RE:Tauros 5

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V A,1 (1934), Sp. [V_A,1 39]–[V_A,1 50]
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5) Gebirge in Asien. Die Griechen brachten den Namen natürlich mit ταῦρος = Stier zusammen und suchten die Begründung in der Natur des Gebirges, Dion. Per. 641. Eustath. Dion. 638. 847. Steph. Byz. Nikeph. geogr. compend. 620-649 (GGM II 463b, 29f.). Babelon Les rois de Syrie XXII 1. XXXII wirft die Frage auf, ob die Darstellung auf Münzen von Seleukos I. Nikator, wo der König Hörner hat, oder der Buckelstier auf seinen Münzen und denen vieler Städte Kleinasiens eine Anspielung auf den T. sein soll; vgl. Liban. or. XI 92 Förster. Genes. reg. lib. III 66f. (Bonn) bringt den Namen T. mit τερσαίνω zusammen und gibt an, der T. habe auch Tersia geheißen, weil er nach der großen Überschwemmung zuerst wieder aus dem Wasser aufgetaucht und trocken geworden sei, vgl. Eustath. ebd. 867. Steph. Byz. s. Τaρσός. Die Adjektivform ist Ταυρικός, Steph. Byz. s. Τaρσός. Eustath. Dion. Per. Etym. M. 747, 45; oder Τaυριανός, Steph. Byz. oder Τaυρεῖος, Syll. or. nr. 383.

Der T. wird zuerst genannt bei Aristot. vent. 973a, 18. frg. 238. V 1521 b, 12= frg. 250, 4 ed. min., wo es heißt, daß im Issischen Meerbusen [40] und in der Gegend von Rhosos der Ostwind (ἀπηλιώτης) Συρίανδος genannt wird und daß er von den Σύριαι πύλαι (heute Beilan-Paß) zwischen dem T. und den Bergen von Rhosos her bläst. Hier bezieht sich also der Name T. auf den nördlichen Teil des Gebirgszuges, der gewöhnlich Amanos heißt; vgl. hierzu Plin. n. h. V 80. Zeitlich nicht viel später fällt die Erwähnung bei Theophr. h. pl. VIII 2, 9, wo der T. als zwischen Kilikien und Kappadokien liegend genannt wird. Dieses Gebirge kommt allerdings schon bei Xen. anab. I 2, 21f. vor, aber ohne daß ein Name genannt würde; es ist nur von ἄκρα und ὄρη die Rede. Durch die Züge Alexanders des Gr. gewann der östliche Teil des T. größere Bedeutung. Man erhielt damals die erste genauere Kunde von dem Hochgebirgsgürtel, der im Anschluß an die bekannten westlicher gelegenen Gebirge ganz Asien durchzog, und übertrug auf diese T. als Gesamtnamen. Diese neue Erkenntnis benutzte Dikaiarchos (um 310 v. Chr.) dazu, die Teilungslinie zwischen einem nördlichen und einem südlichen Teil der Oikumene vom Issischen Meerbusen am T. entlang bis zum Ozean im Osten zu verlängern. Der westliche Teil war eine gerade Linie von den Säulen bis Kilikien; dort setzte in derselben West-Ostrichtung der T. ein, Agathem. I 5 (GGM II 472). Über dieses sog. Diaphragma s. o. Bd. V S. 341. 560, 10f. X S. 2052, 18f. Suppl.-Bd. IV S. 552. 40f. 555, 39. 562, 20. 586, 37. 600, 18f. 601, 47f. 602, 35f. Dabei hat Dikaiarchos den Teil des T., der nach Kilikien hineinreicht, unberücksichtigt gelassen, offenbar deshalb, weil dieses kleine Stück im Verhältnis zu der riesigen Ausdehnung der innerasiatischen Gebirge völlig verschwand. Und der von Aristoteles (s. o.) erwähnte T. stieß ja mit seinen Ausläufern an das Ostende des Issischen Meerbusens, eignete sich also gut zur Fortsetzung der Linie Stelai-Kilikien.

