Schildkrötenzucht

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Titel: Schildkrötenzucht
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 83
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[83] Schildkrötenzucht. In Spanien vervielfältigt man durch besondere Wartung und Pflege die kurzschwänzige Schildkröte, die bekanntlich nicht nur eine äußerst schmackhafte und delikate Speise gewährt, sondern auch eine äußerst nahrhafte, die in vielen Fällen, namentlich bei Brustkrankheiten und Entkräftung von der heilsamsten Wirkung ist. Die Erfahrung hat gelehrt, daß die Zucht dieser Thiere, die einen reichen Gewinn gewähren würde, da auch ihre Schaalen im Handel sehr gesucht sind, sich mit der gehörigen Aufmerksamkeit auch in rauherem Klima bewirken ließe, und schon sind davon in Frankreich mit glücklichem Erfolge Versuche angestellt worden. Man umgiebt zu diesem Zwecke einen Gartenraum von etwa vierzig Quadratruthen Größe mit einer niedrigen, aber dicht zusammengefügten Mauer von Ziegelsteinen. Jeden Monat besäet man darin eine Abtheilung, die von dem übrigen Garten abgesperrt sein muß, mit Lattich, welchen man allmälig, wie er heranwächst, den Schildkröten überläßt, welche darin jede zwanzig bis fünfundzwanzig Tage ihre Eier legen, welche nach kurzer Zeit durch die Sonnenwärme ausgebrütet werden. In einer ecke errichtet man einen Schuppen, den man mit trockenen Blättern ausfüllt, unter denen die Schildkröten überwintern, ohne sich von der Stelle zu rühren. In besonders rauher Gegend muß man diesen Schuppen gegen die nachtheiligen Einwirkungen des Frostes schützen, da die Schildkröten allzu große Kälte nicht vertragen können. Von Strecke zu Strecke muß man größere irdene Gefäße eingraben, deren oberer Rand mit dem Boden gleich sein muß, und die beständige mit reinem Wasser ganz angefüllt zu halten sind, damit die Schildkröten nicht nur daraus saufen, sondern sich auch nach Belieben darin baden können. Ein kleiner, beständig mit frischem Wasser gefüllter Teich mit ganz flachem Ufer würde noch zweckdienlicher sein. – Die Schildkröten brauchen zwei Jahr um auszuwachsen und dürfen vor dieser Zeit nicht genossen werden; indeß ist es auch gut, sie nicht viel älter werden zu lassen, obgleich sie auch dann noch wachsen, jedoch nur sehr langsam.