RE:Philetas 1

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band XIX,2 (1938), Sp. 21652170
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Philetas. 1) Aus Kos, Dichter und Philologe. T(estimonia) und frg. nach G. Kuchenmüller Philetae Coi Reliquiae (Berl. 1928) zitiert. [A. Leben, B. Dichtungen, C. Philologische Schriften, D. Nachleben, E. Literatur]

A. Leben. Der Name des Dichters schwankt in der Überlieferung zwischen Φιλητας (-ητας oder -ητᾶς) und Φιλίτας, für letzteres trat Croenert Herm. XXXVII 213ff. gegen die Vulgata ein. Krates von Mallos, datiert durch seinen römischen Besuch vom J. 167, nennt den Dichter Anth. Pal. XI 218, 3 Φιλητα (gen.), wo -ητα durch Wortspiel festgelegt ist (Kuchenmüller 17): man darf annehmen, daß der Kritikos nach hundert Jahren noch die richtige Namensform wissen konnte. Da zwar Spitznamen auf -ᾶς alt sind, die Hippokoristika aber auf -τᾶς erst in römische Zeit gehören (Croenert 214), dürfen wir Φιλήτας trotz v. Wilamowitz Sappho u. Sim. 288, 3 für gesichert halten.

Wenn Hermesianax frg, 2, 76 D.: Εὐρυπύλου πολιῆται Κῷοι χάλκειον θῆκαν ὑπὸ πλατάνῳ, wie ich glaube, zu verstehen ist: ‚sepeliverunt cum statua aenea.‘ (Kuchenmüller 28, 5. Nowacki 12), dann ist er in Kos gestorben. Für einen Koer gilt er seit Properz und Strabon allen späteren Autoren, die seine Herkunft erwähnen (T 8 a. 9 b. 10 a b. 11. 13. 15 b. 16. 17. 21), nur Schol. Theokr. VII 40 f g nennen daneben Rhodos als Heimat: ὡς δέ τινες (bzw. ὡς ἔνιοι. Vielleicht war letztere die Geburtsinsel: auch die Suidasvita. des Theokrit nennt diesen erst Syrakusaner, οἱ δέ φασι Κῷον, also natürliche Heimat und Wirkungsstätte. Sein Vater hieß nach Suidas Φ., Schol. Theokr. a. O., Phot. bibl. 319 b (= T 8 a. 17. 21) Telephos. Da es ein Werk des P. ‚Telephos‘ gegeben haben soll (frg. 9), glaubt Kuchenmüller 18, daß der Name des Vaters danach erfunden sei. Doch kommt Telephos als Menschenname gerade in dieser Zeit vor: ein Makedone Arrian. anab. VI 23, 6.

