RE:Nomai 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XVII,1 (1936), Sp. [1936 814]–[1936 815]
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Nomai (Νομαί). 1) Auf einem der Laistrygonenbilder vom Esquilin, das sich mit den übrigen von dorther stammenden Odysseedarstellungen in der vatikanischen Bibliothek befindet (abgeb. Woermann Antike Odyssee-Landschaften Taf. II. Nogara Le nozze Aldobrandine Taf. IX. XV. XVI. XXIX. Myth. Lex. II 1807f.), lesen wir oberhalb der Zeichnung eines Hirten und einer Hirtin – sollten (wie es die Photographien bei Nogara zu zeigen scheinen) am Kopf der männlichen Figur Hörner zu erkennen sein, wird es sich um Pan und eine ländliche Nymphe handeln (übrigens wird auch die zweite Figur von manchen als männlich angesehen) – das Wort Νομαί (Erklärung des Bildes auch bei Helbig-Amelung Führer³ nr. 414). Man nahm zunächst an, daß es sich hier wie auch bei der gewissen Gestalten dieser Bilder zugefügten Beischrift Ἀκταί um den Hinweis auf eine Lokalpersonifikation, in diesem Fall also um die Verkörperung der Weiden handelt (so Woermann Erläuterung des Bildes a. O.; Die Landschaft in der Kunst der alten Völker 324. H. Brunn Jahrb. f. Philol. Suppl. IV 290. M. Mayer Arch. Jahrb. XXXIV Anz. 125); wir hätten dann Parallelerscheinungen zu den uns literarisch bezeugten und wohl auch bildlich auf uns gekommenen sog. Λειμῶνες (vgl. Lamer o. Bd. XII S. 1864ff. Steuding Myth. Lex. II 2129) und Σκοπιαἰ (vgl. Helbig Rh. Mus. XXIV 497ff.; Campan. Wandmalerei 117. Stephani Mélanges gr. rom. I 578ff.). Da jedoch eine echte Personifizierung von Weiden und Küsten, bei der es sich also nicht um Weiden- und Wassergottheiten handelt (Gerhard Arch. Ztg. X [1852] 500 u. Taf. XLVI las noch Νομαῖος) in sinnvoller Anschaulichkeit nicht gut möglich ist, wir in unserer Überlieferung von einer solchen Personifizierung auch nirgends hören, ist es richtiger, die Beischriften auf das Gelände zu beziehen (so schon v. Wilamowitz Arch. Ztg. XXXIII [1875] 174. Petersen Arch.-epigr. Mitt. V [1881] 49, dann Gerber Jahrb. f. Philol. Suppl. XIII 294. Otto Schultz Die Ortsgottheiten 59. 79. Steuding Myth. Lex. II 2129f.), die jeweiligen Figuren allerdings zu diesem in enge Beziehung zu setzen (Steuding. Nogara 42. Lamer 1868. Fr. Müller Die antiken Odyssee-Illustrationen 146, 2, der in der Beischrift zugleich einen Hinweis auf Hom. Od. X 85 erkennen will). Es würde also im vorliegenden Fall der Hirt bzw. Hirtengott, in dem wir [815] nur eine sog. Lokalbezeichnung (vgl. Gerber 244) zu sehen haben, gleich der weidenden Herde zur Veranschaulichung (natürlich auch zur Belebung) der Örtlichkeit in der auch in hellenistischer Zeit nur relativ unvollkommen darstellbaren Landschaft dienen (jedenfalls ist mit unserem Bild die in der unsicheren Deutung des Wortes topia nicht ganz eindeutige Angabe Vitruv. VII 5, 2 über die megalographiae habentes … Ulixis errationes per topia irgendwie in Verbindung zu bringen, vgl. u. a. Woermann Die Landschaft 222. Rodenwaldt Die Komposition d. pompej. Wandgem. 22ff.), ohne eine besondere handlungsmäßige Aufgabe zu haben. Nur in solcher Einschränkung würden wir dann auch auf einem pompeianischen Wandgemälde, das wohl den Raub des Hylas darstellt (Mus. Borbon. XIII 46, abg. auch Arch. Jahrb. XI 15), zwei sich oberhalb des Hauptteiles aufhaltende Jünglinge als Hinweis auf die Weidelandschaft aufzufassen haben (so Helbig, der allerdings Rh. Mus. XXIV 513; Camp. Wandgem. nr. 1261 auch hier an eine direkte Darstellung der νομαί denkt. Türk De Hyla [Bresl. Philol. Abh. VII nr. IV] 89; andere Deutung Stephani a. O. 580 – notwendig ist allerdings die Annahme irgendeiner derartigen Beziehung überhaupt nicht), solches vielleicht auch für die entsprechende figürliche Deutung auf dem herculanensischen Bild ‚Perseus, die Medusa tötend‘ (Mus. Borbon. XII 48. Helbig Wandgem. nr. 1182, abgeb. auch Loeschcke Enthauptung der Medusa [Festschrift f. H. Brunn 1893] 8) anzunehmen haben.