Schiffstagebuch einer Fahrt von Bremen nach New-York

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Titel: Schiffstagebuch einer Fahrt von Bremen nach New-York
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 42, S. 570 -572
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[570]
Schiffstagebuch einer Fahrt von Bremen nach New-York.

Tausende schiffen jährlich aus Deutschland über den großen Ocean nach Amerika hinüber und Abertausende möchten ihnen folgen. Einige stellen sich eine solche Reise als etwas Entsetzliches vor, Andere halten sie für eine Spazierfahrt sobald das Schiff nicht untergeht.

Wir sind im Stande, ein vollständiges treues Tagebuch von einer Fahrt mit einem Auswandererschiffe vorzulegen, das eine richtige Vorstellung von einer solchen Reise geben wird, da es weder in’s Schwarze, noch in’s Schöne malt, sondern einfach die Tagesereignisse und den Küchenzettel angibt: [571] Länge des Schiffen 183 Schritt; Breite 35. Passagiere 267.

8. Aug. 1854. Auf das Schiff, das früh um 7 Uhr bestiegen werden soll, können wir erst Abends, um 8 Uhr. 3 Matrosen sind betrunken; es kommt fast zur Schlägerei; der Steuermann handhabt bereits die Handspeichen. – Abends Thee, Butter und Brot.

9. Aug. Das erste Mal auf dem Schiffe geschlafen; im Hotel gefrühstückt. Unterdessen haben sich wieder 4 Matrosen betrunken, die allerlei Rohheiten begehen, bis der Steuermann sie mit Tauenden blutig behandelt. Abends erscheint ein Polizeibeamter, um nach einem Diebe zu suchen. – Fasttag, da das Schiff noch nicht zum Kochen eingerichtet ist. Abends Thee ohne Brot.

10. Aug. Früh um 2 Uhr erscheint ein Polizeibeamter mit mehreren Gensd’armen, um nochmals nach dem Diebe zu suchen, der gefunden wird und den einige Matrosen frei mit nach Amerika bringen wollten. – Mittags Reis und Fleisch, doch nicht zum Sattwerden; Abends Thee.

11. Aug. Wir liegen noch immer auf der Rhede. Ein Kind erkrankt. – Früh Kaffee; Mittags weiße Bohnen; Abends Thee.

12. Aug. Früh um 2 Uhr kommt der Kapitain an Bord; um 5 Uhr wird der Anker gelichtet. Günstiger Wind. Gegen 10 Uhr auf der Höhe von Wangeroog. Der Lootse verläßt uns. Gegen Abend erscheint Helgoland. Die Passagiere sind meist ausgelassen lustig, aber sehr bald stellen sich die ersten Zeichen der Seekrankheit ein, die zu vielen komischen Auftritten Veranlassung geben. Nur 12 sind nicht seekrank; die übrigen liegen in ihren Kojen und erleichtern den Magen. Entsetzlicher Geruch. Der Wind frisch; das Schiff schaukelt bedeutend. An Essen wird nicht gedacht.

13. Aug. Syrup in den Kaffee, um die Magenerleichterung zu befördern, wird aber allgemein über Bord gegossen. Die Meisten noch seekrank. – Mittag Plumpudding, d. h. Mehl mit Wasser und Fleischbrühe in einem Sack von Segeltuch gekocht. Guten Appetit!

14. Aug. Dichter Nebel; rauhe Luft. Frauen und Mädchen immer noch seekrank; die Männer lustig. Gegen Abend zeigt sich sehr undeutlich England. – Mittags Reis und Rindfleisch. Das schwarze Brot mag Niemand mehr essen. Zum schlechten Wasser Essig.

15. Aug. Windstille; die Zeit fängt an lang zu werden; das Meer fast ganz ruhig. Ein Haifisch unterhält uns, der um das Schiff herum schwimmt. Die Seekrankheit schwindet mehr und mehr. – Weiße Bohnen und Schweinefleisch. – Abends spät zwei Schiffe in Sicht.

16. Aug. Die Schiffe sind verschwunden. Der Hai stellt sich wieder ein. Windstille; das Schiff steht; die Segel hängen schlaff herab. Seemöven zeigen sich und Seegewächse mit gelben Blumen. Gegen Abend England deutlich sichtbar, darum Tanz auf dem Deck. – Sauerkraut und Speck.

