Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen: Die Napoleonslinde bei Wachau

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Titel: Die Napoleonslinde bei Wachau
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aus: Leipziger Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band I, Seite 63–64
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser
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Erscheinungsort: Leipzig
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Die Napoleonslinde bei Wachau.


Im Garten des Rittergutes Wachau, dessen vortreffliche im englischen Geschmack ausgeführte Parkanlagen, eine Schöpfung der verewigten Mutter des als grosser Kunstkenner geschätzten Herrn von Quandt auf Dittersbach (bis 1820 hiesiger Rittergutsbesitzer) sind, befindet sich eine uralte Linde, die als Zeugin der Völkerschlacht bei Leipzig und wegen ihrer dadurch erlangten historischen Bedeutung, von nah und fern vielfach besucht und bestiegen wird. Mehrfachen Aufforderungen zu Folge, bringt unser Album eine Abbildung dieser Linde, und knüpft daran eine Darstellung der ewig denkwürdigen Schlacht, welche Deutschland von dem Joche des französischen Kaisers befreite. Der alte Baum steht am südlichen Ende des Gartens und trägt auf seinen hohen Aesten eine ziemlich umfangreiche Gallerie, zu der eine sechszig Stufen hohe gewundene Treppe führt. Von hier aus sieht man das ganze weite Schlachtfeld, die Stadt Leipzig, eine grosse Anzahl kleiner Städte und Dörfer, die Pleissenaue bis Altenburg hinauf, in grauer Ferne die Höhen des Erzgebirges, den Rochlitzer Berg, Petersberg bei Halle, und bei recht hellen Abenden sogar am fernen Horizonte den Brocken. Die Aussicht von diesem alten Baume ist die reizendste, welche Leipzigs nächste Umgebung bietet, aber unwillkührlich rollt sich vor der Phantasie des Beschauers das ungeheure Schlachtgemälde auf, dessen Mittelpunkt einst Wachau bildete. Von hier aus übersah der Kaiser eine Zeit lang die sogenannte Schlacht bei Wachau, das Vorspiel einer Niederlage, die dem gewaltigen Manne seine blutige Lorbeerkrone entriss.

Napoleon, gegen den die halbe Welt in Waffen stand, hatte umsonst seine Stellung bei Dresden zu behaupten gesucht, die unglücklichen Schlachten bei Kulm, an der Katzbach, bei Grossbeeren und Dennewitz, zwangen ihn nur an seine Vertheidigung zu denken, und so zog er sich von Dresden zurück, entschlossen einen entscheidenden Schlag auszuführen. Wahrscheinlich hegte er den Plan, die starken Gegner einzeln anzugreifen, erst Blücher, dann den König von Schweden, und endlich die vereinigte Oesterreichisch-Russische Armee unter Schwarzenberg. Marschall St. Cyr blieb mit 30000 Mann in Dresden zurück, während Napoleon an der Elbe hinabzog und sich Leipzig näherte, um auf dessen gewaltiger Ebene die grosse Böhmische Armee unter Schwarzenberg zu erwarten. Ein Versuch, den Fürsten Blücher, welcher von Dresden aus unaufhörlich die rechte Flanke des französischen Heeres begleitete, bei Wittenberg und Düben zurückzuwerfen misslang.

