Seite:Adolf von Stählin - Löhe, Thomasius, Harleß.pdf/100

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

beherrschten Minister Abel zu mehr als einem sehr hitzigen Zweikampf. Harleß wollte zurücktreten, als die Regierung ihm bei dem Anlass der Berufung nach Rostock zu Willen war und für Bayern erhielt; er konnte, er durfte nicht. Harleß war der Fürer der Opposition; das Auge des protestantischen Deutschlands war damals auf ihn gerichtet; sein ritterliches Auftreten erwarb ihm allenthalben Freunde und große Popularität. Der Opposition sollte aber die Spitze abgebrochen werden; so wurde Harleß nach dem Vorspiel der Nichtbestätigung seiner Wal zum Prorektor durch Erlass vom 25. März 1845 als zweiter geistlicher Konsistorialrat nach Bayreuth versetzt. Alle Remonstrationen von seiner Seite, von Seiten der akademischen Behörden fruchteten nichts; unter allen Gewaltsamkeiten, mit welchen jener Minister seine Laufban gekennzeichnet hat, war die Entfernung Harleß’ von seiner gesegneten akademischen Berufstätigkeit eine der herausforderndsten.

.

 Die Gegensätze, welche damals aufeinandergerieten, waren übrigens tief begründet in der ganzen Strömung der Zeit. Die Auktoritäten in Stat und Kirche hatten sich gekräftigt; wärend aber in Preußen Monarchie und kirchliche Hierarchie in schärfsten Konflikt zu einander traten, schlossen sie in Bayern einen Bund, der gefardrohend für den Protestantismus zu werden schien. Zwar wurde immer wider versichert, dass König Ludwig I. und sein Minister Abel nichts weniger als eine innere Schwächung der protestantischen Kirche in Bayern bezweckten. Auf der Generalsynode des Jares 1849 trat in der Sitzung, welche mit der Frage der Beibehaltung oder Ablehnung des sogenannten Summepiscopats sich beschäftigte, ein Dekan auf und fürte die bei einer Audienz der geistlichen Abgeordneten zum Landtag aus dem eigenen Munde des Königs vernommenen Worte an: „Meine Herren! Ich habe das Augsburgische Glaubenskenntnis so aufrecht gehalten, als wenn es mein eigenes Bekenntnis wäre. Ich habe mich dazu in meinem Gewissen verflichtet gefühlt, alles zu tun, den Flor der evangelisch-lutherischen Kirche zu fördern. Und ich habe nicht vergeblich mir Mühe gegeben. Die protestantische Kirche in Bayern ist fester in sich geordnet, bekenntnistreuer als alle andern in

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 86. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/100&oldid=3212213 (Version vom 31.7.2018)