Diese Trennungslinie zwischen dem nördlichen und dem südlichen Asien ist lange beibehalten worden, allerdings nicht immer in ganz gleicher Art. Hipparchos machte es dem Eratosthenes, der sie, soweit wir das erkennen können, unverändert von Dikaiarchos übernahm, zum Vorwurf, daß er auf Grund der Angaben des Patrokles eine Korrektur der alten Karten vorgenommen hatte, auf denen der östliche Teil des Diaphragmas von der West-Ostrichtung nach Nordosten abgewichen war. Hipparchos stützte sich bei dieser Kritik auf die Angaben von Deinarchos und Megasthenes, die die Zeichnung der ἀρχαῖοι πίνακες bestätigten, Strab. II 68f. 82. Berger Die geogr. Fragmente des Eratosthenes 174f. Auch Eratosthenes ließ den T. vom Issischen Meerbusen an die Trennungslinie bilden und bis zum östlichen Ozean reichen, berücksichtigte also den Teil westlich von Kilikien nicht. Er gab, entsprechend seiner Art, einzelne Gebiete, in die er die Oikumene einteilte, als geometrische Figuren aufzufassen , dem T. die Form eines Parallelogramms, dessen kurze Seite er auf dem Meridian Issos-Amisos zu 3000 Stadien ansetzte, und dessen andere Seite ungefähr 40 000 Stadien lang war, Strab. I 64. II 67. 84. 89f. Dieser ungeheure Gebirgszug trug in seinen einzelnen Teilen verschiedene Namen, darunter auch T., Strab. XI 490. 510. XV 689. Mela I 81. III 60. 68. Plin. n. h. V 98f. Arrian. anab. [41] V 6, 3; Ind. 2, 2f. Dion. Per. 638f. 890. Oros. hist. I 2, 16 (wo allerdings die Einzelnamen vom Kaukasos, nicht vom T. gegeben werden. Einzelteile heißen T. und Caucasus). 17. Am häufigsten werden die zum östlichen Teil gehörigen Imaos, Emodos (Emoda, Haemodes), Paropamisos (Paropanisos) erwähnt. Der Teil östlich von Asia an wurde von den Makedonen Kaukasos genannt; sie glaubten, auf diese Weise den Ruhm Alexanders zu erhöhen, wenn er sogar den Kaukasos, der in alter Zeit das Ende der bekannten Welt bedeutete, überschritten hätte. Strab. XI 505. 511. XV 689. Arrian. anab. V 3, 3. 5, 3; Ind. 2, 4; o. Bd. XI S. 60f. Berger Erdkunde der Griechen² 418. Der Name Kaukasos für einen Teil des innerasiatischen T. hielt sich lange, z. B. Diod. XVII 5, 2. 6, 1, der ihn als Nordgrenze von Indien angibt. Plin. n. h. V 98. VI 137. Arrian. anab. V 6, 1. Philostr. vit. Apoll. Tyan. Il 1. Geogr. compend. 28 (GGM II 501). Oros. hist. I 8, 6f. (nach dem der Kaukasos vom Imaus bis zum Tigris reicht). Geogr. Rav. I 12 (S. 30, 11 P.); auch bei Strabon, z. B. II 68. 85f. XV 689, obgleich dieser das Unberechtigte der Namensverschiebung durchaus sah, XI 505. Das führte schließlich dazu, auch den echten Kaukasos oder angenommene Gebirge im nordöstlichen Europa mit dem großen asiatischen T. in Verbindung zu bringen. Eustath. Dion. Per. 663 (ebenso Schol. 666) sagt, daß die Καυκάσια ὄρη, in denen nach Dionysios der Tanais entspringt τμῆμά τι τοῦ προειρημένου Ταύρου βορειότατον wäre. Umgekehrt stellten das Verhältnis zwischen T. und Kaukasos dar Curt. VII 3, 19f. Arrian. anab. III 28, 5; vgl. außerdem Philostr. vit. Apoll. Tyan. II 1. Oros. hist. I 2, 8-10. 16. III 17, 9. Cosmogr. I 10f. II 5-8. 16 (GLM 76f. Riese). Nach Orosius ist der Parcohatras (Παραχοάθρας bei Strabon) das Gebirge von Armenien, er liegt zwischen Kaukasos und T., der erst auf dem rechten Ufer des Euphrat, westlich von Armenien, südlich von Kappadokien beginnt. Deshalb beginnt Mesopotamien im Norden inter montem Taurum et Caucasum.

Von sonstigen Einzelbenennungen sind am bekanntesten und lassen sich auch noch identifizieren der Antitauros und der Amanos, s. o. Bd. I S. 1724. 2561. Eustath. zu Dion. Per. 163 unterscheidet den T. am Kimmerischen Bosporos ausdrücklich vom großen oder östlichen T. wie er sagt, läßt aber die Möglichkeit offen, daß er βόρειόν τι τμῆμα dieses T. wäre.

Dikaiarchos und nach ihm Eratosthenes und andere nannten die durch das Diaphragma entstehenden Teile von Asien τὸ μὲν μέρος βόρειον, τὸ δὲ νότιον, z. B. Strab. II 68. 78. Es ist klar, daß damit das Lageverhältnis nur im großen und ganzen angegeben werden sollte, und daß die beiden Abdachungen streckenweise sehr gut westöstlich zu einander liegen konnten. Es ist also kein Widerspruch (Lanckoroński Städte Pamphyliens und Pisidiens II 13f.), wenn Strab. XII 570 sagt, daß die Pamphylier τὰ νότια μέρη τῆς ὑπωρείας τοῦ Ταύρου innehaben, obgleich im Gebiet von Selge und Sagalassos das Gebirge nordsüdlich zieht. Daneben gibt es eine Bezeichnung, die später die obige fast verdrängt hat, in literarischen Quellen zuerst bei Polybios, z. B. III 3, 4. [42] vgl. Viereck Klio IX 373, besonders häufig bei Strabon, z. B. II 129: für μέρος βόρειον wird gesagt ἐπὶ τάδε oder ἐντὸς τοῦ Ταύρου, lateinisch intra oder cis Taurum montem, für die andere Seite ἐκτὸς oder ἔξω τοῦ Ταύρου. Die Vermutung Bergers Die geogr. Fragmente des Eratosth. 195f., daß diese Bezeichnungen nicht von Eratosthenes gebraucht worden sind, ist zutreffend. Es ist schon an sich unwahrscheinlich, daß ein Geograph die unmißverständliche Benennung nach Himmelsrichtungen durch eine andere ersetzt habe, die je nach dem Standpunkt des Beschauers verschiedene Bedeutung haben kann und tatsächlich auch gehabt hat. Denn bei Cass. Dio LXXI 23, 2, wo erzählt wird, daß Avidius Cassius bei seinem Kampf gegen Marc Aurel τὰ ἐντὸς τοῦ Ταύρου für sich gewonnen hat, ist damit das nördliche Syrien bis zum T. gemeint, und ebenso stehen die Legionen, die Ventidius zu Beginn des Partherkriegs in Cappadocia trans Taurum hatte, auf der Nordseite des T., Frontin. I 1, 6. Und dann gibt Strabon ganz allgemein an, οἱ Ἕλληνες wären die Urheber dieses Ausdrucks, II 129. XI 490, oder er sagt nur καλοῦσιν, XI 520. Entscheidend aber ist, daß sich ἐπὶ τάδε τοῦ Ταύρου in der Bedeutung ‚nördlich des kleinasiatischen T.‘ schon in einer Inschrift aus dem Anfang der Regierungszeit des Antiochos I. Soter (280-261 v. Chr.) findet, Syll. or. nr. 219, 12. Es liegt nahe anzunehmen, daß der Ausdruck von den kleinasiatischen Griechen zu einer Zeit geprägt worden ist, als die Randgebirge im Südosten der Halbinsel wiederholt in den Kämpfen der Diadochen eine wichtige Rolle spielten. Und im Zusammenhang damit wird nach und nach der Name T. auch auf die westlich anschließenden Gebirge übertragen worden sein.

