Reales Staats- Zeitungs- und Conversations-Lexicon (1748):Groß-Rußland

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Reales Staats- Zeitungs- und Conversations-Lexicon (1748)
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Seite: 479.

Reales Staats- Zeitungs- und Conversations-Lexicon (1748) - S 479.jpg
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Groß-Rußland, ein grosses und mächtiges, theils in Europa, theils in Asia gelegenes Reich, welches gegen Osten den Orientalischen Oceanum, gegen Süden die gantze Südliche Tartarey, gegen Westen Pohlen, Litthauen und Curland, gegen Norden aber den Oceanum Septentrionalem zu Grentzen hat. Es wird in 10. Haupt-Gouvernements eingetheilet, nemlich 1) das Petersburgisch-Revalsche, 2) das Moscowische, 3) das Kiowische, 4) das Archangelische, 5) das Smolenskoisch-Rigische, 6) das Siberische, 7) das Veronitzisch-Asowische, 8) das Casanische, 9) das Astracanische, und 10) das Nisni-Novogrodische. Es ist gröstentheils fruchtbar, und was der einen Provintz an Fruchtbarkeit fehlet, wird durch die andere reichlich ersetzet. Hat Getraide, Obst und Garten-Früchte, Weyde, Viehzucht, Wildprät, Fische, Ertze, Mineralien, Saltz, und alles was zur Bequemlichkeit und Nothdurfft des menschlichen Lebens erfordert wird im Uberfluß. Ist zugleich sehr volckreich, und hat noch Raum genug, sich noch weiter zu peupliren. Die Haupt-Religion ist die Griechische, die Studia und das Commercium kommen in diesem grossen Reiche täglich höher empor, und der Kriegs-Staat zu Land und Wasser ist in solchem Stande, daß er von aller Welt bewundert wird. Die Russen sind dauerhafft, arbeitsam, und sowohl zum Kriegswesen, als zu allen guten Künsten und Wissenschaften geschickt. Petrus der Grosse hat sie durch unermüdeten Fleiß, und durch sein selbst eigenes Exempel ermuntert, und unter der Kayserin Anna haben sie fast den Gipfel der Ehre und Glückseligkeit erreichet. Die Regierung ist durchaus Monarchisch, und die Einkünffte des Reichs sind mit der Grösse desselben proportioniret. Petrus I. hat gantz Lieff- u. Ingermanland, nebst einem Theil von Carelien und dem District von Wiborg, auch einen Theil von Persien an das Rußische Reich gebracht, und zuerst den Titul eines Rußischen Kaysers angenommen. Die Kayserin Anna hat die Türcken gezüchtigt, und ihnen das Kleinod, so 1711. beym Pruth eingebüsset worden, nemlich die Festung Asoff, wieder aus den Händen gerissen, ihre Grentzen gegen die Räuberische Tartarn versichert, und dieses Gesindel dergestalt gedemüthigt, daß sie sich nicht leichtlich wieder gelüsten lassen werden, die Rußischen Unterthanen zu beunruhigen. Diese Monarchin war eine Tochter Ivvans, Czaaren von Rußland, Petri des Grossen Bruder, geb. den 27. Januar. 1693. ward Rußische Kayserin den 30. Jan. 1730. starb den 28. Oct. 1740. Ihr folgte im Reich ihr Enckel Ivan, der drey Monath vor ihrem Tode gebohren worden, ein Sohn Annä, der Gemahlin des Durchlauchtigsten Printzen Anton Ulrich von Braunschweig, welche nach kurtzer Frist von der Printzeßin Elisabeth, als jetzigen Rußischen Kayserin ihrer Würde entsetzet, und in Riga verwahret worden.