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und nachdem er zum Oberkonsistorialpräsidenten in München ernannt war, schrieb er an Dekan Bachmann den bekannten Brief: „Ich danke Dir für Deinen heute empfangenen Brief aus voller Seele. Denn ob ich auch im Gewissen unverletzt gehe, tut es mir doch im Herze wehe, Sachsen lassen zu müssen. Da müssen mich Euere Freudenbriefe trösten. – Nun wol, ich komme jetzt als Euer Generalissimus. Macht mich nicht zu Schanden. Dem Zeug nach hat nie Einer eine bravere Armee hinter sich gehabt. Aber ich will den rechten Gehorsam. Wenn ich Euch gegen Gottes Wort und das Bekenntnis unserer Kirche zu ihm kommandire, macht Front gegen mich. Wenn nicht, so lasst Eure Nergeleien. Der HErr scheint noch einmal freie Ban machen zu wollen. Mehr als ich träumte, ist bereits erobert. Ja, es ist ein Wunder auch vor meinen Augen. Der HErr sei gepriesen; auf den Knieen laßt uns danken! Aber marschirt mit mir. Ich werde manchmal nicht Alles sagen können, was ich bereits vor mir sehe. Dann schenkt mir eine kleine Weile blinden Gehorsam. Wittere ich Gefahr, so werde ich nichts verschweigen. Wittert Ihr es, so sagt mir’s auch. Aber vor allem schart Euch um das alte Banner“. Ein Moment großer Schwierigkeit lag für Harleß darinnen, dass er Löhe mit den Gesinnungen des Jugendfreundes entgegenkam und das herzlichste Verlangen hatte, ihn der Landeskirche zu erhalten, dass er aber auf der anderen Seite nach seiner theologisch kirchlichen Richtung und Anschauung nicht auf Seiten Löhes, sondern auf Seite der Gegner Löhes stand. Er teilte nicht die Löhe’sche Amtslehre, sondern sagte selbst und bekräftigte es durch seine Schriften, dass er im wesentlichen Höflings Anschauung teile, wenn er sich auch nicht überall dessen Ausdrucks- und Argumentationsweise aneignen könne (Protest, und Kirche 1872, I, S. 144), er hatte im Jare 1843 in seiner zweiten Schrift gegen Döllinger, der gegen den lutherischen Charakter der bayerischen Landeskirche änliche Einwendungen erhob wie Löhe, sich im Anschluss an Spener für eine mildere Praxis in Bezug auf Zulassung der Reformirten und Unirten zum Abendmal der lutherischen Kirche ausgesprochen (die evangelisch-lutherische Kirche in Bayern etc., S. 29 ff.) und den lutherischen Charakter dieser

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 113. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/127&oldid=3212242 (Version vom 31.7.2018)