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RE:Manlius 91

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
Vulso, Cn. cos. 189 v. Chr., Bruder von Nr. 90 u. 93, Enkel von Nr. 101
Band XIV,1 (1928) S. 12151222
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91) Cn. Manlius Vulso war Sohn eines Cn. und Enkel eines L. (Fasti Cap.) und hatte zu Brüdern L. Nr. 93 und A. Nr. 90. Der Großvater L. ist jedenfalls der zweimalige Consul L. Vulso Longus Nr. 101 in der Zeit des ersten Punischen Krieges. Dessen Söhne müssen in der Zeit des Hannibalischen Krieges im besten Mannesalter gestanden haben. Der eine von ihnen, wohl der älteste, wird L. Vulso Praetor 536 = 218 gewesen sein (Nr. 92), ein anderer P. Vulso Praetor 544 = 210 (Nr. 98), und zwischen diesen kann ein Cn. gestanden haben, der jung gestorben, vielleicht im Kriege gefallen ist, aber drei Söhne hinterließ. Ob von diesen der nach dem Vater [1216] Manlius (Vulso) 1216

benannte Cn. oder der nach dem Großvater benannte L. der älteste war, ist schwer zu entscheiden. Im J. 557 = 197 war nämlich L. bereits Praetor (Liv. XXXII 27, 7. 28, 2), Cn. aber curulischer Aedil (ebd. XXXIII 25, 1); dann hat jedoch Cn. den Bruder überholt und ihn nur als Legaten in seinem eigenen Consulat 565 = 189 noch einmal zu Ehren gebracht, ebenso wie er damals dem dritten, unzweifelhaft jüngsten Bru-10 der A. überhaupt erst zur Praetur verhalf. Es

macht im ganzen doch den Eindruck, daß er das Oberhaupt der Familie war, und deshalb könnte er trotz der früheren Bekleidung der Praetur durch seinen Bruder L. immerhin der Stammhalter gewesen sein. Die curulische Aedilität führte er 557 = 197 zusammen mit P. Scipio Nasica, dem Haupt der einen Linie des Scipionen-hauses (Bd. IV S. 1495); ihre Feier der Ludi Romani übertraf an Pracht alle vorhergegangenen 20 (Liv. XXXIII 25, 1), entsprach also dem Ansehen

und dem Reichtum der von ihnen vertretenen Adelsfamilien und ebnete ihnen weiterhin den Weg (vgl. dazu im allgemeinen Mommsen St.-R. I 532L). Cn. Vulso erhielt für 559 = 195 die Praetur, zugleich mit seinem Gentilen P. Manlius Nr. 31, und als Provinz Sicilien (Liv. XXXIII 42, 7. 43, 5), wo schon sein Großvater tätig gewesen war und soeben vor einem Jahre sein Bruder L. (Unrichtig sowohl über das Jahr 30 wie über die Provinz Schur Scipio Africanus

139). Als Praetor oder Praetorier stiftete er einen goldenen Lorbeerkranz im Apollonheiligtum auf Delos; eine längst bekannte Schatzmeister-, urkunde nennt den Kranz ἀνά·θεμα Γναίου Μαελ~ Μου στρατηγου Ῥωμαίων (Bull. hell. VI 40 = Dittenberger Syll.³ [nicht wiederholt Syll.³] 588 Z. 100), eine neuerdings bekannt gewordene ἀνάῦεμα Γναίον Μαελλίον ὑπάτου (Holleaux Στρατηγὸς ὕπατος [1918] 156f.), so daß die ver-40 schiedene Übersetzung des römischen Titels die

sichere Datierung erschwert (vgl. Holleaux a. O. und vorher Herm. XLIX 587, 1. Durr-b a c h Bull. hell. XL 325 Anm.). Um das Consulat bewarb sich Vulso zusammen mit P. Scipio Nasica, der sein Kollege in der Aedilität gewesen war, zuerst für 562 = 192, wo beide dem L. Quinctius Flamininus erlagen (Liv. XXXV 10, 2), und aufs neue für 563 = 191, wo er hinter Scipio zurückstehen mußte (ebd. 24, 4), obgleich dieser 50 erst ein Jahr nach ihm zur Praetur gelangt war.

