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 Gottlieb Christoph Adolf von Harleß gehört one Frage zu den einflussreichsten Theologen des Jarhunderts; man kann ihn als den Begründer einer konfessionell lutherischen Theologie, den Fürer der lutherischen Bewegung in Deutschland, als einen der wirksamsten Förderer lutherisch-kirchlichen Lebens bezeichnen. Harleß ist am 21. November 1806 in Nürnberg geboren, kurz nachdem die Herrlichkeit der alten Reichsstadt zu Grabe getragen worden war (am 3. September 1806). Er selbst hat uns sein Leben bis zu seiner Übersiedelung nach München in anziehender und lehrreicher Weise beschrieben (Bruchstücke aus dem Leben eines süddeutschen Theologen. In zwei Abtheilungen. 1) Kinderjahre. 2) Studentenjahre. Bielefeld und Leipzig, Velhagen und Klasing, 1872. Neue Folge 1875). Harleß war der Son des Kaufmanns und Handelsgerichtsassessors Joh. Tobias Felix Harleß, der Enkel des bekannten Philologen, Hofrat Harleß in Erlangen. Letzterer stammte aus Kulmbach; er hatte 1759 in Halle unter Francke und Frehlinghausen studirt und zugleich an des ersteren Waisenhaus Unterricht erteilt. Dessen Frau war eine Schwester des bekannten Joh. Tobias Kießling. Mit besonderer Liebe hing Harleß an seiner Mutter, die erst 1868 im 85. Lebensjare starb. Im elterlichen Hause waltete altnürnbergische Zucht und Frömmigkeit, letztere allerdings noch mit dem Anstrich des damals herrschenden Rationalismus. Witschel’s „Morgen- und Abendopfer“ wurden im häuslichen Gottesdienst gebraucht; der junge Harleß fand hieran sowie überhaupt an dem prosaischen, schwunglosen oder auch sentimentalen Wesen, in welchem die religiöse Richtung der Zeit ihm entgegentrat, wenig Gefallen. Mit Widerwillen

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 61. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/75&oldid=3212334 (Version vom 31.7.2018)