Sebnitz wird von der Teuerung in den Jahren 1718 und 1719 schwer heimgesucht

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Autor: Friedrich Bernhard Störzner
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Titel: Sebnitz wird von der Teuerung in den Jahren 1718 und 1719 schwer heimgesucht
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aus: Was die Heimat erzählt. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 92–93
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Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: SLUB Dresden und Wikimedia Commons
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43. Sebnitz wird von der Teuerung in den Jahren 1718 und 1719 schwer heimgesucht.

In den Jahren 1718 und 1719 trat in Sachsen eine anhaltende und sehr große Dürre ein. Die Hitze war so groß, daß viele Gewässer, Flüsse und Teiche, vollständig austrockneten und Tausende von Fischen zugrunde gingen. Die Folge dieser außerordentlichen Dürre war eine sehr große Teuerung, die besonders in Sachsen, und da wieder in den Gebirgsgegenden, sehr fühlbar wurde. Die Not war groß. Brot, Bier und andere Nahrungsmittel waren so teuer, daß arme Leute in arge Bedrängnis kamen. Recht fühlbar aber wurde diese Teuerung in Sebnitz. Die armen Weber daselbst litten doppelt, da in diesen Jahren Handel und Gewerbe schwer darniederlagen. Infolge der großen Hitze war der Flachs in der Sebnitzer Gegend vollständig verdorben. Schrecklich war darum die Not der Sebnitzer Weber, die an Hab und Gut durch eine vorangegangene Wasserflut schon viel verloren hatten. Um nicht zu verhungern, sahen sich viele genötigt, aus Kleie Brot zu backen. Andere wieder sammelten die Baumrinden, zerstampften dieselben zu Mehl und vermischten dieses mit etwas Kleie und Hafermehl. Aus diesem seltsamen Gemenge wurde dann Brot gebacken. Doch soll dasselbe vielen den Tod gebracht haben.

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Sebnitz. (Die Kirche)

Der Scheffel Korn galt damals nicht weniger als 6 Taler, Erbsen 5 Taler, Hirse 8 Taler, Grütze 8 Taler 12 Groschen, Hafer 2 Taler 12 Groschen, Gerste 4 Taler. Das waren Preise, die in damaliger Zeit selbst von den wohlhabenden Leuten auf die Dauer kaum bezahlt werden konnten. Manche hatten wohl Geld, diese hohen Preise zu zahlen, doch oft war die betreffende Ware gar nicht zu haben. Die Verkehrsmittel der damaligen Zeit ließen sehr viel zu wünschen übrig. Es gab ja noch keine Eisenbahnen, die einen schnellen Austausch ermöglicht hätten. Dazu gab es auch hartherzige [93] und lieblose Menschen, sogenannte Wucherseelen, welche die allgemeine Not zu ihrem Vorteile auszunützen wußten. Diese häuften Getreide auf und machten dann die Preise, die nach ihrem Sinne nicht hoch genug werden konnten. Wer nicht verhungern oder kümmerlich leben wollte, der mußte dann schon kaufen. Ob die Armen dabei zugrunde gingen, darnach frugen diese Wucherer nicht, wenn nur ihre Säckel sich füllten. Sie konnten es ja aushalten. Doch diese „christlichen Wucherer“ wurden durch die edle Handlung eines Juden nicht wenig beschämt. Demselben ging die Not seiner Mitmenschen so zu Herzen, daß er zum sächsischen Kurfürsten ging und sich erbot, den Scheffel Korn für 3 Taler 12 Groschen zu liefern, wenn er von allem Zoll und Geleite befreit würde. Ein solch edles Anerbieten konnte der Fürst freilich nicht zurückweisen. Er erließ ihm natürlich jeglichen Zoll und jegliches Geleite. Der Jude, dessen Namen man leider nicht kennt, verkaufte dann den Scheffel Korn für den angegebenen Preis in der weiteren Umgegend von Dresden, obgleich andere Kornhändler doppelt so viel und noch mehr sich bezahlen ließen. Der edle Kornjude ließ jedoch Getreide nur den Armen ab, nicht aber solchen, die damit etwa Wucher treiben wollten.

Im Jahre 1721 ging es glücklicherweise mit der Teuerung zu Ende. Es traten wieder bessere Zeiten ein. Die Witterung ward fortan eine günstige, sodaß allerorten, und somit auch in der Sebnitzer Gegend, die Früchte des Feldes vortrefflich gediehen. Die Teuerung war nun mit Gottes Hilfe vorüber, doch hatte dieselbe leider manches Opfer gefordert. In der Sebnitzer Gegend waren Hunderte von Menschen verhungert.