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und Kirche“. Sie trat in Bayern gerade zur rechten Zeit auf, als eben das „Homiletisch-liturgische Korrespondenzblatt“ von Chr. Ph. H. Brandt, das neben Kraffts Wirksamkeit und der Thätigkeit Roths einen sehr wesentlichen Faktor für die allmähliche Regeneration der bayerischen Landeskirche bildete, seinen Mahn- und Weckruf eingestellt hatte. Die neue Zeitschrift, für welche außer Theologen Lehrer aller Fakultäten und andere kirchlich gesinnte Männer sich vereinigt hatten, stellte sich Aufgabe und Ziel der Natur der Sache nach weit höher als jenes Blatt. Sie hatte von vornherein eine ernste theologisch-wissenschaftliche Haltung, bei allem Absehen auf das unmittelbar kirchliche Interesse; die kirchlichen Fragen sollten prinzipiell theologisch behandelt werden; es galt wissenschaftliche Vertretung des kirchlichen Bekenntnisses; gerade dadurch erhielt dieses Organ ein maßvolles, nüchternes, universelles Gepräge. Das Programm desselben wurde von Harleß selbst mit klaren Zügen entworfen; positive Bezeugung soll sein Charakter sein, aber auch Gegensatz gegen eine Kirche, die nichts vom Protestantismus, und einen Protestantismus, der nichts von Kirche wissen will. Bestimmt sind die Gegensätze gefasst, mit welchen es die Zeitschrift innerhalb der eigenen Kirche zu tun hat: der Rationalismus, die mystisch-pietistische Richtung und die gelehrte theologische Schule. Der Protestantismus fordert freie Forschung; die Kirche hat aber im Bekenntnis zwar nicht ihre Blüte und Krone, wol aber die gesunde Wurzel ihres ganzen Daseins. Nicht von einem Pochen auf das Bestehende kommt das Heil, im letzten Grunde allein vom HErrn der Kirche: „Keine Theorie, keine Weisheit, keine Macht der Erde kann uns vom Fall erretten, so wir nicht in gemeinsamem Glauben zu diesem HErrn Herzen und Hände wider erheben“. Mit Nachdruck wird die Lebensmacht des Protestantismus auch auf dem Gebiete der Bildung, der Kunst etc. hervorgehoben. Charakteristisch für die Stellung zu der geschichtlich gegebenen Kirche sind die Worte: „Uns zieht der heimatliche Boden der Gegenwart an, das Land, das wir bereits besitzen, das uns genug Schweiß und Thränen bereitet durch den Sand der Wüste, den die Verwilderung achtlos hat hereinwehen lassen, und das uns genug

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Adolf von Stählin: Löhe, Thomasius, Harleß. J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1887, Seite 83. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Adolf_von_St%C3%A4hlin_-_L%C3%B6he,_Thomasius,_Harle%C3%9F.pdf/97&oldid=3212358 (Version vom 31.7.2018)