Niese I 283). Pomtow Neue Jahrb. CLV 786 hat daher Recht, wenn er den Anschluß von OL an den Ätolischen Bund geraume Zeit nach 317–315 ansetzt. Die Thermopylen sind in Kassanders Besitz wenigstens bis ins J. 304 geblieben (s. u.). und während dieser Zeit ist es undenkbar, daß OL ätolisch war.

312 verfochten die Opuntier die Sache Kassanders, ihre Stadt wurde daher von Ptolemaios (oder Polemaios) belagert und öfters vergeblich angegriffen (Diod. XIX 78, 5). Endlich aber hat Ptolemaios wahrscheinlich die Stadt genommen, da ein böotischer Feldherr Peisis (oder Pisis) wegen der Befreiung von Opus gerühmt wird (Plut. Demetr. 39. IG VII 427), die schon Bergk Arch. Zeit. 1850, 173. IPLG I praef. X 1 auf diesen Krieg bezog (vgl. noch Pomtow Neue Jahrb. CLV 794ff. Niese III 377. I 290, der die hsl. Lesart Κασοάνόρου φρουράν ἐχόντων verteidigt, die auch durch den Zusammenhang bei Diodor und den Wortlaut der Inschrift bestätigt wird; die Inschrift wird besprochen bei Ulrichs Reisen I 43, 5. Kaibel Epigr. Graeca 849, mit unrichtiger Beziehung auf den Lagiden Ptolemaios). Über Peisis, der auch ein Bildnis zu Oropos hatte (IG VII 427), s. Ho mol le Bull. heU. XXIV 170ff., der die Ereignisse von 315–312 ausführlich bespricht, vgl. noch Holleaui Rev. des Et. gr. X 178, 1. Pomtow Klio XV 67. Beloch III 2, 357 gibt an, daß die Stadt nicht erobert worden sei. aber die bei Niese I 290, 5 mitgeteilte Lesart ist nicht dafür maßgebend. Diodor hat einfach das Endergebnis verschwiegen. Beloch will die Peisis-Inschrift ins J. 308/7, oder 304. oder gar 301 verlegen (a. a. O. 358L), aber keine Kunde von dazu passenden Unternehungen hat sich aus diesen Jahren gerettet.

309 mußte Polyperchon durch Aitolien und Epeiros gegen Kassander in Makedonien Ios-schlagen (Niese I 307), der letztere behielt daher damals wohl den Thermopylen-Paß (vgl. Pomtow N. Jahrb.ÎLV 786). Im selben Jahre überwinterte Polyperchon bei den Lokrern, d. h. [1218] wohl zu Opus (Diod. XX 28, 4. Beloch III 2, 372. Niese I 308). Da er von den Boiotern gehindert wurde, in die Peloponnes einzudringen, ist wahrscheinlich OL damals nicht Mitglied des Boiotischen Bundes (vgl. Beloch III 2, 357).

304 ,befreite* (bezw. brachte zum Anschluß an seine Sache) Demetrios das ganze Mittelgriechenland bis auf die Thermopylen, worauf Kassander sich zurückzog; OL wird dabei eingeschlossen 10 (Plut Demetr. 23. B e 10 c h III 2, 300. Niese I 334). Kassander hat die Thermopylen behaupten können, da Demetrios im J. 302 von Chalkis aus direkt nach Thessalien übersetzte (Niese I 346), was er kaum getan hätte, wenn es nicht notwendig war (P 0 m 10 w N. Jahrb. CLV 786).

Um 300 setzt Beloch III 2, 356ff. 359 die Zugehörigkeit von Opus zu dem Boiotischen Bund. Daß es einmal diesem gehörte, ist durch IG VII 393. XI 1, 270 festgestellt. Holleaui Rev. 20 des Ët gr. X 178, 1 will die Inschrift IG VII 393 um 300 (hypothetisch 312) ansetzen, das wird aber von Dittenberger (bei Niese II 275, 1; vgl. II 211) für unmöglich erklärt und zu IG IX 1, 270 setzt er jene Inschrift am die Mitte les 3. Jhdts. und billigt Kaibels Meinung (Ep. Gr. 855), die Ereignisse dieser Inschrift aus Opus gehörten den Kriegen nach 229 an. Dieses Jahr ist jedoch wohl zu spät, vgl. P 0 m 10 w N. Jahrb. CLV 797. Es scheint daher besser, an dem späte-30 ren Zeitraum, 270–245 (B e 10 c h III 2, 357, vgl. 360) für die Zugehörigkeit von Opus zu dem Boiotischen Bund festzuhalten; die ganze Sache ist aber sehr unsicher. Swoboda Hermanns Lehrb.⁶ 13, 273, 6 verficht das frühere Datum, scheint aber Dittenbergers Erklärung übersehen zu haben.

292, kurz nach der Thronbesteigung des Demetrios, sind die Thermopylen in seiner Macht; da er damals gegen Pyrrhos und die Aitoler in Thessalien zieht, einen Teil seines Heeres daläßt 40 und nach Theben zurückkehrt, eine Bewegung, die zur Voraussetzung hat, daß er und nicht die Aitoler den Paß behielten (s. P 0 m t 0 w N. Jahrb. CLV 787).

290 ist Delphoi in den Händen der Aitoler (Plut. Demetr. 40; vgl. Polyb. IV 25), eine Tatsache, die die Okkupation des ganzen WL voraussetzt (B u s 011 Griech. Staatsalt. 362. S a 1 -vetti Stud. di Stör. Ant. II 104 nach Droy-sen. PomtowN. Jahrb. CLV 787). Daß die 50 WL sich erst jetzt an die Aitoler anschlossen (Gilbert Griech. Staatsalt. II 22 A nach Kuhn Entstehung 111). ist falsch; vgl. Pomtow 786f. und oben zum J. 321. Pomtow (und nach ihm Swoboda 335) glaubt, WL sei während des Kriegs mit Demetrios im J. 292'1, als Pyrrhos auf Seite der Aitoler stand, gleichzeitig mit Delphoi in den Bund aufgenommen; Walek Delph. Amphikt. 27 setzt aus Rücksichten der allgemeinen politischen Lage die Besitznahme von Delphoi 60 gleich nach der Thronbesteigung des Demetrios ins J. 294/3. Diese Ansätze sind aber gar zu spät, da seit 338 Naupaktos in den Händen der Aitoler gewesen ist, und, wie schon im 5. Jhdt., mit Naupaktos erstreckte sich die Herrschaft über den ganzen westlichen Teil des Landes, fin der Kaiserzeit grenzte das Gebiet von Naupaktos gar an Oiantheia an, umfaßte daher wohl zwei Drittel der ganzen Landschaft, was zum Teil aber [1219] wohl den Aitolern zu verdanken ist, s. unten, zur Zeit des Pausanias. Bei Dionys. Kall. 63ff., der Naupaktos zu L. rechnet, ist der παράπλους οὐδ* ὄλης ... ἡ μέρας j was zu der Kiepertschen Karte XV gut paßt, da die kürzeste Linie von Chalaion nach Taphiassos etwa 430 Stadien mißt, während 500 Stadien bei den Geographen die durchschnittliche Tagereise zur See ist, s. Ps.-Skylax 69 und Friedländer Sittengesch.⁸ II 33f. Wenn daher Ps.-Skylax 36, der um 348/7 schrieb und 1 Naupaktoa den Aitolern zuschreibt, den παράπλους τὸ ἤμισυ ἠμέρας nennt, d. h. etwa 250 Stadien, so reichte das Gebiet von Naupaktos damals bis etwa auf die Insel Trisonia, umfaßt daher mindestens ein Drittel der ganzen Landschaft. Noch weiter östlich scheint die Grenze vorgerückt zu Stra-bons Zeit (IX 427), wenn der Paraplus ein wenig über 200 Stadien war, d. h, das Vorgebirge westlich von Tolophon die Grenzscheide bildete. Rolt sch Die Westlokrer 10, 7 hat die Sachlage 2 verkannt.) Kurz danach fingen die Aitoler an, Anteil an den allgemeinen Kriegen in Hellas zu nehmen, was schlechterdings undenkbar wäre, wenn sie nicht schon die naheliegende unbeschützte Landschaft von WL eingezogen hatten. Die Besitznehmung von Delphoi ist zwar im J. 290 noch eine Neuigkeit, wie Pomtow richtig aus dem Gedicht, das dem heimkehrenden Demetrios in diesem Jahre zu Athen gesungen wurde (darüber ausführlich v. Wilamowitz Antigo- « nos von Kar.241ff. A,J.Reinach Journ. Int. Arch. Num. XIII 220ff.; vgl. noch Ferguson Hellen. Athens 142f.), schließt, aber daß die Einverleibung auch von WL erst neulich geschehen ist, folgt daraus gar nicht. Im Gegenteil, mit τὰ τῶν πέλας des Gedichtes will man "WL, auf das der Ausdruck genau paßt, u. dgl. bezeichnen; νῦν δὲ καὶ τὰ πόρρω deutet auf das relativ weit entlegene Delphoi und auf eine viel spätere Zeit (nur zum Teil richtig Walek 28f., der, um den Gegensatz zu deuten, zu unbezeugten und unwahrscheinlichen Raubzügen der Aitoler gegen Attika selbst seine Zuflucht nimmt; derselben Ansicht ist auch A. J. Reinach Joum. Int. Arch. Num. XIII 222. 224fr.). Walek (28f.) setzt den Anschluß des WL an den Bund zwischen 301- 297, erstens, weil der korinthische Bund von 303 oder 302 (Plut. Demetr. 25. Niesel 338) ,die Organisation des alten Bundes aus Philipps Zeit nachgeahmt haben wird*, und damals die einzelnen Staaten unabhängig waren; zweitens, da Diodor, der die Geschichte von Aitolien ziemlich ausführlich behandelt, nicht von dem Anschluß der WL spricht, und sein Geschichtswerk bekanntlich nach 302 abbricht. Dies hat wenig Beweiskraft, da gar nichts von den Einrichtungen des Korinthischen Bundes gesagt wird, nur ἐν 3ὲ τῷ Ἴσθμῳ κοινου συνεδρίου γενομένου καὶ πολκῶν ἀνθρώπων οὐνελόόνταν ἤγεμων ἄνηγορευθη τῆς Ἐλλάδος, ὡς προτερον οἱ περὶ Φίλιππον καὶ Ἀλέξανδρον, während man nicht weiß, ob WL Mitglied dieses Bundes war, und weiter, weil der Anschluß wohl zuletzt friedlich ausgefallen ist. Seit 338 ist der westliche Teil des Landes schon de facto ätolisch, und 321 ist Amphissa die einzige Stadt, die sich gegen Aitolien sträuben kann, während diese immer eine selbständige Stellung unter den WL behalten zu haben scheint (s. u. Staat und Kultur). [1220] 280 ist ein Heiliger Krieg gegen die Aitoler ausgebrochen (Niese II 11. Beloch III 1, 258), der, nach Iustin. XXIV 1, 4ff., als Vorwand ihre Besitznahme des sacraium Apollini Cirraeum campum hatte. Dieser Vorwand zeigt, daß die Aitoler nicht nur sich Delphois bemächtigt hatten (dies schon 290), sondern daß sie auch die Rechte i der Amphisseer auf diese Länder übernommen hatten, Amphissa ihnen daher damals vollständig

0 untergeordnet war; das übrige WL gewiß schon längst vorher (Pomtow N. Jahrb. CLV 758.

788. Nies e II 8). WL ist ätolisch geblieben bis auf 166. Die Zeugnisse dafür sind gut zusammengestellt bei Pomtow 788. Salvetti 104. 116.

120. 125f. Dittenberger Herm. XXXII 177ff. 181. Bauer Untersuch. 32ff.

279, zur Zeit des Einfalls der Gallier, haben die OL mitsamt anderen Staaten Mittelgriechenlands um die Thermopylen gefochten. Nach Paus.X 20, 4 schickten die Lokrer (τοὺς ἐπὶ Ἀταλάντηj

tg νήσῳ, d. h. die Opuntier) 700 Mann mit Meidias,I

erwähnt wird aber keine Reiterei. Das ist merk-|

würdig, da sonst die lokrische Reiterei wohl-|

bekannt ist. Vielleicht erschien sie für die Ver-|

teidigung eines Passes unbrauchbar; wahrschein-j

lieh ist es aber, daß sie anderswo tätig war, wiej

etwa Herakleia, da, wie Niese II 17, 2 gut be-1

merkt hat, die Erzählung bei Pausanias unge-I

nügend ist, der manches zu notieren unterlassen]

J0 hat. Auch ist die Anzahl der Truppen für die1

Hauptstadt ziemlich klein, setzt daher wohl vor-1

aus, daß andere anderswo in der Kavallerie im|

Dienst waren. Wahrscheinlich hat die Gegend umj

Larymna, Halai und Korseia zu diesem Kontin-gent keine Mannschaften geliefert, vielleicht weil sie schon zu Boiotien gehörte, dessen Truppenzahl, 10 500, auffällig groß ist (dagegen ist Larymna um 273 lokrisch, s. u.; in der Mitte des Jahrhunderts aber und seitdem böotisch). Ich

40 nehme daher den Ausdruck bei Pausanias ganz genau als auf die Stadt Opus beschränkt (die

,Sollstärke der waffenfähigen Mannschaft* dieser ;

Stadt ist 1000; vgl. v. Wilamowitz Staat und Gesellschaft 45, und unten Staat und Kultur); es wäre ohnehin albern, die ganze Landschaft nach einer kleinen, dicht an der Küste liegenden Insel zu benennen (unrichtig Gilbert Gr. Staatsalt.

II 22, 2). Die im engeren Sinne sog. Epiknemî-dier sind damals ohne Zweifel zu den Aitolern zu

50 rechnen, da sie sonst unmöglich in dieser Erzählung gefehlt hätten, dieser Teil des Landes zusammen mit den Thermopylen ist daher zu einer unbestimmten Zeit nach 292 (s. d.) in die Hände der Aitoler gefallen. Nachdem Brennus schließlich den Paß umgangen hatte, haben 400 Schwerbewaffnete von Amphissa (wohl als selbständige Stadt von Pausanias in seinem Bericht aufgefaßt [höchst unwahrscheinlich ist die Ansicht von A.

J. Reinach Journ. Int. Arch. Num. XIII 226(und Swoboda 335), daß Amphissa von 321

bis nach 279 gegen die Aitoler seine Unabhängigkeit behauptet habe; schon der Heilige Krieg im J. 280 bezeugt, daß die Aitoler, nicht die Lokrer, den Bezirk von Apollon bebauten, Amphissa ist daher wohl sicher damals in ihrem Bund], aber sicher mit Unrecht, vgl. Salvetti Studi di Stör. Ant. II 104) zusammen mit Phokern und Aitolern den ersten Angriff des Brennus auf die [1221] Stadt Delphoi zurückgeschlagen (Paus. X 23, 13. Niese II 18; die erste kritische Verwertung der Legende bei Wachsmuth Hist. Ztschr. X 1–18; vgl. noch S. Reinach C. R. de Γ Acad. des Inscr. 1904, 158ff.). Daß die WL and die Dorier nicht unter den Griechen bei den Ther-mopylen erwähnt sind, ist dadurch zu erklären, daß sie damals unter den Aitolern mit einbegriffen waren (Kuhn Entstehung 112. Gilbert II 22, 2. Pomtow N. Jahrb. CLV 788. A. J. Reinach 226, 1), also schon längst in den äto lischen Bund einverleibt waren (Gilbert a. a. O. B u s o 11 Griech. Staats- und Rechtsalt. 362), in dem sie bis auf 166 (s. d.) blieben; man braucht daher alle die Zeugnisse dafür nicht mehr zu wiederholen. Diese sind hauptsächlich die Hiero-mnemonenverzeichnisse v. 278–166 (bis 203/2 gut von W a 1 e k Die Delph. Amph. zusammengestellt). Die ersten Etappen des gaUischen Angriffs sind eingehend von A. J, Rein a c h 227ff, besprochen.

277 ist das Kehlen der OL bei dem Hiero-mnemonenverzeichnis von W a 1 e k 54 aus ihrer feindlichen Stimmung Aitolien gegenüber erklärt (vgl. 3. 48 und die dabei angeführte Literatur).

276–274 (Pomtow Klio XIV 305) ist OL wohl als abhängig von dem seemächtigen Antigones zu betrachten (vgl. W a 1 e k 65).

275–240 gehört die neue Ordnung über die Sendung der lokrischen Mädchen nach Ilion, worüber die bekannte Inschrift aus Tolophon handelt (W i 1 h e I m Jahresh. österr. arch. Inst. XIV 1635. 256). Swoboda Hermanns Lehrb.⁶ I 3, 446 be merkt darüber, daß die Staatsordnung eine Zeit voraussetzt, als die Lokrer vollständig frei waren. Dafür gibt es in diesem Zeitraum viele Jahre, die in Betracht kommen können, da OL (wenigstens Opus), obgleich seit 269 (s. d.) von den Aitolern behauptet, wohl öfters in diesem Zeitraum unabhängig gewesen ist. Da aber die Satzungen alle eine rein kultische Sache betreffen (und die Aito-ler scheinen diese Einrichtungen nicht angesetzt zu haben) und die WL auch mit einrechnen, ist Swobodas Ansicht gar nicht sicher zu billigen.

273/2, unter dem Archon Archiadas zu Delphoi (Pomtow Klio XIV 305 nach Beloch s Datierung) ist Larymna selbständig (Beloch III 2. 357). Im Herbst 273, wie auch 276 und 275 (Walek 56ff. 182), erscheint ein Hieromnemon aus OL, das daher noch frei ist (Pomtow N. Jahrb. CLV 795 mit Klio XIV 305 verglichen). Wenn die neue von Johnson Amer. Journ. Philol. XXXIX 155 vorgeschlagene Datierung von Archiadas, d. h. 265/4, und seiner Gruppe die Prüfung besteht, muß man diese Zahlen ein paar Jahre herunterrücken, da an der Reihenfolge selbst nichts zu ändern ist. - In demselben Jahre, 273, sperrten vielleicht die Aitoler die Thermopylen gegen Pyrrhos (Nies e II 56, 4. Pomtow 820, 70); das sogen, epiknemidische L. war dann in ihren Händen. Tarn Antig. Gonatas 266 dagegen behauptet, Pyrrhos sei durch Aitolien vorgerückt, was zweifelhaft scheint (vgl. Johnson 151). Von einer Seefahrt spricht nur Tust. XXV 4 sed cum copias Chersoneso transposuisset, wobei Chersoneso unverständlich bleibt. Diese ätolische Besetzung ist dabei recht unsicher, oder sie war von kurzer Dauer, da der lokrische Hieromnemon vom J. 271 aus Alponos, dicht am Paß, entstammt. [1222] 272 (Frühjahr Syll? 417, Herbst Syll.» 418) wird kein lokrischer Hieromnemon erwähnt, dagegen Herbst 272 drei Boioter. Danach ist OL damals dem Boiotischen Bunde beigetreten (Wale k 74. Syll.³ 418 und Pomtow Anm. 18 dazu), aber in dem nächsten J. 271 wieder ausgetreten (Walek a. a. O. Syll.³ 419). Das kann sein, aber eine so kurze Ordnung ist wenig wahrscheinlich, und Pomtow (N. Jahrb. CXLÏX 521; er hat seine Ansicht später geändert ebd. CLV 833) und Beloch (III 2, 331) hatten vielleicht Recht, wenn sie meinten, der Steinmetz habe vielmehr Λοκρῶν hinter dem zweiten böotischen Namen ausgelassen. - In demselben Jahr segelte Nikaia, die Braut des Krateros (Halbbruders von Antigonos Gonatas), von Naupaktos nach Korinth; ihr Schiff wurde aber von den Achaiern genommen. So wird bei Liv. XXXV 26, 5 erzählt, aber es ist nicht alles in Ordnung, da Nikaia der Name der 20 Gemahlin des Alexandros, des Sohnes des Krateros, ist, so daß wohl entweder Krateros mit Alexandros verwechselt worden ist, oder die Mutter des Alexandros mit seiner Gemahlin, wie Beloch III 2, 437 bemerkt. Übrigens ist das Jahr etwas unsicher, da Plut. Philop. 14 dies Ereignis ins J. 232 setzt, was freilich unmöglich ist. Tarn Antig. Gon. 300 meint, Krateros habe damals die Gemahlin für seinen Sohn Alexandros aus dem nordwestlichen Griechenland geholt, was richtig 30 sein kann, setzt aber eine Änderung im Texte des Livius voraus (wo übrigens nach Weißenborn viele Hss. Nicolam statt Nicaeam haben).

271 ist OL wieder (oder noch) unabhängig von Boiotien, da es damals als Hieromnemon Phrikos aus Alponos schickte (Syll.³ 419. Beloch III 2, 358; s. o.).

269 bis auf 254–244 (und wohl bis auf 239, s. 236) gehören die OL angeblich dem Ätolischen Bund an, da die Aitoler in diesem Zeitraum 40 9 Stimmen in dem amphiktyonischen Rat haben (Pomtow zu Syll³ 422. 424. 431. 444/5, 461. Walek 183f.; die Zeitangaben bei Johnson 170ff. sind ein paar Jahre später. Die Behauptung bei Salvetti 109 beruht auf einer jetzt aufgegebenen Chronologie). Da aber die Stadt Opus um 250 zum Boiotischen Bund gehörte, und zwar auf längere Zeit; weil Nikasichoros (IG IX 1, 270) zweimal Boiotarch, einmal Hipparch gewesen ist (s. o. zum J. 300), und weil die Aitoler auch wäh-50 rend der letzten Dezennien dieses Jahrhunderts, als Opus ohne Zweifel mit Makedonien verbunden war, die OL-Stimme auf sich nahmen, darf man dieser Angabe nicht zu viel Wert beimessen. Wohl nur das sogen, epiknemidische L. ist ätollseh gewesen, Opus selbst nur vorübergehend. Am Anfang dieser Zeit, als Opus mit Boiotien verbanden war, wird die Stadt .befreit* von einer Besatzung feindlicher Truppen (βαρνν δ* àxà Ùwuàv iMrœ | Φρουράς, Λοθροῖόῖν τεῦξαν JJUv#Stor); welchem Staat aber diese Truppen gehörten, ist J** sagt; sie können Aitoler gewesen sein (nach 239, s. 236 u.) oder Phoker (nach 234/8).

Zu J. 260–246 gehört eine Inschrift, am Halai in OL, worin nach dem

Philon präskribiert wird (Amer. Joom. Arch. JUX 445ff. XX 52), daher ist die Gegend von Urymna bis nach Halai damals böotisch.....

252 wird der Amphieeeer Xenephanea emiacb [1223] ἈΙτωλός genannt (Euseb. I 207 Sch.; vgl. Salvetti 104. Pomtow N. Jahrb. CLV 788).

245, als Aratos zum erstenmal Feldherr wurde, verwüstete er die Küste von WL und speziell die Gegend um Amphissa (Plut. Arat. 16. Paus. II 8, 4. Niese II 249. Salvetti 104). Kurz danach, infolge der Schlacht bei Chaironeia, ist sicher dann der Teil von OL um Larymna und Halai, wie Boiotien selbst, und gewiß auch die übrige Landschaft dem Ätolischen Bund beige- · treten, da im J. 196 (s. d.) OL ihre Freiheit angeblich zurückbekam, ist aber tatsächlich ätolisch (stcui ante fuerant Liv.) geblieben (Polyb. XVIII 47, 9. Liv. XXXIII 34, 8. Beloch III 1, 642f. III 2, 357). Der westliche Teil von OL ist schon längst, mindestens seit dem J. 269, ätolisch gewesen.

240 ist Τράτων ΑἰτοΜς Sieger im Fußlauf an den olympischen Spielen (Euseb. I 208 Sch.). Mit dieser Notiz hat Boeckh CIG 1590 und' S. 552 die Inschrift jetzt IG VII 1765 kombiniert, wonach ein Eraton von Opus Sieger in Spielen zu Oropos war, und auf den Anschluß von Opus an den Ätolischen Bund zu dieser Zeit geschlossen, worin viele ihm gefolgt sind, zuletzt Holleaux Bull. hell. XVI 469. Diese Folgerung ist dagegen von Dittenberger zu IG VII 1765 umgeworfen, indem er diese Inschrift dem 2. oder 1. Jhdt. zuweist (vgl. noch Pomtow N, Jahrb. CLV 794). Opus ist aber tatsächlich zu dieser Zeit wohl sicher ätolisch gewesen, und ich glaube, daß dieser erste Eraton (ähnlich wie der Amphisseer Xenophanes [252]) einOpun-tier war, und wohl Ahnherr des zweiten, da bei den Griechen bekanntlich die athletische Begabung vererbt wurde und ein Nachkomme gern nach einem berühmten Ahnherrn genannt wurde.

Um 236 ist ein Epiknemidier wieder Hiero-mnemon (Syll.³ 482. Walek 115). Diese Befreiung von OL ist wohl eine Folge des Kriegs zwischen Demetrios und den Aitolern, der wahrscheinlich bald nach 239 ausbrach (Pomtow N. Jahrb. CLV 831f.; Klio XVI 165, 3. Niese II 269. Beloch III 1, 656).

235 heißt der lokrische Hieromnemon [Σκαλρφεων nicht Ἀοκρῶν (Syll.³ 483, 38 nach N i k i t -skys Ergänzung; dagegen Walek 118, 10, mit Unrecht). Pomtow Klio XVI 160. 165f. gibt Parallelen dazu, wie Σικνωνιων und Τροιζανίων, Syll.³ 416. 417. Zu Syll.³ 483 Anm. 9 will Pomtow die Verwendung von Σκαρφέων dadurch erklären, daß Opus bereits phokisch ist (s. das nächste Jahr).

234 ist OL wohl Mitglied des Phokischen Bunds, da die Phoker jetzt 3 Hieromnemonen aufzählen, die Lokrer keinen (Syll.³ 488, 2 und Pomtow dazu). Phokisch blieb das Land noch Herbst 232, Frühjahr 231 nach der Inschrift Bull. heü. XXVI 250, 6 und 257, 7 (vgl. SyU.³ 494, 2. Beloch III 2, 332. 359 mit der späteren Datierung. Walek 119L). Um diese Zeit hat Demetrios Boiotien von dem Ätolischen Bund Iosgerissen (Polyb. XX 5, 3. Nies e II 274), und man hat vermutet, daß auch OL damals zusammen mit Boiotien die Aitoler verlassen habe (so nach Droyaen, Holleaux Bull. hell. XVI 469. Pomtow N. Jahrb. CLV 795. 831. Niese Ii 274, 3. Salvetti II 109), das ist aber jetzt [1224] wenig wahrscheinlich, da OL damals mit Phokis und nicht Boiotien verbunden wird.

230/29 nach dem Tode des Demetrios haben die Aitoler wahrscheinlich OL wieder genommen (Pomtow N. Jahrb. CLV 844 nach Droysen. Salvetti 117), weil Thronion ihnen im J. 207 gehörte, weil es von Philipp im Bundesgenossenkriege 220–217 zerstört wurde und daher die Gegend wohl ätolisch war, da 219 die Thermo-lOpylen in ihren Händen waren. Auch seit etwa 230/29 bis auf etwa 203/2, wo die Listen aufhören, schließt die Stimmenzahl der Aitoler (7 bis 15) die OL ein (Zusammenstellung bei W a 1 e k 185S. Pomtow Klio XIV 305 für die Daten. SylL³ 494. 498. 499. 506. 509. 523. 538. 539. 545. 564). Das trifft eigentlich wohl nur die Gegend um die Thermopylen, da Opus in diesem Zeitraum wohl meistens makedonisch war. - P o m -t o w N. Jahrb. CLV 799 glaubt, daß ,außer den 20 böotisch gewordenen Städten Larymna, Halai, Kor-seia der Teil um Opus seit 230 niemals wieder zum κοινόν der Boioter gehört hat*, was wohl richtig sein mag.

229ff. Uber die vermeintliche Zugehörigkeit von OL zu Boiotien in dieser Zeit s. o. unter dem J. 300.

Um 227 ist Larymna als ein Teil Boiotiens aufgefaßt von Polyb. XX 5, 7 (Ulrichs Reisen I 229. Pomtow 795, 22. Beloch III 2, 359, 30 und meine Besprechung der Stelle Amer. Journ. Arch. XX 52).

224/3 Winter, bei der Aufzählung der hellenischen Bundesgenossen des Antigonos Doson, fehlen merkwürdigerweise die OL (Polyb. IV 9, 4). Kuhn Entstehung 116t gibt als Erklärung, daß damals OL als makedonische Eroberung nicht berücksichtigt sei, was kaum richtig ist, da die Makedonen keine Besatzung zu Opus hielten, wenigstens keine im J, 208 (s. d.). Niese II 40 275, 1. 335 meint, daß OL jetzt zu Boiotien gehörte, Pomtow N. Jahrb. CLV 798 dagegen, daß der westliche Teil, der nämlich um Thronion, ätolisch blieb. Die Frage geht eigentlich nur Opus an, da das sogen, epiknemidische L. ätolisch. die Gegend um Larymna dagegen böotisch war. In der Tat hat Opus auf Philipps Seite gestanden (in einer Rede aus dem J. 207 bei Polyb. XII 5 (6) sind die Lokrer unter seinen Bundesgenossen aufgezählt), der Name ist einfach bei der 50 Aufzählung von 225 ausgelassen, entweder als nebensächlich (tatsächlich kommt nur eine Stadt in Betracht, kein Volk, vgl. Salvetti 110). oder weil sie gerade in diesem Jahr Boiotien gehört (Holleaux Bull. hell. XVI 468), ist daher erst nach 224 dem Philipp beigetreten, oder durch Versehen. Dasselbe ist auch mit dem Namen der Euboier geschehen, d. h. sie sind erwähnt bei Polyb. XI 5 (6), 4, verschwiegen IV 9, 4 (im J. 224). 15, 1 (im J. 220). Bekanntlich gehen die 60 Bundesgenossenlisten von 220 und 205 auf die von 224, s. Pomtow 795.

Zwischen 220 und 217 hat Philipp im Bundesgenossenkrieg Thronion zerstört (Liv. XXVIII 7, 12), das daher damals in den Händen der Aito-ler gewesen ist. Nach dem Frieden hat er wohl die Stadt zurückgegeben (oder sie nicht einmal dauernd zu behaupten versucht, gerade wie er im J. 208 verfuhr), da die Aitoler darin die von Phi- [1225] lipp ausgetriebenen Einwohner des phthiotisehen Thebens ansiedelten (die echten Thronier wurden wolil bei der Einnahme der Stadt von Philipp entweder vernichtet oder zerstreut, brauchten daher eine ἐποικία, wie etwa die der Messenier zu Naupaktos). - Skerdilidas, der Illyrier, hat sich an die Aitoler zu Naupaktos im J. 220 angeschlossen (Polyb. IV 16, 9). - Das Wunder im WL, von Phlegon Mirab. 2 ziemlich breit erzählt, dem ein schwerer Krieg mit Akarnanien in dem nächsten Jahre gefolgt sein soll, ist wohl ins J. 221 zu setzen, gerade vor dem Ausbruch des Bundesgenossenkriegs, in dem die Aitoler und die Akar-nanen einander furchtbar zerfleischten. - P o m -tow Klio XVI 165, 3 ergänzt zu Syll.³ 523 bei der Aufzählung der ätolischen Hieromnemonen vom J. 220 Σίλα (Σκαρφέ)ως, was sehr wohl richtig sein kann, da dieser Teil von OL damals ätolisch war. - Um 220 ist es interessant, zu bemerken, wie durch Vermittlung von Naupaktos, dessen Kolonie Keos eigentlich war (s. o.), die Aitoler und Keer sich gegenseitig das Bürgerrecht erteilen (Sylt³ 522). Naupaktos ist schon längst ätolisiert.

219 ist Opus auf Philipps Seite zu zählen, da er von Thessalien aus seine Truppen zuerst auf Euboia und dann auf Kynos übersetzte (Polyb. IV 67, 7), offenbar um die Thermopylen zu umgehen, die von den Aitolern gehalten wurden (vgl. Holle a u x 468. Pomtow N. Jahrb. CLV 795. Salvetti 110. Niese II 438). - In demselben Jahre unternahmen die Aitoler von Oian-theia aus (hier Οἰάνθειαν τῆς Αἰτωλίας genannt) einen Angriff gegen Aigeira in Achaia (Polyb. IV 57, 2).

218 verwüstete Philipp dann als Vergeltung dafür die Gegend um Oiantheia mit seiner Flotte (Polyb. V 17, 8), als er von seinem Zug gegen Aitolien nach Korinth zurückkehrte.

217 verwüsteten die Achaier die Felder um Naupaktos und schlugen die Besatzung in einem Treffen, wobei Kleonikos, der später Friedensvermittler war (Niese II 459), gefangen wurde (Polyb. V 95, Hf.). Kurz danach fand der Friedenskongreß von Naupaktos statt (Polyb. V 103, 2. Niese II 460).

216 ist das epiknemidische L. noch ätolisch, da einer der ätolischen Hieromnemonen damals [Πολυ?] στοατος Σκαρφεύς war (Syll.³ 538. Pomtow Klio XVI 165, 3).

Um 213 ist der ätolische Staatsschreiber Lykos (s. d.) Ἐρυθραῖος, d. h. aus Erythrai bei Eupalion im WL, eher als aus dem Erythrai bei den Thermopylen, woran Dittenberger bei Bauer Untersuch, zur Geogr. u. Gesch. 32f. denkt (Svll.³ 546, 35; vgl. W. Feldmann Anal. Epigr. (1885) 127 = Diss. Philol. Argent. IX 223. Pomtow N. Jahrb. CLV 788, und für Parallelen Swoboda Hermanns Lehrbuch⁶ I 3. 364, 6).

212 ist Val. Laevinus vor der ätolischen Versammlung, wahrscheinlich zu Naupaktos (cond-lium Aetolorum classe expedita vernit), erschienen, worauf die Aitoler den Krieg gegen Philipp erkürten (Liv. XXVI 24. Nies e II 476 und Anm. 4).

211 berichtet Liv. XXVI 26, 1–3 (unter dem J. 210; über das richtige Datum s. Niese II 476, 4. 479), wie Laevinus zur See und Skopas [1226] und die Aitoler zu Lande nach einer kurzen Belagerung die Festung Antikyra, nicht weit von Naupaktos, nahmen. Salvetti 120 (dem Niese II 479f. und Rolt sch 57 folgen) beanstandet diese Nachricht, und bezieht sie auf das phokische Antikyra, woran absolut nicht zu denken ist, da nicht nur die geographische Beschreibung genau auf die Stadt Trisonia gegenüber (vgl. oben, Geographie) paßt, sondern Livius ausdrücklich sagt, 10 die Stadt sei in Locride, und weiter wohl dasselbe meint mit der Angabe, Laevinus habe quo statu Macedonia et Graecia, Aetoli, Acarnanes, Loeriaue essent berichtet (28, 1). Zur Erklärung der Sachlage muß man annehmen, daß die Achaier im J. 218 oder vielmehr 217 die Stadt Antikyra erobert hatten, oder, da dies keine besonders günstige Stelle für eine Stadt war, dagegen für eine Festung die denkbar vorzüglichste, dieses schroffe Vorgebirge verschanzt hatten, da die Mauern, be~ 20 sonders die der Akropolis, außerordentlich stark sind. Diese Festung auf dem einzig gangbaren Küstenweg zwischen Naupaktos und dem Osten ist dann nach der Bestimmung des Friedens von Naupaktos, daß Jeder behalten solle, was er habe⁴ (Niese II 460), in Philipps Händen geblieben. Diese für die Aitoler höchst unbequeme Befestigung Philipps liefert die sonst vermißte Ursache, warum die Aitoler jetzt so leicht gegen Philipp aufzuhetzen waren (vgl. Niese II 476), und er-30 klärt ferner, warum ihre Bekriegung eine der ersten Unternehmungen der verbündeten Römer und Aitoler war.

