RE:Memmius

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XV,1 (1931), Sp. [1931 602]–[1931 603]
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Memmius ist als Name eines plebeischen Geschlechts in Rom erst in den letzten anderthalb Jahrhunderten der Republik nachweisbar. Vielleicht stammte die Familie aus dem Volskerlande (Marx Bonner Studien f. Kekulé [Berlin 1890] 116; Ilbergs Neue Jahrb. III 537, 3), denn der Name begegnet in Signia (CIL I² 1146 = Dess. 5436. Nr. 16) und in Tarracina (Voraussetzung des Witzes bei Cic de or. II 240 s. Nr. 5. Alte Grabschrift eines L. Memmius aus Tarracina in Ephesos CIL I² 2266 = III 6086; s. Nr. 14). Der früheste Träger des Namens in Rom ist ein Aedil zur Zeit des Hannibalischen Krieges, bezeichnenderweise nur durch die Verherrlichung eines seiner Nachkommen bekannt (Nr. 1). Die nächsten sind drei Senatoren zur Zeit des Perseuskrieges mit Vornamen C. (Nr. 4), Q. (Nr. 18) und T. (Nr. 19); von ihnen brachte es C. bis zur Praetur, und sein Vorname ist neben L. fast der einzige, der bei den späteren Memmiern vorkommt, so daß sie sich wahrscheinlich alle von ihm ableiten konnten. Aus dem Ende des 2. und aus dem 1. Jhdt. v. Chr. sind verschiedene Memmier durch versprengte Zeugnisse aller Art bekannt, namentlich auch durch die von ihnen geschlagenen Münzen. Daher hat Mommsen (Münzw. 597ff.; Trad. Blacas II 427ff.) das ganze Material geordnet und den Stammbaum aufgestellt. Seine Behandlung genoß ein kanonisches Ansehen, muß aber erneuert werden, weil die Zeitbestimmung der Münzen zum Teil eine andere geworden ist, und weil neue Quellen hinzugekommen sind, zumal inschriftliche, die freilich auch wieder neue Rätsel aufgeben. Der hier entworfene Stammbaum weicht von dem Mommsenschen verschiedentlich ab, bleibt aber auch nur ein Versuch. Sowohl in der Zeit des Marius, [603] wie in der Ciceronischen ist ein M. nahe daran gewesen, das Consulat zu erringen, aber dennoch im letzten Augenblick gescheitert (Nr. 5 und 8). So gehört die Familie nicht einmal zur Nobilität im strengen Sinne (s. darüber Gelzer Nobilität d. röm. Rep. 22ff.), aber sie führte dennoch ihren Ursprung auf Troia zurück. Denn bei Vergil ist im Wettrudern der Schiffe der zweite Sieger der Führer der Pristis, Mnestheus (s. d.), mox Italus Mnestheus, genus a quo nomine Memmi (Aen. V 117). Seine Darstellung ist von dem Dichter frei gestaltet ohne irgendwelche Erinnerung an Züge der geschichtlichen Memmier, und man hat nur mit ziemlicher Mühe und mit zweifelhaftem Erfolg Beziehungen zwischen den Götterbildern der Memmiermünzen und der troischen Herkunft des Geschlechts aufgespürt (Mommsen u. a. in den Erläuterungen der Münzbilder. Marx Bonner Stud. 117; Neue Jahrb. III 542ff. Norden ebd. VII 258). Aber es ist möglich, daß der ehrgeizige, mit griechischer Wissenschaft und Dichtung vertraute, mit griechischen Gelehrten und römischen Dichtern verkehrende C. Memmius Nr. 8 die Ableitung von Troia entweder aufgebracht oder doch verbreitet hat, was ganz im Geiste seiner Zeit lag, und daß Vergil sie aus diesem Kreise übernahm. Die hohen Ansprüche der Familie hatten, wie auch wieder bei diesem ihrem bekanntesten Vertreter ersichtlich ist, jedenfalls eine feste Grundlage in ihrem Reichtum. Deswegen ist es vielleicht bemerkenswert, daß die älteste datierte Banktessera aus dem J. 658 = 96 von dem Sklaven eines M. herrührt {Caputo Memmi CIL I² 889 = Dess. 5161 c = Herzog Tesserae nummulariae Nr. 8), wie schließlich auch die wiederholte Übertragung der Münzprägung an Memmier auf eine gewisse Vertrautheit mit dem Geldwesen schließen läßt. Ein Ἀπολλώνιος Μέμμιος leistete kurz nach 666 = 88 einen Beitrag für die Agora der Italiker auf Delos (Bull. hell. XXXI 462; vgl. XXXVI 51). Zahlreiche Stempel auf arretinischen Gefäßen nennen Sklaven von Memmiern (CIL XI 6700, 377—386), gerade auch von einem C. (z. B. C. Memm. C. l. Mahe 386) oder mit Sklavennamen (Eros 380. Phileros 383), deren Wahl einem Verehrer der Venus wie Nr. 8 nahelag. Der Gentilname M. selbst wird in Hss., besonders griechischen, nicht selten mit Mummius verwechselt.


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