über die Ausdehnung des T. nach Westen waren die Meinungen geteilt. Als Ansicht der πολλοί gibt Strab. XIV 666 an, daß der T. in der Hiera Akra gegenüber den Chelidoniai an der südöstlichen Ecke der lykischen Halbinsel beginne; dasselbe steht XIV 651, eingeleitet mit dem allgemeinen Ausdruck λέγουσιν. Dieselbe Gegend ist genannt II 129 ἄκρα τῆς Παμφυλίας, XI 510 ἀρξάμενον ἀπὸ τῆς Παμφυλίας καὶ τῆς Κιλικίας, XIV 651 ἐν μεθορίῳ τῆς Παμφυλίας καὶ τῆς Λυκίας, 644 ἀπὸ Λυκίας. Dementsprechend wird Strab. II 129 Lykien zu den Ländern ἐντός und II 130 die Pamphylier als letzte zu den ἐκτὸς τοῦ Ταύρου gerechnet. Denselben Anfang finden wir Diod. XVIII 5, 4. 6, 3, wo als Länder nördlich des großen Gebirgszugs Pisidien und Lykien, südlich desselben Kilikien und Pamphylien genannt sind. Mela I 80. 82 (hier ist mit dem promunturium Tauri die Hiera Akra gemeint). II 102. Plin. n. h. V 97. 131. Dieser Anschauung setzt Strabon seine abweichende eigene Meinung mit den Worten τὸ δ’ἀληθές (Eustath. Dion. Per. 504 τῇ ἀληθείᾳ) scharf betont entgegen, XIV 651. 666. Nach ihm beginnt der T. in der rhodischen Peraia und zieht an Kibyra vorbei (vgl. H. Kiepert FOA IX 73) nach Pisidien hin. Dadurch kommt Lykien auf die Außen- oder Südseite des T. Dieselbe Auffassung kekrt wieder XI 490, wo er die Gesamtlänge des T. von der Peraia bis Indien angibt, ferner XI 520 ἄρχεται ἀπὸ τῆς Καρίας καὶ Λυκίας, XIV 632, wo er von [43] der ἔξω τοῦ Ταύρου παραλία spricht, die die Lykier, Pamphylier und Kilikier bewohnen, und XV 685. Von der Peraia reicht der T. im Binnenland bis an den Maiandros, XIV 651. Die Angaben Strabons an dieser Stelle sind freilich nicht ganz deutlich; es ist nicht klar, wo das niedrigere Bergland liegt, das nicht mehr zum T. gerechnet wird, weil es nicht den Charakter einer Scheidemauer, also eines Kammgebirges hat, wie der T. sonst. Die beiden bei Strabon vorkommenden Westabgrenzungen des Gebirges finden sich auch bei Dion. Per. 639. 850. Eustath. Dion. 504. 638. 647. Paraphr. 636. 846. Nikeph. 620-640. 847-877.

Strabon geht bei der Beschreibung Asiens so vor, daß er zunächst die Länder ἐντός, dann die ἐκτὸς τοῦ Ταύρου beschreibt. Dabei werden die im Gebirge wohnenden Völker zu den ἐντός wohnenden gerechnet. Er beginnt, von Armenien kommend, in Kleinasien mit Kappadokien XII 533. XII 534 gibt er eine Aufzählung der Völker, die außer den Kappadokiern auf der kleinasiatischen Halbinsel ἐνττὸς τοῦ Ταύρου wohnen; an letzter Stelle nennt er da die Karer, Lykier und Lydier und schließt unmittelbar daran die Worte περὶ μὲν οὖν τῶν ἄλλων ἐροῦμεν ὕστερον, d. h. über die Völker ἐκτὸς τοῦ Ταύρου. Wenn er aber die Lykier ἐἐτὸς τοῦ Ταύρου ansetzt, nimmt er als Ende des T. die Chelidoniai an, setzt sich also in Widerspruch zu seiner eigenen, ausdrücklich betonten Ansicht, daß der T. in der Peraia endigte. Wir haben hier ein Beispiel für die auch sonst beobachtete Tatsache, daß Strabon aus seinen verschiedenen Quellen keine in sich völlig geschlossene, widerspruchsfreie Darstellung geschaffen hat, sondern daß er die einzelnen Bestandteile neben einander gesetzt, aber nicht ausgeglichen hat. Bei der Beschreibung von Kleinasien zeigt sich das auch darin, daß er, sicher unter dem Einfluß einer Hauptquelle (wohl Artemidor), die Küstenbeschreibung Kariens von der Grenze gegen Lykien an westwärts gibt, obgleich er von Ionien kommt.

Bei Arrian finden sich einander widersprechende Angaben über den Westanfang des T. Hist. succ. Alex. frg. 1, 37 Roos nennt er gelegentlich der Verteilung der Provinzen des Alexanderreichs 321 v. Chr. unter den ἀπὸ τοῦ Ταύρου ὄρους ὡς ἐπὶ τὴν ἄρκτον φερόντων auch die Pamphylier und Lykier und frg. 1, 34 hat er Kilikien schon unter den anderen Provinzen aufgeführt. Also muß sich nach ihm der T. zwischen Kilikien auf der einen und Pamphylien, Lykien auf der anderen Seite hinziehen. Vielleicht liegt dieselbe Auffassung, allerdings sehr undeutlich ausgedrückt, Ind. 2, 2 vor, wo es heißt, daß der T. beginnt ἀπὸ θαλάσσης τῆς κατὰ Παμφύλους τε καὶ Λυκίην καὶ Κίλικας (daraus ist nicht ganz bestimmt zu erkennen, ob als Anfang die Peraia oder die Chelidoniai angesehen werden) und nach anab. V 5, 2 beginnt der T. beim Vorgebirge Mykale, also sogar noch nördlich vom Maeander (ebenso Philostr. vit. Apoll. Tyan. II 1). Berger nimmt diese Stelle unter die Fragmente des Eratosthenes auf, S. 171f., wie mir scheint, mit Unrecht. Denn in keinen von dessen namentlich überlieferten Fragmenten kommt der T. westlich von Issos vor. Das Westende des T. betrifft noch [44] die Bemerkung bei Plin. n. h. V 118, wonach der Kadmos im T. endet.

