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einer alten Bestimmung zuvor Doktor der Philosophie werden und philosophische Kollegien gelesen haben. Ersteres ward er am 13. Juni 1828 durch eine Abhandlung de creatione ex nihilo. Bald nach seiner Rückkehr von Halle wurde er nach Döderlein’s Wunsch auch Assistent in der Oberklasse des Gymnasiums und Lehrer der Religion und hebräischen Sprache an letzterem. Seine philosophische Habilitationsschrift handelte de malo ejusque origine (1829) unter Beleuchtung der Systeme der bedeutendsten Scholastiker. Harleß las über die Geschichte der Lehre von der Freiheit des menschlichen Willens und allgemeine Religionsgeschichte. Um nun weiter Licentiat der Theologie zu werden, musste er nach dem Willen der theologischen Fakultät die beiden Kandidatenprüfungen bestehen; er unterzog sich ihnen nach besonderer Vergünstigung in einem Jare. Die erste war eine Separatprüfung, welche ihm das Oberkonsistorium auf sein Gesuch um so bereitwilliger gewärte, als es die unbedingte Notwendigkeit der Kandidatenprüfungen für Harleß überhaupt bestritt. Sie wurde in Bayreuth vom 23.–27. März 1829 unter den Konsistorialräten D. Kaiser und D. Starke abgehalten. Harleß bestand sie glänzend. In die jetzt noch übliche Rubrik: „Erinnerungen, welche dem Examinanden gegeben worden sind“, schrieb Kaiser: „Da sein nächstes Ziel die höhere Sphär des akademischen Dozenten ist, lassen wir seinen eigenen Genius walten“. Interessant ist Harleß’ über Hebr. 12, 1–3 gehaltene Predigt mit dem Thema: „Kein siegreicher Kampf wider die Sünde ohne Christus“. Die Ausfürung ruht auf einer tiefen Erkenntnis von Sünde und Gnade und bewegt sich in einer sichtlichen Polemik gegen die gewönliche rationalistische Anschauung: „Nicht dass uns immer gelüstete, grobe, auffällige Sünden zu begehen; aber vor den feineren Stricken des Verderbens, vor Gleißnerei, Selbstsucht, Hochmut bleibt kein Menschenherz bewart etc.; wer wird uns erlösen? so fragen wir mit dem Apostel, nicht unser guter Wille, nicht unsere Liebe zur Tugend, nicht unser Menschenadel oder wie all die Worte heißen mögen, welche der Hochmut und die Verblendung der Menschen erfunden, sondern der, zu welchem der Apostel aufblickt und ruft: ich danke Gott durch Jesum Christum unsern Herrn. – – Also ist es gar nichts

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 73. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/87&oldid=3212347 (Version vom 31.7.2018)