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und Kämpfe zu einer solchen Weiterbildung auf der alten Grundlage haben dienen müssen.“

 Selten ist ein Theolog und Geistlicher beim Abschied so geehrt worden, wie Harleß, als er Leipzig verließ. Geistlichkeit, Bürgerschaft, die gebildete Welt, der Kreis der Zuhörer und nächsten Freunde ließen es an bedeutsamen Zeichen der Liebe und des Dankes nicht fehlen. Wie das Siegel einer hochgesegneten Wirksamkeit könnte die unvergleichliche Inschrift auf einem Kruzifix aus Eisenguss erscheinen, welches ihm mehrere Zuhörer, darunter Frank, v. Zezschwitz, Frommel, Löber, überreichten: „Sub cruce recordare, ad crucem quos vocasti“. Selbst das Koupé, in welches Harleß im Leipziger Bahnhof einstieg, war von der Liebe der Freunde geschmückt. Harleß hat in Leipzig viel gegeben, aber auch viel empfangen. Nirgends hat Harleß so viel edle, ihm tief sympathische Verbindungen mit Einzelnen und Familien geknüpft, als hier. Leipzig war ihm in ungeanter Weise zur zweiten Heimat geworden. Er selbst sagt: „Überhaupt habe ich zu bekennen, dass mir nie in meinem Leben so viel vertrauensvolle Liebe und Treue zu teil ward, als ich wärend meines Aufenthaltes in Leipzig erfur, und dies mir auch jetzt noch, so weit der Tod nicht die Bande zerrissen hat, als ein unschätzbares Besitztum geblieben ist“ (Bruchstücke. Neue Folge, S. 105).

 Dass Harleß, als er im Jare 1850 als Oberhofprediger, Vortragender Rat im Kultusministerium, Vizepräsident des Landeskonsistoriums nach Dresden übersiedelte, von vielen Seiten als Werkzeug der Reaktion und Vertreter hierarchischer Intoleranz betrachtet wurde, darf bei der damaligen Zeitlage nicht wundernehmen. Harleß war die Zielscheibe einzelner sehr gehässiger Angriffe der Presse, auch der sächsischen Kammer; manche Blätter traten aber auch sehr kräftig für ihn ein.

 Harleß blieb in Dresden Prediger und Seelsorger, hatte einen Beichtstul und gab auch Konfirmandenunterricht. Am Sonntag Reminiscere, dem 24. Februar 1850, hielt er seine Antrittspredigt über Hebr. 12, 1–6; sie war von dem Geiste innigster Gebundenheit an Gottes Wort und eines tiefen, lebendigen Bewusstseins der Gemeinschaft mit den Warheitszeugen der Kirche

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 99. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/113&oldid=3212227 (Version vom 31.7.2018)