Zum Inhalt springen

RE:Maximus 37

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
unvollständig  
Dieser Text ist noch nicht vollständig. Hilf mit, ihn aus der angegebenen Quelle zu vervollständigen! Allgemeine Hinweise dazu findest du in der Einführung.
Sophist aus Tyros
Band XIV,2 (1930) S. 25552562
Bildergalerie
Register XIV,2 Register m
Link für WP   
* {{RE|XIV,2|2555|2562|Maximus 37|[[REAutor]]|RE:Maximus 37}}        

37) [...] [2556] [2557] [2558] [2559] [2560] [2561] [2562] 2555

Maximus

durch Gesetze vom 22. September und 10. Oktober für die Praefeetur Italien aufgehoben (Cod. Theod. XV 14, 6. 7) und am 14. Januar 389 für Gallien (a. O. 8). Doch scheint die Erhebung der Provinz Galaecia zu einer von einem Consu-laris statt eines Praeses verwalteten Bestand gehabt zu haben (CIL II 4911)[1] Das Gesetz vom 8. September 387 (Cod. Theod. VI 28, 4) Über die Pflichten des Princeps officii schreibt Seeck (V 519 und Regesten 54, 13) dem M. zu, ebenso 1 Cod. Theod. IX 36, 1 vom 12. Juli 885 über die Frist, innerhalb derer ein Ankläger eine Anzeige zur Entscheidung zu führen hat (Regesten 54, 8).

Pacatus schildert uns den M. in seinem Pane-gyricus auf Theodosius als grausamen, treulosen, habsüchtigen Tyrannen. Seinen Geiz tadelt auch Sulp. Sev, dial III 11, 10f., doch entschuldigt er dies mit der Geldnot, in die ihn seine Rüstungen brachten. Sonst ist er ihm (dial. III 11, 2) alias sane bonus y depravatus consiliis sacerMum. Und abgesehen davon, daß er seinem Herrn den Fahneneid gebrochen habe, ist er für Orosius (VII 34, 9) vir strenuus et probus at-que Augusto dignus.

Richter Da? Weströmische Reich besonders unter den Kaisern Gratian, Valentinian und Maximus, Berlin 1865. Güldenpenning und Ifland Der Kaiser Theodosius der Große (Halle 1878) 122(L 161ff. Sievers Studien zur Geschichte der röm. Kaiser (Berlin 1870) 304ff. 31 H. Schiller Gesch. d. röm. Kaiserzeit II (1887) 405ff. Rauschen Jahrb. der christlichen Kirche unter dem Kaiser Theodosius, Freiburg 1897. Seeck Geschichte des Untergangs der antiken Welt V 1913. Jullian Hist. de la Gaule VII (1926) 290ff. E. Stein Gesch. d. Spätröm. Keiches I (1928) 310ff. 316. 319f.

RE:Maximus 34

[Bearbeiten]

34) Maxima (inschriftlich Maxuma) wird in einem stadtrömischen Fragment (Bull. comm. IX p. 21 nr. 458) als... filia, fetialis ufoorJ be- zeichnet.

RE:Maximus 35

[Bearbeiten]

35) .... Maxima bezeichnet sich auf der Grabschrift (CIL XIV 3517[2] Castelmadama), die sie ihrem im Alter von 28 Jahren verstorbenen Gatten, dem praetor tutefarius Tineius Tarrutenius Atticus, mit dem sie 9 Jahre 7 Monate 11 Tage verheiratet war, gesetzt hat, als c(larissima) f(emina).

RE:Maximus 36

[Bearbeiten]

36) Maximos von Aigai in Kilikien, bekleidete die Stelle eines kaiserlichen Sekretärs (βασιλείων 50 ἐπιστολῶν) nach Philostr. vit. Apoll. 1, 12 extr. I p. 11 Kayser. Euseb zu Hierocl. I p. 371, 22 Kayser belichtet, daß M. ein kurzes Buch über die Jugendzeit des Apollonios geschrieben habe (xo· μιδρ βραχέα τῶν κατὰ μέρος αὐτῶ πεπραγμενῶν ἀνεγράψατο)θ der im Asklepiosheiligtum zu Aigai in Kilik en Wunder gewirkt und in Herakleia am Pontos den charakterlosen Pythagoreer Euxenos gehört hatte (Philostr. vit Apoll. 1, 7ff. p. 7ft); vgl. Christ-Schmid Gesch. d. gr. Lit. II 379t 60