Die Unsicherheit in der Bestimmung des T.-Endes und vor allem der Begriff ἐντός und ἐκτὸς τοῦ Ταύρου wirkte sich beim Frieden mit Antiochos aus. Nach Polyb. XXI 46, 11 B.-W. behauptete Eumenes, daß Pamphylien ἐπὶ τάδε läge, also ihm zufallen müßte, die Gesandten des Antiochos aber das Gegenteil. Die Streitenden einigten sich dahin, die Entscheidung dem Senat zu übertragen. Es ist interessant zu sehen, daß sich in dieser Unsicherheit über das Westende des T. am Meer die Tatsache bemerklich macht (von der das Altertum natürlich noch keine Ahnung haben konnte), daß die Ketten des T. in Wirklichkeit schon im westlichen Kilikien die Küste endgültig verlassen und sich mit dem Sultan- und dem Emir Dagh nördlich von der Karalitis (Beischehir Göl) in der inneren Hochfläche verlieren, und daß daher die Gebirge von Pisidien und Lykien nicht mehr zum T. gerechnet werden können, Philippson im Handbuch d. regionalen Geologie V 2, 4. 51. In der Verteilung der Länder {{Polytonisch|ἐκτός und ἐντὸς τοῦ Ταύρου, trat Strabon gelegentlich in Widerspruch zu Eratosthenes; XI 522 betont er diesem gegenüber, daß kein Teil von Armenien und Medien über den Gebirgsgürtel nach Süden hinausreichte, beide daher {{Polytonisch|ἐντός lägen, da ja die Länder im Gebirge zur Nordhälfte zu rechnen wären. Wenn Berger Die geogr. Fragmente des Eratosth. 190, 1 und 196, 6 noch andere Differenzen nennt, so irrt er; an keiner der andern dort angeführten Stellen findet sich eine entsprechende Bemerkung.

Der Gesamtinhalt des Begriffs T. wird am klarsten durch die Zusammenstellung aller der Angaben, die die Ausdehnung des Gebirges an einzelnen Punkten erkennen lassen. Im Osten reicht der T. bis an den östlichen Ozean. Nördlich davon oder in der Gebirgszone selbst wohnen bis nach Armenien Skythen, Strab. II 129. XI 511. Philostr. vit. Apoll. Tyan. II 1; die Parapamisadai, Strab. II 130; die Sogdianoi, Strab. II 129; die Baktrianoi, Strab. II 72. 129. XI 511. 516. Dion. Per. 734f.; die Margianoi, Strab. II 72. XI 510; die Areioi, Strab. ebd., vgl. o. Bd. II S. 619, 37; die Chorasmioi, Arrian. anab. V 5, 2; die Parthyaioi, ebd. Strab. II 129. XI 491. 510. 514; Medien, Strab. XI 491f. 520. 522. Arrian. ebd. Allerdings gibt Agrippa bei Plin. n. h. VI 137 den T. und den Kaukasos als Nordgrenze von Media und Parthia an, vgl. dazu noch Dimens. prov. 2. Divis. orb. 23. Oros. hist. I 2, 7. Cosmogr. II 7 (GLM 9f. Riese). Weiter kommen die Hyrkanioi Strab. II 72. 129. XI 510. Dion. Per. 732, die Amardoi Strab. XI 510, Dion. ebd., die Kadusioi ebd., die Gelai Strab. ebd. Das Land zwischen Ekbatana und Hekatompylos wird durch Wasser aus dem T. fruchtbar gemacht, Polyb. X 28, 4.

Nordgrenze ist der T. für Indien, Strab. XV 685. 689. Mela III 61. Plin. n. h. VI 60. Arrian. anab. V 6, 3; Ind. II 1. Eustath. 1039. Dimens. prov. 1. Divis. orb. 24. Oros. hist. I 2, 6. Cosmogr. II 6. Der Indos entspringt im T., Arrian. Ind. III 2, Ariane reicht im Norden bis an den T., Strab. XV 720. 723. Dimens. prov. 2. Divis. orb. 23, vgl. o. Bd. II S. 813, 51, ebenso die Persis, [45] Agrippa bei Plin. n. h. VI 137. Oros. hist. I 2, 7. Dimens. prov. ebd., Divis. orb. ebd., Cosmogr. ebd., sowie Assyria, Oros. ebd. Auf der Tab. Peut. XI 5 - XII 13 steht Mons T. zweimal an einem großen Bergzug durch Asien von Armenien an; die Fortsetzung ist dann Mons Imeus.

