RE:Lollianus 10

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XIII,2 (1927), Sp. 13711373
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10) Q. Flavius Maesius (oder Messius, so Dessau 1223) Egnatius Lollianus mit dem Beinamen Mavortius, von Firmicus Maternus, der ihm sein astrologisches Werk widmete, bald Mavorti (I pr. 1. 6), bald Lolliane (I pr. 8. III pr. 2) angeredet, ist uns namentlich bekannt durch eine Reihe von Inschriften, die wir mit folgenden Buchstaben bezeichnen werden:
A = Dessau 8943, B = Dessau 1223 = CIL X 4752, C = Dessau 1224 b = CIL X 1695, D = Dessau 1224 b = Ephem. epigr. VIII 365‚ E = Dessau 1224 c = CIL X 1696, F = Dessau 1225 = CIL VI 1723 + Dessau 1232 = CIL VI 1757, zwei Fragmente, die Anfang und Schluß derselben Inschrift sind; s. Röm. Mitt. 1905, 284.

Er war Vater des Q. Flavius Maesius Cornelius Egnatius Severus Lollianus mit dem Beinamen Mavortius iunior (Dessau 1226 = CIL X 1697) und des Placidus Severus (F). Von lebhaftem Interesse für die Astronomie (Firm. [1372] Mat. I pr. 5), nahm er die Widmung eines astrologischen Werkes an, woraus sich ergibt, daß er Heide war. Von ihm könnte daher die Weihung an Hercules (Dessau 3425) herrühren. Die Inschriften, die seinen Cursus honorum noch unter Constantin d. Gr. aufzählen (B—E), nennen ihn augur publicus populi Romani Quiritium; der Stein, der unter dem bigotten Constantius gesetzt ist (F), läßt das Priestertum weg. Seine Ämter waren folgende:

Quaestor candidatus (B-F), wahrscheinlich bekleidete er dies Amt, das mehr Munus, als Honor war, noch als Knabe oder im frühesten Jünglingsalter, wie auch sein Sohn sich als Quaestor noch p(uer) c(larissimus) nennt (Dessau 1226).

Praetor urbanus (B-F).

Curator alvei Tiberis et cloacarum sacrae urbis (B. F), die andern Inschriften (C. D. E) nennen ihn consularis statt curator.

Curator operum publicorum (B), operum maximorum (F); auch hier in C. D. E derselbe Wechsel des Titels.

Curator aquarum et Minuciae (A); consularis aquarum et Minuciae (B), consularis aquarum (C. D. E), curator aquarum (F). Dies Amt ist datiert durch A vom 1. März 328.

Consularis Campamiae (B-F). Während dieses Amtes empfing er im tiefsten Winter den Besuch des Firmicus Maternus (I pr. 2).

Comes Flavialis (C. D. E), comes dominorum nostrorum Augusti et Caesarum (B), comes intra palatium et vice sacra iudicans (F). Das Schwanken in der Titulatur weist darauf hin, daß es sich hier um ein neues, erst von Constantin geschaffenes Amt handelt, für das sich noch keine feste Terminologie gebildet hatte. Bei einem Palastbeamten mit Appellationsgerichtsbarkeit könnte man am ehesten an denjenigen denken, der später mit vollem Titel comes et quaestor sacri palatii hieß und den vier höchsten comites consistoriani zugerechnet wurde (s. o. Bd. IV S. 632, 64). Da dieses Amt mit der Stilisierung der kaiserlichen Verfügungen betraut war, pflegte man Männer von literarischem Rufe dazu zu ernennen, was auf den Gönner des Firmicus Maternus passen könnte.

Comes Orientis (C. D. E), comes Orientis vice sacra iudicans (F); das Amt auch bei Firm. Mat. I pr. 7 erwähnt.

Proconsul provinciae Africae (C. D. E), et vice sacra iudicans auch hier in F hinzugefügt. Firm. Mat. I pr. 8: proconsuli itaque tibi et ordinario consuli designato promissa reddimus. VIII 15: talis nostris temporibus Lollianus, qui severitatis merito etiam ordinarii consulatus insignia consecutus est. Da L. erst im J. 355, mindestens 17 Jahre, nachdem das Buch des Maternus vollendet wurde, zum Consulat gelangte, hat Mommsen diese Designation zum Consulat wohl mit Recht aus einem Versprechen Constantins d. Gr. erklärt, das später nicht erfüllt wurde. Wahrscheinlich hatte er es kurz vor seinem Tode (22. Mai 337) gegeben, und seine Nachfolger betrachteten sich nicht als dadurch gebunden. Ist das richtig, so würde das Proconsulat, das mit der Designation ja zusammenfiel, dem J. 337 zuzuschreiben sein, für das ein anderer Proconsul Africae nicht bekannt ist.

[1373] Praefectus urbis et vice sacra iudicans (F). Die Stadtpraefectur bekleidet L. vom 1. April bis zum 5. Juli 342 (Mommsen Chron. min. I 68).

Iterum comes ordinis primi intra palatium (F). Diese Stellung am Hofe des Constans muß eine sehr bedeutende gewesen sein, wenn sie dem L. noch nach der Praefectur ohne Degradation verliehen werden konnte.

Praefectus praetorio (F). In diesem Amte ist er am 22. Juli 355 und am 25. Juli 356 nachweisbar Cod. Theod. VI 29, I. XI 30, 25. 36, 11, über die Datierung vgl. Seeck Regesten 69, 34); doch muß er es schon 354 angetreten haben, da in der Inschrift F die Würden in streng chronologischer Folge aufgezählt werden und der Consulatus ordinarius, den L. 355 bekleidete, erst auf die Praefectur folgt. Anfangs scheint er Gallien verwaltet zu haben, doch 357 ist er in Italien Kollege des Taurus (Amm. XVI 8, 5. Seeck Regesten 146, 22. 147, 9). Vgl. Mommsen Gesammelte Schriften VII 446.