Zum Inhalt springen

RE:Maccius

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
[Plautus, T. Lat. Komödiendichter
Band XIV,1 (1928) S. 95126
Bildergalerie im Original
Register XIV,1 Register m
Linkvorlage für WP   
* {{RE|XIV,1|95|126|Maccius|[[REAutor]]|RE:Maccius}}        

T. Maccius Plautus (vgl. de Plauti vita ac poesi testimonia veterum; Plauti com. ex rec. Goetz et Schoell, Lips. 1898ff. BT Fase. I p. XVff.).

A. Name und Herkunft. 1. Die Namensform der Ausgaben vor Ritschl, M. Accii Plauti comoediae, hat keine handschriftliche Gewähr, sie erscheint zuerst in italienischen Ausgaben des 15. Jhdts. Zum Geschlechtsgenossen des Tragikers L. Accius freilich, der ja auch sein Landsmann war, machte ihn Paulus Festi p. 239 M. (poeta Accius), indem er beim Abkürzen von dem bei Festus p. 238 vorauszusetzenden Gentilnamen das Pränomen wegzulassen glaubte; ebenso erscheint der bei Festus stets doppelnamige Opillus Aurelius bei ihm entweder als Aurelius oder als Opillus und ganz wie hier Festus’ M. Cato p. 246 und 293 als Cato; der Name wird bei Festus wie in dem fast unverändert übernommenen Satze des Paulus im Nominativ erschienen sein und muß also wohl Maccius gelautet haben: ein Pränomen wird Festus nach seiner sonstigen Gepflogenheit und dem besonderen Zusammenhang der Stelle vermutlich nicht hinzugefügt und so den Irrtum des Paulus ermöglicht haben, dem der Name Accius (stets ohne Vorname) bei Festus oft begegnete. So dürfte Hülsens an sich sehr berechtigtes Urteil (Berl. Phil. Woch. IV [1886] 446), daß für den Gentilnamen aus der Festusstelle nichts zu folgern sei, zu modifizieren sein. Dem bei Paulus überlieferten Namen Accius aber gerade das Pränomen Marcus vorzusetzen, sind die italienischen Renaissancegelehrten wohl durch die unklare Varrostelle (1.1. VIII 36) veranlaßt worden, vielleicht auch durch die ebd. VII 104 in eine Reihe anderer Zitate, darunter sogar 103 Plauti, eingesprengte Glosse Maccius in Gasina (v. 267), die Varro unverändert aas anderer [96] Maccius

96

Quelle übernahm (vgl. Usener Kl. Schr. II900f.). Daß hier durch Varro und oben durch Verrius bezeugte Nomen gentilicium Maccius bestätigt der ältere Plinius im Autorenverzeichnis zu B. 14, 15 und 19. Entdeckt aber wurde es in der Neuzeit erst durch Ritschls Entzifferung von Subscriptiones einzelner Stücke im Codex Ambrosianus, die dazu den Vornamen brachten: T Macci Plauti Casina explicit u. a. Jetzt war es mög-10 lieh, aus dem Mercatorprolog v. 10 und dem Zitat aus L. Accius’ Didascalica bei Gell. III 3. 9 den fälschlich eingedrungenen Namen M. Accius zu entfernen und die Überlieferung richtiger als Macci Titi zu deuten, wobei die Umstellung eich durch den Zwang des Metrums erklärte, da auch letzterer, wie Leo sah (Plautin. Forschungen2, Berlin 1912, 34, 1), auf Prolog-steilen anspielt; die Frontostelle dagegen p. 162 N. wurde durch Hauler (Wien. Stud. XXXII [1911] 160) ausge-20 schaltet, und so wäre, zumal bei dem späteren

Vorkommen des Gentilnamens M. wenn auch nicht in umbrischem, so doch oskischem Sprachgebiete (Hülsen Berl. Phil. Woch. VI [1886] 419, 1. MarxZöGIL [1898) 398. Zimmermann Rh. Mus. LXII [1907] 468f.) über die Richtigkeit des Namens Titus Maccius Plautus kein Zweifel, wenn nicht im Asinariaprolog (v. 11) die durch das Metrum geschützte Namensform Maccus vorläge, die ja den Genetiven Merc. prol. 10 und bei Accius 30 (Gell. III 3. 9) wie im Codex Ambrosianus auch zugrunde liegen kann, ein Widerspruch, den völlig befriedigend zu erklären bisher nicht gelungen ist. Die Übertragung dieses Namens einer Atel-lanenfigur auf unsern Dichter scheint von vornherein wegen des Gegensatzes zwischen dem Os-cum ludicrum und der fabula palliata, sowie zwischen der Stellung der darin auftretenden Spieler (Liv. VII 2. 12) wenig wahrscheinlich, und daß er nach etruskischer Namengebung, die 40 in seiner Heimat wirksam gewesen wäre, Titus

Maccus Plautus heißen konnte, hat zwar Schulze (Latein. Eigennamen, Gött. Abh., 1904, 298f.) bewiesen, aber Leos von ihm wie zuletzt auch anscheinend von Fränkel (Plautinisches im Plautus, Berlin 1922, 32 A) gebilligte Annahme, erst die Gelehrten der Kaiserzeit hätten daraus den dreinamigen Römer T, Maccius Plautus gemacht, scheitert daran, daß Varro Aktenstücke einsehen konnte, worin der Name, und zwar, wie die Akten 50 der Säkularspiele (Z. 149) für Horatius bestätigen, im Nominativ zu lesen war, und daß um sein und Verrius’ vorhin erörtertes Zeugnis nicht herumzukommen ist (unentschieden Leo PI. F.³ 82, 2). Und wenn gar Varros Quaestiones Plau-tinae nach Lindsays Vermutung (Class. Rev. XXXV [1921] 3/4, 67) in fünf Büchern auch des Dichters Leben behandelten, so wird er wohl über den Namen sich haben äußern müssen, wie ja auch Verrius für das Kognomen die umbrische 60 Originalform richtig festgestellt hat (Fest. p. 238).

Jenes Werk hat aber noch den Gewährsmännern des Nonius und Diomedes vorgelegen (Varro frg. 51, 52 Fun.). – Daß nun Maccus ein ursprünglicher Name gewesen und bei der Erlangung des römischen Bürgerrechts durch den Gentilnamen Maccius ersetzt worden sei (Buecheler Rh. Mus. XLI [1886] 12. Zimmermann) ist deshalb wenig glaublich, weil dann die Asinaria [97] 97

Maccius

zu den ältesten Stücken (Radermacher Rh. Mus. LVIII [1903] 636) zählen müßte, während die durchaus an Terentius erinnernde Form des Prologs, die ebenfalls fast terenzische metrische Gestaltung des Stücks, die Heranziehung eines obskuren griechischen Originaldichters, das autoritativ ausgesprochene Urteil v. 13, die Nachahmung anderer Stücke (Leo PLF.² 164, 1) dafür sprechen, das Stück eher in die spätere Lebenszeit des Plautus zu setzen. Aber selbst 10 wenn es eines der ältesten Stücke sein sollte (Hüffner De Plauti exemplis Atticis, Diss. Gött. 1894, 49), ist die Benennung ihres Verfassers nach einer Figur der heterogenen Atellana nur glaublich vermittelst der auch von Leo aufgestellten Hilfshypothese (S. 85), er sei in der italischen Volksposse als Atellanenspieler berühmt geworden und habe sich erst später der Palliaten-dichtung zugewandt: von den dafür angeführten Stellen, Hör. Ep. II 1. 173 und Plaut. Poen. 2( prol. 54, ist jedoch die erstere ein Ausdruck literarischer Kritik an den Stücken, und an der zweiten nicht einmal Plautus¹ Name überliefert (Kunst Studien zur griechisch-römischen Komödie, Wien 1919. 127, 2); Bacch. 214 zeigt aber Plautus nur als Zuschauer im Theater. Wenn sonach das Maccus des Asinariaprologs kaum als ein den Zuschauern bekannter Spitzname des Dichters zu erklären ist und andrerseits ein Gentilname Maccius sowohl an sich glaub- 3 lieh ist, da er in oskischem Sprachgebiet belegt ist und in Rom entweder durch staatsrechtliche Konstruktion (Buecheler) oder als Berufsname (Zimmermann) vorhanden sein konnte, auch das etruskische mace ihm gleichfalls entspricht (Schulze), so ist wohl angesichts des ganz analogen Verses Trin. prol. 19 und der sonst ausschließlichen Verwenng des Namens Plautus in den Prologen und sonst dies nur mit Marx (ZöG II. [1898] 398) als ein Wortwitz zu ver- stehen, dessen Sinn für uns ebensowenig aufzuklären ist, wie Horazene analoges Dossennus, das schon Vahlen (ZöG XXIV [1873] 21f. = Ges. phiL Schr. I 505) als eine nur für die Zeitgenossen durchsichtige Anspielung bezeichnete. Freilich ist die appellative Verwendung von Maceus (zusammen mit dem schon von Plautus Bacch. 1088 so gebrauchten bucco) erst bei Apu-leius (Apol. 81) bezeugt, und für die Prologe ist namentlich wegen des Gegensatzes zu dem ί griechischen die Notwendigkeit eines wirklichen römischen Namens von Kaiinka (BerL PhiLWoch. XLII [1922] 573) mit Recht betont worden; aber das gilt doch ganz streng nur von Merc. prol. 9f., wo dem griechischen Titel Emporos PhUemenis genau der lateinische Mercator ÎÎaeci Titi entspricht, und da sind ja beide Deutungen des Genitive Macci möglich, wenn auch der Name korrupt überliefert ist und der Vers so eine metrische Härte enthält, die weniger mit O. Brugmann (Quemadmodum Romani accentua cum numeris consociarint, Diss. Bonn 1874, 50) durch die enge Zusammengehörigkeit der ja doch umgestellten beiden Namen als durch die Freiheit der Eigennamen entschuldigt wird; wenn aber bei der Aufführung der Asinaria das Publikum die ihm bekannte Wendung Plautus vortit barbare erwarten durfte, war ein Wortwitz wohl zu·

Pauly-Wiseowa-Kroll XIV [98] Maccius

lässig: er wäre nur in seinem wahren Sinn uns ebenso dunkel wie das cum latranti nomine des Casinaprologs (v. 34) oder etwa pairuos pulti-phagonides Poen. 54 und die Plautina prosa* pia bei Minucius Felix und Hieronymus (testim. VI). Auch bei dieser Annahme würde aber die Asinaria als eines der jüngeren Stücke des bereits wohlbekannten Dichters zu betrachten sein.

2. Schon hierbei hat die umbrische, Gallien und Etrurien nächstbenachbarte Heimat des Dichters in Erwägung gezogen werden müssen, und es mag nicht unerwähnt bleiben, daß die wenigen uns bekannten umbrischen Personennamen auf ein dem lateinischen ganz ähnliches System (Vorname, Vatername, Gentilname meist als o-Stamm) hinweisen: Leos Meinung, der Dichter könne als Italiker nur einen M amen gehabt haben, entbehrt ausreichender Begründung. Ob er jedoch wirklich, wie Fest. 238 und Hiero-)nymus zum J. 1817 angeben, Umber und Sarsi-nas war, könnte zweifelhaft erscheinen: jedenfalls bezeugt er selbst (Most. 770), daß da, wo man keine Umbrerin hatte, eine Sarsinatin sein konnte, und auch Polyb. II 24. 7 nennt die Σαρotvätat besonders neben den θΟμβροί in dem Aufgebot gegen die Gallier im J. 225. Die Schwierigkeit ist von Lorenz und Schöll (z. d. St) und von Nissen (Ital. Landesk. II 378) wohl gefühlt, aber nicht behoben: wenn wirklich (Phi-Olipp u. Bd. II A S. 1477, 13) die umbrischen Urbewohner der tiefergelegenen Landschaft sich erst vor den eindringenden gallischen Senonen hierhin in den Apennin hinaufgezogen hatten, mag die Stadt eine gemischte Bevölkerung beherbergt haben, so daß nicht jeder Sarsinas auch Umber war: Plautus aber trug in diesem seinem echt umbrischen Namen, wie Verrius sah, das Zeugnis seiner Herkunft (Leo PI. F.2 81, 2). So ist er also nicht wie Livius oder Caecilius als 0 Sklave, auch nicht wie jener und Ennius (De vir. ill. 47) als Lehrer in Rom emporgekommen.

B. Zeit und Lebensumstände. 1. Cicero fand in Atticus’ Liber annalis (Münzer Herm. XL [1905] 56) den Tod zusammen mit Catos Zensur unter dem Consulat des P. Claudius und L. Porcins 184 eingetragen, und dies Datum, durch Varros Autorität beglaubigt, war wohl wie der Ort Rom (Hieron. 1817) aus den Anfängen römischer Grammatik her in unmittelbarer Tra-50 dition überliefert; ebenso wußte Cicero (Cat. mai. 50), daß er jedenfalls nicht in jugendlichem Alter nach so reicher Produktion gestorben war. So rechtfertigt sich Ritschls Ansatz der Geburt auf etwa 250 v. Chr. (Parerga zu Plautus und Terenz I, Leipzig 1845, 62) oder früher. Von den Stücken hatten die antiken Forscher den Stichus auf 200 und den Pseudolus auf 191 urkundlich datieren können und dies mit andern Angaben (o. Bd. V S. 401) in den erhaltenen Didas-60kalien niedergelegt; letzteres Stuck fiel auch nach Cicero (Cat. mai. 50) ins spätere Lebensalter des Dichters und ebenso der Truculentus. Außerdem sind für uns ungefähr datierbar Miles (v. 211) in die letzte Lebenszeit des Naevius, Cistellaria (Prob v.201) vor Ende des 2. punischen Krieges, Trinummus (v. 990) frühestens 194 sowie Epidi-cus vor Bacchides (v, 214). Höher hinauf datierte seine Produktion Cicero im Staat (Aug. civ. d.