Auf eine Bewerbung für 564 = 190 hat Vulso wahrscheinlich von vornherein verzichtet, weil die Kandidaten der Scipionischen Partei des Sieges sicher sein durften, der patrizisehe, L. Scipio, der Bruder des Africanus, und der plebeische, C. Laelius, dessen bester Freund (s.Bd.XII S. 403f.). Erst bei den Wahlen für 565 = 189 erreichte er sein Ziel durch ein Bündnis mit den einflußreichen Fulviern; seine patrizischen Mitbewerber 60 waren M. Aemilius Lepidus und M. Valerius

Messalla; am ersten Tage kam nur die Wahl des plebeischen Kandidaten M. Fulvius Nobiliçr zustande, und dieser setzte dann am folgenden Tage die des Vulso durch (Liv. XXXVII 47, 6f. vgl. Röm. Adelsparteien 203. S c h u r a. O. 88f. 136f.). Die neuen Consuln (Fasti Cap. Chronogr. Hydat. Chron. Pasch. Liv. XXXVII 48, 1. Cas-siod. Vell. I 15, 2. Vermengung beider mitein- [1217] 1217 Manlius (Vulso}})

ander Oros. IV 20, 25. Verwechslung des Cn. Manlius Vulso mit seinem Bruder A. Consul 576 = 178 Flor. I 26, 1–3. Falsches Pränomen Gaius Manlius Vulso statt Gnaeus bei Auct. de vir. ill. 55, 1) übernahmen an Stelle der scipio-nischen Brüder, die soeben den Krieg gegen Antiochos beendet hatten, die Leitung der politischen und militärischen Angelegenheiten im Osten, der Fulvier im europäischen Griechenland (o. Bd. VII S. 265L), der Manlier in Asien (Liv.10 XXXVII 50, 8 vgl. 2f. 51, 7. 10). Er traf bei Beginn des Frühjahrs in Ephesos ein und übernahm von seinem Vorgänger das Kommando (Liv. XXXVII 60, 1. XXXVni 12, 1f. Appian. Syr. 39. 42). Sein Entschluß war gefaßt, den Krieg gegen die keltischen Galater zu eröffnen, und zwar, weil sie Bundesgenossen des Antiochos gewesen waren und weil sie eine solche Plage für alle Nachbarn waren, daß ohne ihre Unterwerfung keine dauernde Ruhe in Kleinasien zu 20 erwarten war (Liv. XXXVII 60, 2. XXXVIII 12, 3f. 47, 8–48, 13). Über seinen Feldzug verfaßte unmittelbar darauf Hannibal eine Schrift in griechischer Sprache, die an die Rhodier gerichtet war (Nep. Hann. 13, 2), zweifellos ein politisches Pamphlet, das die ersten Unternehmungen der Römer als der neuen Herren Asiens allen Griechen zum warnenden Beispiel aufstellte (vgl. Ed. Meyer Kl. Schr. II 455, 2); sie nat in der Überlieferung keine Spuren hinterlassen. Aber 30 ein vorzüglicher Bericht eines Kriegsteilnehmers, und zwar eines Griechen liegt der Darstellung des Polybios zugrunde, von der einzelne Stücke im Original (Polyb. XXI 33–39), das Ganze in der Bearbeitung des Livius (XXXVIII 12, 1–27, 9. 37, 1–41, 15; danach Vell. II 39, 2. Val. Max. VI 1 ext. 2. Flor. I 27, 1–6. Oros. IV 20, 25. Auct. de vir. ill. 55, 1f. Rui. Fest. brev.

