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Spaziergängen begleitete und hier mit ihm theologisirte. Unter denen, die Harleß damals und auch später besonders nahe standen, waren nicht wenige Pfälzer und Schweizer Glieder der unirten und der reformirten Kirche. Harleß war in seiner kirchlichen Richtung, so fest sie war, nicht exklusiv, nicht engherzig.

 Das einige Jare wärende Zusammenwirken von Harleß und Hofmann, welch letzterer 1836 sich habilitirt hatte, war für die Studirenden äußerst anregend. Manchen war Hofmann zu neuernd, manchen Harleß zu wenig vermittelnd; einzelne mieden anfangs Hofmann ganz und hielten sich nur zu Harleß, wärend kaum Anhänger Hofmann’s sich von jenem völlig zurückzogen. Als Harleß im Jare 1836 auch Universitätsprediger geworden war, traten einzelne in ein nahes seelsorgerliches Verhältnis zu ihm; mancher gesegnete Diener der Kirche dankt es Harleß heute noch, dass er ihm in innerer Not sein angefochtenes Herz ausschütten und bei ihm Rat und Trost im Beichtstul und am Tische des Herrn holen durfte. Wir leugnen nicht, dass es in der späteren Zeit unter den Studirenden auch solche gab, denen, wenn sie schon nachher in der ernsten Schule des Lebens und Amtes zu fester kirchlicher Überzeugung gefürt wurden, damals das konfessionelle Moment nach manchen Seiten, weniger wol in thesi als in praxi, zu stark betont erschien. Nie hat Harleß nämlich auf dem Katheder einer gereizten konfessionellen Polemik sich hingegeben; es gilt dies insbesondere auch für eines seiner bedeutendsten Kollegien, die Symbolik. Von seiner Vorlesung über Ethik waren viele schon in den dreißiger Jaren tief ergriffen; manche gingen aus ihr wie „aus einer Beichte“. Harleß genoss bis zuletzt in Erlangen ein seltenes Ansehen und das unbedingteste Vertrauen; er war von nicht geringem Einfluss auf den ganzen Universitätskörper. Als er im Jare 1841 einen Ruf nach Rostock erhielt und denselben nach längerem Schwanken ablehnte, ward ihm eine glänzende Ovation zu teil. Harleß sollte Erlangen überhaupt öfters verlassen. Rufe oder Anfragen wegen Übersiedelung an andere Universitäten kamen auch von Berlin, Dorpat und Zürich an ihn.

 In Erlangen schrieb Harleß seine drei Hauptwerke: den „Commentar über den Brief Pauli an die Ephesier“, 1834, die

Empfohlene Zitierweise:
Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 78. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/92&oldid=3212353 (Version vom 31.7.2018)