4 [99] 99

Maccius

II 9), indem er ihm mit Naevius die Möglichkeit unterschob, die 212 in Spanien gefallenen Brüder P. und Cn. Scipio anzugreifen; freilich konnte er damals Atticus' Zeittafel noch nicht benutzen, aber auch später nennt er die beiden Dichter regelmäßig zusammen, außer wo er ein Zitat gibt (s. besonders Brut. 60 und Kroll z. d. St.), und hat sicherlich nicht (Leo Pi- F.² 79f.) an P. Africanus als Zeitgenossen des Plau-tus, an seinen Oheim Cn. als den des Naevius gedacht, wie der Wortlaut der Stelle (P et Cn. Scipioni), die Gegenüberstellung des Cato und Caecilius und bes. Rep. I 1, wo den genannten duo Scipiones u. a. auch Africanus und Cato folgen, beweist. Ist dieser Zeitansatz richtig, so kann nicht nur Asinaria v. 124 auf 212 (s. o. A. 1), sondern auch Men. v. 412, nunc Hiero est, auf die Zeit vor dessen Tod 215 gedeutet werden, da hier sicher ein Einschub vorliegt (v. 413 schließt an 409 an, vgl. auch Fränkel PI.i. PI. 368, 1), der allerdings nach Hieros eindrucksvollem Besuch bei den Spielen in Rom im J. 237 viel wirksamer und glaubhafter ist, wenn die Szene nicht in ferne Vergangenheit zurück verlegt werden muß: diese einfachste Deutung ist weder durch Hüffner De PI. exempl-, der S. 48 zugibt: v. 408ff. si Plautus de suo addidit, neces-sario concludendum est Menaechmos eum Romae ante a. 215 docuisse, noch durch Brix-Niemeyer S. 5 widerlegt; ein Indizium für Abfassung in den Zeiten vor 204 sieht auch, ohne diese Bedeutung anzuerkennen, Leo (Gesch. d. röm. Literatur, Berlin 1913, I 32, 1) in den Ausführungen v. 571f.

2. Varros Erzählung (Gell. III 3. 14), Plautus habe durch Arbeiten bei der Bühne Geld erworben, es im Handel eingebüßt, sich dann bei einem Müller für schwere Arbeit verdungen und daneben Stücke gedichtet, von denen drei als in der Mühle verfaßt ausdrücklich (zwei mit Namen) bezeichnet werden, ist von Leo mit Recht mit ähnlichen aus Textstellen gefolgerten biographischen Erfindungen der antiken Literaturgeschichte zusammengestellt worden (PI. F.² 70ff.), der danach ihre Glaubwürdigkeit ablehnte, zuletzt aber (LGI 95) wenigstens«die Möglichkeit zugab; diese radikale Kritik ist besonders von Marx (ZöG II. [1898] 385. Ber. Sachs Ges. LXIII [1911] 3. 39) erfolgreich durch den Hinweis auf die besonderen Verhältnisse in Rom eingeschränkt worden: als die römische Literaturgeschichte begann, lebten noch die Augenzeugen der Erstaufführung manchen Stücks, und das Interesse an dem Dichter hatte sich (Cas. prol. 14) über ein Menschenalter lebendig erhalten: dazu kennen wir Varros Kritik an den Aufstellungen seiner Vorgänger (Cic. Brut. 60. 72) und seine Vorsicht (Klingelhöfer De scaenicis Romanorum originibus, Dies. Münster 1922 B). Ob Plautus wirklich (Liv. VII 2. 8) auch selbst Schauspieler war, ist nicht sicher zu sagen (Reitzenstein Gött. Nachr. 1918, 250A.).

C. Die erhaltenen Stücke. Die Handschriften geben sie in (hier und da gestörter oder variierter) alphabetischer Reihenfolge, da eine chronologische wie bei Terentius wohl nicht mehr sicher zu gewinnen war, als das Interesse dafür in Rom begann (Accius, Stilo, Varro, vgl. Leo LG I 93, 2), Die drei mit A anfangenden [100] Maccius

100

Stücke liefen im Altertum auch als besonderes Volumen um und finden sich daher bei Nonius viel häufiger angeführt; von ihnen ist im Codex A nichts erhalten.

1. Amphitruo. Die übliche Namensform ist weder die des Dichters (Ampifuo) noch der Handschriften (meist Amphitrio, Goetz Praef. p. VII), sie liegt vor im Argumentum acrosti-chum und findet sich auch vereinzelt bei Gram-10 matikern (Gell., Donat. vgl. die testimonia bei Goetz-Loewe). Sie ist also entweder eine Erfindung der Archaisten oder stammt aus der Zeit, wo schon aspiriert, aber Y noch nicht geschrieben wurde, d. h. dem Ausgang des 2. Jhdts. v, Chr., was zu Tatsachen der Textgeschichte (Erhaltung des ausl. -d beim Fron, pers.) paßt (vgl. auch Captewei, Menaeehmei, Stichus in den arg. acr., Culindrus Men. 218, dag. 294f. u. a.). Das griechische Original wird man nicht in der alten 20 Komödie, obwohl wir nur von Archippos zwei Stücke gleichen Titels (Kock I 679) und von Platon eine Ννξ μακρά (Kock I 624) kennen, die auch Übereinstimmungen aufweist (Frantz De comoediae Atticae prologis, Straßb. 1891, 40), und erst recht nicht bei Rhinthon suchen dürfen. sondern in der νέα (Vahlen Ges. Schr. I 437ff.), wofür man die Anlage der Schlacht (v. Wi-lamowitz Eur. Her. II v. 1078. Hüffner De Plauti exempl., Diss. Gött. 1894, 71, doch s. 30 Schwering Ad Plauti Amph. proleg., Diss. Münster 1907, 35ff. Fränkel Plautin. im Plautus, Berl. 1922, 349ff.) verwertet hat. Einarbeitung aus einem zweiten Original (sog. contaminatio) wurde nach Kakridis (Barbara Plautina, Athen 1904, 59ff.) von Leo angenommen und in höchst künstlicher Weise im einzelnen dargelegt (Gött. Nachr. 1911, 254ff.; vgl. LG I 131f.), von v. Wilamo-witz (S.-Ber. Akad. Berl. 1911, 485f.) zurückgewiesen (dagegen Leo PI. F.2 185, 2), dem 40sich Prescott (Class. Phil. VIII [1913] 14) und Prehn (Quaest. Plaut-, Diss. Breslau 1916, 81ff.) anschließen, bei Fränkel nicht mehr erwähnt (s. auch Kunst Studien z. griechisch-römischen Komödie, Wien 1919, 174). Die Besonderheit des Stoffes aus der Götter- und Heroensage charakterisiert der Prolog durch die Scherzbenennung als tragicomoedia (Schwering IF 37 [1916] 139ff.), wie denn manche Szenen in Charakterzeichnung und Stil der Tragödie sehr nahe stehen.

50 Dies und der durchgehend römische Ton, auf den Palmer in der Vorrede hinwies, ist an der großen Schlachtschilderung von Fränkel (PL i. PI. 349ff.) aufgezeigt; Ähnliches gilt z. B. von den Schlußszenen (Fränkel De media et nova com., Diss. Gött. 1912, 63. Prehn Quaest. PL 87). Der vielleicht erst in der Überlieferung hier und da verwirrte Prolog enthält Anspielungen auf Zeitereignisse, die mit anderen zum Ansatz der Aufführung im J. 201 geführt haben 60 (Schwering Diss. 25fi-.), so daß das Stück dann zwischen Cistellaria und Stichus fallen würde. Sichere Spuren späterer Überarbeitung sind wenig zahlreich, die v. 65 vorausgesetzte Einrichtung weist nach Steinthai (De Interpol. Plaut. Diss. Berlin 1918, 1ff.) auf nachplautinischen Ursprung von v. 1–96; ob Arnobius (VII 33) es wirklich noch auf der Bühne sah, ist sehr fraglich. Eine verlorene Bearbeitung des Stoffs unter dem Titel [101] 101 Maccius}}

Geta etwa des 4. Jahrh. diente im Mittelalter Vitalis von Blois als Vorlage für eine Komödie in elegischem Maße, ähnlich wie der Querolus (s. u. C 3). Nach v. 1034 sind in der Überlieferung mehrere Szenen verloren, deren Inhalt leidlich sicher zu ermitteln ist (Schwering Dies. 48ff.) Sonderausgaben: Palmer, London 1890. Havet, Paris 1895. Amatucci, Neapel 1904.

2. Asinaria. Die Form des Titels (erg. fabula v. 10) findet sich öfter auGer bei Plautus 1( noch bei Naevius und in der Atellane (Wölff-lin Eh. Mus. XIIII [1888] 308) und dürfte also echt italisch, vielleicht schon für vorliterarisches Bühnenspiel üblich gewesen sein; Bedenken über die Auslegung bei Rost Opusc. Plaut. I 297ff. widerlegt Ritschl Parerg. 140ff. Das griechische Original war nach dem Prolog der Onagros des sonst unbekannten Dichters Demophilos (Meister Festschr. für ßezzenberger, Gött. 1921, 103ff.), nach jüngeren Hss. und in den2 Ausgaben Onagos, letzteres schon wegen der dorischen Form unglaublich und zur Handlung des Stückes auch nicht passend. Die darauf gegründete Annahme starker Umgestaltung des Originals wird auch durch Anstöße der Komposition, Undeutlichkeiten und Unstimmigkeiten, die auf sehr flüchtige Arbeit des lateinischen Dichters schließen lassen, nahegelegt. Leo erschloß deshalb Entlehnung von 12 und 13 aus einer anderen Vorlage (so auch Kunst Stud. 155), da-3 gegen wie gegen andere Versuche, jene Schwierigkeiten zu heben Ahrens De PI. Asinaria, Diss. Jena 1907, unentschieden Fränkel PI. i. PI. 278, 1, der (127, 1) starke Erweiterung der Sklavenszenen durch Plautus annimmt, wie denn das Stück durch die niedrige Sphäre und den entsprechenden Ton, der darin herrscht, auch eine Sonderstellung einnimmt (Ritschl Opusc. II 750. Götz praef. VIHf. XVII.) Der nach v. 12 für die Erstaufführung verfaßte (doch s. Rib-4 beck Eh. Mus. XXXVII [1882] 55) Prolog weicht auch von den übrigen stark ab (Leo PI. F.² 200, vgl. 217) und wird wegen des Namens Maccus als Beweis für frühe Abfassung betrachtet, die Radermacher (Rh. Mus. LVIII [1903] 636) wegen v. 124 ins J. 212 datierte: manches, das eher für einen späteren Ansatz spricht, ist oben (A 1) bei der Erörterung der Namensform zusammengestellt; das v 884 ganz unvermittelt erscheinende Motiv des Manteldiebstahls dürfte von ί Plautus aus den Menaechmen, wo es die ganze Entwicklung der Handlung mitbestimmt, ebenso entlehnt sein, wie das Traummotiv im Mercator aus dem Rudens (s. u. C. 11 und D.). Umarbeitung für spätere Aufführungen ist verschiedentlich angenommen, doch sind beanstandete Zusätze, Dittographien, Verkürzungen wenig sicher (Ahrens 26ff.). Sonderausg. Gray Cambridge 1896.

3. Aulularia. Daß ein Original Menanders zugrunde liege, ist aus allgemeinen Erwägungen recht wahrscheinlich, eine bekannte Komödie zu erweisen (Dyskolos, Hydria, Thesauros), reicht das Material nicht aus; Hibeh Pap. I 24ff. ist wohl kein hierher gehöriges Stück: Blaß Rh. Mus. LXII [1907] 102. Schwierigkeiten macht besonders, daß zwei verschiedene Sklaven, die in den 2 Teilen des Stückes auftretefi, denselben Namen Strobi- [102] Maccius

102

lus tragen – etwas Ähnliches findet sich in den Hss. Mil. 1429ff. (s. Kun st 179, 3) – der auch mehrfach im Text erscheint, für den aber in einer Szenenüberscbrift des ersten Teils II 7 Fitodi-cus (wohl Pythodicus) überliefert ist; hinzukommt die Unklarheit, daß der Jüngling Lyconides einmal V. 727 auf das Haus seines Oheims Mega-dorus (auch abweichend vom plautinischen Gebrauch) mit hie ante aedis nostras weist: bei) dem inneren Zusammenhang beider Anstöße liegt die Annahme einer nachträglichen Änderung einer ursprünglichen Anlage nahe, die man entweder Plautus selbst oder einem späteren Überarbeiter schuld gibt. Letzteres dürfte die größere Wahrscheinlichkeit haben (Enk Mnemos. XLVII [1919] 84), obwohl der Zweck der Änderungen nicht klar ist (Goetz Praef. IX), auch wenn man der herrschenden, übrigens unbewiesenen Ansicht folgt, daß Plautus mehr auf Erweiterung der) Originale, seine Überarbeiter auf Verkürzung ausgegangen seien; sonstige Spuren ihrer Tätigkeit, die man bemerkte, sind nicht geeignet, die Entscheidung zu geben. Die Annahme, Plautus habe eine Szene eines anderen Originals eingearbeitet (Kunst 118), vertritt v. Wilamowitz (Menan-der, Schiedsgericht 135) n ach Leo; anders Funck Rh. Mus. LXXIII [1924] 456. Das Interesse der Spätzeit an dem Stoff erweist die erhaltene Bearbeitung im Querolus etwa des 4. Jhdts., wo-0 nach im Mittelalter Vitalis Blesensis seine Aulu-laria verfaßte (Teuffel-Kroll IIIe 276f.). Der Schluß des Stücks ist in unserer Überlieferung durch Blattausfall mit dem Anfang der Bacchides verloren, doch der Gang der Handlung nicht zweifelhaft Sonderausgabe Göller, Köln 1825. Wagner,² Cambridge 1876. Francken, Groningen 1877. Langen, Münster 1889. Ama-tucci, Neapel 1908/ Thomas, Oxford 1913. Kunst, Wien 1923.