11, 2 [Mummiue pro consule statt Manlius], Ζοηατ. IX 20) erhalten und auch von Appian. 4(1 Syr. 39. 42f. benutzt worden ist (wahrscheinlich auch von Trogus; vgl. prolog. XXXII, von Iustin übergangen). Eigenart und Wert der Erzählung, die auf einem sorgfältig geführten Kriegstagebuch beruht und ihre Vorbilder etwa in Xenophons Anabasis, in den Ephemeriden Alexanders und ähnlichen Arbeiten hatte, sind von Nissen (Krit. Untersuch. 203f.) und von Mommsen (Röm. Forsch. II 538ff.) dargelegt worden; der Gedanke des letzteren (a. O. 542ff.; aueh R. G. 5( II 449), daß Polybios selbst der Feldzugsteilnehmer und Berichterstatter gewesen sein könne (vgl. besonders die Berufung auf eigene Kenntnis XXI 38, 7 [aus Plut. mul. virt. 22] = ui traditur Liv. XXXVIII 24, 11), ist nicht wahrscheinlich, weil nach den sonstigen Lebensnach-riebten Polybios dafür zu jung war (s. C u n t z Polybios und sein Werk [Leipzig 1902] 76 und den Art. Polybios). Der amtliche Bericht des M. selbst ist vielleicht von Claudius Quadrigarius 61 herangezogen worden, den Liv. ΧΧΧΥΙΠ 23, 8 zusammen mit Valerius Antias für die Zahl der am Olympos gefallenen Galater zitiert (vgl. dazu Nissen 93. 204. Mommsen 544. Claud. frg. 66. Val. frg. 44 Peter), weil die Zahl des Claudius in der Rede des M. bei Liv. 47, 6 wiederkehrt, die nicht bloß von dem Verfasser komponiert ist (vgl. 47, 1 aceepi) dagegen können die

Pmk.Wimm.Vml1 IIV [1218] Manlius (Vulso) 1218

sachlichen Angaben in den gegen M. gerichteten Reden der Senatskommissare bei Liv. 45, 1f. keinen selbständigen Quellenwert haben, weil diese Kommissare überhaupt erst nach Beendigung des Galaterkrieges in Asien eintrafen (Polyb. XXI 44, 6 = Liv. XXXVIII 37, 11; vgl. Nissen 211 f.). Neuere Literatur über den Feldzug des M.: Stähelin Gesch. d. klein-asiat. Galater² (Leipzig 1907) 51ff. Bürchner o. Bd. VII 8. 527f. Brandis ebd. S. 543f. D e Sanctis Storia dei Romani IV 1, 217S. 396f. Der erste Teil der Expedition, zu der pergame-nische Hilfstruppen unter Attalos und -Athenaios, den Brüdern des Königs Eumenes, sich mit den Römern vereinigten, war ein Raubzug durch das südwestliche Kleinasien. M. marschierte von Ephesos nach Magnesia am Maiandros, überschritt diesen Fluß und ging an seinem linken Ufer stromaufwärts bis Antiocheia (o. Bd. I S. 2446 Nr. 16), wo Seleukos, der Sohn des Antiochos, vertragsgemäß Getreide lieferte, und zwar auf die Forderung des M. nicht nur den Römern, sondern auch ihren pergamenischen Bundesgenossen (Liv. XXXVIII 12, 1–13, 10; zum Anfang vgl. Polyb. XXI 33). Von hier wandte sich M. nach Südosten und ging über Tabai im karischen Binnenland nach Kibyra im südlichsten Zipfel von Phrygien (Bd.XlS.374ff.), wo der Tyrann Moagetes ganz besonders große Summen zu zahlen gezwungen wurde (Liv. 13. 11–14, 14, größtenteils = Polyb. XXI 34, 1. 2–13; die Charakteristik des M. bei Polyb. 34*6 von Liv. 14, 7 gemildert), und nach Pamphylien bis ins Gebiet von Termessos unter beständigen Erpressungen (Liv. 15, 1–6, größtenteils = Polyb. 35, 1–5 vgl. Mommsen 531). Dann kehrte er um und marschierte nach Norden durch Pisidien und Phrygien über Sagalassos (Bd. I A S. 1732f.) und Synnada, ohne das noch