RE:Maximus 37

[Bearbeiten]

37) Maximos von Tyros, Sophist. Eusebios in der Chronit setzt seine Blüte ins J. 152 n. Chr. Suidas (der ihn einen Philosophen nennt) läßt ihn unter Commodus in Rom leben; trifft beides zu, so muß er ein hohes Alter erreicht haben. Über verfehlte Identifikationen s. z. B. D ü r r 4. Seinem Wesen nach paßt er durchaus in die [2556] Maximus

2556

zweite Hälfte des 2. Jhdts. n. Chr. Über seine Reisen können wir kaum mehr sagen, als daß er in Rom war und den Maiandros und Marsyas gesehen hat (2, 8f.); auf die Behauptung, er habe den von den Arabern verehrten Baitylos selbst geschaut, wind niemand etwas geben. Erhalten sind uns. von M. nach dem Index der einzigen Hs. (Hobein LXXVI) 35 Reden; da einige davon mehrere Teile haben, so kommt die übliche .0 Zählung auf 41. Die Hs. gliedert diese Masse in zwei Bestandteile: 1. τῶν ἐν Ῥώμη διαλέξεων τῆς πρώτης ἐπιδημίας ἄ'–δ’ (nach der verkehrten Zählung von Hobein, der man dennoch zu folgen gezwungen ist, nr. 80–35); 2. φιλοσοφούμενα, ein verschwommener, alles übrige deckender Titel (vgl. auch die Inhaltsangabe der ganzen Hs. bei Hobein XXI). [Das zweite τῶν ἐν Ῥώμη διαλέξεων usw. war keine Subscriptio, wie selbst Mutschmann zugeben muß; wir 0 haben also zwei gleiche Titel vor Dnebn. I und

Duebn. VII, d. h. zu den ἐν Ῥώμη διαλέξεις gehören sowohl I–VI (Duebn.) als auch VII–XLI (Duebn.). Ist nun nach der durch die Unzialen als die ursprüngliche erwiesenen Zählung I Duebn. = 30 Hob. und VII Duebn. = 1 Hob., so haben wir einmal 1–29 als in Rom gehaltene διαλέξεις bezeichnet, ebensogut aber auch 30–41. Die Wiederholung der Subscriptio hat dann mit dem Inhalt nichts mehr zu tun, sondern ver-dankt ihre Entstehung buchtechnischen Gründen (Anfang einer neuen Rolle?). Der zweite ,titulus‘ Μαξίμον φιλοσοφονμενά gehört gleichfalls zum ganzen Corpus, nicht als Buchtitel, sondern als Aufschrift auf dem Rollenzettel (οἰλλνβος)θ und ist vielleicht auf zwei Ὕθθ tiMV verteilt gewesen; φιλοσὸ φονμενά °

das Herausheben von 30–35 aus der alten Reihenfolge und die Verteilung der zwei inscrip-tiones aut die so entstandenen zwei Corpora ist > ebenso willkürlich wie der Beginn der Anordnung mit 17 (Duebn.) in MNa wegen Platon und IV (Duebn.) in BHZ wegen τὶ τέ)ος φιλοσοφίας, sowie mit VII in K (wo dut 11 Dialoge erhalten sind).

Für die Kontinuität der Dial. 2–41 (Hob.) spricht der Hinweis in 11 (περὶ θεῶν) auf 8 (περὶ διαμονῶν) durch die Worte καὶ γὰρ ἤν ἐντανὺα τὸ μὲν ὄνομα δήλον (127, 10); die Vorbereitung auf 30–36 durch 29 ποὶ τις τράπηται 349, 11 = 411, 7, wobei 30–31 und 33 gegen, 32 für Epikur die Frage, ob ἤδονη ein ἀγαμόν sei, behandelt, 34 den stoischen Gedanken der unerprobten ἀρετή am Beispiel des Herakles entwickelt (397, 4), 36 dem Kynismus das Wort redet, nachdem in 35 eine nicht von ihm gewollte Unterbrechung (über die Freundschaft) im Schluß an 2 wiederangeknüpft hat; die (nicht innegehaltenen) Versprechungen (καὶ αὐθις εἰσόμεθα6$, 8. 94, 6. 160, 8. 427, 7) später von einer Sache zu reden, die er im Augenblick zurücksteält; endlich die häufige Verteilung eines Themas auf mehrere Dialexeis (8/9. 15/16. 18/19/20/21. 23/24. 30/31 /32/33. 30/4C = 16mal), die je zwei (vier) ein und dasselbe Auditorium voraussetzen]. Mehrere Reden gehören zusammen; so die beiden über das Daimonion des Sokrates (nr. 8. 9), die über den Vorzug des tätigen oder des beschaulichen Lebens (nr. 15. 16), über den Eros des Sokrates (nr. 18 [2557] 2557 Maximus}}