17. Aug. In der Nacht Wind; Angesichts des Landes holen wir ein Schiff ein. Nachmittag steht das Schiff fast still, so daß wir das Land mit Muße besehen können. Ich versuche Seegewächse und Weichthiere zu fangen. Abends Tanz. – Große Graupen und Schweinefleisch.

18. Aug. Es regnet was vom Himmel herunter will; das Wasser dringt in das Zwischendeck. Das kranke Kind stirbt und wird in das Meer gesenkt. Nachmittag erscheint ein Boot und fragt nach dem Namen des Schiffes und Kapitains, angeblich für den Fall, daß das Schiff im Kanale verunglücke. – Erbsen wie Flintenkugeln; zu dem schlechten Wasser Zucker.

19. Aug. Feuersgefahr, da durch die Unachtsamkeit des Zwischendeckkochs glühende Kohlen auf das Deck gefallen waren und dies zu brennen anfing. Einfahrt in den irischen Kanal, so daß wir, allerdings bei großer Kälte, rechts und links die Küste mustern können, die sehr unwirthlich aussieht und nur hier und da Häuser oder bebautes Land, dagegen viele Heerden und – Klippen zeigt. Gegen 50 Blackfische, fast so groß und dick wie Esel, ziehen weiter. Mittag Windstille, nach vier Stunden Sturm, daß alle Segel eingezogen werden müssen. Die Seekrankheit stellt sich wieder ein. Eine kleine Revolte. Ein junger Mann machte sich an ein Mädchen, sehr grob, das sich bei dem Kapitain beschwert. Der Zudringliche wird gebunden und in die Kajüte gesteckt; seine Freunde wollen ihn befreien; der Kapitain tritt mit zwei Pistolen hinzu und droht, jeden niederzuschießen, der nicht Ruhe halte. Das hilft. Die Andern bringen dem Kapitain ein Hurrah. Spritzwellen springen herüber und hinüber und geben unverlangt Bäder. – Reis und Rindfleisch.

20. Aug. Heftiger Wind und Regen. Seit dem letzten Abend sind wir im großen Oceane. – Erbsen und Speck.

21. Aug. Niemand hat geschlafen wegen Sturmes; die Kisten schlagen sich los und rollen im Zwischendecke umher, die Leute in den Kojen übereinander, wenn sie sich nicht festbinden. Das Meer donnert; die Wogen steigen haushoch. Die Seekrankheit wird wieder stark. Unterdeß wird eine Frau entbunden. Der Kartoffelvorrath schwimmt in seiner eignen Fäulniß und der Kapitain erlaubt deshalb Jedem so viel Kartoffeln zu nehmen, als er will und sie zu kochen. – Reis und Rindfleisch.

22. Aug. Das Schiff fliegt durch das Wasser, als habe es Flügel. Man erwartet Sturm.. Allgemeine Kartoffelkocherei. Niemand mag mehr Salzfleisch.

23. Aug. Sturm, so daß man sich auf dem Deck nur kriechend fortbewegen kann. Alles rollt und stürzt über einander, auch das Angebundene wird losgerissen. Zu Essen nichts, da nicht gekocht werden kann, denn das Schiff wird so stark herüber und hinüber geworfen, daß nichts in den Kesseln bleibt.

24. Aug. Der Sturm legt sich; es regnet stark; der Wind ist günstig. – Weiße Bohnen und Rindfleisch.

25. Aug. Die Leute essen übermäßig Kartoffeln. Das Wasser (zum Trinken) wird grün und flockig, darum Essig dazu.

26. Aug. Langeweile, da sich Alles gleich bleibt. Die Leute wollen kein Rindfleisch mehr und werfen es über Bord, wie das schwarze Brot.

27. Aug. In Folge des Kartoffelessens Anfälle von Cholera. . Eine gewaltige Welle schlägt in’s Zwischendeck. Heftiger Wind.. Auf dem Deck steht das Wasser knietief. – Sauerkraut und Rindfleisch.

28. Aug. Noch immer starker Wind. Auf dem Deck bricht ein Mann das Bein, das ein mitfahrender Barbier wohl oder übel zusammenflickt. Der Arme muß nun mit den Schmerzen sich in der Koje herumwerfen lassen. Zank zwischen einem Liebespaare, in den sich Viele mischen. – Reis ohne Fleisch.