209 (208 nach Livius, s. o.) setzten die Achaier ein Heer von Naupaktos aus über und verwüsteten Achaia (Liv. XXVII 29, 9). Kurz danach kam Sulpicius mit der römischen Flotte nach Naupaktos (XXVII 30, 11), von wo aus er die Gegend zwischen Sikyon und Korinth verwüstete (31, 1), nach Naupaktos zurückkehrte (31, 3), dann nach 40 Elis überging (32, 2); er verließ aber Naupaktos später in demselben Jahr und überwinterte mit Attalos zu Aigina (33, 5).

208 (207 nach Livius) fuhren Sulpicius und Attalos nach Nikaia, damals, wie die Thermo· pylen selbst, die die Aitoler neu gegen Philipp verschanzten (Polyb. X 41, 5. Liv. XXVIII 5, 8), ätolisch, um einer Versammlung der Aitoler zu Herakleia beizuwohnen. Nach einem glücklichen Angriff aus Oreos landeten sie dann später bei 50Kynos in OL und nach einer kurzen Belagerung nahmen und plünderten sie Opus (Liv. XXVIII 6, 12. 7, 4; Kynos ist wohl nicht stark befestigt). Das bezeugt, daß Opus damals auf Philipps Seite stand. Philipp kam in Eilmärschen zu der Stelle, vertrieb die ätolische Besatzung aus den Thermo-pylen nach Herakleia, und bemächtigte sich beinahe des Attalos selbst, der schleunigst nach seiner Flotte floh (Liv. XXVIII 7, 3ff. Cass. Dio XVII frg. 57, 7, der aber angibt, daß Philipp an 60 den Thermopylen längere Zeit aufgehalten wurde, in direktem Widerspruch mit Livius. Zonar. IX II. Was Sulpicius damals tat, ist nicht überliefert, wahrscheinlich blieb er zu Kynos.) Opus war mit, Philipp verbündet, aber nicht förmlich untertan, da es damals keine makedonische Besatzung in der Stadt gab und Philipp die Opuntier wp?cn ihrer schleunigen Übergabe der Stadt heftig schalt. Auch hatten kurz vorher die Bomter (und wohl [1227] auch die OL) Hilfe von Philipp erbeten, während er wenig für sie tat (Polyb. X 41 und 42; vgl. Liv. XXVIII 5, 5 und Holl eaux Bull. hell. XVI 467). Darauf ging Philipp nach Thronien (Glare a n u s für Toronem der Hss.), das er leicht zum zweiten Male eroberte (Liv. XXVIII 7, 10. 12. Niese II 490f.). Den Thermopylenpaß und die Stadt Thronion aber hat Philipp nicht behalten können, wenn er nicht zuerst Nikaia eroberte, was er damals gewiß nicht tat. Die Unternehmung 1 war daher nichts als ein Rachezug, und die im engeren Sinne sog. Epiknemidier blieben noch ätolisch (vgl. zum J. 205 u.). - Später, in demselben Jahre, fuhr Philipp von Aigion nach Antikyra (gewiß die lokrische Stadt mit Hafen auf der Insel Trisonia, wo seine Flotte die Karthager erwartete; das phokische Antikyra ist bei diesem Unternehmen undenkbar), und verwüstete von da aus wieder die Gegend um Erythrai, Eupalion, Potidania und Apollonia ÇLiv. XXVIII 8, 7ff.). *

Um 206 wird Skarpheia bei den Thermopylen unter den ätolischen Städten von den Magnesiern aufgezählt (Kern Inschr. 28. Syll.³ 557).

205, als Frieden geschlossen wurde, fehlen die OL auf der Laste von Philipps Verbündeten (Liv. XXIX 12, 14; vgl. zum J. 224 oben). Bestechend ist die Ansicht von Pomtow N. Jahrb. CLV 798, die OL seien in einem besonderen Vertrag mit den Aitolern, den Philipp schon geschlossen hatte, abgefertigt. Ohnehin ist die Bestimmung ί über eine einzige Stadt wie Opus, die allein in Betracht kam, eine Kleinigkeit. Nikaia, Thronion und die Thermopylen blieben ätolisch, da die Aitoler diese Stellen im J. 198/7 (s. d.) noch behielten, wobei ich nicht verstehe, warum Niese II 503 behauptet, die Aitoler hätten in dem ersten makedonischen Krieg verloren, was sie .bei den östlichen Lokrern noch besessen hatten¹. Auch Walek 162, 53 irrt, wenn er es versichert, ,das ganze Land⁴ sei ,den Aitolern entrissen⁴. Unmög-' lieh ist seine Vermutung, Philipp habe auch Nikaia zusammen mit Thronion erobert, da das weit entlegene Thronion unbedeutend ist im Vergleich mit der dicht an dem Paß selbst gelegenen Festung, und es undenkbar ist, daß Livius die Eroberung des Hauptortes zu erwähnen versäumen würde. Walek übersieht, daß die Verhandlungen zu Nikaia und Thronion im J. 198/7 bezeugen, daß diese Orte ätolisch sind, und da Heiakleia sich in den Händen der Aitoler befand, ist der Thermopylenpaß, und daher das ganze sog. epiknemidische Lokris, das von diesen Stellen abhängig war, nach 205 ätolisch geblieben. Dazu kommt auch die Angabe der Inschriften, die unter den ätolischen Hieromnemonen der Jahre 205 oder 203 (Archon Megartas Syll.³ 564. Pomtow Klio XIV 305) und 202 (Bull hell. XVIII 235. Pom -t o w a. a. O.) einen Θηβαίος nennen, d. h. einen Mann aus den Bürgern des phthiotischen Thebens, die von Philipp im J. 217 (Polyb. V 99f.) vertrieben, von den Aitolern in Thronion angesiedelt wurden (Swoboda Hermanns Lehrb.⁶ I 3, 347, 2). Daraus folgt unanfechtbar, daß Thronion von den Aitolern auch nach dem Frieden vom J. 205 behalten wurde. Die Satzungen des Friedens von 196 (s. d.) betreffen daher nur Opus. - Pom-tow zu Syll.³ 597, 1 und Klio XVI 165 stellt die Ansicht auf, daß die Inschriften mit der [1228] Formel ὰ πόλις τῶν Ὀπουντίων καὶ ΛοκροΙ (od. ol Λ.) οἱ μεθ ὌπουντΙων (Syll.³ 597) oder ὌπουνTtoc καὶ Λοκροὶ μετὰ ὌπουντΙων (IG IX 269- 276) zwischen 206 und 196 fallen, genauer gerechnet 205–200, weil sie in eine Friedenszeit besser passen. Dittenberger zu IG IX 1, 270 setzt die Schrift dieser Inschriften um 200 an. Jedenfalls stammen sie wohl aus der Zeit vor 196, als OL den Aitolern übergeben wurde, da die Formel –0 klar auf Selbständigkeit deutet. Das obere Datum ist aber nicht so sicher, weil wir gesehen haben, daß die OL wahrscheinlich nur Bundesgenossen, nicht Untertanen der Makedonier waren. Daß der Aitoler Lykopas, wahrscheinlich der Legat von 189, erwähnt wird, weist diese Gruppe von Inschriften in die Zeit um 200 (Pomtow Syll.³ 597 B). Schon wegen der Zweiteilung des Landes zwischen 234 und 196 können diese Inschriften nur aus irgend einem Jahre zwischen 234 und Ϊ0 196 stammen. Swoboda Hermanns Lehrb.® I

3, 441, 3 möchte sie nach 167 ansetzen; das scheint aber ganz ausgeschlossen.

Aus 202 stammt die letzte erhaltene Inschrift, die die OL (d. h. die Epiknemidier im engeren Sinne) zum Ätolischen Bunde rechnet (W a 1 e k 162, 187; vielleicht stammt noch eine aus dem J. 203; s. Pomtow zu Syll,³ 564).

200 ist eine Gesandtschaft von drei Senatoren vor der ätolischen Versammlung zu Naupaktos J0 erschienen (Polyb. XVI 27, 4), und daselbst etwas später in demselben Jahr oder Anfang 199 wurde der Krieg gegen Philipp von den Aitolern angekündigt (Liv. XXXI 29–31. 40, 9). Für andere Beispiele der großen Versammlung der Aitoler in Städten außerhalb Altaitoliens s. Swoboda 357, 1. 3.

200–167 ist WL noch ätolisch, wie Salvetti 125. 128 und Dittenberger Herm. XXXII 177ff. aus einer Reihe delphischen Urkunden dieses 40 Zeitraums nachgewiesen haben (vgl. o. zum J. 280).

199ff. in dem zweiten Makedonischen Krieg haben die Lokrer, aber nur die von Opus, freiwillig auf der Seite Philipps gestanden, consensu omnium nach Liv. XXXIV 32, 8 in der Rede des Flamininus vor Nabis 195, was allerdings in jeder Hinsicht eine gewaltige Übertreibung ist, und gerade diese tendenziös verdrehte Behauptung wird von Flamininus aufgestellt, um eine genaue Parallele für sein damaliges Verlangen zu ge-50 winnen (vgl. zum nächsten Jahre).

198 hatte Philipp Truppen in Phokis und OL, vor allem eine Besatzung in Opus. Diese konnte sich nur in der Burg behaupten, als die Opuntier nach der Eroberung von Elateia zu Philipps Gegnern übertreten wollten. Das Volk hatte es vorgezogen, die Stadt den Aitolern zu übergeben (vgl. Niese II 242. 1), die optimales dagegen den Romern, beide zusammen aber, und auch die Römer selbst, konnten die Besatzung nicht über-60 reden, die Burg aufzugeben, was auf eine außerordentlich feste Stellung deutet. Eine förmliche Belagerung der Burg wurde durch die Ankunft eines Herolds von Philipp unterbrochen. Flami-ninus hatte daher nur die untere Stadt mit seiner Besatzung behalten (Liv. XXXII 32, . Plut. Titus 5). Merkwürdig ist es, daß beide Parteien die Sache Philipps verlassen wollten (er hat Opus in 208 nicht rechtzeitig verteidigt), während die [1229] Boioter an Philipp noch festhielten, eine Verschiedenheit in der Politik, die, wie Η ὁ 11 e a u x Bull. hell. XVI 470 hervorhebt, auf die damalige Selbständigkeit von OL deutet. Kurz danach verlangte Flamininus in den bekannten Verhandlungen am Ufer bei dem (ätolischen) Nikaia und auf der Küste bei Thronion (Polyb. XVIII 1, 5. 7, 7. 9, 3. Liv. XXXII 32, 9. 35, 2. 36, 3. Niese II 621Π.) die Zurückziehung aller Truppen in Phokis und OL, was Philipp gleich tat 1 (Polyb. XVIII 10, 4. Liv. XXXII 36, 9). Wale k 162, 53 mißversteht dies Verlangen, indem er meint, es bezeuge, daß das ganze OL damals in Philipps Händen war. Tatsächlich kommt nur Opus in Betracht, und weil es die Hauptstadt war, spricht man ungeniert von Locris. Ohne jeden Zweifel ist das sogen, epiknemidische L. diese ganze Zeit hindurch ätolisch (s. o. zum J. 205. Pomtow N. Jahrb. CLV 798. S a I v e 11 i 121). Daß die OL ihre Freiheit im J. 196 erhalten soll- 2 ten, beweist gar nicht, daß die ganze Landschaft jetzt oder jemals von Philipp behalten wurde. - Der Friede ist damals doch nicht zustande gekommen, da der Senat die Räumung von noch anderen Städten verlangte, unter denen besonders Chalkis OL, Phokis und Boiotien bedrohen sollte (Polyb. XVIII 11, 6).

196 nach den Friedensbedingungen wurde OL (wieder nur Opus, da der westliche Teil noch ätolisch war) angeblich »befreit* (Polyb. XVIII i 46, 5. Liv. XXXIII 32, 5. Plut. Titus 10), tat sächlich aber den Aitolern übergeben (Polyb. XVIII 47, 9. Liv. XXXIII 34, 8). Die Ursache dieser heuchlerischen Verwendung des Prinzips der Selbstbestimmung ist nicht so sehr, daß Aito-lien das Land früher in seinem Bund gehabt hat (κα·θάπερ xai πρότερον ἐν τῆ συμπολιτεία Polyb. sicut ante fuerant Liv.), obgleich es eine Zeit zum Bunde gehörte (s. o. zum J. 245), als daß Opus zu schwach war, seine Selbständigkeit zu behaupten, und daß Aitolien Belohnung für seinen Anteil am Krieg verlangte. Unmöglich war es auch, Opus den Boiotern zu geben, da sie Philipps treue Bundesgenossen blieben. - Wegen der Art, wie die vermeintliche Freiheit der Lokrer verstanden wurde, ist unwahrscheinlich die Ansicht von Keramopoullos θφημ. ἀρχ. 1908, 168L, daß die Münzen bei Head HN³ 337 schon mit dem J. 197 anfängen, und daß nachher die Lokrer im allgemeinen und insbesondere die Stadt Amphissa einer gewissen Autonomie sich erfreuten. Diese gehören vielmehr der Zeit der tatsächlichen Befreiung nach 167 (s. d.).

193 beriefen die Aitoler eine Versammlung nach Naupaktos, die die ersten Sehritte für den bevorstehenden Krieg mit Born tat (Liv. XXXV 12, 3).

191 wohnte Antiochos einer Versammlung der Aitoler zu Naupaktos bei (Liv. XXXVI 11, 6f. Niese II 701). Kurz danach brachte Menestas aus Epeiros (vgl. Niese II 697, 1. 710, 1) eine Besatzung in die Stadt und brachte sie zur Erhebung gegen Rom; die von Seiten der Römer geforderte Auslieferung des Menestas ist dann einer der Gründe, des darauf erneuten Kriegs (Liv. XXXVI 28, 3). Am Anfang zog sich Antiochos auf die Thermopylen zurück, die jetzt wiederum [1230] befestigt wurden (Liv. XXXVI 15, 5β., sicher nach Polybios, s. Niese II 704, 3. Liv. XXXVI 16, Ifi.). Hier wurde sein Heer geschlagen und vollständig aufgerieben, wobei die Verfolgung bis an die Stadt Skarpheia reichte (Liv. XXXVI 19, 5; über die Schlacht Hertzberg I 125f. Niese II 705t.; Geschichte und Topographie vorzüglich erörtert von Kromayer Ant. Schlachtfelder II 134S., dazu Karte nr. 5). Einige Zeit blieb Aci-Olius in der Nähe des Schlachtfelds (Liv. XXXVI 22, 1. 25, 1), während nach dem kurz darauf folgenden Sturz von Herakleia die ganze verfügbare Streitmacht der Aitoler sich zu Naupaktos sammelte, unternahmen die Körner jetzt die Be-kriegung dieser Festung. Appius Claudius ging voran mit 4000 Mann, um die schwierigen Pässe zu besetzen, und Acilius folgte ihm nach über Kallipolis (Kallion) und Korax (s. d.), einen Weg, den die Aitoler damals offen ließen, wahrschein-lOlich weil sie den Consul an dem Passe bei Am-

phissa und der Küstenstraße erwarteten (Polyb. XX 11, 11. Appian Syr. 21. Liv. XXXVI 30, 4ff.). Nach zwei Monaten ist die Belagerung auf Geheiß des Flamininus aufgegeben worden, während Gesandte nach Rom geschickt wurden (Liv. XXXVI 34, 1ff. Plut. Titus 15. Zonaras IX 19, 14. HertzbergI30. Niese II 714; ausführlich über die Verhandlungen Swoboda Hermanns Lehrb.« I 3, 362, 6).190, als die Aitoler den erneuten Angriff des

Acilius auf Naupaktos durch Besetzung der Wege über Korax verhinderten, zog dieser durch Dons und belagerte Amphissa, das sich tapfer verteidigte, obgleich die Mauern sehr beschädigt wurden (Liv. XXXVII 4, 7. 5, 4ff.). Auch hier ist die Belagerung bald aufgegeben worden, diesmal weil die Scipionen gegen Antiochos Ioszuschlagen vorzogen, und ein Waffenstillstand erfolgte, wobei Acilius sich nach Rom begab (Polyb. XXI 4, 1. 9. 40Liv. XXXVII 6, 5 bis 7, 7. Hertzberg I 131f.

Nies e II 722f. Colin Rome et la Grèce 199ff.). Die erstaunliche Behauptung von Dubois Bibl. des Ecoles franç. XL 42, daß die Römer in diesem Krieg Naupaktos und Amphissa nahmen und L. daher die Freiheit schon im J. 189 erlangte, wird zurückgewiesen von Dittenberger Herm. XXXII 184, 2; vgl. 177ff. und Salvetti Studi di Stör. Ant. II 127f. Daß auch OL im J. 191/190 ätolisch blieb, wird bezeugt durch die Inschrift 50 SGDI 1985. 1986, worin ein Skarpheier und ein

Opuntier nach dem ätolischen Stratèges präskribieren (Salvetti 124. Dittenberger Herm. XXXII 185). - Während Acilius in der Nähe war, erhoben sich die Delphier und setzten durch seine Hilfe ihre Autonomie durch, wobei sie die Güter im Bezirk von Delphoi sowie die Häuser (mitsamt einer Badeanstalt) in Delphoi selbst, die Aitolern und WL gehörten, in Beschlag nahmen, ein Verfahren, dessen Gültigkeit durch Formulie-60 rung als Schiedsspruch des Consuls gesichert

wurde. Die meisten, die das eklatante Unrecht dabei erlitten, stammten aus Amphissa, Physkos, Naupaktos, Tolophon und Chalaion; die Altaitoler kommen kaum in Betracht. Damals wurden auch die Grenzen des heiligen Bezirks neu festgelegt, selbstverständlich ganz zugunsten der Delphier, da die Sache der Aitoler und WL ja nicht einmal gehört wurde. Diese Einrichtungen wurden dann [1231] von dem Senat bestätigt, und als Rache dafür erschlugen, wie es scheint, die Aitoler die von Rom zurückkehrenden Gesandten der Delphier, mußten aber doch schließlich die Selbständigkeit von Delphoi zugestehen. Diese sind die wichtigsten Ergebnisse der Reihe von Inschriften auf dem Denkmal des M.’ Acilius, die Pomtow Klio XVI nr. 115–123 (Kommentar 1350.). Syll.³ 607- 612 herausgegeben hat. Der Schiedsspruch des M.’ Acilius wird ferner erwähnt Syll.³ 826 E 20. 827 C 5 (= D 7) E 2; insbesondere hat er Na-teia den Amphissern genommen und ,dem Gott gegeben⁴. Natürlich hat diese Ausdehnung des heiligen Bezirks Schwierigkeiten mit sich gebracht, die wieder im J. 180 und den folgenden Jahren (Syll.³ 614. 615. Klio XVI 139) nur durch neue Schiedsgerichte zu beschwichtigen waren. - Interessant ist die Wundersage, die vom Volk an diesen Krieg angeknüpft wurde. Sie steht bei Phlegon von Trafics (Westermann Παραδοξ. 1270. Keller Rer. Nat. Scr. III), wo nach einem sonst nie erwähnten Peripatetiker Antisthenes (von Schwarz o. Bd. I 2537f. mit dem Geschichtschreiber aus Rhodos gleichgestellt) sehr breit erzählt wird, wie nach der Schlacht an den Thermopylen die Römer nach Naupaktos marschierten, um in einem Ἰερὸν κοινὸν τῶν Ἐλλήνων zu opfern (kein Wort dabei von Krieg oder Belagerung). Nach dem Opfer soll der Feldherr .Publius⁴ (wohl Erinnerung an Publius Scipio Africanus, der im nächsten Jahr vor Amphissa erschien) wahnsinnig geworden sein; zuerst prophezeite er über den Krieg mit Antiochos in Asien, erklomm dann eine Eiche, worauf ein roter (πυρρου sie) Wolf erschien; Publius stieg herunter und wurde ohne Widerstand von ihm gefressen, außer dem Kopf, der noch weiter prophezeite. Die Römer errichteten dann dem Apollon Lykios einen Tempel, und das Heer segelte nach Hause (in der Tat ist es zu Fuß nach dem östlichen Griechenland gezogen). Das ganze ist wohl Tempellegende des Ἀπολλώνιον bei Naupaktos (s. u. R e 1 i g i o n), ausführlich besprochen zuletzt von A. J. Reinach Bull. hell. XXXIV 2770.

189 im Frieden verloren die Aitoler alle ihre Eroberungen außer WL, Doris, Ainiania, Herakleia in Trachis und OL (Friedensurkunde bei Polyb. XXI 32, 2ff. bes. 13. Liv. XXXVIII 11, 9; vgl. Salvetti 127f. Dittenberger 161ff. 1770. Beloch Herm. XXXII 6670. Niese III 12). Beide Teile des Landes sind bis auf 167 ätolisch geblieben. Das Hauptzeugnis ist die amphiktyo-nische Inschrift von 178 (Syll.³ 636) nach der Erklärung von De Sanctis bei Salvetti 132, 1. Dittenberger a. a. O. 1610. Pomtow N. Jahrb. CXLIX 663f. 838. CLV 758. 816, 57 (weitere Literatur zu der Frage bei Syll.³ 636), daß nämlich, obgleich die Aitoler nicht genannt wurden, sie tatsächlich die Oberherrschaft behielten, da die Hieromnemonen dieser Landschaften alle Aitoler waren. - Über dæ im J. 189/8 bezeugte Staatsordnung, wonach WL ein τέλος des Ätolischen Bundes war, s. Salvetti 128. Dittenberger 1820. Keramoponllos Ἐφ. ἀρχ. 1908, 168f. und u. Staat und Kultur.

[Alope (verbessert aus der Hs. halopetiMcapta), das von Q. Marcius im J. 171 genommen wurde (Liv. XLII 56, 7), ist die thessalische Stadt (so [1232] auch Toepffer o. Bd. I S. 1595. Niese III 127), eher als die WL (Weißenborn z. St.), da jene dicht bei Larisa Kremaste, das auch angegriffen wurde, lag, und dies nie eine bedeutende Festung war.]

167/6 (WL wurde tatsächlich erst zwischen Juni und November 166 befreit, Pomtow N. Jahrb. CLV 789, 8), nach dem dritten Makedonischen Krieg sind OL und WL endlich vollständig 10 frei von Aitolien geworden, eine Tatsache, die nur durch die Inschriften zu ermitteln ist (die Zeugnisse bei S a 1 v e 11 i 134f. Dittenber-ger 161ff. Syll.² 291. Fouilles de Delphes III 1, 218 k). Seitdem datierte man nach dem Agono-thetes der Lokrer. Naupaktos allein und wohl die nächste Umgebung ist ätolisch geblieben (bezeugt durch eine Reihe von Inschriften aus der Mitte des 2. Jhdts. bei Nachmanson Ath. Mitt. XXXII 7ff.), auch in die Kaiserzeit hinein (Liv. XXXVIII 20 11, 9. Cic. in Pis. 91. Caesar Bell. Civ. III 35, 1 und die Geographen; vgl. Dittenberger 179, 1 und zu IG IX 1, 357). Cahen Bull. hell. XXII 358f. beweist auf Grund einer Inschrift von Phys-kos, daß auch Oineon oder Oinoe nach 167 ätolisch blieb (dagegen aber mit Unrecht Niese III 184, 3). Das ist auch nach seiner geographischen Lage zu schließen, da Eupalion, Erythrai und Oineon im Machtbereich von Naupaktos Hegen, erklärt ebenfalls, warum im J. 426 (s. d.) Oineon 30 auf Seiten der Messenier und Athener zu Naupaktos gegen Eurylochos stand.

167–165 setzt Pomtow (Klio XVI 139- 141) die zweite χρίεις über den heiligen Bezirk zu Delphoi, die nämlich, wobei Pausanias aus Thessalien den Schiedsspruch gab. Er scheint ziemlich gerecht gegen die Forderungen der Am-phisseergewesen zu sein, da diese sich noch später auf seinen Schiedsspruch berufen.

Um 165 erscheint auf der bekannten Kassan-40 dertafel (Syll.³ 653) das κοινὸν Λοκρων τῶν ἤοιων, das wohl gleich nach 167 errichtet wurde, aber nicht lange Zeit dauerte (s. u. Staat und Kultur).

Um 150 läßt Pomtow N. Jahrb. CLV 748, 16 Naupaktos den Aitolern verloren gegangen sein. Woraus er dies folgert, ist nicht klar, und die Stadt scheint bis in die Kaiserzeit ätolisch geblieben zu sein (s. o. zum J. 167/6).

147 haben die Lokrer (wohl nur die OL) zu-50sammen mit den Phokern, Euboiern und Boiotern (die letzteren gegen die Römer wegen einer ihnen von Metellus auferlegten Strafe für Gewalttaten gegen ihre Nachbarn, darunter Amphissa [‌Paus. VII 14, 7], aufgeregt, s. Hertzberg I 240f.) den Krieg zusammen mit dem Achäi sehen Bund gegen Rom mitgemacht (Polyb. XXXVIII 3. 8).

146 nach der Versammlung zu Korinth, wo der Krieg gegen Rom von den Achaiern beschlossen wurde, ging einer der Gesandten des Metellus, 60 namens Gabinius, zu den Aitolern nach Naupaktos (Polyb. XXXVIII 13, 9. Niese III 346). Später in demselben Jahre wurden die Verbündeten unter Kritolaos von den Römern bei Skar-pheia vollständig geschlagen (Paus. VII 15, 3, 4. 9 usw.; die vollständige Überlieferung darüber bei Hertzberg I 266ff. Nies e III 347). Darauf folgten die von den Römern auf Mittelgriechenland auferlegten Strafen, wobei die Lokrer unter [1233] 1233 Lokris (Geschichte) anderen schwer litten (Polyb. XXXVIII 3, 8. Niese III 3471.).

Nach diesem Krieg scheint die Stammverfassung der Lokrer von den Römern zuerst aufgehoben (Paus. VII 16, 9f.) und dann wieder hergestellt zu sein, wenigstens beteiligten diese sich wie früher an der delphischen Amphiktyonie (vgl. o. Bd. IV S. 2691L Nies e III 355, 3). Nach-m a n s o n Ath. Mitt. XXXII 55ff. meint, daß der WL-Bund im J. 143 noch nicht wieder hergestellt sei, und daher in diesem Jahre ein Aitoler als Agonothet für Naupaktos diente. Sie waren abgabepflichtig, sicher die OL, und zuerst wohl auch die WL, die zu Plinius’ Zeit die Steuerfreiheit hatten (Plia. n. h. IV 7), insbesondere Amphissa (IV 8), dies wohl sicher erst unter Augustus nach der Gründung von Nikopolis (Niese III 357, 6; vgl. Kuhn Verfassung II 71). Wann die anderen WL immunes geworden sind, wissen wir nicht, wohl aber als Augustus die Freiheit an Patrai, eine römische Kolonie, die WL bewirtschaftete, gab (Paus. VII 18, 7. X 38, 9). Über die neue Ordnung, die wohl kurz vor 130 verzeichnet ist (Pomtow N. Jahrb. CLV 673), s. Wescher Rev. arch. 1864, 407L, 498. Mon. biling. de Delphes (1888). Hertzberg I 511, 73. Sylt³ 826 die große Inschr. mit Pomtow s Ammer-kung dazu, sowie auch Pomtow N. Jahrb. CLV 6690. Klio XVI 1390. In dieser Ordnung werden die Hypoknemidier genannt (Sylt³ 692, 20, und 826 öfters), was zeigt, daß das xotvov Λοκοῶν τῶν ἬοΙων nicht lange Zeit gedauert hat (vgl. Pomtow Klio XVI 165, 3).

Am Ende des 2. Jhdts. zeigt eine Inschrift aus Delphoi, wie Skarpheia und Thronion um die Hegemonie über die sog. Epiknemidier (im engeren Sinne) streiteten (s. den Art. Skarpheia). Der Sieg ist definitiv bei Skarpheia geblieben, wie immer in einem friedlichen Zeitalter. Die in der Ebene liegende Stadt gewinnt damals den Vorrang über die auf den Höhen gelegene. In der Kaiserzeit ist Thronion verschwunden, Skarpheia dagegen bis auf das byzantinische Zeitalter Bischofssitz geblieben.

In dem zweitletzten Hieromnemonenverzeichnis, jenem nämlich von ca. 117 (Syll.³ 704 E. IG II² 1134), fehlen beide Lokrer, was noch nicht erklärt ist, da aber die Boioter und ein Euboier auch fehlen und noch andere Schwierigkeiten in der Liste vorkommen, ist die Erklärung wohl eine ziemlich allgemeine, nicht die Lokrer allein betreffende.

86 hat Sulla Larymna und Halai zerstört, um Mithridates keinen Hafen in Mittelgriechenland übrig zu lassen, und etwa zu der gleichen Zeit das sog. Ober-Larymna begründet (Plut. Sulla 26; vgl. Amer. Journ. Arch. XX 49f. 54).

57–55 nach dem Zeugnis des Cicero, allerdings eines nicht unparteiischen Zeugen, haben Naupaktos und die Lokrer (wohl nur die WL) unter der Mißwirtschaft des Piso gelitten, der damals Statthalter von Makedonien war. Dieser hat die Bergvölker zuerst bekriegt und dann ihre Raub- und Rachezüge unverhindert gegen die Städte Aitoliens durchführen lassen (vgl. De prov. cons. 4. In Pisonem-l, 96. Hertzberg I 430. Drumann Gesch. Roms’ II 55f.).

Im Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pom- [1234] peius hat WL zuerst, wie das übrige Griechenland, auf der Seite von Pompeius gestanden, da Amphissa eine besondere Abteilung (freilich Pho-cicas.., manus genannt, was nur geographischer Irrtum ist) zum Heere bei Pharsalus lieferte (wohl im vorigen Jahr gesammelt) nach Lucan. III 172 (wahrscheinlich aus Livius). Im J. 49 dagegen hat Caesars Legat Calvisius die Besatzung des Pompeius aus Naupaktos geworfen (Bell. civ. III 34, 2. 10 35, 1. Hertzberg I 452), und Domitius Cal-vinus hat dann wahrscheinlich Zuzug aus Aitolien und WL geholt, um den Krieg gegen Scipio fortzuführen, da Dio XLI 5 diese ausdrücklich nennt, obwohl Caesar Bell. civ. III 36 nichts davon sagt (Hertzberg I 454, 70).nach der Schlacht bei Aktium schlug Augustus die Küste von Aitolien und WL dem Gebiet der römischen Kolonie zu Patrai zu (Strab. X 460. Paus. VII 18, 8. X 38, 9). Amphissa aber blieb 20 frei und immun (Plin. n. h. IV 8. Paus. X 38, 4.

Vgl. Hertzberg I 497. Bauer Unters, usw. 47 und oben zum J. 146), wohl im Zusammenhang mit der Gründung von Nikopolis, wobei viele Aitoler, um nicht in Nikopolis wohnen zu müssen, nach Amphissa übersiedelten, die Ursache, nebenbei bemerkt, warum die Amphissecr zu Pausanias' Zeit Ozoler genannt zu werden sich schämten (X 38, 4), da sie tatsächlich Aitoler und nicht Lokrer waren (vgl. Dittenberger Herm. 30XXXII 177, 1 gegen Gilbert Staatsalt. II

22, 2).

Am Ende der Republik und in dem 1. Jhdt. der Kaiserzeit bildeten die Lokrer ein κοινόν zusammen mit den Boiotern, Euboiern, Phokern und Doriern oder Achaiern. Die erste Inschr. IG III 568 stammt aus den letzten Jahren der Republik oder der Zeit des Augustus (Mommsen dazu. Colin Rome et la Grèce 650). Aus 35/6 n. Chr. stammt die Inschr. IG IV 934, 935 (vgl. 40PränkeI z. St.), dagegen kurz nach 37 IG VII 2711 und wohl aus ungefähr derselben Zeit IG VII 2878. über dieses κοινόν vgl. Kuhn Verfassung II 13. Hertzberg I 510, 72. Swoboda Hermanns Lehrb.⁶ I 3, 294, und u. Staat und Kultur.

Zur Zeit Strabons sind Opus und Amphissa noch ziemlich blühende Städte (IX 425 für Opus; Hertzberg I 487 redet, als ob Strabon dasselbe für Amphissa bezeugte, was unrichtig ist; SOAmphissas Blüte folgt aus der oben erwähnten Tatsache der Freiheit und Immunität, sowie der Übersiedelung vieler Aitoler). Larymna undHalai erscheinen unter den böotischen Städten (IX 405. 125). WL als immunis ist auch wahrscheinlich wohlhabend. Naupaktos ist in dieser Zeit noch eine der Hauptstädte der Aitoler (IX 426) und ist durch viele Jahrhunderte (zuletzt alsLepanto), ähnlich wie Amphissa (zuletzt Salona), unter den wenigen wohlhabenden Städten Griechenlands ge-60 blieben.

Am Ende des 1. Jhdts. n. Chr. hat Apollonios von Tyana das Mutterland, darunter Argos, L., Sikyon und Megara bereist und darüber geurteilt, daß sie fast völlig barbarisiert worden seien (Philostrat. Apoll. Epist. 34; vgl. Hertzberg II 73, 36).

106/7 hat ein großes Erdbeben Opus nebst vielen anderen Städten des Ostens verwüstet [1235] Ouseb. II 162f. Sch. aus Synk., Vers. Armen, ad Hieronymus (diesen letzten in der Helmschen isgabe 8.194). Oros. VII 12 (nach Hieronymus), ertzberg II 152, 72).

117–119 dauerte der alte Streit über den ïiligen Bezirk zu Delphoi, der endlich in sehr rnuicher Weise geschlichtet wurde (Inschr. und it. darüber bei Syll.³ 826). Die endgültige Ent-heidung scheint der Sache der Delphier ziemlich instig ausgefallen zu sein, was sein Recht wohl 1 irin hat, daß ihre Ansprüche nach der Zer-örung von Krisa technisch gut begründet waren, ährend die der dabei liegenden Stadt nur auf 'acht oder Gewohnheit fußten und daher unter jr römischen Herrschaft und vor einer Kom-ission von Altertumsforschern wenig imponierend •schienen. Hier werden die OL (Hypoknemidier enannt) und die WL (Hesperier genannt) öfters •wähnt, eine Tatsache, die ihr Fehlen in der iste von 117 v. Chr. (s. d.) um so auffallender 2 rächt.

Zur Zeit des Pausanias existierten in OL noch ie Städte Larymna, Korseia, Kyrtones und Halai, ie er zu Boiotien rechnet; der Perieget hat aber •pus und das andere Land nicht bereist. In WL estanden noch Amphissa und Naupaktos als lühende Orte mit alten Kulten; sonst erwähnt r nur Myania und Oiantheia (vgl. Hertzberg [ 445. 480). Man reiste damals von Oiantheia is Naupaktos zur See, sonst wären Tolophon und ί ’hyskos kaum unerwähnt geblieben. Damals um-ißte das Gebiet von Naupaktos die ganze Küste is Oiantheia, da Naupaktos von Paus. X 38, ὀμοροῦσα genannt wird (Bursian Geogr. I 50 Anm.). Die dazwischen liegenden Ortschaften ind unter der ätolischen Herrschaft wohl sehr liedergegangen.

