Schneeloser Winter

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Textdaten
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Autor: Johann Karl Wilhelm Geisheim
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Titel: Schneeloser Winter
Untertitel:
aus: Gedichte, Zweites Bändchen,
S. 227–228
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1839
Verlag: Josef Max und Komp.
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Erscheinungsort: Breslau
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Quelle: Commons, Google
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[227]
Schneeloser Winter.


Laß, du keuscher, reiner Schnee,
Deine Flocken lustig fliegen,
Hilf des Thauwinds Hauch besiegen,
Daß die Welt nicht drinn zergeh’.

’S taugt nichts, wie wir deutlich sehn,
Uns so gar sehr warm zu halten.
Trübe, böse Lüfte walten;
Heiße, Schnee, sie fürbaß gehn!

Sieh! der nackte Wald, das Feld
Schämen sich in ihrer Blöße,
Und der Berge blaue Größe
Trauert hinter’m Wolkenzelt.

Decke zu die nackte Zeit,
Hülle sie in keusche Liebe,
Und erwärm’ in ihr die Triebe
Neuer Frühlings-Herrlichkeit.

Mahl’ die Landschaft wieder schön,
Mahl’ uns blanke Spiegelfelder,
Lasse die krystallnen Wälder
Uns wie Demant funkeln sehn.

[228]
Streue dem Philister Bahn,

Daß er nicht noch länger schimpfe;
Ziehe deine weißen Strümpfe
Seinen Schlittenpferden an.

Sieh, die Kinder lauern schon
Auf das Spiel mit deinen Bällen,
Aus dir Männer aufzustellen
Auf dem weißen Flimmerthron.

Schneie freundlich, lieber Schnee,
Daß die Welt zur Landschaft werde;
Aber thu im März der Erde,
Thu der Hoffnung Saat nicht weh.