29. Aug. Der Wind legt sich etwas. Ein junges Mädchen wird endlich krank aus Angst vor dem Meere. . Ein Matrose stürzt von der obersten Raa in’s Meer und wird mit Mühe gerettet, da das Meer hoch geht. – Weiße Bohnen und Rindfleisch, doch nicht für Alle, da ein Kessel beim Schaukeln umgeschlagen ist.

30. Aug. Der Wind noch immer stark; es ist so kalt, daß man Schnee erwartet, weil wir sehr weit nach Norden getrieben sind. Wir können nur mit drei Segeln (statt 30) fahren. Die Wellen bäumen sich vor dem Schiffe auf, daß wir nur langsam weiter kommen. – Das junge Mädchen stirbt und wird gegen Abend in’s Meer gesenkt. Eine blaue Flagge mit weißen Sternen war ihr Leichentuch. – Reis und Rindfleisch.

31. Aug. Langeweile. Ich zeichne den Steuermann. – Erbsen und Schweinefleisch.

1. Sept. Eine stürmische unruhige Nacht. Das Meer sieht aus, als kämen auf ihm unendliche Reihen von Bergen gezogen. Es macht sich ein Gefühl bemerklich, das ich eine Art von Heimweh, d. h. Sehnsucht nach dem festen Lande nennen möchte. – Graupen und Rindfleisch; die erstem angebrannt.

2. Sept. Windstille; das Schiff rührt sich kaum von der Stelle. Ueberall lange, verdrießliche Gesichter. – Sauerkraut.

3. Sept. Große Wäsche. So gelind, daß man es eine Stunde auf dem Deck aushalten kann. – Reis und Speck. – Pflaumen und Speck ausgethcilt.

4. Sept. Günstiger Wind; das Schiff schießt pfeilgeschwind dahin und so ruhig, daß es kaum wankt. Früh Nebel; später viele fliegende Fische. – Weiße Bohnen und Rindfleisch.

5. Sept. Der Wind springt fortwährend um, endlich hört er ganz auf. Ein Nordkaper, etwa 30 Fuß lang, unterhält uns. Das Schiff steht. – Erbsen und Schweinefleisch.

6. Sept. Das Schiff steht noch immer; es regnet stark, ist aber bedeutend wärmer geworden. Mit großem Jubel wird ein Dampfschiff begrüßt, das nach Liverpool segelt. Schon der Gedanke, daß in der Nähe menschliche Wesen sind außer uns, [572] hat etwas Wohlthuendes. – Reis und Rindfleisch, Schwarzbrot, obgleich Niemand es will.

7. Sept. In der Nacht ist das Schiff wie toll vor dem Winde hergejagt. Mittags steht es wieder. Ein Dreimaster zeigt sich, der unsern Curs hat. Das Meer liegt da, wie ein Spiegel; der Himmel ist wolkenleer. Ich freue mich, wie ein Kind auf einen Sonnenaufgang am andern Morgen und Abends auf den Mondenschein. – Erbsen und Rindfleisch, auch Häringe.

8. Sept. Der Sonnenaufgang nicht zu sehen, da Wolken in Osten stehen. Ein Zweimaster in Sicht. Die Matrosen lüften ihren Sonntagsstaat, – kommen wir bald an? – Sauerkraut und Schweinefleisch.

9. Sept. Gute Nacht. Um 1 Uhr Mittags plötzlich, ohne alle Anzeichen heftiger Sturm, daß alle Männer mit zugreifen müssen, um so rasch als möglich die Segel einzuziehen. Uns zur Seite ein Dreimaster, der von dem Sturme entsetzlich herumgeworfen wird; Segel von ihm fliegen fort. Gegen 9 Uhr Abends läßt der Sturm nach, setzt aber in widrigen Wind um. – Reis; Rindfleisch nimmt Niemand, da es entsetzlich salzig ist, bitter schmeckt und grün und gelb aussteht. Essig und Butter wird vertheilt.

