Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Zabeltitz

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Textdaten
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Autor: M. G.
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Titel: Zabeltitz
Untertitel:
aus: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 145–146
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Commons = SLUB Dresden
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Album der Schlösser und Rittergüter im Königreiche Sachsen II 217.jpg
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Zabeltitz.


Das altschriftsässige Rittergut mit Dorf an der Röder, 2 Stunden von Grossenhain, 3 Stunden südlich von Elsterwerda und 4 Stunden westlich von Ortrand gelegen, bildete in den frühesten Zeiten den Hauptort der alten Herrschaft Zabeltitz, wozu die Dörfer Peritz, Wülknitz, Streumen, Niska, Görzig, Lautendorf und Treugeböhla, sowie drei Vorwerke zu Stroga, Görzig und Streumen und ausserdem noch Wahnsdorf gehörten.

Das Schloss zu Zabeltitz ist im neuern, einfachen Styl erbaut und die Hauptfronte wird durch zwei grosse Bassins mit dem Garten verbunden. Das Schloss hat eine Breite von 32 Fenstern und dabei stehen weitläufige Wirthschaftsgebäude, eine grosse Brauerei, die Kirche, Pfarrwohnung und Schulhaus.

Der zum Schlosse gehörige Garten ist einer der grössten, den nicht die schöne Gegend, sondern blos die Kunst geschaffen hat. Derselbe ist in französischem Geschmacke angelegt; vorzüglich zeigt solcher sich durch seine Wasserparthieen aus. Die Röder, welche ihn durchströmt, ist zu einem Hauptcanal, zu 2 Teichen und 2 Bassins, auf welchen Gondeln schwimmen, benutzt. Sonst gab es hier viele Schwäne. Eine der schönsten Parthieen ist der Teich mit der darin liegenden Elisabeth-Insel, welche ganz mit ausländischen seltenen Bäumen und Gewächsen terrassenartig bepflanzt ist. In der Mitte erhebt sich ein Sommer-Palais. Der ganze Garten ist sehr reich an ausländischen Hölzern und die Obstkultur wurde seit 1806 durch tausend französische Stämme aus der Gegend von Metz veredelt. Der Garten war sonst so berühmt und sehenswerth, dass er selbst von Kaiser Joseph II. besucht wurde. Sein Umfang beträgt 3600 Fuss.

In der neuesten Zeit ist derselbe mehr nach englischem Geschmacke eingerichtet.

Zum Rittergute gehört ausserdem viel und schönes Holz und eine Anzahl grosser Karpfenteiche, veredelte Schäfereien befanden sich auf den dazu gehörigen drei Vorwerken Stroga, Streumen und Görzig.

Erstre beiden sind von dem vorigen Besitzer dem Herrn Oberschenk Kammerherrn Freiherrn von Weissenbach verkauft worden, das letztere aber ist bei dem Gute verblieben. Dasselbe enthält 200 Acker Feld, 40 Acker Wiese und 25 Acker Holzbestand, das Vorwerk Stroga enthielt 900 Acker Gesammtfläche, das Vorwerk Streumen 300 Acker.

Die Grösse des Hauptgutes Zabeltitz beträgt circa 800 Acker excl. des Vorwerkes, es ist lehmiger Sandboden, welcher am Flusse mehr aufgeschwemmt erscheint, ausserdem besteht es aus 100 Ackern Wiesen, 20 Ackern Teichen, 15 Ackern Feld und guten Holzbestand hält die übrige Fläche.

Die Herrschaft Zabeltitz hat stets bis zum Jahre 1580 der uralten von Pflugkschen Familie zugehört. Vor der Familie von Pflugk war es in den Händen derer von Hirschstein. Im Jahre 1580 starb der letzte Besitzer Nickel von Pflugk, der daselbst begraben liegt. Nach dessen Tode kaufte die Herrschaft der Kurfürst Christian I., welcher sie, sowie seine Nachfolger, unter dem Titel eines Amtes administriren liess. Kurfürst Johann Georg III. schenkte sie seiner Gemahlin Anna Sophie, geb. dänische Prinzessin. Nach ihrem Ableben im Jahre 1717 fiel sie an den Sohn derselben, den König von Polen und Kurfürsten von Sachsen, Friedrich August. Dieser überliess solche als Geschenk seinem Feldmarschall August Christoph Graf von Wackerbart, dem Erbauer des grossen Palais und Begründer des herrlichen Garten, worauf derselbe die Summe von 140,000 Thalern verwendete.

Von Letzterem erbte sie sein adoptirter Sohn Herr Joseph Anton Gabaleon Graf Wackerbart Salmour, welcher dieselbe im Jahre 1768 an den Kurfürsten Friedrich August verkaufte. Letzterer schenkte die Herrschaft dem gewesenen Administrator von Sachsen, dem Prinzen Xaver. Nach seinem Tode 1806 wurde solche von den Erben gemeinschaftlich verwaltet.