0 4. Bacchides. Das Stück stand in A vor

den vier mit C anfangenden Stücken, unsere Hss. (P) haben es hinter dem Epidicus im Anfang des 2. Volumen; hier scheint ursprünglich ein Blätterausfall den Verlust seiner Anfangsszenen zusammen mit dem des Schlusses der Aulularia veranlaßt zu haben, und dann wird die Umstellung eher eine mechanische Ursache haben (Seyffert Beil. Phiï. Woch. XIX [1901] 620) als durch die Erwähnung des Epidicus v. 214 veranlaßt sein. – >0 Als Original ist Menanders Δίς ἐξαπατῶν, wovon frg- 125 K mitv.816 übereinstimmt, von Ritschl zwingend aus der Handlung, einem Doppelbetrug des Chrysalus, erschlossen. Dazu paßt nicht der Vergleich seiner Taten mit drei Schicksalen Iliums v. 953ff., 1053ff., und so versteht man Franke 1s (Diss. 100, PI. i. PI. 61) von Leo angenommene Vermutung der Einarbeitung der dritten List (des zweiten Briefs) aus einem andern Stück durch Plautus. Doch scheitert sie an v. 109060–1101 zusammen mit 1128, die schon Ritschl mit Recht (Parerg. 405. Opusc. II 365) dahin deutete, daß nur die erfolgreichen beiden Listen als ἐξαπατάν bezeichnet waren, während die erste Lüge (v. 525. 696. 957) hier außer Betracht bleiben mußte; so erledigen sich durch Plautus’ eigene Worte die Versuche von Prehn (Qnaest. PI. 66f.) und Kunst (Stud. 109f.), die beiden Briefe als eine einheitliche List aufzufassen, die [103] 103

Maccius

dann (so Prehn richtiger als Kunst) in der dem Alten beigebrachten Meinung bestehen mußte, es handle sich um eine verheiratete Frau (v. 961. Weber Philol. 57 [1898] 236ff.), nicht um eine Hetäre. Letzterer konnte in der Tat nur einen zweimaligen Hereinfall beklagen (v. 1094f.), während Chrysalus drei Taten gegen ihn aufzuzählen hatte, von denen er die erste vereitelte schon als duplex facinus (v. 641) gerühmt hatte. Daß im übrigen Plautus das Original sehr frei umgestaltete, ist besonders für IV 8, auch für V 2 von Fränkel (PI. i. PI. 61ff-, 72ff.) sehr wahrscheinlich gemacht, wenn auch sichere Dittogra-phien (s. ebd. 66, 1, auch z. B. 377/378 382), nachplautinische Überarbeitung erkennen lassen, die freilich nicht in dem Umfang zu beweisen ist, wie man früher vielfach annahm. Der Gang der Handlung in den verlorenen Eingangsszenen ist aus dem Stück und den Fragmenten ziemlich herzustellen; s. Bibbeck Rh. Mus. XLII [1887] 111. Baar De Bacch. Plaut. Diss. Kiel 1891. Weniger sicher ist die Entscheidung über den korrupt überlieferten v. 107, der nach Leos (Herm. XLVI [1911] 292ff.) von Lindsay (Class. Quart. VII [1913] 1f. und XIV [1920] 49) gebilligter Meinung ein Zeugnis für das Auftreten eines an der Handlung unbeteiligten Chors darstellt, wie er in der jüngeren griechischen Komödie als regelmäßige Einlage in zahlreichen Beispielen neuerdings erkannt ist, während Conrad (Technique of continous action in Rom. com., Chicago 1915) dies bestreitet (Köhler Bursian CXCII 14. Kunst Stad. 107, 2; auch Leo PI. F.² 227, 3). Für die Aufführung ist aus v. 1073 das J. 189 erschlossen (Bits chl Parerg. 425), woneben 187 (Anspach Jahrb. f. Philol. CIXI. [1889] 355) auch in Betracht kommt (dag. Höffner 35f.); Fränkels Ablehnung dieses Schlusses (PI. i. PI. 235) beruht wohl auf modernem Empfinden, vgl. Münzer Röm. Adelspart., Stuttgart 1920, 202, 1. Das Stück war das erste, das von Ritschl Halle 1835 vorläufig auf Grund seiner damaligen Kenntnis der handschriftlichen Überlieferung herausgegeben wurde, wogegen G. Hermann seine abweichende Auffassung in einer Ausgabe Leipzig 1845 vorlegte. Sonderausg. MCosh London 1896.

5. Captivi. Die Betonung der Verschiedenheit des Stoffs von der üblichen Erotik in Prolog (v. 55ff.) und Epilog (v. 1029ff.) weist, da sie doch wohl aus dem Original stammt (vgl. die freilich andersartigen Epiloge zu Asin, und Bacch.), auf eine vorangehende längere Entwicklung der νέα κωμωώία (Leo PI. F.² 141, 2), und der den Hintergrund bildende unbekannte Krieg zwischen den Aetolern und Elis dürfte dazu passen. Auffallend ist die Namensform Alis (davon Alèus mit lateinischer Quantität und sogar mit lateinischem Suffix Alidensis v. 880), die weder attisch noch epichorisch ist (die Münzen λαλειων s. o. Bd. V S. 2380). Die zahlreichen römischen Anspielungen sind fast alle dem Parasiten in den Mund gelegt, ohne daß deshalb diese Rolle dem Original gefehlt haben könnte (Herzog Jahrb. f. Philol. ὌΧΤΠ [1876] 363. Kakri dis Barbara Plautina, Athen 1904, 19ff.; dagegen H üffner W.kl.Ph. XXII [1905] 712); sie wird von Plautus (Fränkel PI. i. PI. 245ff.) aus- [104] Maccius

104

gestaltet sein, manches vielleicht auch von Überarbeitung bei Neuaufführungen herrühren (Karsten Mnemos. XXI [1893] 289ff. Kunst Stud. 177): da stehen auch trotz des Epilogs einzelne Zweideutigkeiten, (v. 867, 888), eine sogar in der Rolle des Vaters v. 966, dessen Charakter auch sonst nicht einheitlich (so besonders I 2) erscheint. Für die Zeit der Aufführung bieten sich in den Anspielungen (v. 160ff. 881ff. 888) 10keine sicheren Anhaltspunkte. Lessings überschwängliches Lob des Stückes dürfte heute nicht angemessen sein. Sonderausg. Sonnenschein, London 1879 und Leipzig 1880. Brix«-Niemeyer, Leipz. 1910. Hallidie, London 1891. Lindsay, London 1900. Pascal, Turin 1918-Waltzing Lüttich 1921.

6. Casina. Der Prolog bezeugt als Vorlage Diphilos’ Klerumenoi und als lateinischen Titel Sortientes, doch hatte Vendus Flaccus (Paulus 20 p. 61, 7 M.) Anlaß genommen, den Titel Casina als plautinisch zu erklären; Verkürzung der Handlung durch Plautus erfahren wir im Prolog (v. 65f. mit 37f.), und ihr sind danach die Rollen des Adulescens und seines Sklaven sowie der Schluß mit Anagnorisis und Hochzeit zum Opfer gefallen (v. 1013L; vgl. Cistell. 782 und Ter. Andr. 980. Schöll Praef. Cist. X). Die Glaubwürdigkeit dieses Zeugnisses wird wohl nicht dadurch beeinträchtigt, daß der Prolog sicher 30 zum Teil (wenigstens v. 5–20) erst für Neuaufführung ein Menschenalter nach Piautus verfaßt ist, wie Ritschl (Parerg. 180ff. Opusc. II 658ff.) gezeigt hat; seine literargeschichtliche Bedeutung ist durch Leo (LG I 212) erklärt; daß ihn ursprünglich eine Gottheit Fides sprach (Skutsch Kl. Schr. 184), ist weder überliefert, noch besonders wahrscheinlich (Fränkel PI. i. PI. 29, 2), ebensowenig die Datierung des Originals wegen v. 334 auf die Zeit bald nach dem Tod Alexan-40 ders (ebd. 97, 1). Die Verkleidungsszene ist nach vielfacher Annahme erst von Plautus eingefügt, und zwar nach Fränkels (S. 292ff.) eingehender Darlegung wohl aus einem anderen griechischen Original (dazu Immisch S.-Ber. Akad. Heidelb. 1923, VII 40f.); aber auch so bleiben ungelöste Fragen, so die von Leo PI. F.2 208, 1 erwähnten, der Zweck und Inhalt der Verse 769–772, endlich die zwei Zusammenstöße mit dem Verkleideten V 2 (Olympio) und V 3 (Lysidamus), 50 wovon der erste, wie noch Fränkels Erörterung zeigt, auch in der uns vorliegenden Bearbeitung ganz unerwartet ist, so daß man (Schmitt De Pseudolo, Straßburg 1909, 60ff.) ihn nach jener Betrachtungsweise für sich als Einschub erklären müßte. Ebensowenig befriedigen aber Prehns (Quaest. Plaut 80f.) und Kunsts (Stud. 138ff.) Versuche, all dies so aus dem Original herzuleiten: doch braucht man deshalb nicht an die Hilarotragödie oder gar die Atellane als Quelle 60 zu denken (Leo nach Ladewig; s. Fränkel 312; dagegen Immisch 41). Spuren einer Überarbeitung für die Neuaufführnng sind wenige erkennbar (Schöll Praef. VIII), die Lücken im letzten Teil beruhen auf übler Erhaltung des Archetypus P und werden durch A nur wenig ergänzt. Aus v. 980 erschloß Ritschl eine Aufführung nach dem Bacchanalienskandal 186, während Mommsen ein früheres Jahr wahrschein· [105] 105

Maccius

lieber fand; der Schluß vers des Prologs gestattet auch keine genauere Datierung (Skutsch 186, 2 nach 201 v. Chr.), noch weniger die sprichwörtlichen Redensarten v. 524 und v. 968. Der im Text nicht begegnende, nur in Szenenüberschriften in P überlieferte Name des Greises Stalicio (Stalino) der älteren Ausgaben ist aus einer Korruptel in v. 960 abgeleitet (Lindsay Ancient éditions of Plantas, Oxford 1904, 94) und aus A durch Lysidamus ersetzt (Studemund Ind. lect. 10 Greifswald 1871/1872).

7. Cistellaria. Das Original war ein Werk Menanders, wie die Übereinstimmung von v. 89–93 mit fr. inc. XXXII Men., 558 K. erweist, und da Festus zweimal (301 und 352 M.) den v. 408 aus Plautus in Sy(m). anführt, bat man nach Analogie seiner Mostellariazitate (Plautus in Phasmate 162, 305 M.) darin den griechischen Titel gesehen und auf Syms oder Syra geschlossen, was eine der jetzt namenlosen Personen 20 sein möchte; der in A unvollständig erhaltene v. 283 schließt ersteres ans, dagegen könnte letzteres die Lena sein, die in der Tat dem Stück den Namen geben konnte; Prehns (Qu. PI. 10, 1) von Kunst (Stud. 112) gestützte Vermutung, es lägen die Synaristosai zugrunde, ist durch die Lücke im Festuskodex ausgeschlossen (s. Festus ed. Lindsay 391). An Menander erinnert außer der Erfindung und Führung der Handlung (Epitr., Perik., Andr. s. Kunsts auch der Prolog des Gottes 3( Auxilium nach der Eingangsszene (vgl, Heros), dessen Beziehung zur Handlung allerdings unklar bleibt und nur in seinen von Plautus herrührenden Schlußworten eine uns nicht völlig durchsichtige (Langen Plautin. Studien, Berßn 1886, 282) Erklärung findet (v. 200). Der abrupte Schluß v. 782f. (vgl. Ter. Andr. 980) läßt an eine Verkürzung durch Plautus denken, dagegen sind Erweiterungen durch ihn nicht erkennbar außer der Aufforderung v. 196–202, die das Stück 4( in die Zeit des punischen Krieges verweist; dabei braucht die auf der Bühne zur Schau getragene Siegeszuversicht kein Beweis für den Ansatz in die letzten Kriegsjahre zu sein, zumal die Erwähnung der socii, auxilia, perduelles eher für frühere Zeit paßt. Jüngere Zutaten (v. 125–132) scheinen diesen aktuellen Prolog für spätere Aufführung entbehrlich zu machen bestimmt, anderes Entbehrliche (v. 126–129) fehlt in A oder ist sonst als Dittographie (v. 708–722) er- 51 kannt. Durch P ist nur etwa die Hälfte des Stücks erhalten, die nach v. 228 einsetzende, in den Hss, nicht markierte Lücke ist nach A auf über 600 Verse zu errechnen, wovon nur einzelnes in dessen Resten im Zusammenhang vorliegt: Studemund Studien auf d. Geb. d. arch. Lateins II (1891) 417.

8. Curculio. Die Handlung, die Übertölpelung eines Miles und Leno durch den Parasiten nebst der durch einen Ring herbeigeführten 6 Anagnorisis mit folgender Verlobung, ist ebenso stereotyp wie die Charaktere, unter denen von den landläufigen nur der des Senex fehlt, so daß man die Vorlage nicht in die Frühzeit der νεά setzen (Kunst Stud. 167) möchte; eine Neuerung ist sodann, daß der Miles als Bruder des Mädchens erkannt wird. Mancherlei Undeutlichkeiten haben zusammen mit dem nur auf die [106] Maccius

106

Hälfte des Üblichen sich belaufenden Umfang (Langrehr Progr. Friedland i. M. 1893) die Hypothese einer Zusammenstreichung für spätere Aufführung nahegelegt; diese ist durch dieEinzel-interpretation von Bosscher (De PI. Cure., Leiden 1903) vielfach erschüttert, mehr aber durch Fränkels (PI. i. PL 153, 1) Hinweis auf die Möglichkeit, mit Plautus, dessen Umgestaltung der Vorlage öfter erkennbar ist, als dem Urheber auch davon zu rechnen. Einer Verkürzung wäre wohl sicher die behaglich breit angelegte Exposition (Leo PL F.² 196) und vor älem der Monolog des Choragus IV 1 zum Oper gefallen, eine Absonderlichkeit dieses Stückes, die mit ihrer kühnen Durchhechelung der Forumsbesucher doch wohl echt plautinisch sein dürfte, wie denn auch V. 472 und 485 einander zu ersetzen bestimmt sind und also auf wiederholte Aufführung der Szene hinweisen. In der Tat wird nichts Wesentliches vermißt, und Leos (PI. F.² 221) Annahme, daß ein Prolog in Verlust geraten sei, würde manche Bedenken erklären. Zu einer Datierung bieten sich weder für das Original noch für die lateinische Bearbeitung ausreichende Handhaben. In A ist nichts erhalten, auch fehlt D.

9. Epidicus. Das von v. Wilamowitz (Ind. Schol. Gött. 1893/1894, 14) auf etwa 290 nach historischen Anspielungen datierte Original bot eine reiche und verwickelte Handlung, vod I der in unserm Stück manches mehr angedeutet, als in der sonst üblichen Breite ausgeführt wird; dem Verdacht der sog. Contaminatio (Teuffel-Kroll Ie 173) ist jedoch neuerlich das auffallend kurze Stück entgangen (L e o PL F.² 198, 2), vielmehr operierte man mit der Annahme des Verlusts eines aufklärenden Prologs, die von Goetz (Praef. Epid. 3 XV, ebenso Kunst Stud. 169, 3) treffend zurückgewiesen wurde, oder der Änderung des Schlusses durch Plautus, der die 1 angebliche Geschwisterheirat des Originals die das attische Recht gestattete, seinem Publikum nicht habe bieten dürfen, ,es wäre für römische Begriffe ein Greuel gewesen' (Leo LG I 133 nach Dziatzko Rh. Mus. LV [1900] 104. Fre-dershausen Herm. XLVII [1912] 204. Kunst Stud. 168). Solche Empfindlichkeit glaubhaft zu machen, fehlt es an ausreichenden Beweisen, und so ist Fränkels Ablehnung auch dieser Hypothese trotz mancher bedenklichen Einzel-) heiten seiner Darlegung durchaus glaublich, auch ein Zeugnis wie Men. v. 7–9 spricht dagegen. Die VorSebe des Dichters für dies Werk (Bacch. 214) mag sich aus der Ausgestaltung der Titelrolle durch ihn erklären, in der Pellio seine Ansprüche nicht befriedigte, der doch 200 seinen Stichus aufführte. Man schließt daraus auf eine Abfassung nahe diesem Jahr, in dem das Verhältnis noch ungetrübt war, und Leo hat (Vin-diciae Plaut. Ind. lect., Rostock 1887/1888, 6) 0 durch Deutung von v. 350f. auf die Verurteilung des L. Hostius die Vermutung gestützt. Wenn nun schon die Bacchidesstelle die Möglichkeit einer Darstellung durch einen andern Protagonisten andeutet, so zeigen einzelne Spuren auch spätere Überarbeitung zum Zweck wiederholter Aufführung (Langen PL Stud. 288ff.). Moderne Beurteiler vermissen den springenden Übermut und die plautinische Lebendigkeit, doch [107] 107

Maccius

steht dem eine Fülle von Wortspielen und Wortwitzen gegenüber, die uns zum Teil entgehen (Weber Philol. LVII [1898] 243). Sonderausg. Ammendola Citä di Cast. 1917.