10. Sept. Schlechte Nacht, da das Schiff gewaltig schwankt. Wann gibt es wieder einmal einen ruhigen Schlaf? Gegen Morgen wird eine Frau von einem Kinde entbunden, nachdem sie 48 Stunden in Wehen gewimmert. Gegen Abend schauerliche Vorbereitungen, – der Kapitain erwartet nochmals Sturm. – Weiße Bohnen und Speck.

11. Sept. Eine traurige Nacht. Der Sturm brach los. Das Schiff krachte und stöhnte, als wolle es jeden Augenblick aus den Fugen gehen; die Wellen spielen Haschens über das Verdeck; im Zwischendeck steht das Wasser; die Raaen tauchen 4–5 Ellen tief in’s Meer; die Matrosen können die Segel nicht bewältigen; zerrissene Taue schleudern herüber und hinüber und schlagen unter Andern einen Matrosen blutig. Der Mond sieht aus, wie eine steigende und fallende Leuchtkugel, da die haushochgehenden Wogen das Schiff bald heben, bald senken. Gegen Morgen erst legt sich der Sturm und es wird hell. Den ganzen Tag bleibt der Wind stark und das Meer aufgewühlt. Es ist eine Kunst auf dem Deck zu gehen ohne zu fallen. Ein Zweimaster in Sicht. – Spät Graupen; Fleisch mag Niemand.

12. Sept. In der Nacht liegen alle wie im Todtenschlafe, da es ruhig ist und alle ermüdet und von der Aufregung abgespannt sind. Den Tag über guter Wind; nichts Ungewöhnliches. – Erbsen und Rindfleisch.

13. Sept. Wir holen einen Dreimaster ein und sind im Golfstrom, da wieder Seegewächse sichtbar werden. Schönes Wetter, guter Wind. Ich bleibe eine halbe Nacht auf dem Deck, da das Meer wunderbar schön leuchtet; aus der Schiffsspur fliegt es wie Funken auf aus einem Schmiedefeuer. Die Habseligkeiten des Kapitains und der Steuerleute werden gelüftet; sie sagen, wir wären bald am Ziel. Der Wind wird wieder stärker. – Sauerkraut.

14. Sept. Wieder so starker Wind, daß man sich an Seile anhalten muß, wenn man auf dem Deck bleiben will; dazu springen häufig Wellen über’s Deck, daß man rasch zu laufen hat, um ihnen undurchnäßt zu entkommen. Zwei Schiffe, die von Amerika kommen. – Reis und Rindfleisch.

15. Sept. Wieder konnte wegen Schwankens des Schiffes Niemand schlafen. Wir sind nochmals im Golfstrom, denn das Wasser ist ganz warm. – Erbsen, Speck und Häring.

16. Sept. Noch sechs Tage! So heißt es. Klarer Himmel, aber fortwährend Spritzwellen über’s Deck. – Weiße Bohnen und Rindfleisch.

17. Sept. Das Schiff geht schnell und ohne Schwanken; früh schien der Himmel im Feuer zu stehen. Eine Frau fällt von der Zwischendeckstreppe und bricht einen Arm. Unbeschreiblich schönes Abendroth. Dicht neben uns ein Dreimaster. Die Geduld ist so ziemlich zu Ende. – Sauerkraut und Speck.

18. Sept. Guter Wind; warmes schönes Wetter. Schaaren von fliegenden Fischen. – Reis und Rindfleisch.

19. Sept. Fast Windstille; heiß; die Leute suchen die Langeweile zu verschlafen. – Erbsen und Speck.

20. Sept. In der Nacht starb ein Kind, das Vormittags in’s Meer gesenkt wird. Wir sehen vier Schiffe, eins nach Bremen ganz in der Nähe. Den ganzen Tag bis gegen Abend im Golfstrom. – Sauerkraut.

21. Sept. Einzelne Landvögel. kommen auf das Schiff, eine Art Hänflinge, und werden gefangen. Wieder Spritzwellen.

22. Sept. Streitigkeit, fast Schlägerei wegen den Brotes; alle wollen Weißbrot und sollen doch auch etwas Schwarzbrot nehmen. Es kommen mehr und häufiger Landvögel, die gefangen werden. Zwei Kinder starben und wurden miteinander versenkt. – Sauerkraut und Rindfleisch.

