Schwerting, der Sachsenherzog

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Textdaten
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Autor: Egon Ebert
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Titel: Schwerting, der Sachsenherzog
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 3, S. 33
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1855
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Die Gartenlaube (1855) b 033.jpg


Schwerting, der Sachsenherzog.




Der Schwerting, Sachsenherzog, der saß bei Festesmal,
Da schäumten Weine perlend in eisernem Pokal,
Da rauchten Speisen köstlich in eisernem Geschirr,
Da war von Eisenpanzern ein wild und rauh Geklirr.

Der Dänenkönig Frotho genüber Schwerting saß,
Mit staunender Geberde die Eisenketten maß,
So diesem niederhingen von Hals und Brust und Hand
Und dann die Eisenspangen am schwarzen Trau’rgewand.

„Sagt an, was soll das deuten? Herr Bruder gebt mir kund,
Warum Ihr mich geladen zu solcher Tafelrund’?
Als ich herabgezogen aus meinem Dänenland,
Da hofft’ ich Euch zu finden im güldenen Gewand.“

„Herr König, Gold dem Freien, und Eisen für den Knecht:
Das ist der Sachsen Sitte, und so allein ist’s recht!
Ihr habt in Eisenbande der Sachsen Arm gezwängt;
Wär’ Eure Kette gülden, sie wäre längst zersprengt.

Doch mein’ ich, giebt’s noch Mittel, zu lösen solches Erz:
Ein biedrer Sinn und Glaube, ein hoch und muthig Herz,
Das muß den Arm befreien, gefesselt hundertfach,
Das muß den Eidschwur lösen, und tilgen nieder Schmach!“

Als so der Fürst gesprochen, da traten in den Saal
Zwölf schwarze Sachsenritter, mit Fackeln allzumal,
Die harrten stumm und ruhig auf Schwertings leises Wort,
Und sprangen dann in Eile, die Brände schwingend, fort.

Nicht lang’, da scholl von unten zu Herrn und Gastes Ohr
Ein Knistern und ein Prasseln von Feuerswuth empor,
Nicht lang’, da ward’s im Saale gar schwül und sonnenheiß
Und: „’s ist die Stund’ gekommen!“ sprach dumpf der ganze Kreis.

Der König will entfliehen, der Herzog hält ihn stark:
„Halt! Steh und laß erproben Dein ritterliches Mark!
Hält es dem rauhen Krieger, der unten prasselt, Stand!
Dein sei die Sachsenkrone, Dein sei das Sachsenland!“

Und heißer, immer heißer wird’s in der weiten Hall’,
Und lauter, immer lauter erdröhnt der Balken Fall,
Und heller, immer heller wird rings der rothe Schein,
Die Thüre sinkt in Trümmer, die Lohe schießt herein.

Da knieen betend nieder die wackern Rittersleut’:
„Herr sei der Seele gnädig, die selber sich befreit!“
Der Herzog doch sieht ruhig der Flamme Windeslauf,
Der König sinkt zu Boden; er reißt ihn wüthend auf.

„Schau hin, Du stolzer Sieger! Erzittre, feiges Herz!
So schmilzt man Eisenbande, so schmilzt Dein mächtig Erz!“
Er ruft’s und ihn erfasset der Flammen wild Gesaus
Und nieder stürzen Alle, und nieder stürzt das Haus.

Egon Ebert.