–21), über den Nutzen der verschiedenen Stände für den Staat (nr. 23. 24). Auch die sechs in Rom gehaltenen Vorträge über die ἠόονή bilden so etwas wie eine innere Einheit (Mutschmann Sokr. V 185). M. führte das Leben eines Wanderpredigers wie Dion und Lukian; in einer neuen Stadt angekommen, warf er zunächst den Köder aus und hielt dann mehrere Tage lang je einen Vortrag von etwa 20 Minuten Dauer. [Nachweisbar nur in Athen, wo eine der in den j 40 Dialer, ausgeübten gleichartige Lehrtätigkeit bewiesen wird a) durch Eusebius, der ihn mit den in Athen bekannt gewordenen Größen des J. 152, Arrian. Apollonius (vgl. Luk. Dem. 31) zusammenstellt; b) durch seinen eigenen Hinweis darauf (τὶ ἐμοὶ ὄφελος τῶν πολλῶν καὶ τῆς ὀννεχοῦς ταύτης ἀγωνίας or. 1 p. 11, 6 und εἰ γὰρ usw. 11, 1); nicht allzulange danach muß er nach Rom übergesiedelt sein – denn bei seinem Auftreten dort rechtfertigt er sein vom übli- 2 liehen σχήμα der Philosophen (alt, arm, von obskurer Herkunft; abweichendes Aussehen (jung, reich, vornehm) 19 a (15, 7) – vielleicht ungefähr um dieselbe Zeit wie der Lehrer des späteren Kaisers Marc. Anton., der Stoiker Apollonius, der noch als Erzieher des Commodus tätig, damals ebenfalls jung und doch schon bekannt genug gewesen sein muß; auf diesen Abgang nach Rom gründet sich vielleicht die Verwechslung unseres M, mit Claudius M., dem Lehrer des Kaisers die Eusebius untergelau- fen ist. War er aber bei seinem Auftreten in Athen etwa 25 Jahre, also um 125 geboren, so war er, wenn Suidas recht hat, als angehender Sechziger noch (oder wieder) in Rom, wo als Privatmann zu leben ihm sein Reichtum – im Gegensatz zu den Schicksalen Dios und Lukians – wohl gestattet haben mag.] So weist die Wendung ,wenn wir heute den Kampf wieder aufnehmen sollen' (21, 3) auf or. 20 als am Tage vorher gehalten zurück; so beginnt 31 ,Gestern versuchte jemand, die Hedone als erstrebenswert hinzustel-len/ [τήμερον (Or. 161, 1 b (196. 11) und Or. 21, 3 a (256, 16) braucht nicht unbedingt auf den vorhergehenden Tag zu deuten; ἐχθές or 31. la (360, 5) ist unbewiesene Vermutung Heinses, und gegen das ἐχθὸς λόγος nichts zu sagen; das ἀναλαβόντες αὐῦις αυ τοὺς περὶ ἔρωτος λόγους wie den Anfang eines langen Weges μετ' ἀνάπαυλαι βα· δίζωμεν ἐπὶ τὸ τέλος or. 19, 1 a (234, 4) könnte auch eine längere Ruhepause bedeuten; es handelt sich ja nicht um den schulmäßigen Fachunterricht in der Philosophie (wie die cotidiana? lectiones des Taurus, Gell. n. Att. I 16), sondern um eins der »Gratis-Kollegs' allgemeiner Bildung, das zu hören dem vornehmen Römerjüngling sozusagen Pflicht war und vidieicht von Stunde zu Stunde verabredet wurde.] Die Oberflächlichkeit der Erörterungen beruht zum großen Teil darauf, daß sie einen bestimmten Zeitraum nicht überschreiten durften; oft hatte M. mit allerlei Hors doeuvres, die ihm seine Belesenheit in reicher FüDe darbot, soviel Zeit vertrödelt, daß er die Behandlung seines eigentlichen Themas übers Knie brechen mußte. [Das ,Vertrödeln der Zeit* spricht nicht für Mutschmanns Ansicht von den sorgfältig zu Haus am Schreibtisch schriftlich ausgearbeiteten Vorträgen: das αἰ'τοσχεδιάζειν (Luc. -het praec.; Flut. rect. aud. rat. u. a.) ist an sich [2558] Maximus