197 unterzeichnete Kallikrates, Bischof von laupaktos, bei der ersten Synode von Ephesos, je Qui en Orions Chr. II 198f. N. XV 1, Nau· taktos ist sicher unter den ältesten der 10 Bisümer Nordgriechenlands.

Das Itin. Antonini (aus dem Anfang des k Jhdts.) erwähnt jOpus als die wichtigste Stadt wischen Demetrias* und Chalkis (Itin. Marit, bei i. Miller a. a. O. S. LXVII).

Etwas später erscheint Naupaktos als der richtigste Hafen zwischen Korinth und Oxeae Itin. Rom. S. LXIII nr. 327).

Im 4. Jhdt., und wohl seit Anfang desselben, find Opus, Skarpheia und Naupaktos bekannt inter den Bistümern Griechenlands (Harnack tfise. und Ausbreitung des Christentums³ II Ï37, 1 und den Art. Skarpheia). - Unter den Patres Nicaeni erscheinen nur drei aus Achaia, seiner aus einer lokrischen Stadt (Geizer-Bfilgenfeld-Cuntz Patr. Nicaen. Nomina [1898).

343 beim Konzil von Sardica ist die Signatur Martyrium ab Achaia de Neapoli (var. Naupactis) ohne Zweifel die des Bischofs von Naupaktos (s. Duchesne Mfl. d’ Arch. et d’ Hist.XV378,2).

401/2 unter Areadius und Honorine bei den Vorbereitungen gegen Alarich wurden Skarpheia und Korinth als die zwei Kornkammern Griechenlands bestimmt (Syll.⁸ 908. Hertzberg III 414).

401 n« [1236] paktos bei den ökumenischen Konzilien zu Ephesos und Chalkedon (Hertzberg III 437. 440. 442, 62. 444. 445), und Irenaios aus Naupaktos ist besonders tätig gewesen.

457 oder 458 erscheinen Opus und Skarpheia unter den Bistümern Achaia, und der Name des Bischofs von Naupaktos ist einer der drei getilgten (Duchesne Mél. d’ Arch. et d’ Hist. XV 378. Le Quien Oriens Christ, bei Hertz-Oberg III 487).

Kurz vor 535 bei Hierokles Synecd. 643–645 erscheinen unter den hervorragenden Städten Griechenlands Skarpheia, Opus, Boumeliteia, Am-phissa und Naupaktos. Daß dies alle Bischofssitze waren, ist aus dieser Liste wohl nicht mit Sicherheit zu schließen (vgl, Amer. Journ. Arch. XX 154), sie sind aber noch blühende Städte. Interessant ist es zu bemerken, daß Skarpheia die erste und Korinth die zweite unter den 78 er-!0 wähnten Städten Griechenlands ist (vgl. oben zum J. 401/2).

Auf der Peutingerschen Tafel (deren Angaben zum Teil bis in das 6. Jhdt. hineinreiehen) sind Naupactos und Evanthia (= Oiantheia) die einzigen genannten Städte von WL, freilich mit unrichtiger Entfernungsangabe, 8 statt etwa 34 (bei K. Miller VII 5 und S. 563), und Thermopyles mit Scarpias (Skarpheia) die einzigen von OL (Miller S. 576f.). Opus und Amphissa sind 10 nicht auf den damaligen Hauptstraßen gelegen. Dieselben vier Städte kehren wieder bei dem Geogr. Rav. und Guido aus dem 8. Jhdt. und später, S. 198f. 375. 377f. 537.

551 werden Skarpheia (damals zu Boiotien gerechnet, wie wohl das ganze OL), die Gegend um die Thermopylen, Städte desKrissaischen Golfes (d. h. Chalaion und Oiantheia) und Naupaktos von einem Erdbeben verwüstet (Jul. Schmidt Stud. über Erdbeben 152f.; s. den Art. Skar-40pheia und Hertzberg III 547).

700 werden die Bistümer von Opus, Boumeliteia, Thermopylai, Skarpheia und Amphissa erwähnt in der Not. Episcopatuum, herausg. von de Bοor Ztschr. f. Kirchengesch. XII 509ff. nr. 736, 737. 740. 742. 757, wobei Naupaktos und ein paar andere wohl nur durch Nachlässigkeit fehlen (s. Geizer Ztschr. f. wiss. Theol. XXXV 435).

In den via τακτικά von Leo dem. Weisen 50 aus dem 10. Jhdt ist der Bischof von Aulon (d. h. Salona = Amphissa) Suffragan unter dem von Athen (Anhang zu Georg. Cypr. in Geizers Ausg. 75 nr. 1591. Geizer Ztschr. f. wiss. Theol. XXXV 428. EHissen Michael Akomi-natos 11). Dagegen ist Naupaktos Sitz eines Metropolitanbischofs, der über Suffraganbischöfe meistens des Nordens und Westens herrschte. Keine OL Stadt ist in dieser Liste genannt (Duchesne 385), außer Mendenitza oder Boudonitza (diese 60 unter dem Metropoliten von Naupaktos), eine Bergstadt bei den Thermopylen, die wohl in der Benennung ὁ Μουνδίτζης steckt (78, nr. 1661, vgl. den Art. Skarpheia unten; in Goars Text bei Migne 107, 381 wird auch ΒοννδΙτζης gedruckt). Es liegt nahe zu vermuten, daß Opus und Skarpheia zugrunde gegangen sind, und daß dies das Zeitalter ist, worin Mendenitza die Stelle vnn Skarnheia Übernahm und Talanti die von [1237] Opus. Anfänglich der Metropolis Korinth unter geordnet, ist Naupaktos wohl im 9. Jhdt. (nicht 5.) selbst Metropolis geworden; die Literatur zu der Frage bei Wellnhofer Joh. Apokaukos 12.

In der Liste der Metropoleis und Archepisko-pai aus dem 11.(12. Jhdt. bei Geizer Byz. Ztschr. I 254 ist nur Naupaktos noeh erwähnt.

Noch kurz nach 1282 ist der Bischof von Debron in Aitolien Suffragan unter dem von Naupaktos (Nikeph. Greg. VI 1, 6). 1

Vieles zerstreute Material (leider meistens ohne Quellenangabe) über die Geschichte der lokri-schen Städte im Mittelalter, vor allem Naupaktos (Lepanto) und Amphissa (Salona, Aulon), bei Fin-1 a y Hist. of Greece from its Conquest by the Romans to the present Time (1804), 7 Bde. K. Hopf Gesch. Griechenlands vom Beginn des Mittelalters bis auf unsere Zeit (395–1821) in der Erseh und Gruber sehen Encyclop. I Sekt., Bd. 85. 86 (1867/8). Paparregopo u - 5 Ios Ἰστορία τοῦ Ἔλλ. Ἔθνουςθ ΠTV. Sp. Lampros Ἰστορία τῆς Ἐλλάδος, Athen 1888π. Besonders über die fränkische und venetische Zeit s. Bouchon La Grèce Continentale (1843) und die dabei verzeichnete Literatur. E. Gerland Neue Quellen z. Gesch. des lat. Erzbistums Patras (1903). Sathas Χρονικὸν ἀνέκδοτον Γαλαξείδου (1864. 1865), sehr ausführlich für die Zeit 981, 6 –1703), mit den Anhängen. Μνημ. Ἔλλ. Ἴστο- ρίας, Paris 1880ff., 9 Bde. (auch interessante Kar- ' ten in den früheren Bänden). Wellnhofer Joh. Apokaukos, Metropolit von Naupaktos in Aitolien (e. 1155–1233), Münchener Dies., Frei-s;ng 1913.

XI. Staat und Kultur. Die Proxenie. Am zwanglosesten unter den völkerrechtlichen Einrichtungen ist die Erteilung der Proxenie. Die Lokrer weichen hierin von den anderen Griechen keineswegs ab. Verschiedene Städte hatten ihre Proxenoi, oder ihre Bürger dienten als Pro-xenoi anderer Orte, so namentlich Naupaktos, Oiantheia, Amphissa, Skarpheia, Thronion und Opus. Einmal erteilte auch der Westlokrische Bund als solcher die Proxenie, und das hat dann wohl auch der Ostlokrische Bund ebenfalls getan, obwohl die Inschriften, worauf Swoboda Hermanns Lehrb. Ie 3, 441, 2 diese Behauptung stützt, wohl nur der Stadt Opus und nicht dem Bund gehören (s. u.). S. die Belegstellen unten zum Handel. Über die Proxenie im allgemeinen unter den Lokrern s. Swoboda 330, 3. 441, 3.

Die Amphiktyonie. Die einzige Amphi-ktyonie, zu ùer die Lokrer gehörten, ist die delphische, unter deren Stiftern sie wohl eine hervorragende Stelle einnahmen, da der erste Sitz dieser an den Thermopylen ist, und der älteste Kultus der Demeter von Anthele gewidmet ist, und diese beiden hat die Amphiktyonie auch nie gänzlich freigegeben. Die Hauptmomente des Verhältnisses der Lokrer zu diesem Bunde sind oben unter Geschichte mitgeteilt Vom Anfang an hatten die Lokrer zwei Stimmen im Hiero-mnemonenrat, und das ist auch nie geändert worden, obwohl eine oder auch beide vorübergehend dem Hauptstaat eines anderen politischen Bundes abgegeben wurden. Die Wahl der Hieromnemo-nen ist offenbar Sache der Stammesverfassung gewesen, da Bürger aus fast allen der größeren [1238] Städte in (JL und wl daoei Vorkommen, nom unter thessalischem Einfluß wurde Delphoi am Anfang des 6. Jhdts. zum Hauptort des Bundes gemacht Diese Veränderung hat OL etwas aus dem Mittelpunkt dieser Kulturströmungen gehoben und ist daher wohl nachteilig für das geistige Leben der Landschaft geworden. Dagegen scheint auch WL keinen namhaften Vorteil daraus gezogen zu haben, obwohl es an Delphoi .0 grenzte, da die Städte Oiantheia, Chalaion und Amphissa abseits vom Verkehrsweg lagen. Nur die Zerstörung von Kirrha hat einen mächtigen Nebenbuhler aus der Welt geschafft, und Amphissa, das den heiligen Bezirk im 4. Jhdt. und wohl schon lange vorher bebaut hatte, verdankt diesem Krieg sein Gedeihen. Das ist aber nur langsam geschehen, zu spät um den Stamm etwa zu beherrschen, wie es Opus früh gelungen ist, wohl da Oiantheia und Chalaion an dem jetzt den !0 Lokrern zukommenden Verkehr einen großen Anteil nahmen, und erst in der Verfallzeit ist Amphissa unter die größten Städte Griechenlands zu zählen, besonders unter den Römern und seitdem fortwährend bis auf die Mitte des 19. Jhdts. Außer als Hieromnemonen sind Lokrer auch als Naopoioi und Tamiai tätig gewesen, die aber hier nicht aufgezählt zu werden brauchen. Vorübergehend ist Amphissa, aber nicht die anderen Städte der WL. in Krieg mit der Amphiktyonie 10 geraten, 340–338, aber kurze Zeit danach wieder in den Bund aufgenommen. Streitigkeiten mit Delphoi über die Grenzen des heiligen Bezirks sind öfters ausgebrochen, wurden aber, wie es scheint, endgültig um 117 n. Chr. durch die Römer geschlichtet. Lokrischer Einfluß zu Delphoi, der während der aitolischen Herrschaft sehr stark geworden ist, wie aus der langen Liste von in Beschlag genommenen Gütern und Häusern hervorgeht, wurde abgeschüttelt durch die von Aci-40 lins unterstützte Erhebung der Delphier im J.

190 (s. o.). Der Eifer der Lokrer für die Heiligkeit des Versammlungsorts, worin die Amphisseer die ersten waren, gegen die Phoker im J. 356 vorzurücken (die Opuntier weihten dem Apollon eine aus dem verfluchten phokischen Geld verfertigte silberne Hydria), ist eher aus Rücksichten ihres vererbten Hasses gegen die Phoker überhaupt und ihrer eigenen sachlichen Interessen (über Opus insbesondere s. o. zum J. 356) als 50 aus einer naiven Religiosität zu erklären.

Der Aitolische Bund. Als Mitglieder dieses Bundes behielten die einzelnen Städte eine beträchtliche Autonomie, d. K sie hatten ihre eigenen Verwaltungs- und Knltusbeamten (s. u.). Irgend eine Stammverfassung daneben wird, wenn überhaupt erlaubt, nur auenahmsweise vorgekommen sein (Pomtow Henn. XXXIII 331f.; für die Literatur über die Frage s. Swoboda 334), und bei einer so lockeren Staatsform wie der der 60 Lokrer ist daran nicht zu denken. Die Mädcheninschrift, die von Λοκροί als einer selbständigen Einheit spricht, ist daher vielleicht in eine Zeit der Unabhängigkeit zu setzen (s. o. zum J. 275). Staatsversammlungen der Aitoler wurden in Städten außerhalb Aitoliens gehalten, besonders in Naupaktos (s. o. zu den J. 217. 212. 200. 193. 191, und vgl. Swoboda 357, 3). Auch wurden Bürger verschiedener Städte von WL Beamte des [1239] Ätolischen Bundes, Staatsschreiber, Strategen und ein (oder vielmehr drei, da -uch der Καφρεύς und der Ὠοτιδανιεύς aus alten lokrischen Städten stammen) Epilektarch (Belege bei Rolt sch Die Westlokrer ' jf. Swoboda 364, 6, wobei zu Lattamos bzw. Lattabos aufPomtowN. Jahrb. CLXIX 540, 65. Niese II 409, 4 und Bull. hell. XX 629. 630, 1 zu verweisen wäre). Ein Λοκρικαν τέλος bestand in WL, SGDI 2070. 2139 vom J. 189/8); andere nicht genau bestimmbare, 10 aber sicher kurz darauffolgende Inschriften, die von dem Boularchen sprechen, also das τέλος voraussetzen. sind Bull. hell. XIX 389. XXV 221. Ἐφημ. ἀρχ. 1908, 163ff., s. u.), mit einer βουλή, an deren Spitze ein βοὺλ ;ρχος stand (s. u. Beamte). Der Zweck eines solchen τέλος in dem außerordentlich festgefügten Ätolischen Bund ist nicht leicht zu ersehen, und da es gar selten vorkommt, hatte Dittenberger (nachA.Momm-sens Vorgänge Philol. XXIV 39, 75) wohl recht, 20 wenn er es als vorübergehende Maßregel auffaßte (zu IG IX 1, 269; Herm. XXXII 183ff.). Seitdem ist auch ein Στρατικὸν τέλος (Ἐφ. ἀρχ. 1905, 57ff. nr. 2 aus Strato« in Aitolien) ans Tageslicht gekommen, leider ohne die Frage nach Ursprung und Zweck dieser wohl kurzlebigen Einrichtung aufzuhellen (dieneuere Literatur darüber bei Swoboda 332f.). Curtius (bei Mommsen) faßte τέλος als militärisches Glied auf, was unmöglich ist. A. Mommsen selbst dachte an .etwas kleinstaatliches⁴, aber 30 die Inschrift aus Stratos bezeugt, daß es wirklich eine Unterabteilung des Bundes war. Sein Vorschlag, τέλος als Magistratus aufzufassen, isr ebenfalls sehr unglücklich. Eine Liste der bisher bekannten Boularchen gibt Voller aff Bull. hell. XXIV 221ff. (aber seine Ergänzung, wonach ein Boularchos zu derselben Zeit auch Archon in Amphissa gewesen sein soll, ist unmöglich, s. Keramopoullos Ἐφημ. ἀρχ. 1908, 166); s. noch E. Bauer Unters, usw. 50f. v. Herwerden 40 Lexicon s. v.

Über die Staatseinrichtungen ds Boiotischen Bundes, zu dem Opus eine Zeitlang gehörte, wissen wir nur, daß, ebenso wie bei den Aetolern, der Bürger einer lokrischen Stadt ein hoher Beamter unter den Boiotem werden konnte, z. B. ist Nikasichoros von Opus einmal Hipparch, zweimal sogar Boiotarch gewesen (IG IX 1, 270, s. o. zum J. 269ff.). Über das Verhältnis der Lokrer zu den Phokern im Phokischen Bund (s. o. zum 50 J. 233) weiß man gar nichts.

In der Kaiserzeit gehörten die Lokrer (wohl nur die OL, da die WL, außer der freien Stadt Amphissa, der römischen Kolonie zu Patrai untertan waren; zusammen mit anderen Völkern Mittelgriechenlands einem κοινόν zu (s. o. nach dem J. 30 v. Chr.). Es kann sein, wie Mommsen R. G.⁶ V 242ff. will, daß dies κοινόν mit dem der Achaier oder der Panhellenen identisch sei, das ist aber bis jetzt nicht erwiesen. Das κοινόν 60 ist staatsrechtlich von geringem Interesse, und wir wissen von den Lokrern dabei nichts als die Tatsache ihrer Zugehörigkeit.

Stammverfassung. In WL ist eine der primitivsten Staatsformen nie ganz überwunden; der Stamm und die Teilstämme sind die einzigen Träger der Regierung. Was die Stammversammlung eigentlich leistete, außer der Wahl der Hie- [1240] Lokris (Staat und Kultur) 1240 romnemonen, die Λ ἀκρῶν τῶν Ἐσπερίων genannt wurden, wissen wir nicht, da die einzelnen Gemeinden an einem Krieg selbständig teilnahmen (s. o. zum J, 426), so daß sie manchmal auch gegeneinander fochten (vgl. Swoboda 6, 3), oder eine Schwesterstadt im Stich ließen, wie während des Amphissäischen Kriegs, wo ein ναοποιός und ein ταμίας von WL auch im Herbst 339 einer Versammlung der Amphiktyonen beigewohnt haben, und ein Hieromnemon von ihnen im Frühjahr 339 tätig war (Sylt 3 249. 243). Dasselbe gilt z. Teil auch für OL, wo die Gemeinden La-rymna, Halai, Korseia, Kyrtones und Bumeliteia friedlich, wie es scheint, dem Boiotischen Bund beigetreten sind, während Opus und die Städte an den Thermopylen öfters auf verschiedenen Seiten standen. Dagegen ist die Vorherrschaft des Hauptorts, entweder durchgesetzt oder versucht, charakteristisch für OL, wo die Bürgerschaft von Opus politisch die Leitung des ganzen Stamms übernimmt; darüber s. E. Meyer Forsch. I 294f.; Gesch. II 336. Kornemann Klio V 17, y. Wi-lamowitz Staat 45. Swoboda 10. Gemeinsames Handeln des Stamms tritt in der Epöken-inschrift (Syil.3 47) hervor, wo verschiedene Satzungen alle Städte der hypoknemidischen Lokrer betreffen, was ohne eine Gesamtverfassang unmöglich ist. Dies ist nur durch die leitende Stellung der Stadt Opus erfolgt, die damals die Herrschaft besaß, sie aber nicht dauernd behaupten konnte (E. Meyer Forsch. I 249f. v. Wilamo-witz Staat 45). Die Stammverfassung der WL dagegen tritt auf dieser Inschrift nicht so deutlich hervor, da die für die Hypoknemidier allgemein gültigen Satzungen hier im letzten Paragraphen für die Chalaier allein unter den WL als giltig anerkannt werden, doch wird aus Z. lOf. klar, daß jeder Westlokrer in einer anderen WL-Stadt, ohne Steuer als Ausländer bezahlen zu müssen, wohnen durfte (vgl. Dittenberger z. St. gegen Meyer), was eine Stammverfassung, so locker sie auch sein mag, voraussetzt. Dieser ganzen Unternehmung ist auch wohl ein Abkommen mit den Westlokrern und vor allem der Stadt Naupaktos vorangegangen, wovon nichts in dem uns erhaltenen Gesetz steht. Dies stellt aber sicher nur einen Auszug aus den Akten dar, da am Anfang weder der gesetzgebende Körper, noch die von dem Gesetz Betroffenen, noch die Leiter der Unternehmung genannt werden, sowie ganz wichtige Fragen, wie die der Verteilung der Häuser und Güter unter die Epöken, nicht erwähnt sind. Auch ist die Schlußordnung, wonach die Chalaier dieselben Rechte wie die Ost-lokrer erhalten sollen, kein Teil des opuntischen Gesetzes, setzt daher eine Übereinstimmung zwischen OL und WL voraus, da für eine Sache von solcher Wichtigkeit sich wohl sicher alle Westlokrer interessiert haben. Die Autonomie der einzelnen Städte in WL ist drastisch erläutert durch das Abkommen zwischen Chalaion und Oiantheia über das Recht untereinander zu αὐλάν (IG IX 1, 333 aas etwa 440 v. Chr.; über das Rechtsverhältnis s. E. Meyer Fersch. I 307ff.; Gesch. II 359f.), und in beiden Teilen des Landes durch das Recht der Münzprägung, das verschiedene Städte übten (s. u.). Eine strenge Gauverfassung bezeugt auch der Schlußsatz der Epöken- [1241] inschrift, wo die Übersiedelung eines WL-Bürgers von einem Gau nach einem anderen desselben Landes eine sehr umständliche Sache ist. Die Benennung λοιχηταί statt emfoiqoi für die Kolonisten aus Chalaion ist nicht mit Oikonomides auf verschiedene Rechtsstellung zu deuten, denn sonst würde man einen besonderen Vertrag gemacht, nicht sich einfach an den der Ostlokrer angeschlossen haben. Ferner hatte jede πόλις unter den Hypoknemidiern ihr eigentliches Besitz- und Erbrecht (Epökeninschr. Z. 24ff.; vgl. E. Meyer Forsch. I 301, der dasselbe von beiden Teilen des Landes gewiß mit Recht benauptet), und jede Gemeinde hatte ihren eigenen Kalender (s. d. u.). Dagegen ist die Behauptung von E. Bauer Untersuch, usw. 43ff., Amphissa habe eine streng beobachtete Sonderstellung unter den West-lokrern und sei auch nicht in ihren Bund eingeschlossen, hinfällig (vgl. u. zum Agonothetes). Durch die Maßregel der Epökeninschrift Z. 14ff„ wer seine Steuer zu Naupaktos nicht bezahle ἀπὸ λοχρῶν (wohl besser ἀπόλοκρον mit E. Meyer, O. Danielsson u. a.) «bat, d. h. solle seine Rechte als Lokrer verlieren, wird eine Stammverfassung jedes einzelnen Landes vorausgesetzt, die dann offenbar zusammen über einige (wohl meistens sakrale) Rechte verfügten (vgl. Meyer Forsch. I 293). Eine andere Maßregel (34ff.) besagt, daß unter gewissen Umständen jeder Lokrer, von wo er auch immer stamme, das Erbe eines zu Naupaktos verstorbenen Hypoknemidiers an treten darf, setzt daher eine Verständigung zwischen den beiden Bünden voraus (so Meyer mit Recht gegen die anderen Erklärer; wenn die gewöhnliche Interpunktion und Erklärung beibehalten wird, ist das Vorhandensein des Bundes nur für OL bezeugt). Dasselbe ist die Voraussetzung auch der Mädcheninschrift vom 3. Jhdt. (Arch. Jahrb. XIV 163ff.), worin man einen dreiseitigen Vertrag zwischen den Aianteioi (ein Geschlecht), den Narykaiern (Bürgern der Stadt Naryka) und den Λοκροί findet. Da diese Inschriften in WL gefunden wurden, und daher die WL mit einzurechnen sind, während von Λοκροί ohne irgendwelche Beschränkung gesprochen wird, darf man annehmen, daß auch hier die Stammes-regierung der OL und der WL gemeinsam die Sache in Ordnung brachten. Zwar war WL damals (275–240 v. Ohr.) unter den Aitolern, diese Angelegenheit ist aber durchaus von sakraler Art, und solche Einrichtungen scheinen die Aito-ler nicht engetastet zu haben (wie die Amphi-ktyonie). Dagegen sind die ἐνετήρια (s. Ditten-Berger z. 8t gegen Meister) oder Eintrittsgelder der Epökeninschrift Z. 8. 10, wahrscheinlich der Stadt oder dem Gau, nicht dem Stamm zu bezahlen; ebensowenig ist das τέλος (Z. 4ff. 10) mit Schömann-Lipsius Staatsalt.² II 81 (angeblich nach Vischer, dessen Erklärung 185f. unbestimmt ist; vgl. dagegen 187) und Gilbert Staatsalt. II 41, 2 auf gemeinsame Steuern zu beziehen. Schließlich deutet wahrscheinlich die Sage (s. u. Lokros Nr. 1 und die Angabe bei Strab. IX 427), wonach WL von OL aus kolonisiert wurde, nicht nur auf tatsächliche ἐποικίαθ wie die bekannte zu Naupaktos, sondern auch auf Versuche der Opuntier, über die politische Leitung des ganzen Stamms zu verfügen und [1242] Lokris (Staat und Kultur) 1242 di« WL dabei in Abhängigkeit wie Kolonisten zu bringen (ganz falsch ist die Ansicht von Oikonomides 125, daß das τέλος Z. 10 ein Tribut, den die WL an die Opuntier entrichten sollten). Auch ist die Veränderung bei der Benennung der WL, wonach sie auf hörten, Ozoloi oder Physkoi (bezw. Physkeis) zu heißen und sich ,hesperische Lokrer* nannten, ein Name, der in bewußtem Gegensatz zu den besser bekannten 10 Lokrern des Ostens steht, wohl eine Folge der Hervorhebung der Stammeseinheit durch die Opuntier, die schon in der Epökeninschrift sich bemühten, daß die neuen Kolonisten schwören sollen, nicht von dem Bündnis mit ,den Opun-tiern* abzufallen. Schließlich hebt mit Recht als Beweis für eine Stammverfassung Rolt sch Die Westlokrer 64 die Tatsache hervor, daß die WL in ihrem Wappen den Abendstern führten (Strab. IX 416; gegen Gilbert Staatsalt. II 44, 2, der 20 dies nur auf das 2. Jhdt. bezieht; der Stern erscheint, offenbar als Wappen, schon im 4. Jhdt. auf ostlokrischen Münzen (s. u.), und der Name Ἐσπέριοι selbst, sowie der alte Sterndienst (s. u. Religion, Die Dioskuren) deutet auf eine recht alte Verwendung dieser Symbole).

Unter dm WL hat sich die Gauverfassung längere Zeit erhalten; noch alsThukydides schrieb, genossen die Gaue Selbständigkeit im Krieg (III 101, 2), wurde das Land meistens κατὰ κώμος bewohnt, und dauerte die uralte ληστεία zu Laud wie zur See, mit dem damit zusammenhängenden Waffentragen, noch fort (I 5, 1ff. mit 10, 2 und III 94, 4 verglichen; s. Pöhlmann Aus Alt. und Gegenw. 117). Zwar gab es zu jener Zeit einige regelrechte Städte in WL, besonders Am-phissa und Naupaktos, die aber wohl längst vor der Ankunft der Lokrer begründet worden sind, das hat aber wohl an dem allgemeinen Charakter der Verfassung nichts geändert, ebensowenig 40 wie die Einrichtung und Ummauerung der andern Städte, was bei jedem Ort, den ich bereist habe, erst am Ende des 4. oder im 3. Jhdt. geschah (vgl, Swoboda 9). Diese Bewegung, sich um ein Dorf oder eine Stadt als Versammlungspunkt zu gruppieren, ist schon im 5. Jhdt. im Gange, wo ein Dorf, der Vorort des Teilstammes der Hyaioi, den Eigennamen Πόλις (in der alten Zeit soviel wie κώμη bedeutend, s. Kornemann Klio V 75, 2) besaß (Thuk. III 101; genau das-50 selbe kehrt auch in Arkadien wieder, wo eine Stadt Πτόλις hieß, die Vorläuferin von Mantineia, s. Paus. VIII 12, 7 und dazu B. Keil bei Gercke-Norden Einl. in die Altertumsw. III 310). Daher sind die meisten WL Ethnika, wie Φυοκεῖς, Τριταιεῖς, Πλυγονεῖς, Κυρεῖς usw., eher als Gaunamen denn als Städtenamen aufzufassen, oder wenigstens als ursprüngliche Gaunamen. Über die ostlokrischen und westlokrischen Bünde s. u.

In der ältesten Zeit sollen Könige die Herr-60 schäft über die Lokrer ausgeübt haben. In OL sind diese nur zu Opus bekannt. Der mythische Stammbaum Amphiktyon, Physkos, Lokros, Opus, [‌Hodoidokos], Oileus, Aias, mit dem die Linie, aber nicht das Geschlecht (s. u.) aufhört, wird durchweg als der eines Königshauses betrachtet, wozu noch kommt, daß einige von ihnen, vor allem Amphiktyon (o. Bd. II S. 1902), Lokros (Hes. frg. 115 Rzach. Pind. ὌΙ. IX COff.), Opus [1243] (Pind. Ol. IX 6ßff.), und Aias (II. X 195 mit 228 verglichen, Strab. IX 425 usw.) ausdrücklich als Könige beschrieben oder genannt werden. Unter den WL erscheint Orestheus als βασιλεύς (Paus. X 38, 1), und Lokros, nach einer späteren Sage, führt dahin, gewiß als König, eine Schar Einwanderer und baut einige Städte in diesem Lande (s. u. Lokros Nr. 1). Auch sind Andraimon und Thoas zu Amphissa (Paus. X 38, 5) wohl als Könige aufzufassen, obwohl diese 10 vielleicht von den ätolischen Einsiedlern der geschichtlichen Zeit eingeführt wurden. Da alle lokrischen Könige in die mythische Zeit gesetzt werden, ist die Königszeit wohl sehr rasch vorbeigegangen, besonders unter den WL, wo bei der ausgesprochenen Gauverfassung und in einem Lande ohne eine größere Stadt, die etwa in der Mitte lag und daher als Mittelpunkt für die Regierung dienen konnte, die Könige kaum das Zeitalter der Einwanderung selbst zu über- 20 dauern imstande waren. In OL sind sie wohl länger geblieben, mußten aber vor dem Adelsregiment frühzeitig weichen. Diese Adelsgeschlechter werden erwähnt bei Pind. Ol. IX 53ff. (besprochen in Philol. LXVIII 47 1f.), der die Ahnherrn des Siegers, die offenbar nicht dem königlichen Geschlecht angehörten, feiert. Danach führten diese Geschlechter ihren Ursprung mütterlicherseits auf Deukalion und Pyrrha, väterlicherseits aber auf verschiedene olympische Götter zu- 30 rück, daneben nannten sie sich ἐγχώριοι βασιλήες schon zu einer Zeit, die vor der Neugründung der Stadt Opus durch den gleichnamigen Helden lag, d. h. sie behaupteten für sich eine ebenso alte und ruhmreiche Herkunft wie die des königlichen Geschlechtes selbst. Der Titel βασιλήες ist ihnen aber wohl erst nach derü Verfall des alten Königtums zugekommen, als der Adel dessen Titel und Rechte untereinander teilte. Auch ist ein lebhafter Ahnfrauenkultus aus derselben Ein- 40 richtung zu Lokroi (s. d.) ebenfalls für das Mutterland vorauszusetzen. Beispiele von Ahnherren eines solchen Geschlechts, das in Kynos zu Hause war, sind Laodokos (s. d.) und Agrianome (s. o. SuppL-Bd. III S. 62). Das alte königliche Geschlecht lebte noch weiter als die ἈΙάντειοι (Wilhelm Die lokrische Mädcheninschrift, österr. Jahresh. XV 174), der tribus de qua Aiax fuerat, wie Serv. Aen. I 41 es ausdrückt. Dagegen sind die Perkotharioi und die Mysacheis der Epöken- 50 inschrift Adelsgeschlechter, die mit Sühnungen (kaum aber mit dem Frevel des Aias verbundenen, wie öfters behauptet, z. B. von Danielsson Eranos III 66 und Wilhelm 174) beauftragt wurden, gerade wie die ἈΙάπειοι selbst für die Sendung der lokrischen Mädchen sorgen mußten, wobei sie besondere Rechte als Ausgleichung ihrer Pflichten genossen. Unwahrscheinlich ist Danielssons Ansicht, daß Perkotharioi und Mysacheis ein Doppelname für die ,hundert Hau- 6( ser* sei, sowie die von Gilbert Staatsalt. II 39, 4 und Meister 311f., diese seien die zwei Hauptteile des Adels, da wir neben ihnen jetzt die Αἰάντειοι kennen, und solche Namen für den gesamten Adel seltsam wären. Zu verwerfen ist auch die Vermutung der Herausgeber des Recueil des Inscr. juridiques grecques 191, sie seien »colons d'une catégorie inférieure ... un reste de la [1244] Lokris (Staat und Kultur) 1244 population primitive de la Locride, subjugée par la race conquérante⁴, da nach der sie betreflen-den Satzung zu urteilen diese Geschlechter vielmehr einen Ehrenstand bildeten. Unmöglich scheint mir auch die Ansicht von Bannier Berl, phil. Woch. 1898, 862 zu sein, der περ' κοθαριαν καὶ μυσαχέων liest, und »bezüglich der Reinigungen* usw. übersetzt. Rätselhaft dagegen bleiben die Περικνμασιοί und die Ἰάσσιοι der Mäd· cheninschriit. Wilhelm 242 betrachtet sie als von Ortsnamen hergeleitete Namen, und die aufgezeichneten Männernamen als die jener fünfzig Männer, πλοντΜαν gewählt, die den Eid schwören sollten. Das kann sein, aber Bedenken sind nicht zu unterdrücken. Durch eine bekannte Stelle in Thukydides (III lOlf.) und die Inschriften von Delphoi und Buttos kennen wir die Namen von einer Menge Ortschaften, die den Geographen in Verlegenheit setzen. In OL sind zwar nicht so viele bekannt, aber auch hier ist die Liste der Namen sicher so lang wie die der alten Siedlungen. Nun daß mindestens 18 von 50 angesehenen Männern der Lokrer (ob aus OL oder WL macht nichts aus), πλουτίνδαν gewählt, aus zwei sonst nie vorkommenden Ortschaften stammen sollen, ist kaum zu glauben, ich bin daher geneigt, in diesen Namen vielmehr Adelsgeschlechter zu sehen.