! von Seleukos besetzte Apameia zu berühren, bis nach Abassos an der Grenze der Tolistobogier im westlichen Teile Galatiens (Liv. 15, 7–15, im Anfang = Polyb. 36, 1–4 vgl. Nissen 15). Auf dem ganzen bisherigen Zuge (vgl. noch Liv. 45, 2–4. 9. 48, 11. Appian. Syr. 42 Anf.) hatte M. hohe Kriegskontributionen eingetrieben und solchen Schrecken verbreitet, daß bei seinem Herannahen manche Städte von ihren Einwohnern verlassen wurden (z.B. Liv. 14,13f. 15, 6.11). Daß

. M. vor der Eröffnung der Feindseligkeiten seine * römischen Truppen an die Kämpfe erinnerte, die sie und ihre Vorfahren mit den Kelten auf italischem Boden ausgefochten hätten, und daß er dabei des Anteils seines eigenen Geschlechts an solchen Kämpfen gedachte (Liv. 17, 8f. vgl. schon 12. 4), ist an sich nicht unwahrscheinlich, wenn auch seine große Rede bei Liv. 17, 1–20 im ganzen dessen Eigentum ist. Die Galater zogen sich vor den Römern auf schwer zugäng-liehe Berggipfel zurück, so daß M. ohne Schwie-rigkeiten in ihr Gebiet einrücken und die Unterwerfung der hauptsächlich von der phrygischen Urbevölkerung bewohnten Städte Pessinus, Oro-anda (darüber soeben Ramsay Klio XXII 375ff.) und Gordion (o. Bd. VII S. 1590) entgegennehmen konnte (Liv. 18, 1–15, darin 18.

1. 3f. unter Verwechslung der Tolistobogier und Tektosagen = Polvb. 37, 1–3; 18, 9f. = Pol. 37, 4–7; 18, 14f. = Pol. 37, 8f.). Die TolisLh. [1219] 1219 Manlius (Vulso)

bogier, die der erste Angriff traf, hatten mit Weib und Kind auf einem steilen Berge Olympos ihre Zuflucht gefunden und die natürliche Festigkeit des Ortes durch Erdwerke erhöht; M. zeigte eine anerkennenswerte strategische Begabung (mit Recht betont von De Sanctis 220f.), indem er sie durch die systematische Anwendung von Fernwaffen aller Art in die Enge trieb und zueammenschoß, so daß er dann von drei Seiten her die Ersteigung der Höhe und den Sturm auf das Lager ausiühren lassen konnte, ohne ernsten Widerstand zu finden; die am Fuß des Berges zurückgebliebene Reiterei vereitelte alle Fluchtversuche der Überlebenden und machte den Sieg noch größer (Liv. 19, 1–23, 11 vgl. 45, 10–46, 5. 48, 13–19, 6. Appian. Syr. 42, der fälschlich an den mysischen Olymp denkt. Val. Max. Flor. Oros. Ruf. Fest.). Die Zahl der Toten war nicht zu ermitteln (Liv. 23, 6 und Appian. nach Polyb.), wurde aber von Claudius auf etwa 40000, von Antias nur auf 10 000 angegeben (Liv. 23, 7 [s. o.) danach Oros.); die der Gefangenen betrug 40 000 (haud dubie Liv. Appian.); sie wurden sofort in die Sklaverei verkauft (Appian.). Die erbeuteten Waffen wurden verbrannt (Liv. 23, 10. Appian.). M. rückte in drei Tagemärsehen nach Ankyra vor, um den zweiten Gau der Galater, die Tektosagen, zu bekämpfen (Liv. 24, 1); er nahm die Stadt durch Überraschung (Zonar. IX 20). Hier ereignete sich die oft erwähnte Episode der Chiomara, der gefangenen Gattin des Tolisto-bogierfürsten Ortiagon (Polyb. XXI 38, 1–7 [aus Plut. mul. virt. 22] = Liv. 24, 2–11. Val. Max. Flor. Auct. de vir. ill. 55, 2; s. Suppl. I S. 288), und hier erschienen feindliche Abgesandte mit der Aufforderung zu Verhandlungen des M. mit ihren Häuptlingen, was sich aber schließlich als eine Hinterlist herausstellte, der er beinahe zum Opfer gefallen wäre (Polyb. 39, 1–14 = Liv. 25,1–11 Appian. Diod. XXIX 12 mit ungenauer Bezeichnung des M. als Proconsul). Die Tektosagen standen in ähnlich fester Stellung wie vorher die Tolistobogier auf einem Berge Magaba (Liv. 19, 1. Flor. Magaba mons, qui nunc Modia-cus dicitur Ruf. Fest.); mit ihnen hatten sich die Trokmer vereinigt, der dritte, jenseits des Halys sitzende Stamm der Galater, und die benachbarten Fürsten Morzios von Gangra in Paphla-gonien (Bd. VII S. 707) und Ariarathes IV. von Kappadokien (Bd. II S. 817) hatten ihnen Hilfsvölker geschickt (Liv. 19, 1f. 26, 3f.). Aber der Kampf verlief wie das erste Mal; die Geschosse der Römer richteten in den dichten Reihen der Feinde solche Verheerung und Verwundung an, daß die wenigsten noch standhielten, als von mehreren Seiten zugleich der Angriff erfolgte; die meisten suchten ihr Heil in eiliger Flucht, 8000 wurden niedergemacht, die übrigen retteten sich über den Halys und baten demütig um Frieden; ihr Lager mit allem, was sie in vielen Jahren aus weiten Landstrichen zusammen-geraubt hatten, fiel in die Hand des Siegers. Da eich jetzt, in der Mitte des Herbstes, die rauhe Witterung in dem unwirtlichen Innern Kleinasiens fühlbar machte, führte M. sein Heer in das Küstengebiet zurück und schlug sein Hauptquartier in Ephesos auf (Liv. 26, 1–27, 9. Flor. Appian.). Hier empfing er während des [1220] Manlius (Vulso) 1220

