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RE:Lucilius 25

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
Hirrus, C. Volkstribun 53 v. Chr.
Band XIII,2 (1927) S. 16421645
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25) C. Lucilius Hirrus. Der volle Name lautet in dem Senatsbeschlaß bei Cic. fam. VIÏI 8, 5: [1643] 1643 Lucilius (Hirrus)

O. Lucilius C. f. Pupfinia tribu) Hirrus. Der Beiname Hirrus ist in den Hss. mehrfach in einen Gentilnamen Hirrius verwandelt worden und anch in den bekannten Gentilnamen Hirtius-, dadurch ist manche Verwirrung entstanden, zumal da das Nomen Lucilius oft weggelassen wird. Daß dieser L. mit dem Dichter, der dasselbe Dränomen trug (Nr. 4), verwandt gewesen sei, hat schon Kappelmacher (Wien. Stud. XXXI 87, 1) vermutet und hat Cichorius (Rem. 1 Studien 68–70) näher begründet. Demnach war der Vater C. Lucilius Neffe des Dichters – somit Bruder von Nr. 11 – und dessen Haupterbe, vielleicht sogar von ihm testamentarisch adoptiert, denn die früheste Erwähnung des C. Lucilius Hirrus selbst (mit allen drei Namen bei Varro r. r. II 1, 2) zeigt ihn im J. 687 = 67 als Besitzer großer Viehherden in Bruttium, und ebendort hatte auch der Dichter solche besessen. Hirrus war damals bereits verheiratet und zwar ‘ mit einer Tochter des in ähnlichen Verhältnissen lebenden L. Cossinius (o. Bd. IV S. 1671 f.). und hatte seine Lehrzeit bei dem Musterlandwirt C. Tremellius Scrofa durchgemacht (Varro a. O.). Ins öffentliche Leben trat er erst weit später ein und war vor allem für Pompeius tätig. Da dieser – nach jener Annahme über die Verwandtschaft des Hirrus – als Sohn der Lucilia Nr. 33 sein Vetter war, so ist er es gewesen, der den eigentlich im Wirtschaftsleben stehenden Mann zur Politik i hinüberzog: Zur Unterstützung des Pompeius bewarb sich Hirrus im J. 700 = 54 um das Volkstribunat. Anfang Juli trat er deshalb mit dem damaligen Consul L. Domitius Ahenobarbus in Verbindung, dessen Gewinnung auch aus dem Grunde wertvoll war, weil er der Schwager Catos war (Cic. ad Att. IV 16, 6; s. o. Bd. V S. 1337, 7ff.). Er wurde gewählt und ließ, noch ehe er am 10. Dezember sein Amt übernahm, seine Absicht bekannt werden, die Ernennung des Pompeius zum Diktator zu beantragen, womit Pompeius selbst insgeheim einverstanden war (Cic. ad Q. fr. III 8, 4. 9, 3). Aber die öffentliche Bekanntmachung des Antrags im Tribunatsjahr 701 = 53 rief, zumal bei Cato, solchen Widerstand hervor, daß Hidas beinahe seines Amtes verlustig gegangen wäre (Plut. Pomp. 54, 2; vgl. Ed. Meyer Caesars Monarchie 191. 208f.). Im J. 702 = 52 bewarb er sich neben Cicero um die erledigte Stelle im Augurenkollegium und fiel durch (Cic. fam. II 15, 1 ohne Nennung des Namens. Cael. ebd. VIII 3, 1). Ebenso unterlag er im J. 703 = 51 bei den Aedilenwahlen dem M. Caelius Rufus, weil er sich durch den Antrag auf Errichtung einer Diktatur um die Gunst des Volkes gebracht hatte; in den Briefen, die damals zwischen seinen erfolgreichen Gegenkandidaten Cicero und Caelius gewechselt wurden, wird er mit vielem Hohn bedacht (fam. II 9, 1f. 10, 1. 15, 1. VIII 2, 2. 3. 1. 4, 3. 9, 1), u. a. wegen seiner schlechten Aussprache des R als Hillus verspottet (II10,1, wo in den Worten: de Hillo – balbus enim sum – ein doppelter Witz liegt, da Balbus Beiname eines anderen Zweiges der Lucilii war [vgl. Nr. 18f.]. Gegenstück zu dem ganzen Spott etwa Catull. 84); auch in einem Briefe an Atticus (ad Att. V 19, 3) spielt Cicero auf die beiden Niederlagen an, die sich Hirrus [1644] Lucilius (Hirrus) 1044

im Wettbewerb mit ihm selbst (qui cum sororis tuae filii patruo certavit) und mit Caelius geholt hat. In den Senatsconsulten vom 30. Sept. 708 – 51 steht Hirrus als Urkundszeuge an fünfter Stelle (Cic. fam. VIII 8, 5, danach ergänzt 6). Er hatte schon vorher gegen Caesar gestimmt (ebd. 9, 1) und erklärte sich auch im Frühjahr 704 = 50 mit Cato gegen die dem Cicero zu bewilligenden Auszeichnungen (ebd. 11, 2; ad Att.VII .0 1, 7f.), denn er fühlte sich durch Cicero verletzt.