Die Anzahl der Adelsgeschlechter war ziemlich groß für ein so kleines Volk. Die »hundert Häuser* sind der Adelsstand zu Lokroi (Polyb. XII 5, 6ff.) und daher gewiß für OL vorauszusetzen (Boeckh zu Pindar, Bd. II 188. v. Wila-mowitz Staat 45. Swoboda 43; wohl auch für WL, wie E. Meyer Gesch. II 351 zweifelnd vermutet), insbesondere wegen der gleichen Zahl der von Opus im J. 457 den Athenern ausgelieferten Geiseln, die als ,die Reichsten* (d. h. πίουτίνδαν gewählt) gekennzeichnet waren. Das ist eine runde Zahl, daher künstlich, also verfassungsmäßig, hängt dabei auch mit der Bürgerschaft der ,Tausend* am engsten zusammen. Ähnlich ist die Verfassung der Boioter am Anfang des 4. Jhdts.» wonach für jedes 1000 Fußvolk 100 Reiter aufgestellt waren (Hellen. Ὄχ. XI 4), da zu L. die »Tausend¹ die Sollstärke des Fußvolks, die »Hundert* die adelige Reiterei seien, v. Wi-lamowitz Staat 45 bemerkt, daß das Zahlenschema an die typische römische Kolonie (ursprünglich 300 coioni mit 30 decuriones, Korne-imann o. Bd. IV S. 584) und den Staat des Romulus (die legio 3000, die équités 300, die patres 100, Plut. Rom. XIII 1 usw.) erinnert. Nur an echte alte Adelsgeschlechter zu Opus in solcher Anzahl ist nicht zu denken. Warum Swoboda 43 diese ,hundert Häuser* nur »einen Teil des Adels* zu Lokroi und Opus nennen will, verstehe ich nicht; ist es wirklich zu glauben, daß diese mittelmäßigen Städte mehr als 100 adelige Geschlechter hatten, was eine ansehnliche Zahl auch >für Alt-Athen (Toepffer Att. Geneal. zählt davon auf nur 58, auch wenn man dazu die 29 patro-nymen Demennamen hinzufügt, erzielt man nur 87, und Athen war mindestens zehnmal so groß wie OL) und Alt-Rom wäre ? Zwar durften diese Geschlechter in verschiedenen Orten wohnen (das wird bezeugt von den Perkotharioi und Mysacheis, sowie von den Aianteioi), bei der hervorragenden Stellung von Opus ist es aber unwahrscheinlich. [1245] daß selbst Adlige, wenn sie anderswo wohnten, dem opuntischen Rat der 100 beiwohnen durften. Wir haben es also mit einer Verfassung zu tun, die nach dem Verfall des Königtums den ganzen Schritt zu einem streng oligarchischen Adelsregiment nicht durchmachte. Hier ist der alte Königsrat der γέροντες etwas erweitert in eine βουλή (zwar nur für das 2. Jhdt. oder ein wenig früher bezeugt IG IX 1, 267, aber sicher schon für diese Zeit vorauszusetzen) von 100 Vertretern 1 der führenden Familien, die zusammen mit der πλήθα von 1000 (s. u.), dem alten Heeresbann (wie zu Sparta), und dem Beamtentum, an dessen Haupt ein ἀρχός stand, die Regierung führte. Daß die ,hundert Häuser' nach dem Reichtum ausgelesen wurden, wird durch die Maßregel der 100 reichsten Geiseln und der 50 πλουτίνδαν ge-wählten Männer auf der Mädcheninschrift erwiesen. Bei einem ackerbautreibenden Volk wie die Lokrer sind der Adel und die Reichsten selbst- f verständlich dieselben. Diese Verfassung ist ziemlich früh zustande gekommen, spätestens vor der Mitte des 7. Jhdts., da die ähnliche zu Lo-kroi in Unteritalien wohl eine Übertragung davon ist. Sie ist wahrscheinlich nie im Zeitalter der griechischen Freiheit (wenn nicht etwa zwischen 457–446 unter der athenischen Herrschaft) aufgegeben, und auch im ersten und zweiten Makedonischen Kriege sind diese führenden Geschlechter unter den principes (Liv. XXVIII 7, i 5) und der opulentior faetio, die die Römer den Aitolern vorzogen, in Opus zu verstehen (Liv. XXXII 31, 3), da bei der mehr demokratischen Verfassung der Aitoler die Adelsgeschlechter wohl einen Teil ihrer Vorrechte einbüßen mußten. Eine solche Verfassung, mit einem Adel und einem erblichen Recht auf eine Stelle im Staatsrat, konnte leicht den Athenern gegenüber aristokratisch aussehen, und im Rhesos 175f. wird auf die vermeintliche Weichlichkeit des lokrischen Adels -bitter hingewiesen; doch wenn der Adel von Opus 100 Häuser zählte und das Volk 1000 Stimmen hatte, so sind die Grenzen ziemlich weit ausgedehnt (v. Wilamowitz Staat 45), und wahrscheinlich wenige außer den ganz Verarmten, die bei ihrer Wirtschaft wohl selten vorkamen, sind aus der Bürgerschaft ausgeschlossen. Einen wirklich triftigen Grund zur Feindseligkeit, die sie auch in verschiedener Weise zum Ausdruck zu bringen wußten, hatten die Athener in der lokrischen Seeräuberei (s. Philol. LXVIII 444f. und o. Suppl.-Bd. EU S. 1157f.), und dieser gegen den lokrischen Adel gerichtete Hohn ist wohl nur eine Anspielung auf ein beliebtes Vorurteil des athenischen Volkes gegen die Aristokraten überhaupt; der lokrische Adel dürfte nicht schlechter als jeder andere gewesen sein. Ein echtes Merkmal dieses Adels ist aber wohl die Sage von verschiedenem Ursprung von Volk und Adel. Hier sind die λαοί, die Lokros führte (Hesiod. frg. 115 Rzach), sowohl die δμόδαμος ... λίθινος γόνος von OI>, die von Deukalion und Pÿrrha geworfenen Steine (Pind. ὌΙ. IX 41ff.). Dagegen sind die Adelsgeschlechter die Abkömmlinge von Deukalion und Pyrrha (Pind. 53ff. und die lokrische Stammtafel; G i r ar d De Locris Opuntiis 60‘ faßt irrtümlich die λαοί auf als die adeligen_Geschlechter, s. die Schol. zu Z. 53). Ob diese Verschiedenheit des Ursprungs [1246] so allgemein-griechisch sei, wie v. Wilamowitz angibt (Herm. XXII 237; Eur. Herakles 2 43f.), oder gar nicht verkommt, wie E. Meyer Gesch. II 309; Forsch. II 524, 1 zu behaupten scheint, geht uns hier nicht an (wahrscheinlich ist es aber der Fall mit Aiakos und den Ameisen von Aigina), charakteristisch scheint es doch für die OL gewesen zu sein, und deutet wohl auf die einstmalige Stammesverschiedenheit zwischen Adel Ound Volk als Eroberer und Eroberten (vgl. Robertson Smith Religion of the Semites 44f.). Ein anderes Merkmal ist die ἰπποτροφία, die ein adeliges Regiment kennzeichnet (Swoboda 41f.). Schon im 5. und 4. Jhdt. ist die lokrische Reiterei bekannt (s. O. zum J. 431, 426, 394, 370/69, 331; auch ist Nikasichoros von Opus einmal Hipparch des Boiotischen Bundes gewesen, IGIX 1, 270). Hier ist sie vom Staat reguliert, und in einer späteren Zeit, als sie eine Leiturgie geworden ist !0 (Wilhelm österr. Jahresh. XIV 227), ziemlich lästig empfunden worden, da unter den Sonderrechten, die die Narykaier sich sichern, das ist, daß sie nicht gezwungen werden sollen τρέφειν ἴππους (Lokr. Mädcheninschr. Z. 15f.). Diese Ἰπποτροφία erinnert an die ähnliche Maßregel des Pheidon zu Kyme in Aiolis (der sog. Herakl. Pont. 39 Rose = XI 6, FHG II 217), wobei wohl zu bemerken ist, daß Kyme selbst eine Pflanzstadt von Opus war (s. O. Ausbreitung und Kolonien).Diese Rossezucht ist bei den Lokrern sehr am Platz (Girard De Locris Opunt. 74f. Wilhelm 227); der Einfluß der Thessaler, bei denen zuerst unter den Griechen die Reiterei eine größere Rolle spielte (s. Helbig Mém. de l’Acad. des Inscr. XXXVII 215ff.), ist dabei wohl tätig. Opus ist auch bekannt wegen seiner Rossezucht, und Aristoteles hist. anim. VI 22, 5 erzählt von einem berühmten opuntischen Zuchthengst in einem Ἰπποφόρβιον dort (vgl. Plin. n. h. VIII 163 mit 40 kleinen Abweichungen). Nach dem Wortlaut der Mädcheninschrift dachte man damals (3. Jhdt.) offenbar auf eine von außen verübte Gewalt bei der Ἰπποτροφία, d. h. von einem mächtigen Bundesgenossen, wie etwa Boiotien, wo, wie Wilhelm 227 gut bemerkt, die Reiterei eine außerordentliche Bedeutung hatte (ein Zehntel jedes Heereskontingentes sollte aus Reitern bestehen, Hellen. Oxyrh. XI 4, vgl. E. Meyer Theopomps Hellenika 98. Swoboda Klio X 320). - Nach 50 Meister Ber. d. Sächs. Ges. d. Wiss. 1895, 320ff.

soll man in der Epökeninschrift Z. 35 πίατες als Benennung des Adels, etwa wie παχείς, die .Dicken* auffassen; das ist aber wenig wahrscheinlich, und fast alle Herausgeber seitdem (z. B. Dittenberger Syll.® 47, Danielsson Eranos III 78. Buck und Solmsen) haben diese Erklärung verworfen (nur F. A. Marshall Anc. Greek Inscr. in the Brit Mus. IV 2, 954 trägt sie mit Bedenken vor). Kaum anzunehmen ist 60auch Meisters Erklärung (Ber. d. Sächs. Ges.

1899, 156ff.) von ἜΣ Z.35 als Pluralis von ὕς, ,tüchtig*, womit der lokrische Adel noch weiter charakterisiert wäre.

In WL wird weniges von dem Adel überliefert. Die Mysacheis und Perkotharioi durften als Kolonisten nach Naupaktos ziehen, und das einfache Vorhandensein der Mädcheninschrift in WL, sowie die stete Benennung ΛοχροΙ, ohne Unterschied, [1247] ob OL oder WL dabei gemeint seien, läßt auf das Vorhandensein des Adels auch in WL schließen. Auch im Vertrag zwischen Chalaion und Oiantheia (IG IX 1, 333, Z. 12. 16) ist bei ἀριστίνδαν wohl an den Adel zu denken (vgl. noch Meister Ber. Sächs. Ges. 1895, 321) trotz E. Meyer Forsch. I 314. Dittenberger z. St. und Inschr. von Olympia nr. 47. 34, S. 98 (unter verschiedenen Umständen aus einer viel späteren Zeit). Ich bezweifle sehr, ob zu jener Zeit und überhaupt bei 10 den Lokrern das Wort ἄριστΜαν einen rechtlichen Gebrauch verschieden von dem politischen hatte. Daß die Richter dem Adel angehören sollen, ist bei nicht demokratischen Staaten ja selbstverständlich, denn nur solche würden das herkömmliche Recht beschützen (vgl. auch Swoboda 66, 7). Welche Rolle der Adei sonst in WL spielte ist unbekannt, wohl aber, der Zersplitterung des Stamms zufolge, eine viel bescheidenere als in OL.

An der Spitze der Regierung zu Opus stand 20 ein Beamter, der nach Aristot Pol. III 16 4? κύριος τῆς διοικήσεως sei, aber κατὰ τὶ μέρος ἔλαττον (vielleicht ἐλάττων), was auf irgendwelche Machtbeschränkung deutet. Aus Aristoteles könnte man auch schließen, daß diese Oberherrschaft lebenslänglich sei, das ist aber wahrscheinlich nicht gemeint (vgl. Girard De Locris Opuntiis 63. Gilbert 41, i), da die Epökeninschrift deutlich von einer zeitHch bestimmten Magistratur, wohl für ein Jahr spricht» vgl. die Κοιτινές κὰ *πιατές ἔντιμοι 30 (Z. 35), die die meisten Erklärer wohl mit Recht als die jährlichen Beamten auffassen. In der Epökeninschrift finden wir das Haupt der Regierung insbesondere mit der Rechtsprechung betraut. Wie dieser Beamte hieß, ist nicht sicher. Manche (wie Gilbert 41, 1. Swoboda 50, 3. 148, 6) haben geschlossen, er sei ἀρχός (üblich auch bei den Thessale.n nach Dion. Hal. V 74. den Boio-tern SGDI IV 47, den Kretern SGDI IV 1111, auf dem Charesdenkmal zu Milet SGDI 5507, 40 und öfters bei Homer und den Dichtern) genannt (Epökeninschr. 2. 41f.), dieses Wort scheint aber von Beamten im allgemeinen (da Naupaktos sicher dabei eingeschlossen ist, und wohl auch die anderen lokrischen Städte) verwendet zu sein, nicht als die eigentliche *Benennung eines besonderen Beamten zu Opus, gerade wie die Κοίτινές κα*πιατές ἔντιμοι (Z. 35), die wahrscheinlich die Beamten der verschiedenen lokrischen Städte sind. Susemibl Aristot. Pol. (1879), Anm. 671 denkt an κοσμά5( πόλις als den eigentlichen Titel, wie bei dem Archon zu Lokroi. was wohl möglich ist, da diese Benennung ziemlich weitverbreitet war. Sicher wurde er nicht προστάτη; genannt, wie Roehl z, St. und nach ihm Gilbert 41, 1 annehmen, da sie den Sinn dieser Besatzung gänzlich verkannt haben. Ob Opus und die anderen Städte bloß einen Beamten hatten, oder mehrere, hängt z. T. davon ab, ob das Wort ἔντιμοι Beamte (Dittenberger, Buck u. a.) oder nur voll-fl berechtigte Bürger (Meyer, Meister, Danielsson u. a.) bedeutet. Der erstere Sinn ist durchaus vorznziehen, aber auch dann kann der Plural bloß kollektiv von den verschiedenen Städten der OL gebraucht werden, obwohl nur ein einziger Beamter in jeder einzelnen Stadt bestand. Zwar sieht es aus, als ob die ἔντιμοι etwa wie die συναρχίαι vom 3. Jhdt. an auch zu Opus tätig [1248] Lokris (Staat und Kultur) 1248 waren (so Dittenberger z. St. und Swoboda 151, 1), das ist aber nicht ausdrücklich gesagt, und angesichts der unzweideutigen Angabe des Aristoteles, der von einer bestehenden Ordnung, nicht einer Neuerung spricht, ist es ratsam, nur einen einzigen Beamten zu Opus im 5. und 4. Jhdt. anzunehmen. Dabei war der κριύολόγοςθ obwohl ἄρχων genannt (Plut. quaest. Gr. 6), nur ein priesterlicher Beamter, der die κριθαί zur Zeit des Opfers für die ἀπαρχαί zu sammeln hatte und keine rein weltlichen Obliegenheiten hatte (vgl. Religion), Wahrscheinlich hatten die kleineren Städte mehrere Beamte, wie es später sicher der Fall war (s. u.), und gleichzeitig auch zu Oiantheia in WL, da jede Stadt ihr eigenes Recht hatte und die alleinige Herrschaft wohl aus einer Zusammenziehung der staatlichen Gewalt hervor-gegungen ist, vielmehr als Überbleibsel eines einfacheren Zustar des fortdauert. Zu Halai in OL wird am Anfang des 5. Jhdts. ein Kollegium von 3 Archonten inschriftlich bezeugt (Am. Journ.Arch. XIX 443). wie später in Physkos (SGDI 2097).

In WL hießen im 5. Jhdt. die höchsten Behörden zu Oiantheia δαμιοργοί (IG IX 1, 333 Z. 15), die ein Kollegium bildeten, wobei der Eponyme wohl δαμιοργός hieß (Parallele bei Swoboda 47), seine Kollegen συνδαμιοργοί, wie auf der aus dem 5. Jhdt. stammenden Inschrift IG IX 1, 335. Hier bestanden auch (wohl zwei) ξενοόίκαι (Z. 10), die das Recht für die Ausländer sprachen. Die ἐπομόται sollen »Eideshelfer* sein (Meister Rh. Mus. LXIII 561ff. Swoboda 157, 6).

Das Volk wurde durch die Versammlung der Tausend vertreten (Epökeninschr. 38ff. - unter Voraussetzung, daß dieses Aktenstück ein .Gesetz* war, s. o.), wie öfters anderswo (Vischer Kl. Schr. II 207. Busolt Staatsalt.² 35. Swoboda 56f.), besonders in den nahverwandten Städten Lokroi in Unteritalien und Kyme in Aiolis, und i diese hat die gesetzgebende Macht geübt. Das ist die grundbesitzende Bürgerschaft der Hauptstadt (E. Meyer GescL. II 352; Forsch. I 294. 305. Swoboda 57, 5). stellt daher wohl ,die Sollstärke der waffenfähigen Mannschaft* (v. Wilamowitz Staat 45) dar. Damit stimmen die wenigen Angaben, d. h. 1000 Λοκροί (Opuntier, wie der Kontert zeigt) an den Thermopylen im J. 480 (Diod. XII 4); 700 Mann aus Opus im J. 279 gegen die Gallier (Paus. X 20, 4 und s. Bevölkerung u.).) Der Form nach ist diese Verfassung zwar aristokratisch, aoer sk.rk gemäßigt, und nicht weit vom Ideal der konservativen Demokratie entfernt, da in einer so kleinen Ortschaft wie Opus die Anzahl der grundbesitzenden Bürger nicht viel größer gewesen sein kann. Darin haben E.Meyer, v. Wilamowitz und Swoboda recht gegen Vischer, Gilbert (II 39) und Dittenberger (zu Z. 38ff.), die sprechen, als ob die Tausend eine oligarchische Einrichtung wäre. Insbesondere) irrt sich Gilbert, der die Tausend als Angehörige der 100 Häuser auffaßt, indem er die Natur der Verfassung verkennt und daß die Bürgerschaft von Opus selbst die Tausend bildete, d. h. man es hier mit einer Stadtverfassung, nicht einer Stammverfassung zu tun hat. Wie nun diese Versammlung hieß, ist auch bestritten. E.Meyei Forsch. I 305 faßt ἄληθα auf als ,die Menge*, die Volksversammlung, während es sonst mit .Majorität* [1249] übersetzt wird. Beide Erklärungen bieten Schwierigkeiten, da die erste Verwendung im Griechischen sonst unbezeugt ist; bei der zweiten spricht man zwar juristisch von einer Mehrheit der Richter (wie auch auf der gleichaltrigen Inschr. IX 1, 333, Z. 19, wo aber πληθύς gebraucht ist), staatsrechtlich und politisch aber ist der Ausdruck etwas befremdend. Ich finde daher Meyers Ansicht wahrscheinlicher. Zu Naupaktos behielten alle Kolonisten das Stimmrecht (Z. 40), was Vischer 1 207 als Merkmal einer mehr demokratischen Einrichtung hervorhebt. Das kann sein, folgt aber nicht so ohne weiteres, da die Tausend zu Opus wohl nur die Begüterten waren, und wohl jeder Kolonist Gut und Hof zu Naupaktos erhalten haben mußte, so daß das Stimmrecht am Ende auf dieselben Klassen in beiden Städten beschränkt war.

So etwa dürfte der lokrische Staat bis auf das 4. Jhdt. ausgesehen haben, nur ausnahmsweise ‘ ist ein Tyrann zu Oiantheia (die einzige Handelsstadt des ganzen Volks) vor 373 v. Ohr. vorübergehend erschienen (s. o. Geschichte). In der nachmakedonischen Zeit bildeten die Lokrer κοινά, die WL wohl erst nach 167, als ihr Land zum ersten Male von den Aitolern gänzlich frei wurde. Die Mädcheninschrift aus der Mitte des 3. Jhdte. setzt eine gewisse Stammesverfassung voraus, indem man darin einfach von Λοκροί oder τοὺς Λοκρους πάντας (Z. 14) spricht, enthält aber nichts « Bestimmtes, und es ist fast undenkbar, daß die Aitoler damals einen Bund mit irgendwelchen politischen Befugnissen geduldet haben würden. Über das Λοκρικὸν τέλος des Aitolischen Bundes a. o. Was die Gründung des Ostlokrischen Bundes angeht, so bemerkt Head HN² 336, daß die Münzen zwischen 338 und 196 (besser 167) nur die Aufschrift Λοκρῶν mit oder ohne den Beinamen Ὕκοκ(ναμιδιων) oder Ἐκικνα(μιδίων) tragen, was gewiß auf die Entstehung eines Bundes -deutet (s. Swoboda 441, 3). Dagegen zwischen 196 (besser 167) und 146 erscheint der Name Opus wieder auf den Münzen, und wiederum während der Kaiserzeit (S. 337), was zwar nicht notwendig die gänzliche Auflösung des Bundes bedeutet, aber wohl eine Änderung in der Verfassung (vgl. dabei die Inschriften mit ὑπούντιοι xal Λοκροί oi μετὰ τῶν ΧίπουντΙωνθ die auf eine bevorzugte Stellung der Stadt Opus deuten). Erwähnt wird das κοινόν der OL zuerst auf der Kassandrosinschrift (dosw τών'Ηοίων genannt, s. o. Geschichte zum J. 165), und- dann mehrmals in den Streitigkeiten zwischen Thronion und Skarpheia um die Mitte des 2. Jhdts., wo es κοινοὶ Λοκρων (rör Ἠπικναμιδίων) genannt wird. In der Neuordnung der Amphiktyonie spricht man aber von Hypoknemidiern, was wohl auf einen herkömmlichen Brauch hinzielt, während Epiknemidier die damals geläufige Form des Beinamens war. Leider ist IG IX 1, 267, χὸ τὸ κοινὸν Λοκ[ρων] vorkommt, ganz verstümmelt. Die späteren westlokrischen Inschriften sind Öfters nach dem Agonotheten des Bundes datiert (s. u.). Erwähnt wird das κοινόν als solches nur auf einer demnächst zu veröffentlichenden Inschrift aus Physkos, wo es einfach heißt τὸ κοινὸν τῶν Λοκρῶν (Z. 2). Der Bund, wie diese Inschrift zeigt, gab die Proxenie und die damit zusammenhängenden

pÄuly-Wissowa-Kroll XIII [1250] Rechte, und sein Hauptquartier ist Physkos mit dem Heiligtum der Athena Ilias, der Hauptgottheit des Volkes. In der Kaiserzeit schließlich gingen diese κοινά in ein größeres κοινόν über, dessen Bestand auf den Inschriften mit kleineren Abweichungen gegeben wird (s. o. Geschichte nach dem J. 30). Von dem Ostlokrischen Bund wissen wir, außer der üblichen Erteilung von Ehrendekreten, nur, daß er die Wahl der Hieromnemonen .0 besorgte (Inschr. Klio XVI 163 nr. 130 II 2), und daß er ein Staatsarchiv verwaltete (a. a. O. 176, nr. 137, wo die Ἤγγαιοι ihre Kopie des Schiedsspruchs vom κοινὸν τῶν Λοκρων erhalten sollen). Perner ergibt sich aus der Inschrift IG IX 1, 267 (2. vorchr. Jhdt.), daß der Bund eine mit Strafgewalt versehene βουλή und eine Versammlung, δόμος Λοκρων, besaß. Die Inschriften aber mit der Formel Ὀπούντιοι καὶ Δοκροὶ μετὰ Ὀπουντίων (β. o. Geschichte zum J. 205) sind als !0 Akten des Lokrischen Bundes aufzufassen, wie Swoboda 441, 3 will. Weniger als die Hälfte der Landschaft ist damals selbständig (der östliche Teil von Boiotien einverleibt, der westliche von Aitolien), während die altherkömmliche Oberherrschaft von Opus zu sehr hervorgehoben wird, um an das Vorhandensein eines echten Bundes zu denken. Übrigens ist der Bund sehr locker gewesen, da auch ein Streit über eine innere Angelegenheit, wie die Wahl der Hieromnemonen, 10 durch Schiedsgerichte der Athener und Amphis-seer, ein Schreiben der Römer, und endlich wohl das Eingreifen der Amphiktyonie selbst geschlichtet werden mußte. Vom Bunde der WL ist nur bekannt, daß er für ein Stammfest sorgte, wobei der Hauptbeamte ein ἀγωνοθέτης war. Die darauf bezüglichen Inschriften gehören dem 2. vorchr. Jhdt. an (Nikitsky Ztschr. der russ. Min. für Volksaufkl. 1911, Kl. Philol., Feh., S. 70ff. [mir nicht zugänglich]. Wilhelm österr. Jahresh. 40 XIV 225. Swoboda 442).

Erteilung des Bürgerrechts ist Sache der verschiedenen Städte gewesen, so z.B. von Naupaktos (Syll.3 522, die Lit. darüber bei Swoboda 350, 6), Thronion (IG IX 1, 308), Skarpheia (IG IX 1, 314), Opus (IG IX 1, 269. 272. 276; hier wohl nicht mit Swoboda 441, 3 als eine Bundesangelegenheit aufzufassen).

Die Angaben über die Verfassung in OL für die nachmakedonische Zeit sind folgende: zu Opus 50/w (IG IX 1, 268. 283. 289); δρχων (IG IX 1, 268. 271. 972. 274. 276. 278. 282, hier auch Priester des Augustus); βουλή (IG IX 1, 268[‘?]. 289); δγορανόμος (IG IX 1, 282); ἀγωνοθέτης τῶν Λιονυσείων (IG IX 1, 282); γυμνασίαρχος (IG IX 1, 285. Am. Journ. Arch. XIX 332?.); ἴερευς θεου Σεβαστου Καίοαρος (IG IX 1, 282, auch ἄρχων); ἀρχιθύτης (Bischof, Jardé Bull. hell. XXVI 335); zu Thronion δρχων (IG IX 1, 309. Klio XVI 170, nr. 131. 176, nr. 137, 4 60 tos Ἀριστάρχου ἀρχάς); δρχοντες καὶ σύνεδροι (Klio XVI 170, nr. 131); γραμματεύς (IG IX 1, 309); ταμίας, βουλή und δήμο; (daselbst); Halai: (um 250 v. Chr.) bei einer vollständigen Aufzählung der Beamten (Amer. Journ. Arch. XIX 445ff.j kommen vor ein Archon (auch S. 451), drei Pole-marchen (auch S. 451 [?]), ein Grammateus (auch 8. 451[?]), sechs Prytanen, zwei Choragen für Komödien, drei πεταμνυφάντειραι (= πετάσματος [1251] 1251 Lokris (Staat und Kultur) ἰφάηίφω; vgl. Buck Glass. Philol. XI 212), vier πεντάμεροι, vier Hieroi (s. Buck), zwei Lampadarchai und drei Apologoi (τάπολόγοι, s. Buck); zu Skarpheia ein ἄρχων (Eponymos, Klio XVI 170, nr. 131), ἄρχοντα, πρόβουλοι und ξύνεδροι (daselbst Z.5), ἄρχοντες θΕφημ. ἀρχ. 1008, 163ff.), βουλὴ (Ἐφημ. ἀρχ, 1908, 163ff., wohl sichere Ergänzung), θεαροδόκος der Delphier (SGDI 2580); bei den Engaioi zwei Archonten (Klio XVI 176, nr, 137); in Naryx (Naryka) wird ein ἄρχων ' mehrmals erwähnt in der Mädcheninscnrift, und daher für diese Stadt bezeugt, auch wenn die Satzungen allgemeine Geltung haben. Dieser ist mit der Rechtsprechung betraut. Ein Kollegium von Archontes (die Ergänzung ist nicht ganz sicher) soll ,die mit Beschlag belegten Güter wieder zustande bringen .... und zurückgeben¹ (Wilhelm Österr. Jahresh. XIV 170). Eine Ephebeninschrift aus römischer Zeit von unbestimmter Herkunft, wohl aus Opus, führt auf einen Archon, einen Gymnasiarchen und einen Antigymnasiarchen (Amer. Journ. Arch. XIX 323ff. 326).

In WL haben wir zuerst einen βούλαρχος des lokrischen τέλος (SGDI 2070; einfacher βουλαρχέοντος SGDI 2139, beide Inschriften aus dem J. 189/8), der eine βουλή voraussetzt. Der Bou-larchos wird auch auf späteren Inschriften genannt, wohl zwischen 189 und 167 (IG IX 1, 869 nach Dittenbergers sicherer Ergänzung. Bull. hell. XIX 389. Ἐφημ. ἀρχ. 1908, 163ff., wo zwei, wohl aus verschiedenen Jahren, genannt sind) erwähnt. In der letzten Inschrift ist wohl der Stammesbeamte gemeint, nicht nur ein städtischer Beamter von Amphissa, wie Keramopoullos Ἐφημ. ἀρχ. 1908, 188ff. auf Grund des Fehlens des Ethnikons behauptet (der erste Boularchos ist aber sicher ein Bürger von Amphissa, wohl auch der zweite, so daß das Ethnikon nicht notwendig ist), dessen Ansicht von Swoboda 369, 1 gebilligt wird. Die Auffassung von Keramopoullos setzt das Vorhandensein von zwei verschiedenen Boularchen voraus, nach denen es präskribiert wurde, ohne irgendwelche Unterscheidung außer der Weglassung des Ethnikons bei dem städtischen Beamten, sowie das Vorhandensein eines sonst nirgends bei den WL erwähnten städtischen Beamten. Keramopoullos, der auch behauptet (S. 168), daß der Boularchos ein πρόοωπον αἰρέτὸν ἐκ τῶν Λοκρῶν καὶ ὑπὸ τῶν Λοκρῶν, stützt sich auf die irrige Ansicht, daß die Lokrer ihre Unabhängigkeit schon im J. 197/6 erhalten hätten (s. o. Geschichte zu diesem Jahre). Vollgraff Bull. hell. XXV 222ff. 229 ist zu dem Ergebnis gelangt, der Boularchos sei ein Bezirksbeamter, nicht der einer einzigen Stadt. Bis auf etwa 150 v. Chr. ist die Boularchie geblieben, wenn man Pomtows Ergänzung der Inschrift nr, 75 Klio XV 54 trauen darf. Nur ... ὧν βούλαρχος aber ist erhalten, und da dieser Beamte an vielen Orten vorkommt (Zusammenstellung der Zeugnisse bei Herwerden Lexicon s. v.), ist es wohl ratsam, von einer Ergänzung abzusehen, die diese eigentümliche Einrichtung noch viele Jahre nach dem Zusammensturz der ätoli-lischen Macht, der sie ihre Aufstellung verdankt, voraussetzt. [Wohl nur Versehen ist es, wenn Schönfelder Die städtischen und Bundesbe- [1252] Lokris (Staat und Kultur) 1252 amten (Dies. 1917) 92 behauptet, daß man zu Buttos bei Naupaktos nach dem Boularchos präskribierte, da die ausgeführte Inschrift aus Naupaktos kommt und keine von Buttos selbst, die ich kenne, diesen Beamten nennt.]

Der andere WL Stammesbeamte ist der Ago-nothet. Keine Inschrift der Aitolerzeit erwähnt ihn, und sein Amt ist sicher erst nach 167, als WL befreit wurde, begründet worden (Ditten-10berger Herm. XXXII 180fl'.). Er wird erwähnt auf folgenden Inschriften: IG IX 1, 350. 351. SGDI 1842. 1851. 1878. 1901. 1908 (nach Ago-nothet und ätolischem Stratèges datiert, dem letzteren, weil eben der βεβαιωτήρ und acht Zeugen Aitoler waren, und die Freilasser wohl als Metoiken in Aitolien wohnten, Dittenberger 182). 1937. 1954 (τὸ δεύτερον). 2019. 2028. 2097. 2140. Bull. hell. XXII 10. 354bis. 35 7. Wilhelm Beitr. zur griech. Inschr. 132. 135. Eine dem-20 nächst zu veröffentlichende Inschrift aus Physkos. Auch eine Inschrift aus Buttos, nr. 21 bei Nachmanson Athen. Mitt. XXXII 55ff. erwähnt einen Agonotheten zu Naupaktos, der aber ein Aitoler ist, und daher der echte lokrische Beamte nicht sein kann. Nachmanson will diese Inschrift wohl mit Recht in das J. 143 ansetzen (diese Datierung auch von Wilhelm Beiträge 310 gebilligt) und vermutet dabei scharfsinnig, daß, da der Lokrische Bund wohl 146 aufgelöst wurde, 30 die Aitoler den Naupaktiern gnädigst einen Agonotheten gaben, der die Pflichten des alten Bundesbeamten erfüllen sollte. Man kann aber aueh an andere Möglichkeiten denken. Die Gemeinden, die nach dem Agonotheten datieren, sind Physkos (SGDI 1851. 2019. 2028. 2097. 2140. IG IX 1, 350. Bull. hell. XXII 354. Wilhelm Beiträge 132. Eine demnächst zu veröffentlichende Inschrift aus Physkos), Tolophon (SGDI 1954), Oinoe (Bull. hell. XXII 357), Oiantheia (SGDI 1908. Bull. heU. 40 XXII 10), Kyra (SGDI 1842), Triteia (SGDI 1901), Myania (SGDI 1878. 1937), Kallipolis (Bull. hell. XXII 354). Der Abstammungsort des Agonothet ist nicht immer gegeben, die, wobei diese Angabe mitgeteilt ist, stammen aus Physkos (SGDI 1851. 1878. 2019. 3028, derselbe wie 2019. Bull. hell. XXII 10. Eine demnächst zu veröffentlichende Inschrift aus Physkos), Oiantheia (SGDI 1901. 1954, ders. wie 1901), Triteia (SGDI 2079), sogar auch Dyme, die mit WL eng verbunden war 50 (SGDI 1842). Die Angaben beiRoltsch D. West-lokrer 65 über diesen Punkt bedürfen vielfach der Berichtigung.) Dagegen datieren die Amphisseer stets nach ihrem eigenen Archon, was E. Bauer Unters, usw. 44f. als Beweis erklärt, daß Am-phissa eine Sonderstellung behielt und dem Bund nicht angehörte. Das ist aber unwahrscheinlich, da für eine so große Stadt der eponyme Archon für lokale Zwecke besser geeignet war als das Bundeshaupt. Daß kein bisher bekannter Archon 60 aus Amphissa stammt, mag Zufall sein. Wilhelm Lokrische Mädcheninschr. 225f. vermutet, der Agonothet habe die Plfia zu Rhion (IG IV 428 aus Sikyon) geleitet. Das ist sehr zweifelhaft, da diese Gegend schon seit Jahrhunderten ätolisch war, auch das dabei gefeierte Fest wohl dem Poseidon gehörte (s. u. Religion), während Athena die Hauptgöttin der Lokrer war. Ich denke vielmehr an ein Fest der Athena Ilias zu [1253] Physkos, wo sich ihr Heiligtum befand, und wo das Hauptquartier des Bundes war (s. o.). Für Agonotheten in Argolis und Messenien s. Schönfelder 96. 119.

