RE:Melissus
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| C. Maecenas röm. Grammatiker u. Dichter d. augusteischen Zt. | |||
| Band XV,1 (1931) S. 532–534 | |||
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| Register XV,1 | Register mb | ||
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Melissus, C. Maecenas, römischer Grammatiker und Dichter der augusteischen Zeit (Hieron. ad a. Abr. 2013 = 4 v. Chr. M. Spoletinus grammaticus agnoscitur). Über ihn berichtet Suet. de gramm. 21 C. Melissus Spoleti natus ingenuus, sed ob discordiam parentum exposilus cura et industria educatoris sui altiora studia percepit ac Maecenati pro grammatico muneri datus est. cui cum se gratum et acceptum in modum amici videret, quamquam adserenfe 40 matre, permansit tarnen in statu servitutis praesentemque condicionem verae origini ante-posuit; quare cito manumissus (seitdem wird er den Namen des Maecenas mitgeführt haben, vgl. Plin. n. h. XXVIII 62) Augusto etiam in-sinuatus est, quo delegante curam ordinandarum bibliothccarum in Octaviae porticu suscepit. Plin. a. O. triennio Maecenatem Melissum acce-pimus silentium sibi imperavisse a convulsione reddito sanguine. Über seine literarische Tätig-SOkeit schreibt Sueton weiter: 1. atque, ut ipse tradit, sexagesimum aetatis annum agens libellos ineptiarum, qui nunc iocorum inscribuntur, componere instituit absolvitque C et L, 2. quibus et alios diversi operis postea addidit. 3. fecit et novum genus togatarum inscripsitque tra-beatas. Vgl. Ps.*Acron zu Hör. a. p. 288 Prae· textas et togatas scripserunt Aelius Lamia, An· tonius Pufus, Gneus Melissus, Afranius, Pom-ponius (vermutlich aus einem vollständigeren
60 Porphyrio); Ovid, ep. ex Ponto IV 16, 29 musa-que Turrani tragicis innixa cothurnis, et tua cum socco musa, Melisse, levis.
Von der Trabeata findet sich sonst nirgends eine Spur; sie wird kein langes Leben gehabt und keinerlei Bedeutung erlangt haben. Auch von dem unter nr. 1 angeführten Werk, einer Sammlung von Anekdoten und witzigen Aussprüchen, ist kein einziges sicheres Bruchstück [533] 533
Melissus
erhalten. Nun wird aber in den Quellenverzeichnissen der n. h. des Plinius zu B. VII. IX. X. XI und XXXV auch M. genannt, und es ist. wohl möglich, daß seine Sammlung, obwohl er-im Texte nicht genannt wird, einige der in den angeführten Büchern stehenden Anekdoten usw. geliefert hat. Nach Münzer Beitr. z. Quellenkritik d. Naturg. d. PI. 358ff. kämen in Frage: VII 56 (Toranius), 79 (Crassus), 80 (Antonia), 90 (Messalla Corvinus), IX 122 (Clodius Aesopi fj, 170 (Lucullus), 172 (Antonia), X 110 (Decimus Brutus), 141 (Clodius Aesopi f.), XXXV 21 (Pedius). 25 (Crassus; Teutonorum legatus), 121 (Lepidus), 163 (Verweisung auf X 141); bleibt dies nach der Natur der Sache unsicher, so ist es bei B. XI erst recht fraglich, wo M. benutzt ist (55? 174 ? 252 ?). Gegen die weitere Vermutung Münzers, der im Quellenverz. von B. XXXVII erwähnte Maecenas sei M. Melissus und ihm seien § 8–10 dieses Buches zuzuweisen, s. Lun de r-stedt Comment, phil. Jen. IX 1, 106. Ferner vermutet Münzer (360), daß auch im 4. Kapitel des 2. Buches der Saturnalia des Macrobius, das Witze des Augustus und aus seiner Zeit enthält, die Sammlung des M. benutzt sei (eine schlagfertige Antwort des auch bei Plinius berücksichtigten Toranius in § 28).