10. Menaechmi. Der geschlossene und symmetrische Aufbau der Handlung (Goldbacher Festschr. f. Vahlen, Berlin 1900, 205) läßt recht engen Anschluß an das griechische Vorbild vermuten, das nach Athen. XIV 658L auf Posei-dippos zurückgeführt wird (Hüffner De PL 10 exempl. 56ff.), unter dessen Stücken zwar nicht der sonst häufige Titel Δίδυμος aber doch 'Όμοιοι bezeugt ist. Doch sind eigne Zutaten des Plau-tus wohl erkennbar, besonders in den Monodien (Fränkel PL i. PI. 160. 243. 354) sowie einzelnen Wortwitzen und Anspielungen, woraus sich vielleicht auf die Abfassungszeit schließen läßt (s. o. B 1). Zielinskis Versuch (Quae-stiones comicae, Petersburg 1887, 75ff.), ein Märchen als Quelle des Stoffs nachzuweisen, erman- 20 gelt genügender Grundlagen, so verbreiteter Be-liebheit(ThieleHerm.LXVIII[1913] 536, 1) sich dieser auch erfreut hat: so fehlt es auch nicht an Anzeichen wiederholter Aufführungen, wie v. 3 oder die Unebenheiten in IV 2 (s. Leo zu v. 604), endlich v. 1099ff. (Kunst Stud. 171, doch s. 140, 1), wenn auch hier sichere Kriterien kaum zu gewinnen sind. Für die Textgeschichte wichtig ist die Wiederholung der v. 1037–1044 in P hinter v. 1028 in einer auch von A und No- 30 nius abweichenden Fassung, vgl. Leo PL F.² 16f. Seyffert Berl. Phil. Woch. XVI [1896] 252ff. 283ff. Lindsay Ancient éditions of PL Oxford 1904, 51. Sonderausg. Brix-Niemeyer⁵, Leipz. 1912. Wagner3, Cambridge 1892. Vahlen, Berl. 1882, Jones, Oxford 1918. Knight, Cambridge 1919.

11. Mercator. Der Epilog hebt wie bei Asinaria, Bacch., Casina das Motiv des verliebten Alten besonders hervor (Leo PI. F. ² 156), das 40 hier nach dem Zeugnis des Prologs in Philemons (Emporos) Behandlung Plautus’ Vorlage war, an die er sich anscheinend eng angeschlossen hat: die von Kunst (Stud. 143ff.) angenommene Verkürzung (v. 1005) ebenso wie die Erweiterungen von 12 und V 2, die Fränkel (PL i. PL 224ff.) nach weist, würden auch bei zwingenderer Begründung das Ganze der Handlung wenig berühren. Anders steht es mit der Traumerzählung v. 225, die so auffallende Ähnlichkeiten mit Rud. 593 50 zeigt, daß ein Zusammenhang unleugbar ist und bei der allgemein zugegebenen Vorzüglichkeit der letzteren nach der üblichen Beurteilung solcher Übereinstimmungen zur Erklärung der ungeschickten Nachahmung im Mercator führt: diese einem nachplautinischen Bearbeiter zuzuschreiben (Kellermann Comm. Jenens. VII 1, 193ff.), reichen die Indizien nicht aus (Fränkel PL i. PL 206, 1), wahrscheinlicher ist die von Marx eingehend begründete Vermutung, daß 60 hier ein Stück unabhängiger Poesie des Plautus vorliege (S.-Ber. Akad. Wien CXI. [1899] ὝΙΠ), die auch Fränkel (PL i. PL 198ff.) angenommen und weiter zu stützen versucht hat, obwohl sie zu seiner sonstigen Vorstellung von Plautus’ Eigenart nicht recht stimmt; jedenfalls ist sie glaubhafter als Leos Ansicht (PL F.² 164), er-lunden habe das Motiv Philemon, aufgenommen [108] Maccius

108

habe es und dafür eine bessere Geschichte erfunden und gestaltet Diphilos in der Vorlage des Rudens. Noch weniger begründet sind Beziehungen zu Menanders Dis exapaton (Plaut. Bacch.), die Dietze (De Philemone, Diss. Gött. 1901, 13ff.) zur Zeitbestimmung verwendete. Für die Feststellung des Jahres der Aufführung fehlt jede Handhabe, Überarbeitung ist bei v. 983f. von Abraham nachgewiesen (Leo PI. F.2 306, 1) und auch sonst hier und da glaublich (Leo zu v. 848), wobei nachherige Verkürzung, aber auch Erweiterung denkbar ist (Leo zu v. 372. 619).

12. Miles gloriosus. Vorlage war der Ἀλανῶν eines griechischen Dichters, den der Prolog (v. 85) zu nennen unterläßt, ebenso wie beim Poenulus (v. 53), wo allerdings die Überlieferung gestört ist, und diese beiden Stücke haben in der Neuzeit als besonders sichere Beweisstücke dafür lierhalten mässen, daß Terentius’ Berufung auf Plautus’ Vorbild gegenüber dem Vorwurf des contaminare Graecas fabulas zutreffend sei. Die komplizierten, immer wieder wechselnden Annahmen, die man dabei machte, erhöhen die Glaubwürdigkeit dieser Theorien ebensowenig wie die widerspruchsvolle Vorstellung von der dichterischen Persönlichkeit des Plautus, die dabei zutage tritt, indem er einmal als ,der erfahrene Bühnenpraktiker' erscheint, hier aber u. a. ohne zwingenden Grund ,mit v. 804 abgebrochen und in die Bahnen des andern Originals eingelenkt* haben soll, worin ,der Zuschauer geradezu gezwungen ist, einen Appell an sein Aufmerken zu sehen* (Fränkel PI. i. PI. 149. 254, 1. 256), der aber zu der weiteren Entwicklung der Handlung nicht mehr paßt, so daß eine direkte Irreführung des Publikums angenommen wird, die Walther (De contamination!« ap. PI. et Ter. diversa ratione, Jena 1910, 15f.) sogar durch einen Zusatz des Plautus selbst geschehen läßt. Am glaubhaftesten ist noch der Nachweis, daß die Lucrioszene III 2 die Handlung störend und widerspruchsvoll unterbricht und sich glatt ausscheiden läßt (Köhler Ausg. Brix⁴ lOf. Fränkel PI. i. PL 258ff.), ihre Einfügung erinnert in manchem an die der Traumerzählung im Mercator, und sie könnte sogar nachplauti· nischen Ursprungs sein. Schwerlich aber kann dieser demselben zugeschrieben werden, der in die Alazon-Handlung das Motiv der durchbrochenen Wand eingelegt haben soll und dabei zahlreiche Verklammerungen nötig fand (Köhler 14f.), direkte Widersprüche jedoch vermied. Die am eingehendsten von Leo (PI. F.² 179) dargelegte Contaminationstheorie beruht auf der durch zahlreiche spätere Märchenerzählungen (Zarncke Rh. Mus. XXXIX [1884] 1ff.) nahegelegten, aber unbeweisbaren Vermutung, daß ,dem Herrn dieselbe Überzeugung beigebracht werden mußte wie dem Diener, erst dann war die komische Wirkung vollständig*. Da ist ein Verdienst von F r ä n k e 1 der Nachweis, daß bei der Hereinziehung der Lucrioszene in diese Untersuchung auch Leo in die Irre gegangen sei und unbefangene Auffassung nach dem Vorgang anderer (S. 262, 1) zu anderem Ergebnis führe; die Dinge liegen eben viel verwickelter, als daß sie mit unserem Material einfach geklärt werden könnten: s. auch Mesk Wien. Stud. XXXV [109] 109

Maccius

(1913) 212f. K. Meister Jahresber. d philol. Ver. XLVIII [1922] 222. Während aber das in der Lucrioszene beobachtete Verfahren dem teren-zischen entspricht (Köhler 11. Fränkel 262), hatte jene angenommene Ineinanderarbeitung der Handlungen zweier Stücke mit verschiedenartiger Intrigue (Fränkel 258), wie Schwering (N. Jahrb. XXXVII [1916] 167ff.) gezeigt hat, gar nicht als contaminare bezeichnet werden können. Die Aufführungszeit wird durch 10 die Anspielung auf das Gefängnis des Naovius (v. 211f.; vgl. Fest. 36, 2 M.) in das Ende des 3. Jhdts. v. Chr. bestimmt (Marx S-Ber. Sächs. Ges. LXIII [1911] 3 S. 75ff.). – In bezug auf die metrische Gestaltung nimmt das Stück eine Sonderstellung ein, indem Cantica in wechselnden Rhythmen völlig fehlen, während sie in der ungefähr gleichzeitigen Cistellaria, auch im Sti-chus, fast überwiegen, so daß sich hier eine Entwicklung nicht erkennen läßt; ebenso singulär 2( ist dagegen eine umfangreiche Szene (v. 1011–1093) in anapästischen Langversen, einem Metrum, das so bei Plautus nicht wieder erscheint und bei Terentius jedenfalls gänzlich fehlt. Son-derausg. Lorenz², Berlin 1886. Brix-Köhler¹, Leipzig 1916. Bibb eck (mit Übersetzg.), Leip-1881. Tyrrell³, London 1889. Cocchia, Turin 1893. Terzaghi, Mailand 1916. Zuretti, Turin 1918.

13. Mostellaria. Der von Festus zwei-3 mal (162. 305 M., anders 166) dem Stück beigelegte Titel Phasma hat nach verschiedenen Indizien auf Philemon als Verfasser des Originals zu schließen erlaubt (Ritschl Parerg. 160), und dies ist durchBuechelers undLeos Deutung der Überlieferung v. 1149 (Herm. XVIII [1885] 560) sowie manche Ähnlichkeiten mit Mercator und Trinummus bestätigt (Kunst Stud. 144ff.). Über freiere Gestaltung der Vorlage in Einzelheiten hat besonders Leo (LG I UOf.) mancher-4 lei Vermutungen vorgetragen, die von Fränkel (PI. i. PL bes. 168ff. und 334f.) teils widerlegt, teils modifiziert wurden. Parallelfassungen für wiederholte Aufführungen sind verschiedentlich wahrscheinlich gemacht (Schöll Praef. XXXII. Seyffert Stud. PI. Progr. Berlin Sophiengymn. 1874, 11. Leo LG I 114, 1. Fränkel PL i. PL 139, 1 u. a.), dazu kommen Verwirrungen von Versreihen in der Überlieferung, worüber schon Ritschl Parerg. VIII handelte, vgl. Leo ,' zu v. 601. Der scherzhaften Selbsterwähnung des griechischen Verfassers mit seinem Kunstgenossen Diphilos v. 1149 entspricht Plautus’ Anspielung auf seine Heimat Sarsina v. 770 (s. o. A 2). Sonderausg. Ramsay, London 1869. Lorenz ², Berlin 1882. Sonnen schein ² Oxford 1907. Fay Boston 1903. Helmreich, München 1917.

14. Persa. Aus der Erwähnung einer Stadteroberung durch die Perser v. 506, vgl. 498, die mit Stoff und Titel eng zusammenhängt, schloß v. Wilamowi tz (Ind. SchoL, Gött. 1893/1894,16) auf ein Original der μεαὴ κωμωιδία, und manche Besonderheiten dieses Stücks schienen diesen Ansatz zu bestätigen; indes ist auch verschiedentlich auf die Unsicherheit jenes meist angenommenen Schlusses aus einer Lügenerzählung hingewiesen worden (Fränkel PL L PL 89, 2; vgl. 18, 2), [110] Maccius

iw

und im ganzen unterscheidet es sich kaum mehr von den andern als diese unter sich. Wegen der Zweiteiligkeit der Handlung hat man auch hier an Verarbeitung zweier Originale gedacht, doch hat diese Vermutung mit Recht keinen Beifall gefunden, und was man sonst über Erweiterung oder Kürzung der Originale durch Plautus oder für spätere Aufführungen zu erkennen glaubte, beruht auf wenig sicheren Grundlagen. Das Schlußgelage ist von Kunst (Stud. 61ff.) mit dem Ausgang von Ar. Ach. in Parallele gesetzt und gewinnt dadurch besondere Beleuchtung, wie ähnlich schon Fränkel (De med. et nova com., Diss, Gött. 1912, 82i.) die Parasitenrede I 2 behandelt hatte. Die ganze Handlung verläuft unter Sklaven; aber während Plautus Cas. 67 und Stich. 446 die Zuschauer ausdrücklich über diese ihnen fremden athenischen Verhältnisse aufklärt, begnügt er sich hier mit kur-) zem Hinweis v. 25, der im Original wohl fehlte (Menander Her. 15ff.). Doch dürfte daraus über die Abfassungszeit wohl ebensowenig ein Schluß berechtigt sein, wie aus den Anspielungen auf besonders glänzende Circusspiele (v. 199. 435) oder auf die Hlviri epulones v. 100: nur beweist die Erwähnung der Aedilen v. 160, daß die Ludi Apollinares nicht in Frage kommen. Die verschiedenen im Stück berührten Rechtsfragen sind in ihrer Vermischung von Griechischem und Römi-Oschem nach anderen von Partsch (Herm. XLV [1910] 595ff.) in eingehender Untersuchung klar-gestellt, die auch für die Behandlung anderer Gebiete vorbildlich sein kann.