2558

doch gar nichts so seltenes und ungewöhnliches; warum soll es nicht für M. zutreffen, wenn nicht zu verkennende Anzeichen dafür vorhanden sind, wie daß er nicht nur vor dem sonst rhetorisch kenntlich gemachten und unterstrichenen Schluß vorzeitig – weil die Zeit um war – abbricht (or. 41, 5 m (484, 4); or. 30, 5. g (359, 17); Or. 6, 7 e 75, 3) oder die angefangene Aufzählung der Beispiele (32, 10 k (380, 5) oder den nicht zu 0 Ende geführten Gedanken (11. 12 e (145, 9) mit einem schnell zusammenfassenden ὄρθς τὴν ἀφθονίαν τῶν ἠδονῶν und τὴν διαδοχὴν ὄρφς wenigstens formell abschließt, sondern auch da, wo ihm der Stoff vor der Zeit ausgeht, ein Beispiel* einen Gedanken, den er noch schnell aufgegriffen hat, anflickt wie in 6, 6 g nach τοιουτθν ἡ ἐπιστήμη τοιουτον ἡ ἀμαλία das vollkommen neue ἐγω δὲ καὶ τοὺς Μίνω νόμους ἐπιστήμην καλω (74, 10), in 24, 6f. nach ω τῆς καλῆς ἀντιδόσεως

•0 noch Beispiele (295, 17), die nichts zur Sache beweisen; in 26, 9f. τοῦτο τέλος usw. mit folgendem nichtssagendem Bezug auf Homer; ferner daß er sagt, daß ihm ein Bild, ein Gedanke gerade in den Sinn kommt oder wieder einfällt (83, 11 καὶ δὴ φέρων μὲ ὁ λόγος εἰς παράδειγμα USW.; 337, 4 ὑπήλθε μὲ λέγοντα usw.; 332. 16 τὶ δὴ ὁ Χείρων ἤλθεν ἠμῖν δεύρο ἐπὶ τὸν λόγον; 353, 61 ἐπεὶ ὁ λόγος οὐκ οἰδ' ὅπως εἰκόνος θαλαττίας ἐπελάβετο), schließlich, daß er im Bestreben, die jO Sache k¹ar zu machen, nach Bildern sucht, die

ihm im Augenblick einfallen und die er gleich darauf durch andere ihm besser scheinende ersetzt (ἔοικεν τὸ ἀδικεῖν καὶ ἀδικεῖσθαι πολυ μαλλω τῷ ὄραν καὶ ὄρασθαι – ἡ μάλλον οὐτωσὶ λέγωμεν 12, 2a (147, 16); otov εἰ ξννίης παναρμὸνιὸν τὶ ὄργανον ... μάλλον δὲ ὄντως 26, 4e (313, 8) und selbst während des Sprechens merkt, daß er nicht recht deutlich geworden ist (αἰσθομαὶ ἔμαυτου γλίσχρως τὸ πράγμα διελομένον καὶ δεομένον 40 εἰκόνος 260, 13) oder sich einer περίοδος bewußt

wird (232, 17). Vgl. 79, 18. 162, 13. 326, 12. 322, 16.] Über das Wesen der διαλέγεις vgl. Rohde Roman 322. v. Arnim Dion: 179.

M. ist nicht Philosoph, sondern Sophist, wenn, er auch die Deklamationen ablehnt (22, 3f.).; er konnte gewiß auch übei ganz andere als philosophische Themen in etwa derselben Weise reden. Er geht jeder systematischen Erörterung und jeder sorgfältigen Disposition aus dem Wege; 50 sein Ziel ist es, gewisse Heilswahrheiten einem Laienpublikum in immer neuer Form bequem nahe zu bringen. Diese Wahrheiten stehen ihm im Grund* genommen von vornherein fest und holden den festen Hintergrund all seiner Darlegungen; er braucht sie nicht zu beweisen, sondern predigt über sie. Dazu bedient er sich des ganzen Rüstzeuges der Sophistik: einer kunstvollen literarischen Sprache und der Kunstmittel der Rhetorik, von denen ei das Isokolon tothetzt, uüber die einzelnen rhetorischen Mittel s. Dürr 123. Er besitzt eine erstaunliche Belesenheit und steckt abgesehen von Reminiszenzen aus den gelegnen Dichtem voll von Geschichten und Gc-schichtchen, so daß er nie um ein Paradeigma verlegen ist; das ist wichtig namentlich für die Einleitungen seiner Reden, für dit er mit Vorliebe Anekdoten (auch Tierfabeln) benutzt. Wenn er auch diesen gewaltigen Gedächtnisstoff jeder- [2559] 2559