Die Lebenszeit bestimmt sich zunächst durch Suid. Φ.: ἐγένετο δὲ καὶ διδάσκαλος τοῦ δευτέρου Πτολεμαίου und Suid. Ζηνόδοτος• Ἐφέσιος, ἐποποιὸς καὶ γραμματικός, μαθητὴς τοῦ Φιλήτα, ἐπὶ Πτολεμαίου γεγονὼς τοῦ πρώτου. ὃς καὶ πρῶτος τῶν Ὁμήρου διορθωτὴς ⟨ἦν⟩ καὶ τῶν ἐν Ἀλεξανδρείᾳ βιβλιοθηκῶν προύστη καὶ τοὺς παῖδας Πτολεμαίου ἐπαίδευσεν (T 21. 22). Ptolemaios. II. ist in Kos 309/08 geboren (Marm. Par. B ep. 19, s. Jacoby 201), und kommt 285 zur Regierung, nachdem er schon zu Lebzeiten des Vaters Mitregent gewesen war (Schol. Theokr. XVII 41). P. und Zenodot sind also, vermutlich nacheinander, etwa von 299–288, die Lehrer Ptolemaios II. gewesen (Susemihl Philol. LVII [1898] 331). Mithin ist P. vor 320 geboren; wieviel früher, haben wir kein Mittel festzustellen, denn die Angaben der Aratviten (T 19), die ihn zum Zeitgenossen von Arat, Alexander Aetolus, Dionysios dem Philosophen einerseits, des Alexander Aetolus, Kallimachos, Menander andrerseits machen, sind nur summarisch richtig, hingegen hat Suidas mit ὢν ἐπί τε Φιλίππου καὶ Ἀλεξάνδρου die Akme des P. (Rohde Kl. Schr. I 128) offensichtlich zu hoch hinaufgerückt. Eher schon läßt sich über die Zeit seines [2166] Todes etwas ausmachen. Theokrit soll (T 18. 23) Schüler des P. gewesen sein, was ein vermutlich richtiger Schluß aus Theokrit. VII 40 sein dürfte. Da der erste Aufenthalt des Theokrit in Kos zwischen 275–271 fällt (s. u. Bd. VA S. 2003, Helm N. Jahrb‚ 1897, 389ff.), müßte P. damals noch gelebt haben. Weiter nennt Theokrit in den Thalysien (nach 370) P. im Gegensatze zu Asklepiades mit seinem wirklichen Namen, er war also zur Zeit der Abfassung des Gedichtes wohl schon gestorben. Alt ist er ohnehin nicht geworden (Plut. an seni 15 p. 791 E = T 14). Zu ähnlichem Ergebnis führt eine zweite Erwägung. Nach Schol. Nicand. Ther. 3 (T 20) war Hermesianax φίλος τῷ Φ. καὶ γωώριμος, als dieser die Leontionstelle über P. schrieb, war P. bereits tot. Die Leontion aber (und damit die Ἔρωτες des Phanokles [s. d.] Apoll. Rhod. IV sowie Theokrit. XXII) wesentlich unter das J. 270 herabzudrücken, scheint kaum geraten, wenn auch das argumentum ex silentio bei Paus. I 9, 7 trotz Rohde Gr. Rom.³ 80, 1 für die Datierunag nicht zu gebrauchen ist. Auch die Tatsache, daß nicht P.‚ sondern sein Schüler Zenodotos der erste Leiter der alexandrinischen Bibliothek war, spricht nicht dafür, daß er weit ins 3. Jhdt. hinein gelebt hat. Also dürften die J. 320–270 in seine Lebenszeit fallen, mehr läßt sich nicht sagen.

Von dem Verlaufe seines Lebens wissen wir nichts als seine erzieherische Tätigkeit am Hofe Ptolemaios I.; ob er in dieser Eigenschaft politischen Einfluß ausgeübt hat, ist unbekannt. Daß man aus Plut. an seni 15 (T 14) nicht auf politische Aktivität schließen dürfe, hat Couat La poésie Alexandrine 69, 3 gezeigt. Dafür scheint sein Einfluß auf die ganze jüngere Dichtergeneration bedeutend gewesen zu sein: Theokrit. VII 40f. nennt ihn sein unerreichtes Vorbild, Hermesianax war sein Freund und Schüler (s. o.) wie auch Zenodot, der erste wirkliche Homerkritiker. Bis vor kurzem glaubte man, P. habe seinen Ruhm den Gedichten an eine Geliebte (oder auch seine Ehefrau: v. Wilamowitz Sappho u. Sim. 290) Battis oder Bittis verdankt (so schon die römischen Elegiker T 9a–ll), ähnlich wie Antimachos die Lyde, Mimnermos Nanno, Hermesianax Leontion besang. Kuchenmüller 25ff. hat nachgewiesen, daß Battis (so, nicht Bittis zu lesen) nur einer mißverstandenen Glosse bzw. einem Scherze ihren Ursprung verdankt. Hermesianax frg. 2, 76ff. lauten: Οἶσθα δὲ καὶ τὸν ἀοιδόν, ὃν Εὐρυπύλου πολιῆται | Κῷοι χάλκειον θῆκαν ὑπὸ πλατάνῳ | Βαττίδα μολπάζοντα θοὴν περὶ πάντα Φιλήταν | ῥήματα καὶ πᾶσαν τρυόμενον λαλίην. Erst wenn man hier mit Kuchenmüller βαττίς als γλῶσσα versteht (Anspielung auf das grammatische Werk ἄτακτοι γλῶσσαι, wie Hesiod eine ‚Geliebte‘ Ehoie erhält), haben die Verse Witz und schlüssigen Sinn. Vermutlich hat schon P. selbst diesen Scherz in einem παίγνιον gemacht (vgl. frg. 10). Daher kann auch Ovid‚ sollte er wirklich den Dichter gelesen haben, von dem Wortspiel getäuscht worden sein.