15. Poenulus. Aus dem Prolog v. 53f. ergibt sich infolge der verderbten Überlieferung der Stelle mit Sicherheit nur der Titel Καρχη· δόνιος für das Original, der in der νέα, κωμωώία nur für Menander (außerdem für Alexis) bezeugt ist, ohne daß die Fragmente zu Plautus stimm-:0 ten, und über die Zeit der Vorlage erlaubt v. 663, wie schon Hüffner sah (De PI. exempl. 34, Fränkel PI. i. PI. 368, 1), keinen Schluß. Die Zweiteiligkeit der Handlung hat den Gedanken an Vereinigung zweier Originale durch Plautus hier besonders nahegelegt, und es sind seit Langen (Piaut. Stud. 181ff.) eine Reihe von Versuchen (Leo, Jachmann) aufgetreten, das Verfahren des Dichters und seine Vorlagen aufzuklären. Es wurde dabei weder Übereinstim-50 mung in den verschiedenartigen Voraussetzungen erreicht, noch waren die immer komplizierter sich gestaltenden Hypothesen geeignet, den Glauben an die Möglichkeit eines Erfolgs beim Entwirren solcher Verwicklungen, wenn sie wirklich so gewesen wären, zu erhöhen. Da bedeutet einen Fortschritt der Versuch Fränkels (PI. i. PL 262ff.), mit der Annahme auszukommen, daß Plautus nur das Hetärengespräch I 2 aus einem andern Stück eingelegt habe, die sich nicht nur 60 durch ihre Einfachheit, sondern zumal durch die genaue Analogie des terenzischen Verfahrens in den Adelphoi empfiehlt; freilich sind auch damit nicht alle Unstimmigkeiten restlos erklärt, aber ein gut Teil davon wird noch dem Umstand zuzuschreiben sein, daß uns das offenbar sehr beliebte Stück infolge von Umarbeitungen in besonders übel zugerichtetem Zustande vorliegt. So hat der Prolog doppelten Schluß (v. 121–123. [111] 111

Maccius

124–128), der Auftrittsmonolog des Karthagers liegt uns in punischer Sprache in zweifacher Fassung (v. 930–939. 940–949) und außerdem in lateinischen Senaren (v. 950–960) vor, das Schlußwort erscheint zweimal (v. 1371. 1422) und durch das ganze Stück erkennt man an Parallelfassungen und Zusätzen die Hand der Überarbeiter, so daß hier reinliche Scheidung des Originalen, des Plautinischen und des Späteren nicht überall durchzuführen ist, vgl. v. Wila-mowitz Menand., Schiedsgei. 147, 1. Die Erst-aufführung wird bald nach dem zweiten Punischen Krieg anzusetzen sein (v. 524), auf eine spätere weist der Eingang des Prologs (Steinthai De Interpol. Plautin. 13) mit seiner Parodie des Ennius und der damit verbundenen Anspielung auf den von ihm gefeierten Istrischen Krieg (Marx S.-Ber. Sächs. Ges. LXIII [1911] 46). Die Überlieferung der punischen Partien ist von Lindsay (Class. Bev. XII [1898] 361) festge-stellt.

16. Pseudo lus. Eine doppelte Exposition (11 und I 3) nicht ohne Widersprüche und das unmotivierte Fallenlassen eines durch eine be-sondre Rolle (Callipho) vertretenen, ausdrücklich eingeleiteten Motivs haben zusammen mit der Zweiteiligkeit der Handlung verschiedenartige Vermutungen über Plautus’ Arbeit an seiner Vorlage veranlaßt, die in einer umfangreichen Literatur mit vielem Scharfsinn dargelegt worden sind, ohne daß eine Übereinstimmung erreicht wäre (Übersicht bei Kunst Studien 160), und die gesonderte Behandlung des ersten Anstoßes nach Kunsts Vorgang, der an Einlage aus einem andern Stück denkt, durch Fränkel (PI. i. PI. 144), der weitgehende Umformung des Originals durch Plautus selbst erkennt, vermag auch nicht alle hier sich erhebenden Bedenken zu beseitigen. Ebenso hat die feine Analyse der Cal-lipho-Szene (I 5) durch v. Harrer (Progr. So-phiengymnasium, Wien 1912) zwar ihn zur Annahme der Zusammenarbeitung zweier griechischen Originale geführt, aber auch zu dem Zugeständnis, daß infolge der genauen Ergänzung der einen Handlung dqrch die andre bei Plautus die weggefallenen Teile nicht mehr erkennbar seien, ein Umstand, der die Wahrscheinlichkeit der Thesen ebenso herabsetzt wie die von Kroll (Teuffell⁶17 5f.) betonte Kompliziertheit des vorausgesetzten Verfahrens; die Sache liegt ähnlich wie Mil. 805ff., und die Entscheidung wird davon abhängen, ob es wahrscheinlich ist, daß solche Sorglosigkeit der Komposition nur von Plautus herrühren könne und daher als sicherer Beweis für seine Arbeitsweise zu verwenden sei. Für das Original, als dessen Verfasser Kunst (Stud. 162) nach Dietze Philemon wahrscheinlich zu machen versucht, während Leo und Hüffner (Dies. 17) an Menander dachten, was v. WiIain owitz ablehnt, ist eine sichere Zeitbestimmung (302 Usener. 309/8 v. Wilamowitz) aus v. 533 kaum zu gewinnen (Fränkel PI. i. PI. 16), dagegen ist die Aufführung in Born durch Ritschls glückliche Deutung der Reste der Di-daskalie auf 191 sichergestellt, und auf den besonderen Anlaß (Liv. XXXVI 36), die Einweihung des Tempels der Magna mater, mögen v. 568f. und 1335 hinweisen iFränkel PI. i. PI. 149). [112] Maccius

112

Ciceros Angabe der besonderen Freude des Dichters an dem Werk wie am Truculentus könnte auf einer Äußerung in einem verlornen Stück (wie Bacch. 214) beruhen, noch zu seiner Zeit war Ballio eine Glanzrolle des Roscius (pro Rose, com. 20). Von dem Prolog sind nur zwei Verse erhalten, die für eine wiederholte Aufführung bestimmt sind. Sonderausg.: Lorenz, Berlin 1876. Morris, Boston 1890. Anden, Cam-10 bridge 1896.

17. Rudens. Den üblichen Komödienmotiven, Kupplerbestrafung, Anagnorisis, Gamos hat Di-phüos, der die Vorlage verfaßte (v. 32), durch die Verlegung des Schauplatzes nach Kyrene, Seesturm und Schiffbruch einen besonderen romanhaften Hintergrund gegeben (Thiele Herm. XLVni [1913] 522. v. Wilamowitz Menand., Schiedsger. 166f.) und auch in der Ausführung sich vielfach an die Tragödie angelehnt (Leo 20 PI. F.2 160. Fränkel PL i. PI. 121. 342. 348); das gilt nicht nur von dem Traummotiv (v. 593ff.), das zu einer Eindichtung in den Mercator (v. 225ff.) Anlaß gegeben hat (s. o. C 11), sondern auch von der zweigeteilten Handlung, die auf die Vermutung der Verarbeitung zweier Originale führen konnte (Kakridis Barbara Plautina, Athen 1904, 26. Hüffner W. kl. Ph. XXII [1905] 712. Coulter Class. Phil. VIII [1913] 57), aber von Leo zurückgewiesen ist (Prescott Class. Phil. 30X1 [1916] 125). Der Titel des Originals ist unbekannt, und seine Zeit genauer zu bestimmen, liegen keine sichern Anhaltspunkte vor. Erweiterungen einzelner Szenen (besonders II 6 und III 2) durch Plautus, die Fränkel nachzuweisen sucht, mögen manche der genommenen Anstöße erklären, Nachplautinisches ist wenig erkennbar (v. 1191/2 Steinthai De Interpol. 43, v. 1423). Der selbst für Plautus auffallend gesuchte Titel statt des zu erwartenden Vidularia oder allen-40 falls Cistellaria kann durch die frühere Abfassung dieser beiden plautinischen Stücke veranlaßt erscheinen: die Abfassung wird von Mars (S.-Ber. Akad. Wien CXI. [1899] VIII 34) noch ins erste Jahrzehnt des 2. Jhdts. v. Chr. gesetzt, und in die Nähe des Psëudolus (also 191) rückt das Stück auch die dort (v. 303) und hier (v. 1381) erwähnte, also wohl kürzlich ergangene Lex Plaetoria. Singulär ist das Auftreten eines Fischerchors (v. 290), das wohl 50 richtiger mit den Schlußworten des grex oder der caterva in Asin. 942; Capt. 1029; Cist. 782, wohl auch Bacch. 1207: Cas. 1012; Pers. 858 (pantes) zusammenzustellen ist, als daß man darin ein Überbleibsel des Chors bei Plautus (Teuf-fel-Kroll Ie 27. v. Wilamowitz Menander, Schiedsger. 120, 1. 161, 1) zu sehen hätte. In der Neuzeit fand das Stück zuerst eine Bearbeitung nach Bentleys Grundsätzen durch F. W. Beiz, der es mit Bentleys Schediasma de metris Te-60 rentianis, Leipzig 1789 und 1826 herausgab. Sonderausg. Sonnenschein, Oxford 1901.

18. Stichus. Die Angabe der Didaskalie Graeca Adelphoe Mertandru, die wegen Terentius' Adelphoe früher angezweifelt, von F. Schöll (Fleckeis. Jahrb. CX1X [1879] 44) auf das ältere Stück Menanders mit diesem Titel gedeutet ist (vgl. Dziatzko-Kauer Ter. Ad.², Lpz. 1903, 6. Enk Mnemos. XL1V [1916] 40ff.), erscheint un- [113] 113

Maccius

vereinbar mit der Tatsache, daß darin .weder eine Handlung durchgeführt noch beliebige Teile einer Handlung durch die Einheit der Personen zu-sammengehalten sind* (Leo LG 1129), wodurch das Stück aber auch unter denen des Plautus eine Sonderstellung einnimmt; die bisherigen Versuche, hier Klarheit zu schaffen, haben zu keiner völlig befriedigenden Lösung führen können. So ist L e o s eingehend begründete Ansicht (Gött. Nachr. 1902, 3, 375ff.), es liege eine Zusammen-10 arbeitung aus drei griechischen Vorlagen vor, neuerdings (Enk Mnemos. XLIV [1916] 18ff. Prehn Quaest. PL, Breslau 1916, 55ff. Prescott dass. Phil. XI [1916] 125ff.) wenigstens für die Trennung der beiden ersten Teile widerlegt (Kunst Stud. 103. Fränkel PI. i. PI. 279ff.), so daß nur der Schlußakt als ein Anhängsel an das Original erscheint, zu dessen Ausgestaltung Plautus außer Hinweisen schon bei Menander etwa durch den Schluß des Persa oder 20 die impletae modis saturae deseripto ad tibicinem cantu motuque eongruenti der römischen Bühne (Liv. VII 2. 7) angeregt werden konnte (Klingelhöfer De scaenicis Romanorum originibus, Diss. Münster 1922, C 11. Fränkel PI. i. PI. 229, 2). Auch die Vermutungen über die Zeit des Originals (Hüffner De PI. exempl. 806. Enk zwischen 817 und 312) sind ganz unsicher, s. Immisch 22f. Mancherlei Unverständliches neben der klaren und einheitlichen Charakterzeichnung legt 3( den Gedanken an größere Auslassungen und Ζψ sammenstreichungen durch Plautus nahe (v. Wi-lamowitz Menand., Schiedsger. 147, 1), ebenso dann die Annahme von Erweiterungen, besonders in der Parasitenrede des Mittelteiles, aber die Versuche, hier zur Erkenntnis des ursprünglichen Ganges derMenandrischen Handlung vorzudringen, entbehren ausreichend sicherer Grundlage und werden erschwert durch die gerade bei diesem Stück sogar in der verschiedenen Überlieferung 4 in A und P erkennbare nachplautinische Überarbeitung (Leo Gött. Nachr. 1902, 3, 377ff. Steinthai De interpol. Plaut 55ff.). Da erscheint zunächst viel aussichtsreicher und einleuchtender der Versuch von Immisch (S.-Ber. Akad. Heidelb. 1923, VII 18ff.), darin den Typus der lockeren mimischen Hypothese ausgeprägt zu sehen, wie er als den griechischen musikalischen Tanzaufführungen (Magodien) der hellenistischen Zeit nahe verwandt bezeugt und von ihm als 1 Vorstufe der römischen Fabula palliata angenommen ist. Allein die Existenz solcher griechischen Stücke lyrischen Charakters mit einer aut mehrere Personen verteilten Handlung ist nicht zu erweisen und auch nicht, daß sich aus diesem von den Griechen übernommenen Gebilde heraus die römische Komödie durch Entwicklung des ursprünglich akzessorischen Elementes, der ἰπόῦεσις, bis zur mehr oder minder getreuen Übertragung (S. 16) gestaltet habe (s. u. D). Die Didaskalie weist die Erstaufführung in das J. 200 ludis plebeis und zeigt durch Erwähnung des Pellio als dominus gregis, daß Epidicus ungefähr in die gleiche Zeit gehört, die Bacchides aber später fallen. Sonderausg. Fennell, Cambridge 1893. Zuretti, Turin 1917.

19. TrinummuS. Das Original, Philemons Thesauros (Prol. v. 18f.), dessen Datierung auf [114] Macchis

114

292–287 wegen v. 207 durch Hüffner (De PL exempt 61) von Fränkel (PL i. PL 188, 2) mit Recht zurüekgewiesen ist, dürfte nach allgemeiner Annahme vonPlautus ziemlich unverändert wiedergegeben sein, da weder die behagliche Breite allgemeiner Ausführungen noch der überhastete Schluß von der hier wie im Mercator und in der Mostellaria erkennbaren Eigenart Philemons (Kunst Stud. 143) erheblich ab weichen; auffallender ist schon das Fehlen einer Frauenrolle, doch entbehren Leos (LG I 117, 1) darauf gegründete Vermutungen über Verschiedenheiten der Vorlage einer ausreichenden Begründung; dabei fehlt es selbstverständlich nicht an römischen Zusätzen und Erweiterungen geringeren Umfangs, deren Fränkel mehrere mit größerer oder geringerer Wahrscheinlichkeit (PL i. PL 56, 207. 127. 154) nachzuweisen sucht; bemerkenswert auch für solche Fragen scheint Plautus’ Ur-¹ teil v. 706L, daß neben der Güte der Verse eine Komödie den Siegespreis durch genaue Durchführung des Planes verdient: wenn dies auch aus dem Original stammen dürfte, da von einem Agon der Dichter in Rom nichts bekannt ist und zu Reitzensteins Deutung (Gött. Nachr. 1918, 247) auf einen Agon der Schauspieler der Wortlaut nicht zwingt (Warnecke o. Bd. ὝΠΙS« 2119. Leo LGI 217, 1), so hat er es sich doch zu eigen gemacht, und damit gegenüber älteren

) Stücken, wie Miles und Stichus, das vorliegende zutreffend charakterisiert, das ja auch jünger ist: hat doch aus der Erwähnung der now aedües v. 990 Ritschl (Parerg. 348) die Aufführung an den allein in den Jahresanfang fallenden Ludi Megalenses erschlossen, die erst seit 194 (ebd. 294) szenisch gefeiert wurden. Anzeichen nachplau-tinischer Überarbeitung sind kaum nachzuweisen. Sonderausg. G. Hermann, Leipzig 1800 und 1835. Brix-Niemeyer, Leipzig 1907. Wag-0ner2, Cambridge 1875. A. Spengel, Berlin 1875. Freeman and Sloman, London 1883. Cocchia, Turin 1908. Morris, London 1898. Nutting, Boston 1904. Fairclough, London 1910, Helmreich, München 1918.