Maximus

zeit bereit hat, so ist es doch eine schiefe Vorstellung Hobeins (Diss. 90. 94 Ausg. L), daß seine Reden Improvisationen seien, daß er sich etwa Themen aus dem Zuhörerkreise habe stellen lassen (und daß die Überlieferung auf stenographierten Nachschriften beruhe). [Auf durch sein προβάλλετε hervorgerufene Vorschläge oder Äußerungen der Hörer in der μελέτη deuten κότα ὑμῶν φασκόντων ἔχειν (seil, eine Ansicht über Gott) 130, 6; μὴ τοίνυν ἔρη, 47, 12; θαυμάζεις εἰ Σω· 10 κράτει συνην δαιμόνων usw. 86, 9; ἐπιτολμητὸν τοὶ περὶ Σωκράτοῦς ἐκλογίσασθαι 220. 1 (,ist es da gewagt', was auf eine Sokratesἐρωτική abfällig beurteilende Meinungsäußerung schließen läßt); ferner der Umstand, daß das Thema oft gar nicht, oft erst spät genannt oder gestreift wird, vor allem aber, daß das gestellte Thema von ihm so lange gedreht und gemodelt wird, bis es auf die Ausführungen, die er dafür im Geist bereit hat, paßt (so wird die Frage nach dem δαιμόνων 20 des Sokrates auf das δαιμόνων überhaupt abgelenkt 90, 3. 94, 6 und 101, 14; von dem θεὸς κατὰ Πλάτωνα auf die Frage nach Gott im allgemeinen (129, 20 aber 130, 7; und nachdem 139, 18 kurz an Platons ·θεός erinnert ist, dann wieder abgebogen (πώς ὄρμ νους) 140, 14; von Sokrates’ Erotik auf die Erotik 225, 6; von Epikur auf den Kampf der ἀρετή mit der ἠδονή 353, 10 und 16 aber 371, 12; die Entscheidung, ob Dichter oder Philosophen besser über Gott geurteilt 30 haben (41, 13), wird umgangen 47, 12; ähnlich μάθησις und ἀνάμνησις 114, 8; Platon und Homer 211, 1). Auch die Vertiefung der Ausführungen z. B. in den Doppelvorträgen (8/9 über das Daemo-nium, wo in 9 ein einwandfreier philosophischer-Beweis für die Existenz der Dämonen sozusagen nachgeliefert wird; vgl. die dritte der ?)Öo-Reden (für Epikur), spricht dafür, daß ihm, wenn er nach der erstmaligen Behandlung des Themas den Stoff im Geiste übersenaute, nachträglich die σοφώτε· 40 ραὶ φροντίδες gekommen sind; beweisend sind endlich auch Fälle, in denen er auf den Beweis des Themas überhaupt verzichtet, da ihm eine solche Fülle von Beispielen zur Verfügung steht, die für sich selbst sprechen, daß die Frage des Themas sich eigentlich erübrigt (or. 2 über die ἀγάλματα, 29, 7 τὶ μοὶ τὸ λοιπὸν ἐξετάζειν ὑπὲρ ἀγαλμάτων, nachdem er 27, 10 die Entscheidung (πώς ἄν οὐν τις διαιτήσαι τὸν λόγον usw.) ganz obenhin gestreift und in seiner Weise umgangen hat. 50 All das ist die Art eines Lehrers, der in seinem Fach wohl bewandert, seine Weisheit geschickt an den Mann bringt, ohne sich ängstlich auf jede Stunde zu präparieren; wenn er trotzdem ,aus dem Stegreifreden⁴ die Redekünste und Tricks gewiegter Redner anwendet, so zeigt das nur, daß er auch die Form so gründlich beherrscht, daß ihm z. B. 3, 5, 7 Gliederungen, ὀμοιοτέλευτα, ἰσόκωλα u. a. unwillkürlich da in den Mund kommen, wo er Beispiele und Bilder häuft.] M. mag 60 die Fähigkeit zu solcher Improvisation besessen haben, aber die erhaltenen Reden sind sorgsam zu Hause vorbereitet und schriftlich fixiert. Hier kommt es nicht auf die Gedanken an, die aus dem großen Glückstopf der populärphilosophischen Vulgata jeder entnehmen konnte, sondern auf die Form; daß er Themen der Modephilosophie kurzweilig und pikant behandeln konnte, war seine [2560] Maximus