Die Angaben über die Verfassung in WL für die nachmakedonische Zeit sind folgende. Thearo-dokoi für die Asklepier aus Epidauros um 353 –339 v. Chr. gab es zu Amphissa, Oiantheia und Telephon (IG IV 1504); für die Delphier um 175 v. Chr., zu Kyra (IV 53), Chalaion, Tolophon, Oiantheia und Amphissa (SGDI 2580). Zu Amphissa θεοκολος des Asklepios (IG IX 1, 318. 1066. 1069 (wohl auch 1070). SGDI 2202. Ἐφημ. ἀρχ. 1904, 113ff. Z. 7 (sichere Ergänzung), ἄρχων (SGDI 1684 und sehr oft IG IX 1, 1066 u. ö.), νομογράφοθ ("Ἐφημ. ἀρχ. 1908, 163ff. Z. 10. Swoboda 125, 20. 370, 1 mit Literatur), )1εροθυτης bei Boltsch Die Westlokrer 66 ist falsche Lesart des französischen Herausgebers Bull. hell. V 451 für [θ]εο[κ[ο[λ]εοντος, IG IX 1, 3181, ἄρχοντες φφημ. ἄ$χ. 1908, 163f.), βουλή (IG IX 1, 323) [über den vermeintlichen βούλαρχος als Stadtbeamten zu Amphissa s. o.], endlich curator et ὤfensor Amfissiensium (CIL III 1,[4] 568, nach Constantin und vor 409 n. Chr. (Mommsen); diese sind verschiedene Beamte, wie die Schlußformel zeigt). Zu Naupaktos Φεοκόλος des Asklepios (IG IX 1, 361. 387. Athen. Mitt. XXXII nr. 36), ἄρχων (IG IX 1, 361), ἄρχοντες (IG IX 1, 360. 369. 375), γραμματευς θεαροῖς (dreimal Νεαρῶν, manchmal nur γραμματεύς) der gewöhnliche Eponyme (IG IX 1, 357. 360. 366. 373–375. 377. Athen. Mitt. XXXII nr. 1–6. 8–10. 13–20. 22–26. 28–31), Νεαροί Mitglieder des Gemeindest® (s. γραμματεὺς Φεαροῖς o., vgl. Schulthess o. Bd. VII S. 1761. Swoboda 369, 3. Schönfelder 92); χρεοφύλαξ(IG IX1,375.376. Schönfelder 92). Zu Chalaion (IG IX 1, 330. 3 31. SGDI 1734. 1927. Bull. hell. XXII 31), zwei Φεοκόλοι des Apollon Nasiotes (IG IX 1, 331), ἐκκλησία und ταμίας (CIG 11567 aus Boiotien - ob echt? Ich finde es weder bei IG VII noch in SGDI). Zu Oiantheia θρχων (SGDI 1908. Bull. hell. XXII 10). Zu Buttos ἄρχων (Athen. Mitt. XXXII nr. 4. 7 [Eponym]. 10. 11 und 12 [Eponym]. 24. 26. 29 [Eponym]. 33), ἄρχοντες (Athen. Mitt. XXXII nr. 6 [2 Archonten]. 7 [2 Arch.]. 9 [unbestimmt]. 11 [5Arch.]. 13 [3 Arch.]. 14 [unbestimmt], 15 und 18 [2 Arch. als Eponyme]. 23 [2 Arch.]. 30 [3 Arch.]). Zu Tolophon Ζρχων (IG IX 1. 355. SGDI 1954). Zu Physkos ἄρχων (SGDI 2097. Wilhelm Beitr. 132. 133 ergänzt), ἄρχοντες (drei, davon einer als Eponym, SGDI 2097), ταμίας und Ἐκκλησία (SGDI 2097). Zu Antikyra ἄρχων (SGDI 2107). Zu Triteia ἄρχων (SGDI 1813).

Kalender. Verwickelt ist die Monats- und Jahresrechnung bei den Lokrern, da die Lokrer im allgemeinen einen Kalender hatten, wohl Bundeskalender, dazu aber auch jede einzelne Stadt, wie es scheint, ihren eigenen. Alle Einzelheiten hier aufzuzählen, fehlt der Baum. Für frühere Darstellungen verweise ich auf E. Bischoff De Fastis Graec. antiquiw., Leipz. Stad. VII (1884) 358–363 und E. Bauer Untersuch. usw. (1907) 55 mit einer gut übersichtlichen Tabelle nach S. 58. Ich begnüge mich daher hier, nur das neu hinzugekommene Material aufzuzeichnen. Zu [1254] Physkos μηνὸς Ἐρμαίου (Wilhelm Beitr. 129); zu Amphissa μηνὸς Πανάμου (IG IX 1, 318), μηνὸς Ἀγραοτνώνος = μ. Καρείου zu Chalaion (IG IX 1, 331. 1066, s. o. Bd. X S. 1939), j«. Ἀμώνος ζΕφημ. ἀρχ. 1908, 164); ZU Chalaion μηνὸς Καρείου (IG IX 1, 331 = μ. Ἀγραοτνώνος in Amphissa. Bull. hell. XXII 10 = μ. πρώτον bei den Lokrern = Boukatios zu Delphoi); zu Oiantheia μ. Καρείου (Bull. hell, XXII 10); zu 10 WL (Bundeskalender) μηνὸς τρίτον (IG IX 1, 350 = μ. Ἠραίου zu Delphoi), μηνὸς πρώτον (Bull. hell. XXII 335 = μ. ἸΙανάμου zu Kallipolis = Boukatios zu Delphoi), μηνὸς Πανάμου (Bull. hell· XXII 355). In Naupaktos und dem davon abhängigen Buttos galt der ätolische Kalender, der nach Bischoff 363. Nikitzky Geogr. Liste 13. Nachmanson Athen. Mitt. XXXII 53, wie folgt lautet (ich füge das Verzeichnis der Inschriften nach jedem Monat hinzu). 1. Προκνκλιος (Athen. 20 Mitt. XXXII nr. 9. 11. 16. 30). 2.*Αθαναῖος A.

M. 13. 15. 24). 3. Βονκάτιος (A. M. 18. 22).

4. Δίος nur als ἐμβόλιμος (A. M. 29). 5. Ἐνθυαῖος (Α. Μ. 4. 5. 12. 21. 28. 3L IG IX 1, 370. 373). 6. Ὀμολώῖος (Α. Μ. 2. 9. IG IX 1, 375. 376). 7. Ἠρμαῖος (Α. Μ. 19). 8. Διονύσιος (Α. Μ. 14. 20. 25. 34. IG IX 1, 374). 9. Ἀγύειος (Α. Μ. 6. 23 [verbessert aus Ἀπέον]. IG IX 1, 368). 10. Ἰπποδρόμιος (Α. Μ. 7. 26. IG IX 1, 350). 11. Ἀαφριαῖος (Α. Μ. 3. 17). 12. Πάναμος wird nicht belegt.

In OL hört man nur von μηνὸς Ἰτωνίου (wie in Larisa und sonstwo) zu Skarpheia = μηνὸς (Ἄ)φαμιου (nach Pomtows Verbesserung) zu Thronion (Klio XVI 170) und einem μηνὶ Ἰππείωι zu Thronion = μηνὶ [Ἀπολλωθνίωι (nach Pomtows Ergänzung zu Skarpheia (a. a. O. 176). Auch hier hatten daher die einzelnen Städte ihre eigenen Kalender.

Soziale Einrichtungen. In die Einzelhei-40 ten des lokrischen Rechtes, wie es auf den zwei alten Inschriften von Oiantheia (IG IX 1, 332. 333) und der Mädcheninschrift von Tolophon (österr. Jahresh. XIV) vorliegt, einzugehen, würde zu weit führen. Ich beschränke mich daher auf einige Punkte von besonderem und allgemeinem Interesse.

Die Rechtsprechung. Bei den WL im

5. Jhdt. sind die Richter, wie es scheint, aus dem Adel ausgewählt (IG IX 1, 333 Z. 12. 15f.; über 50 die entgegengesetzte Meinung von Meyer und Dittenberger s. o.). Gewöhnlich wurden sie durch die Damiorgoi ausgewählt. Es bestand auch eine besondere Behörde für Ausländer, die ξενοδίκαι, wohl zwei der Zahl nach; denn wenn diese verschiedener Meinung waren, durfte der Ausländer selbst Richter aus ,den Besten¹ wählen, mit Ausschluß seines Proxenos und seines Gastfreundes. Besonderes Gewicht wird auf den Eid gelegt, so in der Epökeninschrift Z. 45. Eigentümlich ist 60 auch die Einrichtung der Eideshelfer, ἐπομόται, worüber s. Meister Rh. Mus. LXIII 561ff. Hirzel Der Eid 6f. In der Epökeninschrift werden besondere Richter, δικαστήρες (Z. 32f.) zu OL erwähnt. Der ἀρχός verwaltet hier die Rechtsprechung (δίκαν δόμεν), und die Stimmen werden in eine Hydria geworfen, was eine beträchtliche Anzahl von Richtern voraussetzt (dagegen 9 und 15 zu Oiantheia). Wohl dies hat Swoboda 157 [1255] zu seiner Ansicht, die OL hätten Volksgerichte gehabt, geführt, da die offene Stimmenabgabe bekanntlich als oligarchisch betrachtet wurde (Ly-sias XIII 37. Xen. hell. II 4, 9). Merkwürdig ist es auch, daß kein Wort über die Zusammensetzung dieser Gerichte gesagt wird, was, wenn sie etwa wie die aristokratischen zu Oiantheia eingerichtet waren, wohl sehr am Platze wäre; man hat es daher mit einer bekannten und bestehenden Ordnung zu tun, d. h. mit den ge-1 wöhnlichen Gerichten. In der nachmakedonischen Zeit besaß die βουλή des Lokrischen Bundes zu Opus Strafgewalt (IG IX 1, 267. Swoboda 441, 3). In der Mädcheninschrift wieder erscheint der ἄρλωκ mit der Rechtsprechung betraut, und besonderes Gewicht wird auch dem Eid beigelegt (Z. 19f).

Das Mutterrecht. In seinem gelehrten und anregenden, aber meistens phantastischen Buch ,Das Mutterrecht* (1861, 2. Abdr. 1897) hat' Bachofen sich viel mit den Lokrern beschäftigt, allerlei in diese Ideenkreise hereingezogen und durch diese einzige Formel zu erklären versucht. In die verwickelten Fragen Über Ursprung und Voraussetzung des sog. Mutterrechts bei den Griechen einzugehen, ist hier nicht der Platz. Ich begnüge mich mit einer kurzen Besprechung dessen, was für die Lokrer selbst aus ein paar feststehenden Tatsachen zu gewinnen ist. Es wird jetzt anerkannt, daß das Wort ,Mutterrecht* i zweideutig ist, indem es manchmal als Gynaiko-kratie oder Weiberherrschaft aufgefaßt wurde (wie von Bachofen und seinen Anhängern), die nie und nirgends existiert hat (sehr treffend darüber Kretschmer Glotta II 210ff. Frazer Golden Bough: Adonis Attis Osiris [1914] II 209ff.; vgl. noch Westermarck Hist. of human Marriage³ 96 Howard Hist. of matrim. Instit. I 39ff. E. Meyer Gesch.² I 1, 21f. Wundt Elemente der Völkerpsych. [1912] 46ff. 312.. R. H. Lowie Prim. Soc. [1920] 189ff.); zweitens aber einfach Mutterfolge (Mother-kin), für den weitverbreiteten Gebrauch der Berechnung von Verwandtschaften nach der Mutter (sehr gut darüber Kretschmer 211ff. Frazer 202ff). Mit dieser Mutterfolge Hand in Hand geht eine gewisse Hervorhebung der Frauen in sozialer Hinsicht, wohl wegen des Erbrechts und des Ahnenkultes (Frazer 211), wobei eine gewisse Lockerheit der Sitten im Geschlechtsleben (nach patriarchalischen Anschauungen nämlich) hervortritt, da die Mutterfolge eine mehr oder weniger ausgesprochene Gruppenehe zur Voraussetzung hat (gut formuliert bei Meyer 21f. I 2, 652. Frazer Adon. Att. Os. [1914] II 209. Golden Bough³ II [1911] 284f.). Daß die Mutterfolge bei den Griechen hier und da tatsächlich erscheint, ist nicht zu leugnen (obwohl von Wilamowitz Staat 33 so wenig davon wissen will, daß er die Tatsachen fast verneint; als verunglückt betrachte ich die Ansicht von Farnell Arch. f. Relig, VII 73f. 84f., der die Mntterfolge für die Lokrer verneint und darin nur die ,Prestige' der Häuser sieht, woraus die lokrischen Mädchen, etwa wie Vestalinnen, stammten; für Farnells sehr skeptische Stel-longsnahme s. ferner Cuits of the Greek States 192. III 109ff. Hibbert Journ. 1907, 690; ebenso verfährt H. J. Rose in Folklore XXII 277ff., der [1256] Farnells Erklärung der Mutterfolge bei den Lo-krern aufnimmt und jedes Zeugnis mit einer kühnen Deutung aus der Welt schaffen will), und die Zeugnisse stehen jetzt vor uns, kritisch besprochen und gesichtet (vor allem durch Toepffer Att. Gen. 188; Art. Amazones o. Bd. I S. 1766-1771); seitdem ist (vor allem für Kos) hinzuzufügen E. Her zog Koische Forsch, und Funde 183ff., auch Braunstein Die polit Wirksamkeit Oder griech. Frau (1911) 69ff.; sehr treffend hat

Kretschmer 210ff. gezeigt, wie das patriarchalische Wort für Bruder φράτηρ durch αἰελφεόζ und ἀντοκαοίγνητος, die die mütterliche Abstammung hervorheben, ersetzt wurde, und diese Tatsache deutet unbedingt auf neue Kreise von Gedanken, d.h. die Mutterfolge; vgl. noch Swoboda Hermanns Lehrb.« I 3, 18, 2. Szanto Festschr. für Benndorf (1898) 259f. Es fragt sich dabei aber zugleich, ob diese Tatsachen als Überbleibsel !0 einer alten Gesellschaftsordnung auch unter den

Ariern, Entlehnung von andern Völkern, vor allem der Urbevölkerung Griechenlands und der Inseln, oder Neuschöpfung sind. Darüber sind die Meinungen noch geteilt. Die erste Erklärung wurde natürlich von den älteren Forschern gegeben, wird noch von Anthropologen wie Frazer II (1911) 284. Ridgeway Proc. Brit. Acad. III (1907) 30 aufrechterhalten (vgl. noch die anregenden Gedanken von v. Prott Arch. f. Relig. 10IX 87f. 90). Dagegen scheinen die Beweise für die patriarchalische Gesellschaftsordnung bei den Ariern zu stark, um diese Ansicht noch länger zu behaupten (Schrader Sprachvergl. und Urgesch. 366ff.; Reailex. 564ff. Hirt Indogermanen II14ff. Delbrück Preuß. Jahrb. LXXIX 14ff. Zimmer Ztschr. der Savigny-Stift. Roman. Abt. XV 234. Feist Kultur, Ausbreitung und Herkunft der Indog. 116f. 281ff. Hall Oldest Civ in Greece 87.3. Usener Vorträge und Aufs. 109 E. Meyer 40 26 mit Lit. Murray Rise of tbe Greek Epic² 98.

Kretschmer 213 usw.). Die Mutterfolge bei den Lokrern ist daher nicht aus der vermeintlichen Rückständigkeit ihrer Gesinnung und Kultur zu erklären. Die meisten sehen die Mutterfolge bei den Griechen als eine Entlehnung von der Urbevölkerung Griechenlands an (insbesondere der Inseln und der kleinasiatischen Küste), bei der die Muttergottheiten eine große Rolle spielten und die Weiber ziemlich hervortraten (Toepffer 50 Att. Gen. 106; o. Bd. I S. 1771. Beloch Griech.

Gesch.² I I, 84 bezweifelnd. Botsford Am. Hist. Rev. 1918, 353. Braunstein s. a. O. De Sanctis Storia di Romani I 81, 3, dessen Skeptizismus gegen das Mutterrecht bei den Lokrern des Mutterlandes unberechtigt ist. Herzog 186ff. G. Murray Four Stages of Greek Religion 78. 89. J. A. K. Thompson Stud. in the Odyssey 102. 151. 168. Kretschmer und E.Meyer a.a.0.; H. J. Rose Folklore XXI 1 278 60 verneint dies prinzipiell, weil jede Änderung

zwischen den zwei Systemen immer in der patriarchalischen Richtung liege, was eine Petitio prin-cipii zu sein scheint). Es wird dabei gewöhnlich an die Leleger, die mit den Lokrern öfters verbunden wurden (s. o.), erinnert, und in der Tat ist man, da die unzweideutigsten Zeugnisse der Mutterfolge auf den Inseln und der kleinasiatischen Küste vorkommen, während sie im west- [1257] 1257 Lokris (Staat und Kultur) liehen Griechenland fast gänzlich fehlen, wohl berechtigt die Mutterfolge bei den Lokrern z. T. wenigstens auf diese lelegisch-karische Urbevölkerung zurückzuführen. Nur zum Teil aber, denn sehr bestechend sind die Ansichten vonv.Wila-mowitz Staat 33, wonach Sorge für das Landlos und erbrechtliche Interessen den Anschein von mutterrechtlichen Zuständen hervorbrachten (da ohne Zweifel die Beweggründe des Mutterrechts ökonomisch sind, sehr gut darüber Seligman Econ. Interpr. of Hist. 78ff. mit Angabe der Lit.; s. auch W.Wundt Elemente der Volkspsychologie 312),und die von Beloch Griech. Gesch.²! 1, 84, wonach die Tatsache der Eroberung des Landes zwei Abstammungen in der weiblichen Linie hervorbringen mußte, die der griechischen Gemahlinnen und die der Kebsweiber, wobei nur die Nachkommen der ersten Linie adelig werden konnten. Dabei ist noch zu bemerken, wie sehr die Lokrer für das Erbrecht sorgten (vgl. gleich u.) und wie manches Zeugnis auf einen verschiedenen Ursprung für das Volk und für den Adel deutet (o. Dialekt, Staat und Kultur), um diesen ,Rückfall in das Mutterrecht¹ (Beloch) zu begreifen. Eine gewisse Hervorhebung der Brauen in manchen sozialen Einrichtungen, vor allem Religion und Familie, ist dabei unter den Lokrern im voraus zu erwarten. Die Zeugnisse und Beispiele dieser Stellung der Frauen in L. sind zunächst etwas näher zu betrachten.

Hanptzeugnis ist die bekannte Stelle bei Polyb. XII 5, 6l (aus Aristoteles Λοκρῶν πολιτεία), wonach von den epizephyrischen Lokrern gesagt wird ἰτάηα τὰ θd προγόνων ἔνδοξα παρ' αὐτοῖς ἀπὸ τῶν γυναικῶν, οὐκ ἀπὸ τῶν ἀνδρῶν ἐστιν, olov εὐθέως εὐγενεῖς παρὰ σφίσι νομίζεσθαι τοὺς ἀπὸ τῶν ἐκατὸν οἰκιῶν λεγομένους · ταύτας δ' εἶναι τὰς ἐκατὸν ὀΙκίας τὰς προκριθείσας ὑπὸ τῶν Λοκρῶν πρΙν ἡ τὴν ἀποικίαν ἐξελάειν, ἐξ ὧν ἔμελλον οἱ ΛοκροΙ κατὰ τὸν χρησμὸν κληροῦν τὰς ἀποστολὴ* σομένας παρθένους εἰς Ἴλιον (wobei zu bemerken ist, daß auch der alberne Erklärungsversuch bei Aristoteles und Polybios u. a., s. u. Lokroi, gerade dieselbe bevorzugte Stellung der Frauen voraussetzt). Daß die Abstammung von diesen 100 Häusern zu Lokroi mütterlicherseits gerechnet wurde, macht es unleugbar, daß dies auch in OL Sitte war, sei die Ursache was will. Es gibt aber auch andere Hindeutungen auf dieselbe Einrichtung. Wie nirgends sonst hebt Pindar 9, Olymp. Ode für Epharmostos aus Opus die Frauen hervor, indem er die lokrische Genealogie bespricht, selbst die Hauptstadt wird Πρωτογένειας θστυ genannt, wozu der Schob zu v. 64 bemerkt: ba ovv δείξη τὸ εὐγενες τῆς μητρὸς λέγει τὴν πόλιν τῆς Ὄπονντος Πρωτογένειας. Die anderen Anspielungen auf die Frauen sind von Gilder-sleeve Pindars Olymp. and Pyth. Odes 201f. und zu IX 60 ausgezeichnet zusammengebracht und verwertet. In den lokrischen Schöpfungs- und Sintflutssagen ist es auch merkwürdig, daß der erste Mensch ein Weib war, Pandora («x πηλου ἐγένετο Etym. Gud. 249, 1), die Mutter der Menschen, deren Tochter Pyrrha (»Roterde*, vgl. ,Adam‘) die Heroine der Sintflut und der Neugeburt der Menschen ist, neben der Deukalion (Leukarion) sehr rurücktritt, und die Tochter von Pyrrha und Deukalion endlich ,die Erstgeborene*, [1258] Protogeneia war (s. o. Mythologie), wo bei den ersten drei Stufen nur eine männliche Gestalt, und diese nebensächlich, hervortritt. Nichts kann deutlicher das Gewicht, das die Lokrer auf die weibliche Abstammung legten, zeigen, als eben diese Tatsachen. Auch führten die adeligen Geschlechter ihre Linien auf irdische Frauen und olympische Götter zurück (Pind. Ol. IX 56, s.o.). Dabei beachte man wohl, daß die einzigen grie-10 chischen Epen, die Frauen stets und absichtlich hervorheben, die Eoien und Frauenkataloge sind (o. Bd. VIII S. 1201) und daß diese wahrscheinlich unter den Lokrern und von Lokrern gedichtet wurden (s. u. Literatur). Meistens wird diese Tatsache nicht nach Gebühr geschätzt. Gewiß haben fast alle Völker Genealogien, manche davon auch genealogische Gedichte, aber gibt es sonst in der Weltliteratur ein ähnliches Gedicht, worin die Mutter eines jeden Heros zuallererst beschrie-20ben und gelobt wurde, ehe dem Heros ein einziges Wort gespendet worden ist, und das mit einem formelhaften Ausdruck, der auf bewußte Absicht und alte Gewohnheit deutet? Die sozialen Zustände, die ein so auffallendes Vorgehen erklären, existierten bei den in Betracht kommenden Völkern Griechenlands nur unter den Lokrern. [Es kann auch sein, daß die seltsame Formel ob) mit bewußtem Wortspiel auf ἠοίη (ἠοῖοι) ge-wählt wurde, selbstverständlich beides nach dem 30 epischen Dialekt, wie die OL wohl von altersher sich nannten]. Dazu stimmt, daß man die ersten der ohnehin im Griechischen seltenen Metrony-mika im hesiodeischen, d. h. festländischen Epos, findet, ΦιλυρΙδης (Theog. 1002), Δαναιδή! (Scut. 229), Λητοῖδης (Scut. 479. frg. 125, 3), da das Metronymikon bekanntlich der homerischen Poesie fremd ist (Et. Magn. 166, 8ff. Wilh. Meyer De Homeri Patronymicis 10. 66; über das vermeintliche Metronymikon Molitors vgl.Wacker-40 nagel Kuhns Zeitschr. XXIII 307. Meyer 14 mit Lit. Kaibel ΔΑΚΤΥΛΟΙ ἼΔΑ1Ο1 51). U s en er Strena Helbigiana 323). Dazu kommt die Erklärung bei Aristoteles (ftg. 554 Rose2, bei Phot. und Suid. s. v., und den Paroi-miographen; am besten, doch sehr verstümmelt, bei Ps.-Diogen. VIII 31) des Sprichworts τὸ Μηλιακον πλοῖον von einem löcherigen Schiffe dieses stürmischen Golfes (vgl. Pape-Benseler s. v.). Danach soll Hippotes (bei einem fehlgeschlagenen 50 Kolonisationsversuche zur Zeit der dorischen

Wanderung, s. o. Ausbreitung) die Bewohner der Küsten des Malischen Golfes (meistens irrtümlich als Malier aufgefaßt, wie von C. Müller FHG II 143 S. 150. Tümpel PhiloL L 614) verflucht haben μήτε πλοία ὀτεγανὰ ἀδτοῖς γενέοθαι note καὶ ὑπὸ τῶν γυναικῶν κρατεῖσθαι ἀεὶ (γνναικοκρατείαθαι Suid.). Hierbei sind die OL gewiß mitinbegriffen (da sie zusammen mit den Oitaiern und den Maliern an den Malischen Busen grenzten, 60 wovon fast die ganze Südseite ihnen zukommt), wenn nicht die einzigen, die gemeint sind, da kein anderes Zeugnis für Mutterrecht bei den Maliern aufzutreiben ist. Zwar will Tümpel (a. a. O. und bei Roschers Lex. III 883f, dessen Ansicht von Harrison Class Rev. 1893, 74 gebilligt wird) die Omphalegeschichte als Beweis für das Mutterrecht bei den Maliern anführen, aber kaum mit Recht. Zugegeben, daß Omphale [1259] 1259 Lokris (Staat und Kultur) ursprünglich zu Omphalion gehörte (v.Wilamo-witz Her. 2 78ff. 137. Wernicke Aus der Anomia 72f. Cauer Rh. Mus. XLVI 244f. Tümpel a. a. O. Gruppe 488), ist erstens Omphalion eine thessalische Stadt, nicht eine malische (Steph. Byz.), und zweitens setzt der thessalische Mythos (soweit wir ihn kennen) das Mutterrecht keineswegs voraus; diese Bestandteile sind eher aus der Verpflanzung nach Lydien zugekommen. Es bezeugt daher das Mutterrecht bei den Maliern 10 nicht die Anknüpfung von Melas (wohl Anherr der Melier, wie v. Wilamowitz vermutete) an Herakles und Omphale, die auch keineswegs eine alte Überlieferung zu sein braucht. Mit diesem Sprichwort ist daher ein zweites Zeugnis des Aristoteles über die Mutterfolge bei den OL gewonnen.

Aus WL ist weniges über diese Sache überliefert. Erstens kommt die Inschrift IG IX 1, 1072 aus Amphissa ...]ιδα[μ]ας ὁ Δη[μο]κρατείας, 2( die Dittenbergers Staunen erregte, da bekanntlich das μητρόθεν καλείσαι sonst nur in Kleinasien vorkommt (Liste der Inschriften bei Braunstein 73ff.; vgl. Meister Mimiamben des Herondas 74 für ähnliches in Kos, die Stellen 150. VI 50. VII 87, und besonders die bekannte Inschrift von Kos bei Paton-Hicks 368, wozu s. Herzog Koische Forschungen 182ff. Braunstein 74f.). Zweitens sind als ein Zeugnis wenigstens der begünstigten sozialen Lage der west- 3( lokrischen Frauen die Inschriften Syll.³ 511–514 zu erwähnen. Hier haben einige Frauen aus Aitolien, höchst wahrscheinlich aus Naupaktos (das politisch damals, 3. Jhdt., ätolisch war, wie Pomtow geschlossen hat, eine Reihe Riesendenkmäler für sich selbst, Vater. Mutter und Brüder (512), Vater, Mutter und Sohn (513) zu Delphoi aufgestellt; dagegen sind die Stifter von 511 (mit drei Frauennamen; ähnlich ist das Denkmal der drei Mädchenathleten aus Tralles 4 um 47 n. Chr. bei Pomtow Klio XV 71ff.) unbekannt, die Väter Lykos und Diokles stifteten das letzte (514) für ihre fünf Töchter. ,Offenbar⁴, bemerkt Hiller v. Gaertringen dazu, »hatten die Frauen im Ätolischen Bunde eine erhebliche soziale Stellung’, was aber, da das Mutterrecht bei den Aitolern sonst nirgends vorkommt, während diese Gruppe von Denkmälern nur Frauen aus Naupaktos oder dem sonstigen WL darstellt, richtiger von den WL gesagt wäre. [Über die 5 Agonistik bei den Lokrern, wo nur zu Lokroi (ähnliches auch zu Keos, Plut. mul.virt. 12, und Chios, Ath. XIII 566e, wo v. Wilamowitz Κέῳ vermutet; Keos ist eine lokrische Kolonie) Mädchen mit Knaben in den Gymnasien exerzierten, s. die neulich gefundene Vase zu Lokroi, Notizie degli Scavi 1917, 110; vgl. Rev. d. Etudes grecques 1918, 264f.J

Unveräußerlichkeit des Besitztums. Es gab eine Satzung, wonach τὴν οὐσίαν πωλειν ( ol νόμοι κωλύουοιν, ὤσπερ ἐν Λοκροῖς νόμος ἔστι μὴ πωλειν, ἐὰν μὴ φανερὸν ἀτυχίαν δείξη συμβεβηκυῖαν * ἔτι δὲ τοὺς παλαιοὺς κλήρους διασώζειν (Aristot. Pol. II 7, 6 [1266b 18]). [Es kann sein, daß Aristoteles die Stadt Lokroi meinte (wie Büchsenschütz Besitz und Erwerb 32, 1. Pöhlmann Gesch. der sozialen Frage I 88. Newman z.St. u. a. meinen, aber wenig wahr- [1260] Lokris (Staat und Kultur) 1260 scheinlich, da ähnliche Satzungen «ehr altertümlich klingen und nur von Altgriechenland, nicht den Kolonien bezeugt sind; vgl.Whibley Greek Olig. 114.] Parallelen gibt es in Fülle unter den Griechen, worüber man vergleiche E. Meye; Gesch. II 300. J. Adam zu Plat. Eep. 552a. Whibley 122ff. Seebohm Structure of Greek Tribal Soc. 124ff. 127f. Pöhlmann 87f. u. a. (Michel De la inaliénabilité primitive des terres, Caen 1891, ist mir nicht zugänglich). Ob nun diese Satzung ein regelrechtes Gesetz war, wie öfters so genannt (z. B. von Büchsenschütz und Newman), oder vielmehr nur alte Sitte (vgl. Pöhlmann 87), ist unsicher. Doch spricht Aristoteles hier gerade von Gesetzen, und ein solches ist es gewiß, wenn es wirklich auch in der Kolonie galt. Selbstverständlich hätte dann Zaleukos eine Sitte aus dem Mutterland übertragen. Die Satzung wird auch wohl vorausgesetzt in der > Epökeninschrift. Da heißt es (Z. 41ff.), daß der ἀρχός unter Umständen τὸ μέρος (= κλήρος oder ἀρχαία μοίρα wie zu Sparta) μετὰ λοικιατάν einbüßen soll. Ferner wird es von den Mysacheis und Perkotharioi vorausgesetzt (Z. 21f.), sie müßten ihre χρήματα in OL verlassen. Wo aber über die anderen Kolonisten (7ff.) verordnet wird, daß nur der unter den Ansiedlern zu Naupaktos in seine alte Heimat als Bürger ohne Eintrittsgeld zurückkehren darf, der an seinem Herde einen) erwachsenen Sohn oder Bruder zurückgelassen hatte (d. h. man bleibt Bürger nur solange man sein Landlos, wenn auch nur durch einen Verwandten vertreten, beibehält), ist die Verordnung nicht so bestimmt, und das Recht, den κλήρος zu veräußern, oder wenigstens zu verpachten, scheint dabei anerkannt zu sein. Danielssons Vermutung (Eranos III 79), daß in der Epökeninschrift 35 ἄκρατες ,Nichtverkäufer‘ zu lesen sei, mit Bezug auf eben diese Satzung, steht nichts Sachliches 0 entgegen, nur ist die Überlieferung zu ändern, wobei man einen seltsamen Ausdruck und ein sonst unbelegtes Wort mit in Kauf nehmen muß. - Zu Opus scheint es auch Sitte gewesen zu sein, daß gleichberechtigte Erben das Vermögen gleichmäßig untereinander verteilen mußten, was einmal zu der Absurdität führte, daß zwei Brüder auch Becher und Himation zerhackten (Plut. de frat. amore 11). Das kann aber bei jeder Gesetzgebung, die mehrere gleichberechtigte Ο Erben anerkennt, vorkommen, bezeugt daher für

Opus nur, daß man nicht gezwungen war, die Erbfolge auf einen einzigen Erben zu bestimmen.