20. Truculentus. Die Anlage der verschlungenen Handlung weist Feinheiten auf (Eitechl Opusc. II 747), die nahelegen, das Original auf Menandros zurückzuführen (Schöll Praef. IX. Dietze De Philemone, Gött. 1901, 30, 50 doch s. 43), allein die Beziehungen zu Lukian und Alkiphron (Leo PL F.³ 149. Schöll Praef. X, vgl. Ribbeck Alazon, Leipzig 1882, 80) ebenso wie zur Asinaria (Kunst Stud. 157f.) führen wohl eher mit v. Wilamowitz (N. Jahrb. III [1899] 517, 1), Lao (LG 1120), Fränkel (PLi. PL 190) auf einen Nachahmer: die versuchte Zeitbestimmung ist ganz unsicher. Daß auch hier vielfach plautinische Zusätze und Erweiterungen vorliegen, ist offensichtlich, und umgekehrt mögen mancher-60 lei Unklarheiten, Unstimmigkeiten und Widerspruche auch auf Kürzungen durch ihn beruhen, hat doch Immisch (Akad. Heidelb. S.-Ber. 1923, VII 28) das Stück neben den Stichus gestellt. Dies gilt besondere von den zwei einzigen, an sich für die Handlung entbehrlichen Szenen des Titelhelden (II 2 und III 2), dessen Charakterzeichnung schon Donat Ter. Ad. 986 tadelt; die Annahme, für eine spätere Aufführung habe [115] 115

Maccius

die erstere gestrichen und durch v. 248f. ersetzt werden sollen (Sudhaus, Leo, Fränkel 323, 1), ist grade hier innerlich wenig wahrscheinlich, wie auch sonst nachplautinische Spuren dürftig sind; doch erscheint das Schlußwort sicher in doppelter Fassung. Ciceros Angabe, die Abfassung falle ins spätere ..Lebensalter des Dichters, wie die des danach genannten Pseudolus, hat zusammen mit dem v. 75 erwähnten Friedenszustand und der Deutung von v. 486 auf den Prozeß des Q. Minucius Thermus dazu geführt, die Aufführung ins J. 189 zu setzen (Marx S.-Ber. Akad. Wien CXI. [1899] VIII 39); Bergks Deutung der Überlieferung in v. 761 (wm) erweist wie beim Trinummus, eine Aufführung an den Megalesien, aber vielleicht erst eine Wiederholung (Buecheler, Schöll Praef. XLIV 5). Der Text ist ganz besonders verderbt überliefert (Leo PI. F.² 13), und der Ambrosianus gewährt hier nur geringe Hilfe, weil nur ein Quaternio unvollständig erhalten ist; so zeigt auch die Personenbenennung in den Hss. Verwirrung wie im Stichus und hätte nicht in moderne Ausgaben übergehen sollen (Lindsay Bursian CXXX 138f.). Sonderausg. Göller, Köln 1824. Spengel, Göttingen 1868.

21. Vidularia. Das in unsrer Überlieferung früh verlorene Stück, von dem nur die älteste vollständige Hs. B eben noch den Titel bewahrt hat, ist uns durch drei Blätter des ambro-sianischen Palimpsests und wenige Grammatiker-zitate bekannt. Der im Prolog angegebene Titel des Originals Schedia ist nur für Diphilos bezeugt, den als Verfasser auch die Ähnlichkeit im Aufbau der Handlung und in Einzelheiten mit Rudens wahrscheinlich macht, wie sie nach Deutung und Ergänzung der Reste durclf Stude-mund (Verb. d. 36. Vs. d. Philol. 1882 in Karlsruhe, Leipzig 1883, 43ff.) und Leo (De Vidularia, Ind. Schol. Göttingen 1894/1895) deutlich hervortritt; doch ist dabei die Unsicherheit und Unvollständigkeit unserer Kenntnis nicht zu vergessen (Kunst Studien 137f). Eine besondere Stellung hat der Prolog, der nach Inhalt und Umfang dem der Asinaria sowie denen des Te-rentius nahesteht (Leo PI. F.² 217f.) und das Stück wohl der letzten Zeit des Dichters zuweisen dürfte: eine Didaskalie scheint im Palimpsest gestanden zu haben. Die Reste finden sich auch in den Fragmentsammlungen Winter, Bonn 1885, 49ff. Goetz (Ritschl Ed. maior IV 5), Leipzig 1894, 125ff.

D. Plautus als dichterische Persönlichkeit. Die Wertschätzung der Zeitgenossen bezeugt ausdrücklich der etwa ein Menschenalter jüngere Eingang des Casinaprologs (v. 14. 17. 18), ebenso wohl auch Terentius, der sich zur Verteidigung auf Plautus als anerkanntes Vorbild beruft, Andr. 18f., vgi. Eun. 42!., wenn er ihm auch Ad. 14 neglegentia in der Bearbeitung der griechischen Vorlage zuschreibt, wie dies offenbar schon die Gegner (Andr. 20) getan hatten, die ihn ja auch (Eun. 25ff.) besser als Terentius kannten. Und eine gerechte Würdigung seiner Leistung müßte nicht nur die Werke seiner lateinischen Vorläufer, sondern auch die griechischen Originale zum Vergleich heranziehen: hat er doch selbst mit Nachdruck in den Prologen [116] Maccius

116

öfter auf diese hingewiesen (Asin. lOf. Merc. 9f. u. ö.), und legte doch auch das Publikum bei den ludi G-raeco ritu facti (Liv. XXV 12) darauf besonderen Wert (Men. 9). So ist uns heute ein zutreffendes und begründetes Urteil doppelt unmöglich, da wir von Livius’ und Naevius’ Komödien nur sehr wenig wissen, und nicht nur keine seiner Vorlagen, sondern nicht einmal ein vollständiges Stück von den zahllosen der νέα 10 κωμωώῖα besitzen. Freilich zeigt sich auch uns, daß er die persönlichen Angriffe eines Naevius mied, aber anderes beibehielt, das Terentius abstreifte, wie die Prologtechnik, die Götterprologe, die Anrede an die Zuschauer (Euanth. de fab. III 8 p. 20 W.). Und wenn die Urteile der Alten (Ed. Götz-Schöll I p. XXVIff.) von Stilo, Cicero und Varro an bis auf Apollinaris Sidonius die geschickte Handhabung und Bereicherung der Sprache bewundern, daneben auch seinem Witz 20 Anerkennung zollen, so können wir dies verstehen

und bestätigen. Tiefer geht Varros Lob des Dialogs bei Plautus, das er dem der Charakterzeichnung bei Terentius und des Aufbaus und der Führung der Handlung bei Caecilius gegenüberstellt, und noch mehr Horatius’ Urteil, der umgekehrt die Charakterzeichnung und Führung der Handlung bei Plautus verwirft, daneben aber auch Versbau und Witz als des Lobes der Früheren unwürdig tadelt, indem er auch hier engeren 30 Anschluß an die griechischen Vorbilder predigt

(Ep. II 1. 170ff. 3. 270ff.). So ergibt sich uns für Plautus ein sehr freies Umgehen mit der Vorlage durch Auslassung und gar Einarbeitung fremder Szenen, wobei auf den einheitlich straffen Gang der Handlung nicht die gebührende Rücksicht genommen wurde, eine übermäßig grelle und inkonsequente Charakterisierung der Personen, eine unbedenkliche Ausgestaltung des Dialogs ins Lebhafte und Lächerliche, wie denn all 40 dies der Vergleich mit Terentius nur bestätigt.

Aber während wir bei diesem durch seine eigenen Zeugnisse und mannigfachen Scholienangaben eine Anzahl fester Ausgangspunkte haben; sind wir bei Plautus auf die Stücke allein angewiesen, und da wird die Untersuchung noch unsicherer durch den Umstand, daß sie zahlreiche sichere Spuren von Überarbeitung für spätere Aufführungen aufweisen. Es kann daher nicht wundernehmen, wenn die Versuche, die dichterische Eigenart des 50 Plautus zu erkennen, fast durchweg der Sicherheit entbehrten und nur zu allgemeinen Ergebnissen, wie z. B. der Einsicht führten, daß die Sklaven- und Parasitenrollen von ihm mit besonderer Vorliebe und Anschaulichkeit gezeichnet seien und er die reichen Mittel der von ihm virtuos gehandhabten Sprache mit Glück vor allem in dieser Aufgabe verwendet habe; dies hat schon Lorenz in den Einleitungen der von ihm herausgegebenen Stücke (Miles, Mostellaria, Pseudolus) 60 treffend gezeigt Weiter führte M a r x’ Entdeckung, daß wir in der Traumerzählung des Mercator ein Stück unabhängiger Poesie des Plau-tus vor uns hätten, aber die weitere Forschung auf diesem Gebiete wurde ungünstig beeinflußt durch die einseitige Einstellung auf den Nachweis der sog. contaminatio und die Annahme der fast ausschließlichen Verarbeitung griechischen Gutes durch den römischen Dichter, dem man [117] 117

Maccius

jede noch bo geringe Selbständigkeit der Erfindung absprechen zu müssen glaubte. Wie hierdurch die kenntnisreichen und scharfsinnigen Darstellungen von Leo (PI. F.², Berlin 1912, Kap. III ,Plautus und seine Originale* und Gesch. d. röm. Lit. I Berlin 1913 Kap. V) beeinträchtigt wurden, ist in Fränkels Buch ,Plautinisches im Plautus*, Berlin 1922, erfolgreich gezeigt, wenngleich hier unsere Kenntnis von der griechischen neuen Komödie vielfach ausgedehnter und 1( sicherer erscheint, als sie ist, so daß Immisch (S.-Ber. Akad. Heidelb. 1923, VII 9) von einer übersteigerten Vorstellung von der künstlerischen Höhe der Originale spricht. Was auf diesem Gebiet im einzelnen erarbeitet ist, ist in den Hauptsachen oben bei den Stücken angegeben.

Eine besondere Bedeutung in diesen Erörterungen hat die Frage der plautinischen Cantica dadurch erlangt, daß nach antikem Zeugnis (z. B. Tzetz. p. 18, 15 Kaib.) wie dem Befund der 21 Fragmente der νέα die abwechslungsreiche Metrik etwas Römisches ist, also hier die Eigenart der lateinischen Dichter am sichersten erkennbar werden muß, und unter diesen für uns Plautus vor allem in Betracht kommt; wenn daher auch das zuverlässigste Exempel Caecilius’ Behandlung von Menanders Plokion bietet, die uns Gell. II 23 vorlegt, so muß doch diese Frage, die in die Geschichte des lateinischen Lustspiels gehört, notwendig als ein Teil der Untersuchung von 3 Plautus’ dichterischer Kunst behandelt werden. Da hat der überraschende Einblick in einen Zweig hellenistischer Lyrik, den das Grenfellsche Lied eröffnete, vor allem L e o zu der Überzeugung geführt, die lateinischen Komiker hätten die Polymetrie ihrer Cantica dem hellenistischen Singspiel entlehnt, dessen Metrik sich als eine Fortsetzung der in den späteren euripideischen Monodien unter dem Einfluß des jüngern Dithy-rambos erkennbaren Entwicklung darstelle. Aber 4 hier ging die Rechnung weder auf rein metrischem Gebiet reinlich auf, noch wurde die Frage gelöst, ob eine dichterische Vereinigung so heterogener Elemente an sich glaublich sei und ob sie dies Ergebnis hätte haben können. Dazu kommt, daß die Existenz eines solchen Singspiels mit Auftreten mehrerer Personen überhaupt nicht bezeugt ist und auch Immischs Versuch, dies nachzuweisen (s. o. C 19), keine Sicherheit bringt. So ist also die von Fränkel 329ff. ge-l gebene Widerlegung von Leos Konstruktion gewiß richtig und bietet über die Eigenart der Cantica zutreffende Bemerkungen, nach denen auch ein wohl angenommener Zusammenhang mit den durch die Papyrusfunde bekannt gewordenen Choreinlagen der neuen Komödie ausgeschlossen erscheint. Nun hatten metrische Erörterungen (Klotz Altröm. Metrik 530. v. Wilamowitz Herm. XVIII [1883] 249. Gött. Nachr. 1896, 232 und besonders Leo Plaut. Cantica, Gött. Abb. N. F. I 7, 78ff.) längst die Monodien der späteren griechischen Tragödie als die nächsten Analogien zu den plautinischen Cantica erkennen gelehrt, und da die Begründer der Palliata dieselben Männer sind, die auch die römische Tragödie schufen, so ist eine Entlehnung von daher, wie Fränkel gezeigt haj, jedenfalls um so glaublicher, weil auch in andern Dingen beide Gat- [118] Maccius

118

tungen gleiche Erscheinungen (griechisches Vorbild in freier Umgestaltung, Einarbeitung von Einzelszenen aus andern Stücken, Umgestaltung von Dialogpartien zu lyrischen, Bau des Dialog-verses, Bevorzugung der trochäischen Septenare, Verwendung von Anapästen, Baccheen und Cre-tikern) aufweisen. Freilich reicht unsere Kenntnis von den Anfängen des römischen Dramas, von Livius’ und Naevius’ Dichterarbeit, längst) nicht aus, um den sicheren Beweis dafür zu erbringen, und Fränkel selbst hat dessen Wirkung beeinträchtigt durch die starke Heranziehung des uns besser bekannten Ennius, der doch als jüngerer Zeitgenosse des Plautus sehr wohl von diesem beeinflußt sein könnte (v. Wilamowitz Menand. Schiedsger. 169, 1), aber wie die Sache selbst durchaus glaublich ist, so dürfte sie noch an Wahrscheinlichkeit gewinnen, wenn man hier weniger an Beeinflussung der einen Gattung durch) die andere, z. B. auch in Sprache und Stil als an altrömische Auffassung gräzisierenden dramatischen Spiels als einer Einheit ohne die strenge griechische Scheidung von Tragödie und Komödie denken wollte: zeigte doch diesem Publikum die Palliata ebensogut eine fremde Welt wie in anderem Sinn die Tragödie (Fränkel 385f.). Dabei wird man gern die reiche Ausgestaltung der Cantica als eine besondere Leistung des Plautus anerkennen, aber auf die Erkenntnis einer 0 Entwicklung des Dichters angesichts der Tat

sache, daß zwei in dieser Beziehung so ähnliche Stücke wie Cistellaria und Pseudolus über 10 Jahre auseinanderliegen, zwei so total verschiedene wie Miles und Stichus zeitlich nahe zusammengehören, vorab wohl verzichten müssen. In der Tat zeigen auch die erhaltenen Stücke das im ganzen einheitliche Bild einer charakteristischen dichterischen Persönlichkeit, so daß Fränkel eine Fülle von Einzelzügen als ,Plautinisches' :0 aufweisen konnte. Das sich da ergebende Gesamtbild läßt seine Tätigkeit ausgedehnter und eigentümlicher erscheinen, als man vorher annahm, aber nirgend die Fähigkeit erkennen, ein Stück Handlung selbständig zu erfinden. Seine Eigenart und dichterische Größe beruht, wie die alten von Horatius getadelten Bewunderer, deren Stimme zu uns noch aus dem als Grabschrift durch Varro erhaltenen Elogium (Gell. I 24. 3) spricht, mit Becht erklärten, auf den vielgestal-)0 tigen Rhythmen und dem ihm eigenen Witz, und

wie sehr er darin auch unter den Vorgängern und Nachfolgern hervorragte, lehrt uns der Umstand, daß Varro, dem ja das Vergleichsmaterial zu Gebote stand, seine Echtheitserklärung angezweifelter Stücke begründete fUo atgue facetia sermonis Plauto congruentis (Gell. III 3, 3).