Weiter nach Westen kommt Armenien, das in dem breiten Gebirgsgürtel, also ἐντὸς τοῦ Ταύρου, liegt, Strab. II 129. XI 491f. 522. 526. XIV 669. Curt. VII 3, 20. Arrian. anab. V 5, 2. Philostr. vit. Apoll. Tyan. II 1. Procop. bell. Pers. I 10. 15 (S. 47, 16. 77, 7 Bonn.). Eustath. Dion. Per. 694. Es ist im allgemeinen durch die Senkung von der Mündung des Kyros und des Araxes nach Kolchis vom Kaukasos getrennt, aber Ausläufer dieses Gebirges stellen doch eine Verbindung mit den armenischen Bergen her, Strab. XI 497. 527. Den Südrand des T. trennt Armenien von Mesopotamien, Strab. XI 497. 521f. 526. XVII 746. Agrippa bei Plin. n. h. VI 37. 137. Dimens. prov. 3. 6. Divis. orb. 18. 22, oder von Transtigritanien, Ammian. Marc. XVIII 9, 2, vgl. hierzu Lehmann-Haupt Armenien I 503f., der den Hazru-Daghlary und seine Fortsetzungen nördlich des oberen Tigrislaufs als diesen Südrand von Armenien ansieht. Ein Teil dieses Grenzgebirges ist das Masion, Strab. XI 527. s. o. Bd. XIV S. 2068, wo aber Lehmann-Haupt I 508f. nicht berücksichtigt ist. Der Euphrat entspringt im nördlichen T., durchbricht ihn zwischen Armenien einerseits und Kappadokien andrerseits, Strab. XI 521. 527. Mela III 77. Philostr. vit. Apoll. Tyan. I 20. An der Durchbruchstelle liegt Elegea, Plin. n. h. V 84f., s. o. Bd. V S. 2258, 40. Tigranokerta, Mygdonia und Nisibis liegen südlich vor dem T., Plut. Lucull. 25. 27. 32. Strab. XI 522. 527, die Gebirge bei Amida gehören zum T., Ammian. Marc. XVIII 8, 9. Der Tigris entspringt im südlichen T., Strab. XI 521f. Philostr. ebd. und läuft ein Stück unterirdisch, Plin. n. h. VI 128. Der Phasis kommt vom Ἀρμένιον ὄρος, das von manchen als ἀπόσπασμα des T. angesehen wurde, Eustath. 694. Der Araxes hat seine Quelle auf demselben Berg wie der Euphrat, Strab. XI 527. Mela III 40. Vom eigentlichen T. zweigt sich in Armenien der (östliche) Antitauros nach Norden ab; zwischen ihm und dem T. liegt in der Peraia von Kommagene und Melitene die Landschaft Sophene, Strab. XI 521f. 527. Ptolem. V 6, 7. Plin. n. h. V 66, vgl. Lehmann-Haupt Armenien I 511f. Als Lucullus über den Euphrat gegangen war (sicher nicht weit stromab von Tomisa, Lehmann-Haupt I 511. 514), zeigte er beim Weitermarsch gegen Tigranokerta den Truppen als Ziel, das sie erreichen müßten, τὸν Ταῦρον ἄπωθεν ὄντα, später geht’s über den Tigris, Plut. Lucull. 24. über die abweichende Darstellung der Gebirgsverhältnisse von Armenien bei Oros. hist. I 2, 8. 16f. s. o.

Weiter westwärts ist der T. die Nordgrenze für Syrien; er reicht vom Osten her bis zum Amanos, Strab. XI 527. XVI 737. Joseph. ant. I 122. Dion. Per. 891. 895. Plin. n. h. XXXI 9. Der Amanos spaltet sich vom Hauptzug des T. ab und reicht bis zum Euphrat und Melitene, Strab. XI 521. 527. XII 535. Eustath. 877. Der Teil des Amanos nördlich von den Syriai Pylai wurde auch T. genannt (s. o.). Kommagene gehört zum [46] T., Strab. XI 527. Appian. Mithr. 106. Cass. Dio XXXVI 4. Zwischen Tomisa am Euphrat und Samosata am gleichen Fluß führt der Weg über den T. Steph. Byz. s. Ἀντιόχεια erwähnt eins ἐπὶ τῷ Ταύρῳ ἐν Κομμαγηνῇ, s. o. Bd. I S. 2445, 3. Das Denkmal für die Kommagenischen Dynasten Nemrud Dagh ist errichtet περὶ κορυφὴν Ταυρείων αὐχένων, Syll. or. nr. 383.

Nördlich von Kommagene zieht der T. durch Kappadokien, Strab. XI 491f. 527. Zwischen dessen westlichem Hauptteil und Kilikien liegt der Κιλίκιος Ταῦρος (Κίλιξ Τ., Nonn. Dion. XXXIV 190), der sich westwärts bis Lykaonien hinzieht, dessen Südgrenze er bildet, Strab. XII 533. 535. 566. XVI 668. 773. Theophr. hist. plant. VIII 2, 9. Plin. n. h. VI 24. Joseph. ant. XI 314. Ptolem. V 6, 1. 7, 1. Polyb. frg. 54 B.-W. Herodian. excess. Marc. III 1, 4. Procop. bell. Pers. I 10 (S. 47, 16 Bonn). Eustath. 970. Oros. hist. I 2, 10. Cosmogr. II 10. Geogr. compend. 20 (GGM II 499). Der Größe nach wird der Haimos mit ihm verglichen, Skymn. 744. Anonym. peripl. Pont. Eux. 82. Auf der Tab. Peut. X 3 ist eine Station ,in Monte Touro‘ 25 Milien von fines cilicie angegeben. Not. dign. or. XXIX 4 steht mons T. bei Tarsus, Laterc. Pol. Silv. VIII 5. 6 Cilicia juxta montem T. Der kilikische T. ist der bekannteste und wichtigste Teil, weil in ihm der Hauptübergang, die Κιλίκιαι πύλαι, liegen; daher ist er sozusagen der Repräsentant des Gebirgs. z. B. Ovid. met. II 217. Diod. XVIII 5, 2, der das zusammenhängende Gebirge, das Asien μέχρι τοῦ Καυκάσου, (s. o.) καὶ τοῦ πρὸς ἀνατολὰς Ὠκεανοῦ, unter verschiedenen Namen durchzieht, ἀπὸ τοῦ κατὰ Κιλικίαν Ταύρου beginnen läßt.

