Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Schlösschen Porschendorf

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Autor: G.
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Titel: Schlösschen Porschendorf
Untertitel:
aus: Erzgebirgischer Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 4, Seite 53–54
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Erscheinungsdatum: [1856]
Verlag: Expedition des Ritterschaftlichen Album-Vereins
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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20150924505MDR Schlößchen (Porschendorf zu Amtsberg).jpg
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen IV 088.jpg
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Schlösschen Porschendorf.


Porschendorf, oder auch blos das Schlössel genannt, bildet trotz des ersterwähnten Namens keine Dorfgemeinde, sondern besteht nur aus einem amtsässigen Rittergute und dazu gehörigen Häusern. Der Ort gehört zu dem Amte Augustusburg und liegt an der Wolkensteiner Amtsgrenze, fast drei Stunden von Augustusburg und eine halbe Stunde von Zschopau, wohin die Einwohner Porschendorfs, etwa fünfhundert Köpfe stark und nur aus Handarbeitern und Strumpfwirkern bestehend, eingepfarrt sind. Die Häuser des äusserst gewerbthätigen Ortes bestehen aus zwei Gruppen, von denen eine, nebst dem Rittergute, sich in und an dem obersten Theile eines östlich der Zschopau bei der Stadt absenkenden steilen Grundes befindet, die andere aber in bedeutender Entfernung vom Gute auf einer Höhe über dem romantisch schönen Thale der Wilzsch, eine Viertelstunde von deren Mündung in die Zschopau, dem hohen felsigen Beerberge gegenüber und nahe dem niederen Ende des Dorfes Weissbach erbaut ist.

Was den Namen des Gutes Porschendorf anbetrifft, so halten Viele denselben für deutschen Ursprungs und behaupten, derselbe rühre von einem Borso oder Burkhard her, der hier das erste Schloss erbaute, während Andere Porschendorf für eine ursprünglich sorbenwendische Anlage halten, die ihren Namen von Borzseny ableitet, so dass derselbe ein „Fichtendorf“ bedeute. Das Gut hat bedeutende Oekonomie, eine vortreffliche Schäferei, etwas Fischerei und eine Ziegelhütte. Die schönen Gebäude desselben stehen erst seit dreissig Jahren, da im Jahre 1826 durch eine grosse Feuersbrunst das Rittergut vollständig ein Raub der Flammen wurde.

Ueber die ältesten Besitzer Porschendorfs fehlen alle Nachrichten. Erst zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts finden wir die reichbegüterte Familie von Bünau im Besitze des Gutes, von der es durch eine Vermählung an die Herren von Rüxleben auf Zschopau kam. Cornelius von Rüxleben war Oberlandjägermeister, ein heftiger ungestümer Mann, der das noch stehende Edelhaus in Zschopau erbaute und durch hochverrätherische Reden sich die Ungnade Churfürst Augusts zuzog. Die Volkssage erzählt, dass er zur Strafe sich dreimal habe auf den Mund schlagen müssen und alsdann im Leipziger Schlosse eingemauert worden sei, dem ist jedoch nicht so, sondern Cornelius von Rüxleben starb fromm und gottergeben nach langer Haft 1665 auf der Pleissenburg zu Leipzig als Staatsgefangener. Der Eidam seines Sohnes, Georg von Rüxleben, war der churfürstliche Rath von Metzsch, dessen ältester Sohn Friedrich von Metzsch, kaiserlicher Rath, Reichspfennigmeister, churfürstlicher Rath und Oberconsistorialpräsident, Porschendorf, Borna, Reichenbach, Kratzau und Krummenhennersdorf besass. Später gehörte Porschendorf der Familie Philipp, dann einem Herrn Kempe. Zur Zeit ist Besitzer des Rittergutes Herr F. A. Philipp.

Furchtbar waren die Plagen, welche der dreissigjährige Krieg über die hiesige Gegend brachte. Einige Landleute hatten Soldaten, die in kleinen Trupps plündernd und Gewaltthätigkeiten verübend herumzogen, [54] angegriffen und ihnen die Pferde, sowie die gestohlenen Gegenstände abgenommen, worüber der bekannte Wüthrich, General Holke, dergestalt erbittert wurde, dass er Detachements ausschickte um die übermüthigen Bauern zu züchtigen. Die Häuser gingen in Flammen auf und die Unglücklichen, welche ihr Heil in der Flucht suchten, fielen unter den Mordwaffen der blutdürstigen Soldaten. Diese stellten einzelne der armen Leute an einen Berghang und schlugen ihnen die Köpfe ab, welche dann unter dem Jubel der Barbaren in das Thal hinabrollten. Der Oberst Schönnickel, ein geborner Chemnitzer, der später cassirt und fortgejagt wurde, trieb es wo möglich noch schlimmer als Holke, indem er auch die Stadt Zschopau einäschern liess bei welcher Gelegenheit eine grosse Menge Menschen in den Kellern erstickten, wo sie Zuflucht vor der Wuth des Kriegsvolks gesucht hatten.

Porschendorf ist mit Witschdorf, Gonau und Althammer-Zschopenthal in die Kirche zu Zschopau eingepfarrt, doch besitzt Porschendorf seit 1827 eine eigene Schule, die von ungefähr hundert Kindern besucht ist, und unter Collatur des Ministeriums steht. In früheren Zeiten stand die Kirche zu Zschopau, welche in den Jahren 1634 und 1748 niederbrannte, unter dem Archidiakonate zu Zschillen oder Wechselburg; seit der Reformation aber gehört sie zu Ephorie Chemnitz, deren Adjunct ihr Pfarrer ist. Unter diesen ist der Pastor Weigel, (von 1567–1588) bemerkenswerth, der als Mystiker und Gründer der Weigelianischen Sekte vielfache Angriffe erfuhr und den Hass der Geistlichen namentlich dadurch erregte, dass er von armen Leuten blos einen Pfennig Beichtgeld nahm. Als Churfürst Christian I. dem frommen Prediger, ergriffen durch seinen treflichen Vortrag, einst zwölf Ducaten schenkte, gab sie der gewissenhafte Mann dem vornehmen Geber mit der Bedeutung zurück, dass er einen unverdienten Lohn nicht annehmen könne, da ihm aber der Churfürst befahl, das Geld Personen zu geben, die er, Weigel, lieb hätte, vertheilte der uneigennützige Pastor das Geschenk unter die vor der Kirchthür versammelten Armen. – Der hiesige Pfarrer bezieht einige Lehnsgelder und der Diakonus ein Flachsgeld aus dem Dorfe Gickelsberg bei Weissenfels, welche Einkünfte durch ein paar adelige Jungfrauen gestiftet worden sind. –

G.