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RE:Neokles 4

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Vater Epikurs
Band XVI,2 (1935) S. 24142416
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4) [...] [2415] [2416] 4) Vater Epikurs (Diog. Laert. X 1. Suid. I 2, 416, 18 Bernh. Aetios 1, 3, 18 p. 285, 7 Diels. Strab. p. 638. Epigramm des Athenaios v. 5 bei Diog. Laert. X 12). Athener aus dem Demos Gargettos (Diog. Laert. X 1 und Suid.), angeblich aus dem Geschlechte der Philaïden (Diog. Laert. ebd. nach Metrodoros Περὶ εὐγενείας). Wenn es bei Diog. Laert. X 4 heißt, Timokrates und Herodotos (dieser in Περὶ Ἐπικούρου ἐφηβείας) hatten behauptet (Ἐπίκουρον) μὴ εἶναι γνήσιον ἀστόν, SO hat Herodotos sicher nur gesagt, daß er in Samos, [2415] nicht in Athen geboren sei, und Susemihl hätte nicht (I 104, 417) folgern sollen, daß dieser (einer der ältesten Schüler Epikurs), später von ihm abgefallen sei. Die Verdrehung mag schon von Timokrates stammen. Des N. Frau hieß Chai-restrate (Diog. Laert. X 1. Suid. 417, 1). Er hatte vier Söhne: Epikuros, wohl der älteste, Neokies, Chairedemos, Aristobulos (oder nach Suid. 417, 2 Aristodemos); vgl. Diog. Laert. X 3 nach Philodemos ἐν τῶ' δεκάτω τῆς τῶν φιλοσόφων συντάξεως. Alle diese Angaben folgen aus dem, was an den angegebenen Orten über Epikuros berichtet wird. Er gehörte zu den 2000 Kolonisten, die von den Athenern unter dem Archon Aristodemos im J. 352/51 nach Samos geschickt wurden (Diog. Laert. X 1. Strab. XIV p. 638. Cic. nat. deor. I 72). Als Perdikkas sie im J. 322 von dort vertrieb, ging er nach Kolophon (Diog. Laert. X 1. Dion. Hal. De Din. 13 p. 665, 1). Daß er Schullehrer gewesen sei, wird mehrfach berichtet, aber nur von Gegnern. Der älteste Zeuge ist Timon, der Epikur den Schimpfnamen γραμμαδιδασκαλίδης beilegt, d. h. nach Hirzel Unters, z. Cic. Schr. I 110 Anm. und Usener Epikurea 414 ,Sohn eines Schulmeisters*. Strabon nennt den Vatèr γραμματοδιδάσκαλος. Das würde mit Timon übereinstimmen; aber er setzt ὡς φασιν hinzu, und auch das können Verleumder gewesen sein. Bei Cicero heißt es: in tarn (Samum) pater eius N. agripeta venerat, sed eum agellus eum non satis aleret, ut opinor, ludi magister fuit. Hier bezieht sich das ut opinor wohl nur auf den vorhergehenden cum-Satz. Aber wieder spricht ein akademischer Gegner. Usener verweist S. 414 darauf, daß Demosthenes in seiner Kranzrede p. 258f. dem Aischines dasselbe vorhält, wie die Gegner dem Epikur: die Dienste, die er dem Vater in der Klippschule und der Mutter in den Winkelmysterien geleistet habe. Es sieht wie ein rednerischer Topos aus. Immerhin setzt der Aufwand, den N. für die Ausbildung seiner Söhne machte (er ließ Epikur auch in Teos studieren) Nebenverdienst voraus. Nach Cicero hat er daher bereits in Samos Schule gehalten. In Kolophon vollends mußten die Eltern schon zur eigenen Erhaltung etwas erwerben. Dort mag auch der Sohn ihn in seinem Berufe unterstützt haben, wie ihm von Gegnern vorgehalten wird. In einem von Diogenes von Oinoanda auf seiner Inschrift (frg. 63–64 W.) angebrachten Briefe an eine Mutter, den Philippson mit Usenet dem jungen Epikur zuschreibt (s. Suppl.-Bd. V S. 165f.) bittet er die Mutter ihm kein Geld zu schicken: ,der Vater sendet uns (also ihm und seinen Brüdern) immer welches, jüngst neun Minen*. Da der Brief, wie a. O. gezeigt ist, schon Kennzeichen der Lehre Epikurs aufweist, wird er nach seinem Aufenthalte beim Vater in Kolophon etwa aus Mytilene oder Lampsakos geschrieben sein. Dafür spricht auch, daß er beide Eltern bittet, ihm kein Geld zu schicken; ihr Verdienst ist also spärlich. Aus alledem ergibt sich die aufopfernde Fürsorge der Eltern für die Söhne und man versteht die Dankbarkeit (ἡ πρὸς τοὺς γονέας εὐχαριστία Diog. Laert. X 10), die Epikur ihnen, später wohl auch durch die Tat. erwies, wie er aueh testamentarisch (Diog. Laert. X 18) ἐναγίσματα für sie anordnete. Ob der Vater mehr als Elementarkenntnisse und Verständnis für die [2416] Philosophie des Sohnes besaß, läßt sich nicht sagen. Seine Wertschätzung höherer Bildung hat er jedenfalls in der Erziehung der Söhne be- 1

wiesen. Zum ganzen Artikel vgl. Usener Epicurea S. 414 unter Νεοκλῆς, Epicuri pater.