Die Sklaverei. Nach direktem Zeugnis des Timaios bei Athen. VI 264 c (FHG I nr. 67) οὐκ ἤν πάτριον τοῖς Ἔλλησιν ὑπὸ ἀργυρωνήτων τὸ παλαιὸν διακονεῖθαι, γράφων ὄντως' καθόλου δὲ ἤτιωντο (die Epizephyrischen Lokrer) τὸν Ἀριστοτέλη διημαρτηκέναι τῶν Λοκιρκων ἔθων οὐδὲ γὰρ κεκτήαθαι νόμον εἶναι τοῖς Λοκροῖς (die Lokrer >0 in Griechenland), ὀμοίως δὲ οὐδὲ Φωκενσιν, οὐτὲ θεραπαίνας οὐτὲ οἰκέτας πλὴν ἐγγὺς τῶν χρόνο»: Polybios (XII 6, 7 aue Athen. VI 272 a) polemisiert gegen die Behauptung des Timaios, verdreht aber die Ansicht seines Vorgängers in οὐκ εἶναι οὐνηύες τοῖς Ἔλλησι δούλους κτασθαί, was niemand je behauptet haben konnte, und daher leicht zu widerlegen war. Da nun der Streit gerade über die Sage der Gründung von Lokroi [1261] entbrannte, und die Version bei Aristoteles, die Polybios verteidigt, gerade das Vorhandensein von Sklaven in OL und WL in größerer Anzahl voraussetzt, muß Polybios irgendwie dies Zeugnis des Timaios (oder richtiger seiner Gewährsmänner zu Lokroi) über die Lokrer bestritten haben, und das, wie die sonstige Polemik zeigt, aus allgemeinen Gründen, wie etwa die Sklaven bei Horner und Hesiod. was aber für die Verhältnisse in L. von keinem Belang ist. Nun spricht für die Richtigkeit der Angabe bei Timaios manches. Seine Auffassung der Gründungsgeschichte von Lokroi ist ohne Zweifel die richtige, während die bei Aristoteles u. a. vorkommende ein liederliches Machwerk ist, um die mutterrechtlichen Einrichtungen zu Lokroi zu erklären, der Parthenier-legende offenbar nachahmt, und dabei die lächerliche Hypothese vorträgt, die Lokrer hätten im ersten Messenischen Kriege als Bundesgenossen der Spartaner gedient. Ferner iet die Angabe über Phokis bei Timaios (daß die Sklaverei dorthin erst im 4. Jhdt. eingedrungen sei) von niemand bezweifelt, und Phokis ist damals in materieller Hinsicht gewiß ebenso fortgeschritten wie L. Schließlich stimmt das Zeugnis mit dem allgemeinen Gang der Geschichte und der Entwicklung der Sklaverei, wie sie durch Kenner wie Mommsen Röm. Gesche I 247. Beloch Griech. Gesch. II 347. E. Meyer Gesch. II 549 (vgl. Die Sklaverei im Alt 34). Pöhlmann Aus Alt u. Gegenw. 164f. dargestellt wird. Diese Sitte (denn nur das ist es, wohl kein förmliches Gesetz, etwa wie Periander die Sklaveneinfuhr verboten hatte, Herakl. Pont. 20 [‌Rose Arist. frg.²]. Nik. Damask. 59 [‌FHG III 393] ἐκώλνέ τε τοὺς πολίτης δούλους xtäoθat, vgl. Meyer Die Sklaverei 34) verschwand wahrscheinlich während des 4. Jhdts., da bekanntlich Freilassungsurkunden in WL massenhaft vorkommen, und obwohl in kleinerer Anzahl zu OL, doch aus Opus (SGDI 1986), Thro-nion (SGDI 1985), Skarpheia (SGDI 1756) usw. Wie nun ist im Lichte des Zeugnisses des Timaios die Satzung der Epökeninschr. 41ff. zu verstehen, wonach der Beamte, der den Prozeß nicht sogleich gibt, sein Vermögen (τὰ χρήματα) verlieren soll, τὸ μέρος μετὰ [οἰκιατῦνΊ Die älteren Erklärer haben den Satz unrichtig gegliedert und gänzlich mißverstanden, τὸ μέρος heißt hier .Landlos**, ,Landgut* (Gilbert II 40, 1. Meister 326. Dittenberger und Buck z. St.). Foixiävat ist meistens ,Sklaven* übersetzt (Meyer; Gilbert; Hicks²; Dittenberger; Buck schreibt ,servants¹, was aber zweideutig ist;. Meister sieht darin die οἰκοὶ τραφέντες im Gegensatz zu den ὠνητοὶ δούλοι, wobei er mit Recht Hesych. οἰκιήτης' ὤνητδς δούλος in (ὄνχ) ὠνητὸς δούλος verbessert (vgl. die Herausgeb. des Recueil; vgl. dagegen Dittenberger z. St.). Ich glaube vielmehr nur Leibeigene in diesem Ausdruck verstehen zu dürfen (wie wohl die Herausgeber des Recueil mit ,serfs* meinen, da der Zusammenhang zwischen μέρος und fotxAttu der allerengste ist, gerade wie der der an das Land gebundenen Penesten, Heloten* Aphamioten (oder [οἰκήες des Gesetzes von Gortyn, vgl. Meister 326). Wenn man dagegen von »Landlos-mit-Sklaven' in der Mitte des 5. Jhdts. als gleichbedeutend mit Vermögen im- allgemeinen spricht, muß man [1262] LoKns (ötaat una Kultur) 120a

die Angabe von Timaios ganz und gar verwerfen. Die Herausgeber des Recueil und Meister wollen die beiden Angaben dadurch versöhnen, daß sie meinen, Timaios spräche nur von verkauften Sklaven (ἀργυρώνητοι; vgl. die Verordnung Perianders O.). Das stimmt aber nicht völlig, denn obwohl Timaios dies zwar von allen älteren Griechen sagt, behauptet er speziell von den Lokrern und Phokern, daß sie nicht κεκτήοθαι (nicht κτασθαί) οὐτὲ θεραπαίνας οὐτὲ οἰκέτας

(nicht ἀργυρωνήτους δούλους). Auch hätte diese nähere Bestimmung der Sklaven den gesuchten Beweis für Timaios nicht geliefert. Er müßte eben zeigen, daß es im 7. Jhdt. bei den Lokrern nicht genug Sklaven gab, um eine größere Kolonie mit ihren Herrinnen und Kindern zu begründen. Daher machte es nichts aus, ob die Lokrer ,Häusler‘ (Meister) hatten oder auch gekaufte Sklaven, da bekanntlich die Anzahl der 20 im Haus und Hof aufgezogenen Sklaven sehr

schnell anwachsen kann (vgl. die Neger in Amerika), zu denen bei den Griechen auch Kriegsgefangene und Verbrecher aus den unteren Klassen kamen. Timaios muß gemeint haben, daß die Lokrer der alten Zeit Sklaven (wie etwa bei Homer) nur ausnahmsweise hatten. Daß foiκιάτας (die Form kommt auch in Thessalien und Arkadien vor) auch Leibeigene bedeuten kann, ist kaum zu bezweifeln, obwohl es nicht von den 30 Lexika verzeichnet wird. Der οἰκεύς auf Kreta

(= οἰκέτης) wird im Gesetz von Gortyn als οἰκευς ἐπὶ χώρρ οἰκων beschrieben (Schömann-Lipsius Griech. Alt.⁴ I 306ff.). Ähnlich waren die Aphamioten zu Kreta, da Kallistratos von den Kretern sagt (Athen. VI 263 e) καλοῦσι... ἀφαμιώτας δὲ τοὺς κατ' ἀγρόν (sc. οἰκέτας) Ἐγχωρίους μὲν ὄντας, δουλωθέντας δὲ κατὰ πόλεμον. Die πενέοται in Thessalien wurden auch manchmal θετταλικεταί (oder: Θετταλοικέται) genannt 40 (Philochoros bei Athen. VI 264 a). Die Namensform ist unsicher; die Schweighäusersche Ausgabe des Athenaios hat θετταλοικέτας ohne Bemerkung, Kaibel Θετταλικετας ebenfalls ohne Bemerkung. Staphylos περὶ θετταλῶν (bei Har-pokration s. πενεοταί) nennt sie θετταλικετας (οἰκέτας B), wobei die Epitome, Photios (Porson II 409, 16; nicht bei Naber) und Suidas s. πενέσται (Näheres bei Bernhardy zu II 176, 9) korrupt Θετταλικάς schreiben. Bernhardy schlägt vor 50 Θετταλίκτας, was Dindorf bei Harpokration auf

nimmt. Dagegen will O. Müller Dorier² I 62 Θετταλοικεταί herstellen, und das ist wohl der Sinn des Wortes, obwohl die dialektische Form des Namens davon abweichen mag. Jedenfalls dürfen wir in diesen an das Land gebundenen [οἰκιαταί einen Teil der älteren griechisçhen Bevölkerung sehen, worüber die lokrischen Eroberer herrschten, gerade wie in Thessalien und Lako-nien und zum Teil wohl auch in Kreta.Wirtschaft. Produkte. Das Land hatte keine hervorragenden Produkte. Die größeren Ebenen enthielten zum Teil Getreidefelder (so für Amphissa Paus. VII 14, 7). Die Ölwälder sind im heutigen Griechenland berühmt (Struck Zur Landeskunde Griechenlands 1912, 105), bestanden daher wohl auch im Altertum. Es gedieh der Weinbau, besonders zu WL, wo Makynia von Archytas βοτρυοστέφανος genannt wird (Plut. [1263] quaest. Graec. 15), und die Stadt Oineon (oder Oinoe) stand, während die dazwischen liegende Gegend (um Naupaktos) noch vorzügliche Korinthen und Trauben hervorbringt. Der Kultus des Dionys (s. d. u.) zu Naupaktos setzt diesen Weinbau voraus, sowie die Amphora und die Weintrauben auf den lokrischen Münzen (s. u.). Über den jetzigen Weinbau in OL s. Struck 173. Zu erwähnen ist auch der wilde Asphodèles in WL (Paus. X 38, 2), dessen Knollen eßbar sind. Der κυνόσβατος (Hundsrose, Hagedorn oder Brombeerstrauch ?) ist dagegen fast wertlos. Die Rosenzucht, auf die Roltsch Die Westlokrer 13 schließt, ist Mißverständnis eines Sprichworts (s. Amer. Journ. Arch. XX 172; die Rose auf einem Websteinchen zu Amphissa, *Εφημ. ἀρχ. 1908, 161, 2 beweist wohl nichts). Daß der Lorbeer in WL gedieh, folgt nicht aus dem Kult des Apoll, wie Roltsch will, da er bekanntlich zu Delphoi nicht gut wächst. Dagegen hat dieser Baum der Stadt Daphnus in OL ihren Namen gegeben. In der Umgebung von Opus gab es eine sonderbare Pflanze: ὑαυμασιώτερον et π ἐκ τῶν φύλλων ἀφίησι φίζαν οἷον φασὶ περὶ *Οποῦντα ποδάρων εἶναι δ καὶ ἐσθίεοθαί ἐστιν ἠδυ (Theophr. hist. plant. I 7, 3; dies kehrt wieder als circa Opuntem Opuntia est herba etiam homini dulcis, mirumque e foliis eius radicem fieri ac sic nasci bei Plin. n. h. XXI 105). Die Kommentatoren helfen sehr wenig. Schneider zu Theophrast schweigt, sowie der neueste Herausgeber Sir Arthur Hort in der Loeb dass. Libr. 1916. Littré (Coll. Nisard) und Desfontaines (bei Lemaire) wollen, daß dies die Cactus Opuntia L. sei, was ganz ausgeschlossen ist. Wittsten (deutsche Übers.) fragt, ob es die Cactus Opuntia oder vielmehr Cynara cardunculus (eine Art stachelige Artischocke) sei, die im Süden gegessen wird. Dies war aber eine zu gewöhnliche Pflanze, um die Bewunderung Theophrasts hervorzurufen, der sie offenbar nie gesehen hatte und die Nachricht darüber bezweifelte. Auf Mißverständnis dieser Stellen beruht die Benennung Cactus Opuntia (die Opuntia kam bekanntlich aus der neuen Welt), obwohl die Stadt Opus wohl dadurch der modernen Welt am besten bekannt ist. Wenn diese Opuntia auch Ficus Indica genannt wird, so beruht auch das auf einem Fehler, da Theophrast die ganz verschiedene συκὴ Ἰνδική gleich vorher bespricht. [‌Wittstein Etymol. botan. Handwörterbuch 2 1856 meint, die Opuntia sei so genannt, weil ,die Fackeldistel im ganzen östlichen Griechenland wild wächst*. Hervorstechend ist sie aber in der Ebene von Opus nicht, denn in ein paar Tagen sah ich keine einzige Pflanze dort. Linnaeus Spee. Plant I 488 hat den Namen von Bauhin πίναξ Theatri Botanici 1671 S. 458 genommen, Bauhin selbst aber von Camerarius Hortas Medicus 1588, und Lonicerus 1 1586. Daß die Opuntia ihren Namen wirklich dem Theophrast verdankt, erhellt aus der Besprechung bei Bauhin, der die Stellen des Theophrast und Plinius zitiert, und auf das Zeugnis von ,nonnulli', d. h. wohl Lonicerus und Camerarius, die die Fackel-distel mit jener Pflanze gleichstellt.] Die großen Wälder der WL Gebirge haben wohl den Schiffbau zu Oiantheia und Naupaktos gefördert, die [1264] Lokris (Staat und Kultur) 1264 von OL wurden aber, wie es scheint, im Altertum nicht benutzt.

Unter den Tieren sind die berühmten Jagdhunde, insbesondere von Tritaia am westlichen Abhang des Parnassos (Hesych.), hervorzuheben. Xen. cyneg. X 1. Anyte aus Tegea bei Pollux V 48 (Trauergedicht auf eine lokrisçhe Hündin). Oppian. cyneg. 1375. Hesych. s. Τριτηες yirv.Die letzte Stelle ist ein Bruchstück eines Hexameters 10 aus einem Gedicht, das wahrscheinlich die Eberjagd (wie etwa die des Odysseus auf dem Parnassos) behandelte, weil Xenophon die lokrischen Hunde in der ersten Stelle unter den besten für die Eberjagd erwähnt. Baß Xenophon fortfährt nur von den lakonischen zu sprechen, bezeugt wohl nur, daß er diese nach seiner eigenen Erfahrung am besten kannte, und seine Beschreibung ist dann vorbildlich geworden. Hier hat die Berühmtheit des Volkes sich auf die der Hunde Übertragen. In 20 einem so vollständigen Buch wie dem von Keller Die antike Tierwelt 1 (1909) Mit es auf, daß er bei der Besprechung der Jagdhunde 116ff. die lokrischen nicht erwähnt. Sehr tüchtig müssen sie gewesen sein, wenn sie, obwohl aus keinem namhaften Volke stammend, doch bei den Alten rühmlich bekannt sind. - Auch Pferde wurden gezüchtet, wie das ἰπποφόρβιον mit dem berühmten Hengst zu Opus beweist (Aristot. hist. anim. VI 22, 5; vgl. Plin. n. h. VIII 163), so-30 wie die bekannte OL Reiterei, und die den vornehmen Geschlechtern aufgelegte Pflicht der Ὑποτροφία (Mädcheninschr. bei Wilhelm 227). Vorzügliche Pferde und Jagdhunde sind immer Merkmale der Aristokratie gewesen. Von Pferden aber zu WL hört man nichts. An Vieh waren meistens wohl nur Ziegen und Schafe vorhanden, Ochsen dagegen selten, wie sie auch jetzt nur zu Martino (Bumeliteia), Opus und Naupaktos zu Anden sind. Damit stimmen die bekannten 40 Sprichwörter βους ἔβδομος (Ps.-Diog. III 50 und Leut sch-Schneide win dazu), μήίειοςΈραχλθς (Suid. usw.), und besonders Λοκρίκό: βοῦς (Zenob. V 5 und Leutsch-Schneidewin dazu), die sowohl auf die wenigen Ochsen wie auf die kleinbäuerlichen Zustände im Lande hindeuten. Es gab noch Bienen in Bumeliteia (Martino), vgl. Amer. Journ. Arch. XX 156).

Lokrische Ausfuhrwaren sind literarisch nicht bezeugt. Dagegen gab es eine Terracottaindustrie 50 zu Halai und Kynos, die auch zu Abai (Erarcho) blühte. Der Mittelpunkt ist wohl in L. zu suchen, und eher zu Kynos als zu Halai Die Industrie, die im 5. und 4. Jhdt. eifrig betrieben wurde, ist wohl infolge des Phokischen Kriegs um die Mitte des 4. Jhdts. vernichtet worden (vgl. den Art Kynos). Wo so vieles fabrikmäßig gemacht wurde, muß man auf Ausfuhr gerechnet haben, wohin aber, ist nicht bekannt. Κεραμεῖα (Ziegeleien vielmehr als Töpfereien), 60 die die Amphisseer auf dem heiligen Bezirk betrieben, werden erwähnt bei Aisch. III 119. Dieselbe Industrie besteht auch heute.

Handel. Für den lokrischen Handel ist man fast ausschließlich auf die Proxenoiliste angewieseh. Darüber habe ich folgendes aufgezeichnet. Pro-xenoi der Delphier gab es zu Naupaktos (SG DI 2581, 159. 2623. 2819. 2820), Chalaion (2704), Amphissa (2686), Larymna (2593), Skarpheia [1265] (2597. 2742), Thronion (Bull. hell. XXII 34. Klio XVI 173 bis. 175). Viel Handel ist aber bei diesen delphischen Proxenoi nicht anzunehmen. Histiaia hatte einen Proxenos (wohl aus WL) Syll.³ 492. Kerkyra hatte einen zu Oiantheia schon am Anfang des 6. Jhdts. und vielleicht noch früher (IG IX 1, 867). Opus hatte einen zu Kephallania (IG IX 1, 268 nach Dittenbergers Ergänzung), zu Tralles (271), und einen Aitoler(272); Thronion einen zu Phytion in Aitolien (308), zu Ephesos 1 (309, ergänzt); Skarpheia einen Thebaner ἐξ Ἀχαῖας (314, ergänzt); Chalaion einen zu Aigion (330); Amphissa erteilt die Proxenie einem makedonischen Arzt Ἐφημ. ἀρχ. 1908, 163ff.), sowie einem anderen, dessen Name verlorengegangen ist); der WL Bund einen zu Aigion (Inschr. aus Physkos). Diese beweisen zwar weniges für den Handel, weil sie manchmal, besonders in der Spätzeit, lauter Ehrenzuweisungen sind. Dagegen setzen die ξενοδίκαι (IG IX 1, 333) zu Oiantheia einen beträchtlichen Handel im 5. Jhdt. voraus, der durch die Verbindung mit Kerkyra am Anfang des 6. Jhdts. bestätigt wird. Man sieht daraus auch, daß eine Anzahl von Ausländern die Städte Oiantheia und Chalaion im 5. Jhdt. besuchte. Dabei darf man nicht an die Pilger nach Delphoi allein denken, da der Vertrag zwar die Ausländer im Stadtbereich und im Hafen beschützt, die aber auf See befindlichen sind, soviel diesen Vertrag angeht, der Seeräuberei preisge- ί geben. Die Münzen aus Lokroi, gefunden zu Olbia (Minna Scythians and Greeks 470), deuten auf Verkehr, vielleicht auch auf Handel mit dem Norden. Man denkt dabei an die Sage, wonach der lokrische Aias mit Achill auf der Insel Lenke wohnte (Paus. III 19, 3. Konon 18, vgl. o. Verwandtschaften). Monceaux Les proxénies grecques (1885) 175f. handelt über diese Einrichtung bei den Lokrern weitschweifig und dabei nicht ganz genau.

Die Lebensweise der Lokrer ist wohl meistens einfach gewesen. Das erhellt aus den oben herangezogenen Sprichwörtern Ἄοκρικος βους, βοῦς ἔβδομος, μήλειος Ἠρακλῆς (s. Roscher Arch. t Relig. VI 64ff. VII 419. Stengel Hermes niVHI567ff.; Arch.f.Relig.VII437ff. Frazer Gold. Bough⁸ VIII 95, 2). Das gemeine Volk lebte zum Teil von der Viehzucht (Plut. quaest. Graec. 15. Pana. X 38, 3. Etym. M. 192, 41. Eustath. H. 276, 10; vgl. Lolling Hell. Landesk. 136), d. h. meistens Ziegen und Schafen, wie noch heutzutage. Der Ackerbau wurde auch besonders in den größeren Ebenen und Tälern betrieben, wie zu Amphissa, Nanpaktos, Opus, Skarpheia und auf der Anopaia an den Thermopylen. Dazu kommt auch die Jagd (vgl. die Jagdhunde von Tritaia und die auf die Jagd hindeutenden Zeichen auf Münzen, s. u.). Die Schiffahrt gedieh zu Naupaktos (wohl nach den Schiffswerften benannt) und besonders zu Oiantheia, die den Oikisten der Kolonie Lokroi stellte, mit Kerkyra früh Verkehr hatte und noch im 19. Jhdt. einige der berühmtesten Schiffer Griechenlands besaß. Die Industrie (Terracottenl ist nur in Halai und Kynos, und da nur etwa ein Jahrhundert (450–350) gediehen. Die Fischerei ist dabei wohl nur eine Nebensache, obgleich sie am östlichen Bande des Opuntischen Golfes noch ziemlich ausgiebig ist, [1266] Lokris (Staat und Kultur) 1200 während die Fischer ans der Gegend um Halai auch in dem östlichen Ägäischen Meere noch bekannt sind, und hier die Fische gefangen wurden, die dem grausamen Sulla gefielen (Plut. Sulla 26). Das Gewerbe scheint aber auf etwa diese Gegend beschränkt zu sein, ist daher kaum für das ganze Volk ein charakteristisches Merkmal gewesen, wie Allen Hom. Cat. 54 zu meinen scheint. Becht charakteristisch ist dagegen die Seeräuberei 0 (s. Bd. HAS. 1036ff.). In WL ist die παλαιὰ ληστεία zu Land wie zu See, mit der damit zusammengehenden Sitte des Waffentragens, bis an das Ende des 5. Jhdts. geblieben (Thuk. I 5. 3, vgl. Stein Über Piraterie im Alt. 5), und wird ganz offen bekannt in dem Vertrag zwischen Oiantheia und Chalaion (IG IX 1, 333). OL Seeräuber (erwähnt bei Thuk. II 32, 1) haben den Athenern im 5. Jhdt. viel Schaden zugefügt und das Verhältnis zwischen diesen Völkern durch 50 Jahrzehnte bestimmt. Durch sie wurde eine feindliche Stimmung gegen die OL in Athen hervorgerufen (vgl. Philol. LXVII 444–449) und dadurch der Behauptung eine gewisse Berechtigung gegeben, wonach die Lokrer einmal Leleger gewesen sein sollten (über die Seeräuberei der Leleger und Karer s. Toepffer Att. Geneal. 196). [Dû Seeräuberei bei den Lokrern' wird nur gestreift in dem oben angeführten Werk von Stein, gar nicht aber, wie es scheint, in Sestier La pira-30 terie dans l’antiquité, Paris 1880.]

Über die Bevölkerung besitzen wir ein paar Notizen (zum großen Teil schon bei Beloch Bevölkerung 176 verarbeitet). Im J. 480 fochten die OL πανστρατιβ an den Thermopylen (Herod. VII 203), ihre Anzahl wird aber nicht von He-rodot angegeben und war offenbar unbekannt. Ephoros bei Diod. XI 4 schätzt sie auf 1000 Mann. Das ist sicher zu niedrig veranschlagt und wohl aus den ,Tausend* zu Opus, d. h. der 40 Sollstärke des opuntischen Heeres, berechnet. Diese Zahl ist wohl für Opus selbst richtig, da die Stadt gegen Brennos 700 Mann ins Feld stellte, was gewiß nicht buchstäblich jeder waffenfähige Mann gewesen ist (vgl. Meyer Bevölk. des Altert, in Conrads Handwörterb. 446). Vielleicht hat die Anzahl der Phoker an den Ther-mopyleu bei Herodot, angeblich 1000 Mann (die aber wohl das Heereskontingent zu Plataiai war, s. Herod. IX 31 und Mac ans Anin, dazu), Ein-50 floß auf diese Berechnung geübt, da man von diesen zwei Völkern öfters in einem Atem sprach und noch spricht. Wenn aber Paus. X 20, 2 das lokrisehe Aufgebot auf 6000 Mann schätzte, so ist seine Berechnung nur auf einem Vergleiche mit der Anzahl der Athener zu Marathon begründet, also ganz wertlos. Zuverlässigeres ist aus Demetrios Kall. bei Strab. I 60 erhalten, wonach bei der vollständigen Vernichtung von Skarpheia im 5. Jhdt. 1700 Menschen umkamen, bei der 60 teilweisen Zerstörung von Thronion etwa die Hälfte dieser Anzahl. Das stimmt gut mit der Größe des jetzigen Dorfes Molo, das die Stelle von Skarpheia eingenommen hat. und da Thronion die ältere Stadt war, die noch bis zum Ende des 2. Jhdts. ihre Gleichberechtigung mit Skarpheia zu erhalten vermag, ist sie wohl sicher im 5. Jhdt. eine größere Stadt als Skarpheia gewesen. Die Bevölkerung von Thronion ist längst bergauf [1267] gezogen (nach Mendenitza-Boudonitza, Rentserion, Karavizio usw.) und scheint jetzt mindestens so groß wie die der Ebene zu sein, da es viel an-gebautes Land im Innern dieser Gegend gibt. Alponos, nach der alten Ringmauer zu schließen, kann kaum viel mehr als 500 Einwohner gehabt haben, wozu die Angabe bei Demetrios (oben) stimmt, daß bei den Thesmophorien dort 25 Mädchen (wohl alle die daran teilnehmenden) umkamen. Die Bevölkerung der umliegenden Ort-10 schäften, Augeiai, Engaioi, Antheia, Tarphe, Kne-mides usw. ist schwerlich auf mehr als 1000 bis 2000 zu berechnen. Daher beträgt die Bevölkerung der sog. Epiknemidier etwa 5000 bis 6000, die ungefähr zwei Fünftel des Landes bebauten und daher etwa zwei Fünftel der gesamten Bevölkerung von OL gebildet haben dürften, also ist diese auf rund 12 000 bis 15 000 anzuschlagen. Nimmt man nun an, daß die Lokrer wirklich πανστρατιά fochten, so können sie kaum viel mehr 20 als 8000 zusammengebracht haben (zwar sind die Waffenfähigen mit E. Meyer auf beinahe ein Drittel zu schätzen, aber es ist unmöglich, alle diese wirklich in eine Schlacht zu bringen). Was wir sonst wissen, steht im Einklang mit dieser Schätzung. - Über WL sind wir nicht so gut unterrichtet. Im J. 418 bei einer großen Niederlage von Seiten derPhoker fielen über 1000 Mann (Diod. XII 80); daß diese Schlacht in WL geschah, wurde oben (Geschichte zum J. 418) be- 30 hauptet, und doch war das keine eigentliche ἀνάγγελος μάχηθ und die politischen Verhältnisse der beiden Staaten blieben unverändert, so daß wir auf ein Heer von mindestens zweimal bis viermal dieser Anzahl schließen dürfen. Im J. 279 schickte Amphissa 400 Mann zur Verteidigung von Delphoi (Paus. X 20, 2), die waffenfähige Mannschaft dieser Stadt ist daher wohl auf etwa 1000 zu schätzen. Naupaktos ist im 5. Jhdt.

und wieder unter den Aitolern eine noch größere 40 Stadt gewesen, mit ausgedehnten Ringmauern und auch einem Vorort (Thuk. III 102). Im J. 427 führte Nikostratos 500 Hopliten von dort nach Kerkyra (Thuk. III 75) und im J. 410 Konon 600 ebendortnin (Diod. XII 48). Im J. 399, als die Messenier ausgetrieben wurden, sollen 600 nach Sizilien gegangen sein (Diod. XIV 78), 3000 nach Kyrene (Diod. XIV 34). Beloch findet diese letzte Zahl stark übertrieben, doch da sie wahrscheinlich die ganze messenische Bevölkerung 5( darstellt, Weiber, Kinder und Sklaven eingerechnet, steht sie im besten Einklang mit den sonstigen Angaben, weil eine nicht unbeträchtliche Bevölkerung von Lokrern neben der messe-nischen dort lebte. Also die gesamte Bevölkerung der Stadt in der zweiten Hälfte des 5. Jhdts. überstieg gewiß 5000, was mit dem Flächenraum innerhalb der alten Mauer (wozu noch der Vor ort kommt) stimmt. Die Einwohner der kleineren Städte, wovon wenigstens Oineon, Eupalion, To- 6( lophon, Physkos, Oiantheia, Chalaion, Makynia, Molykria, Antikyra, Triteia, Myonia u. a. ansehnliche Dörfer waren (wie die noch erhaltenen Mauerringe, meistens freilich aus dem 4. und 3. Jhdt., beweisen), müssen mindestens ebenso zahlreich gewesen sein, sodaß die WL wohl auf etwa 15 000 bis 18 000 zu schätzen sind, die gesamte lokrische Bevölkerung daher etwa auf 27 000 bis [1268] 83 000 (Beloch 506 schätzt sie auf ein wenig unter 30000).

Unter den allgemeinen Charakteristiken der Lokrer wird öfters ein gewisser Konservatismus, der an Rückständigkeit angrenzte, angenommen. Das kann sein mit der aristokratischen Verfassung, doch im Zeitalter der Gründung und Ausbildung der Amphiktyonie, der Mythenerfindung, der Heldensage, der Kolonisation und des hesiodeischen Epos standen die Lokrer zweifelsohne unter den fortgeschrittensten Völkern Griechenlands. Sehr oft wird die Bewaffnung mit Bogen und Schleuder in der Dias (XIII 712) und das Epitheton ihres Führers λινοθώρηξ (II 529) als Beweis für die Rückständigkeit und Geringschätzung des Volkes (z. B. neulich von Thompson Stud. in the Od. 170. Allen Homer. Cat. of Ships 54 usw.) genommen, aber sehr mit Unrecht. Damals focht das gemeine Volk gerade in dieser Weise, ich meine vor der Ausbildung der aristokratischen Reiterei und schon Jahrhunderte vor der Hoplitenphalanx. Die Lokrer sind nur das einzige Volk, dessen Mannschaft als teilnehmend an den Schlachten beschrieben wird, und darin ist gewiß ein Stück ältester Überlieferung erhalten, weil eben die Lokrer und ihre Helden wohl die einzigen waren, die die Schlachten in der Troas wirklich schlugen und unter denen die ersten der seitdem ins Riesenhafte angeschwollenen Heldenlieder gesungen wurden. Die spätmykenische Belagerungsszene auf der bekannten silbernen Schale zn Mykenai stellt genau dasselbe vor, ein paar gepanzerte Fürsten und das halbnackte nur mit Bogen und Schleuder ausgestattete Volk (Ἐφημ. ἀρχ. 1891 Taf. II u. überall), sodaß diese Art des Fechtens ohne jeden Zweifel echt und ursprünglich ist (vgl. noch E. Meyer Gesch. II 170f. Reichel Hom. Waffen² 83ff. Tsuntas-Manatt Myc. lAge 209. Grace Macurdy Class. Journ. 1917, 589ff. usw.). [An Leafs Vermutung (zu II. XIII 714, vgl. Homer and Hist. 229ff.), daß hier ein unechter Archaismus im Spiel ist, wird wohl niemand glauben, s. A. Lang Homer and his Age 120.] Daß auch λινοθώρηξ bei Homer keinen schimpflichen Nebensinn trug, ergibt sich am deutlichsten aus der Antwort der Pythia an die Megarer, daß die besten Männer Griechenlands die Ἀργεῖοι λινοῦώρηκες seien (Anth. Pal. XIV) 73). Nur eine Reminiszenz aus Homer ist es. wenn Quint. Smyrn. IV 187 die Lokrer ἰοβόλοι nennt. Dagegen sind die Lokrer zu der Zeit, als die Hoplitenphalanx ausgebildet wurde, ἀγχιμάχοι (Hesiod. Sent. 25), und zur Zeit der Perserkriege fochten die Opuntier wie die anderen Griechen als ὀπλῖεαι (Paus. I 23, 4). Zwar schrieb Homer zu einer Zeit, als der Bogen vor der Lanze allmählich zurückwich (vgl. Hall Aegaean Archaeol. 252), aber der Bogen ist noch eine gefährliche) Waffe, die die größten Helden, wie Philoktet, Paris, Odysseus noch gebrauchten, um von Herakles und Apollon ganz zu schweigen. Die Ansicht daher, daß die Lokrer schon bei Homer rückständig waren, ist ein falscher Schluß aus einer späteren Zeit, als der Bogen. nicht mehr in seiner alten Ehre stand (vgl. v. Wilamowitz Eur. Herakles² I 344. II 86. 92), während er in der Zeit der dorischen Wanderung hoch ge- [1269] schätzt war (s.Ephoros bei Strab.VIII 357). Wenn dagegen Nossis von den Λοκρῶν ὠκυμάχων spricht (Anth. Pal. VI 132), ist das wohl Erinnerung an die tüchtigen Leichtbewaffneten des Landes (vgl. ob. Geschichte), wie in den Balkankriegen von 1912 und 1913 die lokrischen Evzones rühmlich bekannt wurden und man überall in der Landschaft stolz auf ihre Heldentaten war. - Wenn Apollonios vonTyana vonLokrern im 2. Jhdt. n. Chr. geringschätzig spricht (s. o. Geschichte), so ist das nur ein Zeichen des allgemeinen Verfalls, da Phokis, Argos, Sikyon und Megara in demselben abfälligen Urteil inbegriffen sind. - Baß eine gewisse altgläubige Religiosität dem Volke anhaftete (wie Girard De Locris Opunt. 54f. behauptet), ist bei einer solchen Gesellschaft möglich, folgt aber nicht unbedingt aus ein paar gut anders erklärbaren Tatsachen aus der Zeit des Phokischen Kriegs.

In den sozialen Kriegen und Aufständen Griechenlands werden die Lokrer merkwürdigerweise nie erwähnt; nur vorübergehend hört man von einem Tyrannen zu Oiantheia (s. o. Geschichte um 373). Die der Form nach gemäßigt, aber streng durchgeführte aristokratische Verfassung ist wohl dem Charakter des Volkes angepaßt, und wegen der Landes- und Verkehrseigenschaften blieben die Lokrer von den kapitalistischen und demokratischen Strömungen des 5.--6. Jhdts. fast unberührt. Die kleine Anzahl der Bevölkerung und die Zerteilung derselben ließ die Herrsch* begierde bei ihnen nie aufkommen, wie das bei ihren Nachbarvölkern, den Phokern und Aitolern, der Fall war. Sie scheinen in der Tat viel von der noch berühmteren Ἀνομία ihrer Tochterstadt Lokroi (s. d.) besessen zu haben (Pindar Ol. IX 15f. sagt von der Stadt Opus, daß sie sich Themis erkor und sich Ennomia, ruhmreich, ihre segnende Tochter, erkor [Donner]), und die Kolonisten haben diese Eigenschaft wohl geerbt. - Ein erotischer Zug tritt in ihrer Dichtung etwas hervor, gehört aber wohl meistens der Stadt Lokroi an (s. d. und unten Literatur). - Ein ausgesprochenes Interesse an Agonistik ist den Lokrern nicht fremd und ein paar von Pindars Siegesliedern sind auf OL gedichtet, doch kann das Zufall sein, und solches Interesse ist überall bei dem Adel zu finden. Zu einer späten Zeit gedieh die Gymnastik zu Opus, als die φιλογυμνασταί sich fanden und das Ephebenwesen ausgebildet war (s. Girard De Locris Opunt. 31. Art. Ephebi bei Daremberg-Saglio II 636; seitdem habe ich ein paar neugefundene Inschriften darüber herausgegeben. Amer. Journ. Arch. XIX 323ff.). Zu Opus gab es Δῖα, Αἰάντεια und Ῥωμαία mit gymnischen Agonen (IG IV 1136 aus Epidauros), zu Antirrhion die Pla oder die Pieta (s. u.). Allen Hom. Cat. of Ships 54 behauptet, L. sei ,remarkable for loaing heroes on account of bloodguilt', aber das ist wohl zu viel aus nur zwei Beispielen bei Homer (II. XIII 693ff. XXIII 84ff. Medon und Patroklos) einer überall verbreiteten Sitte geschlossen.

XII Religion. Da die Lokrer keineswegs von den anderen Griechen in ihrer Religion abwichen, so genügt es, hier die verschiedenen Gottheiten usw. (alphabetisch geordnet) aufzuzählen und kurz zu besprechen. Die Nähe von sehr be- [1270] rühmten Kulten in den benachbarten Landschaften hat das Gedeihen der meisten lokrischen Kulte, außer dem der Demeter zu Antheia, wohl verhindert (vgl. P. Girard De Locris Opunt. 53f.). Aphrodite (s. o. Bd. I S. 2745. Suppl.-Bd. III S. 132f.). Die Münzen, die Mi onnet auf Aphrodite bezieht, stellen wohl sicher Persephone dar. Ein kleineres Bildnis nach dem Typus der kni-dischen Aphrodite wurde zu Halai gefunden 10 (Am. Journ. Arch. XIX 437). Unter theophoren Namen sind Aphrodisias und Epaphroditos zu Opus(?) (Am. Journ. Arch. XIX 324), Aphro-disia (ergänzt) zu Physkos (IG IX 1, 350) und Naupaktos (375), beidemal Sklavinnen. Aus Serv. Aen. III 399, unter verschiedenen Erklärungen des Namens Ozolai, daß einmal die Weiber der WL Veneris ira ihren Gatten ekelhaft gemacht wurden, ist wohl nichts zu gewinnen, obwohl Bachofen Das Mutterrecht 323selbstverständlich das zu deuten vermochte.

ἌροΠοη (s. o. Bd. II S. 61. 74. Suppl.-Bd. III 8. 133). Es kommen dazu der Monat Apellaios zu Tolophon, Chalaion und Oiantheia (Bischoff Leipz. Stud. VII 360f. Bauer Untersuch, usw., Beil, zu S. 58; s. o. Bd. I 8. 2685), sowie der μὴν Ἀπόλλωνος (Bauer a. a. O. SGDI 2300) und Lykeios (SGDI 2144. Bull. hell. XXXIV 281) zu Chalaion, ’4ywoi zu WL (und Aitolien, vgl. Preller-Robert II 276, 1. Bischoff358.363. o. Bd. I 8. 909. Bauer a. a. O.) und Naupaktos (o. Kalender), und vielleicht Apollonios (ergänzt) zu Skarpheia (o. Kalender), τὸ Ἀπολλώνων ist eine dem Apollon geweihte Ortschaft bei Naupaktos (Thuk. II 91, 1), und diese ist es wohl, die Phlegon von Tralles 3 (Nat, Rer. Scr. 67ff. K. FHG III 616) ein κοίνον Ἰερὸν τῶν Ἐλλήνων des ἌροΠοη Lykeios zu Naupaktos nennt (A. J. Reinach XXXIV 280f. vermutet, daß dieser Kultus mit dem des Asklepios ausEpidauros stammte, was kaum wahrscheinlich ist). Der heilige Weg von Tempe nach Delphoi führte durch WL (Aelian. var. hist. III 18ff.). Daß die WL eine eigene Version des Drachenkampfes zu Delphoi gehabt haben, wie Pom-tow (s. o. Bd. V 8. 2539) will, folgt schwerlich aus der etymologischen Spielerei bei Plut. quaest. Graec. 15. Die Stadt Apollonia (s. d.) in WL deutet auch auf den Kultus von ἌροΠοη. Theophore Namen sind Python zu Amphissa 50 (SGDI 1757. 1844. 2000. 2070. IG IX 1, 327) und Larymna (IG IX 1, 236), Pytheas zu Amphissa (SGDI 1844), Oiantheia (1908) und Ply-goneis (2072), Pythodoros zu Naupaktos (2581), Apollonios zu Naupaktos (Athen. Mitt XXXII nr. 3. IG IX 1, 375), Pythokleia zu Larymna (IG IX 1, 236), Apollodoros zu Larymna (IG IX 1, 236), Ἄπο ... zu Naupaktos (IG IX 1, 372).