Winters die zahlreichen Glückwünsche und Dankbeweise der Städte und Staaten, die von der argen Plage der galatischen Raublust erlöst waren, sowie die Gesandtschaften der Besiegten, der Galater, des Antiochos, des Ariarathes, die er mit mehr oder minder vorläufigem Bescheide erließ (Polyb. 43, 1–8 = Liv. 37, 1–7). Inzwischen wurde ihm in Rom das Imperium für 566 = 188 prorogiert (Liv. 35, 3 vgl. 7. 37, 1). Im 10 Anfang des Frühjahrs rückte er von Ephesos wieder gegen Phrygien und Pamphylien vor, nahm die dem Antiochos auferlegten Geldzahlungen und Getreidelieferungen in Empfang (Polyb. 43, 9–12 = Liv. 37, 8f.), traf mit dem syrischen Kommandanten von Perge ein Abkommen über die Räumung dieses Platzes (Polyb. 44, 1–5 = Liv. 37, 9f. vgl. Mommsen a. O. 531) und sandte seinen Bruder Nr. 93 zur gewaltsamen Eintreibung der noch ausstehenden Kontribution 20 vom Vorjahre gegen Oroanda (Polyb. 44, 7. 46, 1

– Liv. 37, 11. 39, 1 vgl. 45, 9). Dann ging er nach Apameia in Phrygien zurück und traf hier mit König Eumenes und den zehn Kommissaren des römischen Senats zusammen, die in der Zwischenzeit in Ephesos gelandet und hierher gereist waren; hierher kamen auch die Bevollmächtigten des Antiochos (Polyb. 44, 6. 8f. = Liv. 37, 11), und nun wurde auf Grund der schon von den Scipionen vereinbarten Präliminarien der 0 endgültige Friedensvertrag zwischen Rom und dem Seleukiden abgeschlossen (Polyb. 45, 1–46, 7 = Liv. 38, 1–18. Appian. Syr. 39 vgl. Nissen 206ff. Mommsen 525ff. De Sanctis 206ß.) und von römischer Seite durch M. feierlich beschworen (Liv. 39, 1 mit unrichtiger Bezeichnung des M. als Consul. Appian.). Die Ausführung der Friedensbedingungen folgte sofort; dabei überwies M. die von Antiochos ausgelieferten Elefanten dem Eumenes (Liv. 89, 5) und er4θ mäßigte auf dessen Fürbitte die im vorigen Jahr dem Ariarathes von Kappadokien auferlegte Strafsumme von 600 Talenten auf die Hälfte (Polyb. XXI 47 = Liv. 39, 6. Zonar. VII 20). Die vollständige Neuordnung Kleinasiens beschäftigte M. und die Senatskommission einen großen Teil des Jahres hindurch (Polyb. 48, 1–11 = Liv. 39, 5. 7–17); es sei davon nur wegen der insehriftlichen Bezeugung die ungerechte Entscheidung eines Grenzstreits zwischen t λ Priene und Samos erwähnt (Dittenberger