Der Kaiser hatte zum Kampfplatze gegen die grosse Böhmische Armee ein unregelmässiges, südlich von Leipzig gelegenes Viereck erkohren, welches nördlich durch die Linie Markkleeberg, Wachau und Liebertwolkwitz, und südlich durch das Göselflüsschen mit den Dörfern Gröbern, Göhren und Störmthal begrenzt wird; westlich wird es durch die Pleisse, die an demselben hinlaufenden Waldungen und das Universitätsholz beschränkt. Dasselbe liegt an der Strasse von Leipzig nach Altenburg, und von letzterer Stadt musste die Böhmische Armee herkommen. Sie hatte alsdann die sumpfigen Ufer der Gösel im Rücken, die Pleisse in der linken Flanke, und das grosse Universitätsholz auf dem rechten Flügel, und nur für diesen gab es bei Störmthal zweckmässige Rückzugspunkte. Der linke Flügel hatte keinen andern Rückzug, als das enge winklige Dorf Gröbern, durch das die Poststrasse führt, und worin eine schmale Brücke über die Gösel vorhanden ist. Das Centrum hatte den schmalen Weg durch Göhren und Sestewitz, wo aber ebenfalls die Gösel, so wie beträchtliche Sümpfe und Teiche, einer auf dem Rückzuge begriffenen Armee höchst gefährlich werden können. Ohne Zweifel hatte Napoleon seinen Schlachtplan mit auf die Dörfer Göhren und Gröbern gebaut. Um die grosse Böhmische Armee auf diesen Punkt zu ziehen, hatte er mehrere Tage vorher die Höhen zwischen Göhren und Güldengossa, den Wachtberg genannt, verschanzen und mit Kanonen versehen lassen, scheinbar um den Verbündeten den Weg nach Leipzig streitig zu machen, auch sollten diese Batterien bei einem Rückzuge der Verbündeten deren Niederlage beschleunigen. Der Zweck dieser Verschanzungen wurde theilweise erreicht, indem die Alliirten sich von Borna und Altenburg her, zahlreich vor denselben sammelten, und jetzt, am Abend des 13. October, zogen sich die Franzosen nach Wachau zurück, wodurch die Böhmische Armee auf das von Napoleon bestimmte Schlachtfeld rückte. Auch die am 14. October stattfindende Recognoscirung des Fürsten Wittgenstein, trug nicht wenig dazu bei, die Schlacht auf dem gewählten Terrain zu schlagen, indem die Franzosen immer die Aufmerksamkeit des Feindes auf Wachau zu leiten, und ihnen Liebertwolkwitz und Holzhausen als ihren linken Flügel darzustellen suchten. Am 16. October befand sich Napoleons Hauptquartier bei Reudnitz, das vierte Corps unter Bertrand stand bei Lindenau, Mürat mit der Reiterei bei Liebertwolkwitz, das sechste Corps zu Lindenthal, und das dritte und siebente Corps in dessen Rücken. Mittags um 11 Uhr war die Schlacht in vollem Gange. Schwarzenbergs Plan war, die Französische Armee völlig gegen Leipzig zu drängen, und ihre Operationslinie zu zerstören. Um acht Uhr Morgens stand die Oesterreichische Armee in einer Linie, mit dem linken Flügel an die Pleisse gelehnt, den Rücken an Crostewitz, die Schäferei Auenhain, Güldengossa und die nordwestliche Spitze des Universtätsholzes gestützt, den rechten Flügel an Grosspösna und Seifertshain, und der Angriff begann, worauf die Franzosen aus Markkleeberg vertrieben wurden, und ein Angriff auf Wachau erfolgte. Diese Orte, sowie Liebertwolkwitz wurden mehrere Male erstürmt und verloren, und blieben endlich im Besitze der Franzosen. Jetzt rückte Napoleon mit seiner Gardeartillerie und vier Divisionen der jungen Garde heran, warf sich auf das Centrum der Verbündeten und drängte es zurück, die Verbündeten aber zogen ihre Reserven heran und bemächtigten sich in der rechten Französischen Flanke des Dorfes Dölitz. Bei Wachau fand der berühmte Reiterangriff statt. Der General Meerveldt mit einem über [64] die Pleisse vorrückenden Corps wurden gefangen, und die Alliirten auch aus ihrer Stellung gedrängt. Der General Latour-Maubourg verlor an diesem Tage einen Schenkel und Poniatowsky, der sich vorzüglich ausgezeichnet hatte, wurde von Napoleon auf dem Schlachtfelde zum Französischen Marschall ernannt. Die Generale Giulay, Thielemann und Lichtenstein operirten von Lindenau gegen Leipzig, um dessen Vorstädte zu nehmen und der Französischen Armee in den Rücken zu kommen, so dass General Bertrand den ganzen Tag mit ihnen im Kampfe lag. Auf dem rechten Ufer der Parthe, und den Strassen von Wittenberg und Halle, war der Herzog von Ragusa mit dem Blücherschen Corps im hartnäckigsten Handgemenge, das zu Gunsten der Deutschen ausfiel, indem der Herzog sich gegen Leipzig zurückziehen musste. – Das waren die Ereignisse des ersten Tages des Schlacht bei Leipzig, welche die Franzosen mit dem Namen der Schlacht bei Wachau belegen. Französische Berichte geben den Verlust der Alliirten an diesem Tage auf 25000 Mann, die der Franzosen auf 2500 Mann an, und nennen die Schlacht von Napoleon gewonnen, während die Alliirten behaupteten, General Klenau habe den Feind bis Möckern zurückgetrieben und ihm 30 Kanonen und 2000 Gefangene abgenommen.

