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allerdings anfechtbare Bild, dass das Kirchenbekenntnis dem Evangelium antworte wie der Lerchensang der Frühlingssonne, aus Plinius auch der Unwissenschaftlichkeit damit zu überweisen, dass nicht alle Lerchengattungen sängen. Der Moment, an pikanten Zufälligkeiten reich, hatte auch seine typische Bedeutung. Einer alten, zu Grabe gehenden Zeit in immerhin würdiger Repräsentation, der niedergehenden Sonne des alten Rationalismus mit seiner stattlichen Gelehrsamkeit und mikrologischen Gründlichkeit stand die kräftig aufstrebende Periode kirchlicher Verjüngung in ihrem bedeutendsten Vertreter zukunftreich gegenüber. Harleß sollte nach wenigen Jaren Ammons Nachfolger werden; dieser hat selbst ihn in Vorschlag gebracht; den Rat zu diesem Vorschlag hat aber kein anderer gegeben als K. I. Nitzsch nach des letzteren eigener Aussage.

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 Zu litterarischen Arbeiten hatte Harleß in Leipzig die Zeit nicht. In eine nicht unbedeutende kirchliche Bewegung der sächsischen Landeskirche griff er aber durch die Schrift ein: „Votum über die eidliche Verpflichtung der protestantischen Geistlichen in Sachsen auf die kirchlichen Symbole und die Änderung oder Aufhebung dieser Verpflichtung (Leipzig 1846).“ Diese Schrift schließt sich besonders an Höflings vortreffliche Abhandlung: de symbolorum natura, necessitate, auctoritate atque usu an und ist, wie alles von Harleß, reich an eingehenden prinzipiellen Erörterungen. Bezeichnend sind die Worte: „Keinem kirchlichen Bekenntnis ist ein Charakter der Unveränderlichkeit in dem Sinne beizulegen, wie ihn unsere Konfession dem Schriftworte zuerkennt. Unser reformatorisches Bekenntnis war von Anfang nicht eine bloße Repristination der altkirchlichen Bekenntnisformel, sondern eine Fortbildung, eine Fortbildung im waren Sinne des Wortes, Fortschritt der Erkenntnis und insofern von den Anfängen unterschieden; Fortschritt aber und nicht Widerspruch und Verneinung, weshalb eben die alten Bekenntnisse als gemeinsame Wurzel erkannt und in dem Bekenntnis ausdrücklich anerkannt worden sind. Wer möchte leugnen, dass ein Fortschritt in diesem Sinne auch jetzt möglich sei; wer nicht vielmehr behaupten, dass mehr als ein Zeichen der Zeit auf einen solchen Fortschritt hindeute? Ist es doch zu allen Zeiten der Kirche so gewesen, dass große Verwicklungen

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 98. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/112&oldid=3212226 (Version vom 31.7.2018)