2560

Spezialität, die ihn von anderen seines Schlages unterschied und auf die er gewiß nicht wenig stolz war. In nr. 1 (δὴ πρὸς πασαν ὑπάθεοιν ἀρμόοεται 6 τοῦ φιλοσόφου λόγοςζ die Überschriften sind nicht unbedingt authentisch), wo er vor einem neuen Kreise redet, sucht er sich und seine Art zu empfehlen: er führte die Jugend in die Philosophie ein und nütze ihr dadurch für jeden Beruf, den sie ergreifen wolle; man solle ihn nicht mit den Kynikern gewöhnlichen Schlages verwechseln (die natürlich nicht das Auftreten des Sophisten hatten).

Nach alledem ist die Dogmatik des M. von gteringem Belang. Ihm kommt es auf wenige Lehrsätze an, unter denen die Hegemonie der ἀρεπή und die Verwerflichkeit der ἠόονη an erster Stelle steht; Stärkung des λόγος und νους in uns, die zugleich Fühlung mit der Gottheit bedeutet. Alles Theoretische dient letzten Endes nur einem praktischen Zwecke: den Zuhörern soll die Philosophie so nahe gebracht werden, daß sie in jeder Lebenslage ethischen Grundsätzen zu folgen imstande sind. Als Prügelknabe dient ihm Epikur, von dem er sich das übliche Zerrbild zurecht gemacht hat (wie denn überhaupt die allgemeine Bildung in ihrer schlimmsten Form bei ihm grassiert). Genannt hätte sich M. selbst wohl einen Platoniker; er ist voll von Platon, und viele Themen sind ihm durch Platon gegeben: Ob Sokrates recht daran tat, sich nicht zu verteidigen (nr. 3); Das Daimonion des Sokrates (nr. 8. 9); Platons Gottesbegriff (nr. 11); Ob Platon recht daran tat, Homer aus seinem Staate zu entfernen (nr. 17); Die Erotik des Sokrates (nr. 18f.). (Platons stilistischer Einfluß: Dürr 83. 116).

[Stellen wie Ἐγω τὰ τε ἄλλα καὶ ἐν τῆ τῶν ὀνομάτων ἐλευθερίρ ἔπομαι Πλάτωνι 21, 4 e (259, 8); vgl. 27, 5 b (325, 6); 20, 4 a (246, 6); 24, 3 h (290, 23); 26, 7a (316, 9); 10, 3c (114, 6); 4, 4 c (44, 12); 11, 2 c (129, 18); 11, 9 c (139, 18); 15, 8 g (193, 15); 34, 9 c (400, 8); 38, 4 h (442, 12) beweisen doch wohl, daß das Πλατωνικὸς φιλόοοφος der inscriptio als Berufsbezeichnung für ihn zutrifft und er rieh selbst als solcher angesehen wissen wollte; die Sophisten lehnt er als seine Konkurrenten doch zu lebhaft, oft und energisch ab (27, 8e (330. 14); 20, 3a (245, 5); 14, 8i (181. 9); 21, 4g (259, 13); 31, la (360, 5); 15, 6e (190, 12); 18, 4 g (222, 2); 26, 2e (310, 4); 1, 8 a (13, 17); 10, 1 c (35 o, 11); 32, 3 b (369, 18), als daß wir ihn mit ihnen so ohne weiteres zusammenwerfen dürften.] Aber sein Platonismus ’st stark eklektisch und trägt viele Spuren jüngerer Herkunft und vergleicht sich mit dem des Albinos (o. Bd. I S. 1314) und Apuleius, der als Sophist überhaupt starke Ähnlichkeit mit M. hat (Η o -bein Dass. 32; es wäre an sich denkbar, daß M. von Gaios [o. Suppl.-Bd. III S. 535] beeinflußt wäre). Charakteristisch ist der theologische Einschlag (ὀμοίωσις θεω war damals ein Schlagwort: Diels Berl. Klass.-Texte II p. XXXI), die Wichtigkeit unseres Verhältnisses zu Gott, das Interesse für das Gebet und die Dämonologie (Heinze Xenokrates 99; direkte Benutzung des Poseidonios mir trotz Mutschmann Sokr. V 194ff. zweifelhaft, vgl. Bousset Schulbetrieb 20. Auch in or. 37 über den Wert der [2561] 2561