Syll. ³ 688 Z. 6 = Inschr. von Priene 41 vgl. 40). Der Name des M. wird ferner im Anfang eines Schreibens ergänzt, durch das ein στρατηγὸς ὕπατος Ψωμώνω der Stadt Herakleia am Latmos (Bd. VIII S. 431) ebenso wie anderen Gemeinden die Freiheit verleiht und als seinen Vertreter einen L. Orbius zusendet (Dittenberger Syll.³ 618); die Ergänzung des Namens wird aber bestritten und vielmehr der seines Vorgän-$0 gers im Oberbefehl L. Scipio vorgeschlagen;

leider ist mir keine der darauf bezüglichen neueren Untersuchungen zugänglich (Holleaux Revue des études anciennes XIX 237ß.; Στρατηγὸς ὕπατος [1918] 131ß, De Sanctis Atti Accad. Torino LVII 242ff.). Schließlich brach M. mit seinem Heere und in Begleitung der Senatskom-mission zum Hellespont auf, entbot dorthin die Häuptlinge der besiegten Galater und setzte ihr [1221] 1221 Manlius (Vulso)

künftiges Verhältnis zu Pergamon und den übrigen Nachbarn fest (Polyb. 48, 12. Liv. 40, 11.). Der Übergang nach Europa auf pergamenisehen Schiffen und der Marsch durch die Chersonnesos bis Lysimacheia bot keine Schwierigkeiten (Liv. 40, 3f.); aber auf dem weiteren Zuge durch das unabhängige thrakische Binnenland reizte die langgestreckte Kolonne der mit ungeheurer Beute beladenen Wagen und Lasttiere die Begierde der räuberischen Eingeborenen. Sie überfielen die Romer noch vor dem Hebros im Gebiete von Kypsela (o. Bd. XII S. 118) und dann noch einmal bei Tempyra im Hinterlande von Maroneia und fügten ihnen großen Schaden zu, indem sie namentlich bei dem ersten Angriff einen nicht ganz unbeträchtlichen Teil des Gepäcks wegschleppten und u. a. ein Mitglied der Senatskommission, den Consular Q. Minucius Thermus, erschlugen (Liv. 40, 5–41, 10. 46, 6–9. 49, 7–12. Appian. Syr. 43. Nur ein verstümmelter 20 Rest Polyb. XXI 49 erhalten. Vielleicht hierher zu ziehen Flor. I 39, 6: Volso Rhodopen Cauca-sumque penetravit). Die Schuld an diesem Mißgeschick wird wesentlich dem Oberbefehlshaber M. beigemessen; dieser Vorwurf ist von zwei Senatskommissaren, die sich hierfür auf eigene Kenntnis stützen konnten, unmittelbar nach der Rückkehr im Senat erhoben worden (Liv. 46, 6–9) und wird schärfer als im livianischen Hauptbericht von Appian wiederholt und begrün- 30 det, stand also auch bei Polybios; der mehrfach angedeutete Gegensatz zu dem friedlichen Durchmarsch, den die Scipionen kurz vorher durch dieselben Gegenden ausgeführt hatten (Liv. 41, 11. Appian.), hat das Urteil beeinflußt. Als M. durch das Gebiet der griechischen Küstenstädte in Thrakien die makedonische Grenze erreicht hatte, konnte er den Weg unbehelligt durch befreundetes Gebiet bis nach Apollonia fortsetzen, wo er die Winterquartiere bezog (Liv. 41, 15.40 Appian.). Im neuen J. 567 = 187 trat in Rom eine bedeutende und mit den Fulviern und ihrer Partei, zu der M. gehörte, verfeindete Persönlichkeit als Consul an die Spitze der Regierung. M. Aemilius Lepidus (vgl. Röm. Adelsparteien 170ff. 414. Schur Scipio Africanus 91ff.), und eröffnete sofort den Kampf gegen die eigenen Vorvorgänger Fulvius Nobilior und M. (vgl. über diesen Liv. 42,10–12),deren Abberufungfreilich auch ohnehin beschlossen worden wäre (ebd. 13). Erst 5C nachdem die Consuln Rom verlassen hatten, traf M. über Brundisium hier ein (Liv. 44, 9. Appian.), erstattete dem Senat im Tempel der Bellona Bericht über seine Taten und forderte als Lohn den Triumph (Liv. 44, 10). Da erhob sich ein entschiedener Widerspruch aus dem Kreise der ihm beigegebenen Senatskommissare, geführt von L. Furius Purpureo (o. Bd. VTÏ S. 362) und L. Aemilius PauUus, die schon eine gereizte Stimmung vorfanden (vgl. Liv. 43, 9). Die aus- 6( führiichen Reden der beiden Gegner (Liv. 45, 1–46, 12 und des M. (47, 1–49, 13) sind zwar von dem rhetorisch geschulten Livius kunstvoll ausgearbeitet worden, entbehren aber doch nicht einer inneren Wahrscheinlichkeit; Worte wie das von dem consul mercennarius, der den Söldnerführer der pergamenisehen Könige spielte (45. 9), mögen wirklich gefallen sein, und die auch [1222] Manlius (Vulso) 1222