Von Kilikien liegen die πεδιὰς und die τραχεῖα beide ἔξω τοῦ Ταύρου, Strab. II 130. XIV 632. 668. XV 685. Arrian. anab. III 28, 5. V 5, 2, also auch die ganz gebirgige Tracheiotis; sie wurde offenbar wegen ihres völlig abweichenden Charakters (nicht gefaltete Gesteine) nicht zum T. gerechnet. Andererseits kennt Strabon auch Kilikier , die ἐντὸς τοῦ Ταύρου wohnen II 130. XI 491. Darunter sind in erster Linie die Bewohner der kappadokischen Strategie Kilikia, Strab. XII 534. 537f., in zweiter οἱ ἐν Τροίᾳ Κίλικες zu verstehen, XIV 676. Der T. geht also quer durch kilikisches Land, Philostr. vit. Apoll. Tyan. II 1. Außer dieser Strategie reichen auch noch andere Teile von Kappadokien in den T. hinein. Im einzelnen ist in diesem Stück des T. folgendes zu nennen. Der Halys kommt a radicibus Tauri, Plin. n. h. VI 6. Die Landschaft Bagada(o)nia liegt zwischen dem Argaios und dem T., s. o. Bd. II S. 2765, 36. Kataonia mit Komana als Hauptort liegt zwischen T. und Antitauros, s. o. Bd. X S. 2478, 21. Tyana, Kastabala, Kybistra, Halala = Faustinopolis, Tarsos, Mopsukrene am Fuße des T., Thebasa im T., Strab. XII 537. XIV 672. Plin. n. h. V 95. Aurel. Vict. epit. de Caes. 42, 17. Ammian. Marc. XXI 15, 2. vgl. o. Bd. VII S. 2228, 41. X. S. 2335, 58. XIII S. 2263, 40. Supp.-Bd. IV S. 1123. Ein πολίχνιον Στρατονίκεια πρὸς τῷ Ταύρῳ kommt vor bei Steph. Byz. Ikonion liegt πρὸς τοῖς ὅροις τοῦ Ταύρου, Steph. Byz., ähnlich ist der Ausdruck Λυκαονίας καὶ μέχρι τῶν ὁρίων τοῦ Ταύρου, CIG [47] nr. 3188. Pyramos, Strab. I 53, Saros, XII 536, durchbrechen den T., der Kydnos kommt aus dem T., s. o. Suppl.-Bd. IV S. 1124, 18. Soloi liegt ἐκτὸς τοῦ Ταύρου, Strab. XIV 664. Weiter nach Westen kommt der Πισιδικὸς Ταῦρος. Strab. XII 566, bis zu ihm reicht Großphrygien. Die Pisidier wohnen im Gebirge, II 130. XI 491, die Homonadeis auf der Nordseite, s. o. Bd. VIII S. 2265, 31, dort liegt auch Isaura, s. o. Bd. IX S. 2055. Sagalassos liegt ἐν ὑψηλοῖς τοῦ Ταύρου μέρεσιν. Pamphylien gehört zu dem Gebiet ἐκτὸς τοῦ Ταύρου Strab. XIV 632. Selge liegt ἐν ταῖς ἀκρωρείας τοῦ Ταύρου, Strab. XII 570. Nach Plin. n. h. V 99 heißt ein Teil des T. auch Coracesius; damit muß das Stück in der Nähe von Korakesion gemeint sein, s. o. Bd. XI S. 1371, 7.

Über die Stellung des westlich anschließenden Lykien zum T. ist oben gehandelt. Im Grenzgebiet zwischen Lykien und Pisidien hatten die Solymer die Höhen des T. inne, Strab. I 21, s. o. Bd. III A S. 988, 63. Der Kragos ist ein Teil des T., Dion. Per. 850, s. o. Bd. XI S. 1567, 11. Der Xanthos gehört zum Gebiet des T., Dion. 848. Nikeph. 847-877 (GGM II 465, 35). In einem delphischen Orakel für Sulla wird Aphrodisias in Karien als Ταύρου ὑπὸ νιφόεντος gelegen bezeichnet, Appian. bell. civ. I 97. Aus Steph. Byz. s. Ἡράκλεια ist nichts zu entnehmen, weil man nicht mit Sicherheit sagen kann, welche Stadt dieses Namens ἐν τῷ Λυδίῳ Ταύρῳ gemeint ist.

Auf einer Inschrift aus Iasos in Karien werden zwei Metöken dieser Stadt genannt, der eine davon ist ein Τραλλιανὸς Τραλλέων ἐπέκεινα τοῦ Ταύρου, Le Bas III nr. 207. Es läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, welche Stadt damit gemeint ist; das hängt davon ab, wie die Bewohner von Iasos sich zu der Frage der Ausdehnung des T. stellten. Sahen sie die Mykale als Ende und den Kadmos als Teil des T. an (s. o.), so kommt die bekannte Stadt Tralleis im Mäandertal nicht in Frage, sondern eher die nordöstlich von Hierapolis zu suchende Stadt Tralla. Sahen sie aber das karische Bergland südlich vom Mäander bis zum Latmos als T. an (s. o., vor allem Strab. XIV 651), so könnte Tralleis gemeint sein; das läge dann von Iasos aus ἐπέκεινα τοῦ Ταύρου. Daß mit diesem Ausdruck durchaus nicht immer die Südseite des T. gemeint ist, zeigen die oben angeführten Stellen Cass. Dio LXXI 23, 2 und Frontin. I 1, 6; anders Waddington zu der Inschrift und Ramsay Cities and Bishoprics of Phrygia I 350.