Eine bildliche Darstellung des P. ist bisher nicht nachgewiesen worden, es sei denn, eine verschollene bärtige Herme aus der Gallia Narbonensis [2167] mit der Inschrift Φιλειτας (IG XIV 2486) sei auf den Dichter zu beziehen. Sie könnte dann etwa (Nowacki 12) auf des von Hermesianax erwähnte koische Standbild zurückgehen. P. scheint von Jugend auf zart, ja kränklich gewesen zu sein (Plut. an seni 15 = T 14), so daß die Komödie sich über seine Magerkeit lustig gemacht hat (T 15. 16) und ihn an einem Trugschlusse sich zu Tode sinnen ließ, wie es auch ein von Athen. IX 401 e bewahrtes angebliches Grabepigramm – in Wirklichkeit ein παίγνιον – festgehalten hat. Daraufhin hat Brizio Ann. d. Inst. XLV (1873) 106ff. den sog. Ps,-Seneca als P. deuten wollen, abgelehnt von Bernouilli Gr. Ikonogr. II 171f.

B. Dichtungen. Suid. Φ. ἔγραψεν ἐπιγράμματα καὶ ἐλεγείας καὶ ἄλλα. Unter den berühmten Elegikern erscheint er mit Kallinos, Mimnermos, Kallimachos (T 8 a b), bei den Römern als zweiter hinter Kallimachos (T 9 a – 12). Ailian. var. hist. X 6 nennt ihn ποιητὴς ἑξαμέτρων. Von beiderlei Werken sind nur kümmerliche Reste geblieben. Bekannt sind folgende:

1. Ἑρμῆς. Parthen. 2 berichtet: Odysseus sei bei seiner Irrfahrt zu Aiolos gekommen, der ihn freundlich bewirtet und nach seinen Schicksalen befragt habe. Nach der Abfahrt sei von Aiolos ein Liebesverhältnis zu dessen Tochter Polymele entdeckt worden. Der Vater habe Odysseus, obwohl fern, verflucht und die Tochter töten wollen, sie aber schließlich ihrem Bruder Diores auf dessen Bitten vermählt. Dazu lautet die Grammmatikernotiz: ἱστρορεῖ Φ. Ἑρμῆ. Die erhaltenen Hexameter sind als Sentenzen excerpiert (frg. 4 lies: ἰσχυρὰ γὰρ ἐπι⟨χθονίου⟩ κρατεῖ ἀνδρὸς Ἀνάγκη) und lehren über den Inhalt des Epyllions nur noch, daß auch die Hadesfahrt des Odysseus erwähnt war (frg. 3, dort beseitigt die leichte Besserung εἰς Ἀίδο⟨ς δ⟩ῶ den angeblichen Pentameter). Vergeblich hat man gefragt (Vermutungen bei Kuchenmüller 46. Nowacki 27), was der Titel mit dem Inhalt zu tun habe. Wenn der Bericht des Parthenios nicht täuscht, so hat P. das Gedicht nicht auf Odysseus, sondern auf Polymele orientiert, ihr Schicksal bildete (im Gegensatze zu Homers Nausikaaepisode) den eigentlichen Gegenstand. Gesteht man dies zu, so erklärt sich vielleicht der Titel des Gedichtes, er lautete: Πολυμήλης ἑρμή (Hesych. ἑρμή• ἔξοδος – ἑρμή Ablaut zu ὁρμή). Es leuchtet ein, daß ein solcher Titel dem Verfasser der γλῶσσαι wie dem Zeitstile angemessen ist, ebenso daß er später mißverstanden werden konnte oder mußte. – Merkwürdig ist die Anordnung der Irrfahrten des Odysseus. Parthenios berichtet: Ὀδυσσεὺς ἀλώμενος περὶ Σικελίαν καὶ τὴν Τυρρηνῶν καὶ τὴν Σικελῶν θάλασσαν ἀφίκετο πρὸς Αἴολον καὶ Μελιγουνίδα νῆσον. Sie stimmt wie Kuiper (De P. Mercurio, Alb. Grat. Herwerden [1902] 147ff.) gesehen hat, mit Lykophr. Alex. 648ff. überein und steht in schroffem Gegensatze zu Homer. Hier scheint P. Quelle Lykophrons gewesen zu sein, vielleicht durch Timaios (Cessi Eranos Suec. VIII [1908] 130) vermittelt, vgl. Ziegler o. Bd. XIII S. 2338f.