Im Jahre 1817 kaufte diese Herrschaft der gegenwärtige Besitzer, Herr Kammerherr Friedrich von Weissenbach.

Die Schicksale des Ortes anlangend, so hat solches im Hussiten- und dreissigjährigen Kriege viel gelitten und manche Familien sind durch [146] diese Kriegsdrangsale ganz verarmt. Das ¾ Stunde östlich vom Orte entfernte Stroga, wobei früher ein Dorf stand, wurde gänzlich im dreissigjährigen Kriege zerstört und das Dorf nicht wieder aufgebaut. Am härtesten wurde aber Zabeltitz im Jahre 1808 durch Feuer heimgesucht, wo der ganze Ort mit Ausnahme der Kirche und des Schlosses ein Raub der Flammen wurde. Am meisten ist dabei zu beklagen, dass die alten über Zabeltitz vorhandenen guten alten Urkunden alle mit verbrannt sind.

Der Ort selbst erfreute sich in früheren Zeiten immer einer gewissen Auszeichnung und des Besuches vieler hochgestellter Personen und höchster Herrschaften.

Das Patronat über Kirche und Schule von Zabeltitz, sowie der übrigen Kirchorte der Herrschaft standen bis zum Jahre 1839 dem jedesmaligen Besitzer der letzteren zu.

Im Jahre 1839 wurde vom Kammerherrn von Weissenbach dieses Collaturrecht freiwillig an den Staat abgetreten und von dem königl. hohen Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts übernommen.

Die Kirche zu Zabeltitz ist sehr alten Ursprungs und schon lange vor der Reformation in der Nähe des Schlosses erbaut gewesen. Dieselbe gab 3 Mark Bischofszins an das Bisthum zu Meissen. Nach der Reformation wurde diese erste alte Kirche im Jahre 1580 von Grund aus von dem damaligen Besitzer der Herrschaft, vom Nickel Pflugk und seiner Gemahlin, einer geborenen von Schönberg auf Purschenstein, erbaut. Ehe der Bau vollendet wurde, starb der edle Erbauer derselben, seine Gemahlin vollendete den Bau und schmückte die Kirche durch ein höchst schmuckvolles, aus pirnaischem Sandstein äusserst künstlich gearbeitetes Epitaphium ihres Gatten, welches heute noch nach Form, Kunst und Inhalt eine Zierde der Kirche und ein Gegenstand der Bewunderung ist. Der Bildhauer ist unbekannt, hat aber sich mit der Namenschiffre C. W. 1582 bemerkt.

Im Jahre 1839 wurde auch diese zweite Kirche wieder erneut und am Reformationsjubiläum 1839 eingeweiht. Sie ist jetzt eine der schönsten Dorfkirchen hiesiger Ephorie.

Die Kräfte der Gemeinde hätten zu diesem Neubau nicht ausgereicht, wenn nicht von der gegenwärtigen Gerichtsherrschaft und vielen andern milden Gebern das Werk unterstützt worden wäre.

Das Filial von Zabeltitz ist das eine halbe Stunde entfernte Görzig, bekannt durch die nahe an der Röder von Menschenhänden erbaute Anhöhe, der Burgwall genannt, von dem die Sage geht, dass hier ein Opferplatz der heidnischen Vorfahren gewesen sei.

Die Kinder von Görzig sind nach Zabeltitz eingeschult, wie auch die der Gemeinde Treugeböhla und des Vorwerks Stroga.

Die Zahl der Schulkinder beträgt im Ganzen 150.

Das zur Herrschaft gehörige Peritz hat seine eigene Kirche, wovon Wülknitz das Filial ist. Auch Streumen besitzt eine besondere Kirche, welche im Jahre 1401 erbaut ist. Eingepfarrt dahin ist Mark-Seidlitz.

Ebenso hat Niska eine Mutterkirche und Cröbeln-Mühldorf ist dahin eingepfarrt, wohingegen Lautendorf nach Frauenhain eingekircht ist.

Der Boden in dieser ganzen Herrschaft ist mittelmässig, es wird Korn, Gerste, Hafer, Haidekorn, etwas Sommerwaizen und viel Hirsen erbaut.

Der sogenannte Zabeltitzer Kiesel, vulgo Diamanten genannt, wird nicht auf Zabeltitzer, sondern auf Strogaer Flur gefunden. Man schleift diese Steine, die ein schönes Muster haben und häufig zu Ringen genommen werden.

Die grosse schöne Eiche, unter welcher Churfürst Christian seine Morgenandacht gehalten und an welcher mehr als drei Jahrhunderte vorübergegangen, ist leider nicht mehr, vor einigen Jahren war sie, ohne eine äussere Veranlassung in sich selbst zusammengebrochen.

Zabeltitz hat 83 bewohnte Gebäude mit 131 Familienhaushaltungen und 621 Einwohnern. Die ganze Herrschaft gehört jetzt zum Gerichtsamte Grossenhain, zum Bezirksgericht und zur Amtshauptmannschaft Meissen, zum Regierungsbezirk Dresden.

M. G.