Rhampsenit

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Textdaten
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Autor: Heinrich Heine
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Titel: Rhampsenit
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aus: Romanzero, Hamburg, Hoffmann und Campe, 1851. Seiten 3–6.
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Auflage:
Entstehungsdatum: vor 1851
Erscheinungsdatum: 1851
Verlag: Hoffmann und Campe
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Erscheinungsort: Hamburg
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[3]

 Rhampsenit.[1]

Als der König Rhampsenit
Eintrat in die goldne Halle
Seiner Tochter, lachte diese,
Lachten ihre Zofen alle.

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Auch die Schwarzen, die Eunuchen,

Stimmten lachend ein, es lachten
Selbst die Mumien, selbst die Sphynxe,
Daß sie schier zu bersten dachten.

Die Prinzessin sprach: Ich glaubte

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Schon den Schatzdieb zu erfassen,

Der hat aber einen todten
Arm in meiner Hand gelassen.

Jetzt begreif ich, wie der Schatzdieb
Dringt in deine Schatzhauskammern,

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Und die Schätze dir entwendet,

Trotz den Schlössern, Riegeln, Klammern.

[4]
Einen Zauberschlüssel hat er,

Der erschließet allerorten
Jede Thüre, widerstehen

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Können nicht die stärksten Pforten.


Ich bin keine starke Pforte
Und ich hab’ nicht widerstanden,
Schätzehütend diese Nacht
Kam ein Schätzlein mir abhanden.

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So sprach lachend die Prinzessin

Und sie tänzelt im Gemache,
Und die Zofen und Eunuchen
Hoben wieder ihre Lache.

An demselben Tag ganz Memphis

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Lachte, selbst die Crocodile

Reckten lachend ihre Häupter
Aus dem schlammig gelben Nile,

Als sie Trommelschlag vernahmen
Und sie hörten an dem Ufer

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Folgendes Rescript verlesen

Von dem Kanzelei-Ausrufer:

[5] Rhampsenit von Gottes Gnaden
König zu und in Aegypten,
Wir entbieten Gruß und Freundschaft

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Unsern Vielgetreu’n und Liebden.


In der Nacht vom dritten zu dem
Vierten Junius des Jahres
Dreizehnhundert vier und zwanzig
Vor Christi Geburt, da war es,

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Daß ein Dieb aus unserm Schatzhaus

Eine Menge von Juwelen
Uns entwendet; es gelang ihm
Uns auch später zu bestehlen.

Zur Ermittelung des Thäters

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Ließen schlafen wir die Tochter

Bei den Schätzen – doch auch jene
Zu bestehlen schlau vermocht’ er.

Um zu steuern solchem Diebstahl
Und zu gleicher Zeit dem Diebe

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Unsre Sympathie zu zeigen,

Unsre Ehrfurcht, unsre Liebe,

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Wollen wir ihm zur Gemahlin

Unsre einz’ge Tochter geben,
Und ihn auch als Thronnachfolger

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In den Fürstenstand erheben.


Sintemal uns die Adresse
Unsres Eidams noch zur Stunde
Unbekannt, soll dies Rescript ihm
Bringen Unsrer Gnade Kunde.

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So geschehn den dritten Jenner

Dreizehnhundert zwanzig sechs
Vor Christi Geburt. – Signiret
Von Uns: Rhampsenitus Rex.

Rhampsenit hat Wort gehalten,

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Nahm den Dieb zum Schwiegersohne,

Und nach seinem Tode erbte
Auch der Dieb Aegyptens Krone.

Er regierte wie die Andern,
Schützte Handel und Talente;

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Wenig, heißt es, ward gestohlen

Unter seinem Regimente.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Rhampsenit (Note)