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(das Verhältnis des Christentums zu Kultur- und Lebensfragen, 2. Aufl., Erlangen 1866, S. 161). Andererseits hat Harleß in derselben Abhandlung das ganz Richtige zur Würdigung jener Bewegung angedeutet. Er erinnert dort an die tatsächlich stattgefundene Vermischung politischer und kirchlicher Bestrebungen, welche viel Unheil angestiftet, leitet daraus die Notwendigkeit großer Vorsicht bei allen kirchenregimentlichen Maßnahmen ab und fügt dann bei: „So mag man sich denn nicht wundern, oder wenigstens nicht one an die eigene Brust zu schlagen, Steine aufheben, wenn politischer Argwon jetzt auch rein religiöse und kirchliche Bestrebungen vergiftet und kirchlichen Behörden oft zum Hindernis wird, anzubanen und durchzufüren, wobei sie selbst nicht den geringsten verkehrten Nebengedanken haben“.

 Wir meinen, dass auch Kurtz (a. a. O. 9. Auflage, S. 162 f.) die fragliche Bewegung nach ihrem Ausgang nicht ganz richtig beurteilt hat; charakteristisch für den Geist mancher Freikirche ist es aber, wenn Brunn in der Schrift: „Sind unsere deutschen Landeskirchen noch wirklich evangelische oder lutherische Kirchen?“ S. 19 f. schreibt: „Auch in Bayern siegte der Unglaube, das Kirchenregiment musste seine Erlasse zurücknehmen. O welch gesegnete Folgen hätte es one Zweifel gehabt, wenn Harleß sich damals nicht in die halbirte Stellung hätte drängen lassen, in der man dem Unglauben auf kirchlichen Boden Raum gibt, ihn duldet und sich dabei begnügt, vom Glauben so viel zu retten und zu erhalten, als man nach Umständen kann, sondern wenn von Harleß keinen Finger breit nachgegeben, lieber sein Amt niedergelegt und damit eine Bekenntnistat vollbracht hätte, die die Welt überwunden hätte! So ist damals die Sache des kirchlichen Bekenntnisses in Bayern verraten und die Kirchenpolitik, die es mit keiner Partei will zum Bruch kommen lassen, auf das Panier der Kirche geschrieben worden.“ Man kann nicht verkehrter und unbemessener urteilen, als hier geschieht.

 Das ist allerdings gewiss, dass als Niederschlag der ganzen Bewegung ein tiefes Misstrauen nicht bloß gegen Harleß’ Person, sondern auch gegen die von ihm und den kirchlichen Organen überhaupt vertretene Richtung auf lange Zeit geblieben ist und dass

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 130. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/144&oldid=3212261 (Version vom 31.7.2018)