Maximus

ἐγκύκλια μαδήματα für die Ἀρετή steckt trotz des poseidonisehen Themas kaum etwas direkt von Poseidonios Entnommenes); in einem Wortindex würde die Häufigkeit von θεός auffallen. Damit hängt die mehrfache Erwähnung des Pythagoras zusammen. Wesentlich ist bei allem der kynische Unterton (Preis des kynischen Lebens und des Diogenes, sich selbst übersteigernd und in ungesundem Kontrast zu der raffinierten Rhetorik, or. 36); wie M. durch sein Bestreben, weitere Kreise der Philosophie zu gewinnen, neben die Trägen des Ranzens tritt (viele seiner Reden haben Protreptikoscharakter), so entlehnt er sein Material zum großen Teil der kynischen Rüstkammer. Hierher gehört in erster Linie die Verwendung Homers, von dem er mitVarliebe seinen Ausgangspunkt nimmt; er ist ihm geradezu ein Philosoph, man muß ihn nur richtig d. h. allegorisch erklären (o. Suppl. IV S. 16). So ist ihm der Konflikt zwischen seinen beiden Abgöttern Homer und Platon besonders peinlich (St. Wein-stoek PhHol. N.F. XXXVI 147). Aber auch sonst ist vieles kyniseh; etwa die Rolle, die Kyros und Sardanapal spielen; die Art, wie von bekannten Dichterstellen ausgegangen wird. Von der ,Diatribe* ist auch der ganze Ton der Reden beeinflußt: das sprunghaft Lebendige, das Dialogische (Hobein Diss. 62 u. ö. Wendland in Beiträge zur Geseh. d. griech. Philosophie, 1896). Man muß sich klar machen, daß dieser Salonkynismus sich mit jeder philosophischen Meinung vertrug: fuerunt, qui cum diversa seque-rentur bona finalia, alii virtutem alii voluptatem, eundem tarnen habitum et consuetudinem tene-bant, ex quo Cynici appellabaniur; ita illud quid-quid est, unde philosophi Cynici discemuntur a ceteris, ad eligendum ae tenendum bonum quo beati fierent utique nü valebat August. civ. dei XIX 1 p. 350, 23 D.

I

I

Der Umfang von M.s Lektüre ist erstaunlich; doch werden ältere Philosophen außer Platon kaum dazu gehört haben (über Chrysipp Η o -b e i n Diss. 69). Die Bekanntschaft mit Xenophon, der für M. neben Platon steht (z. B. 22, 6e), hängt etwas mit dem Kynismos zusammen (Münscher Philol. Suppl. XIII 132). Die Schrift von der Welt fesselte ihn durch ihren theologischen Charakter, Dion von Prusa durch die innere Verwandtschaft. Die vielbesprochene Berührung mit Horaz (15, 1 Hör. sat. I 1) ist sicher nicht auf Bekanntschaft mit dem römischen Dichter zurückzuführen; sie sollte, eine Warnung vor voreiliger Quellenbestimmung sein. Das tralatizische Gut ist in dieser Literatur besonders groß; daher ist auch der andauernde Vergleich mit der Parallelliteratur sehr wichtig.

M. ist nur durch Cod. Paris, graec. 1962 saec. XI erhalten, in dem vorher Albinos steht; daß alle anderen Hss. aus ihm abgeleitet sind. (Mutschmann Rh. Mus. LXVIII 560), hat Hobein zum Schaden seiner Ausgabe verkannt. [Bedauerlich ist es, daß der Irrtum Fr. Schultes (De Maximi T. codicibus, Göttingen 1915), daß Hobein die übrigen Codices dem Regius gegenüber in ihrem völligen Unwert verkannt hätte, verewigt werden soll. In dem rein schematisch nur zur äußerlichen Veranschaulichung aufgestellten Steroma (p. LXVIII der