E. Die Überlieferung, Handschriften und Ausgaben. 1. Mit der Aufführung hat das Stück seinen Zweck erfüllt und wird ver-60 gessen: selbst dem Terentius ist ein Stück (Colax) des Naevius und Plautus unbekannt, Eun. prol. 33. Aber der Casinaprolog lehrt, daß ein Menschenalter später das Publikum nach Plautus’ Stücken verlangte und die Schauspieler sie wieder auf die Bühne brachten (Ritschl Parerg. 180ff.h Dazu dichtete der dominus gregis, der sie besaß, einen neuen Prolog wie L. Ambivius Turpio zur Hecyra des Terentius und sah sich auch wohl [119] 119

Maccius

sonst zu Veränderungen und Modernisierungen des Texte veranlaßt; altertümlich Klingendes mußte ersetzt, langweilig Scheinendes zusammengestrichen werden, ist doch die Klage über die Länge der Stücke ein öfter gehörter Komödien-scherz. Von dieser Umarbeitung zeigt unser Text vor allem in Dittographien einzelner Verse und Parallelfassungen ganzer Partien deutliche Spuren (Goetz Act. soc. Lips. VI 235ff.), über ihren Umfang im ganzen zu urteilen, fehlt uns 10 jede Sicherheit, und daß manche Mängel, die heute Plautus selbst schuld gegeben werden, von diesen Überarbeitern herrühren, erscheint nicht ausgeschlossen (Buecheler Philol. Kritik, Bonn 1878, 23; Bh. Mus. XXXV [1881] 481): so hat z.B. derPoenulus ,drei ineinander verfitzte Schlüsse, von denen vielleicht keiner der ursprüngliche ist‘ (LeoLGI358,vgl.SeyffertBerl.phil.Woch.XVI [1896] 254), und der Auftrittsmonolog des Hanno liegt auch in dreifacher Fassung vor. Die gründ- 20 liehen Untersuchungen von Langen Plautin. Studien, Berlin 1886 geben hier auch keine sicheren Kriterien, und gerade beim Poenulus hat die von ihm aufgenommene Hypothese der Ineinander-arbeitung zweier griechischen Originale durch Plautus, die von Leo und Jachmann weiter ausgebildet ist, neuerdings durch Fränkel sehr wesentliche Einschränkung erfahren (s. o. C 15). Jenes neu erwachte Interesse an dem Dichter fallt zeitlich schon fast zusammen mit dem Be- 30 ginn grammatischer Studien und wissenschaftlicher Behandlung der eigenen Literatur in Rom; und da sich Plautus' Name beim Publikum als zugkräftig erwiesen hatte, war es unausbleiblich, daß man ihn skrupellos auch auf fremdes Gut setzte und so die ersten Sammler, Herausgeber sowie die Gelehrten sich einer Überfülle von angeblich plautinischen Stücken gegenübersahen und neben der Interpretation schwieriger Stellen die Ausscheidung des Echten als ihre wichtigste 40 Aufgabe erschien. So entstanden nach alexandrinischem Vorbild neben Glossensammlungen Pinakes (Indices) als das Material, worauf am Ende der Republik M. Terentius Varro seine zusammenfassenden Arbeiten gründete. Seine in der Schrift De comoediis Plautinis gegebene Behandlung der Echtheitsfrage, über die Gell. III 3 berichtet, führte zur Aussonderung der 21 in allen früheren Verzeichnissen als echt angeführten Stücke als einer besonderen Gruppe, die zu Gel- 50 lius’ Zeit fabukte Varromanae hießen, obwohl Varro daneben auch andere für echt hielt, die zum Teil unter anderen Verfassernamen umliefen: so die Boeotia, die man auch dem Aquilins beilegte und die L. Accius dem Plautus ebenso abgesprochen batte, wie andere Stücke die sogar in den Prologen sich selbst als Plauti oder Ufacci Titi bezeichneten (Leo PI. F.² 34, 1). Neben den nach wohl alexandrinischer Methode, die u. a.

noch Eueebios auf die Bücher des Neuen Testa-60 ments anwendet (Klingelhöfer De scaenicis Romanorum originibus, Diss. Münster 1922 B, Philol. Quart IV [1925] 335), so sich ergebenden Klassen der ὀμοΧογούμενα und ἀντΛεγόμενα blieben als dritte Klasse die νόθα, sicherlich die zahlreichste, da die Gesamtzahl 130 betrug. Da nun primitive Kritik sehr radikal zu sein pflegt, werden in der Tat die Stücke der [120] Maccius

120

ersten Klasse die größte Gewähr der Echtheit auch nach Varros Urteil für sich gehabt haben, denn daß er sich sonst durch die Aufstellungen seiner Vorgänger nicht beirren ließ, sehen wir an seiner Bekämpfung von Accius* Urteil über die Boeotia, wie über Naevius¹ Todesjahr (Cie. Brut. 60) u. a.; zweifelte er doch auch (1. 1. IX 106) mit Recht an der Zuverlässigkeit seiner handschriftlichen Überlieferung (Langen Beitr. z. Kritik u. Erki, des Plaut., Leipzig 1880, 297). Und wenn ein Kritiker wie sein Lehrer L. Aelius Stilo nicht ein Fünftel der Stücke (25) in seinen Index aufnahm, oder dessen Schwiegersohn Ser. Clodius (Cic. fam. IX 16, 4) sagte, ob ein Vers von Plautus sei oder nicht, so mögen diese Urteile reichlich subjektiv gewesen sein, wenn aber Varro auf Grund seines umfassenden Wissens und seines antiken Stilgefühls noch weitere Stücke anerkannte, so hat solche Echtheitserklärung ein ganz anderes Gewicht, und das Altertum hat sich dabei beruhigt und diese Frage nicht weiter erörtert; nur jene 21 sind aber der Nachwelt überliefert. Wann diese Ausgabe zusammengestellt worden ist, und wie es mit Ausgaben vor Varro bestellt war, ist uns nicht bekannt, und die darüber von Leo (PI. F. Kap. I) und Lindsay (Ancient Editions of Plautus, Oxford 1904) aufgestellten Hypothesen entbehren der Sicherheit, wie dies für erstere besonders von Seyffert (Berl. phil. Woch. XVI [1896] 234, dazu Klotz Phil. Woch. XLIII [1923] 261), für letztere von Leo (GgA 1904, 358ff.) und Sicker (Nov. quaest. Plautinae, Philol. Suppl. XI [1907ff.] 179ff.) gezeigt worden ist. Diese Unsicherheit beruht einesteils auf dem Fehlen von Nachrichten für die Jahre zwischen Varro und der Archaisten-zeit, anderseits darauf, daß nach Verrius Flaccus* Arbeiten schon in der ersten Kaiserzeit das Interesse an der alten Literatur abstirbt und auch die Gebildeten nur vereinzelt davon Kenntnis besitzen. Das von Suetonius an den Namen des M. Valerius Probus geknüpfte Wiedererwachen dieser Studien wird wohl auch auf Plautus sich erstreckt haben, obwohl ein ausdrückliches Zeugnis darüber fehlt, jedenfalls zeigen dann die Zitate bei Nonius im ganzen einen von dem uns-rigen nicht wesenhaft verschiedenen Text, so daß man da wohl mit Wahrscheinlichkeit von einer dritten antiken Ausgabe neben den beiden uns erhaltenen in dem Sinne sprechen darf, daß alle drei auf eine gemeinsame Quelle zurückgehen, wie durch eine größere Anzahl gemeinsamer Verderbnisse bewiesen wird (Sicker 248f. Coulter Betractatio in the Ambrosian and Palatine Recensions of PL, Dies. Bryn Mawr. Baltimore 1911). Erst mit dem Mailänder Palimpsest des 4. Jhdts. stehen wir auf festem Boden, und fast lediglich aus ihm im Verein mit der einheitlichen übrigen Überlieferung, der sog. palatinischen Rezension, können wir etwas über die Schicksale unserer Stücke erschließen. Daß nun die so erhaltenen 21 Stücke in der Tat die fabulae Var-ronianae des Gellius sind, wird außer durch die Zahl auch durch die Tatsache erwiesen, daß in der grammatischen Literatur (Varro, Verrius, Nonius) sie durchaus im Vordergrund stehen und die andern Stücke allmählich immer mehr aus der Kenntnis der Gelehrten verschwinden (Goetz [121] 121

Maccius

Plaut. rec. Ritschl IV 5, frg. 187Ï.); wie der Text der ursprünglichen Bähnenexemplare in den Jahrhunderten durch die Arbeit dieser und die Fehler der Kopisten modifiziert worden ist, ist gelegentlich an Verschiedenheiten der Überlieferung zu erkennen, aber dies reicht nicht aus, um eine gesicherte Geschichte des Textes zu begründen, so wertvoll auch Einzelerkenntnisse für die Beurteilung mancher Fragen sein können. Zu den Schulautoren hat Plautus nicht gehört, und 1 so hören wir nur vereinzelt von Kommentaren (Ritschl Parerg. VI) wie denen des (Terentius) Scaurus und des Sisenna aus der Archaistenzeit oder denen, die Hieronymus las; daher macht auch der Text einen minder geglätteten Eindruck wie der des Terentius, obwohl auch bei diesem Unterschiede in der Überlieferung des Codex Bem-binus (4. Jhdt.) und dem Calliopiustext hervortreten, die denen der beiden Piautusausgaben analog sind. Letztere sind eben Bücher zum 2 Lesen, ausgestattet mit Inhaltsangaben vor den Stücken, Szenenabteilung nebst Personenverzeichnis mit Namen und Charakter, Andeutung des Personenwechsels, Bezeichnung von Diverbinm und Canticum, ermangeln aber alles gelehrten Beiwerks; das schließt nicht aus, daß die Arbeit der Grammatiker für Feststellung des Textes und Erklärung schwieriger Stellen, besonders durch Deutung seltener Worte, Glossographie, wie sie schon Varros Vorgänger (1.1. VII 10. 34. 107), · dann er selbst und Verrius geübt und sie uns bei Nonius und in den Glossensammlungen, vor allem dem sog. Placidus vorliegt (s. Goetz o. Bd. VII S. 1433ff. 1442), Verwendung gefunden hat. Darin finden wir auch Stücke angeführt, die nicht zu den Varronianae gehören, so daß wir im ganzen etwa 52 Namen nachweisen können, also noch nicht die Hälfte des Varro vorliegenden Materiale; unter diesen Titeln ist die Mehrzahl der Form nach echt plautinisch (Saturio, Frivolaria, Faeneratrix), doch findet sich auch Griechisches nach jüngerem Brauch (Agroecus, Dyscolus, auch der von Terentius schon für Nae-vius bezeugte Colax); unsere Kenntnis davon ist sehr dürftig, sie beruhte nach der augusteischen Zeit schon meist nur noch auf Einzelzitaten: so haben wir von Caecus s. Praedones 10 Fragmente, die Charisius aus Iulius Romanus alle für Adverbia anfflhrt, wie ein eben darauf beschränktes Glossarium Plautinum in der Pris-cianüberlieferung schon von Ritschl Opusc. II 228ff. nachgewiesen ist. All dies führte zu der Annahme, daß der unserer Überlieferung zugrunde liegende Text, seit die Stücke literarisch geworden, zwar Veränderungen unterlag, aber die unter dem Einfluß von Varros Autorität zur Alleinherrschaft gelangte Auswahl von 21 Stücken die schon Gellius geläufig war, etwa im 1. Jhdt unserer Zeitrechnung entstanden ist, und auf ihr die beiden (oder drei) antiken Ausgaben, die uns bekannt sind, beruhen. Aus der alphabetischen Anordung (Lindsay Anc. Ed. 83ff.) erschloß man die Unmöglichkeit für Varro und seine Vorläufer, die chronologische, wie bei Terentius, durchzuführen, d. h. um Didaskalien wie die erhaltenen zu Stichus und Psendolus und vielleicht andere in A verlorene '(L e o PI. 2 F. 14, 3) zu-sammenzustellen, fehlte schon den ersten Ge- [122] Maccius ἴζζ

lehrten das erforderliche Material (Reisch o. Bd. V 8. 401).

