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RE:Menandros 16

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Von Suidas erwähnter Rhetor
Band XV,1 (1931) Sp. 762–764
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Ludwig Radermacher: Menandros 16. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Band XV,1 (1931), Sp. 762–764, digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/RE:Menandros_16

16) Ein Rhetor M. wird von Suidas erwähnt als gebürtig in Laodikeia am Lykos und als Verfasser eines Kommentars zur Techne des Hermogenes, zu den Progymnasmen des Minukianos und von anderen Schriften. In der Literatur der Hermogeneserklärer, auch in den Demosthenesscholien wird ein M. als Interpret des Demosthenes zitiert, so bei Johannes Sikeliota Walz [763] VI 382, 25 καταχύσματά εἰσι τὰ ἐπὶ τοῖς νεωνήτοις δούλοις διδόμενα τραγήματα, ὥς φησι Μένανδρος ὁ τὸν Δημοσθένην ἐξηγούμενος, vgl. Walz VII 374, 13. 1184, 13. H. Rabe Rh.Mus. LXIII 131. M. H. E. Meier Demosthenis oratio in Midiam (Halle 1831) XIX. Ein Mann dieses Namens hat endlich den Aristeides kommentiert (M. H. E. Meier a. O. Anm. 39. Bursian Abhandl. Ak. Münch. philos.-philol. Kl. XVI 3, 16. Christ-Stählin Gesch. d. griech. Lit. II 708). Erhalten sind zwei Traktate, die sich mit der Theorie der epideiktischen Rede beschäftigen. Der erste ist, an der Disposition gemessen, die zu Anfang des Werkes gegeben wird, nur ein Teil des gedachten Ganzen (s. Walz VII p. XVIIf.) und sicher am Schluß verstümmelt (Nitsche Der Rhetor M. u. die Demosthenesscholien, Progr. Berl. 1883, 9); erhalten sind Stücke, die vom Lob der Götter, Gegenden und Städte handeln. Die Überschrift lautet (Spengel Rhetores III 333) Μενάνδρου ῥήτορος γενεθλίων (sic) διαίρεσις τῶν ἐπιδεικτικῶν, und eine Wut, logisch zu teilen, ist von Anfang an unverkennbar, das Stichwort διαιρεῖν taucht immer wieder auf. Wichtig für die Frage nach dem Autor ist, daß auch dem Kommentator Menander das διαιρεῖν beigelegt wird (Walz VII 248, 8 Μένανδρος γὰρ διαίρεσιν τῶν λόγων ποιούμενος. VII 1184, 13 ἐπιμερίζων. VII 1080 infra ἐν τῇ διαιρέσει τοῦ κατὰ Τιμοκράτους. V 514 infra zu 23 διαιρῶν τὸν κατ' Ἀνδροτίωνος). Der zweite Traktat (Spengel III 368) trägt im Parisinus 1741 den Titel Μενάνδρου ῥήτορος περὶ ἐπιδεικτικῶν, er wird von dem Anonymus Walz III 572, 22 zitiert mit den Worten: περὶ λαλιᾶς δὲ καὶ τῶν τοιούτων μάθῃ πλατύτερον ἐν τοῖς Μενάνδρου, ἃ ἐπιγράφονται Μενάνδρου ῥήτορος περὶ τέχνης ῥητορικῆς. Hier werden Prunkreden zu Ehren von Menschen behandelt, angefangen vom βασιλικὸς λόγος und verschiedenartige Gelegenheiten berücksichtigend; auch hier ist διαίρεσις ein Schlagwort; die διαίρεσις des κατευναστικός will der Verfasser als erster gegeben haben (409, 25 Sp.). Mehr noch stilistisch als sprachlich weichen die beiden Schriften voneinander ab, doch ergänzen sie sich inhaltlich und gehören nach Anspielungen und Zitaten in die gleiche Zeit, d. h. ans Ende des 3. Jhdts. (Walz IX praef. p. XVf. Christ-Stählin 938, 9; 939, 1). Aber die Identität der Autoren wird bestritten; Nitsche (s. o.) gab den ersten Traktat dem Rhetor Genethlios, den zweiten