Pauly-WiMOwa-Kroll XIV [2562] Maximus

2562

Ausgabe)» hat Hobein die Détériorés nicht durch gerade Linie auf den Regius zurückgeführt, weil eine vollständige Kollation fehlt und über das Verhältnis der einzelnen nur Vermutungen ausgesprochen werden konnten. Im Text selbst ist niemals vom Regius zugunsten anderer Hss. abgewichen worden; mit aller Entschiedenheit ist erklärt worden, daß die anderen samt und sonders die Spuren konjekturaler Bearbeitung 10 zeigen. Im Gegenteil hat Hobein auch da nicht am Text des Regius ändern wollen, wo die heutige Gelehrsamkeit an eine Verderbnis des Textes glaubt; da er auf dem Standpunkt steht, daß eine Verderbnis nur dann konstatiert werden darf, wenn sie den psychologischen »Gesetzen* vom Verlesen, Versprechen und Verschreiben entspricht und da unsere Kenntnis der Eigenarten der hellenistischen Sprache noch nicht allzu groß ist, hat er die äußerste Zu-20 rückhaltung demRegius gegenüber gewahrt. Im übrigen hat Schulte im großen und ganzen seine Ausführungen betreffs der übrigen Codices nur bestätigt; er war in der glücklicheren Lage, einige von ihnen ganz kollationieren zu können.] Unter den älteren Ausgaben sind die von Hein si us (Leiden 1607 und 1614), Reiske (Leipzig 1774) und Dübner (Paris 1840) zu nennen-, die jetzt allein benutzbare von Hobein (Leipzig 1910) ist in der Textgestaltung nicht glück-30 lieh, verzeichnet aber in sehr dankenswerter Weise Parallelen unter dem Text. Zur Erklärung Hobein De Maximo Tyrio, Jena 1895; Charites für Leo 188 (gute Interpretation der 1. Rede). Mutschmann Das erste Auftreten des M. in Rom (Sokr. V 185). Über den philosophischen Standpunkt Zeller III 2, 219. Über weg Praechter12 551.176. *Über die Sprache Dürr Philol. Suppl. VIII 1 (über Attizismus 69. 116; über die – noch genauer zu untersuchende – 40 Rhythmik 122). [W. Kroll mit Zusätzen von

Hobein in eckigen Klammern.]

88) Maximos von Byzanz, Philosoph, jedenfalls Neuplatoniker, mit Sicherheit nur bekannt aus Socr. hist. eccl. III 1, 16 p. 372a Migne: Μάξι* μος ὁ φιλόσοφος, οὐχ ὁ Βυζάντιος ὁ Εὐκλείδου πατήρ, ἄλλ' ὁ Ἐφέσιος, und Suid. 8. v. Μάξιμος Ἠπειρώτης ἡ Βυζάντιος, wo er mit dem Ephemer, dem Lehrer Iulians, konfundiert wird. Für seine Identifizierung mit dem Adressaten von [‌Iulian] 50 epist. 190. 191 (so Bidez-Cumont 259 der Ausg.) gibt der Umstand nur einen schwachen Anhaltspunkt, daß als epist. 192 ein Schreiben an Eukleides, also vielleicht den von Sokrates genannten Sohn des Byzantiers, folgt. Ganz ohne zureichenden Grund vermutet Seeck Die Briefe d. Liban. (Texte u. Unters, z. Gesch. d. altcbristl. Lit. XXX (1906) 210 in ihm den von Symmach. « p. II 29 Empfohlenen oder den Adressaten von Basil. epist 9 Migne P. tom. 32 p. 26b, oder 60 Athanas. ebd. tom. 26 p. 1085. Möglicherweise gehören ihm Schriften aus der von Suid. s. v. Μάξιμος Ἠπειρώτης ἡ Βυζάντιος gegebenen Liste. Vgl. M. Nr. 40.

Aus Lykien, Philosoph, zweifellos neu platonischer Richtung, in der ersten Hälfte des 4. Jhdts., Lehrer des mit ihm verwandten, mit Libanios befreundeten Severus (Lib. epist. 309, 3. 665, 2. 1383, 1. 1384, 1. 1451, 3). Daß er in Athen 81

[W. Kroll mit Zusätzen von Hobein in eckigen Klammern.]
  1. Corpus Inscriptionum Latinarum II, 4911.
  2. Corpus Inscriptionum Latinarum XIV, 3517.