2. Δημήτηρ. Der Titel ist vieldeutig. Die vier elegischen (davon drei mit Titel) bei Stobaios erhaltenen Bruchstücke bringen Klagen einer Person, [2168] die, über Land und Meer irrend (frg. 6, dort lies v. 3 κακῶν μελεδῶ), s. frg. 21. 22), immer neues Leid trifft, bis Zeit und Sättigung den Schmerz mildert. Daß dies nicht Klagen der Demeter um ihre Tochter betreffen könnte, vermag mich Kuchenmüller 57 nicht zu überzeugen. Die weit ausgreifenden Folgerungen, die Kuchenmüller aus frg. 16 zieht, sind durch seinen Inhalt nicht gerechtfertigt. Die Rekonstruktionsversuche von E. Maass (De tribus P. carminibus Marb. 1895) und Cessi sind mit Recht von Kuchenmüller 53ff. zurückgewiesen.

3. Τήλεφος. Nur bekannt durch Schol. Apoll. Rhod. IV 1141 (frg. 9): ἐν τῷ ἄντρῳ Μάκριδός φησι γάμονγεγενῆσσθαι Μηδείας καὶ Ιάσονος. Φ. δὲ ἐν τηλέγῳ ἐν τῇ Ἀλκινόου οἰκίᾳ. Vergeblich hat man sich bemüht, diesen Sagenzug mit dem Titel in Zusammenhang zu bringen. Rohde Griech. Rom.³ 79, 3 vermutet mit Schneider, Telephos sei ‚der vom Vater des P. genommene Titel des Gedichtes (vgl. Meineke Analecta Alex. 16. v. Wilamowitz Sappho u. Sim. 291). Bachs Konjektur ὁ Τηλέφου verdient immer noch Beachtung. Daß der Telephos, wie v.Wilamowitz Hellen. Dicht. I 115 behauptet, in Hexametern gedichtet war, ist nicht überliefert.

4. Παίγνια. Der Titel ist nur durch Stobaios zu frg. 10 überliefert, doch hat man mit Recht das gelehrte Verspaar frg. 11 dazugestellt. Frg. 10 – eine Schreibtafel ist redend eingeführt – mag Einleitungsgedichte der Sammlung gewesen sein (Kuchenmüller 62, dadurch überholt: Reitzenstein Epigr. u. Skolion 178f.), über die Bedeutung von παίγνιον ausführlich Kuchenmüller 70ff.‚ gegen v. Wilamowitz Sappho u. Sim. 290; Hellen. Dicht. II 306, der Catulls nugae vergleicht (s. Kroll zu Catull. I 4).

5. Ἐπιγράμματα. Der Titel durch Suidas und zweimal (frg. 12 v. 3/4, frg. 13) durch Stobaios bezeugt, während frg. l2 v. 1/2 versehentlich, wie es scheint, als παίγνιον bezeichnet ist (Kuchenmüller 70). Frg. 12 ist ein Grabepigramm auf einen Freund, der Tote spricht das erste Distichon, der Dichter antwortet mit dem zweiten. Frg. 13 ist ein Griphos, als dessen Lösung Kuchenmüller 68 ‚Rhodos‘ scharfsinnig erkannt hat.

