Seite:Ältere Geschichte des Steinkohlen Bergbaues.pdf/8

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solchen Gesellschaften beigetreten. „Hilf dir selber so wird Gott helfen,“ dieser Grundsatz kann nicht zu oft nach allen Seiten hin zur praktischen Anwendung empfohlen werden.




Während die Geschichte ihre Jahrbücher mit den Drangsalen und dem Blut der Völker füllte, ist sie an der friedlichen Entwicklung des Handels, und namentlich der Gewerbe, stiefmütterlich vorüber gegangen. Die Lücken der Vergangenheit können wir nicht mehr ausfüllen, allein es ist um so mehr unsere Pflicht, der Gegenwart volle Rechnung zu tragen; jeder an seinem Orte, so auch unser Verein. – Die Arbeit bedarf des Materials und um so naturwüchsiger nennen wir eine Industrie, wenn der heimische Boden ihr solches reichlich darbietet.

Steinkohlen und Eisen sind in unseren Tagen die mächtigsten Hebel der Industrie und da die Natur Rheinland und Westphalen vorzugsweise mit diesen Schätzen beschenkt hat, so braucht man eben kein Prophet zu sein, um vorauszusehen, daß sie in wenigen Decennien den ganzen deutschen Gewerbfleiß überragen werden. Die Wichtigkeit der Steinkohlen trat mit der Abnahme des Holzes stets mehr in den Vordergrund; 1201 wurden sie bereits in Belgien verwendet. In England war schon 1305, unter Eduard III., von diesem Mineral in öffentlichen Urkunden die Rede. Älter sind die deutschen Nachrichten; 1129 bestätigte Kaiser Lothar der II. der Stadt Duisburg das Recht der Steinkohlengewinnung. Die Annalen der Stadt Essen erwähnen 1317 dieses Minerals, allein bis zur Einführung der Controle von Seiten des Staats sind die statistischen Nachrichten durchaus unzulänglich; im 17. Jahrhundert fand Bergbau bei Hörde statt. Das Aufblühen des westphälischen Bergbaus hängt eng mit der Schiffbarmachung des Ruhrstroms zusammen. 1769 weckte Engels in Werden diese Idee beim Abte von Werden, während gleichzeitig der Lehrer Müser in Blankenstein die Anlage der Galenschen Kohlenstraße aus dem Revier Stiepel zur Lippe ins Leben rief, um den Absatz nach Holland zu befördern. 1780 nahm der unvergeßliche von Heinitz, Minister Friedrichs des Großen, die vollständige Schiffbarmachung der Ruhr, von Hardenstein bei Witten bis Ruhrort, in die Hand und leitete so den großartigen Verkehr ein, welcher sich in unsern Tagen auf diesem Strome bewegt. Das Unternehmen trug den Character eines rein provinziellen; die Abgaben wurden zur Unterhaltung der Strombauten und Verbesserungen verwendet, der Überschuß