Ares. Das einzige mir bekannte Zeugnis für Ares bei den OL ist die Ortschaft τά ’Jgwa zwischen 60 Thronion und Skarpheia (Klio XVI 170 nr. 131).

Usenet Stoff des griech. Epos 26 faßt Andrai-mon zu Amphissa als Hypostase des Ares auf, doch kann Andraimon ursprünglich aus Aitolien gekommen sein. Ares scheint sonst in L. und Phokis zu fehlen.

Ariadne wurde verehrt mit einer ἐορτή in WL in der Nähe der Mündung des Daphnos, wo Hesiod bei dem Bezirk des Zeus Nemeios (s. [1271] u.) begraben wurde (Agon Hom. et Hes. bei Rzach 225; vgl. Usener Sintflutsagen 165. Gruppe Griech. Myth. 91 und u. zu Dionysos).

Artemis (o. Bd. II S. 137 8, 13. 1379, 39. 1391, 45 [die Angabe S. 1403, 55 ist ein Irrtum, da dies Antikyra das phokische ist]. Suppl.-Bd. III S. 162t). Münzen von Naupaktos mit Artemis bei Mionnet III 483 (Roltsch Die Westlok-rer 72) darf man nicht heranziehen, da diese zweifellos entweder unecht sind, oder nicht nach 10 Naupaktos gehören, das bekanntlich keine Münzen prägte. In IG IX 1, 389 aus Naupaktos wäre es besser Ἰερὸν Ἀ[ρτέμιδ]ος als mit Dit-tenberger [Δήματρ]ος zu lesen. Man bezieht, vielleicht mit Recht, auf die lokrische Stadt Apollonia einige Münzen mit dem Kopf der Artemis und der Inschrift ἌΠΟΛΑ (Brit. Mus. S· 200; vgl. A. J. Reinach Journ. Internat. d’Arch. Num. XIII 234). Auf Artemis deutet wohl auch der Monat Laphriaios zu Naupaktos 20 (o. Kalender).

Asklepios (o. Bd. II S. 1664. Suppl.-Bd. III S. 94, 26ff. 171). Es kommen noch hinzu die theophoren Namen Asklepiades zu Opus (?) (Amer. Journ. Arch. XIX 324) und Asklapiadas zu Buttos (Athen. Mitt. XXXII 9. 19, 31. 34, zweimal von Sklaven). Die Inschrift an Asklepiades, die Boeckh GIG 1755 auf Opus bezog, gehört zu Hyettos, s. Bull. hell. II 502 nr. 11. Über den Kultus des Asklepios zu Naupaktos 30 vgl. noch A. J. Reinach Bull. hell. XXXIV 270f.

Athena (o. Bd. HS. 1970. Suppl.-Bd. III S. 177€). Athena Λίαντία (= Αἰαντίς) kommt auf der Mädcheninschrift vor als τθ Λοκρίδι. ἌΙαντΙαι österr. Jahresh. XIV 168, vgl. Wilhelm dazu 185. 224f. Merkwürdig ist der sonst unbezeugte Beiname Λοκρίς. Zu Halai erscheint sie mehrmals in Terrakotta (Amer. Journ. Arch.

XIX 4 31) und Stein (435), als πολίοχος (440ff.) 40 kommt sie einmal vor, und die «eraλiwθdwfρα( (448) besorgten wohl den Peplos für sie. Daß Athena die Hauptgöttin zu WL war, erhellt ans dem Orakel bei Phlegon mirab. 2 (nach Antisthenes, vielleicht dem Historiker von Rhodos), worin die ’Naupaktier gewarnt werden et; äUot χώρον καΧ λαὸν Ἀθήνης zu fliehen. Hier fehlt der Raum, die Frage der Athena Ilias und der lokrischen Mädchen für die Geschichte zu verwerten, v. Wilamowitz Homer u. die Ilias 50 37M, bes. 392ff. steht der gesamten Überlieferung (literarisch, mythologisch, archäologisch, kultisch) wohl etwas zu skeptisch gegenüber. Das delphische Orakel ist nicht die Hauptsache, sondern wohl selbst nur erfunden, um einen längst bestehenden Gebrauch zu erklären. - Eine schöne archaische Terrakotta aus Malesina in OL stellt Athena Promachos dar (Arch. Anz. XI 143, 18. Huish Greek terracotta Statuettes pL 35. Brit Mus. Cat. Terracottae 1379), und 60 ein geschnittener Stein aus der Nähe von Martino dieselbe mit einem Kranze in der rechten Hand und vorn im Gmnd eine übergroße Eule (im Privatbesitz). Theophore Namen sind Athenades (IG IX 1, 246) zu Larymna und Athenodoros (271) zu Opus. Über Athena auf Münzen s. u.

Augustus wurde verehrt zu Opus (IG IX 1, 282), [1272] Lokris (Religion) 1272 ob für eine spezielle Wohltat, ist unbekannt. Sehr am Platze wäre dagegen eine Verehrung in dem von ihm besonders begünstigten Am-phissa, und ein Kultus hier kann nicht gefehlt haben.

Λοκρικὸς βοῦς (vgl. βοῦς ἔβδομος, μήλειος Ἠρακλῆς und die Besprechung oben). Dies war eine Gurke mit kleinen Hölzchen statt Beinen und Hornern (Zenob. V 5) und wurde wohl als Abgabe für Herakles bestimmt (vgl. Apollod. bei Zenob. V 22 zu μήλον Ἠρακλῆς Suid. s. μήλειος Ἠρακλῆς).

Demeter und Kore (o. Bd. IV S. 2716. Snppl.-Bd. III S. 329). Über die Demeter zu Anthele s. noch Hill Hist. Greek Coins 92. Harrison Prol. the Stndy of Greek Bel. 283ff. meint, daß Pandora = Kore. Beide sind unter den Lokrern hervorragend, aber zn OL scheint Pandora von Demeter verschieden zu sein; doch, daß Persephone-Kore ursprünglich selbständig war, hat Gruppe Gr. Myth. 1182f. wohl erwiesen.

Dionysos wurde verehrt zu Larymna (Pans. IX 23, 7), wo er einen Tempel und ein δγαλμὰ ὀρθόν hatte. Es bestanden zu Opus auch die dionysischen Künstler (IG IX 1, 278; vgl. Poland Gr. Vereinswesen 135), wo in der Kaiserzeit τριετηρικὰ Λιονύσεια gefeiert wurden (IG IX 1, 282), und die Basis eines Dionysosbildnisses ist da gefunden worden (280). In WL hatte er ein Heiligtum zu Naupaktos (IG IX 1, 372 –378), wo Dionysia gefeiert wurden (Schol. Ari-stoph. Ach. 195). Mit Dionysos Euanthes (o. Bd. VI S. 845f.) hängt wohl die Nebenform Euantheia der Stadt Oiantheia (s. d.) und der Oikist Euantbes fo. Suppl.-Bd. III S. 444) zusammen. Vielleicht deutet auch Maira, die Mutter des Lokros (s. d. Nr. 2), auf die »Siriushitze* und einen Kultus des Dionysos (Bescher Myth. Les. II 2285f). Sicher aber weisen Physkoa (s. Weniger Das Kolleg, der 16 Frauen 8. 16f. und die Art. Lokros und Physkoa in Bescher Myth. Lex.), Ariadne (s. o. und Pallat De fabula Ariadnaea 53), Orestheus (Usener Göttern. 257. Weniger s. Lokros in Koscher Myth. Lex. Wide Lak. Kulte 82f. Gruppe Gr. Myth. 93, 3) und der Stadtname Oinoe (Oineon, vgl. Hehn Kulturpfl.⁸ 66) auf Dionysos hin (vgh noch Vürtheim De Aiacis origine usw. 94ff.). Der Monat Dionysias tritt in WL auf (Bauer Unters, usw. 58 wenigstens zu Antikyra SGDI 2107, obwohl die Lesart bei SGDI 2139 fraglich ist, vgh Bauer 56f.; öfters zu Naupaktoe und Bgttos, die den ätolischen Kalender benützten, s. o. Kalender). Der Efeu auf lokri-schen Münzen (s. u.) kann auch vielleicht anf Dionysos deuten. Theophore Namen sind Dionysos zu Plygoneis (SGDI 1986. 1993. 1995. 1998. 2049), zu Opus (?) (Am. Journ. Arch. XIX 3 324), zu Naupaktos (IG IX 1, 375) zu Larymna j (241. 242), vielleicht auch zu Amphissa (1069, 1 ergänzt); Dionysia zu Larymna (240). j

Dioskuren und Sterndienst (s. o. Bd. V S. 1089. j 1095. 1097. UOlf. Suppl-Bd. III S. 338). Die j ἄνακτες παῖθες zu Amphissa (Paus. X 38, 7), | ursprünglich wohl namenslose Zwillinge (Marx j Athen. Mitt. X 86. Usener Rh. Mus. LVIII) 328. Eitrem Göttliche Zwillinge 108f), später anderswo in Griechenland, aber offenbar nie zu [1273] Amphissa, Dios kuren genannt (Preller-Robert I 862. E. Meyer Geschichte Ω § 20. Bethe o. Bd. V S. 1097. Nilsson Gr. Feste I 13. 418, Wendland Philo und die kynisch-atoische Diatribe 115). An Kabiren konnte man erst in der hellenistischen Zeit denken. Auch mit den Kureten ist die Verwandtschaft wohl ziemlich fern (Eitrem a. a. O.). Daß diese axif? aaÎÔeç Daktyloi gewesen seien (Kaibel 1ÀA1O1 AAKT, 512), wird man kaum glauben. 10 Ansprechend ist die Vermutung von FickVor-griech. Ortsnamen 141, daß die Stadt Amphissa ihren Namen den Zwillingen verdanke. Über die Gleichstellung der Dioskuren mit Sternen, vor allem dem Morgen- und dem Abendstern, ist ein Streit entstanden, ob nämlich die Dioskuren ursprünglich Sterne oder erst nachher mit Sternen identifiziert wurden, darüber s. die Literatur bei A. B. Cooke Zeus I 760ff. und Pease zu Cic. de div. I 75 in Univ, of Journ.20 hell. Stud. in Lang, and Lit. VI 224. Gegen die ursprüngliche Gleichstellung mit Sternen sind am entschiedensten E. Meyer Forsch. I 245 und V. Wilamowitz Aus Kydathen 198; Herm. XVIII 418ff.; Eurip. Herakles2 II 114, und sie werden wohl recht haben, obwohl schon im 5. Jhdt. die Gleichstellung vollzogen wurde (Bethe 1108), doch war sie in Amphissa wohl nie anerkannt. Das erste sichere Zeugnis bei den Lokrern ist die Münze Cat. Brit. Mus. Centr. Gr. 30 nr. 88 (aus dem 1. nachchnstL Jhdt.), zweifellos unter dem Einfluß des Dioskurenkultus zu Lokroi (Philol. LXVII 432ff.). Dagegen ist ein Sterndienst bei den Lokrern wohl sehr alt, wie die Namen Ἠσπέρωι und Ἠοῖοι, der Stern als Staatswappen (Strab. IX 416) und auf Münzen (s. u.) erweisen (Curtius Arch. Anz. XIII 38. v. Wilamowitz Henn. XVIII 417ff.). Auf der trachischen Seite von Oita wohnte Keys, Sohn des Heosphoros, und auf diesem Berge hatte 40 Hesperos einen Kultus (Serv. Ecl. VIII 30, vgl. Döhring Griech. Heroen u. Abendgeister [1916] 6), während für die Lokrer und die Aioler im allgemeinen der Abend- oder Morgenstern eigentlich auf dem Oita (der lokrische Himmel, v. W i-lamowitz 1 a. O·; Eurip. Herakles² II 96. Gruppe Gr. Myth. 457‘) zu Hause war (über Oita als Aufgangs- und Untergangsstelle von Sternen, Sonne, Morgens usw. bei den römischen Dichtern, d. h. direkt aus der lesbischen Lyrik 50 (v. Wilamowitz Henn. XVm 417), indirekt nach dem Sprachgebrauch von Dichtem aus L. und dem Spercheioetas. Ellis zu Catull. 62, 7). Das bezeugt, daß die dichterischen Formeln von Aufgang und Untergang der Sterne usw. über Oita schon Ungut vor der Blüte der lesbischen Lyrik ausgebildet waren. Der große Kultus der Dioskuren zu Lokroi ist wohl hauptsächlich Sparta zu verdanken (Philol. LXVII 432ff.).

- Weiteres über den lokrisehen Sterndienst bei 60 Pfeiffer Gestirnen.Wetter (1914) 18.

Dreiheit. Die alte Dreiheit bei Schwurfonneln (vgl. Hirzel Der Eid 82ff. 127, 1) erscheint schon im 5. Jhdt. zu Oiantheia durch einen fünffachen Eid ersetzt (IG IX 1» 838 τὰν πενταρχίαν oλîôwwîî)· Über spätere Zeugnisse dieser Erweiterung derZahl s. Ziebarth De Jure-iurando in Jure Graeco 19. Usener Dreiheit in [1274] Rh. Mus. LVIII 22f. Welches diese ftnf Gotter zu Oiantheia waren, kann man nur mutmaßen.) ryaden. Dryope, Tochter des Dryops von Oli Gesellin der Hamadryadennymphen, von Apollon Mutter des Amphissos, der die Stadt Amphissa gegründet haben sollte, und endlich von den Nymphen wieder zurückgenommen, hatte ein Ἰερόν und einen ἄγιον δρόμου zu Amphissa, dem keine Frau beiwohnen durfte (Anton. Lib. 32 aus Nikander). Nach einer anderen Version (bei Ovid. met. VII 327ff.) wurde sie kurz nach ihrer Vermählung mit Andraimon in einen Lotosbaum verwandelt. Das deutet auf einen regen Kultus von Dryaden und Hamadryaden zu Amphissa (s. Mannhardt Griech. Wald- u. Feldkulte² (1905) 17f., und s. u. Nymphen),

liganten und Titanen. Einiges deutet auf eine gewisse Verehrung dieser bei den Lokrern. Zuerst der Monat Gigantios zu Amphissa und Tri-teia (SGDI 1813. 2091. Bauer Untersuch, usw. 58) und nur hier in der griechischen Welt, der auf irgend einen Kultus oder heilige Handlung weist (s. A.Mommsen Delphika277, 1. Mayer Gigant, u. Tit. 132. 185. Bischoff o. Bd. VII 8. 1355f.); dann der Gigant Alpos (Grusins in Roschers Myth. Lex I 2861f. Wasero. Suppl.-Bd. III S. 739), der sicher mit den lokri-schen äka, Ἀλπωνόζ, Ἀλπηνοί (o. SuppL-Bd. III S. 85) usw. in Zusammenhang steht, wie schon Crusius gesehen hat. Dazu kommt der lapetos (o. SuppL-Bd. III 8. 746', der ursprünglich sehr fest mit L. verbunden ist (s. o. Mythologie), und Menoitios (ursprünglich nur eine Gestalt) sicher ein Titan (M. Mayer Gigant u. Tit. 97; daß der lokrische Aias, wie Μeθer meint, auch Titan gewesen ist, ist wohl möglich), dessen Sohn Patroklos (nach epichorischer Sage, verschieden von der homerischen) einen βιατάν νόον hatte (Pind. ὌΙ. IX 75), und der zu Opus zu Hause war, wie seine Brüder Prometheus und Epimetheus. Auch deutet der Name Keutho-nymos (s. d.) von einem anderen Sohn des Menoitios. wie Kroll treffend bemerkt hat, auf ein .unterirdisches Wesen*. Telamon, der vielleicht ursprünglich in L. zu Hause war und wohl ein Titan war (s. o. Mythologie), gehört ebenfalls hierher.

Hades. Dieser hatte keinen alten Kultus in L., da die Münze aus dem 1. nachchristl. Jhdt. (deren Deutung nicht über allen Zweifel erhaben ist, s. u. Münzen) erweisbar eine Nachwirkung des Kultus von Hades-Persephone zu Lokroi ist (Philol. LXVn 433ff.). In Griechenland wurde Hades in der Frühzeit nur im westlichen Peloponnes verehrt (Eitrem Beitr. z. gr. Religions-gesch. III [1920] 131ff.); bis auf die späteste Zeit gibt es in Griechenland nördlich von Boio-tien nur diese zwei lokrischen Münzen und ein Temenos in Thessalien als Zeugnisse eines Hades-kultus dort (s. o. Suppl.-Bd. III 8. 867).

Hera. Ἤρα ΦαρύγαΜ, deren Kultus angeblich aus Argos eingeführt wurde, verehrte man zu Pharygai in OL (Strab. IX 426 und wohl daraus Steph. Byz. s. Φαρῦγαι. Girard De Locris Op. 53 scheint an den argivischen Ursprung zu glauben). Über Verknüpfungen mit Argos s. Pind. OL IX 67f„ der von arkadischen und argivischen Ansiedlern zu Opus spricht, s. Art. [1275] Lokroa Nr. 2). Zu Tolophon gibt es eine Weihinschrift [Τυ]χαρετὰ Βασώειαι (IG IX 1, 356), die vielleicht auf Hera Basileia zurückzuführen ist (Dittenberger z. St), obwohl dieser Beiname ebensogut wenn nicht besser auf Artemis oder Persephone, die bedeutende Kulte unter den Lokrern hatten, oder gar auf eine Heroine hindeuten kann. Theophore Namen sind He-rakon (Bechtel Hist. Personennamen 192) zu Amphissa (SGDI 1994. 1995), zu Oiantheia im 10 4. Jhdt. (Polyain VIII 46), zu Tolophon (1954); Herakleitos zu Oiantheia (1951), zu Buttos (Athen. Mitt. XXXII nr. 2), Heraklitos zu Opus (?) (Amer. Journ. Arch. XIX 324); Heraios zu Larymna (IG IX 1, 242).

Herakles. Dieser ist aufs engste mit OL verknüpft Darüber referiert vorzüglich Gruppe (o. Suppl.-Bd. III S. 940ff.), und ich begnüge mich hier daher mit einer Zusammenfassung der Zeugnisse und ein paar Bemerkungen und 20 Ergänzungen. Zuerst ist Herakles besonders am Oita zu Hause, wo er Landheros ebensowie zu Theben und Argos war, und dieser Berg, der Götterberg der Lokrer (s. o. Dioskuren), von wo Herakles zum Himmel aufsteigt, überhängt den ganzen westlichen Teil von OL. Hier fließen seine heißen Quellen an den Thermopylen, wo er mit den Kerkopen spielte, die hier wohnten, wie der Μελάμπνγος und die Κερκώπων ἔδραι dort beweisen (vgl. o. Mythologie). Auf dem 30 Phrikion (östlichen Ausläufer des Oita) erschlug Herakles den Kentauren Phrikios. Von hier kamen jene Epiknemidischen Lokrer, die bei der Zerstörung von Oichalia in seinem Heere dienten (Apollod. II 156; daß die OL dagegen auch an dem Zug gegen Kalydon teilnahmen, wie Girard De Locris Op. 5 behauptet, finde ich nicht bezeugt). Abderos (s. d.), ein Liebling des Herakles, gehörte entweder nach Thro-nion (Suppl.-Bd. III 8. 14) oder nach Opus. 40 Myrto, Tochter des Menoitios, gebar dem Herakles Eukleia (Plut. Arist. 20), und Menoitios soll der erste gewesen sein, der dem Herakles als Heros opferte (Diod. IV 39). Die Lichades, nahe an der Küste von OL, waren nach seinem Diener Lichas genannt. In Opus ist ein Bildnis des Herakles gefunden (Girard 88). Die Inschrift, die Preller-Robert II 415, 4 nach Le Bas Béotie 1009 als aus Naryx stammend anführt, ist die jetzige IG IX 1, 285 zu Opus, 50 obwohl Dittenberger dabei die frühere Heraus- 1 gäbe durch Le Bas nicht erwähnt (dazu w’ohl ein Seitenstück jetzt in Amer. Journ. Arch. XIX 332; vgl. noch Keil Philol. Suppl.-Bd. II S. 572). [Dagegen ist die Münze angeblich aus Kynos, die Girard 56 aus dem mir unzugänglichen Bull. Arch. Neap. 1858, 108. 120. Taf. III nr. 11 als Herakles darstellend, anführt, entweder eine Fälschung oder falsch gedeutet, da es keine Münzen von Kynos gibt, und keine, 60 die Herakles darstellen, bei den Lokrern überhaupt.] Lokrer, wohl aus Griechenland selbst, I sollen mit Herakles nach Sardinien gezogen sein (s. o. Ausbreitung). Lokrer gingen auch mit Amphiktyon gegen die Taphier und Teleboer zu der Zeit, als Herakles geboren wurde (Hesiod. Sent. 24f.). In WL ist Herakles nur durch die Sage von Nessos und den Berg Taphiassos (s. [1276] Gruppe o. Suppl.-Bd. III S. 947, 37) vertreten. Unter theophoren Namen kommen vor Herakleidas zu Amphissa (SGDI 2047. 2134. 2181) und Cha-laion (1754. 2146. 2208); Herakles zu Opus (?) (Amer. Journ. Arch. XIX 324); Herakleiodoros zu Naupaktos (IG IX 1, 359), und Herakleos zu Naupaktos (365 ergänzt).

Hermes (o. Bd. VIII S. 739. Suppl.-Bd. III S. 1124). Hinzuzufügen ist der Monat Hermaios zu WL (Bauer Unters, usw. 58) und speziell zu Physkos und Naupaktos (o. Kalender), und eine Münze aus Opus (Brit. Mus. Cat., Central Greece nr. 41; vgl. noch den caduceus, s. d. auf einigen Münzen). Durch OL führte Hermes die Ochsen des Apollon (Meg. Eoiai 153 Bz.); der Weg wurde von dem Dichter wohl breit beschrieben. Über die Inschrift aus Naryx s. o. Herakles. Theophore Namen sind Hermaios zu Naupaktos (Ἐφημ. ἀρχ. 1904, 115ter); Hermeas und Hermogenes zu Opus(?) (Amer. Journ. Arch. XIX 324); Hermias zu Naupaktos (Athen. Mitt. IIXII 32. 34).

Heroen. Der Heroenkultus ist bei den Lokrern gediehen. Aus dem 5. Jhdt. stammt die Weihinschrift zu Oiantheia an einen Heros gerichtet (IG IX 1, 335; über die Gewohnheit, sich so unbestimmt auszudrücken, s. Eohde Psyche2 I 175, 1). Vielleicht gab es auch einen Heros Eunikos zu Amphissa, dessen Heiligtum τὸ Εὐνίκειον hieß (IG IX 1, 322, vgl. o. Suppl.-Bd. III S. 448; allerdings ist die Lesart nicht ganz sicher, da Perdrizet Bull. hell. XXIII 346 svvißeiov liest). Dem Aianes kam ein Temenos in Opus zu (o. Suppl.-Bd. III S. 63), wo Aias besonders gefeiert wurde (Girard 56f., meist nach Pind. Ol. IX 112, den Scholien dazu IG IV 1136 und Schob Lykophron 365). Hier wurden auch Eukleia (s. d.), Herakles als Heros, Patroklos (Clem. Rom. Homil. VI 22) und Prometheus (Paus. II 19, 8) verehrt, in Kynos Pyrrha (und wohl Deukalion), zu Amphissa Dryope (s. o. Dryaden), Andraimon und Gorge (Paus. X 38, 5). Die Basileia zu Tolophon (IG IX 1, 356) kann auch eine Heroine gewesen sein (vgl. o. Hera). Man denke dabei auch an die Heroenkulte in Lokroi (s. d.) und seinen Kolonien, vor allem die des Aias, Euthymos, des Heros zu Temesa, und der Ahnfrauen (Polyb. XII 5, 8, vgl. v. Wilamowitz Staat und Gesellschaft 45).

kabiren. Pausanias (IX 25, 8f.) berichtet von einem unglücklichen Versuche einiger ἰδιώται, die Mysterien der Kabiren von Theben nach Naupaktos zu verpflanzen; der Kultus hat daher dort entweder nicht lange gedauert, oder die ἰόιώται konnten sich gegen die offiziellen Vertreter dieser Mysterien nicht durchsetzen. Daß nichts Auffallendes in einem Kultus der Kabiren in WL gelegen haben würde, zeigt Paus. X 38, 7, der zu glauben geneigt ist, die ἄνακτες καῖδες zu Amphissa wären Kabiren.

)er κριθολόγος. So hieß ein Archon zu Opus, der die Obliegenheit hatte, die Erstlinge (daaoχαί) für die Opfer zu sammeln, denn diese wären bekanntlich in der alten Zeit κριθαί (Plut. quaest. Gr. 6, wohl aus Aristoteles Ὀπουντίων πολιτ., nach Giessen Philol. LX 465f.). Dieser Staatsbeamte ist wohl scharf von den eigent- [1277] lichen Priestern zu scheiden (Hermann Gottesd. Altert.² 218, 3; vgl. noch Stengel Opferbräuche der Griechen 13). Genau genom- I men sollen die Opuntier bei dem Opfer κριθαί für die Erstlinge gebraucht haben, und diese κριθαί mußte ein Beamter sammeln, zu welchem Zweck, wird nicht gesagt, wahrscheinlich als Staatssteuer, die zur Zeit des Opfers der ἀπαρχαί in κριῦαί (beim Beginn der Opferhandlung verwendet) zahlbar waren; doch sammelte vielleicht 10 der κριθολόγος die x jiai als sein eigentliches Honorar. Jedenfalls scheint das Opfer der ἀπαρχαί ein Staatsopfer gewesen zu sein. Der Gebrauch paßt gut auf den agrarischen Zuschnitt des lokrischen Staats. In dem darauffolgenden Satz bei plutarch, δυὸ θ ἤοαν Ἰερείς παρ' αὐτοίς, ὁ μὲν περὶ τὰ θεῖα τεταγμένος, ὁ δὲ περὶ τὰ δαιμόνια, hat dieser wohl nur seine Quelle ziemlich gedankenlos ausgeschrieben (so Giessen) und dabei eine interessante, aber nicht hierher 20 gehörende Nachricht über die lokrische Priesterschaft mitgeteilt. Allerdings versteht Girard 58 den Satz von zwei κριθολόγοι, man sieht aber dann nicht, warum.Plutarch hier von Ϊερεῖς spricht und nicht von ἄρχοντες, und oben von einem κριθολόγος, nicht von zweien. Die Scheidung zwischen ikïa und δαιμόνια, wohl zwischen Olympiern und χρόνιοι, ist wahrscheinlich in der alten Zeit scharf empfunden worden. Die beiden Nachrichten bezeugen, daß den religiösen 30 Handlungen der Lokrer etwas Altertümliches anhaftete.

θεοὶ Μειλίχιοι. Diese hatten Hain und Altar zu Myonia in WL; nächtliche Opfer wurden ihnen dargebracht, und das Fleisch wurde vor Sonnenaufgang weggeräumt (Paus. X 38, 8). Das deutet klar auf chthonisches Wesen, es waren daher wohl Sühnegötter. Diese stehen in engstem Zusammenhang mit Zeus Μειλίχιος (s. d. u.) und anderen derartigen Gottheiten, die uns hier nicht 40 besonders angehen, nur daß man bemerken darf, wie eifrig sich die Lokrer mit Sühnungen beschäftigten. Man denke dabei an die Perkotha-rioi und Mysacheis der Epökeninschrift, an die lokrischen Mädchen, das Sühnungsschiff für den lokrischen Aias (Philostr. Her. 707. Schol. Ly-kophr. 365. Rückert Troias Ursprung 141. Gruppe Gr. Myth. 363. 370), wohl einen uralten Gebrauch in L. nachahmend, und Gruppe 90 will auch θιλεῦς (angeblich Kultname Apo 1- 50 Ions) den Vater des lokrischen Aias als den ,Sühner* erklären. Über die Μειλίχιοι s. vor allem Preller-Robert 130ff. Rohde Psyche 149, 1. Höfer in Roschers Myth. Lei. II 2558ff. Gruppe 908ff. Murray Four Stages of Greek Religion 27ff.

Musen. Die dionysischen Techniten zu Opus feierten Apollon, Hermes und die Musen (IG IX 1, 278), und die OL waren eifrig im Musendienst, s. u. Literatur. 60

Nymphen. Diese wurden zu Kyrtones in OL an einer Quelle verehrt, wo ein Heiligtum und ein kleiner Hain bestand (Paus. IX 24, 4). Zu Am-phissa hatten sie auch ein Heiligtum und einen ἄγων δρόμον, den keine Frau betreten durfte (Anton. Lib. 32; s. o. Dryaden). Zu Naupaktos wurde eine Inschyiftgefanden, die lautet Μ· τρὸν μὲν προχθοὸ Ννμφαις, ὀνητοῖοι θ ὑγείαν, [1278] und wohl die Verehrung von Nymphen in der Gegend voraussetzt (IG IX 1, 390).

’oseidon. In OL tritt Poseidon auf als Vater des Abderos (Pind. Paian frg. II 1ff., wozu vgl. Jurenka Philol. LXXI177 über Poseidon als den speziellen Gott der Aioler). Die spätere Überlieferung setzt Hermes an seine Stelle (s. o. Suppl.-Bd. III S. 14). Auf den Kultus des Poseidon zu Thronion deutet auch der Monat Hippeios hier im 2. Jhdt. v. Chr. (Klio XVI 176f.). Ptolemaios Chennos 110 (Chatzis) macht Poseidon zum ἐραστῆς des Patroklos, und V 13 sagt er, daß Abderos und Patroklos Brüder waren. Eine schöne Terrakotta des archaischen Stils aus Malesina in OL stellt Poseidon dar (Arch. Anz. XI 143, 17. Hui sh Greek terra-cotta Statuettes pl. 36. Cat. Brit. Mus. of Ter-racottas B 78). Ob die Verknüpfung Poseidons mit dem lokrischen Aias, wo er in der Teicho-machia die beiden Aianten aufmuntert (Hom. H. XIII 59ff.), in den Nosten (Od. IV 507) den lokrischen Aias vernichtet, auf alte Sagen oder Kultgebräuche (vgl. das Sühneschiff für den lokrischen Aias, s. o. θεοὶ Μειλίχιοι) zurückgeht, ist ungewiß; doch in einem Lande, wo die Sintflutsage früh aufkam, das so schwer von Erdbeben und Meeresfluten heimgesucht und wo Pferde so eifrig gepflegt wurden, kann dieser Gott ursprünglich nicht gefehlt haben, obwohl er wohl hier, wie fast überall in Griechenland, mit der Zeit etwas zurücktrat. Über Poseidon als Vater von Telamon s. Ps.-Kall. I 13. [Die Weihinschrift auf Poseidon, die M. Mayer in Roschers Myth. Lei. II 1451, 56 als lokrisch bezeichnet, ist tatsächlich aus Elateia in Phokis (IG IX 1, 130). Ebenso ist das Antikyra, wo Pausanias (X 38, 6) ein Heiligtum des Poseidon erwähnt, die phokische Stadt, nicht die lokrische, wie Preller-Robert II 573, 2 angeben]. In WL gab es ein Poseidonion oberhalb der Stadt Myonia mit Bezirk und Tempel des Poseidon (Paus. X 38, 8), das Bildnis aber war vor Pausanias’ Zeit verschwunden. Zu Molykreia gab es auch einen Poseidonkultus (Paus. IX 31, 6), mit dem die Sage von Hesiods Tod verknüpft ist. Zu Nau-paktos stand am Meer ein Tempel mit einem Bildnis aus Bronze (Paus. X 38, 12), an der Meerenge westlich davon noch ein Heiligtum (Skylai peripl. 35), das zweifelsohne dem Poseidon geweiht war. Hier. πρὸς τὸ Ῥίον (richtiger Antirrhion), gab es ein großes Fest der Lokrer, τά "Pla genannt (Plut. sep. sap. conv. 19) oder tà Ῥίεια (IG IV 428), das gewiß zur Ehre Poseidons (nicht Athenas, wie Wilhelm österr. Jahresh. XIV 225 vermutet) gefeiert wurde. Auch Thukydides IV 84, 4 erzählt, wie, nach einem Siege über die Peloponnesier, Phonnio zuerst nach Molykreion segelte, dann ein Tro-paion auf Rhion (wohl Antirrhion) errichtete und dem Poseidon ein Schiff weihte. Dieses lokrische Fest haben dann die Athener übernommen, als sie zu Naupaktos standen (Paus. X 11, 6). Bei diesem athenischen Feet tritt Theseus neben Poseidon auf. Dieser kenn hier kaum ursprünglich gewesen sein, da er sonst nichts mit den Lokrern zu tun hat, und wurde wohl von den Athenern als ihr Stemmheros und angeblicher Sohn Poseidons eingeführt, wo- [1279] bei wohl der benachbarte Kultus der Ariadne 2 (s. d. o.) zu Oinoe (Oineon) mitwirkte (daß die OL einige Abenteuer des Theseus in die Heldensage eingeführt hatten, wie Gruppe Gr. Myth. 96 will, ist an sich fraglich, erklärt aber das Vorhandensein von Theseus zu Antirrhion nicht, auch wenn es wahr wäre). Man hat es vielleicht in all diesem eigentlich wohl mit nur einem Heiligtum Poseidons zu tun, das, weil Antirrhion im Bezirk von Molykreia lag, aber 10 nur ein wenig von der Hauptstadt Naupaktos entfernt war, zu diesem oder jenem gerechnet werden konnte (o. Snppl.-Bd. III S. 125f. mit Verzeichnis der Literatur über die Frage). Ost-lokrische Münzen (s. d.) mit dem Dreizack deuten auch wohl auf Poseidon hin. Endlich wird die Stadt Potidania (s. d.), ursprünglich wohl lokrisch (Woodhouse Aetolia 312. 356, 1), in der Nähe von Erythrai und Eupalion, auf einen Poseidonkultus an der Stelle weisen. 20

Prometheus. Es bestand ein μνήμα des Prometheus zu Opus und auch zu Argos, Pausanias aber (II 19, 8) betrachtet die Kultlegende der Lokrer als die glaubwürdigere, und hatte darin wohl Recht, wie das Grab Pyrrhas in dem benachbarten Kynos und der enge Zusammenhang zwischen Prometheus, Epimetheus, Protogeneia, Pandora, Pyrrha und Deukalion zu Opus und in dessen Umgebung bezeugt (s. Roscher Myth. Lez. III 3035ff. und o. Heroen und Mytho- 30 logie).

[‌Sarapis, Isis, Anubis. Die auf diese Gottheiten bezügliche Inschrift bei Wachsmuth Rh. Mus. XXVII 614, die er, durch die falsche Schreibweise ἐν ἐξάρχῳ statt èv Ἠξάρχῳ (Exarcho ist ein modernes Dorf in der Nähe von dem alten Abai in Phokis) verleitet, als aus der Umgebung von Opus stammend ansah, und Girard 52, der es besser wissen mußte, Atalanti zuweist, kam ursprünglich wohl aus Hyampolis in Pbo- 40 kis und befindet sich jetzt in einer Kirche zu Exarcho, IG IX 1, 89.]

Sterndienrt s. o. Dioskuren.

