Seite:David Wolleber - ein Bild aus den Anfängen der württembergischen Geschichtschreibung.djvu/15

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Eugen Schneider: David Wolleber, ein Bild aus den Anfängen der württembergischen Geschichtschreibung. In: Württembergische Vierteljahreshefte für Landesgeschichte NF 20 (1911), S. 289–309

in Württemberg geworden ist. Das Original von seiner eigenen Hand befindet sich in der Universitätsbibliothek zu Tübingen (M. h. 6); es ist mit schönen Wappen geschmückt, wahrscheinlich von einem Maler Hans Jörg Seitz, den wenigstens der Verfasser in dieser Zeit beschäftigt hat. Eine Randbemerkung von Oswald Gabelkover bei einer Stelle, in der Wolleber den Johann Wessel von Gröningen aus Markgrönigen stammen läßt, zeigt, daß es das Exemplar ist, das in der Untersuchung gegen ihn eine Rolle spielte. Eine kunstvolle Abschrift mit teilweise noch schöneren Wappen gehörte 1700 zur Bibliothek des Prinzen Ludwig in Pfullingen, geriet dann in die Hand einer Benigna Christina Commerell und kam zuletzt in die Landesbibliothek (Cod. hist. fol. 217). Einfache Abschriften finden sich ebenda (106), sowie zusammen mit den Abschriften der Chronik im Staatsarchiv und in der Stadtbibliothek zu Stuttgart sowie in der Universitätsbibliothek zu Tübingen. An dem Werke hat Wolleber laut Vorrede 18 Jahre gearbeitet, so daß der Beginn schon in das Jahr 1573, vor die Sammlung der Chronik, fallen würde. In der Chorographie sind die Beschreibungen aller Herrschaften, Ämter, Klöster, Städte, aus denen Württemberg zusammengesetzt war, nebst denen der wichtigsten Herrenfamilien vereinigt. Sie ist ausführlicher und ungleichartiger als die späteren Landbücher. – Den dritten Band des Hauptwerks, die Staufergeschichte, haben wir schon kennen gelernt.

Gehen wir an die Frage, aus welchen Quellen Wolleber geschöpft hat, so scheint sie deshalb sehr leicht lösbar zu sein, weil er selbst in der Vorrede zu seinem letzten Werk eine stattliche Reihe von Gewährsmännern und Büchern angibt. Unter denjenigen, denen er mündliche und schriftliche Auskunft verdankt, nennt er den Pfalzgrafen Johann, den Freiherrn Wilhelm Werner von Zimmern, Nikodemus und Jakob Frischlin, Oswald Gabelkover, Dr. Georg Gadner, Andreas Rüttel, Sebastian König, Simon Studion, Jakob Spindler, Martin Crusius; unter den benützten Druckwerken und Handschriften wieder Sebastian König und Simon Studion, dann Johann Naucler, d. h. dessen Chronik, die seit 1516 in verschiedenen Auflagen erschienen war, Sebastian Münster, d. h. seine 1559 erschienene Kosmographie, Kaspar Bruschius, d. h. sein Werk über die deutschen Klöster von 1551, Aventin, d. h. seine Bayrische Kronik von 1566 (gedruckt 1580), Johann Sleidan, d. h. seine Bücher de quatuor summis imperiis von 1556, Blondus, d. h. seine Dekaden, die 1559 zu Basel gedruckt wurden, die Chronik des Cario, fortgesetzt von Melanchthon und Peucer, Cuspinian, d. h. seine Kaisergeschichte von 1540, und die deutsche Übersetzung Kaspar Hedions von 1541, Wolfgang Lazius, d. h. wohl sein Buch de gentium aliquot

Empfohlene Zitierweise:
Eugen Schneider: David Wolleber, ein Bild aus den Anfängen der württembergischen Geschichtschreibung. In: Württembergische Vierteljahreshefte für Landesgeschichte NF 20 (1911), S. 289–309. Kohlhammer, Stuttgart 1911, Seite 303. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:David_Wolleber_-_ein_Bild_aus_den_Anf%C3%A4ngen_der_w%C3%BCrttembergischen_Geschichtschreibung.djvu/15&oldid=- (Version vom 31.7.2018)