Nach der Schlacht bei Wachau waren die Alliirten mit der grossen Armee zwei Stunden zurückgegangen und hatten eine treffliche Stellung eingenommen, verstärkt durch 40000 Mann neuer Truppen unter General Benningsen. Am 17. October blieb man von beiden Seiten unthätig, eine Zögerung, die ohne Zweifel ein wichtiger Grund der Französischen Niederlage war, indem Napoleon, der selbst auf keine Unterstützung zu rechnen hatte, dem Feinde Zeit liess, sich bedeutend zu verstärken. Um die Alliirten aus ihrer trefflichen Stellung zu locken, rückte Napoleon am 18. October bis auf zwei Stunden von Leipzig heran, stellte den rechten Flügel der Armee bei Connewitz, das Centrum bei Probsthaide und den linken Flügel bei Stötteritz auf. Ney stand an Marmont gelehnt gegen Blücher, der Herzog von Padua auf der Strasse nach Halle, und Bertrand hatte sich zur Deckung des Rückzugs durch die Defileen der Saale gegen Weissenfels gezogen. Um zehn Uhr Morgens begann die Schlacht. Probsthaida und Connewitz wurden den ganzen Tag hindurch auf das hartnäckigste vertheidigt, Marmont aber, auf dem linken Flügel bei Holzhausen umgangen, musste sich auf Stötteritz zurückziehen. Bis Nachmittags drei Uhr hatte Ney alle Anstrengungen der Schlesischen Armee auf der Strasse von Halle nach Leipzig zu nichte gemacht, als plötzlich die Sachsen und Würtemberger zu den Alliirten übergingen, wodurch nicht nur eine bedeutende Lücke in den Reihen der Französischen Armee entstand, sondern auch höchst wichtige Posten, die den Sachsen anvertraut waren, in die Gewalt der Verbündeten kamen. Diese besetzten nunmehr Reudnitz und bedrohten Leipzig, der kühne Nansouty aber fiel in die Flanke der Schlesischen Armee und zwang sie zu einer rückgängigen Bewegung. An diesem Tage fielen die Französischen Generale Vial und Rochambeau.

Napoleon sah jetzt ein, dass bei Leipzig ihn das Glück verlassen habe, und da man ihm mittheilte, dass auch die Kriegsvorräthe erschöpft seien, und nur die Festungen Erfurt und Magdeburg solchen Mangel ersetzen könnten gab er Befehl zum Rückzug auf Erfurt. Die Generale suchten den Kaiser zu bestimmen, Leipzig als den Mittelpunkt des Defilees der Elster und Pleisse zu besetzen und die Vorstädte niederzubrennen, wodurch der Rückzug mit grösserer Sicherheit stattfinden würde, aber Napoleon wollte wegen einiger hundert Bagagewagen die Existenz der Stadt nicht gefährden. In der Frühe des 19. Octobers hatten bereits zwei Drittheile der Armee nebst der Garde den Rückzug angetreten, Macdonald und Poniatowsky sollten mit ihren Truppen selbigen decken und bis zum Mittag in Leipzig bleiben. Napoleon kam selbst noch einmal nach Leipzig, um von dem Könige von Sachsen Abschied zu nehmen, und kehrte nach Lindenau zurück, wo er in der Mühle Quartier genommen hatte. Hier ertheilte der Kaiser dem Obristen Montfort Befehl, unter die Brücke vor der Rannstädter Vorstadt, hart an der sogenannten kleinen Funkenburg, Pulver schaffen zu lassen, und nach dem Rückzuge der Franzosen aus der Stadt die Brücke in die Luft zu sprengen. Durch ein unseliges Missverständniss erfolgte die Sprengung zu früh und der Rest der Armee musste sich, an 20000 Mann mit 80 Kanonen, dem Feinde ergeben. Der Herzog von Tarent durchschwamm die Elster und entkam, – der Fürst Poniatowsky aber fand sammt dem Pferde in den Fluthen seinen Tod. Durch diese Schlacht verlor die Französische Armee ihre siegreiche Stellung für immer und eilte in voller Flucht nach dem Rheine. Es kämpften in der Schlacht bei Leipzig über eine halbe Million Menschen mit 1500 Feuerschlünden. Die Alliirten geben ihren Verlust auf 10000, und den der Französischen Armee auf 40000 Mann an. Die Französischen Generale Regnier, Bertrand und Lauriston wurden gefangen.