Offenbar war diesem die Haltung des Hirrus nicht gleichgültig; daher bat er auf der Rückreise von Kilikien den Atticus von Athen aus, den Gekränkten wieder zu versöhnen, nötigenfalls mit Hilfe des Scrofa (s. o.) und des P. Silius (ad Att. a. O.). Scrofa gehörte zu demselben Kreise wie Atticus und wie Cossinius, der Schwiegervater des Hirrus (s. o.), und Silius war eben aus Kilikien zurück und kannte die dortigen Ver-20 bältnisse; deswegen waren sie persönlich und sachlich in der Lage, auf Hirrus zugunsten Ciceros einzuwirken. Nach Ausbruch d Bürgerkrieges sammelte Hirrus Truppen für Pompeius in dem diesem besonders ergebenen Picenum; beim Anmarsch Caesars zog er sich im Februar 705 = 49 von Camerium mit fünf Kohorten eilends zurück, zunächst auf die Abteilung des L. Vibullius Rufus und dann mit Vibullius auf die Hauptmacht des L. Domitius in Corfinium, wo er dessen Schick-jOsal teilte (Pompeius bei Cic. ad Att. VIII 11A.

Caes. bell. civ. I 15, 5; vgl. o. Bd. V S. 1338 und [seitdem erschienen] Veith Klio XIII 18–21). Aus Griechenland ging er als Gesandter des Pompeius zu den Parthern und erhielt dabei die Zusicherung, daß er auch abwesend bei den nächsten Praetorenwahlen berücksichtigt werden sollte; die siegesgewissen Pompeianer im Lager von Phar-salos im Sommer 706 = 48 stritten schon darüber, ob dieses Versprechen zu halten sei (Caes. 40 a. O. III 82, 5), da es ja kein anderes war als die verhängnisvolle, vor wenigen Jahren dem Caesar gemachte Zusage (vgl. Mommsen St.-R. I 504; über dieselbe Streitfrage bei Priesterwahlen Cic. ad Brut. 15, 3). Nach Dio XLII2, 5 ist der Gesandte des Pompeius, den er als Senator bezeichnet, ohne seinen Namen zu nennen, von den Parthern gefangen gesetzt worden. Da Hirrus infolgedessen dem Entscheidungskampfe des Bürgerkrieges fern-blieb, konnte er später, nach seiner Rückkehr, 50 Caesars Gnade erlangen und als Geschäftsmann sich diesem gefällig erweisen. Denn nach Plin. n. h. IX 171 (daraus Macrob. Sat. III 15, 10) hat er dem Diktator für seinen Triumphalschmaus im J. 709 = 45 sechstausend Muränen leihweise geliefert, wie Varro in einer seiner verlorenen Schriften angab und r. r. III 17, 2 wo der Dialog um neun Jahre früher spielt, mit Beseitigung der chronologischen Unmöglichkeit und leichter Änderung wiederholte (vgl. Quellenkritik des Plin. 60 139); mit der Politik hatte solch eine Lieferung eines großen Fischzüchters nichts zu tun (gegen Cichorius 69, 3). Nach Caesars Tode folgte Hirrus wieder seinen alten Parteigenossen und wurde deshalb Ende 711 = 43 von den Trium-virn auf die Proskriptionsliste gesetzt. Er schlug sich mit einer Schar seiner Sklaven nach Brut-tium durch, fand hier, wo seine Familie großen Besitz hatte, vielen Zulauf (vgl. Mommsen CIL [1645] 1645 hucinus (Iunior;

I p. 97 – Jur. Schr. I 69) und ging mit einer stattlichen Macht nach Sizilien hinüber, wo er den Statthalter Q. Pompeius Bithynicus bestimmte, die Insel dem Sex. Pompeius zu übergeben (Appian. bell. civ. IV 180.354; vgl. Cichorius 70, wonach Drumann-Groebe G. R.² I 471. III 74. 429, 10 und o. Bd. VIII S. 1962 Nr. 4 zu berichtigen sind). Die Folge der Ächtung des Hirrus war die Versteigerung der Villa des Hirrus mit den wertvollen Fischteichen (Varro a. a. O., wieder anachronistisch, und Plin. a. O. [daraus Macrob.]). Ein unverstandener Witz auf Kosten des Hirrus liegt bei Varro r. r. II 5, 5 vor: Novi, inquit ille, maiestatem boum... praeterea scio hunc esse, in quem potissimum Iuppiter se convertit... hune esse, qui filios iïeptuni a Mena-lippa servavit... denique ex hoc putrefacto nasci dulcissimas apes ... et hunc planius (plautium Hss.J locutum esse latine quam Hirrum prae-torem renuntiatum Bomarn in senatum scriptum habemus; der Ochse, der nach den offiziellen Prodigienberichten des J. 562 = 192 vernehmlich brüllte: Borna cave tibi (Liv. XXXV 21, 4) habe deutlicher lateinisch gesprochen, als Hirrus, der das r nicht aussprechen konnte und der spöttisch Praetor heißt, obgleich er es niemals wirklich gewesen ist (vgl. Herm. LXI 263ff). Da er zeitlebens in erster Linie Großkapitalist und Unternehmer war, könnte ein Philargurus Lucili auf einer Banktessera aus dem Consulat des Pompeius und Crassus 684 = 70 oder 699 = 55 (CIL I² 901 = Herzog Tesserae nummulariae Nr. 20) wohl zu seinem Geschäftspersonal gehören. Ob der Triumvir capitalis C. Lucilius C. f. auf einer Inschrift aus Aquileia (CIL I² 2204 = V 872 o. Nr. 6) mit Cichorius für seinen Sohn gehalten werden darf, ist unsicher.