6. Bukolisches. Aus Theokrit, VII 39 möchte man schließen, daß P. auch Bukolisches gedichtet hat. Dafür gibt es vielleicht noch ein Zeugnis. Antigon. Karyst. 19 sagt, P. sei die Parthenogenese der Bienen aus toten Rindern bekannt gewesen (Rohde Kl. Schr. II 311) und beruft sich dafür auf folgenden Vers: βουγενέας φάμενος προσεβώσαο μακρὰ μελίσσας (codd. προςεβήσαο, vgl. προσεβώσατο Herodot. VI 35, 1, μακρὰ βοῶν Hom. Il. II 224 und Couat La Poésie Alex. 79): ‚nachdem du gesprochen, riefst du weit hörbar die Bienen zu Hilfe.‘ Unverkennbar geht der Vers auf die Komataslegende, die Theokrit in demselben VII. Gedichte erzählt, und auf die er in dem zweiten Simichidagedichte (s. u. Bd. V A S. 2004), der Syrinx, so anspielt: οὐχὶ Κεράσταν, ὅν ποτε θρέψατο ταυροπάτωρ (Κεράστας = Κομάτας, ταυροπάτωρ = μέλισσα βουγενής, vgl. das Scholion). Da die Thalysien (auch der Titel scheint auf P. zu weisen: Kuchenmüller 20, 7) [2169] außerdem die der Bourinaquelle mit P. teilen, dürften noch weitere uns nicht mehr erkennbare Bezüge vorhanden gewesen sein. Auch ist an die Beobachtung Knaacks (o. Bd. III S. 1007) zu erinnern, daß Longos Daphn. u. Chl. II 3, 2 einen Alten sich so vorstellen läßt: Φιλητᾶς ... ὁ πρεσβύτης ἐγώ, ὂς πολλὰ μὲν ταῖσδε ταῖς Νύμφαις ἦσα, πολλὰ δὲ τῷ Πανὶ ἐκείνῳ ἐσύρισα, βοῶν δὲ πολλῆς ἀγέλης ἡγησάμην μόνῃ μουσικῇ. Dann gibt der Alte Belehrungen über die Liebe. Vgl. noch Herzog Philol. LXXIX (1924) 413.

7. Iambische Dichtungen. Aus Hesych‚ σκύζης• παρὰ Φιλητα• παύσω σε τῆς σκύζης ἀντὶ τοῦ τῆς κάπρας (frg. 50) und ὑπ’ αὐτήν (frg. 51) schließt v. Wilamowitz Hellen. Dicht. I 116 auf iambische Dichtung. Daß dies wenig wahrscheinlich ist, hat Kuchenmüller 107 gezeigt.

8. Aus den übrigen zwölf poetischen Fragmenten ist wenig zu entnehmen: Frg. 14 (Hippomenes und Atalante) berührt sich mit Theokrit. III 40–42, frg. 17 (Gründung von Phlius) ist Aition des Stadtnamens, die anderen sind Wortanführungen. Für eine zuverlässige Würdigung seiner Kunst reicht unser spärlicher Bestand nicht mehr aus, Versuche in dieser Richtung: Couat La poésie Alex. 70ff. (über den Versbau 77ff.). Rohde Rom.³ 79f. v. Wilamowitz Sappho u. Sim. 288ff.; Hellen. Dicht. I 113f. Kuchenmüller 88ff.

C. Philologische Schriften. Mit Sicherheit erkennbar ist nur ein Werk in mehreren Büchern (τῶν τοῦ Φιλήτα λαμβάνοντα βιβλίων Strato bei Athen. IX 383 a, s. Kuchenmüller 115), dessen vollständiger Titel ἄτακτοι γλῶσσαι nur das Schol. Apoll. Rhod. IV 989 bewahrt hat, von Athenaios (über Pamrphilos) regelmäßig (neunmal) als ἐν (τοῖς) ἀτάκτοις, vom Etym. M. 330, 39 ἐν γλῶσσαις angeführt, bei Orion (einmal) und Hesych (viermal) fehlt die Werkangabe, ebenso bei den Zitaten in den Homerscholien: letztere gehen wohl alle auf Aristarch ἐν τοῖς πρὸς Φ. (A Schol. Il. I 524) bzw. ἐν τῷ πρὸς Φ συγγράμματι (A Schol. Il. II 111) zurück. Die uns erhaltenen Glossen sind meist Worterklärungen mit starker Berücksichtigung der Dialekte (Aiolisch frg. 35, Lesbisch 42, Boiotisch 33, Megarisch 31, Argivisch 37, Sikyonisch 40, Kyrenäisch 32, Syrakusanisch 38 [s. Latte Philol. 1925, 162f.], vielleicht Herakleotisch [bzw. Tarentinisch] 49. vgl. Bechtel Gr. Dial. II 421) und der Volksbräuche (frg. 37. 39. 40). Ob seine von Aristarch bekämpften Homererklärungen in den ἄτ. γλ. gestanden haben, ist nicht mehr zu erkennen. Daß der Titel ἄτακτοι γλῶσσαι irgendwie einen Mangel an systematischer Ordnung bezeichnen soll, ist möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich. Eher durfte er bedeuten: Worte, die sich nicht einordnen lassen, ähnlich wie Proklos zu Eukl. 220 F solche Probleme, die eine endgültige Lösung nicht zulassen, ἄτακτα nennt.

