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in ein durch die Verfassung garantirtes Gewissensrecht eingegriffen. Übrigens lag Abels Hand schwer auch auf andern Lebensgebieten, besonders dem der höheren Schulen, ja teilweise selbst dem der katholischen Kirche. Sein Verfaren gegen die Wissenschaft muss als Vandalismus bezeichnet werden. Auch die Katholiken litten durch Belastung der Kirchen, der Kultusstiftungen und Bruderschaften mit Konkurrenzbeiträgen. Harleß’ erste Tat auf dem Landtag 1840/41 war die erfolgreiche Vertretung einer katholischen Bruderschaft zum heiligen Kreuzverbündnis gegen die dem Bruderschaftsvermögen verfassungswidrig auferlegten Konkurrenzbeiträge zu Kirchenbauten, was ihm den Ruf eines auch gegen Katholiken gerechten Mannes eintrug. Das Oberkonsistorium hatte damals einen überaus schweren Stand; es ist eine zwar oft gehörte, aber durchaus sach- und aktenwidrige Äußerung, dass dasselbe in Vertretung der Rechte der protestantischen Kirche lau und zaghaft gewesen. Gerade das Gegenteil ist richtig. Namentlich entwickelte der weltliche Rat, Grupen, in jener Vertretung die größte Umsicht und Entschlossenheit, einen seltenen, bisweilen übel vermerkten Freimut. Der ausgezeichnete Präsident des Oberkonsistoriums, Friedrich von Roth, wurde um seines Verhaltens in den damaligen Wirren, insbesondere der Kniebeugungssache, laut und heftig der Servilität, sogar der Hinneigung zum Katholizismus angeklagt. Er hat jedoch in aller Ruhe nicht unterlassen, den Rechtsstand seiner Kirche zu waren, er hat später gegen Freunde sich ausgesprochen, „er sei oft in Versuchung gewesen, loszubrechen, er habe aber jedesmal die Wahrscheinlichkeit des Misslingens und in dessen Folge eines noch härteren Druckes seiner Kirche größer gefunden, und daher das Zuwarten vorgezogen“. Seine am 28. Januar 1842 in der Kammer der Reichsräte gehaltene Rede war eine der freisinnigsten, die jemals dort vernommen worden. Die Kniebeugung ist im Jare 1845, am Tag vor Eröffnung der Ständeversammlung, abgetan worden und zwar infolge eines Briefes, der von Roth an den König Ludwig gerichtet wurde. Neben der kirchenregimentlichen Opposition stand nun aber die theologische, Pastorale, ständische und gemeindliche; Harleß war ihr Mittelpunkt. Er geriet um derselben

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 88. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/102&oldid=3212215 (Version vom 31.7.2018)