M., Bursian den ersten Traktat M., den zweiten einem Rhetor, der nahe Beziehungen zur Troas hatte (a. O. 28). Genethlios taucht ja auch in der Überschrift des ersten Traktats auf, die lautet Μενάνδρου ῥήτορος γενεθλίων διαίρεσις τῶν ἐπιδεικτικῶν, unsere beste Handschrift, der berühmte Parisinus 1741, setzt nach ῥήτορος über die Zeile ἡ zu und über die Schlußsilbe von γενεθλίων ein ον. Ob das freilich von der ersten Hand stammt, ist zweifelhaft (H. Rabe Rh. Mus. LXVII 340), und wer bedenkt, wie schnell bereit mit Vermutungen die Hersteller unserer Rhetorencorpora waren (vgl. den Fall im Paris. 1741, der Praef. zu Dionysii Halic. Opusc. II p. XXII behandelt ist), wer erwägt, wie oft üble Varianten mit ἡ in die Texte gefügt worden sind (s. Philol. N. F. XII 165f.), wird auf die Variante ἡ Γενεθλίου [764] nicht allzufest bauen. Valesius hatte aus γενεθλίων ein πρὸς Γενέθλιον gemacht, und es ist doch wohl sonnenklar, daß πρός nach ῥήτορος sehr leicht überlesen werden konnte. Daß der zweite Traktat öfter auf die Troas anspielt, ist richtig, doch lassen sich diese Anspielungen auch so verstehen, daß Alexandreia in der Troas die Stadt des γλυκύτατος ἑταῖρος (Sp. 387, 5) war, der im Traktat angesprochen wird und an den die Anweisungen des Verfassers gerichtet sind (so schon Walz IX p. XX); in diesem Sinne konnte der Verfasser gewiß auch von πόλις ἡμετέρα sprechen (S. 437, 10). Im übrigen wäre es nach mancherlei Analogien nicht einmal besonders merkwürdig, wenn ein Sophist aus Laodikeia jenes Alexandreia als zweite Heimat gewonnen hätte. Der Autor des ersten Traktats behauptet einen ὕμνος κλητικός verfaßt und ein βιβλίον über die Methode, die er dabei befolgte, herausgegeben zu haben (Sp. 335, 23); solch ein βιβλίον steht aber im zweiten Traktat (περὶ Σμινθιακοῦ Sp. 437; vgl. Walz IX praef. p. XV). Es besteht kein durchschlagender Grund, die Autorschaft des M. für beide Traktate zu bestreiten (das Zeugnis des Joh. Sikeliota Walz II 415, 18 für M. bedeutet natürlich wenig); wird in I auf II gewiesen, so müßte diese Schrift die frühere sein, und daraus würden sich nicht nur geringe sachliche, sondern auch die stilistischen und (unbeträchtlichen) sprachlichen Unterschiede (bei Bursian 21f.) erklären; der zweite Traktat ist inhaltlich unbedeutender, aber in der Sprache lebhafter und unter Umständen auch schwulstiger (οὐ χαμαὶ πεσεῖται λόγος τοῦ πένητος δίκαιος klingt ganz orientalisch Sp. 379, 21). Der Autor ist anscheinend ein armer Teufel; s. seine Charakteristik der Reichen Sp. 379, 23. Er weiß, daß die Juden aus der ganzen Welt ἐπὶ τὴν Συρίαν τὴν Παλαιστίνην zur Panegyris zusammenströmen (I. Traktat Sp. 366, 26). Als Syrer mußte er Griechisch erst lernen, und das Beispiel des Johannes Philoponos zeigt deutlich, welche Unterschiede in der Schriftstellerei dabei herauskommen konnten. M. war ein belesener Mann (Bursian 22f.). Die Quellen, die ihm zur Verfügung standen, sind verhältnismäßig alt; schon zu Beginn der Kaiserzeit werden Enkomien verfaßt, die das Schema des M. zeigen (E. Norden Rh. Mus. LIV 467). Kritische Ausgabe von C. Bursian (30ff.). Vgl. dazu Kroll Rh. Mus. LXIV 169.