Στεμματιαίον. Ein Fest zu Naupaktos, worüber folgende Zeugnisse vorhanden sind: Bekker Anecd. I 305, 31 Στεμματιαίον · μίμημα τῶν σχεδίων (sic), αἰς θώενσαν οἱ Ἠραχλεῖδαι τὸν μεταξυ τθν Εἰων τόπον. Hesych. ὀτεμ(μ)ατιαῖον · δίχηλὸν τὶ ἐν ἐορτή f πομπέων δαίμονας (verschiedentlich verbessert). K. O. Müller Dorier² II 50 337, 2 dachte an Apollon Stemma’ias und an ein spartanisches Fest. das aber die Schifte unerklärt läßt, wenn man nicht die echte Erinnerung an eine geschichtliche Überfahrt bei Naupaktos vor-aussetzt, was mindestens sehr zweifelhaft ist. Wir haben vielmehr hier ein Fest zu Naupaktos (vgl. Gruppe Gr. Myth. 445, 17), bei dem man bedeckte Schiffe durch die Stadt zog, in denen ein Bildnis irgendeines Gottes stand. Dieser kann vielleicht Dionysos gewesen sein, da er und 60 Ariadne in Naupaktos und dem benachbarten Oineon (Oinoe) verehrt wurden (Über das Schiff des Dionysos s. die Literatur bei Bieber Denkmäler zum Theaterwesen [1920] 185). Mit dem Totenschiff oder Sühnschiff des loknschen Aias (s. o. θεοὶ Μειλίχιοι) hat dies wohl nichts zu tun.

Theseus s. o. Poseidon. [1280] Seus. Dieser tritt in den lokrischen Sagen nicht besonders hervor, und selten ad ihren Münzen, obwohl öfters auf Münzen der Kolonie Lokroi, besonders mit dem Donnerkeil, worauf vielleicht Pind. Ol. IX 42 mit αἰολοβρόντα Διός (vgl. Boeckh, Mezger, Christ und Gildersleere z. St.) hindeutet. In dieser Ode erscheint Zeus als Vater des Opus, und das ist wohl die ältere Sage, wonach Opus der Sohn von Zeus und Protogeneia war (vgl. Deimling Die Leleger 142), während Lokros und die Tochter des epe-ischen Königs ersichtlich eingeschmuggelt sind. Lokros muß eben die Hauptstadt des Landes dem Opus übergeben (IX 71), wie er auch nach einer anderen Überlieferung (Eustath. H. II 531) aus Opus entweichen und das ganze Land verlassen mußte. In der Stadt Opus gab es auch Spiele, Ata καὶ Αἰάντεια καὶ 'Ῥωμαία (IG IV 1136). Zeus Καναῖος wurde in der lokrischen Kolonie Kanai (s. d.) verehrt, und nach Steph. Byz. s. Kavat ebensogut nach dieser Stadt, wie nach dem euböischen Vorgebirge benannt. Der Kultus stammt ursprünglich wohl aus L., wie die dialektische Form des Namens (statt Κη~ moi, s. Meineke bei Steph. Byz. z. St.) andeutet. In WL machte im 5. Jhdt. der Bildhauer Ageladas für die Messenier zu Naupaktos ein Bildnis von Zeus Ithomatas (Paus. IV 32, 2), dessen Kultus wohl eben mit den Messeniern in das Land eingeführt worden ist. Das Kultbild wurde später nach Messenien fortgeschafft. Zu Νεμειον (Plut. sep. sap. conv. 19) oder Νέμεα (Thuk. III 96), in einem τέμενος oder ἰερόν des Zeus Nemesios in der Nähe von Eupalion (zu Omer Effendi unweit von Soule, angeblich gefunden und z. T. ausgegraben von Sotiriades Ἐφημ. ἀρχ. 1906, 395L), soll Hesiod ermordet sein (s. u. Literatur). Dieser Kultname stellt wohl Zeus als Wald- (vgl. Cook Zeus I 280, 2) oder Hirtengottheit (Cook 456) dar. Mir scheint es unratsam, einen so bescheidenen Kultus« auch in den offenen Feldern in der Nähe von einer namhaften Stadt, direkt aus Boiotien oder Argos herleiten zu wollen (wie R o Its c h Die Westlokrer 76 tut), obwohl ähnliches sich dort vorfand. Es ist nicht alles und jedes aus einem anderen herzuleiten; manches ist gewiß gemeinsames Erbe. Auch sehe ich keinen Grund, mit Boltsch den Zeus hier eng mit Dionysos zu verbinden, da Oineon nicht an dieser Stelle lag, und da Götter auch sehr wohl in derselben Stadt verehrt sein konnten, ohne eng verbunden zu sein, und weil mit dem Feste der Ariadne, an dem der Leichnam Hesiods gefunden wurde, dieser Zeus, so viel man sehen kann, gar nichts zu tun hatte. Auch daß der Vater der Mörder Hesiods Phegeus geheißen haben soll, genügt wohl kaum, diesen Zeus als einen in der Eiche waltenden zu charakterisieren, wie Gruppe 92 vermutet; dies ist wohl ein aus der Luft gegriffener, und daher ein ,redender Name¹. Eine etwas nördlich von Physkos gefundene Weihinschrift Ad Μειλιχίω | Ἀγαθοῖς ὑεοίς hat Wilhelm Beitr. zur griech. Inschr. 136 veröffentlicht, vgl- die Θεοὶ Μειλίχιοι o. Theophore Namen sind Dion zu Amphissa (SGDI 2024. 2116. 2128) und zu Plygoneis (2069. 2130). Es gab auch einen Monat Dios zu Naupaktos (s. o. Kalender). [1281] XIII. Die Literatur. Pindar hat drei epi-nikische Oden für Lokrer gedichtet (Ol. IX-XI), in denen allen er von der poetischen Kunst bei den Lokrern spricht oder auf die Kunst im allgemeinen verweist, nirgends so oft wie in der d. olympischen Ode auf Epharmostos von Opas (x. B. 1f. 5–9. 12. 14. 23f. 80. 51ff. 86f. 107 –116), was zweifelsohne auf reges Interesse für Literatur und Musik und ihre Pflege bei den Lokrern deutet. Über die Anfänge der Helden-: sage bei den Lokrern kann ich hier auf Einzelheiten nicht eingehen, da die Quellen und Ursprünge des troianischen Sagenkreises eine selbständige Monographie verlangen, aber ich verweise der Kürze halber auf die Hypothese (z. T. nach Bergk, Bethe, Gruppe, vürtheim u. a.), daß das geschichtliche Ilion eine Gründung von OL, dessen Hauptgottheit die lokrische Athena Ilias war, daß der ursprüngliche Hauptheld der Griechen Aias (am Anfang zweifellos in L. zu Hause), die ersten Heldenlieder dieses Kreises daher lokrisch und durch Lokrer nach Kleinasien Übertragen waren; nach Bergk Griech. Literatur-gesch. 417. 461 haben Lokrer auch die Odysseus· sage nach dem Osten fortgepflanzt, da Kyme, die Mutterstadt von Smyrna, und Kauai lokrische Gründungen waren, und die Lokrer auch in Lesbos und in der hypoplakischen Thebe erscheinen (s. o. Ausbreitung). Erst aber mit der hesiodeischen Dichtung fließen die Quellen reichlich genug, um eine direkte Beweisführung für die lokrischen Bestandteile darin möglich zu machen. Aus der lokrischen Kolonie Kyme stammten die Eltern Hesiods, und es ist gewiß denkbar, daß der Dichter selbst dort geboren wurde (Werke und Tage 633ff. mit den Scholien. Ephoros FHG 164. Strab. VI 622. Steph. Byz. s. Κύμη. Suid. Vit. Hes. 2. Eustath. Il. 357, 37ff.), da er von Askra nicht gerade wie von seinem Geburtsort spricht. Auch in seinem Greisenalter ist Hesiod wohl unter den Lokrern gewesen, wo er seinen Tod bei Oineon in WL im Bezirk des Zeus Nemeios fand (s. o. Bd. VIII S. 1172). In der Sprache Hesiods findet Bergk 1020, 27 eine Häufigkeit von Krasis und Kontraktion, die auf L. weisen, wo bekanntlich die zwei alten Bronzen aus Oiantheia gerade davon wimmeln, während Fick Hesiods Gedichte 2 von ,Spuren des lokrischen Dialekts* in den Bruchstücken der Eoien spricht. 8ei das aber wie cs mag, sicher sind Form und Inhalt der großen Gedichte, der Frauenkataloge, der Eoien und der Großen Eoien, darin besonders merkwürdig, indem diese allein in der Weltliteratur die Helden nach deren Mutter aufzählen und diese jedesmal loben, ehe der Held selbst betrachtet wird (wie Max. Tyr. XXXII 4 es treffend ausdrückt: χωρίς μὲν τῶν θρώων, dwd χυκκχφτ ἄρχομθτος, χαταley« rd γθὴ βσπς Ἴ( Ἴφν), ein Gedanke, der in keiner Gesellschaft außer einer, worin die Mutterfolge herrschte, d. h. in Mittelgriechenland nur unter den Lokrern, aufkommen konnte. Daher entstanden diese Werke, zusammen mit den Navxfatta ἔπη des Karkinos von Naupaktos, gewiß unter lokrischen Dichtern, die Hesiods «Schule* fortpflanzten (bekanntlich knüpfen die Kataloge an die Theogonie an), obwohl sie z. T. Tendenz und Stimmung derselben änderten, da Hesiod Über die Frauen manchmal ziemlich grob spricht.

PwlyWInowi-IroU XIII [1282] Diese Frauenverehrnng ist ohnehin meistens nur eine Frage der Stellung, die die Frau in der Gesellschaft einnimmt; der Adel kann sich so romantisch wie er will henehmen, das Volk, wie eben im Mittelalter, wird die Schwachheiten der Frauen nicht darum schonen (über die ganz verschiedene soziale Stellung der Dichter der Frauenepen und die des Dichters der Theogonie und der Werke und Tage s. Christ-Schmid® I 123; 10 über den lokrischen Ursprung jener Gedichte daselbst 117, 4, noch bestimmter aber, und wie ich glaube, mit Becht, Christ⁴ 102, s. o. Mutterrecht). Wahrscheinlich ans Ende dieser Bewegung (vielleicht schon unter dem Einfluß von Korinth und Kerkyra, dessen Helden, Iason und Medea, sie ausführlich behandelten) gehören die Ναυπάχτια êm), die, wie schon ihr Name bezeugt, nicht von Naupaktos zu trennen sind (wie die Korinthiaka des Eumelos nach Korinth gehören) 20 und Genealogien nach Art der Eoien enthielten.

Charon aus Lampsakos (bei Paus. X 38, 6), dem Pausanias selbst folgt, schrieb das Epos einem Karkinos aus Nanpaktos zu, andere aber einem gewissen «φ Μάήωος, ein auffallender Ausdruck für einen Dichter, was wohl aus einer angeblich auf Milet anspielenden Stelle im Kopf irgendeines Grammatikers entstanden ist. Fick (Hesiods Ged. 85 nach Bergk I 1011) will in diesem Milesier den Kerkops aus Miletos sehen, der 30 die Gedichte der hesiodeischen Schule überarbeitet haben soll, was mir höchst unwahrscheinlich vorkommt. Ausgeschlossen ist Ulricis Ansicht (I 437), daß Arktinos damit gemeint sei, da dieser mit der hesiodeischen Schule nichts zu tun hatte und ohnehin zu bekannt war, um ein ἄνηρ Μιλήσιος zu heißen. Die Bemerkung bei Clinton Fast. Hell. I 349 (die noch Marckscheffel Hes. frg. 49ff. und Mure Crit. Hist. II 445 verleitet hat), daß Neoptolemos der eigentliche Autor 40sei, beruht auf einem seitdem von Keil sicher verbesserten Scbolion zu Apoll. Bhod. I 299, und ist daher hinfällig. Der .Milesier· aber, der, wie oben bemerkt, seine Existenz einer angeblichen Anspielung in dem Epos verdankt, tritt auch in der Geschichte über Hesiods Tod (bei Plut. sep. sap. conv. 19) hervor (vgl. Bachofen Das Mutterrecht 316), wo er offenbar erfunden ist, um Hesiods Unschuld zu erweisen, hat aber noch keinen Namen erhalten und ist daher eine leere 50 Gestalt, da an einen milesischen Jünger des greisen Hesiod in WL wohl niemand (trotz Bergk I 1011, 109) denken wird. Über Hesiod bei den WL s. noch White dass. Quart. XIV 125ff.

Im Zeitalter der alten Lyrik hat dann die Kolonie Lokroi (s. d.) eine wichtige Bolle gespielt durch Eunomos, Xenokritos, Erasippos und Ste-sichoros, um nur von ganz gesicherten Lokrern zu sprechen. Über den letztgenannten wird viel gestritten, und es kann sein, daß v. Wilamo-60 w i t z mit seiner bekannten Theorie von drei Dichtern dieses Namens (es gab ohne Zweifel zwei), wovon der zweite ein Lokrer aus Italien war, recht hat. Sicher ist, daß ein lyrischer Dichter namens Stesichoros sehr eng mit Lokroi und seinen Kolonien verknüpft war. Die Sage, wonach Stesichoros der Sohn des Hesiod und in WL geboren war, versinnbildlicht hübsch die Entwicklung der Lyrik aus der welkenden epi- [1283] 1288 Lokris (Literatur)

sehen Dichtung des Mutterlandes, da die Lyrik des Xenokritos und Stesichoros vieles von dem epischen Charakter beibehält. Hier in Lokroi wurde die *ύαλη ἀρμονία (Kallimachos 541 Schn.) oder Λοχριστί ausgebildet (s. den Art. Lokroi). BMI stammte dies aus OL, wenn eine von dem erausgeber vorgeschlagene Ergänzung bei Hip-pias (?) περὶ μοισικῆς Hibeh Pap. 113 standhält; vgl. aber Jander Chat, et Rhet. Graec. Fig. zu Nr. 37]. Unter den späteren Dichtern zu Lokroi sind die Dichterinnen Theano, Nossis und Melinno zu erwähnen; es blühten dort auch viele Pytha-goräer wie Timaios, während andere Schriftsteller das rege literarische Leben dieser Stadt bezeugen.

Im Mutterlande werden die Namen von keinem Lyriker der alten Zeit überliefert, daß es aber solche gab, ist nicht zu bezweifeln, und diesen oder ihren Vorgängern, den Dichtern des hesiodei-schen Epos oder den noch älteren Erfindern der Heldensagen, ist es zu verdanken, daß noch die äolische Lyrik vom Oita als einer Art Himmelsberg sprach, über den die Sterne, Sonne, Morgen usw. auf·* und untergingen (s. o. Religion, Dios-kuren). Wenn man sich so nach einer herkömmlichen Weise in der anscheinend so urwüchsigen Lyrik, wie der von Lesbos, ausdrückt, so muß eine ungeheuere Masse von Wendungen und Motiven vor Alkaios und Sappho vorangegangen sein, wie jeder gewiß einsehen wird, daß diese in ihrer Kunst keine tastenden Anfänger waren. Dem Namen nach bekannt ist erst im 5. Jhdt. ein Flötenspieler Bakchylides von Opus, der unter den Sophisten in Platons ΣοφιοταΙ erscheint (Schol. Aristoph. Nub. 331. CAF I 638); er muß daher wohl mehr geleistet haben als nur flötenblasen, und Suid. s. σοφιστῆς hat vielleicht recht, wenn er ihn auch «jiuen Dichter (Musiker ist er sicher gewesen) nennt, obwohl man allerdings an eine Verwechslung mit dem großen Keier zu denken geneigt ist (s. o. Bd. II S. 2801). Dieser selbst ist wohl auch aus einem lokrischen Geschlecht entsprungen, und daher wohl ebenfalls der berühmte Simonidcs (s. o. Suppl.-Bd. III S. 194f.). In diesem Zusanftnenhange wird man an die lokrischen Musendiener denken: Kailipides (s. d.) einer der größten tragischen Schauspieler am Ende des 5. Jhdts.; Lykon (s. d.) τό xäv ἐν χωμφΜφ im Zeitalter des Alexander; Alkinoe (s. d. Suppl.-Bd. III S. 82), Dichterin aus Thro-nion im 3. Jhdt; Philodamos aus Skarpheia (oder vielmehr dem Skarpheia Untertanen Dorf Augeia, wenn H. Weils Ergänzung in seinem Gedicht II 16 richtig ist), der im J. 335/4 wegen eines Paians auf Dionysos von den Delphiem geehrt wurde (Sylt³ 270; er wurde Naopoios um 330, s. Keramopoullos Ἐφημ. ἀρχ. 1908. 186, 3; im übrigen vgl. Weil Bull. hell. XIX 393ff. Christ-Schmid⁶ II152f.; Philodamos scheint irgendwie die Hilfe seiner Brüder Epigenes und Mantidas oder Aiantidas genossen zu haben); Charilaos (wohl nicht aus Lokroi, wie Dieterich angibt), erwähnt IG II 1244 aus dem J. 328/7, wohl ein Chorlyriker (Dithyrambiker), obwohl Dieterich (s. Bd. III S. 2141) ihn für einen Dramendichter, Kirchner (ebd.) für einen Chor-didaskalos hält (selbstverständlich gibt es nur einen Charilaos, nicht zwei, wie die beiden Art. [1284] angeben); Mnasitheos, ein Sänger der Zeit des Aristoteles (Poet. 26), und vielleicht ein Schauspieler (vgl. Wilhelm Dram. Urk. 206 nach IG XII 125 b, einer Inschrift angeblich aus Rhodos, aber von unbestimmter Zeit und Herkunft, wo [δ]ράμα[τ]α... [Μ]νησίθεος ([νίκα]*? gelesen wird; der Name scheint sonst nicht unter bekannten Schauspielern vorzukommen); Kallon, κιῦαρφόός, aus Opus, Sieger in Spielen zu Orcho-lOmenos um 100–75 v. Chr. (IG VII 3196; vgl.

O’Connor Chapters in the hist. of Actors 71); Nikon, χίΛζρφόά, ausThronion, zuDelphoi, um 268 (SGDI 2563. Pomtow Klio XIV 305); Eucheridas, τραλφ5ός, aas Opus, ebendaselbst; Xenolaos, aus Opus, unter den χορτυταὶ χωμωώον zu Delphoi zwischen 140–100 v. Chr, (SGDI 2569); Agathias, αὐλφδος, aus Opus, zu Thespiai um 100–75 v. Chr. (IG VII 1762); Hierokles, κιθαριστῆς, aus Opus, zu Akraiphia, nach 86 v. 20 Chr. (IG VII 2727); Polyxenos, ὑποκριτῆς, aus

Opus, zu Oropos, nach 86 v. Chr. (IG VII 420); der Mimus oder Ethologos Diopeithes kann auch hierher gehören wegen der Verwandtschaft seiner Kunst, obwohl es möglich ist, daß er aus Lokroi stammte (s. o. Suppl.-Bd. III S. 327f). Man vergleiche auch die Betonung der Errungenschaften des Verstorbenen ἴμ Μονοαις auf der Inschrift zu Larymna Bull. hell. XXVI 330, 8. 15 (Ergänzungen dazu in Amer. Journ. Arch. XIX 30 336), und zu Opus IG IX 1, 285 ὃς ἰμμούσοις γράμμαοιν εὐξυνέζως παιδείην ἤσκησεν.

Mnaseas (β. d.), der Autor von schamlosen παίγνια, ist wohl aus Lokroi in Italien, wohin die verwandten Λοκρικὰ φαματά deuten, obwohl man nach dem Ausdruck bei Athen. VII 322 a Aoxgw ἡ Κολοφώνιο* (wiederholt bei Enstath. II. 1163, 14ff.) leicht an die Stadt Tolophon in WL denken könnte; wie die einzige Ha des Dionys. Call. 66 Κολοφῶν für Τολοφῶν schreibt (ein 40 Sohn Hesiods soll auch Mnaseas geheißen haben, Tzetz. zu Hesiod Werke und Tage 269). Aber Archytas aus Amphissa (o. Bd. 1 S. 602 Nr. 6. SuppL-Bd. III S. 153), Zeitgenosse des Erato-sthenes und Euphorion, wohnte sicher im Mutterlande, das er lobte (Plut quaest Graec. 15), und ist gewiß ein namhafter Dichter gewesen, wenn er einigen als der Verfasser eines von Euphorion gedichteten Epyllions galt.

Unter den Schriftstellern sind noch folgende 50 zu erwähnen: Menaichmos (s. d.), der über To-reutik schrieb (Plin. n. h. unter den auctores I 33. 34; vgl. I 4. 12. 13 und Detlefsen Index Bd. VI s. v.), der vielleicht identisch ist mit dem Menaichmos, der zusammen mit Soidas (beide aus Naupaktos) im 5. Jhdt. das Bildnis der Artemis Lapnria schuf (Paus. X 18, 10). Die Identität wird bestritten von S u s e m i h I Gesch. d. griech. Lat in der Alexandrinerzeit I 513, 2 (vgl. Overbeck Ant. Schriftquell. 300), aber kaum mit Becht, 60 da Plinius (n. h. XXXIV 80) ausdrücklich sagt, fpse Menaechmus scripsit do arte sua, und kein anderer Künstler dieses Namens als dieser aus Naupaktos bekannt ist. Berühmt ist auch der Philosoph und Astronom Philippos aus Opus, Freund des Platon und Herausgeber der ,Gesetze⁴ nach seinem Tode (wohl auch Autor der’Ojrow· τίων πολιτεία zusammen mit Aristoteles), den ich Philol. LXVII451K. behandelt habe mit Angabe [1285] der Literatur. Dazu sind noch hinzuzufügen: W. A. Heidel Pseudoplatonica (1896) 72–78. C. Richter De Legum Plat libris L II. III, Dise. 1912. Dümmler Kleine Schrift II 453Λ H Flach Unters, über Eudokia u. Suidas 99, 1. C. Ritter Untersuch, über Platon (1888) 91ff. v. Wilamowitz Platon I 647f. Immisch Phil. mn 17. Helm N. Jahrb. XXI 490. Raeder Berl. Phil. Wochenschr. 1908,833ff. Sinko DLZ XXVIII 2975f. - Belochs Ansicht, es gebe zwei Philippen dieser Zeit und dieses Kreises, einen aus Mende (gemeint ist wohl Medma), einen Mathematiker (Griech. Gesch. II 424), und einen anderen aus Opus, den Philosophen (II 21, vgl. den Index), ist unhaltbar.

XIV. Archäologie. Über ein Verzeichnis der lokrischen Inschriften s. o. Dialekt. Über die Architektur ist weniges zu sagen. Reste von Tempelbauten noch sichtbar westlich von Kynos sind nie untersucht worden; die furchtbaren Erdbeben haben keine Gebäude im Osten wie im Westen stehen lassen. Die wenigen Ausgrabungen, Versuche der amerikanischen Schule um Opus und Korseia (Proskyna), in Halai von Miss Walker und Miss Goldman, an den Thermopylen von der griechisch-archäologischen Gesellschaft (Kastrio-tes Πρακτικά 1899, 76ff.), haben keine namhaften Resultate für die Architektur hervorgebracht. Auch sind die erhaltenen Mauerreste noch nicht studiert und zeitlich genau fixiert worden. Dasselbe gilt auch für WL, wo keine eingehenden Untersuchungen vorgenommen worden sind; nur hat Soteriades hier und da um EupaUon, Oineon und Physkos ein paar Versuche gemacht (Athen. Mitt. XXXI 392ff). Für Belehrung Über viele Paukte in Geschichte und Kultur harrt man auf die Tage systematischer Ausgrabungen. Von der Skulptur ist sehr wenig erhalten; die älteren Stücke bezeugen, daß die OL in demselben Kulturkreis wie Boiotien standen, die späteren zeigen nichts Charakteristisches. Darüber s. G. Körte Athen. Mitt III 313ff. Girard De Locris Opun-tiis 85ff. Aus WL scheint bis jetzt nichts von Interesse ans Licht gekommen zu sein. In der Keramik sind nur die Terrakotten von Halai und Kynos von Belang (s. o. Industrie), die denen von Boiotien und vor allem denen aus Exarcho (Abai) in Phokis ähnlich sind. Die ältere Literatur ist bei Girard Bull. hell. III 213; De Lo-cris Opuntiis 93ff. verzeichnet; s. auch F. Winter Typen der figürlichen Terracotten IS. XXIff 248· Die schon im J. 1917 angekündigte Dissertation von Miss Walker über die zu Halai gefundenen Terrakotten ist noch nicht erschienen (März 1922). Merkwürdig ist es, daß zu Lo-kroi (s. d.) eine große Terrakottenindustrie, vor allem von Tafeln, wovon einige unter die aller-schönsten zu rechnen sind, eine lange Zeit blühte.

Die Münien sind nicht besonders zahlreich, aber einige davon, nämlich jene, die Persephone und Aias darstellen, sind außerordentlich fein gezeichnet. Wegen der Ähnlichkeit dieser Typen mit einigen syrakusanischen muß man anuehmen, daß diese unter starkem Einfluß von Lokroi und Syrakus entstanden, vielleicht wurden die ersten von syrakusaniachen Künstlern verfertigt (PhiloL LXVn 431 ff. mit Verzeichnis der Literatur; dazu sind hinzuzufügen Head HN8 336. Babelon [1286] Traité des Mon. gr. et rom., Deux. Partie, Descr. hist. III 359–883. Gardner Hist. of anc. Coi-nage [1918] 360f.). Ohne in die Einzelheiten einzugehen, die nur dem Numismatiker von Interesse sein durften, nenne ich hier die verschiedenen Gottheiten. Symbole usw, die auf die Geschichte und Kultur der Lotaw Licht zu werfen scheinen. Ich zitiere diese nach den bekanntesten Katalogen und Sammelwerken, die mir zu-lOgänglich sind. Manche der angeführten ist daher wohl identisch, was aber nicht viel schaden wird. Manchmal gerät man in Zweitel, ob die Münze nicht eigentlich nach Lokroi gehört Bei Mionnet und den älteren Werken sind viele Münzen dieser oder jener Stadt unrichtig zugewiesen, besonders wird kein Numismatiker jetzt Münzen von Aria und Naupaktos in WL oder von Kynos in OL anerkennen.

Personen.Aias. Brit Mus. 7–34. 38–40, davon 7–13. 18–21 mit einer Schlange auf der inneren Seite des Schildes (ein Typus mit Seepferd oder Griff und Dreizack, wohl auf Poseidon deutend, Brit. Mus. 42–44. Babelon 451. Hunterian Coll. II 13. Mionnet Suppl. III 489, 29. Coll. Pozzi [1920] 1349.1351). S.XVH = Mionnet II 19–23. Ztschr. f. Num. Tat I 9 (nicht in Brit Mus.). Babelon 426–434. 438–441. 451, alle aus Opus; Brit Mus. 1 30 aus Skarpheia. Babelon 458. 459.

Apollon, Brit Mus. 51 - 56. Babelon 447–449, aus Opus; Brit Mus. 2. 3. Mionnet II 29 aus Thronion; Brit. Mus. 1. Imhoof-Blumer 148, 75 aus Skarpheia.

Athena, Brit. Mus. 37.42-44.50.57-84. Auctions-cat. Hirsch (1905) 1626* Imhoof-Blumer 148, 70 (= C)ll. Pozzi 1344). 71. Mionnet II 28. Babelon 437. 444. 451–457, aus Opus; Brit. Mus. 2 aus Skarpheia.Die Dioskuren, Brit. Mus. 88 (vielleicht auch 85 –87, aber sehr fraglich) aus Opus.

Hades, Brit Mus. 85. 88 (Imhoof-Blumer 148, 72. 73 nennt diesen Typus Zeus [sein Exemplar scheint verschieden von jenem im Brit. Mus. zu sein, s. u. Zeus], Mionnet Suppl. III 36 spricht nur von einem bärtigen Kopf mit Lorbeer).

Hermes, Brit Mus. 41. Babelon 446. 445, aus Opus; wohl auch Auctionscat Hirsch 1625 50 «Bärtiger Kopf mit Petasos* (sonst unbekannt) ausLarymna; Brit Mus. 2. Imhoof-Blumer 148, 76 aus Skarpheia. S. auch Caduceus.

Ein Heros, vielleicht Opus, oder einer von den Dioskuren (s. d) , Brit Mus. 85- 87 aus Opus.

Kentaur (?) s. u. Silenos.

Persephone, Brit. Mus. 7–34. 38–40. 86. 87

S. XVII = Mionnet II 19–23. Ztschr. f. Num.

VII Taf. I 9 (nicht im Brit. Mus.). Babelon 426–434. 438–441, aus Opus; Brit Mus. 1 60 (nicht ganz sicher) aus Skarpheia. Babelon 458. 459(?).

Poseidon s. o. Aias.

Zenos (?), Brit. Mus. 1 aus Thronion (5. Jhdt). Babelon 460 (vielleicht ein Kentaur).

Silus, Imhoof-Blumer 148, 72 = Auctionscat Hirsch 1627 = Coll. Pozzi 1345, aus Opus (s. o. Hades). Mionnet Suppl. III 485, 3. 4 aus Amphissa. [1287] Amphora, Brit Mua. 1–6. 35. 36. 45–4 belon 423 425. 435–436 bis. 442. Mi II 8. 9. 12. 24. III 489, 24. 25. 30. Pozzi 1348 (sonst unbekannt), aus Opus tenan Coll. II 1 aus Amphissa.

Beinschiene (Deutung auf Κυημίς, Ἔπιχνη Brit. Mus. 51–53. 80. Babelon 44 Imhoof-Blumer Mon. gr. 148, 75. Münzen der badischen Sammlung S. 1 Opus; Brit Mus. 1 aus Thronion. Babel·

RE:Litra

[Bearbeiten]

Caduceus, Brit. Mus. 82- 84, aus Opus Mus. 2 aus Skarpheia; s. Hennes.

Delphin, Babelon 450.

Dreizack, s. o. Aias.

Efeu, Brit Mus. 2–6. 35. 36. 45–49. i 79. 80. Babelon 442.447. 448. 459, au Hunterian Coll. II 1, aus Amphissa.

Kantharos, Brit Mus. 8 –13. Imhoof-B 148, 74. Babelon 427, aus Opus.

Kinnbacken eines Ebers (wohl des kalydon Brit. Mus. 2.3. Mionnet II 29, aus Th Brit Mus. 1.2. Mionnet III 485, aus An

Lorbeer, Babelon 443.

Olivenzweig, Brit Mus. 30, aus Opus.

Sterne, Brit Mus. 4–6. 35. 36. 45–49. den Dioskuren, vgl. die Münze von Lc de Witte Descr. des Méd. usw., Par nr. 194). Mionnet II 8 - 12. Suppl.

Zu S. 784–786: Fortsetzung des Ait

Seit dem Aufkommen der Kupferprägr Mitte des 5. Jhdts. prägt man die Teil mehr und mehr in Kupfer (Bronze) n versieht sie mit der entsprechenden Z Wertkugeln, statt deren später auch ( p = «erre oder E = 5, △ = 4) oder treten; das Gewicht wird öfter red von einer ersten Veränderung, wodurch 24 νόμοι , also 120 statt 240 L. aufs gingen, berichtet Poll. IX 87 aus Ari man setzt sie, ohne daß von einer wi Klärung der Frage gesprochen werden unter Dionysios I. an, Evans Numisn 1894, 223ff. Willers 354; dann sinkt mählich immer tiefer, doch sind Ausmaß und Gründe dieser Herabsetzungen no erforscht; die späteren hängen gewiß di den Reduktionen des römischen As im v. Chr. zusammen, über die zu vgl. Ari o. BA II A S. 1348; es konnte eben a das Kupfer die gleichberechtigte Stel Währungsmetall neben dem Silber nie! behaupten und sank zur Kreditmünze 1 Die verschiedenen in Kupfer wirklich ausg mit Wertzeichen des L.-Systems versehe der L. (zu den sizilischen Städten tritt s. bei Head HN« Ulf. 119. 121–1 134–135. 139. 142. 150–151. 155––159. 161. 164. 169–170. 175

Auf das großgriechische Fest!

Schluß des fü [1288] 25. 43. 4 4. Coll. Pozzi 1342. 1348 (s 9* Ba- bekannt). Babelon 435. 436 bis. 442. onnet Opus; Brit. Mus. 1. 2. Hunteriau C( Coll. silberne, eine bronzene) II 1 aus Ai

Hun- Btit. Mus. 2, ans Skarpheia.

Weintrauben, Brit. Mus. 4–6. 35–37. 4’ μίθίοθ Auctionscat. ' Hirsch 1626. 1627. Ii 9. 4 57. Blumer 148, 20–22. Coll. Pozzi 13

Griech. im Brit. Mus.) 1344. 1345. 1349. Mic 4, aus 10 5. 28. 40–42. Babelon 431. 436. an460. –448. 452–457, ans Opus; Brit. Λ

Brit. aus Thronion; Brit Mus. 1. 2. Huntei (eine silberne, eine bronzene) II 1. 1 Suppl. III 485, 3. 4, aus Amphissa.

Weintraubenblätter, Hunteriau Coll. II >4-56. Opus.

s Opus; 2) Lokris, nach den Scholien zu Ovid

Magd einer gewissen Hypermnestra, die lumer dete, um ihren eigenen Ehebruch zu vDieses Scholion ist aber sicher nachgenu ischen), Ellis LIXf.), und Ellis hat recht n ronion; Erklärung, daß hier vielmehr Arsinoë, i aphissa. und Gattin des Ptolemaios Philadelphos, Beinamen Locris (vgl· Bentleys Vef von Catull LXVI 54) gemeint ist. Ein 88 (mit aber höchst unwahrscheinliche Deutung g kroi bei im Excura z. St. Vgl. noch die Komm is 1856 CatuR LXVI 54 und den Art. Lokria III 24. [Old

Nachtrag.

Titra- die L.-Rechnung, von den durchaus von Liira. üschen Prägung direkt abhängigen Bei: ng nach Rhegion und bei den Brettiern (Regli der L. I 1921 [Festschr. Lehmann-Haupt] 87 us und abgesehen, in alter Zeit nicht Übei ahl von außer nach Tarent, wo Zehntel sowohl

Zahlen wie des Silberstaters vorkommen (He a Striche 40 67; über die Wertkageln auf Kleins nziert: Tarent höchst unsicherer Deutung s. 1 12 statt ein Trias mit T und 8 Kugeln Head i Talent in der späten Kupferprägang Unteriti stoteles; tretenden Wertkugeln usw. beziehen Lrklichen mehr auf das römische Assystem. könnte, aber in der römisch-kampanischei) . chron. prägung des ausgehenden 4. Jhdts. v. sie all- einmal das Zehntel eines Silberstaters, Verlauf ausgeprägt wird (Willers Kupferpr. 31 ch nicht 50 = Bahrfeldt Riv. ital. di num. 1900, rekt mit Tat I 26), wenn spätere Ausgaben diese 3. Jhdt. (Kredit- ?) Kupfermünzen hinter sich λ Semis vielleicht ihr Zehntel darstellen, v tuch hier schließlich zu ihren Nachfolgern, den q lang als Kupfersorten mit Wertkugeln gehören ht lange eine kupferne libella (s. d.) vom Ze lerab. - des den quadriffati zugrunde liegenden eprägten, (s. d.) führen, so haben wir hier wohl nen Teile Einschlag vor uns, der dann in der Zehr Rhegion) 60 oberen Silbereinheiten im Rechnur 23. 130. sich fortsetzt (darüber s. den Art Lil 156. 158 in der Verwendung der Redensart le)

gerade bei Plautus und in Ciceros Ven Land hat Lokalkolorit verrät. [I

infundzwanzigsten Halbbandes

  1. a b Corpus Inscriptionum Latinarum III, 567.
  2. CORPUS INSCRIPTIONUM LATINARUM I2 ff. 2
  3. CORPUS INSCRIPTIONUM LATINARUM I2 ff. 855
  4. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 1.