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RE:Marcius 97

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Rutilus, C. Begründer des Adels der plebeiischen Marcier
Band XIV,2 (1930) Sp. 1588–1589
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Friedrich Münzer: Marcius 97. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Band XIV,2 (1930), Sp. 1588–1589, digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/RE:Marcius_97

97) C. Marcius Rutilus, der Begründer des Adels der plebejischen Marcier, war L. f. C. n. (Acta triumph. 397. 398). Er war Consul I mit Cn. Manlius (o. S. 1175 Nr. 53) im J. 397 = 357 (Acta triumph. Chronogr. Hydat. Chron. Pasch. [beide mit entstelltem Kognomen], Liv. VII 16, 1. Cassiod. Diod. XVI 28, 1. Dionys. XIV 13, 1f.) und führte einen Feldzug gegen Privernum aus. Seinen Triumph bezeugen Acta triumph. und Liv. VII 16, 6. Nach Liv. VII 16, 3–6 sicherte er seinem Heere die ganze Beute zu und entflammte dadurch seine Kampfbegier, so daß er die Feinde schlagen und bis an die Mauern ihrer Stadt verfolgen konnte, dann die Vorbereitungen zum Sturme traf und die erschreckte Stadt zur Ergebung zwang. Nach Dionys. XIV 13, 1f. trat er mit den belagerten Privernaten in Verhandlungen über die Kapitulation ein und ließ sich durch die mannhafte Haltung und Antwort ihrer Gesandten zum Abzug bestimmen. Die letztere Erzählung wird dagegen von Liv. VIII 21, 1ff. (daraus Val. Max. VI 2, 1. Dio frg. 35, 11) an den Bericht über die zweite Einnahme von Privernum durch C. Plautius Decianus 425 = 329 angeknüpft. Eine volkstümliche Erzählung wurde eben von den Annalisten nach Belieben bei verschiedenen Jahren untergebracht (Niebuhr R.G. III 202 A. 313), vermutlich hier mit mehr Recht bei dem späteren als bei dem früheren Jahre. Im J. 398 = 356 wurde M. als erster Plebeier zum Dictator ernannt und nahm auch einen zweiten Plebeier zum Reiterobersten, den C. Plautius Proculus (Acta triumph. Liv. VII 17, 6–10. 22, 7. 9. 38, 9. X 8, 8). Er gewann angeblich einen großen Sieg über die ins römische Gebiet eingefallenen Etrusker, von denen er allein 8000 zu Gefangenen gemacht haben soll (Liv. VII 17, 9. Eutrop. II 5, 2. Oros. III 6, 3) und feierte einen Triumph über sie ohne Genehmigung des Senates auf Geheiß des Volkes (Liv. ebd. und X 37, 10. Eutrop. Acta triumph. vgl. Mommsen St.-R. I 134, 7. III 1233, 4 und zu dem Präzedenzfall von 305 = 449 o. Bd. VIII S. 2330, 18ff.). Diod. XVI 36, 4 verzeichnet nur den Raubzug der Etrusker und ihren Rückzug. Consul II wurde M. mit P. Valerius Poplicola 402 = 352 (Liv. VII 21, 4. Cassiod. Diod. XVI 52, 1. Rutillo II Chronogr.; die Consuln fehlen bei Hydat und Chron. Pasch.). Sowohl die Bestellung von Quinqueviri mensarii durch diese Consuln (Liv. VII 21, 5–8), wie die Ernennung eines Dictators (ebd. 9) scheint gut beglaubigt zu sein (vgl. Mommsen a. O. II 640f. o. Bd. X S. 110 Nr. 17); mit der ersteren Maßregel kann der Erlaß des vielleicht nach diesem Consul benannten marcischen Wuchergesetzes (Gaius inst. IV 23 o. Nr. 3 in Zusammenhang stehen (s. o. Bd. VI S. 2193f.). Im folgenden J. 403 = 351 gelangte M. als erster Plebeier zur Censur, und zwar zusammen mit Cn. Manlius, seinem Kollegen im ersten Consulat (Liv. VII 22, 7–10. 38, 9. X 8, 8. Vgl. Zeittafel aus Oxyrhynchus Oxy. Pap. I nr. XII = Bilabel Die kleineren Historikerfragmente auf Papyrus 12 Col. I 13–15, ergänzt von v. Wilamowitz GGA. 1898. 693, 2: [ἐπὶ Ῥώμης οἱ τι]μηταὶ πρῶ[τον ἐκ] τοῦ δήμου ἡρέθησαν). Das dritte Consulat bekleidete er 410 = 344 mit T. Manlius Imperiosus Torquatus Consul II (Rutillo III [1589] Chronogr. Rutilio et Torquato II versehentlich Hydat. und Chron. Pasch. Liv. VII 28, 6. Cassiod. Diod. XVI 74, 1; s. o. S. 1184, 61ff.) und das vierte 412 = 342 mit Q. Servilius Ahala (Rutillo IIII Chronogr. Wie 410 Hydat. und Chron. Pasch. Liv. VII 38, 8f. Cassiod. Diod. XVI 82, 1. Dionys. XV 3, 1; s. Bd. II A S. 1772f.|Seite_1772). Er soll damals den in Kampanien drohenden Ausbruch eines Soldatenaufstandes durch kluge Vorsichtsmaßnahmen verhütet haben (Liv. VII 38, 8–39, 7. Dionys. XV 3, 10–12. Appian. Samn. 1, 1: Μάμερκος statt Μάρκιος. Frontin. strat. I 9, 1: Aulus Manlius consul [s. o. S. 1154 Nr. 10]. Zur Kritik dieser Tradition s. Niebuhr 71f.: ‚rätselhaft ohne Gleichen‘ Mommsen R. G. I 355f. A.: ‚ebenso verwirrt wie sentimental‘ und den Art. T. Quinctius). M. war jedenfalls eine bedeutende Persönlichkeit und steht deshalb auch bei Liv. IX 17, 8 an zweiter Stelle unter denen, cum quibus consulibus aut dictatoribus Alexandro Makedone fuit bellandum – wenn nämlich der große Makedone nach Italien gekommen wäre. Aber seinen Aufstieg zum viermaligen Consulat, zur Dictatur und zur Censur verdankte M. mehr seiner nahen Verbindung mit dem Patriciat, als der Unterstützung der Plebs (vgl. Röm. Adelsparteien 31); daher kann auch der Bericht von der Vereitlung der Soldatenmeuterei ein Körnchen Wahrheit enthalten.