Ein M. wird auch mehrmals in den Vergil-scholien genannt. In der Vita aus dem Kommentar des Aelius Donatus (Hagen Jahrb. Suppl. IV 736. E. Diehl Die Vitae Verg. 12. Vitae Verg. ed. Brummer 4) heißt es in sermone tardis-simum ac paene indocto similem fuisse (Ver-gilium) Melissus tradidit. Servius z. Aen. VII 66 Melissus, qui de apibus scripsit, ait ,duobus pedibus se tenent et duobus alias sustinent*. Schol. Dan. z. Aen. IV 146 Agaihyrsi] hos Melissus ab Homero Achabas appellari ait- unsicher Schol. Veron, z. Aen. III 705 Olympionieas multos fuisse adfirmat Milestos (Melissus Mai, Modestus andere). Es wird kaum bezweifelt werden können, daß – wenigstens bei den ersten drei angeführten Stellen – nur C. Melissus, nicht der spätere Aelius Melissus in Frage kommt; zwar wrar der letztere auch in den Vergilscholien (s. u. Aelius Melissus) einmal zitiert, aber die Stelle stammt jedenfals aus Gellius, dem wir allein die nähere Kenntnis dieses Grammatikers verdanken, während die Angabe der Vergilvita vermutlich aus Sueton übernommen ist, für den nur der ältere M. in Frage kommen konnte. Ob sie freilich aus den Ineptiae entlehnt ist, wie Münzer 359 für möglich hält, erscheint fraglich. Ebenso zweifelhaft ist die Vermutung von Schanz, sie stamme aus der Einleitung eines Vergilkommentars, dem auch die anderen Angaben in den Scholien entnommen seien (die Ribbeck Proleg. ad Verg. 89, der auch von einem Kommentar des C. Melissus nichts wissen will, dem Aelius Melissus zuweist), und auch die ,Erläuterungsschrift zu Vergil; an die Münzer mit Harder (Über die Fragm. des Maecenas, Berlin 1889, 21; gegen dessen Vermutung, bei Sen. suas. I 12 und II 20 sei mit Maecenas der Grammatiker Maecenas Melissus gemeint, s. Lunderstedt 115, der die Notiz zu Aen. IV 146 wieder dem Aelius Melissas zuweist) denkt, steht auf schwachen Füßen. Das gleiche gilt von der Annahme Gloeckners (Eh. [534] MMrata,
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Mus. min [1878] 159), M. habe ein Werk über die Naturgeschichte der Tiere geschrieben; dazu gehöre auch die von Servius zitierte Schrift de apibus, die von Plinius benutzt sei; dagegen s. Münzer 358. Bei dem dürftigen Material wird sich schwerlich etwas Sicheres über den Ursprung der Zitate sagen lassen; immerhin wäre es denkbar, daß M., vielleicht unter scherzhafter Anknüpfung an seinen eigenen Namen, ein Schrift? 10 chen über die Bienen verfaßt hätte, und daß dieses unter den von Sueton nicht näher bezeichneten Büchern mitzuverstehen wäre.
Es bleiben noch zwei Fragmente bei den Grammatikern übrig: das eine findet sich bei Charisius im 15. Kapitel des 1. Buches, GL I 101, 4 Clunes feminine genere dixit Melissa et habet auctorem Laberium, qui in Ariete sic ait.... sed Verrius Flaceus masculine genere dici probat usw. (daraus Beda GL VII 266, 6; 20 vgl. Caper ebd. 108, 17), das andere beim Anon. de dub. nom. GL V 575, 8 Clibanus generis masculini, ut Melissus docet (vgl. Caper a. O. 108, 16); beide gehen sicherlich auf Flavius Caper zurück (Hoel ter mann De Fl. Capro gramm., Bonn 1913, 55; vgl. Barwick RemmiusPalaemon, Lpz. 1922, 195; aus derselben Quelle GL V 5 75, 24). J. W. Beck (Philol. LII [1893] 510) weist die Stellen dem C. Melissus zu und führt sie, weil dieser in der n. h. des Plinius benutzt sei, 30 auf dessen Libri dubii sermonis zurück (vgl. seine Ausg. der Plinius-Fragmente 62 und 63); Münzer dagegen (369) denkt an Aelius Melissus, weil sich bei Gellius n. a. XVIII 6, 6 die Wendung findet (Ael. M.) de porcetra habet sane auctorem Pomponium in atellania usw., die der Charisiusstelle sehr ähnlich ist; FunaioliGRF 538 meint, die Gegenüberstellung des Verrius Flaccus bei Charisius spräche mehr für dessen Zeitgenossen C. Melissus, und Hoeltermann 40 vertritt dieselbe Ansicht mit der Begründung, daß Aelius Melissus nicht in Frage kommen könne, weil Caper ein Zeitgenosse des Gellius oder älter als dieser gewesen sei (was jedoch eine recht unwahrscheinliche Annahme ist, s. Burs. Jahresber. CLXXXVIII 104), daß der Dichter deshalb eher in Frage käme, weil bei Charisius auch die übrigen Belege aus Dichtern entnommen seien, und daß kaum anzunehmen sei, Caper hab'e für den Nachweis des schwankenden Geschlechts 50 einen so späten und ziemlich obskuren Grammatiker als Zeugen herangeholt. Ist eine ganz sichere Entscheidung auch nicht möglich, so sprechen doch alle Umstände dafür, daß es sich um C. Melissus handelt; die Notiz des Gellius XVIII 6, 6 betreffend Pomponius wird wohl aus älterer Quelle (Caesellius-Probus?) stammen.
Sonstige Literatur: Funaiolï GRF 537. Schanz ELG II 12 § 277. Teuffel-Kroll ELG II 7 § 244.