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mit unserem Wollen, mit unserem Laufen? Gar nichts, wenn es one Christus geschieht, alles, wenn es aus dem Glauben an Christus hervorgeht. Christus sagt nicht, ihr wollt nicht tugendhaft sein, sondern er sagt: ihr wollet nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben haben möchtet. Der Glaube an Christus muss notwendig eher da sein als das Bestreben, die Sünde abzulegen, wenn es nicht ein Streben one Erfolg, oder ein Erheben nur zu neuer Verirrung sein soll – – nur die kindliche Zuversicht zu unserem Heiland und Seligmacher zieht eine ewige Frucht aus unserer Reue“. Im Juni 1829 bestand Harleß dann sein zweites Examen mit demselben Erfolge. Seine theologische Habilitationsschrift handelte de revelatione et fide (1830), eine sehr interessante und lehrreiche Schrift, in welcher die hierauf bezüglichen Lehren der mittelalterlichen Theologen ausfürlich behandelt werden, die rationalistische oder einseitig supernaturalistische Anschauung auf Grund neuer, sich banbrechender theologischer Erkenntnisse nach dem Maße christlicher Erfarung bekämpft wird. Die Schrift darf als ein Stück der inneren Lebensgeschichte Harleß’ gelten. Charakteristisch sind die beigefügten Thesen: I. Qui scit ut sciat, stultus est (J. Wessel). II. Praerogativa Dei totum hominem complectitur, nec minus ad rationem, quam ad voluntatem humanam extenditur: ut homo scilicet in universum se abneget et accedat Deo (Fr. Baco). III. Nemo ad docendum erit unquam idoneus, nisi qui Evangelii virtutem prius ipse imbiberit, ut non tam ore loquatur quam cordis affectu (Calvin). IV. Intelligi benificia Christi non possunt, si ignoretur, quid sit peccatum (Melanchthon). V. Ἀρχὴ μὲν πίστις, τέλος δὲ ἀγάπη (Ignatius). VI. Meri sunt errores et caligines, quibus docetur, hominem posse naturalibus viribus omnia mandata Dei servare et facere (Luther). Drei Jare nach seiner Habilitation wurde Harleß eine außerordentliche Professur mit dem Nominalfach der neutestamentlichen Exegese übertragen. Die Ernennung war bedeutsam und entscheidend nicht bloß für Harleß’ eigenen Lebensgang, sondern auch für die Geschichte der theologischen Fakultät in Erlangen, die Geschichte, darf man wol sagen, kirchlich lutherischer Theologie. Winer hatte 1832 Erlangen verlassen; es handelte sich um einen

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 74. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/88&oldid=3212348 (Version vom 31.7.2018)