Schreiben von Georg Bell an die Reichsleitung der NSDAP vom 8. Oktober 1932

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Qsicon Ueberarbeiten.svg Dieser Text bedarf einer Überarbeitung. Grund: Textbox usw..
Bitte hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Zuletzt bearbeitet am 11.06.2018 (vor 835 Tagen)
Wiedergabe des Brieftextes in der Quellensammlung Weimar under Kampf gegen 'rechts'.


Georg Bell


Berlin, den 8. Oktober 1932

An die Reichsleitung der NSDAP München Braunes Haus

Ich erkläre hiermit meinen Austritt aus der NSDAP. Anlässlich des Beleidigungs-Prozesses der Herren Schwarz und Schulz gegen die 'Münchener Post' hat SA-Stabschef als einer der obersten Führer der Partei zwei gewundene Erklärungen abgegeben, die teils völlig unwahr sind, teils die Tatsachen entstellen und auch versuchen, meine Person bzw. die Rolle, die ich spielte, zu vernebeln. Ich unterlasse es, darüber ein Werturteil zu fällen. Ich stelle aber nochmals dazu fest, dass ich stets und allein im Auftrage Röhms gehandelt und keinen meiner Schritte ohne Röhms Einwilligung getan habe - gleichgültig, ob ich für Röhm in Genf, Paris, London, Berlin oder zuletzt in Magdeburg tätig gewesen bin. Ich habe deshalb auch niemals aus diesen und noch besonderen Gründen von jemand anderem als Röhm Aufträge entgegennehmen können. Im übrigen hat Stabschef Röhm ja nicht nur bei der SPD Unterstützung gegen die politische Leitung der NSDAP gesucht. Röhm trennte sich von mir erst, als ich

1. ihn darauf aufmerksam machen musste, dass ich nicht ebenfalls homosexuell bin, 2. seinen intimen Freund Graf Du Moulin (der selbst für Herrn Hitler Tabu ist) einer vernichtenden Kritik als 'Chef des Nachrichtendienstes' unterzog, 3. mich weigerte, dem SA-Stabschef Röhm den Kopf des Parteigenossen Schulz vor die pp. Füße zu legen.

Diese Details und weitere Einzelheiten werde ich Ihnen im kommenden Prozess noch unter Eid mit Dokumenten und Zeugen besonders belegen. Da Herr Hitler u.a. auch diese unglaublichen Zustände in seiner Reichsleitung kennt, und zwar seit langem, er aber z.B. Röhm noch weiter duldet, so beweist dies endlich definitiv, dass Herr Hitler auch nicht einmal den Versuch machen will, eine Säuberung vorzunehmen. Damit wird aber jede meiner Anstrengungen, die ich in diesem Sinne schon gemacht habe und noch machen wollte gänzlich erfolglos bleiben. Hierdurch ergibt sich für jeden denkenden Menschen die zwingende Notwendigkeit, solange aus der NSDAP auszutreten, als solche 'Führer' Form und Inhalt der Partei bestimmen. Wie könnte Hitler Deutschland retten, wenn er nicht einmal in seinem eigenen Haus Ordnung und Sauberkeit schaffen kann.

Hochachtungsvoll! gez. Bell


Quelle[Bearbeiten]

  • Alexander Dimitrios: Weimar und der Kampf gegen «rechts». Eine politische Biographie, Bd. 3 (Dokumente), Ulm 2009, S. 278f.