23. Sept. Beim klarsten Himmel der wundervollste Sonnenaufgang; das Meer liegt da und glänzt wie ein Spiegel; es ist sehr warm. Ein Seekrebs unterhält uns. Noch 600 englische Meilen! – Reis und Fleisch. Speck und Syrup wird vertheilt.

24. Sept. Wir fahren bald östlich, bald südlich; der Wind setzt fortwährend um; die Matrosen müssen die Segel alle Viertelstunden anders richten; wir drehen uns buchstäblich im Kreise. Früh ein Schiff in Sicht, später zwei. – Linsen und Speck.

25. Sept. Das Land muß nahe sein. Eine Schleiereule kam auf das Schiff und blieb ziemlich lange, obgleich Alle mit Kohlen nach ihr warfen, auch Landschwalben erschienen; Seeschwalben haben uns fast gar nicht verlassen. Ein Schiff ist vor uns; wir holen es ein, es ist die „Carolina“ aus Bremen mit Auswanderern. Abends leuchtet das Meer wieder, ein Anblick, der nicht zu beschreiben ist. – Reis und Rindfleisch.

26. Sept. Ein Baumstamm mit Aesten und Blättern kommt geschwommen. Ich weiß nun, wie es Columbus auf seiner Fahrt bei einem solchen Anblick zu Muthe war. Wenn man es lieset, kann man es nicht so fühlen. Zwei Schiffe. Ein Kind stirbt. – Erbsen wie Kugeln.

27. Sept. Das Kind wird in’s Meer gesenkt. Das Meer leuchtete in voriger Nacht wieder herrlich, aber das Schiff kam kaum von der Stelle. Seit drei Tagen ist es so heiß, daß es in dem Schiffe nicht auszuhalten ist. Viele schlafen auf dem Deck, bis sie der starke Thau doch hinuntertreibt. Beim großen Bär zeigen sich gleichsam drei große Feuersäulen, wie ein unvollkommnes Nordlicht. Windstille. Zahllose Blackfische umschwärmen unser Schiff. – Erbsen und Rindfleisch.

28. Sept. In der Nacht erhebt sich der Wind, früh deshalb großer allgemeiner Jubel, aber wir segeln südlich und es ist so kühl, daß man kaum auf dem Decke bleiben kann. Ein Boot zeigt sich; allgemein glaubt man, es sei der ersehnte Lootse, dann so dichter Nebel, daß man nicht zwanzig Schritte weit sehen kann. Deshalb wird Wache ausgestellt. Abends verzieht sich der Nebel; die Sterne treten hervor und es blitzt. Das Senkblei wird ausgeworfen. – Graupen und Rindfleisch.

29. Sept. In der Nacht wieder eine Frau durch ihren Mann von einem Knaben glücklich entbunden. „Das Schiff streicht durch die Wellen.“ Ein abgebrochener Mast mit Takelage schwimmt vorüber. Es ist kalt. – Sauerkraut und Schweinefleisch.

30. Sept. Der Steuermann schlägt die Vorrathskammer auf, ein gutes Zeichen. Alles wird ausgegeben bis auf Vorrath auf drei Tage. Selbst die Matrosen haben die Fahrt zum Ueberdruß. Es stirbt noch ein Kind. Eine Brigg segelt in Büchsenschußweite vorüber unter entsetzlichem Schwanken. Der Wind legt sich, o weh! Das Kind wird begraben.

1. Okt. Jeder bekommt so viel Wasser, als er haben will. Acht Schiffe in Sicht, darunter mehrere kleine. Eins kommt, heran, es ist ein Lootsenboot – rothe Flagge mit schwarzem Kreuz! Der Lootse steigt an Bord, ein Mann, fein, als wollte er zum Balle gehen. Die Ankerketten werden gehoben und zurechtgelegt – wer beschreibt das Gefühl! Die „Carolina“ ist wieder bei uns. Halb zwei Uhr Nachmittags erblicken wir in Nordnordwest Land, eine Hügelkette, und ein dreimaliges Hurrah ertönt. Gegen sieben Uhr rasseln die Anker nieder und wir können trotz dem Regen das Land, die zahllosen Schiffe und die Lichter betrachten, welche New-York andeuten. – Noch einmal weiße Bohnen und Rindfleisch.

2. Okt. Alle Strohsäcke fliegen über Bord; ein Dampfschiff bringt uns an’s Land, an’s Ziel!