Da sich der T. quer vor die Verbindungen von Kleinasien nach Osten und Südosten legt, hat er eine hohe militärische Bedeutung. Er wird in folgenden Feldzügen genannt: Datames 375 v. Chr., Corn. Nep. Datam. 4, 4. Alexander d. Gr. 333 v. Chr., Eumenes 318 v. Chr., Antigonos 314 und 312 v. Chr., Diod. XVIII 59, 3. XIX 69, 2. 93, 4., Seleukos I. 286 v. Chr., Antiochos I. 280 v. Chr., o. Bd. IIA S. 1222. I S. 2452. Aribazos 246 v. Chr., o. Suppl.-Bd. I S. 129, 2. Seleukos III. 223 v. Chr., Polyb. V 40, 6. Antiochos d. Gr. 216 und 190 v. Chr., Polyb. V 107, Liv. XXXVIII 38, 4. Servilius Isauricus 78 v. Chr., Eutrop. VI 3. Lucullus 70 v. Chr., Cass. Dio XXXVI 16, 1. Seeräuberkrieg 78-67 v. Chr., Plut. Pomp. 28. [48] Pompeius gegen Antiochos von Kommagene 64 v. Chr., Appian. Mithr. 106. Cicero im Amanos 51 v. Chr., Cic. Att. V 20, 3. Tillius Cimber 42 v. Chr., Cass. Dio LXVII 31. Ventidius 39 v. Chr., Cass. Dio XLVIII 39, 4, CIL I 1², T 716. S. 76. Corbulo 58-63, Cass. Dio LXII 21, 1. Avidius Cassius 175 n. Chr., Cass. Dio LXXI 23, 2. Percennius Niger 193 n. Chr., Herodian. excess. Marci III 1, 4. 3, 6f. Maximinus 313 n. Chr., Lactant. de morte persec. 45.

Der T. war unwegsam, Herodian. III 1, 4. 3, 1. Suid. s. χρῆμα. Er verlief bald krumm und gebogen, bald gerade, Dion. Per. 640. Er trug viel Wald, Strab. XII 570, der Holz zum Schiffsbau lieferte, Diod. XIX 58, 4, und Eicheln für Schweinemast, Etym. M. 747, 45. Unwegsamkeit und Wald begünstigte das Räuberunwesen, Liban. or. XI 123 Förster. Noch heute gibt es große Waldbestände, hauptsächlich von Schwarzföhren, Cedern, Tannen und Baumwachholder, Kotschy Reise in d. cilic. T. 187. 297f. 316, Schaffer Cilicia 51f. Auch reiches Weideland erwähnt Strab. XII 570, vgl. Kotschy 159. Bergbau, vor allem auf silberhaltigen Bleiglanz, ist schon in alter Zeit betrieben worden, Sargon von Akkad nennt den T. die ,Silberberge‘, Bilabel Gesch. Vorderasiens 270, 1. Philippson 158. Schaffer 84. Adler im T. erwähnen Plut. de garrul. 14; de sollert. animal. 10, und Ammian. Marc. XVIII 3, 9; auch heute noch gibt es welche, Kotschy 198. Daher ist die Ableitung des Namens Aidost, den der höchste Gipfel des kilikischen T. trägt, vom griechischen ἀετός nicht unwahrscheinlich, Tomaschek bei Schaffer Cilicia 85. Kilikischer Ysop aus dem T. und ein bei Steinleiden heilkräftiges Wasser in Syriae fonte iuxta Taurum nennt Plin. n. h. XXV 136. XXXI 9.

Das Gebirge wird durch die mannigfaltigsten Beinamen charakterisiert: μέγας, διωλύγιος, Suid. s. χρῆμα; ὀξυκάρηνος, ταυροφανής, πολυσχιδής, Dion. Per. 642f.; ὑψίλοφος, Nonn. Dion. III 17; ἀερσίλοφος, ebd. II 684. XXXIV 169; πολυκαμπής, XVII 136; ὀφρυόεις, II 168; ἀστερόεντος σφυρὰ δύσνιφα Ταύρου, XL 288; νιφόβλητος, XLVIII 470; νιφόεις, Appian. bell. civ. I 97; ὑψινεφής, Dion. XLVIII 376; πετρήεις, XXXIV 190; βαθύκρημνος, Dion. Per. 849.

Aus dem Vorstehenden ergibt sich, daß der Gebrauch des Namens T. nur für Armenien und vor allem für Kilikien nebst Isaurien und Pisidien wirklich lebendig gewesen ist. Die Übertragung auf die ganze innerasiatische Gebirgszone (Diaphragma) ist eine Willkür der Gelehrten gewesen, die nicht volkstümlich geworden ist, wie das schon der Kampf mit dem Namen Kaukasos zeigt. Besonders klar kommt das bei Diodor XVIII 5, 2-6, 3 zum Ausdruck, wo die Teilung ganz Asiens durch ein zusammenhängendes Gebirge von Lykien bis zum östlichen Ozean dargestellt ist, wo aber der Name T. nur für das kilikische Gebirge gebraucht wird. Auch an allen anderen Stellen, an denen Diodor den T. nennt, ist immer nur dieses gemeint. Dem entsprechen die heutigen Verhältnisse. An Ort und Stelle ist der Name wohl völlig verschwunden, wenn ihn nicht der Dawras Dagh südlich vom Egherdir Göl bewahrt hat, Hirschfeld M.-Ber. [49] Akad. Berl. 1879/80, 304, und wenn nicht in Bulghar Dagh (Name des höchsten Teils mit dem Aidost) und in Bimboa Dagh, das türkische bogha = Stier eine Anspielung auf den alten Namen enthält, Kiepert Memoir über die Construction der Karte von Kleinasien 4*, Schaffer Cilicia 82. Aber auch in den Ländern europäischer Kultur hat sich der Geltungsbereich des Namens T. immer mehr verengt, jetzt wird er ganz allgemein eigentlich nur für das südliche Randgebirge von Kleinasien, speziell für den Teil zu beiden Seiten der kilikischen Pforten gebraucht. Während Moltke bei Kiepert Memoir 5 den T. noch vom Meerbusen von Marmaritza nördlich von Rhodos bis Issos rechnet, sieht Philippson (s. o.) jetzt schon die Gebirge Lykiens nicht mehr als Teil des T. an, im Gegensatz zu Schaffer (Cilicia 89) und anderen, die von einem lykischen T. sprechen. Daneben wird der Name T. (und ebenso Antitauros) von der geographischen Wissenschaft noch für die Ketten, die zwischen Frat und Murad, und nördlich des Frat aus Armenien nach Ostkleinasien eintreten, und für die südliche Umrahmung des armenischen Hochlands gebraucht, die sich als Taurische Scholle oder armenischer T. bis über den oberen Djihan hinzieht. Eine eingehende Darstellung des ganzen T.-Systems, wie es nach den modernen Untersuchungen aufgefaßt wird, gehört nicht hierher; ich verweise dafür auf Philippson Kleinasien und Oswald Armenien im Handbuch der regionalen Geologie V 2 und 3, 1918. 1912. Nur auf die Pässe des T. im engeren Sinn ist kurz einzugehen. Der Tschakit Tschai und der Korkun Su, die beide auf der Nordseite des Gebirges entspringen, durchschneiden es und sind so die naturgegebenen Hauptlinien, die der Übergangsverkehr aufsuchen muß. Beide Täler sind eng und wild, z. T. ungangbar. Dem Korkun Su (vgl. über ihn Janke Auf Alexanders d. Gr. Pfaden 78f.) folgt die Straße von Caesarea Mazaka. Wo sein Tal ungangbar wird, geht sie in einer Senke südwestlich hinüber nach dem Tschakyt Tschai, hier Bozanti Su genannt, und vereinigt sich mit der von Herakleia kommenden Straße. Die Senke, vielleicht ein Grabenbruch, Philippson 42, setzt sich über den Tekirpaß fort nach dem einen Quellfluß des Kydnos. Die Straße folgt ihr und führt durch die Κιλίκιαι πύλαι auf die Südseite des Gebirges, s, o. Bd. XI S. 389, 54.