Nur durch die Interpolation von Strab. III 168 ist die Ἑρμηνεία bekannt; es handelt sich wie bei den ἄτ. γλ. um eine Worterklärung mit einem Dichterbeleg (frg. 53 ∼ frg. 40). Ob dieses sonst verschollene Werk mit den ἄτ. γλ. identisch oder ob es speziell Homerproblemen gewidmet war, wie Kuchenmüller 113 unwahrscheinlich [2170] vermutet (das einzige Fragment betrifft gerade kein Homerproblem!), ist nicht mehr auszumachen. – Über angebliche Ναξιακά des P. s. Meineke Analecta Alexand. 348.

D. Nachleben. Die Wirkung des Dichters P. auf seine Zeitgenossen war groß: das beweisen neben seiner Berufung zum Lehrer Ptolemaios’ II. die Huldigungen des Theokrit und Hermesianax, vielleicht des Kallimachos (frg. 254 S.), die trotz der wenigen Bruchstücke noch erkennbare Nachahmung durch Apoll. Rhod. IV 747 ∼ frg. 2, 3, die Schülerschaft des Zenodot. Die Komödie spottet über seine Körperschwäche und scherzt über seine grammatischen Schriften. Der wenig jüngere Antigonos von Karystos zitiert ihn schon, wie man Klassiker anführt, Timaios mag ihn für homerische Geographie benutzt haben, während ihn die Homerexegese nur gelegentlich streift (frg. 20. 27). Hermippos von Smyrna zieht ihn für die Hipponaxerklärung heran, aus Aristophanosscholien (Ran. 749) wird frg. 16 = Hesych Θεσσαλαί stammen. Nachdem er neben Kallinos Mimnermos Kallimachos in den Kanon der Elegiker aufgenommen war, ist er nicht mehr viel gelesen wοrden. Als Parthenios für Cornelius Gallθs seine Auszüge machte, waren die Werke des P. wohl schon selten geworden, ignoriert ihn doch Meleagros, während er in den Quellen des Stobaios noch ziemlich reichlich vertreten war. Um so wahrscheinlicher ist die von Kuchenmüller 28ff. ausführlich begründete These V Knaacks (Herm. XXIII 136, 1), daß ihn die römischen Dichter und Quintilian nur als großen Namen kannten. Die Versuche, P. aus Ovid und Vergil zu rekonstruieren, sind nicht gelungen. Der Kommentator der alexandrinischen Dichter, also Theon‚ hat P. noch gelesen (Schol. zu Apollon: frg. 9. 17 [Steph. Byz. Φλιοῦς s. Apoll. Rhod. I 115]. 23. [Etym. M. vgl. Apoll. Rhod. III 530]. 24. 26 [Etym M. vgl. Apoll. Rhod. I 1178]; zu Theokrit frg. 14. 15; aus dieser Zeit wohl auch die Quellenangaben bei Parthenios), ebenso Strabon (frg. 21) und die Quelle von Steph. Byz. Ἄχναι (frg. 25). Herodian hat ihn schwerlich selbst ausgezogen (frg. 24 aus Apolloniusscholien, frg. 22 wohl aus Theokritscholien). In der Kaiserzeit war er jedenfalls verschollen: charakteristisch ist, daß Athen. II 71 a (und Hesych κάκτος), d. h. Pamphilos frg. 11 aus Antigonos von Kar. 8 übernehmen: v. Wilamowitz Antig. von Kar. 21, 12. Auch seine grammatischen Werke haben nicht viel länger gelebt: Frg. 44. 48 haben die Apolloniusscholien‚ also Theon erhalten, frg. 43 ∼ Schol. Nikand. Alex. 181, frg. 29–42. 45–47. 49–51 sind spätestens von Pamphilos exzerpiert worden. E. Literatur. Fragmentsammlungen. Durch G. Kuchenmüller Philetae Coi Reliquiae (Diss. Berl. 1928) mit reichem Kommentar sind alle früheren Ausgaben überholt. A. Nowacki Philitae fragmenta poetica (Diss. Münster 1927) verzeichnet 6ff. die ältere Literatur. Powell Collectanea Alexandrina (Oxford 1925) 90ff. Diehl Anth. lyr. II (1924) 209ff. sind für P. veraltet. Weitere Literatur s. o. B 8.