sonst erhobene Beschuldigung, daß der Krieg aus bloßer Ruhmsucht und Beutegier vom Zaune gebrochen sei (vgl. eupidus triumphi Flor. I 27, 2. Vir. ill. 55, 1), hat in diesem Falle gewiß nicht gefehlt (vgl. Cic. Brut. 255 über die Ligurer-triumphe jener Zeiten). Daß die parteipolitischen Gesichtspunkte ins Gewicht fielen, wird jetzt allgemein anerkannt, zumal angesichts des Auftretens des L. Aemilius Paullus gegen M. (Geizer Nobilität der röm. Rep. 105. Schur 92. 136f.; sogar De San.ctis 225, 182. 229, 192. 590f.). Beinahe hätte der Widerspruch gegen den Triumph des M. seinen Zweck erreicht (so Hör.

I 27, 3 aus Flüchtigkeit); doch den Freunden und Verwandten gelang es, die Bewilligung durchzusetzen (Liv. 50, 1–3. 58, 11L). Die Angriffe gegen M. waren selbst dann noch nicht vorüber (Liv. 54, 6f. XXXIX 1, 4. 6, 4f. 7, 3), und deshalb zog sich die Feier des Triumphes noch längere Zeit hin; er fand statt extremo anni, magistratibus iam creatis, ante diem ter-tium Nonas Martias (Liv. XXXIX 6, 3), d. h. August oder September des Iulianischen J. 187 v. Chr. (Beloch Klio XV 391. D e San cti s 397). Die aufgeführte Beute war so groß, daß nicht nur den Soldaten reiche Belohnungen gegeben werden konnten, sondern auch durch einen von den Parteigenossen eingebrachten Senatsbeschluß rückständige Kriegssteuern den Schuldnern erlassen wurden (Liv. XXXIX 7, 1–5). Aber das Urteil der Zeitgenossen und der Späteren lautete, daß von dem Triumphe des M. noch mehr als von dem des L. Scipio die massenhafte Einfuhr asiatischer Luxusartikel, die Gewöhnung der Soldaten an Üppigkeit und Zuchtlosigkeit und folglich der allgemeine Sittenverfall in Rom seinen Anfang genommen hätte (Piso frg. 34 Peter bei Plin n. h. XXXIV 14. XXXVII 12. Liv. XXXIX 6, 7–9. Augustin. civ. dei III 21),

¹ Im J. 570 = 184 bewarb M. sich vergebens um die Censur (Liv. XXXIX 40, 2); später wird er nicht mehr erwähnt.