Über die übrigen Pässe, die über das Hochgebirge geben, ist zu vgl. Schaffer Cilicia 75f. Dieser hat auch die Frage behandelt, auf welchem Paß Menon mit seiner Abteilung nach Kilikien gekommen ist, und hat sich für den Aidost Bel (3400 m) entschieden, Österr. Jahresh. IV 204; Cilicia 87. Dagegen hat sich Münscher im Philol. 1907, 491 gewendet, der Menon von Laranda (Karaman) südostwärts über Mara nach der Küste östlich von Lamos gelangen läßt, weil er nach Xen. anab. I 2, 24 über Soloi nach Tarsos gekommen sein müßte. Münscher läßt mit Recht das ganze Heer von Ikonion zunächst noch in fünf Tagesmärschen, 30 Parasangen = ca. 165 km, zusammen weitermaschieren und Menon sich erst dann von ihm trennen. Das verlangt erstens der Text und dann wird ein großes Heer den Weg von Ikonion ostwärts quer durch die dürre Steppe [50] meiden. Nach diesen fünf Tagen marschiert Kyros mit der Hauptmasse des Heeres vier Tage lang durch Kappadokien und legt bis Dana (= Tyana) 25 Parasangen = ca. 138 km zurück. Von dort gelangt er nach einem viertägigen Marsch von wieder 25 Parasangen durch die kilikischen Pässe nach Tarsos. Diese letztere Entfernungsangabe stimmt sehr gut, während sie viel zu groß wäre, wenn man sie, wozu der Wortlaut bei Xen. anab. I 2, 23 verleiten könnte, nur auf den Marsch vom Gebirge durch die Ebene nach Tarsos beziehen wollte. Wo hat sich nun Menon von Kyros getrennt? Der Punkt muß möglichst nahe an der südlichen Gebirgsumrandung von Lykaonien gesucht werden, denn sonst wären die rund 300 km Marsch nicht annähernd unterzubringen. Diese Bedingung erfüllt das von Münscher vorgeschlagene Laranda, aber dort wird der Marsch des Kyros Ikonion—Dana nicht in dem Verhältnis 6 : 5 geteilt, wie es nach den Angaben bei Xenophon verlangt wird. Denn Ikonion—Laranda ist eine Strecke von ca. 105 km, und von da nach Dana ca. 155 km; die beiden Strecken verhalten sich also ungefähr wie 2 : 3. Es stimmt aber viel besser, wenn man den Trennungspunkt südlich vom Westende des Ak Göl sucht, etwa in der Gegend von Divle. Von dort ist dann Menon dem Weg Ibrala—Korasch (Schaffer Cilicia 88) gefolgt, den Stewart gezogen ist, Kiepert Karte von Kleinasien 1:400 000, D III. IV, und über den Dümbelek Bel nach Tarsos gelangt, wobei er vielleicht vorher an die Küste gekommen ist. Notwendig ist das aber nicht. Denn Xen. anab. I 2, 24 steht, daß die Bewohner von Soloi und Issoi in ihren Städten geblieben sind, als Kyros in Tarsos angekommen war, im Gegensatz zu den Tarsensern, die, abgesehen von den Kaufleuten, ihre Stadt verlassen hatten (Münscher sagt fälschlich, die Bewohner von Soloi und Issoi hätten ihre Städte verlassen). Es ist sehr gut möglich, daß die Solenser an die Flucht gedacht hatten, auch ohne daß die Griechen bis zu ihnen gekommen waren: denn die Nachricht von der Plünderung von Tarsos ist sicher zu ihnen gedrungen. Schließlich aber sind sie doch geblieben. Gegen diese Route kann allerdings eingewendet werden, daß sie 10 km länger ist als die von Eregli über den Aidost Bel; aber das kann man eher hinnehmen, als wenn durch Eregli als Trennungspunkt die Strecke Ikonion–Dana im Verhältnis 3 : 1 statt 6 : 5 geteilt wird.

Nicht ganz bestimmt ist zu erkennen, was unter den tres aditus zu verstehen ist, die nach Curt. III 4, 7 über die Gebirgsumrandung nach Kilikien führen , ob die drei von Schaffer Cilicia 87 angegebenen Pässe oder, was wohl richtiger ist, außer den Kilikiai Pylai die Täler des Saros und des Pyramos.