2. Die Hss. sind durch Ritschl gesichtet (Opusc. II 1 ff., Proleg. der 1. Ausg. Vllff. = Opusc. V 286ff., Sonderdruck Leipzig 1880), eine neuere Übersicht gibt z. B. Lindsay Ausg. der Captivi, London 1900, 1ff.; derselbe bietet nützliche Beobachtungen in dem Büchlein: An introduction to Latin textual emen dation based 0 on the text of Pi., London 1896. Durch Alter (4. Jhdt.) und Schrift (eckige Majuskel) ragt hervor der wohl aus Bobbio in die Mailänder Bibliothek gelangte Palimpsest A zuerst von A. Mai (M. Accii Plauti fragmenta inedita, Mailand 1815) entziffert. Seine Arbeit wurde mit besserem Erfolg aufgenommen von Ritschl, zum Abschluß gebracht durch Studemund Plauti fabula-rum reliquiae Ambrosianae; codicis rescripti Am-brosiani apographum confecit et ed. WSt., Ber-!0 lin 1889, aus dem Nachlaß publiziert von Seyffert, wo nicht nur das in jahrelanger Arbeit Gelesene genau wiedergegeben ist, sondern auch über die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten anderer Lesungen Angaben zu finden sind; daneben kommen die Vergleichungen von Schwarzmann (in Fleckeisens Ausg. benutzt), Geppert, dessen von Ritschl leidenschaftlich bekämpfte Lesungen mannigfach bestätigt wurden, nicht mehr, die trefflichen von Loewe sowie die von Schöll 50(Bedenken bei Leo Gött.'Nachr. 1895, 115) nur für einzelne Teile in Betracht. Bei der Verwendung zur Aufnahme des Vulgatatextes der Bücher der Könige im 8. Jhdt. und später sind die A-Stücke und Curculio ganz, von den übrigen große Teile verloren gegangen, so daß nur etwa ein Drittel vorliegt, aber auch dies sehr zerstört, weniger durch M a i s Jteagentien unlesbar; am besten erhalten sind Stichus, Persa, Poenulus, Pseudolus und Trinummus. Über das Erhaltene 40 berichten genau die Vorreden der Ritschlschen Ausgabe; ein Facsimile gibt Taf. 6 von Zangemeister-Wattenbach Exempla codicum Lati-norum litt, maiusc. script., Heidelberg 1876, wiederholt in Studemunds Apographum. Zwar waren die drei letzten Stücke (Trinummus, Truculentus, Vidularia) irrtümlich nach den M.-Stücken eingeschoben, aber Bacch. standen richtig zwischen Aulularia und Captivi. Die Handschrift enthielt allein Didaskalien zu Stichus und 50 (verstümmelt) zu Pseudolus sowie vielleicht einige weitere und hat eine bedeutende Anzahl von ganzen Versen und richtigen Lesarten allein erhalten, ebenso die sorgfältige Kolometrie besondere in den lyrischen Cantica, ist doch die beste vollständige B ein halbes Jahrtausend jünger. Freilich zeigt auch sie den Einfluß gelehrter Bearbeitung nicht nur im Metrischen (eïateatç und Exdwti), sondern auch im Grammatischen; so sind die Wortformen vielfach moderner als in der 60 sonstigen Überlieferung, die Verse öfter geglättet, auch umgekehrt ist oft ei für i geschrieben, eine gesuchte Altertümlichkeit (Anderson Transact. Am. Phil. Ass. 37, 73; s. Lindsay Bursian CLXVII 6f.). Argumente sind von späterer Hand (5. Jhdt?) hier und da nachgetragen, so zum Pseudolus (15 Verse wie die in P erhaltenen zu Aulularia, Mercator, Miles) und fragmentarisch zu Persa und Stichus (Studemund Comm. [123] 128

Maccius

Mommsen, Berlin 1877, 803). Bemerkenswert ist, daß die Verse Bacch. 540–551 fehlen, die gut und alt sind, aber schon von Charisius (S. 205, 7 K. über v. 545) in einigen Exemplaren vermißt wurden (doch s. Keil z. d. St.).

Alle übrigen Hss. vertreten nur eine antike Ausgabe, die palatinische Rezension P genannt, weil ihre beiden besten Vertreter aus der kurpfälzischen Bibliothek in Heidelberg stammen, B, der Vetus Camerarii, und C, der alter Came-rarii, Decurtatus Parei. Alle stimmen Überein in dem Verlust des Schlusses der Aulnlaria und des Eingangs der Bacchides, haben die Verse Bacch. 540ff., stellen die Bacchides hinter den Epidicus, zeigen besonders starke Verderbnis des Truculen-tus, entbehren die Vidularia und erscheinen im frühen Mittelalter in zwei Volumina zu 8 und 12 Stücken geteilt, von denen nur das erste bekannt blieb, während vom zweiten nur in Deutschland drei Exemplare und ein vielleicht unvollständiges sich in Frankreich erhalten hatte, wogegen in Italien diese Stücke bis zur Renaissance verschollen waren. Sie haben zu allen Stücken (außer Bacchides) akrostichische Argumente, zu Amphitruo, Aulnlaria, Mercator, Miles gloriosus auch andere, die den in A beigeschriebenen und denen des C. Sulpicius Apollinaris zu Terentius entsprechen und der Archaistenzeit entstammen; bei ersteren scheint Abfassung in der Zeit der ersten grammatischen Studien nicht völlig ausgeschlossen. – Die beste vollständige Handschrift ist die aus Joachim Camerarius’ Besitz in die Heidelberger und mit -dieser in die vaticanische Bibliothek gelangte des 10. oder 11. Jhdts. B, Avie noch erkennbar, durch Vereinigung der beiden Bände entstanden, am Schluß noch den Titel der Vidularia bietend und von zweiter Hand sorgfältig besonders in den ersten acht Stücken nach einer trefflichen Hs. durchkorrigiert (Linds-kog De correcturis sec. manus in cod. Vetere Plaut., Lund 1900). Neben ihr besaß Camera-rius eine Hs. des zweiten Volumen aus ungefähr gleicher Zeit C, deren Vorlage aber alle 20 Stücke umfaßte; sie kam 1815 aus der Vaticana über Paris nach Heidelberg zurück und ist mit Vorrede von Zangemeister in de Vries' Codices photogr. depicti Vol. V, Leid. 1900, reproduziert. An Wert steht dieser ,Decurtatus* dem Vetus bedeutend nach, die Wortabteilung ist oft fehlerhaft und Versabteilung kaum vorhanden, so daß sie zur Kontrolle von B nicht ausreicht. Glücklicherweise ist eine mit ihr aus gleicher Quelle stammende Hs. vorhanden, der Codex Ursinianus D in der Vaticana, von Nicolaus von Trier (Cusa-nus) in Deutschland gefunden und in den Besitz des Kardinals Orsini 1429 gelangt, im 11. Jhdt. geschrieben und das zweite Volumen nebst der ersten Hälfte des ersten (Amph., As., Aul., Capt. 1–503) enthaltend. Aus ihm stammen nach Ritschls Untersuchungen alle zahlreichen italienischen Hss. des 15. Jhdts., von denen auch viele in Bibliotheken außer Italien sich befinden. Diese geben einen sehr willkürlichen Text, da man für die in Renaissancekreisen beliebten Aufführungen Vollständigkeit und Verständlichkeit erstrebte und so vor allem umfangreiche Ergänzungen machte, deren Unechtheit noch Niebuhr nicht unzweifelhaft war (s. Ritschl Opusc. II 787 s. Suppo- [124] Maccius-

124

sita). Daneben bieten sie auch manche glückliche Verbesserung und verdienen deshalb Berücksichtigung; so verwendete Ritschl in seiner ersten Ausgabe u. a. einen ihm gehörigen Codex E (Etruscus), und in der zweiten Bearbeitung werden noch nur zu diesem Zweck die Lesarten von F, einer Leipziger Pergament-Hs. des 15. Jhdts., die G. Hermann in den Elementa doctrinae metricae benutzt batte, sowie die der Editio prin-10 ceps Z angeführt. Nur Unvollständiges wissen wir über eine die erhaltenen Codices anscheinend an Alter und Güte übertreffende Hs., die Adrian Turnèbe in seinen Adversaria öfter anführt und von der auch Lambin und Scaliger Kenntnis hatten. Eine Kollation des ganzen Textes von Persa und Poenulus, der ersten Hälfte des Budens, der zweiten des Pseudolus und einzelner Teile der Bacchides fand Lindsay in einem Exemplar der Bodleiana in Oxford zugleich mit dem 20 Vermerk, daß die Fragmente dem Kloster S. Colombe in Sens gehörten (Lindsay The codex Turnebi of Plautus, Oxf. 1898), bei dessen Zerstörung 1567 sie wohl untergegangen sind; die Hs. T enthielt auch Stücke des ersten Volumen, und für dieses ist ihr Verlust ebenso bedauerlich, da zur Kontrolle von B nur in drei Stücken und der Hälfte des vierten D zugebote steht. Hierfür hat daher schon Ritschl einen Codex des ersten Volumen des Britischen Museums aus 30 dem Anfang des 12. Jhdts. (J) herangezogen, der sich aber in der Folge immer mehr als willkürlich verändert erwies und daher von seinen Mitarbeitern in den Hintergrund geschoben wurde. Zum Ersatz nahm man einen Ambrosianus E des 12. Jhdts. (Goetz Praef. Curcul. Vllff., Faksimile Praef. Asin. XI, vgl. Epid.2 Praef, XUf.), der auch die Bezeichnungen D V (diverbium) und C (canticum) zahlreicher als B aufwies, sodann einen Vossianus V der Leidener Bibliothek aus 40 dem 12. Jhdt., der den Schluß der Aulularia, die C-Stücke und den Anfang des Epidicus bietet und nach einer besseren Hs. korrigiert ist (Schöll Praef. Cas. XIXff.); zur Ergänzung dienten zwei Blätter eines im Vatican befindlichen Miszellan-codex Ottobonianus 0 für Capt. 400–555.

3. Eine kritische Geschichte der Ausgaben und ihrer Textgestaltung gab Ritschl 1835 (Opusc. II 34ff.), einen Überblick Proleg. LIff. – Opusc. V 310ff. – Zuerst wurden die 8 Stücke 50 des ersten Volumen in Venedig gedruckt ohne Angabe von Ort und Jahr, dann erschien 1472 die Editio princeps aller 20 Stücke von Georg M er u la auf Grund der italienischen Rezension, vielfach willkürlich geändert, ein Text, der im wesentlichen bis auf Camerarius maßgebend blieb, auch bei den nun einsetzenden Anföngen der Kritik und Erklärung, wofür die Bemühungen des Joh. Bapt. Pins aus Bologna 1500, der die Akteinteilung einführte, und die wertvolleren des Py-60lades Buccardus aus Brescia 1506 hervorzuheben sind; eine völlige Umgestaltung bot Joach. Camerarius mit seiner Gesamtausgabe Basel 1552 auf Grund seiner Hss. B und C wie durch seine scharfsinnige Textbehandlung mit Verwertung der Versabteilung von B und guter Sprachkenntnis, so daß ,Plautus fast wie ein neuer Schriftsteller aussieht*. Die Erklärung förderten D. Lambinus (postum 1576 n. Ö.) und Taub- [125] 125

Maccius

mann (beste Ausgabe von J. Grüter, Wittenberg 1621, der B und C verglichen hatte). Lange wertvoll war die zweite Ausgabe des Ph. Pareils, Neustadt 1619, mit einer ausführlichen Variantensammlung, aus der man bis auf Ritschl die Kenntnis der Lesarten von B (und C) schöpfte. Dagegen bedeutete einen Rückschritt die bis auf Ritschl geltende Vulgata von J. F. Gronov, Leiden 1664 u. ö., namentlich in der Versgestal-tung. Dem gegenüber bahnte sich auch für Plan-1 tus richtige Erkenntnis an durch Bentleys Bearbeitung des Terentius, wie die Randnoten seines Exemplars (herausgeg- von P. Schröder, Heilbronn 1880. Sonnenschein Anecd. Oxon. IV, Oxford 1883) bestätigten. Seine Grundsätze wandten auf Plautus an F. W. Reiz (Ausg. des Rudens 1789 und 1826) und sein Schüler Hermann (Ausg. des Trinummus 1800 und 1853, der Bacchides 1845, Eiern, doctr. metr. 1816). Von Ausgaben sind vor Ritschl noch zu nennen 5 die von F.H. Bothe, Berlin 1809 u. ö., der Pareus und C benutzte und durch glückliche Divination manches ahnte, was später methodisch gefunden wurde. Nach vieljährigen Vorarbeiten Heß dann Fr. Ritschl, Bonn 1848, seine große kritische Ausgabe erscheinen, die unvollendet (Prolegomena und 9 Stücke), durch eine neuere zusammen mit G. Löwe, G. Götz, F. Schöll unternommene ersetzt wurde, Leipz. 1871–1894; daneben erschien eine Editio minor von Goetz ί und Scho eil mit wertvollen Nachträgen in den Einleitungen. Wenn auch sein in den Prolegomena der ersten Ausgabe dargelegtes kritisches Verfahren sich namentlich in den Cantica als zu radikal erwies und auch sonst in Einzelheiten zum Teil noch von ihm selbst modifiziert wurde, so trat doch als prinzipieller Gegner nur Geppert ohne Erfolg auf, dessen Lesungen von A allerdings mehrfach richtig waren; dagegen brachten die Studien von Bergk (Kl. philol. Schr. I-Iff.) und seinen Schülern Studemund und A. Spengel wertvolle Beiträge nach etwas laxeren Grundsätzen; enger an Ritschl schloß sich Fleck· eisen in seiner Textausgabe (Leipzig 1859, 10 Stücke) an, während C. F. W. Müller in seiner Plantinischen Prosodie, Berlin 1869, nicht ohne Erfolg eigene Wege ging. Die Ausgabe des Dänen Ussing, Kopenh. 1875ff., gibt einen vollständigen Kommentar, dagegen entbehrt die Textgestaltung besonders in Prosodie und Metrik fester Regel, wie denn überhaupt die vielfach auf diesen Gebieten im einzelnen noch herrschende Unsicherheit vor allem in der Feststellung des Textes der Ausgaben ihren Ausdruck findet, je nach den besonderen Ansichten der Herausgeber. Das gilt ebenso von Leos Ausgabe, Berl. 1895/6, mit knappem kritischem Apparat und wertvollen kurzen Bemerkungen, auch einem Index nominum, wie von Lindsays kritisch. Textausg., Oxf. 1904f.

Eine Fragmentsammlung der faMae non Varronianae findet sich zuerst unvollkommen in der zweiten Ausgabe von S. Charpentarius, Paris 1514, viel reicher bei G. Fabricius, Bas. 1558, und sodann in der dritten Ausgabe von Pareus, Frankfurt 1641; eine Neubearbeitung hatte Ritschl begonnen (Opusc. III 177ff.), aber nicht vollendet, sie gab F. Winter, Bonn 1885; in Ritschls Ausgabe stehen sie vod Goetz be- [126] Maccus

120

handelt hinter Cistellaria (IV 5), ebenso in den Ausgaben von Leo und Lindsay hinter der Vidularia. – Ein drittes Verdienst des Barens ist die Herausgabe eines Lexicon Plautinum, Frankfurt 1614 u. ö.; was C. H. Weise unter diesem Titel herausgab (2. Aufl. Quedlinb. 1886), ist nur ein Wortindex, wie ein solcher auch vollständiger der Ausgabe vonNaudet, Paris 1830/2, angehängt (Vol. IV) ist. Einen Index der Substan-Otiva bietet Rassow Jahrb. d. Philol. Suppl. XII 399, Leipz. 1881, der Adverbia Allardice und Junks, Oxf. 1913. Von dem Lexicon Plautinum von G. Lodge, Lpz. 1901ff., ist der größere Teil erschienen. Aus der unübersehbaren Literatur über Plautus’ dichterische Kunst, Metrik, Prosodie, Sprachschatz, Grammatik ist manches einzelne oben angeführt, hier mag als zusammenfassend noch genannt sein: Lindsay Syntax of Plautus, Oxford 1907.