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Harleß keine Befriedigung gewären. Es ist erklärlich, dass theologische Neigungen damals nicht in ihm aufkamen. Ja es bemächtigte sich seiner geradezu eine Abneigung gegen alles, was Theologie heißt. Erscheinungen wie die Schrift von Voß: „Wie Fritz Stolberg ein unfreier wurde“, das wegwerfende Urteil Hegel’s über Herder, dessen Name auch nach der religiösen Seite in der Familie eine gewisse Autorität war, und den jener einen konfusen und unspekulativen Kopf genannt hatte, und anderes bestärkten diese Abneigung. Kurz – Harleß war nach der negativen Seite entschlossen und sagte: „Nein, niemals studire ich Theologie“.

 Mit diesem Vorsatz bezog Harleß im Jare 1823, noch nicht ganz 17 Jare alt, die Universität Erlangen. Roth’s Anregung, das Vorbild seines Großvaters und Taufpaten zog ihn zur Philologie. Schon jetzt sollte sich aber an Harleß das Wort seiner Selbstbiographie erfüllen: „Ich habe erlangt, worum ich mich nicht bewarb, und bin geworden, was ich nicht werden wollte“. Die Philologie ward ihm bald verleidet, obwol der geistvolle Döderlein sein Lehrer war. Nun wandte sich Harleß zur Jurisprudenz und hörte bei Puchta ein Colleg über die Institutionen. Aber trotz des ausgezeichneten Lehrers konnte Harleß dem Studium der Jurisprudenz keinen Geschmack abgewinnen. So beschloss Harleß nach einigem Zögern und Schwanken dennoch, es mit dem Studium der Theologie zu versuchen und bestand glücklich die für den Übergang zu diesem Studium erforderliche Prüfung. Entscheidend wirkte aber keiner der damaligen Erlanger Theologen auf Harleß ein; am meisten verdankte er Winer, dessen strenge philologische Methodik maßgebend für seine späteren exegetischen Leistungen wurde. Engelhardt’s weitschichtige kirchenhistorische Gelehrsamkeit machte ihn verlangend nach Quellenstudium und Erfassen geschichtlicher Gegenstände an ihrer Wurzel. Dem liebenswürdigen Kantianer Vogel, Lehrer der Moral, trat Harleß näher; von Krafft ging auch auf Harleß eine religiös-sittliche Einwirkung aus, wenn sie auch durchaus nicht so bedeutend war wie bei vielen anderen, aber wissenschaftlich theologische Befriedigung fand er bei ihm nicht.

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 63. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/77&oldid=3212336 (Version vom 31.7.2018)